Seite 1 von 1
Tiere, Pflanzen und eine kleine Schwester
Verfasst: Donnerstag 6. Oktober 2011, 13:05
von Melinda Larion
Als Melinda an diesem Morgen erwachte, fühlte sie sich, als würde sie auf Wolken schweben. Genüsslich streckte sie sich aus und schnurrte wohlig. Kein Knirschen und Knacken in den Gelenken beim Aufstehen. Nur ein wunderschönes, entspanntes Gefühl. In Gedanken machte sie sich eine Notiz, Marzius dafür besonders zu danken. Mit einem leichten Seufzen erhob sie sich von ihrem Nachtlager und tappte verschlafen aus dem kleinen Schlafräumchen hinaus. Die ersten Sonnenstrahlen fielen gerade über das Land und der Anblick lud zum Träumen ein.
Ihre Gedanken wanderten zum vergangen Abend. Ein leichtes Lächeln schlich sich auf ihr Gesicht. Eigentlich wollten sie nur Möbel holen in Marzius' Laden. Im Endeffekt verbrachten sie den Abend in der heißen Quelle im Keller, genossen die Nähe des jeweils Anderen und ließen sich von ihren Gefühlen treiben. Zärtlich und sanft schmiegten sie sich aneinander, spürten den Partner und konnten nicht glauben, dass dies grade so geschah. Dass ihre beiden Lebenswege sich auf solch einfache Art und Weise gekreuzt und sich nun verschlungen hatten. Sie hatte sich jeden Zentimeter seines Körpers eingeprägt und ihr war, als spürte sie seine Hände noch an ihrem Rücken und in ihrem Gesicht, wie diese sie zart liebkosen.Der Abschied kam jedoch viel zu schnell. Die Zeit war wie im Fluge vergangen, ehe er sie an ihre kleine Schwester erinnerte, die daheim alleine wartete und sich sicher schon Sorgen machen würde. Mit einem Gefühl der Traurigkeit hatte sie Düstersee dann verlassen auf Kigamis Rücken. Der Hengst schien ihren Kummer zu spüren. Als sie an dem Hof abstieg rieb er sachte sein stolzes Haupt an ihrem Arm und schnaubte beruhigend, so als wollte er ihr sagen, dass sie und Marzius sich bald wiedersehen würden. Dankbar lehnte sie sich kurz an das kräftige Tier, welches ihr schon lange ein treuer Freund war. Nach einer Weile richtete sie sich wieder auf und befreite das Pferd von der zusätzliche Last von zwei Betten, zwei Schränken und einem Gemälde. Ächzend schleppte sie die Kiste in das kleine Zimmer, was sie und ihre Schwester bewohnten.Doch ihre Schwester lag nicht dort. Mit gerunzelter Stirn hatte sie sich auf die Suche gemacht und sie schließlich im Stall gefunden, friedlich schlafend im Stroh. Für diese Nacht wollte Melinda sie noch lassen und kehrte in den Raum zurück um die Möbel noch aufzubauen mitten in der Nacht.
Und nun stand sie hier und blickte verträumt auf den Sonnenaufgang, mit den Gedanken bei ihm. Doch noch länger konnte sie es sich nicht erlauben zu faulenzen. Schließlich musste etwas getan werden. Gerade als sie ein Feld ausgesät hatte, kam Amary auf den Hof und teilte ihr mit, dass sie bald den Hof verlassen müssten. Umbauten sollten getätigt werden und der Hof dann ganz dem Handwerkshaus zu Gerimor verschrieben sein. Melinda wusste, dass dieser Tag irgendwann kommen würde aber sie hatte nicht so plötzlich damit gerechnet. Etwas frustriert begann sie die Früchte ihrer Arbeit zu verstauen und sicher zu verpacken. Schließlich wusste sie nicht wie bald „bald“ sein würde. Gut, dass sie bereits den Antrag auf Bürgerschaft in Düstersee gestellt hatte. Hier würde sie nichts mehr halten und Düstersee sagte ihr eh mehr zu als die Nähe zum lichten Adoran und dem dortigen Trubel. Ihre kleine Schwester war jedoch erst zornig über diese Vorgänge und nur nach viel zureden und Beschwichtigung kühlte das hitzige Gemüt der 17-jährigen langsam wieder ab. Auch die Tatsache, dass Marzius und Melinda miteinander angebandelt haben, schockte sie nicht so sehr, wie Melinda erwartet hatte. Sie wusste schließlich am Besten wie sie dem Mädchen etwas beibringen konnte und sie bändigen konnte. Dieses Bündel an Energie. Diese Energie würde sie gut brauchen können dann in Düstersee, so ihnen die Bürgerschaft gestattet werden würde und sie den dortigen Hof übernehmen könnten.
Verfasst: Freitag 7. Oktober 2011, 10:06
von Melinda Larion
Grübelnd lag sie in der folgenden Nacht wach. Sie hatte den Tag in Düstersee verbracht und den Abend bei Marzius im Laden. Als sie sich gegen halb 11 in der Nacht in Marzius privaten Bereich zurückgezogen hatten, verlief eigentlich alles so wie am Abend zuvor. Ein heißes Bad, die Nähe, die Berührungen doch irgendwann kam von ihm der Satz: „Wir sollten zurückhaltender sein.“ Verwirrt und mit einem „Warum“ auf den Lippen löste sich Melinda von dem Schreiner und sah ihn an. „Wir kennen uns noch nicht so lange.“ Damit hatte er durchaus recht, aber war das ein Grund sich nicht aufeinander einzulassen? Unverständnis machte sich in ihr breit. Er erklärte ihr, dass er viel Arbeit hätte und dass es nicht fair ihr gegenüber wäre, dass er sie vernachlässigen würde. Die Erwiederung, dass sie auf ihn warten würde, quittierte er nur mit einem Lächeln. Während er sich wohl weniger Gedanken über die Situation grade machte, ratterten bei ihr die Gedanken rauf und runter. Lag es an ihr? Oder an den anderen Frauen, die ihm zuhauf zu Füßen lagen? Was hatte das alles nun zu bedeuten? Wollte er sie nun doch nicht haben? Nur die letzte Frage schaffte es aus ihrem Mund und er sah sie daraufhin verwirrt an. Sie erklärte ihm ihre Bedenken und da war es wieder: dieses Lächeln. Dieses wunderbare Lächeln, dass ihr das Herz aufgehen ließ. Das Lächeln, mit dem er sie für sich gewonnen hatte. Wie gerne hätte sie dieses Lächeln nur für sich. Doch noch war es wohl zu früh Hoffnungen zu hegen. Aneinander geschmiegt saßen sie dort im Wasser, redeten über...ja...über was eigentlich? Über die Zeit, wenn er nicht mehr so viel Arbeit hatte, wenn der Punkt der Vernachlässigung nicht mehr erfüllt war. Sachte setzte sich Melinda auf und sah ihm in die Augen. „Könntest...könntest du dir etwas vorstellen, wenn du weniger beschäftigt bist?“ Sie sah ihn mit ihren großen hellblauen Augen an um eventuell die Antwort schon in seinen Augen lesen zu können. Er sah sie nur an und erwiderte ruhig: „Sicher.“ Erleichterung machte sich in ihr breit und sie schmiegte sich an ihn und gab ihm einen Kuss. Dann überlegte sie weiter und schlug ihm quasi einen kleinen Vertrag vor. Bis er weniger Arbeit hatte sollte es so bleiben, wie es jetzt ist. Abendliche Treffen, Entspannung im heißen Wasser und sie würden sich kennen lernen. Reden. Eigentlich ein normaler Beziehungsanfang. Sie hatten bisher das Pferd von hinten aufgezäumt, nun sollte alles den normalen Weg laufen. Etwas verwirrend, doch so bestand die Chance auf etwas Gemeinsames. Nur eines lag ihr noch auf dem Herzen und Melinda sah ihren Partner nun forschend an. Sie wollte ehrlich zu ihm sein, was sie auch sagte. Stockend sagte sie, dass sie es nicht ertragen würde, wenn er sich in dieser Zeit einer anderen zuwenden würde oder sich gar eine andere Frau ins Bett holen würde. Lachend und zwinkernd sagter er nur: „Darüber müssen wir aber nochmal reden.“ Innerlich erstarrte Melinda zu Eis, was ihm wohl auch nicht entgangen war ehe er lächelnd hinzusetzte, dass er keine Zeit hätte um mit jeder Frau, die er trifft, eine Beziehung anzufangen. Melinda selbst legte nun den Kopf schief und fragt: „Du bezeichnest das, was wir haben als Beziehung?“ Wie sehr hätte sie sich ein „Ja“ gewünscht, doch die Antwort blieb er ihr schuldig.
Verfasst: Donnerstag 13. Oktober 2011, 16:26
von Melinda Larion
Es wurde kälter und dunkler. Die dunkle Jahreszeit war nicht mehr fern. Grade in diesen Zeiten dachte Melinda an früher, an ihre „Kindheit“. Sie dachte an ihre Eltern oder an die Personen, die diese darstellten. Sie war die Älteste gewesen von drei Geschwistern. Eine Schwester, Xandoria, und ein Bruder. Melinda hatte die Aufgabe auf ihre Geschwister aufzupassen, wenn die Eltern nicht da waren. Das war oft der Fall. Oft ließ man die Kinder tage-, wenn nicht sogar wochenlang alleine in der alten Hütte, was sie ihr Zuhause nannten. An allen Ecken und Enden knarzte und zog es. Vor allem im Herbst und im Winter war es schlimm. Die eisige Kälte kroch durch den schiefen Rahmen der Tür und durch die teils kaputten Fenster der Behausung. Wenn der Wind um das Haus pfiff und die Geräusche von Tieren draußen zu vernehmen waren, bekamen ihre Geschwister Angst und suchten Halt und Trost bei der Ältesten, die selbst noch ein Kind war. Aber sie musste stark sein, stark für die Kleinen und stark für die ungewisse Zukunft, die sie erwartete. Es war einer dieser Abende in einem strengen Winter der Melindas Leben wohl für immer veränderte. Ihre Erzeuger waren wieder mal außer Haus, im Dorf in einer Taverne. Das Feuer drohte auszugehen. Xandoria, die damals erst neun Jahre alt war, fror erbärmlich. Ihr kleiner Bruder, nur ein Jahre jünger als Xandoria, ebenso. Melinda musste Holz besorgen, schnell. Aus ein paar Lumpen in der Hütte formte sie schnell zwei Überwürfe. Einen davon drückte sie dem Jüngsten in die Hand, den anderen ihrer Schwester. Letztere zog sie hinter sich her zum Feuerholz suchen. Der Jüngste wurde ermahnt alles nur erdenklich Mögliche zu machen um es, bis sie zurück waren, glühen zu lassen. Melinda erinnerte sich noch genau an die Worte, die sie damals gesprochen hatte. „Bleib hier, achte auf das Feuer und gehe nicht vor die Tür.“ Sie selbst und Xandoria waren losgezogen um Holz zu suchen, welches sie verwenden konnten. Es dauerte lange, viel zu lange, bis sie wieder zurückkehrten. Innerlich erstarrte Melinda als sie die offene Tür der Hütte sah. Der frisch gefallene Schnee war niedergetrampelt und matschig. Von innen kamen Geräusche, Stimmen, bekannte wie unbekannte. Ihre Eltern waren zurück, doch es war noch jemand bei ihnen. Ein Mann. Seine dunkle Stimme jagte Melinda einen Schauer nach dem nächsten über den Rücken und sie schob Xandoria wieder nach hinten zwischen die schneebedeckten Sträucher. Beide duckten sie sich nun und beobachteten die Vorgänge von außen. Ihr kleiner Bruder schrie und weinte, sodass es Melinda innerlich zerriss. Ein Schatten tauchte in der Tür auf und man vernahm nur Wortfetzen. „Der Junge... Arbeitskraft... Gold...“ . Der Schatten trat aus der Tür und zerrte einen viel kleineren Schatten hinter sich her. Melinda war stumm und starr vor Entsetzen. Sie verfolgte die beiden noch mit ihren Blicken, bis sie außer Sichtweite waren. Nur langsam, ganz langsam, drang ihre derzeitige Situation in ihren Kopf. Ihr Bruder war verkauft worden. Von ihren eigenen Eltern. Melinda sah zu ihrer kleinen Schwester neben sich, der die Tränen unablässig über die Wangen liefen. Mit einem festen Griff nahm sie deren Hand und zog sie hinter sich her, weg von dem Haus, weg von dem Mann. Sie sollten nicht so enden.
