Süß - Bittersüß wie die Dunkelheit
Verfasst: Sonntag 1. Mai 2011, 11:17
Schon Monde war es her, was ewig schien ist längst Vergangenheit...
Einst war der junge Recke Tristan bei der Bajarder Wehr und übte an einem gewöhnlichen Tag seinen Dienst aus. Gemeinsam mit seinen Kameraden wachte er jeden Tag am Tor und gab darauf acht das niemand ohne Maske und Handschuhe das Dorf betrat, da die Lungenpest umherging. Es war nicht viel, doch konnte er wenigstens so helfen die Krankheit auszumerzen.
Viele dieser Kameraden haben die Lande verlassen, eigentlich kann er sich auch nur noch an Siran erinnern, der ebenfalls an der Seuche erkrankte, sie jedoch wie er selbst überstand.
[img]http://666kb.com/i/bt3m1jxkn3rtulq8e.jpg[/img]
Eines Abends fand sich jedoch eine etwas markante Person am Tor ein, ihr Haar was Weiß wie ein Fließ aus Silber, ihre Augen erinnerten an das dunkle Holz einer Donnereiche und die Gestalt wirkte etwas dürr, wahrscheinlich begünstigte die schwarze Kleidung die sie trug diesen Eindruck nur. Die beiden kamen schnell ins Gespräch und zogen sich nach einiger Zeit in die Herberge zurück wo sie ihr Gespräch fortsetzten: Politik, Philosophie, Theologie. Es interessierte den Wehrsoldaten sich mit ihr zu unterhalten, schließlich kam sie aus einer anderen Welt die er so nicht kannte. Er stand immer für Freiheit und Unabhängigkeit ein und daher trafen ihn Aussagen wie: "Ihr gehört nicht in so ein Fischerdorf" oder "Dafür wollt ihr Kämpfen?" kaum.
Doch mittlerweile erkannte er, dass sie Recht behalten sollte.
Tristan verließ die Wehr und auch Bajard, nur selten zeigte er sich noch in dem Dorf für welches er nur noch eine Abneigung empfand.
Und so kam es eines Tages das er sie wohl wieder sah, ausgerechnet an einem Ort der ihm unangenehm war, zu einer Lage die weitaus unangenehmer war. Er stand gerüstet mitten in Düstersee und wurde von einer lästigen Wache verhört welche natürlich nicht einsah das "Severin Del'Mur" Heim zu eskortieren eine Begründung für einen Gesetzesbruch sei. Und so tat Tristan das was er auch sonst immer tat: Er schob es auf Melcher, gab sich also als Melcher aus. Sarya die natürlich von dieser dreisten Lüge wusste schwieg, stattdessen tat sie aber alles damit die Wache sich das Aussehen von Tristan gut einprägte, besser noch: Am nächsten Tage sagte sie sogar womöglich gegen ihn aus.
Der kurze Dialog zwischen ihnen prägte sich ihm ein, war sogar viel eher eine Einladung zu einem Spiel...
Du böses böses Mädchen...
Was hättest du denn von mir erwartet?
Genau dies. Aber vergiss nicht, man sieht sich mehrmals im Leben.
Ja, das tut man wohl.
Überlassen wir es doch dem Schicksal wann es uns wieder zusammen führt...
Und tatsächlich lud sie ihn ein zu einem Spiel zwischen Katz und Maus, ein verbaler Machtkampf entbrannte und so wurde die vermeidliche Maus in die Falle gelockt. So ergab es sich das Tristan am nächsten Tag nach Düstersee ging um Sarya Vhelvet wiedersehen zu können, tatsächlich wollte er dies, wobei er den Drang dazu nicht nachvollziehen konnte.
Es war für den Frühling recht kalt und schneite, der Schlamm auf dem Weg war jedoch zugefroren und alles wirke gedämpft und melancholisch durch einen Nebel der die Stadt umschloss. Und durch den Nebel hindurch sah sie Tristan wie er durch die Straßen schritt und ihn direkt fragte ob er ihr denn Auflauerte. Einige Momente später fand er sich in ihrem Heim wieder, als erster Gast. Über die Richtigkeit dieser Aussage musste er nicht lange nachdenken, Sarya war nicht gerade der Geselligste Mensch der einen weiten Freundeskreis um sich sammelte. Auch sonst konnte man sie nicht mit den guten Werten in Verbindung bringen, sie war einfach nur böse, vielleicht faszinierte genau das Tristan so an ihr? Ihre herrische kalte Art? Sie warnte andauernd davor dass er nicht in Rüstung kommen sollte, da sie ihn ansonsten als Bürgerin Düstersees bestrafen müsste. Tristan hingegen nutzte dies nur noch mehr um sie zu provozieren, um zu sehen wie weit er sie treiben kann, wie weit er sich wagen darf.
