Der verflixte Stab
Verfasst: Samstag 24. September 2011, 02:53
Eine gute Zeit war ins Land gezogen, als Alindra, auch bekannt als die Praeceptor Apex seiner Fakultät jene folgenschweren Worte sprach: "Von nun an dürft ihr an eurem Stab arbeiten...", oder so ähnlich. Im Grunde war es auch egal, Richard graute vor dem, in seinen Augen, unnötigen Aufwand, sogar von einer hochoffiziellen Weihe war die Rede, hätte er erst das Rohmaterial zusammengetragen. Und so schob er die Arbeit, in bekannter Manier, vor sich her, bis er einen Punkt erreicht hatte, an dem weiteres Aufschieben ihn noch in Teufels Küche gebracht hätte.
Viel lieber war ihm da schon sein Experiment an der humanoid verbogenen Rattenkreatur, die ihm damals ins Netz gegangen ist und in seinem Keller, hinter Gittern, ein trauriges Dasein fristete, aber es half nichts.
In seinem Garten wuchs zu dieser Zeit ein Haselstrauch, in voller Pracht.
Eben als er sich einfach eine Rute absägen wollte, die Praeceptor Apex, er achtete sie nach wie vor hoch, würd's schon fressen, durchschoss ihn ein Gedanke, der ihm so noch nicht gekommen war.
Sollte in dieser Aufgabe etwa ein tieferer Sinn verborgen sein? Möglicherweise eine Art zwischenmenschliches Protokoll bedient werden, das er nicht verstünde? Er wusste um seine Schwäche und wollte sie keiner hochpeinlichen Kommission offen legen.
Allzu lange musste er nicht grübeln, als sein weiteres Vorgehen auch schon feststand. Die an dem Rattenmenschen begonnene Sozialstudie würde er auf eine neue Ebene bringen, die ihm in weiterer Folge jene wichtigen Erkenntnisse bescheren sollte, welche er selbst vorraussichtlich nicht aus der Stabmacherei ziehen konnte.
Den ganzen Morgen verbrachte Richard im nahen Wäldchen vor Adoran, eben dort beim Badesee um für perfekte Laborbedingungen zu sorgen.
Da war ein Käuzchen, das mit seinem freundlichen Schu-hu (!) Richard aus dem Konzept brachte und als sein verspätetes Frühstück endete. Die lustige Entenfamilie, deren Schnattern unerträglich für das Gesamtbild waren und letzten Endes ein einsamer Wolf, der gefährlich nah am Ufer herumschlich und vom zornigen Richard in einem Regen aus Feuer und Blitz durch den halben Wald gehetzt wurde, der Wolf würde so schnell nicht wiederkommen.
Szenenwechsel: Berchgard Nachts
Durch Richards Gedanken spukte das junge Fräulein Ayla, Cupitor am Konzil, und eine freche Bratze, dass es Richard die Nackenhaare aufstellte. Temora hatte es gefügt, dass er Gleichmut bewahrte, ja ihr sogar den Termin mit Magister Inos abkaufte, wider besseren Wissens versteht sich, denn das Experiment durfte nicht gefährdet werden, durch unverhältnismässige Zornausbrüche schon gar nicht, dafür war später noch Zeit.
In der Wirklichkeit aber, hatte er fest mit ihr gerechnet und dass sie sich aus der Situation gewieselt hatte, seiner Sache einen gewissen Rückschlag erteilt.
Richard wäre aber nicht Lohengrinn, Musterstudent der alumenisch-königlichen Gesellschaft arkaner Künste, würde er nicht seinen ganz eigenen Weg aus diesem Schlamassel finden.
Wenn das Glück tatsächlich ein Rindvieh ist und sich seinesgleichen sucht, so war Richard ein Auerochse; vor dem Rathaus also, der Mond schien hell über der Ortschaft, wurde er einer kleinen Gesellschaft und zwei Personen im speziellen angesichtig.
Cupitor Keldric Vamon, dieser verstockte, jähzornige junge Mann, der das Herz wohl auf der Zunge trug, nebst dem einfältigen Schwätzer Arlon Benjamin. Der Wahrheit die Ehre zu geben, selbst ein Haufen Goldes, bedeckt mit feiner Schlagsahne und einer Kirsche obenan, wär ihm nicht halb so lieb gewesen, wie diese beiden Subjekte in greifbarer Nähe.
