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Die Söldner
Verfasst: Freitag 30. September 2011, 20:59
von Siegfried Gantersbach
- Der strenge Nordwind biss dem verhärmten Hünen scharf ins zerfurchte Gesicht. Über ihm und den Seinen lagen die bleiernen Wolken diesen Morgen scheinbar schwerer als sonst.
Ein Vorhang gleichsam, der die Welt der Sterne und Sonnen von der Ihren trennte.
Die eisige Öde, die sich vor ihnen erstreckte war grenzenlos, eine Tundra nicht für den Menschen gemacht. Wolliges Buschwerk, schroffe Felsformationen, bizarre Wurzelgeflechte, deren Ranken, wie knöcherne Krallen, nach den Wanderern, im ewigem Heulen der Stürme stöhnend griffen; all das gab das Bild bis zum Horizont.
An der Seite des Hünen ging ein gepanzerter, vor wenigen Tagen kräftiger Mann zu Boden. Kälte, Erschöpfung und Hoffnungslosigkeit waren diesem eine Fessel geworden. Es gab nichts mehr zu tun, als ihm die Gnade eines sauberen Todes zu gewähren.
Obwohl es noch Tagen musste, begleitete sie auf jedem ihrer Schritte das kakophonische Heulen der Aaswölfe, wie ein wollener Schweif an ihrem Tross, die Geschwächten Glieder aus ihrer Formation zu reißen und sich an den Gestauchelten in gieriger Blutlust zu laben.
Die Sonne drang nun schwach, durch das bleifarbene Meer des Himmels, ohne Glanz wucherte sie wie ein eitriger Abszess, ihre Strahlen schenkten keine Wärme, spiegelten sich matt an den Helmen der Fiebrigen. -
Siegfried der Gantersbach, vom weißen Berg, begann den III Kreuzzug unter dem Banner des schwarzen Adlers, als einfacher Korporal.
Wie die Meisten seiner Waffenbrüder stammte auch er aus einem gesammelten Reservetrupp des Sturmarchipels, einer leidlich passenden Bezeichnung für jene Ansammlung kleinerer Felsen und karger Eilande in der nördlichen See. Es war ein armer, unwirtlicher Fleck Landes und seine Bewohner entrangen jede Ernte mit blutenden Fingern dem kargen Grund. Ziegen und Fische waren die einzigen Tiere die es zur Genüge gab und so verwundert es auch nicht weiter, dass diese beiden Spezies nur zu gerne jene Wappen der Könige schmückten. Denn es versteht sich von selbst, dass jeder Felsen seinen ganze eigenen Herrscher kannte und die Heraldik in diesem Teil der Welt besonders hoch gehalten wurde.
So gab es den blauen Fisch im Gang, den Purpurnen (das Purpur ist ein Braun.), den Schneefisch, der ein Hermelin darstellen hätte können (hätte man soeines gekannt), und natürlich den goldenen Quastfisch (das Gold ist ein Orange.).
Es gab gescheckte Ziegen, Ziegen mit zwei Hörnern und drei Beinen, Flachlandziegen, Hochlandziegen, Ziegensoldaten, ja sogar Chimärenwesen aus Ziege und Fisch prangten am Banner dieser besseren Häuptinge.
Einer unbedachten Äußerung wegen (sie mag vor vielen Jahrhunderten stattgefunden haben) hatte sich in den jedem dieser Könige ohne Reich der unbändige Wunsch festgesetzt, die Kaiserwürde über das restliche Archipel zu erlangen und so wüteten seit menschengedenken zahllose Geplänkel, Seeschlachten der Fischereiflotten, obskure politische Verflechtungen und Ränke unter mitunter Dutzenden von Königshäusern; ja es gab selbst solche Fraktionen, welche sich nur aus einer besonders kräftigen Person zusammensetzten, gefährlich nahe an der Kaiserwürde standen und zumindest eine Generation überdauerten, als Fraktion.