"Nur sollte das Mäuschen aufpassen dass das Kätzchen ihm nicht den Pelz abzieht"
Eine Drohung sie sie an dem Abend noch wahrmachte. Nach einigen Stunden des verbalen Austausches und Wortfechtens erhob sie sich um schritt zu Tristan herüber, postiere sich direkt hinter ihm.
Sie legte ihm beide Hände auf die Schultern und er schloss die Augen, eine üble Vorahnung gepaart mit einem wohligen Gefühl überkam ihn.
Dies intensivierte sich um einiges als sie mit einer Fingerspitze Funken auf seiner Haut entstehen ließ und ein S in seinen Nacken brannte. Nicht wirklich tief, doch die Rötung sollte einige Zeit bestehen bleiben. Es war ein stechender Schmerz, doch weil gerade sie ihn auslöste gefiel es Tristan und er streckte sich, präsentierte ihr provokant seinen Hals. Doch als sie abließ und fest ihre Finger in seine Schultern krallte blickte er nur zu ihr auf, fragend.
"Vielleicht hat das Mäuschen sich zu unvorsichtig in die Falle gewagt".
Vielleicht hatte sie recht, vielleicht tat er dies. Doch er erachtete das Mal nicht als Strafe, sondern als Geschenk und Besitzanspruch ihrerseits.
Also sprachen sie des Abends wieder weiter über alles was ihnen in den Sinn kam, ständig ihre Worte in Metaphern verpackend.
Kieselsteine und Granit... Das Kieselsteine und Granit nie zusammenpassen würden, das Granit gemeinsam eine starke Mauer binden kann. Sie sprachen darüber dass viele Menschen nicht nachdachten, viele Menschen sich lieber führen lassen wollten und somit blind dem Hirten wie Lämmer zum Schlachter folgten...
Wenn Schmerz nicht weh tut, sondern sich gut anfühlt, ist es dann Schmerz?
Wie meinst du das?
Eine der grundlegenden Eigenschaften des Schmerzes ist doch, dass man ihn als unangenehm Empfinden, ist diese nicht Gegeben, so kann Schmerz wirklich noch Schmerz sein?
Schmerz ist nicht unangenehm.
Sie waren sich in vielen Sachen einig und doch ganz verschieden, als Tristan ihr beichtete das ihm das Mal gefiel, so fragte sie ihm wo er das nächste haben möchte.
Wieder in den Nacken.
Dann suche ich mir eine andere Stelle.
Du könntest ja kratzen, vielleicht würde mir das mehr Schmerz bereiten? Eine offene Provokation.
Wie simpel. Ich habe aber auch Zähne.
Und jene waren weiß. Zwar neigte sie dazu immer etwas bissig zu sein in allem was sie sagte, doch ihr Mundwerk war mindestens so gepflegt wie groß. Sie sagte dass sie ihn mochte und ihm eine Chance geben würde, was sie genau damit meinte wusste er nicht, doch alleine die Sympathiebekundung erfreute ihn. Und so verließ der eine Granit den anderen damit die Kieselchen nicht dachten der Granit bei Granit schläft. An dem Abend machte er sich Gedanken über das Geschehene.
Was war es für ein Gefühl was ihn überkam wenn sie ihm weh tat, wieso sehnte er sich nach jeder Berührung, jedem bissigen Kommentar?
Wie konnte er nur eine solche Sehnsucht zu einem Menschen empfinden der ihm bewusst Leid zufügte? Er wollte sie wiedersehen.
Er wollte mehr über sie herausfinden, sie mehr aus ihrer Deckung locken,
Ihre Empfindungen verstehen, selbst wenn er es bei den Eigenen nicht tat.
