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Vertrauter der Natur!

Verfasst: Samstag 7. Mai 2011, 13:48
von Diomedes Luchsohr
Diomedes war früher ein eher unbedeutender kleiner Junge, geboren und aufgewachsen auf dem Bauernhof seiner Eltern. Er merkte schon früh, dass er sehr mit der Natur verbunden ist, denn er war viel alleine in den Wäldern mit seinen Freunden unterwegs, dort fühlte er sich wohl und sicher. Jeden Tag trieb es ihn raus, egal bei welchem Wetter und bei welcher Jahreszeit, es störte ihn nicht, denn er war anders. Diomedes fühlte sich lebendig zwischen all den Pflanzen, in der wilden Natur, als wäre er eins mit ihr. Er musste still schweigen darüber, dass er immer etwas besonderes spürte, sobald er vom Hof seiner Eltern in den Wald ging, ansonsten würden ihn alle für verrückt erklären. Er war sich immer schon sicher, dass er niemals irgendwo anders als in der wilden Natur leben möchte.

Eines Tages, Diomedes war vielleicht neun Winter alt, war er mit seinem Freund Arthi im Wald. "Heh", hörte man nur. "Wer ist da?" Man sah nur eine schemenhafte Kreatur am Waldrand vorbei laufen und hörte dumpfe Schritte auf dem Boden. Diomedes versteckte sich hinter einem Baum, sein Atem verlangsamte sich und er ging in die Hocke. Er blickte aufmerksam in jede Richtung und immer wieder wanderten seine Augen in Richtung der Lichtung, während er versuchte immer leiser zu atmen. Arthi war nicht weit von ihm hinter einem Hügel versteckt und auch er bewegte sich kaum. Die Kreatur blieb plötzlich stehen und schnaufte laut. Die Geräusche kamen näher und man hörte kleine auf den Waldboden gefallene Ästchen zerbrechen. Man hörte ansonsten nur diesen Laut des Schnaufens. Diomedes hob langsam einen etwas dickeren Ast vom Boden und richtete sich dann wieder auf. Arthi drehte sich langsam um und schaute in Diomedes' Richtung. Seine großen strahlenden Augen wurden immer größer, worauf Diomedes stocksteif wurde und seinen neu erworbenen Ast fester packte. Doch just in diesem Moment erschrak er unter einem lauten grellen Schrei.

Was war das, dachte er, doch ehe er sich versah lief Arthi in seine Richtung und fing an laut zu heulen, jedoch mit einem kleinen Lächeln im Gesicht. Diomedes schaute am Baum vorbei und sah einen großen Kräftigen Mann vor Diesem stehen, ganz in Felle gehüllt einen Stab in seiner Hand und einen langen vollen Bart in seinem Gesicht. "Nein, Arthi was machst du?, schrie er ihm zu. Doch Arthi war schon zu weit. Diomedes sprang hervor und hielt seinen dicken Ast bedrohlich in die Luft. Was er vor sich sah ließ ihn jedoch stocken, denn darauf war er nicht vorbereitet. Sein Arm wanderte wie ganz von selbst wieder nach unten und er stand da mit offenem Mund und starrte Arthi und den großen Mann einfach nur an. Arthi wurde eingeschlossen von den Armen des Mannes, er umarmte ihn. "W...W..wa..was ist denn hier los?", sprach er in die Richtung der beiden. Der Mann schaute ihm bedacht in die Augen, lächelte ihn nur an und winkte leicht ab mit einer Hand.

"Mama weiß noch nichts davon, Arthi", sagte Ghor zu ihm, als die drei aus dem Wald rausliefen. Diomedes lief neben den beiden her und blickte immer wieder zu Ghor, so außergewöhnlich wie er aussah, konnte er nicht anders. Arthi hielt die Hand von seinem Vater fest und zog ihn beinahe immer schneller zu ihm nach Hause. Eigentlich wollte er ja noch weiter spielen im Wald dachte sich Diomedes, jedoch wusste er auch, dass Arthi seinen Vater schon lange nicht mehr gesehen hatte.
Als Ghor sich nach dem langen Wiedersehensgeplänkel wieder an den Tisch saß, waren die zwei Jungen natürlich überaus neugierig und fragten abertausende von Dingen, nach Abenteuern und Geschichten die er erlebt hat. Da Diomedes erst seit zwei Sommern mit Arthi spielte, kannte er seinen Vater noch nicht und war so natürlich sehr überrascht, auch wegen der tollen Geschichten die er erzählen konnte.
Nach diesem Tag folgten noch viele weitere in der Woche, in der Ghor seine Geschichten und Erlebnisse erzählte. Diomedes war überaus interessiert an allem, Arthi hingegen verlor nach den spannendsten Geschichten schon leicht das Interesse und wollte dann wieder raus in den Wald spielen gehen. Diomedes war jedoch immer anderer Meinung.

Ghor war nicht gewöhnlich, das merkte Diomedes sofort, denn er benahm sich auch nicht so wie Diomedes es von Anderen Männern gewohnt war. Er schaute ganz anders in den Wald und über die Länder, er wusste die Natur zu schätzen, genauso wie Diomedes. Ghor verbrachte viel Zeit mit den zwei Jungspunden seit dem er wieder zurück war. Er brachte ihnen bei auf die Natur zu hören, jede Bewegung der Bäume zu beobachten und die Tiere zu studieren. Er hatte auf alle Fragen eine Antwort und konnte sie so sehr ausschmücken, dass selbst die kleinste Ameise ein riesiges Wunder darstellte. In vielen Stunden bei ihnen daheim brachte er Arthi und Diomedes das Lesen und Schreiben bei, das konnten nicht viele Kinder von sich behaupten in ihrer Gegend. Eines Abends kamen Arthis Mutter und Ghor auf den Namen Eluive zu sprechen und Arthi und Diomedes wollten sofort Alles darüber wissen. Er schilderte ihnen wie alles begann, mit Eluive, dem Lied und ihrer Schöpfung an sich, es zog sich sehr in die Länge und Diomedes war mit seinem Herzblut dabei, er hinterfragte jede Einzelheit jedoch Arthi wurde es langweilig. So ging es Woche für Woche weiter, Arthi und Diomedes spielten miteinander und waren später bei Ghor zu Hause um mit ihm zu lernen oder zu plaudern.