In all diesen Jahren unbändiger Jagd nach einer Kaiserkrone, wurde diese selbst zur Ersatzreligion unter ihnen, alte Götter starben, neue wurden geboren und das Pantheon wuchs und wuchs in absurden Ausmaßen, seitdem der erste König sich Dominus et Deus, Herr und Gott, erklärte.
Sei es nun aus mangelnder Waffenstärke, fehlender Kompetenz, jämmerlichster Einfalt oder einfach der Angst diese Göttlichkeit zu verlieren, hatte kein König je die Kaiserkrone errungen.
In dieser ewigen Pattsituation geschah es nun, dass eines Tages ein schweres Kriegsschiff am fernen Meer gesichtet wurde. Seine Segel waren weiß wie die Seevögel, die bedrohlich krächzend um dessen höchste Wimpel zogen.
An diesem Tag sollte sich das Gleichgewicht auf den Inseln ewiglich verschieben.
Aus dem Bug des Schiffes strömten gewaffnete Männer in schwerem Harnisch und langen segelweißen Wappenröcken, in deren Mitte stolz ein schwarzer Greifvogel prangte.
Mit Schwert, Feuer und süßem Versprechen brachten sie ihren Glauben an die Höfe der Könige und schon bald hörte man selbst vom letzten Felsen die Einmann-Fraktion vom grünblaßen Stör Jubelchöre auf seine Göttin: "Temora!", intonieren.
Alle Jahrzehnte wieder kam solch ein Schiff, sammelte Tribut für einen fernen Kathedralenbau, brachte einen Prediger oder schröpfte die militärsche Aushebungen eines, oder mehrere Könige ab.
So finden wir uns am Anfang dieser Mär:
Es ging das Diktat an jeden Hof, an jeden Felsen und jede Scholle.
Im Sinne religiöser Dienstbarkeit sei jeder zweite waffenfähige Mann, selbst jede Frau, die in Diensten eines könglichen Armeekörpers stand verpflichtet sich dem III. Kreuzzug des schwarzen Adlers anzuschließen, eben ihrem Dienstherren abzuschwören und dem Orden den Treueid zu leisten.
Die schlaueren Könige verbargen ihre Männer und Waffen in den Wäldern, in Höhlen und Grotten, schickten Gefangene, Tunichtgute und Alte in die Dienste des Ordens, während einfache Gemüter den Rahm ihrer Truppen abschöpfte, die Spezialisten ihrer Leibgarden selbst dem Kreuzzug verpflichteten.
- Der kümmerliche Rest der Kompanie sammelte sich abgehetzt unter dem herrischen Befehl eines der überlebenden Paladine, aber oberhalb einer Klippformation grauer Schieferfelsen, an welchen die Brandung salzig tobte. Im wogenden Wasser sah man indes ein mächtiges Kriegsschiff ankern, kleine Schaluppen am wenige Meilen entfernten Strand. Sollten sie diesen erreichen, würden sie einen Alptraum hinter sich lassen. -
Verfasst: Freitag 30. September 2011, 21:00
von Nerl Darlinger
Im Rumpf des Bootes befand sich eine größere Gruppe. Die einzelnen Gesichter verrieten die verschiedensten Stimmungslagen. Rolf betrachtete sich alle mit einem gewissen amüsement. Er selbst hatte lange Zeit in der Leibgarde gedient, zu lange wenn er da ganz ehrlich zu sich selbst war. Gerade die letzten Monate hatten ihm das schmerzlich vorgeführt. Längst war seine beste Zeit rum, die Kameraden waren längst entweder als krüppelnde Greise auf ihre Höfe heimgekehrt oder von den Anhängern Temoras in irgendeiner fernen Schlacht verheizt.
Nie hatte er einen der Soldaten wieder heimkehren sehen, doch vielleicht war es genau das was ihn letztlich dazu brachte sich dieses mal sogar freiwillig zu melden, vielleicht wollte er gar nicht mehr zurück kommen. Schließlich gab es für ihn hier nichts mehr, seine Frau und die Kinder schon lange dahingerafft, lediglich er war noch da. Ein seltsamer Humor den die Welt da ihm gegenüber an den Tag legte.