Richard wusste genau, diese Beiden würden keine Schwierigkeiten machen, er musste nur den Ball flach halten.
Mit kryptischen Worten, einer gewissen Priese Mystik war es ihm gelungen Keldric und Arlon für sich zu begeistern. Wie er ihnen aufgetragen hatte, sammelten sie eine Jause zusammen, sorgten für festes Schwuhwerk und waren alsbald abmarschbereit.
Sie hatten das Tor noch nicht verlassen, da stießen sie auf eine junge Bekannte des ungleichen Trios, die sich nahtlos, sehr zu Richards Gefallen, in den Tross einfügte: Die junge Akademiestudentin Eenja.
So zog die Truppe über nächtliche Straßen hin dem Badesee entgegen. Richards Fäden liefen immer weiter zusammen, eben an diesem Ort hatte er ja sein eigentliches Theater geplant.
Kurz kämpfte Richard mit sich, sollte er es wirklich dermaßen simpel halten? In Anbetracht seiner Probanden entschied er sich eindeutig dafür, und überhaupt, je einfacher je besser.
"Holz, bringt mir Holz, junger Cupitor", sprach Richard zu Celdric, als er sich selbst gerade eine Bockwurst genehmigte, einen berchgarder Pfefferbeisser. während auch die anderen sich mehr oder weniger an der Jause gütlich taten.
"Wählt ihr euch einen Begleiter?, fragte Richard schmatzend.
Natürlich schoß Keldric wie erwartet in den Wald, alleine, nur um wenige Momente später mit dem jämmerlichsten Ästlein aufzutauchen, den dieser Wald wohl zu bieten hatte.
Ein selbstgefälliges Grinsen wollte sich in Richards Gesicht stehlen, doch er kämpfte es runter.
Obwohl alles wie erwartet vonstatten ging, musste Richard sich bremsen Keldric den Stecken nicht um die Ohren zu schlagen, stattdessen hieß er ihn abermals in den Wald zu gehen und einen weiteren Stecken zu besorgen.
Einer kindliche Trotzreaktion Keldrics (kindlicher Trotz in Augen Richards), begegnete Richard mit einem obskuren Verwirrspielchen, sodass sich Keldric, wenn auch nicht sonderlich begeistert, so doch in eine Resignation getrieben, fügte und erneut im Wald verschwand, nur um wieder aus dem Geäst zu hüpfen und diesmal Arlon als Hilfe zu erbitten, seines Zeichens eine Art verkappter Holzfäller, in dieser Situation.
Denn es kam so, dass die Beiden einen halben abgeholzten Baum heranschafften, eine Weide, darunter recht brauchbare Stecken, das gab Richard gerne zu.
Keldric hielt ihm also einen der Stecken unter die Nase; "Diesen wähle ich!", so seine Rede. Das Motiv Keldrics war in diesem Fall der gerade Wuchs des Astes und offenbar eine besondere Stärke des Baumes, den er zu spüren glaubte, Richards war es nur recht.
Ein weiteres Mal wurde Keldric in den Wald gehetzt, diesmal stellte Richard ihm die junge Studentin Eenja an die Seite.
Nun jedoch erwuchs zum ersten Mal etwas wie wirkliches Interesse an der Situation, waren die ersten beiden Stufen des Experiments absolut voraussehbar für Richard gewesen, so brachte die Blindheit der jungen Studentin einen gewissen Pfeffer ins Spiel, salopp gesagt und Richard wurde nicht müde, eifrig Notizen zu malen.
Das Ergebnis dieser dritten Waldwanderung war nichts als erstaunlich. Denn Keldric schleppte ihm den Stab des blinden Mädchens an.
Keldrics Interpretation des Geschehens lauschte Richard dabei kaum, vielmehr lag seine Aufmerksamkeit ganz auf dem jungen Mädchen, das für diesen Laffen, arm genug wirkte sie ja, ihren scheinbar wertvollsten Besitz gab, im Sinne einer gewiss abstrusen Spekulation der Beiden über Richards Motive und das Wesen dieser Prüfung. Mitgleich gab sie so natürlich ihr Mittel zur würdigen Orientierung auf, sie würde, wenn im Stich gelassen, auf allen Vieren durch den Wald kriechen müssen, als kleines Zuckerl, in Richards Gepäck.