Fast unmerklich lief der nun 24 Jahre alten Frau eine Träne über die Wange. Ob ihr Bruder noch lebte? Ob es ihm gut ging? Sie wusste es nicht. Sie wusste gar nichts. Unwirsch wischte sie das Wasser weg. Es war Vergangenheit und sie musste damit leben. Sie konnte nur hoffen, dass sie sich irgendwann wieder sahen. Vorsichtig strich sie sich über den Hals, dort wo ein dunkler Fleck diesen zierte. Marzius hatte ihr den Fleck dort hin gemacht und sie, zumindest temporär, gezeichnet. Sie hatte es sich nicht nehmen lassen, ihn auf die selbe Art und Weise quasi zu markieren. Er wollte sie am heutigen Abend auch wieder sehen und sie würde zu ihm gehen. Sie hatte das Bedürfnis nach etwas Ruhe und Entspannung und einem Gesprächspartner. Sie hatten sich ja mittlerweile beide dazu entschlossen es langsam anzugehen und mit bestimmten Dingen zu warten, bis sie beide bereit dafür waren. Darauf hatten sie sich geeinigt. Auch wenn es mittlerweile mehr als nur schwer fiel. Seufzend und etwas wehleidig sah Melinda nun auf das Feld, was geerntet werden musste. Das war wenigstens eine Beschäftigung bis in die Abendstunden.
Verfasst: Montag 14. November 2011, 10:50
von Melinda Larion
Sie lebten nun schon mehrere Wochen in Düstersee und von Tag zu Tag fühlte sie sich wohler in diesem Ort. Nur eines trübte ab und an ihre gute Laune: Marzius war spurlos verschwunden und nicht mal eine kleine Nachricht von ihm hatte sie erreicht, sodass sie mit einem weinenden Auge diesen Teil ihres Lebensweges abschloss. Die Arbeit verdrängte den Schmerz darüber und nach einer Weile ging es mit ihr wieder bergauf. Die ersten Kunden waren auch schon da gewesen und sie hatte die Hoffnung, dass es nun auch mit dem Laden und dem Hof eine gute Wendung nehmen würde. Eine Begegnung gab ihr zu denken. Sie hatte in Rahal einige Besorgungen gemacht und auf dem Rückweg zur Kutsche traf sie auf ein Kind des Einen.
Die Letharin stellte sich ihr als Ked vor und Melinda hatte das Gefühl, dass sie sich sehr für die Menschen und ihre Eigenarten interessierte. Neugierig hatte die Letharin ihr Fragen über die Menschen, über Männchen und Weibchen und über körperliche Merkmale gestellt. Vor allem die Sommersprossen und die Oberweite von Weibchen schienen es ihr angetan zu haben. Melinda war sich sicher, dass sie wohl sehr rot im Gesicht geworden war. Der Themenwechsel kam schnell und sie beantwortete die Fragen des hohen Kindes gerne und schnell. Kuchen war wohl etwas, was die Letharin ebenso interessierte wie das menschliche Verhalten und sie sagte ihr, dass sie demnächst irgendwann vorbei kommen würde um Kuchen zu erhalten. Als sie wieder daheim war, prüfte sie ihre Vorräte. Die Sachen würden reichen für einige Kuchen. Mehl, Eier, Milch und Äpfel.
Verfasst: Mittwoch 7. Dezember 2011, 11:33
von Melinda Larion
Als sie aufwachte war ihr bewusst, dass sowohl der Ort als auch die Gesellschaft in der sie sich befand, anders war als sonst. Lächelnd betrachtete sie den Mann an ihrer Seite ehe sie zu überlegen begann, wie sie nun an diesen Punkt gekommen war.
Die Wochen waren ins Land gegangen und sie verschwendete keine Gedanken mehr an windige Typen und an ihre Vergangenheit. Melinda wollte im hier und jetzt leben und nicht in der Vergangenheit. Sollte sie sich einen Mann suchen, dann sollte es ein Mann sein der nicht einfach verschwand ohne Nachricht, ein Mann der ihr Stabilität geben konnte und das Gefühl der Sicherheit. Ein Mann der sie als das annimmt, was sie ist und der sie an seiner Seite haben wollte. Ja...so dachte sie mittlerweile. Doch solche Art Männer gab es anscheinend wenig oder gar nicht mehr im Land. Sie war gerade glücklich, so wie es ist. Auch ohne Mann. Sie hatte ihre Familie wieder beisammen. Marius hatte sie gesucht und gefunden. Melinda hatte den Jungen in ihm erkannt und ihn aufgenommen, solange bis er auf eigenen Füßen stehen konnte im heiligen alatarischen Reich. Er war die meiste Zeit unterwegs und erkundete die Umgebung um Düstersee herum, doch kam er immer wieder in den Schoß der Familie zurück. Xandorias umtriebiges Wesen machte sich auch bemerkbar. Sie war ebenso lange und oft weg, sodass Melinda selber oft alleine war. Diese Zeit widmete sie den Tieren und den Pflanzen. Zu Schutz vor dem Winter hatte die junge Frau bereits alle in den Keller gebracht und ordentlich in die Regale gestellt. Wenn sie sonst keine Ordnung hielt, bei den Pflanzen, den Waren und ihren Rezepten herrscht fast penible Ordentlichkeit. Es war zu dieser Zeit, kurz vor Wintereinbruch, dass sie einen recht ungewöhnlichen Besuch erhielt. Der Besuch an sich war eher nicht ungewöhnlich, vielmehr die Waren, die er haben wollte. Da stand Morgon Tar Adan vor ihr und wollte Blumen haben. Innerlich verwirrt brachte sie ihn in den Keller und zeigte ihm die bunte Vielfalt der Pflanzenwelt, die in diesem Raum wucherte. Während dem Gespräch wurde der Umgang vertrauter, neckischer und auch neugieriger. Ihre Andeutungen, dass Pflanzen oftmals auch gute Andeutungen sein können, schien ihn zum Lachen zu bringen als sie ihm zeitgleich einen Kaktus in die Hand drückte. Grinsend und das Spiel weitertreibend stellte sie ihm noch eine Pflanze namens „Errötende Jungfer“ vor die Nase und einen kleinen Tabakbaum. Die Stimmung war entspannt und fast schon vertraulich, doch mehr als das was alle in ihr sahen, war Melinda nicht bereit preiszugeben. Die einzige Person, die bisher einen Teil ihrer Geschichte kannte war Dylan. Warum sie ausgerechnet zu ihm das Vertrauen gefasst hatte, wusste sie nicht. Marzius hatte sie von ihrer Vergangenheit nichts erzählt.
Die Tage gingen ins Land und sie wusste inzwischen, dass Morgon vorhatte eine Art Wintergarten zu gestalten in seinem Haus und dafür ihre Pflanzen benötigte. Neugierig wie die junge Frau nunmal war, streifte sie ab und an um das Haus, konnte aber keinen Blick erhaschen. Womit man nun den gestrigen Abend ins Auge fassen kann. Die Ungeduld und Neugier trieb sie zu dem, was sie vorhatte. Mit einem etwas mulmigen Gefühl klopfte sie an die dunkle Holztür und wartete ab, ob man ihr öffnen würde. Etwas verdutzt blickte ihr dann das doch vertraute Gesicht des Älteren entgegen und sie trug ihr Anliegen vor. Sie wollte nur nachsehen, ob die Pflanzen alle wohlauf sind. Schmunzelnd ließ er sie ein, nahm ihr den Mantel ab und führte sie durch den Wohnbereich. Innerlich verwirrt von der Aufmerksamkeit, die er ihr schenkte ließ sie sich Küche, Ess- und Wohnbereich zeigen ehe er sie auf eine Tür hinwies. Melinda öffnete sie langsam und quietschte vor Freude auf als sie das Innere sah. Ihre Pflanzen, ordentlich und wohlauf, alle auf der Fensterbank versammelt und Sitzgelegenheiten. Kein unnötiger Tand oder Kram, nur die Ruhe des Raumes und seine Wirkung. Im Gespräch mit dem Krieger ließ sie sich treiben und lächelte selig, bis sie auf ein Thema kamen, was sie innerlich erfrieren ließ. Ihr Wesen, wieso ist sie so wie sie ist? Was hat sie dazu gemacht? Als sie ihn ansah, sah sie nur die Ruhe die von ihm ausging und davon geleitet begann sie zu erzählen. Erzählte ihm das selbe, was sie schon einmal Dylan erzählt hatte. Er hörte ihr bis zum Ende zu, unterbrach sie nicht und gab ihr das Gefühl, dass sie ihm alles anvertrauen könnte. Zitternd und innerlich aufgewühlt endete sie und er sah sie nur an, akzeptierte es und redete mit ihr darüber.
