Ein Ziel braucht der Mensch
Verfasst: Dienstag 26. Juli 2011, 20:14
Leise striff der kalte Morgenwind durch sein Haar. Schlafendes Grün am Wegesrand, von der Sonne noch nicht geweckt. Schritt für Schritt ging Dairian eine der vielen Wachrouten zwischen Varuna und Berchgard ab. Nach fast fünfundzwanzig Jahren der Ziellosigkeit hatte er seit einiger Zeit endlich ein Ziel, für das es sich zu leben, zu kämpfen und zu sterben lohnte. Seine Gedanken kreisten...
Er war keineswegs ungebildet und dank seines handelsreisenden Vaters zumeist schon als junger Mann über vieles deutlich besser informiert als seine Altersgenossen. Aber er besaß nie das Verhandlungsgeschick und den Geschäftssinn seines alten Herren. Vielmehr zog es ihn hinaus; Bücherwissen gegen Erfahrungen einzutauschen und Ideen gegen Taten. Jahrelang zog es den neugierigen Jüngling durch das Reich, mal an die Grenzen desselbigen, mal zurück in den Kern. Mit Tagelöhnerei und Hilfe, wo sie am dringendsten benötigt ward, schlug er sich durch. Die Welt war interessanter als jede Geschichte. Mit der Zeit jedoch wich die ursprünglich unbeschwerte Neugierde der Erkenntnis, dass noch so großer Idealismus und Entdeckergeist sich vor der schlichten Notwendigkeit einer ordentlichen Tätigkeit, eines Handwerks oder etwas dergleichen verneigen musste. Und so kam es, dass er nach langer Reise im kleinen Orte Berchgard ankam und in der hiesigen Taverne einen Humpen Bier zu sich nahm. Dort kam er mit einem Manne ins Gespräch; Kampferprobt, mutig und von höchst ehrbarem Charakter. „Adjudant seiner Erlaucht, Graf Rafael von Arganta“. Dairian hatte nicht zum ersten Mal Kontakt mit den manchmal seltsam anmutenden Auswüchsen der adligen Gesellschaft, aber die Treue, die er im Herzen dieses Mannes seinem Herren gegenüber spürte, war von besonders intensiver und ehrlicher Natur. Mit der Zeit knüpfte Dairian immer mehr Kontakt zu der Gruppe, der dieser Mann – Rondarec nannte er sich – zugehörig war: Der „Allianz des Lichts“, einer Gruppe von hehren Recken, die sich dem Schutze Berchgards und damit auch der hiesigen Mark Tiefenberg des Reiches verschrieben hatten – Unter der Leitung des besagten Kronritters, Graf Rafael von Arganta. Mit der Zeit entwickelte Dairian eine Bindung zu diesem kleinen, manchmal fast verschlafenen Ort. Ein Platz, wo ehrliches Handwerk geschätzt und ein klares Wort von Ansehen war. Gelebte Vernunft und Bodenständigkeit. So kam es, dass er um Aufnahme in die Reihen der Allianz ersuchte und nach einiger Zeit der Erprobung und Lehre vieler verschiedener Dinge als Vollmitglied in ihre Reihen aufgenommen wurde. In der folgenden Zeit wurde das Schwert sein Handwerk und er beherrschte es mit jedem Tage besser. Sein Ziel wurde der Schutz dieses Ortes. Einer Bastion des Lichts an der Grenze zu den untoten Horden in der gefallenen Stadt Varuna.
... die jüngsten Ereignisse hatten seine Wachsamkeit nur wachsen lassen. Rabendiener, die vor Berchgard ihr unheiliges Werk verrichten und in Varuna unaussprechliche Dinge taten. Die Schlacht vor Düstersee und unzählige Scharmützel in den Grenzgebieten. Für jemanden, der den Kampf für das Gute erlernen und betreiben wollte, war dies der perfekte Ort und die perfekte Zeit.
Schritt für Schritt klapperten Dairians Rüstteile in der Morgendämmerung. Das Stöhnen der Untoten, ein steter Begleiter, den der Wind des Nachts über die Adlerfestung trug, versiegte langsam. Wenigstens am Tage war es ruhig.
Zeit für ein herzhaftes Mahl in der Adlerfeste und Notieren der Geschehnisse. Kauend ließ er den abgenutzten Kohlestift über ein Stück Papier sausen.
19. Cirmasium 254
„Wir bekommen einen neuen Lehrmeister für den Kampf. Seine Erlaucht scheint ihm zu vertrauen, aber mir ist er nicht geheuer. Er will uns auf den Kampf vorbereiten und doch lässt er immer wieder durchblicken, sein Wissen an jedwede Seite weiterzugeben oder weitergegeben zu haben. Als verkaufe er Waffen.
Dennoch scheint seine Erfahrung im Kampf über jeden Zweifel erhaben. Ich werde ihm nur vertrauen, weil seine Erlaucht dies ebenso tut.“
25. Cirmasium 254
„Der neue Lehrmeister pflegt einen sonderbaren Kampfstil. Für ihn gibt es keine Regeln der Ehre im Kampf. Es gibt keine Fairness. Es gibt nur Leben oder Sterben. In gewisser Weise hat dieser Mensch durchaus Recht. Im Kampf gibt es nur einen, der diesen überleben kann – Und um seine Lieben zu schützen ist jedes Mittel recht.
