Blaues Feuer
Verfasst: Montag 12. September 2011, 06:09
Hoch stand der Mond über dem Wasser, es war ruhig, kein Mensch, kein Geschrei, keine gröhlenden Trinker. Nur der Klang der Nacht. Abseits der Wege lief Sie, das linke Bein leicht nachziehend, kniff sie ihre Augen zusammen und biss sich immer wieder auf die Unterlippe. An Schmerzen hatte sie sich immer noch nicht gewöhnt, immer noch ertrug sie es kaum. Das zerschundene Gesicht das sich schwer anfühlte, fast spannte vor Schmerz. Die Schläge die ihr fast das Bewusstsein geraubt hatten. Sie hallten noch immer in ihr wieder. Ab und zu hustete sie, ihre Kehle schmerzte doch sie musste weiter. Zu viel Zorn, zu viel Hass hatte sie aufgewirbelt am Grund des Wassers und langsam aber sicher trübte es sich und wurde dunkel, ließ keinen Blick mehr auf den Grund zu. Fast mechanisch bewegten sich ihre Füße vorwärts. Vorwärts zur alten verlassenen Hütte die sie des Nachts so oft aufsuchte. Weit abseits des Lärms der Städte, den Blicken der Menschen. Hier war sie allein. Nur sie und das Feuer das sie wärmte. Sie liebte Feuer, es hatte sie schon immer fasziniert. So oft war ihr kalt, so oft fühlte sie sich mehr tot als lebendig. Feuer jedoch war anders, es war so wie sie sein wollte. Heiss und lebendig. Mutter. Gedanken schwirrten durch ihren Kopf. Ihr war schwindelig. Der Schädel brummte. O' Mutter. Wäre ich doch nur stärker gewesen. Sie musste an sein Gesicht denken. Vaters Gesicht. Noch immer fürchtete sie es. Noch immer hörte sie die Schreie in ihrem Kopf. Blaues Feuer, so heiss das einem das Fleisch von den Knochen schmilzt. Sie sah es noch immer. Mühsam kämpfte sie sich durch das Gestrüpp und Dickicht des wuchernden Waldes bis sie zu jener Lichtung kam an der die kleine Hütte stand, die ihr schon oft Unterschlupf in kalter Nacht war.
Auch wenn es für sie zur Routine geworden war das alte Schloss zu öffnen, dass ihr den Zutritt versperrte so wollte es ihr heute nicht gelingen. Ihre Finger zitterten, ihr Körper schmerzte. Immer wieder glitt ihr der Dietrich aus der Hand, immer wieder hörte sie wie die Zylinder im Schloss zurück in die Ursprungsposition fielen. Die Tür öffnete sich und sie trat herein, lies sich auf den mit alten abgenutzten Pelzen bedeckten Fußboden fallen. "Du siehst schlecht aus", hörte sie eine Stimme in der Dunkelheit. Sie klang tief, dumpf und war nur sehr schwer zu orten. Schien es für sie doch fast als würde diese Stimme aus ihr klingen. In ihrem Kopf ihren Ursprung finden. "So viele Jahre. So viele Jahre. Du hast dich verändert, mein Kind. Sieh dich nur an, Jara, du bist eine junge Dame geworden." Die erloschene Feuerstelle in der Mitte der Hütte begann zu glühen, hier und da flogen kleine tänzelnde Funken durch die Luft. Rot kämpfte sich durch das Schwarz, gewann schließlich und verdängte die Dunkelheit. Angst stieg in ihr auf, lähmte sie, ließ sie die Schmerzen vergessen. Die Stimme die sie in ihren Träumen jagte. Dort stand sie, das lange spitze Gesicht, die kalten Augen die sich hinter dem getrübten Glas seiner Brille versteckten. Die knöchrigen Finger die den verzierten Knauf des Gehstocks umgriffen, verziert von vielen prunkvollen Ringen, in welche dunkle fast das Licht verschlingende Steine eingefasst waren. "Weisst