Um sie aufzumuntern führte er sie in das obere Stockwerk. Ausgiebig betrachtete sie die Dekoration: Waffen, Masken, Karten. Dinge, die nicht zu Kram und Tand zählten sondern das symbolisierten, was er war. Ein Krieger. Schutz. Wohl neckisch meinte er, dass sie selbst gut zur Einrichtung passen würde. Mit einem Lächeln ging sie darauf ein. Als Kleiderständer wäre sie sicher geeignet, nur farblich würde sie nicht zum Rest passen. Lachend wies er sie dann auf den letzten, abgetrennten Bereich des Hauses. Dort würde sie farblich hinpassen. In der Tat. Rote Schränke und sie selbst nun mit ihrem feuerroten Haaren mittendrin. Rote Schränke, ein Bett, ein Waschtisch, Kiste. Wieder die Frage nach ihrem Wesen. Emotional, liebesbedürftig, chaotisch waren nur die ersten Worte die ihr einfielen und die sie von sich gab. Schmunzelnd betrachtete er sie und meinte nur, dass sie dann sicher kein Kleiderständer werden solle. Der wäre ja ordnend und nicht chaotisch. Auf die Frage, was Melinda dann sein solle, zuckte er mit den Schultern und wies um sich herum. Langsam und bedächtig ging sie die Gegenstände ab. Regale – ordnend. Kisten – ordnend. Waschtisch mit Spiegel – zeigt ihr ihre Unordnung, ihr Chaos. Bett – chaotisch. Morgens und Abends, ebenso des Nachts. Und, wie sie neckisch zu ihm meinte, wenn man will auch tagsüber.Lachend nahm er dies zur Kenntnis und meinte ebenso zweideutig, dass ihre Haarfarbe sicher gut zur Farbe der Decke passen würde. Innerlich wühlten sie diese Sätze auf. Wie konnte man an ihr Interesse zeigen? Die Zweideutigkeiten wechselten hin und her, bis sie vor lauter Ungeduld meinte, dass der Mann, der findet dass sie perfekt zur Decke passe, bitte endlich zu ihr kommen solle. Nochmals quittierte er das mit einem Lachen ehe er wirklich zu ihr kam und sich zu ihr auf die Bettkante setzte. Blicke. Kleine Gesten und fast wie von selbst fanden sich ihre Lippen. Ungläubig revoltierte ihr Kopf, doch ihr Herz schrie einfach nur „Endlich!“ Zärtlichkeiten, kleine Berührungen, dann die Musterung der Kleidung. „Also das Türkis passt jetzt aber nicht zum Bett!“, kommentierte er ihr Korsett. Lachend erwiederte Melinda nur, dass es auch sehr schwer wäre darin zu atmen. Leise wurde ihr nur zugeraunt, dass er sie nicht daran hindern wolle zu atmen. Lächelnd zupfte sie an einigen Schnüren und weitete das Oberteil, sodass sie frei durchatmen konnte. Dies hatte zur Folge, dass ihr Nacken und ihre Schultern nun frei lagen. Wieder wurde sie in die Arme geschlossen und sachte Berührungen tasteten sich weiter bis....
„Was hast du denn hier gemacht?“ Seine Finger berührten die Narbe, die sie fast schon vergessen hatte. Am unteren Rücken. Sanft löste sie sich von ihm und drehte ihm den Rücken zu und hob sachte den Saum des Oberteils an. Aufgrund der Vorgeschichte konnte er erraten, wer ihr das angetan hatte. Später sah er weitere Narben auf ihrem Rücken. Alt, kaum zu sehen, dennoch da. Jede wurde berührt und seelisch geheilt. Er sprach mit ihr, fragte nach ob ihr Vater noch leben würde, doch sie wollte nicht, dass sich irgendjemand die Hände an ihm schmutzig macht. Er verstand und schenkte ihr einfach nur Nähe. Ihre Frage wurde mit einem Lächen quittiert: „Wollen wir chaotisch sein?“
Die Nacht war unruhig. Alles war aufgewühlt worden und Träume quälten sie. Träume von früher. Sie hatte gesprochen im Schlaf. Morgon weckte sie, doch sie war so neben sich, dass sie nur unverständliche Dinge vor sich her brabbelte und wieder einschlief. Doch konnte man sehen, dass sie gelitten hat im Traum, die Erinnerungen durchlebt hat. Das Gesprochene gab kaum Aufschluss darüber, nur für den, der ihre Vergangenheit kannte ergaben die Worte „Ich will nicht aufstehen...“ einen Sinn. Nun lag sie hier, betrachtete die Decke, musterte ihn hin und wieder ehe sie aufstand und sich anzog. Lächelnd sah sie noch einmal zu ihm, der schlafend dort lag. Ein kurzer Kuss auf die Lippen gehaucht, ehe sie ging. Der Hof wartete, die Tiere warteten. Er wusste wo er sie finden würde. Ein kleiner Zettel befand sich auf dem leeren Kopfkissen. „Die Arbeit ruft. Du weißt wo du mich findest.“
Verfasst: Donnerstag 15. Dezember 2011, 10:29
von Melinda Larion
Als sie aufwachte, schmerzte ihr ganzer Körper. Erst nach und nach merkte sie, wo sie sich grade befand. Das weiche Fell unter ihrem Körper und die letzte Wärme des Kaminfeuers. Sich über die Augen reibend erinnerte sie sich an den vorigen Abend. Morgon war wieder bei ihr gewesen, nachdem sie ihn fast eine Woche nicht gesehen hatte und man hätte meinen können, dass es Jahre waren wenn man sie nun ansah. Das Brennen auf dem Rücken ließ darauf schließen, dass dort einige Kratzer bleiben würden für ein paar Tage. Ihre Schulter brannte wie Feuer und als sie in den Spiegel sah, bemerkte sie eine kleine Wunde, rund wie ein Biss. Von den kreisrunden blauen Flecken an Schulter, Hals und Oberkörper mal abgesehen. Stirnrunzelnd rappelte sie sich langsam auf und verzog das Gesicht. Sie revidierte ihre Gedanken und machte aus vermeintlichen Jahren Jahrzehnte. Mehr eiernd als gehend humpelte sie zu ihrer Kleidertruhe und kramte dort ihr Kleid hervor. Das dürfte angenehmer auf der Haut sein als die lederne Hose und das Korsett. Stirnrunzelnd betrachtete die junge Frau danach die halbe Baustelle im Keller. Sie musste heute fertig werden. Mit der Arbeit verschwanden die meisten Schmerzen, die von den versteiften Muskeln kamen und auch die Mauer fand schnell ihr Ende, ebenso wurde auch die Badeecke fertig gestellt. Der Raum wurde fertig dekoriert und sie machte sich auf den Weg die bestellten Futtertröge abzuholen.
Als sie zurückkehrte fand sie vor ihrem Tor Cara und Laina vor. Schmunzelnd lud sie beide auf einen Tee ein, woraufhin sie sich im Keller bei einem munteren Gespräch wiederfanden. Vor allem nachdem Laina wusste, wo der Schnaps war. Doch sie unterschätzte ihn und es dauerte nicht lange,bis sie schlafend auf dem Stuhl saß. Scherzend stellten sie fest, dass dieser Schnaps die beste Kriegswaffe wäre. Desinfizierend und einschläfernd. Nach einer Weile verabschiedete man sich wieder und sie setzte sich in ihr Wohnzimmer und dämmerte halbwegs weg. Lautes und ausdauerndes Klingeln riss sie aus ihren Träumen. Brummelnd richtete sie sich auf und riss die Tür nach außen auf und ließ ihrer Laune freien Lauf. „Die Klingel sollte dran bleiben!“ Erst dann wurde sie der gerüsteten Gestalt gewahr, die dort stand. Vorsichtig näherte sich Melinda der Person und spähte durch den schmalen Sehschlitz um diese vielleicht zu erkennen. Erst die Stimme ließ sie erleichtert auflachen. Morgon. Er war wieder da, wieder bei ihr und fragte ob er zu ihr dürfe. Schmunzelnd erwiderte sie darauf nur: „Wenn ich mich morgen früh nicht wieder fühle, als würde ich sterben gerne.“ Er schmunzelte, den Helm unter den Arm geklemmt und folgte ihr dann hinein. Da die junge Frau gerade am Kochen war, bot sie ihm etwas von dem Kesselgulasch an, was in der Küche vor sich hin blubberte. Dankend nahm er es an und beobachtete sie in der Küche. Sie selber nahm nur Schalen und befüllte diese, mit einem Tablett trug sie es dann in den Keller. Er folgte ihr schmunzelnd und ließ den kurzen Redefluss über das Erlebte am Nachmittag über sich ergehen. Das mit Laina schien ihn zum Lachen zu bringen. Als sie ihm dann seine Schale hinreichte, bedankte sich der ältere Krieger mit einem sanften Kuss auf die Wange bei ihr. Still und zufrieden löffelten beide das Gulasch aus. Rasselnd stand er dann auf und legte die schwere Rüstung ab, ächzend und auch leicht umständlich. Er schien ziemlich verspannt zu sein und das schien die Probleme zu verursachen, die er hatte beim Ausziehen der Rüstung. Mit gerunzelter Stirn stand sie auf und umrundete Morgon, bis sie hinter ihm stand. Sein freier Oberkörper war für sie gerade auf Augenhöhe und sie begann sachte bei den Schultern die Muskeln zu lockern. Sie wusste wie man es anpacken musste. Auch ihre Pferde benötigten ab und an eine kleine Massage, wo sie mit teilweise enormer Kraft dran gehen musste. Ebenso war es grade bei Morgon. Seine Schultern und die Muskeln waren mehr als nur verhärtet und sie hatte teilweise richtig Mühe mit der Lockerung und so wendete sie viel Kraft auf. Sein erleichtertes Seufzen gab ihr Recht mit ihrer Vermutung. Mit einer großen Ruhe und ebenso großer Kraft massierte sie den Rücken des Kriegers bis alle Muskeln wieder entspannt waren. Fast zeitgleich als sie die Hände von seinem Rücken nahm, drehte Morgon sich zu ihr um und drückte sie gegen die Wand. Ihre Lippen fanden sich und lösten sich nach einer Weile wieder. Grinsend drückte er sie in Richtung Kamin und holte zwei Lederbänder hervor. Als sie bemerkte, was er vorhatte, durchfuhr die Angst ihr Innerstes. Die Augen weit aufgerissen starrte sie ihn an und in Gedanken war sie wieder 6 Jahre alt.
~ Rückblende~
Scherben auf dem Boden. Lautes Geschrei. Sie hatte aus Versehen einen Teller auf den Boden fallen und wurde nun schon fast eine Viertel Stunde angeschrien. Weinend stand sie da, als sie an den Haaren gepackt, vor die Tür gezerrt und gegen die Bretter des Zauns geschleudert wurde. Keuchend lag sie auf dem Boden, ehe sie wieder hochgerissen wurde und mit einem Strick an den Zaun gebunden wurde. Ihr dünnes Hemd wurde zerrissen und das Kind nahm nur noch ein Surren wahr. Im nächsten Moment durchzuckte ein grausamer Schmerz den jungen Körper. Klatschend traf das Leder auf den Rücken auf immer und immer wieder. Sie schrie, schrie um ihr Leben und weinte, versuchte sich herauszuwinden aus dem Strick. Als die dünne Haut des Mädchens aufplatzte und das Blut sich mit jedem Schlag verteilte, verlor sie das Bewusstsein. Erst spät in der Nacht bei eisiger Kälte wachte sie immer noch gefesselt auf. Wimmernd rüttelte sie am Zaun und versuchte sich zu befreien, doch es gelang ihr nicht. Erst am Morgen holte man sie halb erfroren und schwer verletzt wieder ins Haus. Kein Arzt wurde geholt, sodass sie hätte versorgt werden können. Die Haut musste so wieder zusammen wachsen und hinterließ eine breite Narbe am unteren Rücken.
