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Erinnerungen sind Lohn genug (die Tätowiererin)

Verfasst: Donnerstag 28. Juli 2011, 13:17
von Jarnelle Destiene
Solch ein Andrang hatte sie nicht erwartet! Gut, sie wusste ja das die Seefahrer sich gern damit schmückten und vielleicht ganz verschämt die Damen der höheren Schichten. Aber das! Nein, das hatte sie umgehauen. Sie hatte dem Herold einige ihrer letzten Münzen zugesteckt und dieser Mann hatte wahrlich Wunder vollbracht. Kaum hatte er die Kunde ihrer Kunst verbreitet füllte sich der Platz um ihren kleinen Stand zusehends. Eine Narbe abdecken? Kein Problem! Ein Hautbild erweitern? Sicher gerne! Eine Kriegsszene über den gesammten Rücken? Selbstverständlich, doch dauert schon länger der Herr! Reizvolle Rosen, welche sich anscheinend in die Haut eingraben? Sie kommt vorbei! Flammenvögel die an den Dekolltéansätzen grenzten? Empfindliche Partie aber möglich! Mey lad dey eyn zu uns nach Wulfgard und mey hol dey ab am Hafen. Sie brauchte unbedingt mehr Farbe! All dies würde sie in den Nächsten Tagen auf Trapp halten und sie war nicht minder begeistert wie die Augen der Interessenten gestrahlt hatten. Sie liebte ihren Beruf und sie erstrebte nie Reichtum. Reichtum war nichts gegen die Bewunderung ihrer Kunstwerke. Sie war nichts im Gegensatz zu den Erinnerungen an denjenigen der sie erschuf. Jarnie lächelte als der hochgewachsene Krieger sich bereits auszog und ihr die schwächste Stelle seines Körpers freilegte. Über die Schultern sollten die Adlerschwingen reichen. Aufgespreizt wie wenn der mächtige Greifvogel landen würde. Doch kein Torso des Tieres sollte innen die Wirbelsäule entlang führen. Eine Schwertschneide scharf und unerweichlich sollte den Rücken vollenden.
Sie bot dem Herren Schnaps zum beruhigen der Nerven an und rieb anschliessend den Rücken damit ab.Dann nahm sie die Schrifttinte und übertrug die Zeichnung des Motives auf die gereinigte Haut. In diesem Bild würden bereits all ihre erlernten Künste zum Tragen kommen. Die Fertigkeit in Farbe getränkte Fäden unter die zwei obersten Hautschichten zu ziehen. Vorsicht war dabei geboten um nicht das Blutgewebe zu verletzen. Diese Fäden sollten dann für einen Wochenlauf darin verbleiben so das die Farbe sich in die Haut einfügte. Eine wertvolle Kunst um viele gerade Linien zu haben. Perfekt für eine Klingen- oder Federdarstellung. So zog Jarnie im Licht der Kerze die Fäden unter die Haut des Kämpen. Ein Paar Muskeln zuckten ansonsten liess er nichts von sich hören.
Einige Passanten betrachteten die Arbeit und stellten Fragen. Unterhaltung während der Arbeit war für Jarnie normal und liess die Bewegungen leichter gelingen. Dann zog sie die feinen Kapillar-Nadeln hervor und liess sie in die Farbschale gleiten.Diese Nadeln zogen sich wie von selbst, wenn man sie senkrecht stellte mit der Farbe voll.Ein kurzer Auftupf auf ein Tuch und schon legte sie ihr Handgelenk gegen den Rücken des Mannes vor ihr. Den Takt mit dem Fuss mitklopfend stiess nun die Nadel als Ende des Handgelenkes in die Haut. Gleichmäßige Einstiche waren ein Zeugniss ihrer Übung darin. Immer wieder wischte sie Farbtropfen ab oder Blut mit weg, welches doch hin und wieder austrat. Völlig normal denn auch durch die zweite Hautschicht führten kleine Äderchen. Nadelfüllung um Nadelfüllung wurden die Feinheiten des Gefieders gezeichnet. Weitere Nadeln später war es vollbracht und sie streckte sich ausgiebig. Ihrer Rückfrage, ob die Klinge einen bläulichen Schimmer aufweisen solle, wurde nur genickt. Sie lächelte und zog etwas hervor das wie ein Folterinstrument erschiehn. Eine Bürste deren Borsten feine zierliche Nadeln waren. Ein Kunstwerk der Feinschmiedeszunft. Auch diese Nadeln waren teilweise ausgehöhlt um etwas Farbe aufzunehmen. Die Stiche damit würden Feiner ausfallen, die Farbe damit heller erscheinen. Sie lies die Bürste in die Farbschale sinken und bereitete gleich die Blauschale vor. Kurz glitten ihre Gedanken zu dem Apothekarius, der ihr das angerührt hatte und sie selbst war voller Vorfreude auf diese Farben. Nun Legte sie ihren Linken Unterarm als Brücke waagrecht über seinen Rücken und griff nach der Bürste. Kurz strich sie die Tropfen auf einem der Tücher ab ehe sie den Rechten Unterarm über den Brückenarm legte ein Kreuz bildend. Erneut schlug der Fuss den Takt der nun jedoch langsamer schien. Rhythmisch schlug die Bürste ihre feinen Nadeln in den Rücken und färbte langsam die Klinge grau. Ein Innehalten ehe sie das selbe mit dem Blau vollzog und dder Schimmereffekt der Farbe überzeugte sie von der Qualität. Noch ein letztes mal die Kapillarnadeln um einige Feinheiten auszubessern und sie nickte zufrieden.
"In einem Wochenlauf ziehen wir die Fäden der Herr! Meldet euch bei mir!"
Damit rieb sie grosszügig Schmalz auf das Bild und der Haut, die sich bereits anschwellend rötete.
"Streicht Schmalz auf um es zu pflegen es wird sich etwas entzünden doch wascht die Stelle nicht! Es ist völlig normal ein Hautbild ist eine gefärbte Narbe in der unteren Hautschicht."
So entliess sie ihn und verstaute die von ihm als angemessen gesehene Entlohnung.
Es war ein sensationeller Anfang gewesen!


(ooc:Tätowierung des Raindri Katuri)