Und das tat er auch am nächsten Abend als er sie in der Taverne in Düstersee traf. Schon alleine der Versuch ihn glauben zu machen das sie jemanden erwartete oder eine Verabredung hatte passte zu ihrer sadistischen Art. Doch die Scharade war gut durchdacht, schon ihr Optisches Auftreten erstaunte ihn. Sie trug ein rotes Kleid, dazu rote Stiefel und einen langen roten Unterrock.
Rot ist die Farbe der Leidenschaft und Gefahr.
Vielleicht auch eine Warnung. Eine Warnung die er gerne Ignorieren würde.
Und nach einer Weile gingen sie wieder zu ihr und sprachen über ein für sie wohl sehr heikles Thema: Die Liebe.
Sarya kannte die Liebe nicht, sah sie als Schwäche und Sinnlos an, fragte aber dennoch nach ihr und den Schmerz den sie verursacht. Tristan sprach, sie lauschte. Und das recht aufmerksam.
Doch der Behüter betrachtete sie selbst aufmerksam, jeden Atemzug, jede Bewegung prägte er sich ein. Er wollte etwas über ihre Welt lernen, etwas über den Schmerz lernen und ihr seine Welt zeigen, Emotionen wie Sehnsucht und Zuneigung wecken.
Sie nahm seinen Arm und zog den Ärmel des Hemdes weit hoch und nutzte wieder ihre Gabe um ihn zu quälen. An der Stelle an über die sie mit ihrem Finger glitt öffnete sich die Haut als hätte sie eine Rasierklinge in der Hand. Er schloss nur die Augen und seufzte auf, es schmerzte, doch genoss er jede Berührung, kostete jeden Reiz aus.
Sie bemühte sich um keine Eile, doch als sie fertig war konnte er das Wort Schmerz auf seinem Arm lesen.
Wieder blickte Tristan sie nur fragend an.
Ich überlege gerade wie ich dich Leiden lassen kann
Und ich lade dich herzlichst zu einem Versuch ein.
Was für ein Versuch?
Aber Aber... Neugier aus Furcht vor dem Fremden?
Ich fürchte nichts.
Und ich sage dir du fürchtest etwas, sage dir du hast Angst davor dadurch Schwach zu werden und hast es deshalb ewig verdrängt, versteckt und verkommen lassen. Aber es ist nie vergangen, und was weißt du.
Er erhob sich und schritt um den Tisch zu ihr und blickte sie wie immer direkt an, in die Augen. Tristan tat dies immer wenn er mit Sarya sprach. Eine Hand streckte er aus um ihr über die Wange zu streichen und sie in ihren Hinterkopf zu legen, durch die Haar zu streichen. Musterte dabei jede Regung die sie machte. Wie zu erwarten nutzte sie ihre Gabe um ihn die Luft zu rauben. Langsam ließ er von ihr ab, doch zeigte er kein Anzeichen von Eile oder Schmerz. Als er wieder Luft bekam atmete er regulär, als wäre nichts gewesen und schmunzelte sie nur wissend an.
Ich habe keine Angst vor körperlicher Nähe wenn du das denkst.
Denke ich das?
Sie schnaubte auf und sah ihm wieder direkt in die Augen, um nicht weiter auf das Thema einzugehen gab sie ihm die versprochene Führung durch das Haus. Tristan ließ sich von den etlichen Andeutungen das sie nicht alleine wohnte nicht beeindrucken, weshalb auch?
Im mehr als nur armseelig eingerichteten Keller kamen sie dann zum halten und Tristan bot an ihr beim Einrichten zu helfen. Sie lachte nur spöttisch, doch er genoss es sie lachen zu sehen.
Ich kann dir beim Einrichten helfen.
Kannst du? Wieder dieses Lachen.
Ich kann vieles. Nur ist die Frage ob ich es darf.
Das wäre?
Hast du schon mal vom Schmerzkuss gehört?
Nein. Skepsis in ihrem Blick.
Es ist mehr Biss als Kuss. Ich werde dir die Lippe etwas aufbeißen und du mir dann und... Erwarte nichts Falsches. Es wird bluten und weh tun. Das ist der Sinn des Kusses.
Sie schwieg, doch in ihren wunderschönen braunen Augen lag die Aufforderung es zu tun als sie ihr Haupt etwas in den Nacken legte.