~Rückblende Ende~
Morgon sah die Angst in ihren Augen und nachdem sie mit erstickter Stimme ihn gebeten hatte sie wieder loszubinden, tat er dies auch und sah sie ruhig an. Doch sie war nicht bereit mehr zu sagen als das. Noch nicht. Zitternd klammerte sie sich an ihn und sie spürte nur, wie er sie sachte an sich drückte und ihr über das rote Haar strich. Vorsichtig hob er sie vom Boden hoch und brachte sie zum Badebereich. Ebenso vorsichtig wurde sie wieder abgesetzt und ausgezogen. Der Abend klang im Wasser aus, während man sich danach vor dem Feuer zusammen hinlegte und den Schlaf der Gerechten schlief. Erst morgens verließ er sie.
[img]http://www.wissenschaft-online.de/sixcms/media.php/912/thumbnails/D%20_Sharon%20_Pruitt_fear_quadrat.jpg.664400.jpg[/img]
Verfasst: Dienstag 20. Dezember 2011, 08:28
von Melinda Larion
Kopfschmerzen waren an einem Morgen nicht das Einzige was ihr Schmerzen verursachte. Sie hatte ihr Innerstes offen gelegt vor ihm, hatte ihre Wünsche dargelegt, beseelt von dem hochprozentigen Rum. Aber auch Morgon hatte davon einiges getrunken, sodass es ihm wohl genauso gehen würde wie Melinda. Sie hatte den Wunsch geäußert ihn als Partner an ihrer Seite zu haben und er hatte sie, so viel er auch getrunken hatten, ruhig angesehen, nachdenklich und hatte dann erwidert: „Wir werden sehen, was die Zeit bringt. Aber für mich spricht nichts dagegen.“ Sie war glücklich. Wirklich glücklich das aus seinem Mund zu hören. Dieser Mann hatte so viele Seiten. Einige davon hatte sie bereits kennengelernt. Und jede Einzelne war ihr sehr ans Herz gewachsen. So zauberte allein der Gedanke an diesen Mann ein Lächeln auf ihre Lippen. Doch war sie sich nicht sicher, ob sie mit jemandem über sie beide reden durfte.
Es waren nicht viele Tage vergangen, als sie an diesem Morgen nachdenklich vor dem Feuer saß in ihrem Keller. Morgon war gerade erst gegangen und sie wollte die letzte Wärme genießen, die von der Glut ausging, ehe sie sich ihrer Arbeit zuwenden musste. Die Nacht war geprägt gewesen von vielen Gesprächen, doch wo hatte es begonnen? Am gestrigen Abend musste sie Geburtshilfe leisten bei einem kleinen, dunklen Fohlen. Sie sah danach wohl sehr seltsam aus, was sie an Morgons Blick erkennen konnte. Blutverschmiert, erschöpft mit einem blauen Fleck rund um den Arm herum stand sie vor ihm. Doch sie sah auch sein Lächeln, als sie ihm erklärte woher das alles kam und ihm das kleine Wesen zeigte. Fast schon stürmisch schob er sie dann ins Haus hinein mit dem Satz: „Jetzt nimmst du aber ein Bad.“ Sie hatte sich zwar schon grob sauber gemacht, aber er hatte Recht. Sie roch doch etwas seltsam mit dieser Mischung aus Blut und anderen eher unaussprechlichen Dingen am Körper. Er verdreht nur die Augen als sie meinte, dass es doch nur Blut und anderes wäre, lächelte dann aber als sie Anstalten machte sich auszuziehen und ins Wasser zu gehen. Als sie halbwegs entspannt dann in dem warmen Wasser lag, kam der Krieger lächelnd zum Rand des Beckens und setzt sich auf die Kante, Melinda dabei betrachtend. Er beobachtete die junge Frau eine Weile, ehe er sie fragend anblickte. Schmunzelnd betrachtete sie ihn, ehe sie fragte: „Willst du nur beobachten? Oder auch ins warme Wasser?“ Lachend kam dann seine Antwort. „Beides.“ Ihre Augen folgten seinen Bewegungen, als er sich auszog und sich neben sie hinlegte. Entspannt schmiegte sie sich in seine Arme, als seine Worte Melinda aus dem wohligen Zustand in dem sie sich befand heraus rissen. „Melinda...eine Sache noch...“ Die junge Frau hob den Kopf und sah ihn an, sein Blick war ernst und auch ein wenig besorgt. „Glaubst du, man sollte sich seinen Ängsten stellen?“ Ihr war sofort klar wovon er sprach und überlegte eine Weile, um eine passende Antwort zu geben. „Wenn durch die Konfrontation Erinnerungen geweckt werden, die einen in die Nacht verfolgen, sollte man es lassen.“ Sein vorsichtiges Nicken warnte sie, dass es damit nicht getan war und Melinda sollte Recht behalten. „Aber wenn du, durch irgendwelche Umstände, gefangen genommen werden solltest und man dich fesselt...du würdest versuchen mit allen Mitteln dich zu befreien.“ Ein Nicken ihrerseits, ehe er fortfuhr zu sprechen. „Das würde dich sehr angreifbar machen und man sollte daran arbeiten, dass dies nicht der Fall ist.“ Ihre Antwort sollte ablehnend ausfallen, doch schien dies nicht sonderlich zu fruchten. „Es gibt vieles was mich angreifbar machen würde.“ Morgon nickte nur und schien das Thema nicht beiseite legen zu wollen. „Deswegen sollten wir daran arbeiten, dass diese Angst verschwindet.“ Ungläubig sah Melinda ihn an. „Du machst dir viele Gedanken und Sorgen um mich...“ Ruhig sah er sie an und nickte. „Selbstverständlich.“ Seine ehrliche Antwort brachte ihre Ablehnung ins Wanken. „Ich werde dir nicht weh tun und du kannst jederzeit sagen, dass ich aufhören soll. Du hast die volle Gewalt über die Situation.“ Sie wusste nicht, was sie dazu bewegte, aber sie willigte ein. Auf ihre Einverständnis hin griff er nach seinem Rüstwerk und holte ein kleines ledernes Band hervor. Vorsichtig band er damit ihre Hände zusammen, nicht feste sondern relativ locker, jedoch auch so, dass sich Melinda nicht von selbst befreien konnte. Ihre Augen fixierten dieses Band und sie spürte die Angst aufsteigen. Ihr Atem beschleunigte sich und ihr Herz schlug mit aller Kraft in der Brust. Murmelnd versuchte er sie zu beruhigen, seine Berührungen waren sanft an ihrem Körper. Ihr Zittern durchfuhr den ganzen Körper, jeder Muskel war angespannt als sie seine Worte vernahm. „Entspanne dich, konzentriere dich nur auf mich.“ Nur widerwillig wendete die junge Frau die Augen von ihren gebundenen Händen ab und betrachtete ihn, der sich um sie bemühte. Erst jetzt registrierte sie die sanften Berührungen des älteren Kriegers, die nach und nach für Entspannung sorgten.
Als sie nach einer Weile wohlig und quasi vollständig entspannt im Wasser lag spürte sie seine Lippen auf ihren, ehe er sich neben sie legte. So gut sie konnte, richtete sie sich auf und setzte sich dann auf seinen Schoß, ihn musternd. „Warum tust du das für mich?“ Morgons Blick hielt sie gefangen, seine Antwort jedoch kam für sie unerwartet und ließ sie innerlich vor Freude aufschreien. „Weil ich dich sehr mag und dir helfen möchte.“ Die Rothaarige konnte nicht anders, aber entschärfte ihre Aussage ein wenig: „Ich mag dich auch sehr Morgon.“ Lächelnd nahm er es zur Kenntnis und öffnete dann das Band an ihren Händen. Verwirrt blickte sie darauf, und die Worte kamen wie von selbst aus ihrer Kehle. „Keine Schmerzen... das ist anders, als alles was ich bisher kenne. Und es ist gut so...“ Sein Lächeln wurde eine Spur breiter, ehe er meinte: „Dann hat unser kleines Experiment schon Erfolg gehabt.“ Melindas Blick wurde nachdenklich, ehe sie antwortete. „Meine Erinnerungen haben auch für Erfolge gesorgt. Ich wollte nie so werden wie meine...Erzeuger.“ Er versicherte ihr, dass sie nicht so sei. „Und ich wollte meinen Kindern mehr bieten als ich hatte.“ Und auch hier versicherte er ihr, dass es mit Sicherheit so sein werde. Melinda sah ihren Partner an, ehe sie dann lächelnd meinte: „Zurzeit bin ich aber einfach nur froh dich an meiner Seite zu haben.“ Morgons Antwort war für sie wie Balsam auf der Seele. „Das ist schön zu hören.“
[img]http://www.perlenpaula.de/images/2011-01-19-DSC_5581.jpg[/img]
Verfasst: Donnerstag 22. Dezember 2011, 08:38
von Melinda Larion
Schweißgebadet und mit schwer pochendem Herzen wachte sie am Morgen auf. Das Erlebnis am Abend war eindeutig zu viel gewesen. Ihre Träume wurden beherrscht von Knochen, daraus hervorkriechenden Maden und dem Gestank dieser verwesenden Körper, den sie nicht mehr aus der Nase bekam. Unruhig wälzte sie sich noch etwas hin und her im Bett, ehe sich Melinda dann doch noch entschied aufzustehen und sich in den Wohnbereich an das warme Feuer setzte. Das Feuer was sie vor diesem Erlebnis gerettet hatte.
