Vom richtigen Holz
Verfasst: Freitag 14. Oktober 2011, 20:13
Vom richtigen Holz
Endlich angekommen!
Mit einem tiefen Gefühl der Zufriedenheit blickte sich Teya in ihrer Höhle um, mit der rechten Hand dabei über das weiche Fell des Pumas streichend der neben ihr auf den Fellen lag, eine Tatze ausgestreckt ihr Bein berührend.
Das Wagnis den alten Wald zu verlassen hatte sich gelohnt. Nicht nur weil sie hier ein sicheres Versteck für den nahenden Winter gefunden hatte, sondern weil sie sich tatsächlich begann heimisch zu fühlen. Das lag nicht zuletzt an den Leuten von denen sie mittlerweile anfing einige ins Herz zu schließen, was sie selbst mit einem gewissen Erstaunen zur Kenntnis nahm. Ganze vierzehn Jahre davor hatte sie weitgehend alleine gelebt, nur umgeben von den Tieren die bisweilen ihre Nähe zu suchen schienen. Ihrem Gefühl nach hätte sie gut und gerne den Rest ihres Lebens ohne dauerhafte Kontakte zu anderen Zweibeinern verbringen können. Aber nun schien sich abzuzeichnen, dass es wohl doch anders kommen würde. Lächelnd betrachtete sie kurz die große Katze zu ihrer rechten, deren tiefes, murmelndes schnurren ein wohliges Gefühl erzeugte.
Während sie dann entspannt ihren Blick weiter durch die Höhle schweifen lässt, bleibt ihre Aufmerksamkeit an einem Holzbrett haften, welches ihr gegenüber an die Wand gelehnt steht.
Ein starkes Eichenbrett, gut zwei Schritt lang und zwei Spann breit. Auf dem Brett ist ein vielleicht drei Finger starker, etwas über eineinhalb Schritt langer Zypressenast festgebunden. Daneben stehen noch drei weitere solcher Konstruktionen, aber die mit dem roten Holz darauf sticht deutlich heraus. Wenn man sich die Vorrichtung genauer betrachtet sieht man, dass der Ast an drei Stellen festgebunden ist. Einmal genau in der Mitte und dann jeweils eine handbreit von den Enden entfernt. Zwischen den Schnürungen sind armdicke Aststücke unterlegt, die das Holz der Zypresse in eine doppelte S-Form zwingen.
Schon vor einiger Zeit hatte sie Holz geschlagen und schon damals war klar, als sie den Ast in Händen hielt, dass es einen hervorragenden Rohling für den Bogenbau ergeben würde. Entsprechend sorgfältig hatte Teya gleich die Holzwunden an den Enden mit Wachs versiegelt. Die darauf folgenden Tage wurde das Holz von ihr täglich mit Nelkenöl gesalbt und seither duftete es in der Höhle recht intensiv nach Feuernelken und, was das eigentlich wichtige daran war, dass das Holz getränkt durch das Öl nun geschmeidig und gegen Witterungseinflüsse geschützt war.
Tja und nun wartete der Rohling schon seit einigen Tagen darauf fertig gestellt zu werden, aber Teya hatte das bisher vor sich her geschoben. Immer wieder zwar schaute sie das Brett an, aber irgendetwas hatte ihrem Gefühl nach bisher immer gefehlt. Das würde ein besonderer Bogen werden, dessen war sie sich bewusst. Ein besonderes Zeichen ihres Standes, ihrer Berufung und sie wollte dass er perfekt für sie wird.
Und just in dem Moment wie sie da sitzt, mit einer Hand das Fell der Katze streichelnd erhellt sich ihre Mine und sie steht abrupt auf.
An ihrem Schreibtisch zieht sie sogleich ein Pergament hervor und beginnt zu zeichnen. Zunächst einen kleinen Falken mit ausgebreiteten Schwingen und kleinen Linien hinter den Flügeln die das Gefühl vermitteln er sause gerade schnell durch die Lüfte. So schnell wie die Pfeile die er bald verschießen wird geht es Teya durch den Kopf und sie lächelt zufrieden. Danach skizziert sie den Körper eines Bären. Ein schneller Pfeil braucht eine weise Hand die ihn lenkt denkt sie bei sich, als sie den Bären auf allen vier schweren Pranken stehend malt. Ihm zur Seite stellt sie den Wolf. Weisheit ohne Hingabe und Liebe führt bisweilen zu falschen Schlüssen. Sie wiegt mit dem Kopf, während sie mit ruhige Hand den Stift führt und den Wolf, sitzend mit erhobenem Haupt zeichnet, wie sein Ruf an die Klugheit und den Schutz der Seinen appelliert.