Doch als er sich in dem Schiff umsah, sah er so viele Gesichter die offenkundig voller Hoffnung waren. Man konnte in ihnen lesen wie Bücher, sie versprachen sich ein besseres Leben jenseits ihrer Heimat, ja sie gingen scheinbar sogar davon aus, dass dies der Grund für die ausbleibenden Heimkehrer war. Er selbst war nicht so naiv, er wusste, dass es seine letzte Reise sein würde und er war froh darüber.
Dennoch stimmten ihn diese Gesichter teilweise traurig. Eine Truppe unter einem Mitglied der Familie Gantersbach, ehrbare Leute wenn man ihrem Ruf trauen durfte, saß ihm am nächsten. Ihre Gesichter waren wie eine Reise in die Vergangenheit. Beinahe jedem konnte er sofort, nach den wenigen Wortfetzen nur die er gehört hatte, einem seiner früheren Kameraden zuordnen. Doch als sein blick schließlich die recht klein gewachsene junge Frau mit dem roten unordentlichen Haaren erfasste wurde er schwammig. Er hatte viel Schmerz erdulden müssen, viel Zeit allein verbracht und zahllose Entsagungen hingenommen, doch der Anblick traf ihn wie ein Schlag. Die junge Frau die dort saß und nicht wirklich am Gespräch der anderen Teilnahm, sie schien wie die Reinkarnation seiner Liebsten von vor langer Zeit.
Ein kurzer Ellenbogenhieb in die Seite, Tharn starrte ihn an, halb belustigt halb erschrocken. Rolf wischte sich kurz über das alte faltige Gesicht.
Tharn spöttelte einen Moment lang, ob der glorreiche Rolf Benson jetzt nach all den Jahren doch noch verkalkt wäre, doch die gehörige Schelle die er sich dafür einfing bewies ihm offenbar das Gegenteil. Ein junger Kerl der Gantersbachschen Gruppe wurde darauf aufmerksam und setzte sich zu den alternden Veteranen dazu. Er musste bemerkt haben, dass Rolf die Gruppe angestarrt hatte, denn er wollte nun den Grund dafür erfahren.
Benson, nie ein Mann großer Worte, zeigte unverwandt auf die junge Frau, dann ein fragender Blick zu dem Jüngling.
"Das? Das ist Nerl. In den zwei Monaten die ich jetzt erst bei Korporal Gantersbach bin hat sie nicht viel mit mir geredet. Soweit ich mitbekommen habe ist sie aber schon undenkbar lang bei den Kundschaftern. Eigentlich gilt dieser Posten eher als Bestrafung, und die meisten versuchen so schnell wie möglich dort wegzukommen. Ich? Ja ich bin selber auch dort aber das wird mein erster Einsatz außerhalb des Trainingsplatzes sein.
*dann wird er etwas leiser und spricht nur noch gedämpft weiter*
Wenn ihr mich fragt ist die nicht ganz koscher. Keiner bleibt solange freiwillig bei den Spähern, außerdem seht sie euch doch an. Der Gantersbach meinte, sie macht das nun schon über zehn Jahre, würdet ihr sie viel älter als 20 schätzen? Was ich so mitbekommen habe ist sie auch nicht besonders beliebt bei den anderen Spähern. Die meinen, sie trifft mit dem Bogen auf hundert Schritt kaum ein Scheunentor. Keiner weiß genau wieso sie eigentlich noch lebt. Offenbar hat sie den größten Säckel Glück den man sich vorstellen kann. Sie sagen, für den Gantersbachschen und seine Männer ist sie wohl mehr ein Maskottchen als eine wirkliche Hilfe."