Am Abend zuvor saß sie, genau wie jetzt, alleine an diesem Tisch und machte noch einige Notizen fertig, die sie benötigte. Sich die Stirn reibend, überlegte die junge Frau, ehe sie sich erhob und einige erholsame Lungenzüge an der frischen Luft machen wollte. Entspannt lehnte sie sich an die Balken der Veranda und ließ den Blick schweifen. Ein Krächzen holte sie aus ihren Gedanken und ihr Kopf ruckte in die Richtung, aus der sie dieses vernommen hatte. Raben waren nichts Neues für sie, Melinda sah sie des Öfteren wenn sie unterwegs war. Daher war es nicht unwahrscheinlich, dass sich ein solches Tier auch nach Düstersee verirren konnte. Doch...etwas an dem Tier war seltsam und behagte ihr nicht. Der Blick aus den pechschwarzen Knopfaugen fixierte sie. Kein Abwenden des Kopfes. Nur die Bäuerin war das Interessante. Mit der Zeit wurde es zunehmend unangenehmer, diesen Blick auf sich zu spüren und sie machte einen Schritt zur Tür. Das Tier selbst hopste auf dem Gatter in eine Position, wo er sie immer noch beobachten konnte. Eisige Schauer liefen Melinda über den Rücken bei diesem Verhalten. Das war eindeutig nicht normal für so ein Federvieh. Dann jedoch wandte er sich ab und hoppste aus ihrem Blickfeld. Fast schon flüchtend öffnete sie die Tür und verschloss sie hinter sich, sicherheitshalber den Schlüssel zweimal herumdrehend, statt einmal. Zitternd setzte sie sich wieder an ihre Notizen. Vielleicht bildete sie sich auch einfach nur etwas ein aufgrund der späten Uhrzeit und ihrer Müdigkeit. Ja...das würde es sicher sein.
Ein dumpfer Aufschlag ließ Melinda kurz danach zusammen zucken. Innerlich hoffte sie, dass dieser Rabe zu doof zum Fliegen gewesen war und gegen die Mauer gesegelt ist. Neugierig, aber auch mit einer gewissen Vorsicht ging sie nach draußen und suchte den Boden ab nach einem toten Raben oder zumindest einem schwerverletzten. Doch das Einzige, was ihr dabei ins Auge fiel, war ein altes Knochenstück, geborsten mit vielen kleinen Rissen. Melinda war sich sicher, dass dieser Knochen da noch nicht lange lag. Was ihren Hof betraf, hielt sie penible Ordnung. Langsam, ganz langsam näherte sie sich dem Knochenstück, als dieses ohne ersichtlichen Grund weiter begann zu zerbersten und als es auseinander brach, krochen mit einem Übelkeit erregendem Geruch Maden aus diesem hervor. Sich die Hand vor den Mund haltend stolperte sie die Schritte wieder zurück, die sie nach vorne gemacht hatte. Suchend sah sich Melinda um, ehe sie ins Haus rannt und die Kaminschaufel zur Hand nahm. Etwas von der glühend heißen Glut wurde damit aufgenommen, ehe sie wieder nach draußen ging. Mit einer schnellen Bewegung verteilte sie diese Glut über dem Knochen, der sich immer mehr verkleinerte und über die Maden, die daraufhin einen Todeskampf ausstanden. Nach und nach verbrannten alle. Das Eisen umklammert sah sich Melinda panisch um, doch konnte nichts weiter Bedrohendes erkennen. Den Blick nochmal auf die Feuerstelle wendend, erkannte sie, dass nichts mehr übrig war von den Aasfressern und von dem Knochen. Ängstlich zog sie sich wieder in das Haus zurück. Einzig Lani konnte sie an diesem Abend noch etwas aufheitern, doch danach war sie wieder mit ihren Gedanken alleine.
Nun saß sie wieder hier und überlegte was zu tun war. Zitternd nahm sie einige Zettel zur Hand und verfasste flüchtig zwei Nachrichten. Cara und Morgon. Sie hoffte das die beiden etwas mit diesen Vorgängen anfangen konnten und ihr helfen würden. Als die Nachrichten fertig waren, winkte sie eine der Torwachen zu sich, drückte dieser die Briefe in die Hand mit einer kurzen Erklärung und verschwand wieder in das Haus. Verwirrt über dieses Verhalten machte die Wache sich auf den Weg zu den betreffenden Personen und wird wohl, neben der Abgabe der Briefe, von der leichenblassen, jungen Frau erzählen, die scheinbar eine sehr unruhige Nacht hinter sich hatte und sehr seltsam gewirkt hatte, nicht so wie sonst.
Verfasst: Freitag 23. Dezember 2011, 19:40
von Melinda Larion
Unruhig wälzte sie sich von einer Seite zur anderen in der Nacht. Der Tag hatte so viele Erkenntnisse gebracht, dass sie gedanklich voll war mit Eindrücken und Emotionen. Morgon war am Abend zu ihr gekommen, besorgt, und hatte sie das Vorgefallene berichten lassen. Nachdenklich sah der Krieger sie an. Melinda selbst hatte eine große Unruhe in sich und die vergangene Nacht hatte seine Spuren hinterlassen. Sie war erschöpft, bleich und hatte dunkle Ringe unter den Augen. All dies und die Situation schien Morgon dazu bewegen etwas zu tun. Mit ruhiger Stimme meinte er, dass sie am Besten den Tempel aufsuchen und dies mit der Tetrarchin besprechen sollten, was sie dann auch taten. Alles deutete auf die Diener des Raben hin, der Rabe selber, das Knochenfragment und die Maden. Sie bestätigte es. Ebenso auch seine Heiligkeit, der Alka, den sie danach aufsuchten. Anordnungen wurden erlassen, Melinda selbst und auch Talana sollten geschützt werden, da der erste Vorfall in ihrer Taverne statt fand. Sonderlich beruhigt war sie zwar immer noch nicht als sie die Rahaler Taverne verließen, jedoch wollte sie sich auf den Schutz verlassen, den man der jungen Frau an die Seite stellen wollte. Staffan sollte ein Auge auf sie haben, ebenso die anderen Wachen. Morgon selbst wollte so oft es geht selbst ihr Schutz sein, wofür sie ihm sehr dankbar war. Dies sagte Melinda ihm auch, als sie nach dem Gespräch mit dem Alka und seiner Leibwächterin vor der Taverne standen. Ein sanfter Kuss zum Abschied von ihm ließ sie ruhiger werden und sie machte sich auf den Heimweg nach Düstersee. Ihre Gedanken kreisten um so viele Dinge.
Der nächste Tag begann friedlich und sie traute sich sogar vor das Haus, als sie die Wache vor dem Hof sah. Die üblichen Arbeiten warteten auf sie. Gerade als sie im Hühnerstall war, trat ein junger Mann in schwarzer Kleidung an sie heran. Misstrauisch reagierte sie auf seinen Gruß, doch weder die Stimme war ihr bekannt noch sah er aus wie ein Diener des Raben. Es schien fast als wollte er nur mit ihr reden. Sylvator war sein Name und das Einzige, was er von ihr wollte, war etwas zu essen. Keine Drohungen, keine unheimliche Aura, nichts. So entspannte sie sich langsam und als er ging schien es fast so als sollte der Tag gut werden ohne Sorgen. Eine Weile später kam noch jemand zu ihr. Eine junge Frau, scheinbar blind, namens Eenja. Auch wieder eine Bestellung. Ihre Laune besserte sich stetig und gut gelaunt brachte sie die junge Frau wieder sicher nach draußen. Die Wache stand zwar nicht mehr an ihrem Platz, sondern ein Stück daneben aber man konnte ja nicht immer an einer Stelle stehen. Freundlich verabschiedete sie die junge Frau und stutzte dann, als sie ihren Briefkasten sah. Daran hatte sich jemand zu schaffen gemacht, denn die Klappe stand auf. Hinter ihr grüßte Talana sie freundlich, während Melinda selbst den Deckel anhob. Schreiend sprang sie zurück und zitterte am ganzen Leib. Verwirrt sah die Wirtin sie an und glaubte erst, dass die Bäuerin wegen ihr geschrieen hätte, doch als Melinda auf den Briefkasten deutete, wurde auch Talana bleich um die Nase. Eine Wirbelsäule ragte dort hervor. Er war wieder da gewesen, aber wie hatte er es geschafft an den Briefkasten zu kommen? Innerlich schaudernd wollte sie nur noch in die Burg, hinter die festen und starken Mauern, die Hoffnung hegend, dass einer von der Wache dort war und ihr helfen konnte. Talana fasste sie am Arm und folgte dem Wink zur Burg hin. Im Burghof verließen Melinda die Kräfte. Zwei Nächte ohne Schlaf, zwei Tage ohne wirkliches Essen, die Sorgen und die Aufregung forderten ihren Tribut. Sie lehnte an der Wand und rutschte daran hinunter, nur noch die Bitte nach einer Wache der Garde zu suchen kam ihr über die Lippen. Besorgt um ihren Zustand legte die Wirtin ihr ihren dicken Mantel um die Schultern und sah im Wachhaus nach, ehe sie in die Küche verschwand. Kurz darauf kam sie mit Morgon wieder der Melinda dazu bewegen konnte in die Burg zu gehen, an das Kaminfeuer. Wieder ließ er sich von der jungen Frau alles erzählen und seine Laune sank wohl beträchtlich in den Keller bei dieser erneuten Bedrohung und der Vermutung, dass die Wache wohl kurz austreten war, als die Wirbelsäule in den Kasten gesteckt wurde.
Melinda wusste nicht mehr weiter. Sie hatte den Dienern doch nichts getan, gar nichts. Doch sie wurde gequält, geistig gequält und fühlte sich mittlerweile dem Wahnsinn nahe. Beruhigend legte Morgon ihr seine Hand auf die ihre und sagte nur eindringlich, dass ihr nichts geschehen würde. Ihre Hände umklammerten die seine und suchten die Sicherheit, die nur er ihr geben konnte. Kurz kam Talana noch wieder in dieser Situation und ein kurzes Gespräch entsponn sich zwischen Morgon und ihr. Melinda selbst war mit den Gedanken woanders, ihre Miene unbeweglich und starr, die Augen immer noch angsterfüllt. Als die Wirtin der Taverne weg war, setzte sich Morgon neben sie und schob den Tee, den Talana für sie gemacht hatte in die Hände. Ängstlich umklammerte sie das Teeglas, als sie ihn ansah. Wieder ein sanfter Kuss und die Worte, dass ihr nichts geschehen würde. Dann musste er fort, sie sollte besser in der Burg bleiben. Dort saß sie nun, am Feuer, das Glas immer noch in den Händen, den Blick auf die Flammen gerichtet. Starr, stumm und innerlich erstarrt.