Tristan beugte sich vor und gab ihr einen Kuss auf die Lippen bis er ihre Unterlippe zwischen seinen Zähnen hatte und leicht zubiss. Als er ihr Blut schmeckte saugte er an ihrer Lippe und präsentierte ihr seine. Sie biss zu und schnappte mit ihrer Zunge das Blutgemisch auf, erst nach einiger Zeit drückte sie auf seinen verletzten Arm welchen sie mit dem Wort "Schmerz" zeichnete und löste sich langsam von ihm.
Was sich da gerade abspielte war so unwirklich und doch beeindruckend. Tristans Blut geriet in Wallung und selbst danach Zitterten seine Hände noch etwas.
Wage ja nicht etwas für mich zu empfinden.
Ich könnte dir das Herz bei lebendigem Leibe entreißen und würde es nicht bereuen.
Dann nehm es dir. Jede Ader und Blutkappilare ist deine.
Sie verpasste ihm eine Ohrfeige. Tristan zeige keine besondere Regung außer dass er ihr die andere Wange hinhielt. Wieder eine Ohrfeige.
Sie stieß ihn gegen die Wand und griff an seinen Hals, bohrte ihre Finger jedoch nicht bis zum Blut hinein.
Du bist Krank. Du kommst her und erträgst das alles, jeder andere wäre bereits gegangen, was bist du, ein Dämon?
Ein Mensch.
Wieder schnaubte sie nur und verließ den Raum. Tristan blieb noch an der Wand angelehnt und dachte einen Augenblick nach, eben nur einen Augenblick, denn nach jenem Stand sie auch wieder unten und forderte ihn auf sich wieder an den Tisch zu setzen.
Einverstanden. Hatte sie gerade zugestimmt in seine Welt einzublicken, oder Tristan ihre Welt zu zeigen?
Einige Wortgefechte später bestand sie auf ihren Schlaf und so verließ Tristan ihr Heim mit den Händen in den Taschen und den Stiefeln im Dreck, sich dabei immernoch über die blutigen Lippen leckend.
Was für ein bissiges Mädchen... Im wahrsten Sinne des Wortes.
Einst war der junge Recke Tristan bei der Bajarder Wehr und übte an einem gewöhnlichen Tag seinen Dienst aus. Gemeinsam mit seinen Kameraden wachte er jeden Tag am Tor und gab darauf acht das niemand ohne Maske und Handschuhe das Dorf betrat, da die Lungenpest umherging. Es war nicht viel, doch konnte er wenigstens so helfen die Krankheit auszumerzen.
Viele dieser Kameraden haben die Lande verlassen, eigentlich kann er sich auch nur noch an Siran erinnern, der ebenfalls an der Seuche erkrankte, sie jedoch wie er selbst überstand.
[img]http://666kb.com/i/bt3m1jxkn3rtulq8e.jpg[/img]
Eines Abends fand sich jedoch eine etwas markante Person am Tor ein, ihr Haar was Weiß wie ein Fließ aus Silber, ihre Augen erinnerten an das dunkle Holz einer Donnereiche und die Gestalt wirkte etwas dürr, wahrscheinlich begünstigte die schwarze Kleidung die sie trug diesen Eindruck nur. Die beiden kamen schnell ins Gespräch und zogen sich nach einiger Zeit in die Herberge zurück wo sie ihr Gespräch fortsetzten: Politik, Philosophie, Theologie. Es interessierte den Wehrsoldaten sich mit ihr zu unterhalten, schließlich kam sie aus einer anderen Welt die er so nicht kannte. Er stand immer für Freiheit und Unabhängigkeit ein und daher trafen ihn Aussagen wie: "Ihr gehört nicht in so ein Fischerdorf" oder "Dafür wollt ihr Kämpfen?" kaum.
Doch mittlerweile erkannte er, dass sie Recht behalten sollte.
Tristan verließ die Wehr und auch Bajard, nur selten zeigte er sich noch in dem Dorf für welches er nur noch eine Abneigung empfand.