Dann ging der junge Mann wieder zu dem kleinen Spähertrupp zurück. Späher, pah, viele der Soldaten die nicht die körperlichen Vorraussetzungen oder das Geschick für den Frontkampf hatten wurden in diese Rolle gesteckt. Die wenigsten lebten lange, nicht weil es erheblich gefärhlicher war, sondern weil dieses für 'ungenügnd' befundene Menschenmaterial in der Regel von den Fürsten und Taktikern verheizt wurde wie Brennholz in einem verdammt kalten Winter. Sie bekamen nur spärliche Ausbildung, und vielleicht die Hälfte überlebte überhaupt den ersten Einsatz. Wer jedoch diese Hürde schaffte und aus einem der Ablenkungsmannöver des Spähercorps lebendig hervorkam, konnte mit entsprechender Anerkennung rechnen. Es war sozusagen der letzte Ast, für junge Männer und Frauen die nicht durch die normale Ausbildung kamen. Doch noch nie hatte er einen Späher gesehen der das ganze freiwillig gemacht weitergemacht hatte, schon gar nicht zehn Jahre lang. Aber das musste ein Hirngespinst sein, das kleine Dinge konnte unmöglich solange....
*Eine merkliche Erschütterung brachte Rolf aus seinen Gedanken, das Schiff schien offenbar Turbulenzen zu bekommen. Von über Bord drang hektisches Gebrüll.*
Schnell aber hatte er auch das wieder ausgeblendet. Die junge Frau da lies ihm keine Ruhe, jetzt nachdem er den Namen gehört hatte erinnerte er sich wieder. Nerl, ja es gab Geschichten zu ihr. Nerl die Feige, Nerl die gut im Rennen war, lauter solche Dinge hatte er gehört. Wie sonst war es auch zu erklären, dass das dürre Geschöpf noch in einem Stück war, wo sie doch offenkundig nicht gerade mit sehr viel Können gesegnet war.
Nun er würde Zeit haben das herauszufinden. Nerl also... ja er würde sich etwas in ihre Nähe schmuggeln. Ein alter Mann in Rüstung neben diesem kleinen Mädchen, ja die Männer würden ihren Spaß haben, Spott war seit jeher ihr Hobby. Aber das war ihm egal, auf dieser, seiner letzten Reise wollte er noch einmal ein junger Mann sein. Das Geheimnis konnte er sicher lüften, und er würde auch manch einem Feind noch einen gehörigen Scheitel ziehen um.....
*KRACH!*
Die Bootswand gab nach. Eine Flutwelle Salzwasser strömte in den Rumpf, mit solch einer Wucht, dass die erste Reihe Männer wahrscheinlich augenblicklich Tod war nach dem Aufprall. Benson, noch immer mit erschreckend viel Kraft und Körperbeherrschung gesegnet schaffte es, noch einen kräftigen Zug Atemluft zu nehmen. In alle dem Getöse riss er die Augen auf. Das Meerwasser brannte wie Feuer, aber er war schon zuvor durch Feuer gegangen und wusste, wie man dem Geist befehlen konnte dem Schmerz zu trotzen. Zielgerichtet bahnte er sich den Weg zu dem kleinen Bündel Mensch, die rötlichen Haare dabei immer im Blick. In einem heroischen Kraftakt schlang er den prankenartigen Arm um sie und suchte einen Weg aus der Todesfalle. Der Rumpf schien kurz vorm völligen Zerbersten, bereits gut gefüllt mit Meerwasser und den Schreien Sterbender und Panischer. Durch all das bahnte er sich einen Weg mit dem kraftvollen Körper, einzelne gesplitterte Planken bohrten sich in seine Arme, Beine, und schließlich Brust. Auch hier bezwang der Geist den Körper und trieb ihn weiter an, voran und voran, erst raus aus dem Schiffe und dann gen Land. Schnaufend schließlich am Strand angekommen blickte er zum Arm runter. Dort hing das Bündel noch immer, offenbar unverletzt. Mit einem dumpfen Geräusch glitt es zu Boden in den Sand, Rolfs Augen weiteten sich. Das war nicht geplant, er befahl seinem Körper sie sofort wieder aufzuheben, doch da knickte er vollends nach vorn. Erst jetzt wurde ihm das Ausmaß seiner Wunden bewusst, ebenso der Preis den er für diese letzte Schlacht bezahlen würde. Wer hätte das Gedacht, das Rolf Benson bei so etwas sein Leben lassen würde. Der Mann der es fast im Alleingang mit zehn Männern aufnehmen konnte in seiner Jugend. Wie würden die Männer lachen...