[img]http://view.stern.de/de/picture/2009357/Mensch-Knochen-Oberschenkel-Femur-Schwarz-Still-%26-Objektfotografie-510x510.jpg[/img]
Verfasst: Samstag 24. Dezember 2011, 14:23
von Melinda Larion
Auf einem Baum 3 Raben stolz – Oh weh oh weh oh Leid oh weh
Auf einem Baum 3 Raben stolz
Sie warn so schwarz wie Ebenholz – Sie warn so schwarz wie Ebenholz
Ablenkung. Sie suchte ihr Heil in der Flucht. Immer wieder wurden die Wege der Burg abgegangen, ehe Melinda sich doch wieder am Feuer einfand und einfach nur dort saß. Sie hatte sich ihre Notizen und Kochbücher mitgenommen um dort zu stöbern und eine Liste zu erstellen für Eenja. Der vergangene Tag hatte einen Schock, aber auch Erkenntnisse für die junge Frau gebracht. Nachdem sie den abscheulichen Fund in ihrem Briefkasten entdeckt und Gespräche geführt hatte, saß sie lange Zeit, genauso wie jetzt, am Kamin, fast wie hypnotisiert starrte sie in die Flammen. Ein Geräusch, gezischte Worte holten sie halb aus diesem Zustand heraus und sie sah zur Tür. Laina. Sichtlich mitgenommen und mit verschlissener Kleidung. Frierend und ebenso erschöpft wie Melinda selber wohl auch. In einer Geste des Mitgefühls legte sie ihr den Mantel um die Schultern, den Talana zuvor ihr gegeben hatte. Es war ersichtlich, dass sie Schmerzen hatte und in Melinda selbst kam die Erinnerung an die Schreie hoch im Kerker und an die dornenverzierten Peitschen an denen noch das Blut und Fleisch klebte, was der Kriegerin vom Rücken gerissen wurde. Auch die eigenen Erinnerung waberten im Hinterkopf herum, doch schob sie diese noch beiseite.
Mit gutem Zureden und ihrer ruhigen Art gab sie Laina zu verstehen, dass sich jemand um die Wunden kümmern müsse und dass sie das gerne für die Blonde übernehmen würde. Dankbarkeit war zu lesen im Gesicht der Anderen und ein sachtes Nicken.Glücklicherweise war das Bad nicht fern und als sie dort standen, zu zweit, kam das Vertrauen. Sie redeten viel und lange, während Melinda vorsichtig die Wunden säuberte, das Blut abwusch und den groben Dreck entfernte. Die beiden Frauen erzählten sich gegenseitig von ihrer Vergangenheit, von den Erlebnissen, von Schmerz und auch von Liebe. Wobei das Letztere eher nur Laina betraf. Melinda hielt sich zurück. Sie war sich immer noch nicht sicher inwieweit sie von sich und Morgon sprechen konnte und durfte. Inwieweit er damit einverstanden war.
Beim Anblick der Wunden kamen Melindas Erinnerungen hoch. Die Dinge, die sie bisher nur Morgon erzählt hatte und sie sprach Laina Trost zu. Erzählte ihr von den Narben auf ihrem Rücken, doch wie sehr sie das mitnahm und verfolgte, erwähnte sie nicht. Diese Schwäche, diese Angst kannte nur Morgon selber. Vor Laina gab sie sich gleichgültig, was dies betraf. Doch die Gespräche schienen zu helfen. Nicht viele schienen sich die Mühe zu machen der blonden Frau zuzuhören, geschweige denn sich so um sie zu kümmern, wie Melinda es gerade tat. Die Dankbarkeit, die der Bäuerin entgegen schlug von der Kriegerin war ergreifend und sie glaubte, dass sie nun eine neue Verbündete oder vielmehr eine neue Freundin gefunden hatte.
Der Abend klang langsam aus in Gesprächen. Die beiden Ahads Drugar und Crain, Laina, der kleine Drugar... So viele Personen, so viele Gedanken und Ratschläge. Die beiden Letharinnen. L'ysstzrr. Namen, die in ihrem Gedächtnis haften blieben. Sie wusste, dass viele hinter ihr standen und sie schützen wollten. Doch langsam, ganz langsam, schlichen sich Gedanken in ihren Kopf, die sie zwar zu verdrängen versuchte, aber die trotzdem präsent waren. Sie war das Bauernopfer in diesem Spiel der Mächte. L'ysstzrr meinte, dass vielleicht nicht sie persönlich das Opfer sei, sondern es einfach nur Zufall sein könnte. Man wüsste ja nie bei den Dienern Krathors. Unberechenbarkeit. Das war wohl das passende Wort für diese Personen. Doch...wenn sie diesen Gedankenpfad weiter verfolgte würde alles stehen und fallen mit ihrem Dasein. Der Wein vernebelte ihre Sinne und das Gespräch zwischen Laina und dem Ahad Crain rückte in den Hintergrund.
Spät in der Nacht, Laina schien tief und fest zu schlafen, wälzte sich Melinda hin und her. Wenige Stunden Schlaf, unruhige Stunden Schlaf aber immerhin etwas. Ihr Leben geriet einmal mehr aus den Fugen und sie wusste nicht, wie sie es wieder in die angestammte Bahn zurück bringen konnte. Unruhig stand sie auf in den frühen Morgenstunden und verließ die Burg, die Sicherheit, die starken Mauern. Sie streifte in Düstersee herum und versuchte klare Gedanken zu fassen. Sie verspürte keinen Hunger mehr. Nur die ersten Tage waren schlimm gewesen. Nun schien der Körper der jungen Frau sich daran gewöhnt zu haben. Kein Knurren, keine Schmerzen. Selbst wenn sie gewollt hätte...sie hätte keinen Bissen hinunter gebracht.
Das Wasser des Meeres am Rande Düstersees schwappte ruhig gegen das Ufer und Melinda ließ den Blick schweifen über das Blau. Der Wind durchfuhr die roten Haare und an sich war es wohl ein schönes Bild, wie sie dort stand am Rande des Wassers, die Sonne gerade aufgehend und die glutfarbene Mähne wie ein Fächer ausgebreitet und sich in Wogen bewegend. Doch keiner sah ihr blasses Gesicht, die glanzlosen Augen, die tiefe Sorge die in jeder Pore ihres Körpers steckte. Einzig die Frage, was als nächstes geschehen würde beschäftigte sie. Sie wünschte sich endlich Sicherheit und Ruhe, doch schien dies nicht ihr Los zu sein.
Die, die sie später sahen, sahen nur die Maske. Das aufgesetzte Lächeln und die vorgeschobene Fröhlichkeit. Keiner konnte die tiefe, bedrückende Schwärze in ihr sehen, die sie quälte.
[img]http://bp2.blogger.com/_TqlBOUgmQUo/SHra0AUuOrI/AAAAAAAAJos/cv0FpqS5hmE/s400/raben.jpg[/img]
Verfasst: Samstag 24. Dezember 2011, 21:46
von Melinda Larion
Und aus seinen tiefen Stichen
wuchsen Blätter, wuchsen Blüten,
wuchsen unbekannte Schmerzen
in dem jungen Mädchenherzen.
Später hat man sie geseh'n,
einsam an den Wassern steh'n.
Niemals hat man je erfahr'n,
welchen Preis der Meister nahm.
Sie wollte schreien, sich die Haare raufen und irgendwas zerstören. Tassen, Teller, Gläser, ganz gleich was es war. Doch saß sie nur, wie den Tag zuvor auch, an dem Feuer des Kamins. Ihre Augen hatten jeglichen Glanz verloren, die unnatürliche Blässe wollte aus ihrem Gesicht nicht mehr weichen. Matt und kraftlos hingen ihr die Haare über die Schultern. Alle Gedanken kreisten um das 'Warum'. Die Frage nach dem Grund für all das, was ihr derzeit zustieß. Der Geist hatte ihr einen unverhüllten Blick in ihre Zukunft gewährt. Sie sollte sterben. ER würde sie überall finden, ER war auch in der Nacht da gewesen, ER würde entscheiden ob es nach ihr noch weitere Opfer geben würde. Wer war ER? Das würde sich scheinbar erst offenbaren, wenn sie dem Tod in sein hämisches Gesicht sah.Tot....der Tod.... jemand Fremdes bestimmte den Zeitpunkt ihres Ablebens. Melinda wollte nicht sterben, sie wollte endlich leben. Endlich in Frieden leben in diesem Ort, der ihr so sicher schien. Dieser Ort in dem sie Freunde gefunden hatte und in dem sie Morgon gefunden hatte. Doch was war nun? Ihr Leben lag wie ein Scherbenhaufen vor ihr. Alles gut Zureden half nichts. Die Worte des geisterhaften Wesens waren deutlich gewesen. Sie war nirgends sicher vor IHM und ihr Tod war sein Ziel. Sie konnte auf Rettung hoffen, doch der Glaube an diese fehlte ihr. Jeder sagte, dass ihr nichts geschehen würde und doch passierten immer wieder diese Vorfälle. So nah, wie an diesem Tag, war ER ihr bisher nicht gekommen. Zumindest glaubte sie dies. Mittlerweile war sie sich nicht mal mehr sicher, ob er nur außerhalb des Hauses auf sie lauerte oder schon einen Weg durch die Mauern durch gefunden hatte und sie höhnisch betrachtete in diesem Moment. Ihre Qual schien im eine sadistische Freude zu bereiten.
Fast so geisterhaft wie das untote Wesen selbst schlich sie durch die Gemäuer der Hagburg. Sie hatte Briefe geschrieben für Morgon, für den Ahad und für seine Heiligkeit, den Alka. Fast lautlos trat sie in die Wachstube und gab einem der Wachen den Brief für Morgon. Ebenso lautlos fand der Brief für den Ahad seinen Weg in dessen Arbeitsräume. Der letzte Brief wurde Staffan anvertraut, der pflichtbewusst seinen Auftrag ausführen würde. Da war sich die junge Frau sicher. Nun hieß es warten. Warten auf Antworten, warten auf Reaktionen oder warten auf den Tod.
Kurz zuvor hatte Arendor sie gefunden und zur Burg gebracht. Sichtlich aufgebracht ließ er verlauten, dass die Wachmannschaft Rahals bald da sein würde und somit noch mehr Schutz für Düstersee und dessen Bürger da sein würde. Doch Melinda gab zu bedenken, dass bisher nur sie Ziel der Aktionen war und es vorerst auch bleiben würde bis zum Exitus. Sie würde nicht sterben. Das war die Quintessenz aus den Worten von allen. Sie würde sicher sein. Das waren immer die selben Worte. Wo war die Sicherheit? Wo war die Ruhe und der Frieden, den sie sich so ersehnte? Wo waren die starken Arme, die sie sonst so sicher hielten? Wo waren die schützenden Pranken des Einen, dem sie sich verschrieben hatte? Sie glaubte an ihn. Sie glaubte an ihren Gott und nachdem sie die Briefe zustellen lassen hat, tat sie etwas, was lange nicht mehr vorgekommen war. Sie zog sich in die Abgeschiedenheit der Kapelle zurück und betete, nicht leise sondern deutlich. Sie betete um Schutz, nicht für sich, sondern für Düstersee. Sie betete um Sicherheit, nicht für sich, sondern für die, die sie liebte und die ihr am Herzen lagen. Nach einer Weile stand sie auf und blickte über die Mauern der Burg hinweg, über die Wiesen und über Düstersee. Das hier war ihr mehr Heimat geworden, als jeder flüchtige Winkel, jede dunkle Ecke in der sie jemals in ihrem Leben gelebt hatte. Sie konnte nicht einfach gehen, auch wenn der Gedanke in ihrem Kopf herumschwirrte. Finden würde ER sie doch wieder. Was blieb ihr also anderes? Nichts. Warten. Warten auf die Hoffnung oder Warten auf den Tod.