Jahre vergingen und Diomedes wurde größer, doch trotzalledem verbrachte er viele Stunden in der Woche mit Ghor, der ihm Bücher zum lesen gab oder beide einfach nur im Wald saßen und der Natur lauschten. Arthi war mittlerweile mehr mit den Dorfkindern unterwegs und war eifersüchtig auf Diomedes, weil Ghor so viel Zeit mit ihm verbrachte. Auf dem Hof seiner Eltern war Diomedes nur noch zum Essen, Schlafen und um Bücher in ruhe lesen zu können. Eluive war ein Bestandteil von ihm, denn er wusste, sie ist alles, sie ist die Natur und die Natur mochte er so sehr.
Er lernte so das Leben von einer anderen Seite kennen, und sah nicht mehr nur das, welches ihm seine Eltern vorlebten. So wie sie, wollte er nie sein und nie werden. Seine Eltern verstanden ihn noch nie, sie waren so enttäuscht, dass sie sehr viel Abstand zu ihm nahmenSie ließen ihn fast zur Gänze ihn in Ruhe, da er ihnen nie half, von vorne herein abgelehnt hat den Hof zu übernehmen und einfach anders als sie war. Sie mussten sich jemand suchen, der den Hof weiter betreiben konnte. Diomedes war nämlich gar nicht danach zumute.

Als er um die 17 Winter alt war wurde er jedoch noch anders. Früher träumte er immer von einer Melodie, diese fand er so schön, jedoch hatte er sie nun auch ganz zart in seinem Kopf obwohl er nicht schlief. Seine Eltern erkannten ihn kaum wieder, denn er strahlte ein selbstbewusstsein aus, welches sie bis dato noch nie gesehen hatten bei ihm. Sein Vater hatte immer schon an ihm rumzunörgeln gehabt, und versuchte ihn immer schlecht zu machen, doch bei einem Streit zwischen beiden trieb er es zu weit. Er beleidigte Diomedes zu tiefst und brachte auch Ghor ins Gespräch. Diomedes verteidigte ihn bis aufs Messer, doch sein Vater hielt Stellung und machte weiter. Irgendwann versuchte er sich zurückzuziehen, doch sein Vater hielt in fest und drängte ihn in die Richtung der Ställe. Diomedes werte sich zaghaft doch wusste nicht genau was er machen sollte, denn sein Vater war sehr kräftig, durch die Arbeit auf dem Hof.

Er fuchtelte auf einmal mit seinen Händen herum und versuchte seinen Vater im Gesicht zu treffen, was ihm aber nicht gelang, weil er nur an seine Hände schlug. Wut brannte in Diomedes hoch und er wurde knallrot im Gesicht. Lächerlich machte sich sein Vater über ihn und dieser wusste doch gar nichts! Er wurde zornig und riss sich schlagartig los. In diesem Moment wurde es hell und ein Knall erschreckte alle mit einem Mal.
Diomedes lag auf dem Boden und drehte sich langsam um. Sein Vater lag vor seiner Mutter und keuchte. Angst fesselte ihn und Diomedes stand auf. Er schaute in die furchterfüllten Augen seiner Mutter und sah nur Hass in ihnen. Er drehte sich um und lief so schnell er konnte, egal wo hin, er wollte einfach nur weg. Er fing an zu wissen. Er fühlte sich Eluive so nah wie nie zuvor, doch er konnte es nicht verstehen. Er wollte es in diesem Moment einfach nicht verstehen und lief in die dunkelste Dunkelheit hinein.

Verfasst: Samstag 11. Mai 2013, 13:04
von Diomedes Luchsohr
Viele wunderten sich, warum Diomedes verschwand... Er war damals sehr traurig, aber er hatte seine Gründe. Diomedes war fest in der Bruderschaft verankert, aber insgeheim dachte er ab und zu an seine Kindheit und seine Eltern. Er fragte sich immer wieder was sie wohl mittlerweile tun würden.
Und dann war da auch noch Ghor, der sich die meiste Zeit seiner Kindheit um ihn gekümmert hatte. Ein toller Mensch, Jemand der weiß was er will, der die Natur zu schätzen weiß, Jemand der Mutter zu schätzen weiß.

Die Reise war beschwerlich und lange, er konnte nicht mehr genau sagen wo seine Heimat war, er musste ständig irgendwelche Personen nach dem Weg fragen. Damals um in den Hain und zu den Brüdern zu gelangen war viel einfacher gewesen. Nun ja die wissen alle wieso das so einfach war. Es war jedenfalls wieder mal eine schöne Erfahrung für ihn.

Einmal traf er auf einen sehr alten Greis, der ihn ansprach, obwohl er einfach weiter gehen wollte. "Unsere Mutter ist bei uns, mein Sohn", sagte er zu Diomedes. Dieser lächelte nur und setzte sich zu ihm. Sie sprachen eine lange Zeit über die Gegend, die Veränderungen der Welt und über Eluive. Der Greis sagte, dass er schon lange mit niemanden mehr solche ein Gespräch geführt hatte, da die Menschen einfach nur noch geldgierig, eigensinnig und böse würden. Das stimmt zum Teil wohl, dachte sich Diomedes. Nach einer Zeit verabschiedete er sich von dem Alten, nachdem er nach dem weiteren Weg gefragt hatte. Es war noch eine weite Reise.

Zum schlafen legte er sich immer unter große Eichen, da fühlte er sich am wohlsten, denn hier war er geschützt und würde sofort Eindringlinge bemerken. In einer Nacht war es auch soweit, dass er merkte wie sich etwas größeres näherte. Das Lied veränderte sich außergewöhnlich und er setzte sich auf. Er horchte in den Wind und versuchte einen Geruch zu erriechen, aber da war nichts anders. Auf einmal lief vor ihm aus dem Dunkel ein Zwerg, der dann abrupt stehen blieb. Diomedes nickte ihm sachte zu und hob seine Hände kurz um ihm Friede zu symbolisieren. Er nickte ebenfalls und grüßte kurz, nachdem er Diomedes gemustert hatte. Diomedes hörte nur irgendetwas gemurmelt von wegen Waldmensch und sah ihn in eine andere Richtung davon stapfen. Er atmete kurz durch und schloss wieder seine Augen.