*ein weiteres dumpfes Pochen... Rolfs letzte Schlacht war vorbei. Weitaus weniger heroisch, als er erwartet hatte, man würde keine Lieder darüber singen...*
Keine Stunde später kam Nerl zu sich. Ein leises Fluchen, dann rieb sie sich mit den aufgeschürfte Händen den Kopf. Was war geschehen? Das Schiff, irgendetwas war dort geschehen, ja. Sie blickte auf die eine Seite, der Strand war gesäumt von Treibgut, teilweise auch Treibgut organischer Natur. Dann wendete Nerl den Kopf in die andere Richtung und krabbelte erschrocken etwas zurück. Dort lag ein wahrer Fleischkoloss, ein Gigant von einem Kerl, der aus schier unzählbaren Wunden zu bluten schien. Auch wenn viele der Geschichten über sie wohl stimmten was ihre Unzulänglichkeiten anging, diesem Kerl hier war nicht mehr zu helfen, dessen war sie sich ganz sicher. Mit Mühe und Not rollte sie ihn herum. Offenbar gehörte er der Leibgarde an, wieso hatte er sich wohl gemeldet? Das Essen am Hof sollte doch um einiges besser sein...
Kurz überlegte sie ihm das silberne Emblem der Leibgarde aus dem Hemd zu schneiden, doch entschied sie sich dagegen. Zu unheimlich waren Tote, noch immer.
Also stand sie langsam auf, wieder ein leises Fluchen. Diese verdammten Kopfschmerzen. Erst im Stehen wurde sie sich darüber im Klaren, wie fatal die Situation wirklich war. Weite Teile des Strandes waren trümmerbedeckt. Sie selbst war bis auf die Kopfschmerzen unverletzt. Ein Umstand, mit dem sie sich recht schnell abgefunden hatte, war es doch in der Vergangenheit des öfteren so gewesen. Wo Korporal Gantersbach wohl stecken würde, oder Rahel und der kleine alte Kerl? Langsam trottete sie los, an diesem fremden Strand, und ließ Rolf Benson einfach hinter sich...
Re: Die Söldner
Verfasst: Freitag 30. September 2011, 23:16
von Taufiq
. löschen .
Verfasst: Freitag 30. September 2011, 23:42
von Alfredo
Stolz stand er am Bug des Schiffes.... mit gemischen Gefühlen starrte er nach vorn.. wieder einer der unzähligen Kreuzzüge... wieviele Schlachten hatte erschon mit erlebt? Wieviel selbst angeführt? Er hatte sie nie gezählt.. ebenso die Körper die er in der ganzen Zeit geschlachtet hatte... er dachte an den Haufenim Bauch der Fregatte... ein jämmerlicher Haufen.. die meisten nichtmal richtige Soldaten.. Bauern ja... Bauern würde eher dazu passen.. davon werden die meisten auch noch Knaben sein... naja.. wiedermal ein Krieg in welchem viele Ritter geschlagen werden, um die Toten zu ersätzen und deren Züge zu führen.. ohne wirkliche Ahnung... aber naja.. es war nicht seine erster Kreuzzug und auch nicht der letzte.. und natürlich würde er auch diesmal zurückkehren.. wie er es immer tat. Immerhin war er Paladin und musste zurückkehren! Bald würden sie das Ziel erreichen.. dann würde er wieder nach unten rufen : Auf Kameraden zu Ruhm und zu Glanz!! Der Tod im Kampf soll es uns Wert sein! Für unseren Herren!! Für Temora!!!! Und dann würde er wieder unzählige Mannen in den Tod führen.. und zum Sieg!