[img]http://img6.imagebanana.com/img/d4h9dnvf/depression.jpg[/img]
Verfasst: Sonntag 25. Dezember 2011, 17:56
von Melinda Larion
Tränen toter Augen fließen stumm,
und ich frage mich warum
Gedankenbilder ziehn dahin,
und ich verzweifle auf der Suche nach dem Sinn.
Die Briefe waren abgeschickt und die Einsamkeit umschloss sie. Wie lange sie schon auf dem Wehrgang über dem Tor stand, wusste sie nicht. Die Kälte war kaum noch zu spüren. Sie starrte nur noch in die Umgebung ohne wirklich etwas zu sehen. Der Geist war das Einzige, was sie beschäftigte. Seine Nachricht, sein Aussehen, seine Stimme. Immer und immer wieder hallten die Worte in dem Kopf der jungen Frau wieder und umklammerten ihre Gedanken und ihr Innerstes. Erst am späten Abend, die Dunkelheit hatte sie schon nahezu eingehüllt, regte sich etwas in ihr. Laina sprach ihren Namen aus und war wohl erst sichtlich beruhigt, als sie Melinda dort stehen sah, lebend und in einem Stück. Doch die Worte der Bäuerin ließen jegliche Freude und Farbe aus ihrem Gesicht weichen. „ER war wieder da...“. Melinda konnte gar nicht so schnell schauen, wie die blonde Kriegerin wutentbrannt neben ihr stand und nach dem Peiniger Ausschau hielt. „ER ist nicht mehr da...zur Mittagsstunde war ER da...“ Sachte ließ die Blonde dann das Schwert sinken und fragte nach. Was passiert sei, was gesagt worden war. Mit jedem von Melindas Worten wuchs der Zorn und der Hass im Gesicht der Freundin. Wieder diese Worte. Nichts würde ihr geschehen. Jeder würde sie schützen. Doch der Geist konnte durch Wände gehen, konnte neben ihr stehen ohne dass irgendjemand anders ihn wahrnehmen würde. Wie sollte sie da noch sicher sein? Innerlich stumpfte die Rothaarige immer mehr ab. Sie glaubte mittlerweile sogar, dass weitere Nachrichten sie nicht mehr schockieren würden. Nur langsam drangen die Worte der Waffenmeisterin an ihr Ohr. Hineingehen. Ein Bad nehmen. Etwas essen. Ihr zuliebe würde sie es tun. Ein Stück Käse in der Hand und geistig in weiter Ferne trat sie in den Raum mit dem Kamin. „Melinda!“ Vor Schreck ließ sie das Stückchen fallen und sah panisch auf. Talana. Besorgt und sich entschuldigend kam sie zu ihr. Auch sie drängte sie zu einem Bad. Sie würde kränklich aussehen. Ohne Widerwillen schlurfte sie in das Bad hinein, zog sich aus und stieg ins Wasser. Waschen. Das sollte sie tun. Fast schon brutal schrubbte sie über die helle Haut. Die Haare erfuhren eine ebensolche Behandlung, doch war sie danach sauber. Die Beine angezogen saß sie nun in einer Ecke im Wasser und wartete. Talana wollte wiederkommen mit Tee. Ein sachtes Klopfen und die Wirtin trat ein, ein dampfendes Teeglas in der Hand. Vorsichtig kam sie näher und stellte das Glas auf den Beckenrand. Der süße Duft lockte die junge Bäuerin aus ihrer Lethargie und sie rutschte an den Rand, sich das Glas schnappend und daraus trinkend. Auch Talana erfuhr von der neuen Bedrohung. Jeder machte sich Sorgen um sie und doch konnte niemand etwas tun, niemand konnte sie bewahren vor den Geistern und den ständigen Bedrohungen. Als sie das Bad verließen trafen sie im Erdgeschoss wieder auf Laina und auf Cara. Sofort wurde Melinda gemustert und ihr Zustand eingeschätzt. Doch keiner ahnte, wie es in ihr aussah. Auch Cara erfuhr von sämtlichen Bedrohungen und wollte veranlassen, dass ihr Briefkasten entfernt werden solle.
Lange Zeit sprachen sie miteinander, redeten über die Vorkommnisse bis Laina die Sprache auf ihre eigene Verfluchung brachte. Auch sie musste dies schon ertragen. Bei dem Grund dafür horchte Melinda auf. Laina hatte einst einen Schüler gehabt, dem sie sehr zugetan war und er ebenso auch ihr. Doch beging dieser Schüler den Fehler eine Dienerin des Raben zu reizen und zu verärgern. Als Laina ihn fortführen wollte, schnitt die Dienerin ihr Haare ab und kurz darauf begann die Haut der Kriegerin abzufallen, ebenso wie ihr die Haare ausfielen. Über Laina wollte die Rabendienerin an den Schüler herankommen, wollte ihn in ihre Klauen bekommen. Laina sollte ihn ausliefern, doch weigerte sie sich. Sie standen füreinander ein. Entweder verlor die Dienerin die Lust am Spiel oder es war etwas anders, jedoch ließ sie dann von Laina ab.
Während der Geschichte dämmerte es Melinda immer mehr und auch die beiden anderen Frauen schienen dies zu bemerken. Grübelnd saß die Rothaarige auf ihrem Stuhl. War das der Grund für ihre Pein? War es tatsächlich so einfach? So simpel? Erkenntnis durchstreifte ihr Gesicht und Cara und Laina fragten nach. Sie glaubte nun den Grund zu kennen und sah die beiden an. Abschätzend und unsicher. Konnte sie vertrauen? Konnte sie das Geheimnis, was sie mit sich trug, offenbaren? Sie musste. Es würde helfen. So gestand sie, öffnete sich und erzählte von sich und Morgon. Beide schienen sichtlich überrascht, doch das Schmunzeln auf den Gesichtern der beiden sprach Bände. Zumindest von Laina hatte Melinda erwartet, dass sie geschockt sein würde. Doch das Einzige, was von der Freundin kam, war: „Morgon... wunderlich, dass dieser grimmige Mann ein Herz hat.“ Weiter führte sie fort, dass er sie immer behandeln würde, wie ein kleines ungehorsames Kind. Melinda konnte sich nicht mehr gegen ihre innere Erheiterung wehren und schmunzelte. „Komisch, das sagte er zu mir noch nie.“ Das erste wirkliche Lächeln von ihr seit Tagen. Doch schnell wurde die Stimmung wieder ernst und Cara sah sie an. „Er sollte Bescheid wissen...und du solltest dir die Haare und Nägel schneiden. ER darf kein Stück von dir in die Finger bekommen.“ Nickend nahm sie diesen Rat an, doch von ihren Haaren wollte sie sich nicht wirklich trennen. Vor allem da wohl schon ein einziges reichen würde. Ob kurz oder lang war da egal.
Es war bereits mitten in der Nacht, als Laina und Cara die Bäuerin ins Bett brachten. Sie sollte bei Cara schlafen in dieser Nacht, ebenso auch die folgenden Nächte. Ein Beruhigungstee sollte ihr beim Schlafen helfen. Fast war ihr, als würde sie im Schlaf tröstende Worte hören. Ebenso eine sanfte Berührung an der Stirn. Doch war dies zu weit weg. Der Schlaf tief und fest und am Morgen stand sie ruhig auf, entspannt und schrieb Morgon einen Brief mit ihren Erkenntnissen. Nach einer Weile des Herumstromerns in der Burg wollte sie auf dem Hof nach dem Rechten sehen, schauen wie es Xandoria und Marius ging. Die Wachen folgten ihr auf Schritt und Tritt, doch konnten sie nicht verhindern, dass sie den Stein vor ihrem Haus fand mit dem Pergament. Emotionslos sah sie auf die blutgeschriebene Nachricht. Sie dreht auf dem Absatz um, das Pergament in der Hand und kehrte zur Burg zurück. Dort saß sie nun wieder und wartete auf jemanden, mit dem sie darüber reden konnte.
[img]http://www.mein-gb.com/upload/e0b1c190.jpg[/img]
Verfasst: Montag 26. Dezember 2011, 09:58
von Melinda Larion
Ich wär so gern ein großer, grüner, starker Baum.
Ein Berg, ein Fels in Sturm und Brandung, warmer sichrer Hort.
Ne starke, feste Schulter, Spender für Geborgenheit.
Die Rückendeckung, Sicherheit, Vertrauen für alle Zeit.
Lange musste sie nicht warten. Laina und Talana waren alsbald zugegen und beide entsetzt über diese makaberen Scherz ihres Verfolgers. Fast schon übereifrig wollten die beiden draußen nachsehen, ob noch irgendwas von dem Diener zurückgelassen wurde. Melinda folgte ihnen, tief verhüllt. Als die drei Frauen schon aufhören wollten zu suchen, flog krächzend ein Rabe über sie hinweg in Richtung Siedlung. Sich der Gefahr durchaus bewusst gingen die Frauen hinterher. Bei dem Hof stießen sie auf einen kleinen Stein, unscheinbar und scheinbar harmlos. Talana kickte ihn mit dem Fuß weg, was sich jedoch als großer Fehler herausstellen sollte. An der Stelle, wo der Stein gelandet war, sank er tiefer ein und als wäre dies nicht genug, schoben sich langsam Hände aus dem Boden heraus, immer mehr und mehr bis die drei Frauen vor einem guten Dutzend Untoter standen. Alle richteten ihre Finger auf Melinda und zynischerweise konnte sie sich dazu einen Kommentar nicht verkneifen: „War ja klar. Was hatte ich auch anderes erwartet...“ Erst in diesem Moment wurden sie dem Raben gewahr, der sich auf dem gegenüberliegenden Dach befand. Dieser stieß sich ab und landete hinter den Untoten. Was nun geschah, war für die junge Frau fast so unwirklich wie die letzten Tage. Der Körper des Raben verformte sich, wurde immer größer und eine menschliche Gestalt formte sich langsam immer deutlicher, bis der Diener in voller Größe vor ihnen stand in seiner furchterregenden Kleidung.Seine Stimme war verlockend und einfühlsam. Kein Blut würde fließen müssen, wenn sie ihm nur das gab, was er von ihr verlangte. In ihrer Welt gab es gerade nur ihn und sie. Am Rande bemerkte die junge Bäuerin, dass für den von Laina erschlagenen Zombie sich zwei weitere aus der Erde nach oben schoben. Die Situation war auswegslos. Melinda wusste, dass Laina und auch Talana ihre Leben einsetzen würden um sie zu schützen, doch sie konnte das nicht zulassen. Sie wollte die stolze Kriegerin und die herzliche Wirtin nicht fallen sehen. Nicht so, nicht hier unter dieser Horde Untoten.