du wie anstrengend es war dich zu finden? Ich hatte ja fast das Gefühl du würdest vor mir davonlaufen. Ja als wolltest du deinen eigenen Vater nicht mehr sehen. Alleine der Gedanke meine eigene Tochter würde sich vor mir verstecken brach mir fast das Herz. Aber nun bin ich hier und wie ich seh rechtzeitig." "Was willst du?", zischte Jara, die sich langsam aufrichtete. "Dir helfen. Sieh dich an Kind. Zerschunden, gedemütigt, geschlagen. Du brauchst Hilfe. Du bist noch nicht so weit in dieser grausamen Welt überleben zu können. Aber jetzt ist Papa ja wieder da. Papa ist hier und nun gehen wir heim. Wie eine Familie." "Ich gehe nicht mit dir", widersprach Sie leise, fast blieben ihr die Worte im Halse stecken. Die Angst schnürte ihr die Kehle zu. "Du missverstehst mich, ich bin dein Vater, du gehörst zu mir. Ich werde dich mitnehmen ob es dir passt oder nicht. Du bist so wertvoll für mich Kind. Mir liegt nur dein Wohlergehen am Herzen." Ein spitzer Schrei, Jara bebte und schüttelte den Kopf. "Ich will nicht! Du hast Mama getötet! Du hast Mama getötet!" Das schmale Gesicht sah auf, fixierte Jara und musterte sie. Auf dem breiten Mund des Fremden zeichnete sich ein mildes Lächeln ab. Zeitgleich ergriffen die knochigen Finger die Brille, zogen sie von der Nase und begannen Sie mit einem kleinen Tüchlein zu putzen. "Mamas Tod hat sie sich selbst zu zuschreiben. Sie hat den Tod gewählt indem sie sich zwischen mich und den dir vorbestimmten Weg stellte. Die Geister sehen es nicht gerne wenn jemand versucht eine Empfängliche ihnen zu entziehen. Du hast so viel Potential. Erinnerst du dich nicht wieviel Spaß es dir bereitete. Damals als wir noch eine Familie waren. Die kleinen Kunststückchen mit denen wir die Besucher erheiterten. Du hast eine Gabe, Jara. In deinem inneren erklingt ein starkes, aufbrausend schnelles Lied." "Was willst du verdammt noch mal?" "Ich will mein Eigentum wieder. Du wirst mir helfen mächtig zu werden und ich werde dir helfen dein Potential zu nutzen." "Ich bin kein Werkzeug.", wisperte sie. "Wie war das?" "Ich bin kein Werkzeug, ich lasse mich nicht von dir benutzen." Das fahle Gesicht lachte, setzte die Brille wieder auf die knochige Nase und ging auf Jara zu. Blieb nur wenige Schritte vor ihr stehen und sah auf sie herab. "Du..du bist meine Marionette, ich habe dich aus meinem Samen erschaffen, habe dich aufgezogen, habe dein Holz geformt und dich zu dem gemacht was du bist. Ohne mich würdest du nicht existieren. Du wirst dich mir anschließen und den Willen der Geister befolgen oder heute, hier in dieser beschaulichen Hütte sterben. So oder so wirst du deine Macht mit mir teilen." "A-aber ich habe keine Macht" "Die Geister lügen nicht und nun komm!"
Ein Schrei drang aus der kleinen Hütte, danach waren schnelle Schritte zu vernehmen, ein lautes Geräusch, schwer und krachend. Jemand fiel auf den Boden. Jara sah auf, sah in das ihr vertraute Gesicht das sie zu Boden drückte. Die Klinge hatte sein Auge nur knapp verfehlt, Blut lief aus der Wunde, tropfte ihr ins Gesicht. Warm und dunkel. Dann wurde es schwarz um sie herum. Das Feuer im Zentrum der kleinen Hütte wuchs an, loderte und wurde eins mit dem Angreifer, schien ihn zu kleiden wie einen Mantel. Blaues Feuer. Blaues Feuer.
