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Ohne Bein bist du Arm dran. So sage mir, wieviel du zahlst.

Verfasst: Donnerstag 10. November 2011, 17:00
von Anveena Midame
Wie genüßlich es doch war, die Leiden und Wünsche der Menschheit mit Hoffnung zu versehen. Das Funkeln in ihren Augen, wenn Sie etwas verloren geglaubtes wiederbekommen könnten.
Und dennoch, war es ein stetig gewaltiger Akt, die geheimsten und intimsten Wünsche aus dem Menschen herauszulocken. Eine große Kunst der Manipulation lag vor ihr, wenn Sie in Gesprächen den Menschen ihr gegenüber so lenken möchte, dass Sie ein zufriedenstellendes Ergebnis geliefert bekommt.
Doch auch Ausnahmen gibt es.
Gar Situationen, wo die Antwort einem förmlich ins Gesicht springt.
Der Bettler, der sich nach Wohlstand sehnt, der Hämpfling, der Stärke möchte, die Hässliche, die Schönheit begiert. Oder, wie auch in diesem Falle, die arme Frau mit einem Bein.
Es vermag keine große Kunst zu sein, Sie zu verführen und zu begeistern. Der Gedanke, wieder auf 2 festen Beinen zu stehen, schien ihr sicher ewig nur wie ein Traum. Und nun, war eben jener Traum so zum greifen nahe.
Ja, so nahe, dass selbst Emotionen und Gefühle, der klare Verstand begannen, sich von der Person zu entfernen.
Es waren leichte Schritte...
offenbare ihr deine Macht, verspreche ihr das Glück...wenn Sie sich damit angefreundet hat, stelle die Bedingung und zeige ihr die Kehrseite, das Dunkle, was die Erfüllung beinhaltet. Gib ihr Zeit zum nachdenken, sie wird es nicht ablehnen und ihr Wille gehört dir.
So wurden auch schon die strahlendsten Ritter bekehrt. Ja, nehme ihnen etwas, was ihnen am wichtigsten ist...um es zu bekommen, verfallen Sie in den Wahnsinn der Dunkelheit.
Verspreche ihnen das Glück, zeige ihnen, dass es keine falschen Götter braucht, die einem nur versuchen, Trost zu spenden, sondern dass man Nägel mit Köpfen macht und nichts unmöglich erscheint.
So wird es also nun kommen, ein Opfer war auserkorren...der Verlust eines Beines...für den Gewinn eines Beines. Das Gleichgewicht mag erhalten bleiben, glücklich wird aber am Ende vielleicht nur die Puppenspielerin, die sich in der Herrlichkeit ihrer Selbst suhlt.

Phantome der Warnehmung

Verfasst: Freitag 25. November 2011, 16:28
von Sabriel Seuferling
Eines Tages kam ein Kunde, der ein Pferd kaufen wollte. Die Einbeinige holte aus ihrem Stall ein stolzes, zierliches Ross, um es mit allerlei Lob zu präsentieren. Es schien ein wenig nervös zu sein und trat mit seinem großen Huf plötzlich dicht an sie heran, woraufhin sie “Autsch!” schrie, “Pass doch auf deine Hufe auf!”. Der Kunde blickt die Bäuerin lediglich irritiert an, denn das Pferd stand nicht auf ihrem Fuß.
Der Fuß war eine Illusion, aber der Schmerz war real.




3 Sommer waren bereits vergangen.
Ihr Leben hatte sich verändert, aber die junge Frau mit den goldblonden Locken hatte nicht ihr Lachen und ihre Kindlichkeit verloren. Ohne die Pferde wäre sie niemals über dieses Ereignis hinweg gekommen, obwohl eines von ihnen die Ursache dafür war. Aber sie liebte es trotz allem. Endlich war sie auch wieder in der Lage, selbstständig einen Hof zu führen. Für lange Zeit hatte sie vollständig auf die Feldarbeit verzichtet, war zum Beispiel als angestellte Magd auf Bauernhöfen zugegen. Nur um festzustellen, dass das doch nicht genug war.
Sie lernte mit Hilfe der Pferde die Felder umzupflügen und schaffte es dadurch, sich wieder einen Hof leisten zu können. Die Bewirtschaftung des eigenen Gutshofes kostete sie viel Zeit und Kraft, aber sie war stolz auf sich, diese Arbeit allein zu bewältigen.

Eines Tages traf sie diese Frau vor der Kutsche bei Bajard. Sabriel hatte einen guten Eindruck von ihr und mächtig schien sie auch noch zu sein, obwohl sie das verweste Pferd doch als ein wenig seltsam erachtete.
Die Fremde plauderte zunächst mit ihr, sprach sie auf ihren Makel an, machte einen Vorschlag, gab ihr schließlich ein Versprechen und forderte eine Gegenleistung, die sich Sabriel allerdings nicht erschließen konnte. Ihr Traum war zum Greifen nahe und das war das einzige, woran sie nun noch dachte. Die Frau gab ihr Zeit zum Nachdenken, doch eigentlich wusste sie die Antwort schon lange. Die letzten Zweifel wurden verdrängt als auch die Frage danach, woher dieses Bein kommen würde. Der Ort war vereinbart und nun hieß es nur noch: warten… bis der Zeitpunkt gekommen war.

Seitdem der Brief abgeschickt worden war, mied sie so gut es ging Rahal sowie Bekannte. Die angesprochenen Probleme der Magierin bereiteten ihr nachts noch Kopfzerbrechen. Auch die Phantomschmerzen kehrten wieder zurück. Ein Brennen oder das Gefühl einer Quetschung rissen sie nachts aus dem Schlaf. Das Phantomglied fühlte sie im Alltag wieder stärker als je zuvor.
Bald sollte es soweit sein, dann wären es nicht mehr Hirngespinste…