Am nächsten Morgen, wanderte er weiter durch den Wald, bis er wieder auf einen Hauptweg kam. Er sah immer wieder Schilder mit Dorf oder Stadtnamen, aber der Name seines Dorfes kam einfach nicht zum Vorschein. Eines Tages schlenderte er durch ein Stadttor hindurch und im fiel die Kinnlade herunter. Er kratzte sich am Kopf und überlegte kurz wie doch die Stadt nochmal hieß. Er hatte den Namen kurz vorher auf einem Schild gelesen, aber er war ihm unbekannt. Konnte dies sein? Er blickte sich genau um. Es kam ihm bekannt vor. Er beschleunigte seine Schritte und folgte bestimmten Gassen, die ihm alle bekannt waren.

Jedoch als er dachte angekommen zu sein, blieb er stehen und blickte auf eine Reihe von Häusern die er noch nie gesehen hatte. Wo war der Bauernhof am Rande des Dorfes hin... Wo waren seine Eltern? Er begab sich auf einige Menschen zu und fragte einen nach dem anderen nach der Familie Luchsohr. Viele wussten nichts über sie, doch einige erzählten von einem Brand und einem Umzug. Diomedes solle mal im Armenviertel nachsehen. Im Armenviertel... Oh nein, wieso war er damals nur abgehauen...

[Fortsetzung folgt...]

Verfasst: Mittwoch 15. Mai 2013, 23:03
von Diomedes Luchsohr
Düster scheint des Regens Licht über die Weiten,
der Duft über die Wellen der Meere reiten.

Habicht, Specht und Adler sie prahlen,
ihre Schnäbel das Fleisch ihrer Beute zermahlen!

Haben doch die Tiere das Gespür für die Welt,
Menschen können sich dies nicht kaufen für Geld.

So manch Mensch hofft auf das Gute,
niemals es besser wird wie ich vermute.


Die Blätter so grün, so saftig und zart,
der Stein aber so grau, so salzig und hart!

Der Wald besteht aus allerlei Dingen,
viele Gestalten es dort drin verbringen.


Gebt acht auf der Welte Wohl,
unser aller Leben Symbol!

Verfasst: Sonntag 8. März 2015, 23:13
von Gast
Ein Armenviertel. Was so eine lange Zeit ausmacht, in der man nicht in einem Dorf ist. Durch den vielen Handel und den Einfluss von Außen wurde aus meinem kleinen Heimatdorf ein kleines beschauliches Städtchen.

Meine Eltern wohnten nach Erzählungen also noch hier, auch wenn sie sich nicht mehr viel leisten konnten und in diesem genannten Viertel wohnten. Was solls, ich muss sie einfach finden und kann ihnen vielleicht ja etwas helfen. So streifte ich nun durch die doch recht groß gewordene Stadt. Ich kann mich noch erinnern wo hier früher Felder waren, die für uns sehr wichtig waren. Ohne die Felder gab es eher wenig zu Essen im Winter, doch hat der Handel dies Wohl gut kompensiert. Ich fragte einige Personen die mir über den Weg liefen und fand dann irgendwann auch das richtige Haus. Es war ziemlich klein und auf dem Schild an der Haustür standen vier Familiennamen. Einer davon in einer schönen Schrift eingraviert - Luchsohr. Die Tür war offen und der Gang der sich vor mir erstreckte war nicht sehr lang. Hier waren genau vier Türen mit jeweils wieder einem kleinen Schild. Die von mir gewählte Tür war offen und ich trat vorsichtig hinein.

Es war ein mulmiges Gefühl, das mich umfing. Ein bekannter Geruch kroch in meine Nase, denn meine Mutter hatte immer die gleichen Kräuter daheim, damit es gut roch. Ich blickte mich um und das musste ich nicht lange, denn es war genau ein einziger Raum. Hier spielte sich alles ab - schlafen, essen, kochen und was weiß ich noch. Und zu meinem bedauern war natürlich niemand da. Auf einmal wurde mir noch schlechter und ich überlegte ob es wirklich Sinn machte wieder in das Leben meiner Eltern zu treten. Ich beschloss, dass es wohl besser wäre wenn ich schnell wieder verschwinden würde. Also kramte ich noch schnell in meinem Beutel und nahm ein Säckchen, welches ich mit Gold füllte. Ich tat nicht zu viel hinein, dass es womöglich auffällig wäre, wenn sie auf einmal wieder Zahlungsmittel hätten, aber so viel, dass sie sich etwas schönes leisten konnten. Zusätzlich tat ich eine Eichel und eine Feder eines Adlers hinein. Danach machte ich mich schnell wieder auf den Weg nach draußen. Nachdem ich die Tür geschlossen hatte, hörte ich Stimmen vor der Haustür und bekam Panik. Ich ging zu einer anderen Tür und tat so, als wenn ich dort herausgekommen wäre. Die Tür öffnete sich und meine Eltern kamen herein - beide sahen gesund aus und gut ernährt. Ich war etwas erleichtert und zog meine Kapuze tief ins Gesicht. Sie blickten in meine Richtung und grüßten mich. Ich grüßte sie auch mit einer verstellten Stimme und eilte an Ihnen vorbei ins Freie. Nun hatte ich Gewissheit und konnte wieder zurückkehren.

Die Reise zurück begann ziemlich gut und ich kam recht schnell voran, doch als ich nach einem Schiff für die Überfahrt nach Gerimor fragte musste ich erkennen, dass ich wohl erstmal festsitzen würde. Ich sah mich täglich am Hafen um und nach mehreren vergangenen Tagen legte ein Schiff an. Es war groß und prächtig nur die Seeleute darauf erinnerten mich eher an Piraten als an jemand anderen. Allem Anschein nach waren es jedoch keine und ich fragte wohin die Reise gehen werde und ob noch Platz für mich sei. Einen Tag später waren wir auf dem Meer und ich stand an der Reling. Ich hatte wiedermal ein mulmiges Gefühl, wusste aber diesmal einfach nicht wieso. Gut, ich war alleine mit Seemännern auf dem Schiff und keine andere Landratte, wie sie mich nannten, war da. Zwei Tage später wusste ich dann, dass mein Gefühl richtig war. Es gab eine Meuterei und eine Piratenflagge wurde gehisst. Sie wollten mich umbringen, das hatte ich im Gefühl, also stellte ich mich darauf ein. In meiner Kajüte wartete ich Nachts auf ein Geräuch und ich wurde bestätigt in meiner Annahme. Ein Schlüssel dreht sich im Schloss und in diesem Moment wusste ich, was ich machen musste um zu überleben. Ich dachte an das Lied Eluives, die Melodie, die sie mir gegeben hatte und an die Melodie einer gewöhnlichen Ratte. Ich spielte mit den Melodien, den Rhythmen und den Höhen und Tiefen der Elemente und meine Melodie verwob sich langsam, jedoch so schnell ich es vermochte zu der einer Ratte. Der Anblick war wohl eher abstoßend, aber es sah ja niemand. Ich krabbelte nun unter das Bett und sah wie die Piraten hereinstürmten. Sie waren überrascht niemanden zu sehen. Ich krabbelte so schnell ich konnte aus der Kajüte und noch eine Treppe herunter in das Lager, wo ich mich dann versteckte. So verblieb ich noch drei Wochen als Ratte bis wir wieder anlegten und ich die Situation nutzte um abzuhauen. Mein Geist war mittlerweile - wie soll ich sagen - nicht mehr der, der er vorher war. Ich war zu lange eine Ratte gewesen.