Wieder diese lockenden Worte. Wieder das Versprechen der Ruhe und dass niemandem etwas zustoßen müsse. Nur eine Strähne, eine einzige Strähne. Melinda wusste, dass schon ein einziges Haar reichen würde. Sie sah auf, dem Mann direkt in die Augen. „Ich will erst wissen warum du das tust. Vorher bekommst du von mir gar nichts!“ Wie hätte er auch wissen sollen, dass sie bereits glaubten den Grund gefunden zu haben? Doch sie wollte es von ihm hören, aus seinem Mund, mit seiner Stimme. Doch alles, was sie zu hören bekam, war: „Das würdest du nicht verstehen.“ Resignierend senkte sie den Kopf. Er kramte in seinen Taschen und holte eine Schatulle hervor, die er ihr zuwarf. Melinda fing sie auf, auf Lainas entsetzte Schreie nicht achtend. Sie konnte die Freundin nicht sterben lassen und dies würde unweigerlich geschehen in dieser Situation. Dann würde er eh bekommen, was er wollte. Es mussten keine Leben geopfert werden. Alles lag bei ihr. Mit ihr würde diese Situation stehen oder kippen. Ruckartig riss sie sich dann Haare aus und legte sie in die Schatulle. Laina wollte sie davon abhalten, doch gelang es ihr nicht. Wieder flog das Kästchen durch die Luft in seine Hand und es war, als hätte sie das hämische Grinsen unter der Maske sehen können. Er hatte das was er wollte, nun konnte er in seinem grausigen Werk fortfahren. Lainas Wut entlud sich in einem grausigem Schrei, untermalt von dem Fauchen einer Raubkatze. Neben ihr manifestierte sich ein Panther, während sie das Schwert schwingend durch die Untoten fuhr wie ein Berserker. Ein göttliches Zeichen? Melinda sah gen Himmel. War es das? Während dem Kampf zog sich der Diener feige zurück, sich wieder verwandelnd und krächzend davonfliegend. Die Reihen der untoten Horde lichtete sich und nach einer Weile war der Boden übersät von Gliedmaßen, dreckigem Blut und Knochen. Der Panther riss sich nach dem Kampf ein Huhn ehe er sich einen Platz suchte auf dem Haus, wo der Rabe gesessen hatte. Wartend und ruhig. Ruhig und gefährlich.
Erschöpft sank Melinda auf die Knie und konnte sich ihrer Tränen nicht mehr erwehren. Sie verzweifelte innerlich. Was würde nun mit ihr geschehen? Würde sie am nächsten Morgen überhaupt noch aufstehen? Am liebsten hätte sie sich verkrochen, doch ließen das die Umstände nicht zu. Talana ging zur Burg, während Laina und Melinda miteinander sprachen. „Ich konnte es nicht zulassen, dass euch etwas geschieht.“ Laina schien zu verstehen. Doch bevor sie in die Burg gehen konnte, tauchten so viele Leute im Dorf auf. So viele Fragen, so viele Worte. Arendor, eine junge Frau, der Hauptmann der Wache Rahals und sein Begleiter. Einzig und allein die Worte des Hauptmannes ließen die Bäuerin aufhorchen. Cara würde das bewältigen können, wenn es soweit kommt? Hoffnung keimte in ihr auf und als sie später mit der blonden Kriegerin am Feuer saß und redete, scherzten sie schon über die Zeit nach dem Fluch. Lainas Zuversicht, was Melindas Weiterleben betrifft, war grenzenlos. Auch waren sie sich beide nun der göttlichen Unterstützung sicher. Doch...was würde Morgon sagen? Laina machte ihr nicht viel Hoffnung, dass sie um eine gewaltige Standpauke herumkommen würde. Melinda nickte. Das würde sie über sich ergehen lassen. Sie wusste schließlich, dass sich der ältere Krieger viele Gedanken und Sorgen um sie machte. Melinda sah Laina an, vertraut saßen sie da, Arm in Arm. „Ich würde Morgon auch niemals an IHN ausliefern.“ Ein sachtes Nicken war die Antwort und: „Genauso wenig wie ich damals. Es würde nicht nur einen Dorn in dein Herz treiben, es würde dem Raben auch Genugtuung verschaffen.“ Fast schon melancholisch klang die Antwort der Rothaarigen. „Es wäre nicht nur ein Dorn Laina, es würde das Herz zerreißen.“ Geständnisse. Ein überraschter Blick, als hätte Laina zwar von einer gewissen Zuneigung etwas geahnt, aber nicht gewusst hatte, dass diese so tief geht. Als Melinda zu Bett ging und Laina ihre Nachtwache antrat, herrschte Ruhe. Doch wie lange würde diese anhalten? Doch bei einem war sich Melinda sicher: Sie hatte Freunde an ihrer Seite, die alles für sie tun würden. Genauso wie sie auch.
[img]http://www.sandra-weinhold.de/images/Freundschaft%203.jpg[/img]
Verfasst: Mittwoch 28. Dezember 2011, 08:44
von Melinda Larion
Weißer Mantel, kaltes Herz
und doch drinnen so warm.
Ergrautes Haupt, und kein Lächeln,
Jahr für Jahr, doch mehr erfahr'n.
Fast schon fluchtartig verließ sie die Hagburg. Luft, keine Wände. Vermummt lief sie durch die Siedlung und fand Talana mit einer jungen Frau. Ein Tee im Warmen. Ein Gespräch mit einer Letharin, eine junge Templerin namens Riah, die einen schweren Husten hatte. Als sie wieder in die Burg zurückkehrte, ging Melinda an einem Spiegel vorbei, sah hinein und erstarrte. Eine schneeweiße Strähne durchzog die Haare. Ungläubig fasste sie in ihr Haar. Es hatte wohl begonnen. Stunde um Stunde verharrte sie vor dem Spiegel und beobachtete, wie sich ihr Haar veränderte. Strähne für Strähne. Haar für Haar. Bis jedes Einzelne schlohweiß war. Sie wollte sich verbergen, doch das ließ man nicht zu. Auch, dass sie warten wollte auf den nächsten Schritt. Laina und Ked'harra ließen es nicht zu und brachten die junge Bäuerin nach Rahal in den Tempel. Letharen. So viele Letharen. Die Templerin vor ihr war die selbe wie zur Mittagszeit. Drei andere standen auf der Empore am Eingang und sahen hinunter. Husten. Melinda glaubte, dass ihre Lunge zerreißen würde. Hatte sie sich angesteckt? Doch dafür war grade keine Zeit. Die Letharin wollte ein Ritual vollführen um dem Peiniger Melindas bei jedem neuen Fluch Schaden zuzufügen. Das war das, was Melinda wusste. Eine Klinge wurde erhitzt, ein Haar von ihr genommen und um diese dann gewickelt, ehe sie die Anweisung erhielt, ein Handgelenk frei zu machen. Gehorsam tat die junge Frau das, was von ihr verlangt wurde und versuchte den Husten zu unterdrücken. Fest umfasste Riah die schmale Hand der Bäuerin und blickte kurz auf die freie Stelle, ehe sie in letharischer Sprache zu sprechen begann. Während dem Sprechen schnitt sie mit dem Dolch in das Handgelenk und Melinda war, als müsse sie alles, was die letzten Tage geschah, nun wieder erleben. Sie sah IHN vor sich, seine Taten, seine Drohungen und wehrte sich dagegen. Doch der eiserne Griff, den man von der kleinen und schmächtigen Templerin nicht erwartet hatte, hielt sie gefangen. Auch sie litt unter dem, was sie tat. Das sah man ihr deutlich an. Es kostete sie viel Kraft und als dies bemerkt wurde, versammelten sich die Kinder des Einen, die bisher nur stumme Beobachter waren, um ihre Schwester um ihr Kraft zu geben. Ihr Körper bog sich durch und immer weiter redete sie auf letharisch. Dann ging sie auf die Knie und ließ die Hand der Menschenfrau los. Kraftlos lag sie auf dem Boden und nur langsam erholte sie sich. In der Zwischenzeit drückte ihr eine andere Letharin eine Phiole in die Hand mit einem unmissverständlichen „Trink!“ Ebenso bekam Laina eine Phiole mit der Flüssigkeit. Als Melinda diese öffnete, schauderte sie. Unangehm roch die Flüssigkeit, doch es schien Medizin zu sein gegen ihren Husten. Also schluckte sie es. Die Bitte der geschwächten Templerin war, ihr von jeder Veränderung an sich zu berichten, egal wie. Dann eine scheuchende Geste. Sie sollten wohl gehen, was sie dann auch taten.
Als sie zur Burg zurückkehrten und gerade am Tisch saßen, kam Talana hinzu. Schwer atmend. Sie ließ Melinda kaum zu Wort kommen und wollte zu Cara. Doch diese war nicht da. Scheinbar hatten sich nicht nur Laina und Melinda angesteckt, sondern auch Talana und die junge Frau bei ihr. Fast schon flüchtend waren die beiden wieder weg. Knurrend ging Melinda an die Kiste mit den Tränken. Cara müsste sicher etwas haben dagegen und sie fand Arznei. Gut, dass Cara so ordentlich war und alles beschriftete. In einem Anflug von Panik nahm sie gleich mehrere Flaschen mit und ging mit Laina, ihrer guten Freundin, zur Taverne. Dort fanden sie die beiden Ahads, sowie den kleinen Jungen und den Wirt vor, der mit Talana die Kneipe unterhielt. Doch von Talana und der jungen Frau keine Spur. Eine kurze Unterredung, der Hinweis auf die Krankheit welche umherging. Die Ahads waren alarmiert. Ahad Crain hatte es wohl schon geahnt und machte die Diener des Raben dafür verantwortlich. Innerlich erstarrte Melinda. Hatte ER nun die ganze Siedlung als Ziel und nicht nur sie alleine? Sie alleine wäre besser gewesen, sie wollte niemand anders dort hineinziehen. Doch das war wohl nun geschehen. Eilig gab sie jedem eines der Fläschchen mit der Arznei ehe sie wieder aus der Kneipe wirbelte, dem Ahad Crain hinterher. Diesen fand sie schließlich bei Cara und einer weiteren, blinden, jungen Frau. Ein kurzer Bericht der Lage, das Zeigen des Etiketts. Cara würde sich darum kümmern. Aufatmen. Laina konnte einem im Moment richtig Leid tun, so wie Melinda umherwirbelte. Zwei Tränke für ihre Geschwister, Rückkehr zur Hagburg. Erschöpfung und Müdigkeit forderten nun ihren Tribut.
[img]http://www.allmystery.de/dateien/uh60967,1295482701,spiegel-47.jpg[/img]
Oh wünsche ich Dich zu spür'n,
deine Leidenschaft zu fühl'n,
zeitlos werde ich bei Dir sein,
der Spiegel Deiner Seele sein.