Nun war die letzte, entscheidende Phase angebrochen, er schnitzte aus dem Weidenast, dem langen, geraden, einen Spazierstock, es ging sich gerade aus. Mittels geschickter Manipulation band er einen kleinen Teil des Blindenstabs in diesen Weidenstock und band, ihn dünkte dieser Gedanke als recht komisch, den lächerlichen Ast, den Keldric zuerst gesammelt, oben dran.
Als das Werk getan war konfrontierte er Keldric, der bereits einen glasigen Ausdruck stiller Verehrung in den Augen hatte, als dieser die Ausformulierung des Stabes betrachtete, mit der Vernichtung dieses Meisterwerks schlechten Geschmacks.
Keldric knickte sofort ein und meinte es wäre ihm so gar nicht recht, den Stab zerstört zu sehen. Seiner Argumentation zufolge war dieser Stab aus drei Aspekten seines Wirkens geformt: Versagen durch Übermut, Erfolg durch Freundschaft I [stärkende Wirkung?], Erfolg durch Freundschaft II [Gewinn an Weisheit?].
Was Richard aber wirklich daran interessierte waren die ehrlichen Emotionen, die sich in Keldrics Gehabe spielten. Dieser schien dem seltsamen Stecken soetwas wie eine Persönlichkeit verliehen zu haben, ja, hatte ihn beinahe entsachlicht und zu einem treuen Freund gemacht und somit in seinem Sinn belebt.
Waren diese Gefühle bereits mit dem Sammeln der Einzelteile entstanden, der hochpersönlichen Wahl jener Gegenstäde und dem Setzen in ein ganzes. Waren es missverstandene Gefühle seinen Freunden gegenüber, fehlgeleitete Dankbarbar, projiziert in diesen Stock.
War es der Zauber des Abends, die Erinnerung an die sternenklare Nacht, des vollen Mondes, der sich im nahe Teich spiegelte; das Wissen an die Flüchtigkeit solcher Momente, das sich in diesem Augenblick in einer nostalgischen Wirklichkeit entfaltete... im Stecken (?).
Vielleicht lag in allem eine gewisse Wahrheit, er würde genauer darüber nachdenken müssen.
Für Richard war dieser Abend ein voller Erfolg, auch wenn er es Keldric nicht nachfühlen konnte, so gelang ihm doch ein Einblick in das Wesen dieser ihm selbst auferlegten Stabprüfung.
So gnädig gestimmt erlaubte Richard seinen Begleitern noch ein Weilchen im See zu tollen, während er selbst ein Feuerlein entzündete...
Viel lieber war ihm da schon sein Experiment an der humanoid verbogenen Rattenkreatur, die ihm damals ins Netz gegangen ist und in seinem Keller, hinter Gittern, ein trauriges Dasein fristete, aber es half nichts.
In seinem Garten wuchs zu dieser Zeit ein Haselstrauch, in voller Pracht.
Eben als er sich einfach eine Rute absägen wollte, die Praeceptor Apex, er achtete sie nach wie vor hoch, würd's schon fressen, durchschoss ihn ein Gedanke, der ihm so noch nicht gekommen war.
Sollte in dieser Aufgabe etwa ein tieferer Sinn verborgen sein? Möglicherweise eine Art zwischenmenschliches Protokoll bedient werden, das er nicht verstünde? Er wusste um seine Schwäche und wollte sie keiner hochpeinlichen Kommission offen legen.
Allzu lange musste er nicht grübeln, als sein weiteres Vorgehen auch schon feststand. Die an dem Rattenmenschen begonnene Sozialstudie würde er auf eine neue Ebene bringen, die ihm in weiterer Folge jene wichtigen Erkenntnisse bescheren sollte, welche er selbst vorraussichtlich nicht aus der Stabmacherei ziehen konnte.
Den ganzen Morgen verbrachte Richard im nahen Wäldchen vor Adoran, eben dort beim Badesee um für perfekte Laborbedingungen zu sorgen.
Da war ein Käuzchen, das mit seinem freundlichen Schu-hu (!) Richard aus dem Konzept brachte und als sein verspätetes Frühstück endete. Die lustige Entenfamilie, deren Schnattern unerträglich für das Gesamtbild waren und letzten Endes ein einsamer Wolf, der gefährlich nah am Ufer herumschlich und vom zornigen Richard in einem Regen aus Feuer und Blitz durch den halben Wald gehetzt wurde, der Wolf würde so schnell nicht wiederkommen.