Auf dem Land war ich dann noch vielleicht eine Meile unterwegs bis ich vor Erschöpfung liegen blieb. Mein Geist konnte sich nur ganz wage an das Menschendasein erinnern, fand aber Eluive sei dank den Ansatz um mich wieder zurückverwandeln zu können. Ich war tagelang verstört und brachte kein richtiges Wort zustande. Ich mied die Menschen und versuchte mich an alles zu erinnern und fand dann auch nach und nach wieder zu einigen Worten und vernünftigen Gedanken.
Ich ruhte nur noch um zu Essen, zu trinken und zu schlafen, ansonsten lief ich soweit ich konnte. Dann war es endlich wieder soweit und ich konnte in den Hain. Alle wieder zu sehen war wie ein Segen. Meine Gedanken formten sich wieder normaler und ich fand wieder Worte. Mein Geist brauchte nur etwas, was ihn wieder aufweckte.

Verfasst: Sonntag 8. März 2015, 23:56
von Gast
Nach einer kurzen Zeit in der Ich wieder daheim war wurde ich von einer Familie gefragt ob ich ihnen nicht helfen könne. Da ich mich als Waldheiler ausgab und einiges von Kräutern verstehe besuchte ich diese dann auch. Das Bild, welches sich mir bot war erschreckend. Der Vater und die Mutter lagen auf ihrem Bett, der Vater kurz zuvor verstorben. Der Sohn vor dem Bette kniend und bitterlich heulend. Ich redete eine ganze Weile mit dem kleinen und versorgte die Mutter so gut es ging und verstand dann, dass es wohl sehr schlimm aussah für die Mutter. Der kleine flehte mich an ich solle wenigstens seine Mutter retten, dass er nicht alleine sein würde. Was soll man sagen, ich wusste wie schlimm es um sie stand, aber genauso sagte ich es ihm natürlich nicht. Es gab eine geringe Chance, dass sie überleben würde. Ich organisierte, dass der Vater eine würdige Bestattung bekam und versorgte die Mutter noch einige Tage.

Der Junge sah mich eines Tages an und wollte, dass ich ihm verspreche alles zu tun um seine Mutter zu retten. Ich gab ihm dieses Versprechen und musste ihm dann jedoch erklären wie das ganze von statten gehen müsste. Um diese Krankheit zu dämpfen oder im besten Falle zu heilen brauchte es ein bestimmtes Kraut, welches aber in diesen Gefilden nicht gerne wächst. Ich musste mich also nochmals auf die Reise begeben um dieses Kraut aufzutreiben. Der Junge bekam von mir Anweisungen wie er weiter vorzugehen hat wenn er seine Mutter in meiner Anwesenheit pflegen würde. Sie könnte so noch ein halbes Jahr weiterleben, das bescherte uns dann die nötige Zeit. Um alles dann etwas abzukürzen überfliege ich jetzt die Geschehnisse ab dem Zeitpunkt der Abreise nur etwas.

Wie es kommen musste wurde ich natürlich aufgehalten. Banditen lauerten mir auf und nahmen mich für einen Monat in Gefangenschaft. Ich war jedoch in der richtigen Gegend um das Kraut zu finden. Meine Erfahrungen mit der Gestalt der Ratte hatte ich noch nicht verarbeitet und wollte es so also nicht noch einmal versuchen. Ich musste also mitspielen bei ihrem Spiel und als ich nicht das tat was sie von mir wollten sollte ich hingerichtet werden. Meinen Fähigkeiten verdanke ich die Flucht und konnte dann endlich weiterreisen. Ich fand das Kraut in einem Tal und wollte es mir aber nicht nehmen lassen mich noch eine Spanne in einer Taverne gemütlich zu machen um mich so gut es ging auszukurieren. Die Rückreise ging dann etwas schneller, da ein Pferd mich auf ihm reiten lies für ein paar Tage. Insgesamt betrachtet war ich 4 Monate unterwegs und konnte danach anfangen die Mutter des jungen zu behandeln.
Die Behandlung dauerte wiederum fast ein halbes Jahr in dem ich mich in dem Dorf einlebte und für den kleinen Jungen wie ein Vater wurde. Ich brachte ihm so einiges bei, was ihm vielleicht später etwas bringen könnte.

Ich vermisste mein Heim und meine Brüder, ich vergas auch nicht das Versprechen Eluive gegenüber oder unseren Kodex. Alles war in meinem Kopf und ich hatte hier etwas gutes getan. Leider war ich schon wieder lange fort. Fast ein ganzes Jahr. Nach der Genesung der Mutter, war ich im Dorf ein kleiner Held und wurde sehr gemocht. Ich wollte diesen Trubel jedoch nicht und hinterließ bei meiner Abreise nur eine kleine Nachricht an den kleinen Jungen und seine Mutter.

Passt auf euch auf. Mutter möge euch immer begleiten. Ich werde euch irgendwann wieder besuchen.

So war ich wieder auf dem Weg zurück. Ich war zu lange weg und nahm mir vor nicht wieder abzuhauen, wie es die anderen wohl eher wahrgenommen hatten. Ich bin einer der Bruderschaft und ich habe gegenüber Eluive ein Versprechen. Ich bin Diomedes Luchsohr und ich wohne im Hain.

Was wird wohl alles passiert sein?


Ich bin einer von uns allen,
ein Bruder von vielen.
Mein Tun wird Eluive hoffentlich gefallen,
meine Handlungen immer darauf zielen.

Die Natur ist unser aller Heim,
wir leben hier und sorgen für sie.
Egal ob groß oder ob klein,
wir vergessen unseren Kodex nie.

Das Lied wir hören immer zu,
es ist so lieblich und stark zugleich.
Wir sind da um zu hüten die innere Ruh,
das ist das was uns macht wirklich reich.