Ich finde nicht, dass diese Regeln auf wirklich jeden Kampf übertragbar sind. Aber wenn die Rahaler, die Rabendiener und all die böse Brut mit diesen Mitteln kämpfen. Dann müssen wir darauf vorbereitet sein. Dann sei es um Ehre und Fairness, was zählt ist, dass der, der mein Leben will, in’s Gras beißt!
‚Kenne deinen Feind!‘ – Ein wahres Wort und die Quintessenz dieser Stunde."
Er war keineswegs ungebildet und dank seines handelsreisenden Vaters zumeist schon als junger Mann über vieles deutlich besser informiert als seine Altersgenossen. Aber er besaß nie das Verhandlungsgeschick und den Geschäftssinn seines alten Herren. Vielmehr zog es ihn hinaus; Bücherwissen gegen Erfahrungen einzutauschen und Ideen gegen Taten. Jahrelang zog es den neugierigen Jüngling durch das Reich, mal an die Grenzen desselbigen, mal zurück in den Kern. Mit Tagelöhnerei und Hilfe, wo sie am dringendsten benötigt ward, schlug er sich durch. Die Welt war interessanter als jede Geschichte. Mit der Zeit jedoch wich die ursprünglich unbeschwerte Neugierde der Erkenntnis, dass noch so großer Idealismus und Entdeckergeist sich vor der schlichten Notwendigkeit einer ordentlichen Tätigkeit, eines Handwerks oder etwas dergleichen verneigen musste. Und so kam es, dass er nach langer Reise im kleinen Orte Berchgard ankam und in der hiesigen Taverne einen Humpen Bier zu sich nahm. Dort kam er mit einem Manne ins Gespräch; Kampferprobt, mutig und von höchst ehrbarem Charakter. „Adjudant seiner Erlaucht, Graf Rafael von Arganta“. Dairian hatte nicht zum ersten Mal Kontakt mit den manchmal seltsam anmutenden Auswüchsen der adligen Gesellschaft, aber die Treue, die er im Herzen dieses Mannes seinem Herren gegenüber spürte, war von besonders intensiver und ehrlicher Natur. Mit der Zeit knüpfte Dairian immer mehr Kontakt zu der Gruppe, der dieser Mann – Rondarec nannte er sich – zugehörig war: Der „Allianz des Lichts“, einer Gruppe von hehren Recken, die sich dem Schutze Berchgards und damit auch der hiesigen Mark Tiefenberg des Reiches verschrieben hatten – Unter der Leitung des besagten Kronritters, Graf Rafael von Arganta. Mit der Zeit entwickelte Dairian eine Bindung zu diesem kleinen, manchmal fast verschlafenen Ort. Ein Platz, wo ehrliches Handwerk geschätzt und ein klares Wort von Ansehen war. Gelebte Vernunft und Bodenständigkeit. So kam es, dass er um Aufnahme in die Reihen der Allianz ersuchte und nach einiger Zeit der Erprobung und Lehre vieler verschiedener Dinge als Vollmitglied in ihre Reihen aufgenommen wurde. In der folgenden Zeit wurde das Schwert sein Handwerk und er beherrschte es mit jedem Tage besser. Sein Ziel wurde der Schutz dieses Ortes. Einer Bastion des Lichts an der Grenze zu den untoten Horden in der gefallenen Stadt Varuna.
... die jüngsten Ereignisse hatten seine Wachsamkeit nur wachsen lassen. Rabendiener, die vor Berchgard ihr unheiliges Werk verrichten und in Varuna unaussprechliche Dinge taten. Die Schlacht vor Düstersee und unzählige Scharmützel in den Grenzgebieten. Für jemanden, der den Kampf für das Gute erlernen und betreiben wollte, war dies der perfekte Ort und die perfekte Zeit.
Schritt für Schritt klapperten Dairians Rüstteile in der Morgendämmerung. Das Stöhnen der Untoten, ein steter Begleiter, den der Wind des Nachts über die Adlerfestung trug, versiegte langsam. Wenigstens am Tage war es ruhig.
Zeit für ein herzhaftes Mahl in der Adlerfeste und Notieren der Geschehnisse. Kauend ließ er den abgenutzten Kohlestift über ein Stück Papier sausen.
19. Cirmasium 254
„Wir bekommen einen neuen Lehrmeister für den Kampf. Seine Erlaucht scheint ihm zu vertrauen, aber mir ist er nicht geheuer. Er will uns auf den Kampf vorbereiten und doch lässt er immer wieder durchblicken, sein Wissen an jedwede Seite weiterzugeben oder weitergegeben zu haben. Als verkaufe er Waffen.
Dennoch scheint seine Erfahrung im Kampf über jeden Zweifel erhaben. Ich werde ihm nur vertrauen, weil seine Erlaucht dies ebenso tut.“
25. Cirmasium 254
„Der neue Lehrmeister pflegt einen sonderbaren Kampfstil. Für ihn gibt es keine Regeln der Ehre im Kampf. Es gibt keine Fairness. Es gibt nur Leben oder Sterben. In gewisser Weise hat dieser Mensch durchaus Recht. Im Kampf gibt es nur einen, der diesen überleben kann – Und um seine Lieben zu schützen ist jedes Mittel recht.
Ich finde nicht, dass diese Regeln auf wirklich jeden Kampf übertragbar sind. Aber wenn die Rahaler, die Rabendiener und all die böse Brut mit diesen Mitteln kämpfen. Dann müssen wir darauf vorbereitet sein. Dann sei es um Ehre und Fairness, was zählt ist, dass der, der mein Leben will, in’s Gras beißt!
‚Kenne deinen Feind!‘ – Ein wahres Wort und die Quintessenz dieser Stunde."