Den beiden gegenüber stellt sie den Hirsch als Symbol der Fähigkeit in sich zu hören und daraus unabhängige Entscheidungen zu treffen und zu guter Letzt den Puma als Zeichen der Anmut und der Kraft konzentrierter Energie.
So viele Tiere gäbe es noch, doch für ihren Bogen ist damit genug getan, schließt sie.
In Überlegungen versunken, wie sie denn nun die Motive auf das Holz übertragen könnte ohne seine Struktur allzu sehr zu beschädigen, zeichnet Teya Bäume um die Tiere herum. Nach Abwägen der Möglichkeiten zieht sie zwei Dolche mit schmalen Klingen aus einer Schublade und geht mit ihnen in die Küche wo sie sie an den Rand der Feuerstelle legt, so das sich deren Spitzen nahe der Glut befinden.
Während die Klingen erhitzen schneidet sie den Rohling vom Brett und betrachtet zufrieden das geschwungene Holz mit den sich verjüngenden und etwas abgeflachten Enden. Er würde sich gut spannen lassen und die Pfeile kraftvoll verschießen, folgert sie während ihre Finger über das Holz gleiten und nach Unebenheiten tasten bevor sie, offenbar zufrieden mit der Prüfung, beginnt einen schmalen Lederstreifen um die Mitte des angehenden Bogens zu schlingen an der Stelle wo er später würde gehalten werden.
Danach zieht sie sich einen Hocker an die Feuerstelle und beginnt den Bogen mit Tierbildern zu verzieren, indem sie sie mit der heißen Spitze der Dolche in das Holz brennt. Viele Stunden braucht Teya bis das rote Holz fast vollständig mit feinen schwarzen Linien überzogen ist. Wenn man den Bogen von der Nähe betrachtet sieht man dass vom Griff weg jeweils ein Baum gezeichnet ist, dessen Stamm in dem Lederband des Griffes mündet. Den Bogenrücken und einen beträchtlichen Teil der Wurfarme zieren die Tierbilder und die Enden des Bogens zeigen ein Blätterwerk als Motiv.
Spät in der Nacht ist es, als Teya die letzte Line in das Holz brennt und dann erschöpft den Dolch weglegt. Ja, das ist ihr Bogen denkt sie zufrieden als sie zu den Fellen geht und kaum liegend in tiefen Schlaf sinkt.
Endlich angekommen!
Mit einem tiefen Gefühl der Zufriedenheit blickte sich Teya in ihrer Höhle um, mit der rechten Hand dabei über das weiche Fell des Pumas streichend der neben ihr auf den Fellen lag, eine Tatze ausgestreckt ihr Bein berührend.
Das Wagnis den alten Wald zu verlassen hatte sich gelohnt. Nicht nur weil sie hier ein sicheres Versteck für den nahenden Winter gefunden hatte, sondern weil sie sich tatsächlich begann heimisch zu fühlen. Das lag nicht zuletzt an den Leuten von denen sie mittlerweile anfing einige ins Herz zu schließen, was sie selbst mit einem gewissen Erstaunen zur Kenntnis nahm. Ganze vierzehn Jahre davor hatte sie weitgehend alleine gelebt, nur umgeben von den Tieren die bisweilen ihre Nähe zu suchen schienen. Ihrem Gefühl nach hätte sie gut und gerne den Rest ihres Lebens ohne dauerhafte Kontakte zu anderen Zweibeinern verbringen können. Aber nun schien sich abzuzeichnen, dass es wohl doch anders kommen würde. Lächelnd betrachtete sie kurz die große Katze zu ihrer rechten, deren tiefes, murmelndes schnurren ein wohliges Gefühl erzeugte.
Während sie dann entspannt ihren Blick weiter durch die Höhle schweifen lässt, bleibt ihre Aufmerksamkeit an einem Holzbrett haften, welches ihr gegenüber an die Wand gelehnt steht.
Ein starkes Eichenbrett, gut zwei Schritt lang und zwei Spann breit. Auf dem Brett ist ein vielleicht drei Finger starker, etwas über eineinhalb Schritt langer Zypressenast festgebunden. Daneben stehen noch drei weitere solcher Konstruktionen, aber die mit dem roten Holz darauf sticht deutlich heraus. Wenn man sich die Vorrichtung genauer betrachtet sieht man, dass der Ast an drei Stellen festgebunden ist. Einmal genau in der Mitte und dann jeweils eine handbreit von den Enden entfernt. Zwischen den Schnürungen sind armdicke Aststücke unterlegt, die das Holz der Zypresse in eine doppelte S-Form zwingen.