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Verfasst: Samstag 16. Mai 2015, 21:24
von Gast
Ein Ausflug für die Studien -

oder wie man eine Katze wird!




Theoretische Gedanken in meinem Kopf

Kaum war der nächste Tag angebrochen, stand ich auch schon auf und stapfte in den Hain hinaus. Der Unterricht gestern war wieder sehr interessant und ich konnte das was ich damals bei Gwain gelernt hatte nochmal in meinem Kopf verfestigen. Es ging hierbei um Verwandlungen, ganz besonders um die Verwandlung in Lebewesen wie Tiere. Ich habe seit gestern nichts mehr anderes im Kopf, habe ich doch noch etwas Angst vor der ganzen Sache. Wer meine Geschichte kennt, weiß, dass ich schon einmal viel zu lange in einer Tiergestalt verbracht habe und mich davon nur langsam erholt hatte. Zumal man als Ratte nicht gerade das beliebteste Tier ist und ich Glück hatte zu überleben. Aber die Situation war damals eben den Umständen entsprechend entstanden und ohne die Verwandlung wäre ich wohl so oder so nicht mehr hier sondern würde schon viel zu früh bei Mutter weilen. Die Idee sich als Ratte auf dem Piratenschiff zu verstecken bis das Schiff nochmal anlegt war im Endeffekt ja eigentlich gut gelaufen, nur war der Zeitraum einfach zu lange. Nichts desto trotz muss ich aus dieser Erfahrung lernen und mich der Herausforderung stellen.

Die drei Schritte die wir gestern besprochen haben sind nicht schwer zu lernen, aber man muss sich intensiv in der Praxis damit beschäftigen und die Schritte langsam und mit äußerster Vorsicht ausüben. Sich dem Tier zu nähern ist schon ein schwieriger Schritt, den man erst nach und nach verfolgen kann. Zuerst sollte man sich das Tier in welches man sich später verwandeln möchte genau ansehen, seine Lebensweise kennenlernen. Man soll später genau wissen, wo es genau lebt, wie es in diesem Lebensraum lebt, wie es sich bewegt, was es frisst, wer seine natürlichen Feinde sind und vieles mehr, denn nur dann kann man es genau nachempfinden.
Der zweite Schritt ist das studieren seines Klangbildes, seiner wunderschönen Melodie im Lied Eluives. Jedes Lebewesen besitzt seine eigene, ganz individuelle Melodie und keine ist gleich - ja sogar eineiige Zwillinge haben unterschiedliche Melodien wie ich herausgefunden habe. Da ich mir eine Katze ausgesucht habe und diese in der Wildnis ziemlich scheu sind ist es schwieriger ihre Melodie genau zu studieren. Also muss man näher an das Tier heran, es langsam an sich gewöhnen, Vertrauen gewinnen bis es auch mal länger in der Nähe bleibt ohne gleich zu flüchten.
Der dritte Schritt ist dann die eigentliche Verwandlung. Hierbei muss größte Vorsicht beachtet werden. Es ist ein ebenso schwieriger wie gefährlicher Vorgang, der, wenn man etwas falsch macht, nicht ohne Hilfe rückgängig gemacht werden kann. Es bedarf größter Konzentration - daher bietet es sich an vorher zu meditieren um von nichts abgelenkt zu sein. Man geht ruhig, bedacht und kontrolliert vor um auch keinen Fehler zu verursachen. Die Melodie die man bestenfalls ohne Abweichungen im Kopf hat wird nun nachgebildet. Das eigene Klangbild wird verändert, der Takt, der Rhythmus, das Tempo, die Höhen und Tiefen - alles wird an das Klangbild des Tieres angepasst. Nein, halt! Bestimmte Teile der Melodie bleiben so wie sie sind, werden beziehungsweise an das Tier angepasst. Wir behalten unsere Intelligenz und allgemein unseren Geist, passen aber alles andere an, dass wir Instinkte sowie Verhaltensmuster des Tieres ebenso in uns haben.

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Begegnungen

Immer wieder ging ich alles im Kopf durch und dachte an vergangene Tage - den Unterricht mit Farghus, den mit Gwain, die Wochen in Gestalt einer Ratte und der beschwerliche Weg zu meiner nun wieder guten Verfassung. Währenddessen legte ich eine größere Strecke zurück obwohl ich nur eine vage Vorstellung davon hatte, wo ich überhaupt hin wollte. Wir sollten uns ein etwas kleineres Tier aussuchen, welches wir studieren möchten, also nahm ich die Katze, die meinem geliebten Luchs noch am nächsten ist. Ich habe in meinem Leben schon viele Katzen gesehen, aber mich noch nie so richtig mit ihnen befasst. Also war nun meine erste Aufgabe eine Katze zu suchen. Ich musste nicht lange gehen, da erblickte ich schon ein schönes graues Exemplar, welches aber nach ein, zwei Blicken schon wieder verschwand. Eine weiter schöne Katze (oder war es ein Kater?) sah ich auf einem Baum sitzen und auf einmal wild hoch und runter klettern. Ihre Krallen haute sie immer wieder in die Rinde des Baumes und schaute immer wieder nach mir. Doch auch sie entwischte mir kurz darauf. Wirklich nicht einfach was ich vorhabe. Einige Tage wiederholte ich dies und machte mich auf in den Wald. Ich sah immer mal wieder eine Katze, wenn ich Glück hatte, dann sah ich sie jagen oder sich putzen. Einmal erschrak ich, da eine Katze direkt neben meinem Kopf auf einem Ast fauchte. Ich genoss jeden Moment und sog alle Informationen auf die ich bekommen konnte. Aber mir reichte das noch nicht. Ich überlegte dort hinzugehen, wo die Wahrscheinlichkeit größer war zahmerer Katzen zu finden; nämlich in Dörfern und Städten. Wildkatzen kann ich mir immer wieder im Wald ansehen, aber zu einer Katze Zugang zu bekommen ist wohl in der Nähe der Menschen einfacher. Da ich in letzter Zeit öfter in Bajard war und dort einige Katzen herumflitzen sah, war Bajard meine erste Anlaufstelle. Ich streifte also durch Bajard und blickte in jede Ecke und jeden Winkel in dem sich eine Katze verstecken konnte. Wiederum kein leichtes hier eine Katze zu finden. Mein Geist konzentrierte sich genauer auf das Lied um mich herum, um zu versuchen so eine Katze ausfindig zu machen. Ich erkannte jede Menge Melodien kleinster Lebewesen in meiner unmittelbaren Umgebung aber keine größer als eine kleine Maus. Mit dieser Konzentration ging ich Schritt für Schritt einen kleinen Pfad entlang und als ich unerwartet stolperte und aus der Konzentration flog stand ich vor dem Anlegedock für das Schiff nach Menekur. Es sah wohl so aus, als wenn es in der nächsten Stunde ablegen würde, da die ganze Mannschaft am Arbeiten war und größere Kisten hinaufgetragen wurden. In diesem Moment kam mir eine Erinnerung aus dem Gedächtnis in den Sinn. Einige Jahre zuvor war ich zu Besuch in Menekur gewesen und in meiner Erinnerung kann ich wunderschöne Katzen sehen. Ebenso scheu und flink, jedoch hatte ich nie schönere Katzen gesehen als dort. Ich begegnete einem Herrn vor dem Schiff, der aussah als hätte er etwas zu sagen. Kurz darauf und mit einigem Gold weniger in der Tasche saß ich an Bord und blickte auf Bajard hinab.