Auch wenn es für sie zur Routine geworden war das alte Schloss zu öffnen, dass ihr den Zutritt versperrte so wollte es ihr heute nicht gelingen. Ihre Finger zitterten, ihr Körper schmerzte. Immer wieder glitt ihr der Dietrich aus der Hand, immer wieder hörte sie wie die Zylinder im Schloss zurück in die Ursprungsposition fielen. Die Tür öffnete sich und sie trat herein, lies sich auf den mit alten abgenutzten Pelzen bedeckten Fußboden fallen. "Du siehst schlecht aus", hörte sie eine Stimme in der Dunkelheit. Sie klang tief, dumpf und war nur sehr schwer zu orten. Schien es für sie doch fast als würde diese Stimme aus ihr klingen. In ihrem Kopf ihren Ursprung finden. "So viele Jahre. So viele Jahre. Du hast dich verändert, mein Kind. Sieh dich nur an, Jara, du bist eine junge Dame geworden." Die erloschene Feuerstelle in der Mitte der Hütte begann zu glühen, hier und da flogen kleine tänzelnde Funken durch die Luft. Rot kämpfte sich durch das Schwarz, gewann schließlich und verdängte die Dunkelheit. Angst stieg in ihr auf, lähmte sie, ließ sie die Schmerzen vergessen. Die Stimme die sie in ihren Träumen jagte. Dort stand sie, das lange spitze Gesicht, die kalten Augen die sich hinter dem getrübten Glas seiner Brille versteckten. Die knöchrigen Finger die den verzierten Knauf des Gehstocks umgriffen, verziert von vielen prunkvollen Ringen, in welche dunkle fast das Licht verschlingende Steine eingefasst waren. "Weisst du wie anstrengend es war dich zu finden? Ich hatte ja fast das Gefühl du würdest vor mir davonlaufen. Ja als wolltest du deinen eigenen Vater nicht mehr sehen. Alleine der Gedanke meine eigene Tochter würde sich vor mir verstecken brach mir fast das Herz. Aber nun bin ich hier und wie ich seh rechtzeitig." "Was willst du?", zischte Jara, die sich langsam aufrichtete. "Dir helfen. Sieh dich an Kind. Zerschunden, gedemütigt, geschlagen. Du brauchst Hilfe. Du bist noch nicht so weit in dieser grausamen Welt überleben zu können. Aber jetzt ist Papa ja wieder da. Papa ist hier und nun gehen wir heim. Wie eine Familie." "Ich gehe nicht mit dir", widersprach Sie leise, fast blieben ihr die Worte im Halse stecken. Die Angst schnürte ihr die Kehle zu. "Du missverstehst mich, ich bin dein Vater, du gehörst zu mir. Ich werde dich mitnehmen ob es dir passt oder nicht. Du bist so wertvoll für mich Kind. Mir liegt nur dein Wohlergehen am Herzen." Ein spitzer Schrei, Jara bebte und schüttelte den Kopf. "Ich will nicht! Du hast Mama getötet! Du hast Mama getötet!" Das schmale Gesicht sah auf, fixierte Jara und musterte sie. Auf dem breiten Mund des Fremden zeichnete sich ein mildes Lächeln ab. Zeitgleich ergriffen die knochigen Finger die Brille, zogen sie von der Nase und begannen Sie mit einem kleinen Tüchlein zu putzen. "Mamas Tod hat sie sich selbst zu zuschreiben. Sie hat den Tod gewählt indem sie sich zwischen mich und den dir vorbestimmten Weg stellte. Die Geister sehen es nicht gerne wenn jemand versucht eine Empfängliche ihnen zu entziehen. Du hast so viel Potential. Erinnerst du dich nicht wieviel Spaß es dir bereitete. Damals als wir noch eine Familie waren. Die kleinen Kunststückchen mit denen wir die Besucher erheiterten. Du hast eine Gabe, Jara. In deinem inneren erklingt ein starkes, aufbrausend schnelles Lied." "Was willst du verdammt noch mal?" "Ich will mein Eigentum wieder. Du wirst mir helfen mächtig zu werden und ich werde dir helfen dein Potential zu nutzen." "Ich bin kein Werkzeug.", wisperte sie. "Wie war das?" "Ich bin kein Werkzeug, ich lasse mich nicht von dir benutzen." Das fahle Gesicht lachte, setzte die Brille wieder auf die knochige Nase und ging auf Jara zu. Blieb nur wenige Schritte vor ihr stehen und sah auf sie herab. "Du..du bist meine Marionette, ich habe dich aus meinem Samen erschaffen, habe dich aufgezogen, habe dein Holz geformt und dich zu dem gemacht was du bist. Ohne mich würdest du nicht existieren. Du wirst dich mir anschließen und den Willen der Geister befolgen oder heute, hier in dieser beschaulichen Hütte sterben. So oder so wirst du deine Macht mit mir teilen." "A-aber ich habe keine Macht" "Die Geister lügen nicht und nun komm!"
Ein Schrei drang aus der kleinen Hütte, danach waren schnelle Schritte zu vernehmen, ein lautes Geräusch, schwer und krachend. Jemand fiel auf den Boden. Jara sah auf, sah in das ihr vertraute Gesicht das sie zu Boden drückte. Die Klinge hatte sein Auge nur knapp verfehlt, Blut lief aus der Wunde, tropfte ihr ins Gesicht. Warm und dunkel. Dann wurde es schwarz um sie herum. Das Feuer im Zentrum der kleinen Hütte wuchs an, loderte und wurde eins mit dem Angreifer, schien ihn zu kleiden wie einen Mantel. Blaues Feuer. Blaues Feuer.