Schon vor einiger Zeit hatte sie Holz geschlagen und schon damals war klar, als sie den Ast in Händen hielt, dass es einen hervorragenden Rohling für den Bogenbau ergeben würde. Entsprechend sorgfältig hatte Teya gleich die Holzwunden an den Enden mit Wachs versiegelt. Die darauf folgenden Tage wurde das Holz von ihr täglich mit Nelkenöl gesalbt und seither duftete es in der Höhle recht intensiv nach Feuernelken und, was das eigentlich wichtige daran war, dass das Holz getränkt durch das Öl nun geschmeidig und gegen Witterungseinflüsse geschützt war.
Tja und nun wartete der Rohling schon seit einigen Tagen darauf fertig gestellt zu werden, aber Teya hatte das bisher vor sich her geschoben. Immer wieder zwar schaute sie das Brett an, aber irgendetwas hatte ihrem Gefühl nach bisher immer gefehlt. Das würde ein besonderer Bogen werden, dessen war sie sich bewusst. Ein besonderes Zeichen ihres Standes, ihrer Berufung und sie wollte dass er perfekt für sie wird.
Und just in dem Moment wie sie da sitzt, mit einer Hand das Fell der Katze streichelnd erhellt sich ihre Mine und sie steht abrupt auf.
An ihrem Schreibtisch zieht sie sogleich ein Pergament hervor und beginnt zu zeichnen. Zunächst einen kleinen Falken mit ausgebreiteten Schwingen und kleinen Linien hinter den Flügeln die das Gefühl vermitteln er sause gerade schnell durch die Lüfte. So schnell wie die Pfeile die er bald verschießen wird geht es Teya durch den Kopf und sie lächelt zufrieden. Danach skizziert sie den Körper eines Bären. Ein schneller Pfeil braucht eine weise Hand die ihn lenkt denkt sie bei sich, als sie den Bären auf allen vier schweren Pranken stehend malt. Ihm zur Seite stellt sie den Wolf. Weisheit ohne Hingabe und Liebe führt bisweilen zu falschen Schlüssen. Sie wiegt mit dem Kopf, während sie mit ruhige Hand den Stift führt und den Wolf, sitzend mit erhobenem Haupt zeichnet, wie sein Ruf an die Klugheit und den Schutz der Seinen appelliert.
Den beiden gegenüber stellt sie den Hirsch als Symbol der Fähigkeit in sich zu hören und daraus unabhängige Entscheidungen zu treffen und zu guter Letzt den Puma als Zeichen der Anmut und der Kraft konzentrierter Energie.
So viele Tiere gäbe es noch, doch für ihren Bogen ist damit genug getan, schließt sie.
In Überlegungen versunken, wie sie denn nun die Motive auf das Holz übertragen könnte ohne seine Struktur allzu sehr zu beschädigen, zeichnet Teya Bäume um die Tiere herum. Nach Abwägen der Möglichkeiten zieht sie zwei Dolche mit schmalen Klingen aus einer Schublade und geht mit ihnen in die Küche wo sie sie an den Rand der Feuerstelle legt, so das sich deren Spitzen nahe der Glut befinden.
Während die Klingen erhitzen schneidet sie den Rohling vom Brett und betrachtet zufrieden das geschwungene Holz mit den sich verjüngenden und etwas abgeflachten Enden. Er würde sich gut spannen lassen und die Pfeile kraftvoll verschießen, folgert sie während ihre Finger über das Holz gleiten und nach Unebenheiten tasten bevor sie, offenbar zufrieden mit der Prüfung, beginnt einen schmalen Lederstreifen um die Mitte des angehenden Bogens zu schlingen an der Stelle wo er später würde gehalten werden.
Danach zieht sie sich einen Hocker an die Feuerstelle und beginnt den Bogen mit Tierbildern zu verzieren, indem sie sie mit der heißen Spitze der Dolche in das Holz brennt. Viele Stunden braucht Teya bis das rote Holz fast vollständig mit feinen schwarzen Linien überzogen ist. Wenn man den Bogen von der Nähe betrachtet sieht man dass vom Griff weg jeweils ein Baum gezeichnet ist, dessen Stamm in dem Lederband des Griffes mündet. Den Bogenrücken und einen beträchtlichen Teil der Wurfarme zieren die Tierbilder und die Enden des Bogens zeigen ein Blätterwerk als Motiv.
Spät in der Nacht ist es, als Teya die letzte Line in das Holz brennt und dann erschöpft den Dolch weglegt. Ja, das ist ihr Bogen denkt sie zufrieden als sie zu den Fellen geht und kaum liegend in tiefen Schlaf sinkt.