Wir legten einen halben Tag später wieder an und als ich an Land war musste ich an das Wetter in Bajard denken. Trüb, bewölkt, nicht wirklich kalt, aber auch nicht warm, ganz anders als hier. Ich bedeckte mich trotzdem weiter mit meiner Robe und zog mir meine Kapuze auf den Kopf. Die Sonne ist hier doch wesentlich stärker als in unserer Gegend, was einen sofort am ganzen Leibe anfangen lässt zu schwitzen. Ich grüßte die Einheimischen immer mit einem tiefen Nicken und suchte mir sofort eine Bleibe für die nächste Zeit. Eine kleine Taverne in der Stadt, die auch Betten vermietete sollte es dann sein. Ich brauchte nicht viel, denn ich wollte die meiste Zeit mit den Katzen verbringen. In der Taverne begegnete ich einem bekannten Gesicht von früher und tauschte mich etwas mit ihm aus. Es sollte wohl mein Glückstag sein, denn der gute Mann kannte den Wirt und handelte für mich ein gutes Angebot für meinen Besuch aus. Außerdem brachte er mich zu der ein oder anderen Stelle wo er selbst öfter Katzen beobachten konnte. Ich bedankte mich bei ihm und musste sogleich zufrieden in den Himmel schauen. Ich dankte Mutter für ihre Güte und für ihren Schutz auf meiner kleinen Reise und schlenderte noch einige Zeit durch die wunderschöne Stadt. Da die Abende hier sehr lau waren konnte man länger als bei uns bequem spazieren. An diesem Abend begegnete ich leider keiner Katze mehr, aber das war keineswegs schlimm, denn ich hatte ja alle Zeit der Welt.

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Das Wunder von Menekur

Am nächsten Morgen, frisch gestärkt und mit neuer Energie machte ich mich auf in die Weiten der Straßen und Gassen. Es war ein schöner Tag und das sollte ich auch gleich merken. Ich sah schon an der ersten Ecke eine Katze sitzen, die dann jedoch direkt verschwand. Ich lief weiter zu einem der Plätze, die mir der Herr gezeigt hatte. Bevor ich näher dran war überprüfte ich die Melodien im Lied. Tatsächlich konnte ich etwas spüren, wusste aber noch nicht genau was. Ich schlich mich sodann immer langsamer an den Platz heran und spähte um eine Ecke. Da saßen sie, zwei wunderschöne bengalische Katzen. Das Muster das sie ziert gleicht einem Leoparden oder wenn man nicht so genau ist auch dem des Luchses. Sie lagen auf einer Mauer, die Sonne strahlte sie an und es sah aus als würden sie selbst strahlen. Das Licht wurde dort so komisch gebrochen, wie ich es noch nie zuvor sah. Der helle Stein bestärkte das Schauspiel nur noch. Ich griff in meine Tasche und nahm zwei kleine Stücke Schinken raus, die ich morgens mitgenommen hatte. Dann schlurfte ich so langsam wie möglich um die Ecke und beobachtete die beiden Tiere. Eines streckte abrupt den Kopf hoch und stellte sich auf, das andere blieb jedoch noch liegen. Ich tat noch ein paar Schritte bis das erste Tier eine Abwehrhaltung annahm. Es war wohl etwas größer als das andere. Ich hielt an und setzte mich auf den Boden. Uns trennten womöglich noch etwas über 5 Meter. Ich schmiss den Schinken so nah wie möglich an die Mauer und wartete ab. Die größere Katze schnüffelte erst und sprang dann runter zum Schinken. Die kleinere jedoch rappelte sich jetzt erst auf und blickte in meine Richtung. Sie war wohl immer noch ganz entspannt, gähnte und zeigte mir ihre spitzen Zähne. Ich konzentrierte mich auf das Lied und fing an mich zu entspannen, ich ließ mich vollkommen gehen. Ich nahm die Umgebung nicht mehr zur Gänze wahr aber konnte nun genau die zwei Melodien der Tiere wahrnehmen. Ich versuchte den beiden durch das Lied ein vertrauensvolles Gefühl zu vermitteln. Die größere Katze wurde tatsächlich auch etwas ruhiger nachdem sie nun den Schinken gegessen hatte. Die kleinere Katze stand nun auf und sprang von der Mauer. Ich bewegte mich so wenig wie möglich und beobachtete die beiden etwas genauer. Auf einmal fingen beide an in meine Richtung zu rennen, aber nicht auf mich zu, sondern einfach an mir vorbei und waren verschwunden. Ich war etwas perplex, jedoch war ich stolz auf mich, dass ich ihnen doch schon so nah gekommen bin. Tatsächlich sah ich an diesem Tag keine Katze mehr, jedenfalls nicht so wie an diesem Morgen. Hier und da huschte mal eine über die Straße, das war es aber dann auch schon. Er wiederholte dies drei Wochen lang jeden Tag, auch wenn die Katzen nicht immer an dem Platz waren, dann schaute er sich halt nach anderen um. Aber die beiden Katzen, die am ersten Tag dalagen, waren fast jeden Tag dort zu finden. Sie wurden nach der ersten Woche auch immer zutraulicher. Ich saß nach der zweiten Woche fast neben ihnen und beobachtete sie beim Schlafen in der Sonne. Ich studierte stunde um stunde ihre Melodien, glich sie miteinander ab und merkte mir die wichtigen Teile. Ich genoss ebenso aber auch die Sonne, nach zwei Wochen war mein Gesicht schon wesentlich brauner geworden, auch wenn ich die meiste Zeit über eine Kopfbedeckung und etwas über das Gesicht hatte.