Szenenwechsel: Berchgard Nachts
Durch Richards Gedanken spukte das junge Fräulein Ayla, Cupitor am Konzil, und eine freche Bratze, dass es Richard die Nackenhaare aufstellte. Temora hatte es gefügt, dass er Gleichmut bewahrte, ja ihr sogar den Termin mit Magister Inos abkaufte, wider besseren Wissens versteht sich, denn das Experiment durfte nicht gefährdet werden, durch unverhältnismässige Zornausbrüche schon gar nicht, dafür war später noch Zeit.
In der Wirklichkeit aber, hatte er fest mit ihr gerechnet und dass sie sich aus der Situation gewieselt hatte, seiner Sache einen gewissen Rückschlag erteilt.
Richard wäre aber nicht Lohengrinn, Musterstudent der alumenisch-königlichen Gesellschaft arkaner Künste, würde er nicht seinen ganz eigenen Weg aus diesem Schlamassel finden.
Wenn das Glück tatsächlich ein Rindvieh ist und sich seinesgleichen sucht, so war Richard ein Auerochse; vor dem Rathaus also, der Mond schien hell über der Ortschaft, wurde er einer kleinen Gesellschaft und zwei Personen im speziellen angesichtig.
Cupitor Keldric Vamon, dieser verstockte, jähzornige junge Mann, der das Herz wohl auf der Zunge trug, nebst dem einfältigen Schwätzer Arlon Benjamin. Der Wahrheit die Ehre zu geben, selbst ein Haufen Goldes, bedeckt mit feiner Schlagsahne und einer Kirsche obenan, wär ihm nicht halb so lieb gewesen, wie diese beiden Subjekte in greifbarer Nähe.
Richard wusste genau, diese Beiden würden keine Schwierigkeiten machen, er musste nur den Ball flach halten.
Mit kryptischen Worten, einer gewissen Priese Mystik war es ihm gelungen Keldric und Arlon für sich zu begeistern. Wie er ihnen aufgetragen hatte, sammelten sie eine Jause zusammen, sorgten für festes Schwuhwerk und waren alsbald abmarschbereit.
Sie hatten das Tor noch nicht verlassen, da stießen sie auf eine junge Bekannte des ungleichen Trios, die sich nahtlos, sehr zu Richards Gefallen, in den Tross einfügte: Die junge Akademiestudentin Eenja.
So zog die Truppe über nächtliche Straßen hin dem Badesee entgegen. Richards Fäden liefen immer weiter zusammen, eben an diesem Ort hatte er ja sein eigentliches Theater geplant.
Kurz kämpfte Richard mit sich, sollte er es wirklich dermaßen simpel halten? In Anbetracht seiner Probanden entschied er sich eindeutig dafür, und überhaupt, je einfacher je besser.
"Holz, bringt mir Holz, junger Cupitor", sprach Richard zu Celdric, als er sich selbst gerade eine Bockwurst genehmigte, einen berchgarder Pfefferbeisser. während auch die anderen sich mehr oder weniger an der Jause gütlich taten.
"Wählt ihr euch einen Begleiter?, fragte Richard schmatzend.
Natürlich schoß Keldric wie erwartet in den Wald, alleine, nur um wenige Momente später mit dem jämmerlichsten Ästlein aufzutauchen, den dieser Wald wohl zu bieten hatte.
Ein selbstgefälliges Grinsen wollte sich in Richards Gesicht stehlen, doch er kämpfte es runter.
Obwohl alles wie erwartet vonstatten ging, musste Richard sich bremsen Keldric den Stecken nicht um die Ohren zu schlagen, stattdessen hieß er ihn abermals in den Wald zu gehen und einen weiteren Stecken zu besorgen.
Einer kindliche Trotzreaktion Keldrics (kindlicher Trotz in Augen Richards), begegnete Richard mit einem obskuren Verwirrspielchen, sodass sich Keldric, wenn auch nicht sonderlich begeistert, so doch in eine Resignation getrieben, fügte und erneut im Wald verschwand, nur um wieder aus dem Geäst zu hüpfen und diesmal Arlon als Hilfe zu erbitten, seines Zeichens eine Art verkappter Holzfäller, in dieser Situation.