Doch alles kam anders... sie hatten schon etwas Boden gut gemacht, als er Nachricht von der Heimat erhielt. Er solle sich umgehend auf den Rückweg machen, die anderen würden ohne Ihn zurecht kommen.. mh.. ohne Ihn.. für die meisten der sichere Tod.. aber Befehl ist Befehl.. also ging er.. lies seine Kameraden im Stich.. und kehre Heim.. Dich das Zuhause welches er kannte, gab es nichtmehr.. alles war in Schutt und Asche.. nur noch ein paar überlebende waren da.. die Frauen geschändet von den schwarzen Söldnern..das was noch zu gebrauchen war gestohlen... er Wollte nach seinem Herrn sehen.. und als er den Palasthof betrat.. oder bessergesagt, dass was noch übrig war, sah er jenen an der Statue Baumeln.. durchlöchert an einem Strick. Er wollte ihn gerade abschneiden, als er überwältigt wurde.. Sie stachen ihn das Auge aus.. schmerz.. undenkbarer Schmerz... größer als jeder Schmerz den er in den Kriegsjahren erlitt... und eine Stimme im Dunkeln welches sich in seinem Kopf auftat.. "Paladin.. deine Heimat ist zerstört.. Folge mir.. Diene mir.. wenn nicht.. werde ich dich leben lassen.. aber ohne Augen..." Was sollte er tun? Kämpfen konnte er nicht ohne Augen.. er wäre Hilflos wie ein Schwein auf der Schlachtbank... also schloss er sich an.. dem Hauptmann der Schwarzen Söldner.... Bis zu jenem Tag.....
Verfasst: Freitag 30. September 2011, 23:57
von Rahel Schwarzer
"Junger Herr, der Bote ist zurück und wünscht Euch zu sprechen!"
"Schick' ihn herein, Edward."
Der dürre, hakennasige Diener verschwand rückwärts unter unzähligen Verneigungen aus der Flügeltür. Seit der Haus-und Titelherr Lear von Schwarzwalden und sein ältester Sohn, Rodrik von Schwarzwalden für mehrere Wochen ins angrenzende Taubach zur Wildschweinjagd aufgebrochen waren, herrschte im Anwesen die Tyrannei des jüngsten Familienmitglieds - Vincent von Schwarzwalden. Warum dieser selbstverliebte, weibische, kaltherzige und verzogene Bengel so hoch in der Gunst seines Vaters stand war Edward unbegreiflich, doch es war nicht seine Angelegenheit, sich darüber den Kopf zu zerbrechen, und so winkte er den Boten herbei und wies ihn in das Zimmer, in welchem der junge Adlige, mit siebzehn Jahren bald noch ein Knabe, ausgestreckt auf einem samtbezogenen Canape lag und einen silbernen Weinkelch in der Linken schwenkte.
"Ich hoffe, Du bringst gute Nachricht, Bürschchen." begrüßte von Schwarzwalden den Boten.
Dieser verneigte sich tief. Auf seiner Stirn standen feine Schweißperlen und seine Haltung war angespannt, das Pergament in seiner Rechten knickte sich unter dem festen Griff.
"Junger Herr von Schwarzwalden, ich bedauere zutiefst, dass.."
"Gib' es her!" herrschte der Bengel den Boten an und streckte ungehalten die Hand aus.
Rasch trat der Botenbursche näher und überreichte das schweißnasse Schreiben.
Angewidert verzog von Schwarzwalden die Mundwinkel, brach das Siegel und ließ den Blick über die säuberlichen Zeilen schweifen.
Nach wenigen Minuten stand er auf und warf das Pergament in die Flammen des Kamins.
"Edward? Lass unverzüglich mein Pferd satteln und triff Vorkehrungen für meine sofortige Abreise!"