Ich genoss die Zeit in Menekur, doch vermisste ich das Grün und Braun der Wälder bei uns. Den Hain und die Brüder waren doch jetzt schon wieder nach drei Wochen sehr fern geworden. Die Melodie war wie gewohnt gänzlich anders als meine eigene und so brauchte es viel Zeit sich die einzelnen Teile wie Rhythmus, Takt, Tempo, die Höhen und Tiefen der Melodie einzuprägen. Es gelang mir nach und nach immer besser und nach der dritten Woche war ich mir dann sicher die Melodie genau im Kopf zu haben. So beschloss ich mich eines Abends nach dem Essen in der Taverne zurückzuziehen und mich vorzubereiten. Ich nahm an diesem Abend ein Bad und trank keinen Alkohol, wobei ich sowieso selten welchen trank. Zurück im Zimmer steckte ich zwei Kerzen an und saß nun auf dem Teppich vor dem Bett. Meine Gedanken kreisten nur noch um die Melodie der Katze. Auf einmal packte mich die Angst. Ich erinnerte mich wieder an die Zeit als Ratte und schauderte. Ich lief nochmal aus der Taverne und spazierte um einen Häuserblock herum. Zwischen zwei Häusern war ein kleiner Kaktusgarten angelegt, in dem in der Mitte eine Bank stand. Ich blickte mich ein-, zweimal um und setzte mich auf die Bank. Die Sonne war schon untergegangen und es blies ein laues Lüftchen, aber es war trotzdem noch nicht wirklich kalt. Die Bank war jedoch noch warm, denn der Stein aus welchem die Bank war hatte die Wärme am Tage aufgesammelt. Ich saß gerade erst da raschelte es hinter mir und eine Katze sprang auf die Lehne der Bank. Sie blickte mich an und schnurrte leise. Ich versuchte sie am Kopf zu kraulen und verwundert darüber ließ sie es zu. Sie genoss es wirklich und machte dann einen Satz auf den Teil der Bank auf dem ich auch saß. Sie schloss die Augen und ich kraulte sie weiter. Mit einem Mal wurde mir eiskalt, denn ich wunderte mich über ihre Melodie und erschrak richtig. Ein Teil, den ich mir gemerkt hatte war in meinem Kopf ganz falsch. Mein Gefühl und die Angst waren also berechtigt gewesen und die Katze hat mir geholfen dies zu entdecken. Jetzt war wohl der perfekte Zeitpunkt. Ich schloss die Augen, fing an zu meditieren und nach mehreren Minuten der Ruhe – ich hörte das Schnurren im Hintergrund – fing ich an. Ich konzentrierte mich und ging in Gedanken alles einmal durch, den Ablauf und die neue Melodie – etwas verändert und nicht die gleiche, wie die kleine Katze neben mir. Ich verdrängte jegliche Angst die in meinem Unterbewusstsein noch zu finden war, alles Gedanken an meine letzte Verwandlung mussten weg, jetzt galt es sich auf das Neue zu konzentrieren.

Ich spielte mit dem Lied, ich fühlte es, ich war das Lied so wie Mutter uns Druiden dafür geschaffen hat. Es fühlte sich so nah wie schon lange nicht mehr an und so fing ich an das Tempo, verschiedene Klangstränge an die der Katze anzugleichen, ich hatte die Melodie von ihr nun komplett im Kopf, aber sie lag auch neben mir. Der Takt wurde schneller, die Melodie heller, der Rhythmus war nun ein gänzlich anderer. Ich behielt aber die Liedstränge der Intelligenz und anderer wichtiger Teile bei. Ich vollführte ein Schauspiel, die Wildheit des Tieres gepaart mit der Intelligenz und dem Gewissen eines Menschen. Als ich dachte ich müsste noch weiter, spürte ich jedoch ein merkwürdiges Gefühl. Ein „knatschendes“ Geräusch, ich blickte mich um und erschrak, da ich nun alles sehr hell sehen konnte. Das Geräusch war die kleine Katze, die mein Fell am Ablecken war.
Am nächsten Tag saß ich wieder auf einem Schiff. Ich war froh wieder zurück zu fahren, denn ich sehnte mich nach dem Hain. Es lief alles nach Plan und ich sollte morgen früh wieder daheim sein. Lediglich die Verwandlung zurück in meine Gestalt war etwas mühselig gewesen, da ich es zu sehr mochte in der Gestalt der Katze herumzutollen.
Die nächsten Male, wenn ich die Verwandlung versuchte hatte ich einige Probleme, denn die Katze saß ja nicht neben mir. Aber je öfter ich es probierte, desto einfacher wurde es. Die Melodie gehörte bald ebenso zu mir wie meine eigene. Nun ja nicht genauso, aber ich gewöhnte mich immer mehr daran und die Verwandlung ging bald so einfach von der Hand wie anderes wirken im Lied. Eine schöne Zeit in Menekur die ich nicht missen möchte. Ich streunte nun immer öfter in Gestalt einer Katze durch den Hain und trieb Unfug, aber dazu ein anderes Mal.



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Ausklingen einer Melodie

Verfasst: Freitag 30. Dezember 2016, 12:47
von Gast
Gefangen in seinen Gedanken war Diomedes nicht mehr Herr seiner Sinne. Die Musik in seinem Kopf hörte nicht mehr auf aber er versuchte sich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren. Es funktionierte jedoch nicht. Wieder war er vor längerer Zeit abgehauen. Er war mit sich nicht einig, er konnte nicht einfach so tun, als wäre alles in Ordnung mit ihm. Er hätte sich aber besser seinen Brüdern anvertraut oder vielleicht den Hexen? Frauen verstehen einen ja manchmal besser als ein Mann. Wer weiß das schon, nun war es zu spät.