Denn es kam so, dass die Beiden einen halben abgeholzten Baum heranschafften, eine Weide, darunter recht brauchbare Stecken, das gab Richard gerne zu.
Keldric hielt ihm also einen der Stecken unter die Nase; "Diesen wähle ich!", so seine Rede. Das Motiv Keldrics war in diesem Fall der gerade Wuchs des Astes und offenbar eine besondere Stärke des Baumes, den er zu spüren glaubte, Richards war es nur recht.
Ein weiteres Mal wurde Keldric in den Wald gehetzt, diesmal stellte Richard ihm die junge Studentin Eenja an die Seite.
Nun jedoch erwuchs zum ersten Mal etwas wie wirkliches Interesse an der Situation, waren die ersten beiden Stufen des Experiments absolut voraussehbar für Richard gewesen, so brachte die Blindheit der jungen Studentin einen gewissen Pfeffer ins Spiel, salopp gesagt und Richard wurde nicht müde, eifrig Notizen zu malen.
Das Ergebnis dieser dritten Waldwanderung war nichts als erstaunlich. Denn Keldric schleppte ihm den Stab des blinden Mädchens an.
Keldrics Interpretation des Geschehens lauschte Richard dabei kaum, vielmehr lag seine Aufmerksamkeit ganz auf dem jungen Mädchen, das für diesen Laffen, arm genug wirkte sie ja, ihren scheinbar wertvollsten Besitz gab, im Sinne einer gewiss abstrusen Spekulation der Beiden über Richards Motive und das Wesen dieser Prüfung. Mitgleich gab sie so natürlich ihr Mittel zur würdigen Orientierung auf, sie würde, wenn im Stich gelassen, auf allen Vieren durch den Wald kriechen müssen, als kleines Zuckerl, in Richards Gepäck.
Nun war die letzte, entscheidende Phase angebrochen, er schnitzte aus dem Weidenast, dem langen, geraden, einen Spazierstock, es ging sich gerade aus. Mittels geschickter Manipulation band er einen kleinen Teil des Blindenstabs in diesen Weidenstock und band, ihn dünkte dieser Gedanke als recht komisch, den lächerlichen Ast, den Keldric zuerst gesammelt, oben dran.
Als das Werk getan war konfrontierte er Keldric, der bereits einen glasigen Ausdruck stiller Verehrung in den Augen hatte, als dieser die Ausformulierung des Stabes betrachtete, mit der Vernichtung dieses Meisterwerks schlechten Geschmacks.
Keldric knickte sofort ein und meinte es wäre ihm so gar nicht recht, den Stab zerstört zu sehen. Seiner Argumentation zufolge war dieser Stab aus drei Aspekten seines Wirkens geformt: Versagen durch Übermut, Erfolg durch Freundschaft I [stärkende Wirkung?], Erfolg durch Freundschaft II [Gewinn an Weisheit?].
Was Richard aber wirklich daran interessierte waren die ehrlichen Emotionen, die sich in Keldrics Gehabe spielten. Dieser schien dem seltsamen Stecken soetwas wie eine Persönlichkeit verliehen zu haben, ja, hatte ihn beinahe entsachlicht und zu einem treuen Freund gemacht und somit in seinem Sinn belebt.
Waren diese Gefühle bereits mit dem Sammeln der Einzelteile entstanden, der hochpersönlichen Wahl jener Gegenstäde und dem Setzen in ein ganzes. Waren es missverstandene Gefühle seinen Freunden gegenüber, fehlgeleitete Dankbarbar, projiziert in diesen Stock.
War es der Zauber des Abends, die Erinnerung an die sternenklare Nacht, des vollen Mondes, der sich im nahe Teich spiegelte; das Wissen an die Flüchtigkeit solcher Momente, das sich in diesem Augenblick in einer nostalgischen Wirklichkeit entfaltete... im Stecken (?).
Vielleicht lag in allem eine gewisse Wahrheit, er würde genauer darüber nachdenken müssen.
Für Richard war dieser Abend ein voller Erfolg, auch wenn er es Keldric nicht nachfühlen konnte, so gelang ihm doch ein Einblick in das Wesen dieser ihm selbst auferlegten Stabprüfung.
So gnädig gestimmt erlaubte Richard seinen Begleitern noch ein Weilchen im See zu tollen, während er selbst ein Feuerlein entzündete...