"Sehrwohl, junger Herr!" klang es ausserhalb der Tür zurück und eilige Schritte hallten durch die Flure.
"Und was den Boten angeht....", fügte von Schwarzwalden noch hinzu: "...zeigt ihm meine Dankbarkeit für die Überbringung dieser Nachricht."
Das sanfte Rauschen des Windes, eisige Kälte in den Knochen und der Geschmack von Salz im Mund holten die Schwarzhaarige wieder zurück in die Gegenwart.
Ihr Schädel pochte schlimmer als nach dem unsittlichsten Gelage und sie fühlte sich kraftlos wie selten zuvor. Selbst das Öffnen der Augen bereitete ihr Mühen und sie schaffte es erst nach mehreren Anläufen, sich den Sand hinaus zu reiben.
Nur schemenhaft kehrten die jüngsten Erinnerungen zurück...
Sie hatte gerade einen verflucht guten Witz gerissen, irgendetwas über Boern und einen Hund, als plötzlich ohrenbetäubender Lärm die Resonanz übertönte und sie allesamt unter einer eiskalten Flut Wasser begraben wurden. Und hier fanden auch die Erinnerungen ein Ende.
Sie hatte nicht die leiseste Ahnung, wie sie es an diesen Strand geschafft hatte und wie ihre körperliche Verfassung war. Momentan fühlte sie sich dem Tod näher als dem Leben...
Langsam schaffte sie es, sich vom Rücken auf den Bauch zu rollen und den trüben Blick schweifen zu lassen.
Treibholz, leblose Körper, Schutt...am grauen Horizont versank der Rest einer spärlichen Herbstsonne.
Wo auch immer sie gelandet war, kein Lebender ihrer Kameraden war in Sicht.
Schwerfällig und am Ende ihrer Kräfte drückte Rahel sich aus dem kratzenden Sand auf. Ihre Glieder schmerzten, Hunger und Durst fraßen ihr Löcher in Bauch und Kehle, doch ausser ein paar Schürfwunden und aufkommender Fiebrigkeit schien sie unversehrt.
Taumelnd, mit tropfnassem Haar und durchweichter Kleidung suchte sie den Strand nach Überlebenden oder bekannten Toten ab. Doch so sorgfältig sie auch suchte, den wuschligen, roten Schopf der kleinen Nerl Darlinger konnte sie - einmal sei's den Göttern gedankt - nirgends auffinden. Unter den Spähern war Nerl die einzige gewesen, zu der Rahel so etwas wie Sympathie aufgebaut hatte. Die Rothaarige war ein Schussel und für den Kampf kaum zu gebrauchen, doch irgendetwas hatte sie an sich, das Rahel imponierte. Vielleicht die Tatsache, dass die Götter ihr stets gewogen schienen...
Rahel selbst hätte diesem Kreuzzug ebenfalls nicht in den ersten Reihen beigewohnt.
Als Spionin, Meuchlerin, Attentäterin, Späherin hätte sie ihren Beitrag im Verborgenen geleistet. Für den Offensivkampf war sie so gut zu gebrauchen wie ein Schwein zum Kühemelken.
Doch so oder so - das Schicksal hatte etwas anderes vorgehabt.
Im Schutz der Dämmerung durchstriff sie die angrenzenden Wälder, bis sie schließlich kraftlos in einer verlassenen Höhle Unterschlupf fand.
Die Strapazen der vergangenen Wochen, insbesondere des vergangenen Tages forderten ihren Tribut...
Doch noch bevor gnädige Dunkelheit ihren Geist umfing, nahm Rahel sich vor, die Kameraden, die sie nicht bereits tot und aufgedunsen am Strand vorgefunden hatte, am nächsten Tag zu suchen und den Löffel nicht eher abzugeben, bis sie wenigstens zehn Jahre noch einmal in Wohlstand und den Armen eines starken, gutaussehenden Mannes gelebt hatte...