Nach gefühlten Stunden, aber wohl eher mehreren Minuten, ging es seinem Kopf schon besser. Was hatte ihn denn da am Kopf getroffen? Er blickte um sich und fand einen großen Kieselstein auf dem Waldboden. Er richtete sich langsam auf und schlich zu einer nahegelegenen Eiche, um sich einen Überblick zu verschaffen. Er konnte auf ein kleines Tal schauen, in dem sich ein kleiner Hof befand. Er selbst stand nun am Waldrand und horchte auf die Natur. Die Tiere warnten ihn sofort vor einer Gefahr, jedoch konnte er keine Richtung ausmachen, aus der sie kam. Er konzentrierte sich vorwiegend auf größere Tiere und Vögel, doch auch hier konnte er keine konkrete Richtung erkennen. Das Selbe mit den Insekten. Eine Gefahr, aber was soll es denn sein? Er wappnete sich jedenfalls auf alles was auch kommen mochte, sein Stab in seinen Händen. Kurz drauf nahm er etwas wahr. Er konnte es kaum fühlen, aber wusste, dass es aus dem Wald heraus in seine Richtung kam. Er blickte immer wieder links und rechts an der Eiche vorbei in den Wald hinein, aber konnte einfach nichts Körperliches erkennen. Was es auch war, musste es sehr klein sein oder musste sich perfekt tarnen können. Diomedes rief in den Wald, das Geschöpf möge sich doch zeigen. Er nahm es immer noch nicht richtig wahr. Er wusste nicht was es sein könnte. In Gedanken betete er zu Mutter und ging alle seine Angriffsarten durch die er kannte.

Und da manifestierte sich vor ihm eine Gestalt, zwanzig Fuß vor ihm, nun auch im Lied stark wahrnehmbar. Es war jedoch ein Konzert aus schiefen Tönen und hatte nichts mit einem Geschöpf Eluives zu tun. Was es auch sein mochte, er dachte sich nur, entweder kämpfen oder laufen. Und er entschied sich dann zu laufen, indem er in Richtung des Hofes im Tal rannte. Er nahm jedoch wahr, dass die Gestalt ihm folgte. Am Hof angekommen griff Diomedes ins Lied ein, in seine eigene Melodie und hinter dem Gebäude rannte eine Katze in die andere Richtung davon. So war er um einiges schneller und konnte sich seine Kraft besser einteilen.
Er lief einen halben Tag durch, immer mit einer gewissen Entfernung zu der großen Handelsstraße, damit er sich nicht verirren konnte. So würde er irgendwann zur Pension gelangen in der er vor einigen Tagen schon Halt gemacht hatte. Nach mehreren Stunden hatte er die Wahrnehmung der Gestalt verloren, also hatte er genug Entfernung zwischen sich und das Wesen gebracht. Das Gefühl, das ihm dabei aufkam, war ihm unbekannt. Er konnte jedoch nur raten und das machte keinen Sinn. Er war nun erst einmal in Sicherheit und würde wieder in die Pension einkehren. Sollte er zu seinen Brüdern zurückkehren? Er hatte ihnen doch wieder einmal den Rücken zu gekehrt und ist gegangen. Nein, ich diene Eluive so weiter wie das letzte Jahr. Die Menschen, jedenfalls die meisten, mögen mich und schätzen mich als Diener Eluives.

Mit diesen Gedanken legte er sich in sein Bett in der Pension. Den vorher eingerichteten Schutzkreis im Zimmer hat er zuvor noch einmal überprüft. Er schreckte durch einen Schrei auf und blickte sich um. Rauch kam durch die Türritzen, er roch es auch etwas. Das hatte ihm jetzt noch gefehlt, kann er denn nicht wenigstens nachts seine Ruhe haben? Es klopfte an seiner Tür und eine Stimme rief nach ihm. „Herr, schnell, es brennt. Kommt raus.“ Dies ließ er sich nicht zweimal sagen und sprang in seine Robe, griff nach seinem Hab und Gut und holte noch einmal tief Luft bevor er die Tür aufschloss. Er überlegte jedoch kurz und griff ins Lied ein um die Luft um seinen Kopf herum rein zu halten. So trat er auf den Flur und sah den Wirt mit einem Wassereimer an ihm vorbeilaufen. Diomedes ging danach langsam in Richtung Treppe um ins Erdgeschoss zu gelangen. Dabei nahm er jedoch etwas Ungewöhnliches wahr. In der gleichen Sekunde brach der Mann hinter ihm zusammen. Diomedes wollte sich gerade umdrehen, da spürte er ein starkes Brennen in seinem Rücken. Das Wesen vom Tag zuvor! Oh nein, wie konnte es? Wie konnte er so sorglos sein?

Es waren unerträgliche Schmerzen und er konnte sich einfach nicht auf das Lied konzentrieren um sich zu heilen, da das Wesen das Herz getroffen hatte. Er brach zusammen und auf dem Boden drehte er sich mühsam auf die Seite. Nun sah er das Wesen in voller Gestalt. Dunkle kalte Augen, bestialisches vogelhaftes Aussehen. Dies musste ein Wesen Kra’thors sein. Ihm gingen viele Gedanken durch den Kopf, jedoch hatte er nicht mehr viel Zeit. Er zog alle Lebenskraft zusammen die er noch hatte, nutzte seine Melodie des Liedes und das Lied um ihn herum. Er betete zu Mutter und raffte sich mit letzter Kraft auf die Knie. Das Wesen stand nicht weit von ihm entfernt. Er bündelte alles in eine letzte Handlung und schoss alle Energie, die er fassen konnte in einem großen Schwall auf seinen Angreifer.
So endete alles mit einem lauten Knall. Das Wesen schrie vor Furcht und löste sich im Lied auf. Diomedes fiel um, seine Augen leer, seine Glieder steif. Ein brennender Balken stürzte vor ihm auf den Boden. Er war gerade noch bewusstlos, aber aufwachen würde er wohl niemals wieder. Er hatte keine Kontrolle mehr. Eine Implosion des Lieds in seiner selbst. Es zerriss ihn, aber er blieb ein Teil des Liedes, wenn auch nicht mehr unter den lebenden Menschen. Seine letzten Gedanken bevor er aus der Welt schied gaben ihm jedoch einen kleinen Trost.

„Seine Brüder sitzen im Gemeinschaftshaus am Tisch und spaßeln herum, die Hexen kommen gerade zu einem Besuch nach Vernementon. Allen voran seine Hannah. Die Waldläufer hüpfen vorbei und grüßen, das Lied um ihn herum wird sehr laut, so hat er es noch nie wahrgenommen, es durchströmt ihn, Eluive, unsere Mutter ist bei dir Diomedes. Stille. Feuer. Der Wind der ihn speist. Es fängt an zu regnen, das Feuer erlischt. Es ist vorbei. Sein Element die Erde ist für ihn bereit.“