Und so kam es eines Tages das er sie wohl wieder sah, ausgerechnet an einem Ort der ihm unangenehm war, zu einer Lage die weitaus unangenehmer war. Er stand gerüstet mitten in Düstersee und wurde von einer lästigen Wache verhört welche natürlich nicht einsah das "Severin Del'Mur" Heim zu eskortieren eine Begründung für einen Gesetzesbruch sei. Und so tat Tristan das was er auch sonst immer tat: Er schob es auf Melcher, gab sich also als Melcher aus. Sarya die natürlich von dieser dreisten Lüge wusste schwieg, stattdessen tat sie aber alles damit die Wache sich das Aussehen von Tristan gut einprägte, besser noch: Am nächsten Tage sagte sie sogar womöglich gegen ihn aus.
Der kurze Dialog zwischen ihnen prägte sich ihm ein, war sogar viel eher eine Einladung zu einem Spiel...
Du böses böses Mädchen...
Was hättest du denn von mir erwartet?
Genau dies. Aber vergiss nicht, man sieht sich mehrmals im Leben.
Ja, das tut man wohl.
Überlassen wir es doch dem Schicksal wann es uns wieder zusammen führt...
Und tatsächlich lud sie ihn ein zu einem Spiel zwischen Katz und Maus, ein verbaler Machtkampf entbrannte und so wurde die vermeidliche Maus in die Falle gelockt. So ergab es sich das Tristan am nächsten Tag nach Düstersee ging um Sarya Vhelvet wiedersehen zu können, tatsächlich wollte er dies, wobei er den Drang dazu nicht nachvollziehen konnte.
Es war für den Frühling recht kalt und schneite, der Schlamm auf dem Weg war jedoch zugefroren und alles wirke gedämpft und melancholisch durch einen Nebel der die Stadt umschloss. Und durch den Nebel hindurch sah sie Tristan wie er durch die Straßen schritt und ihn direkt fragte ob er ihr denn Auflauerte. Einige Momente später fand er sich in ihrem Heim wieder, als erster Gast. Über die Richtigkeit dieser Aussage musste er nicht lange nachdenken, Sarya war nicht gerade der Geselligste Mensch der einen weiten Freundeskreis um sich sammelte. Auch sonst konnte man sie nicht mit den guten Werten in Verbindung bringen, sie war einfach nur böse, vielleicht faszinierte genau das Tristan so an ihr? Ihre herrische kalte Art? Sie warnte andauernd davor dass er nicht in Rüstung kommen sollte, da sie ihn ansonsten als Bürgerin Düstersees bestrafen müsste. Tristan hingegen nutzte dies nur noch mehr um sie zu provozieren, um zu sehen wie weit er sie treiben kann, wie weit er sich wagen darf.
"Nur sollte das Mäuschen aufpassen dass das Kätzchen ihm nicht den Pelz abzieht"
Eine Drohung sie sie an dem Abend noch wahrmachte. Nach einigen Stunden des verbalen Austausches und Wortfechtens erhob sie sich um schritt zu Tristan herüber, postiere sich direkt hinter ihm.
Sie legte ihm beide Hände auf die Schultern und er schloss die Augen, eine üble Vorahnung gepaart mit einem wohligen Gefühl überkam ihn.
Dies intensivierte sich um einiges als sie mit einer Fingerspitze Funken auf seiner Haut entstehen ließ und ein S in seinen Nacken brannte. Nicht wirklich tief, doch die Rötung sollte einige Zeit bestehen bleiben. Es war ein stechender Schmerz, doch weil gerade sie ihn auslöste gefiel es Tristan und er streckte sich, präsentierte ihr provokant seinen Hals. Doch als sie abließ und fest ihre Finger in seine Schultern krallte blickte er nur zu ihr auf, fragend.
"Vielleicht hat das Mäuschen sich zu unvorsichtig in die Falle gewagt".
Vielleicht hatte sie recht, vielleicht tat er dies. Doch er erachtete das Mal nicht als Strafe, sondern als Geschenk und Besitzanspruch ihrerseits.
Also sprachen sie des Abends wieder weiter über alles was ihnen in den Sinn kam, ständig ihre Worte in Metaphern verpackend.
Kieselsteine und Granit... Das Kieselsteine und Granit nie zusammenpassen würden, das Granit gemeinsam eine starke Mauer binden kann. Sie sprachen darüber dass viele Menschen nicht nachdachten, viele Menschen sich lieber führen lassen wollten und somit blind dem Hirten wie Lämmer zum Schlachter folgten...
Wenn Schmerz nicht weh tut, sondern sich gut anfühlt, ist es dann Schmerz?
Wie meinst du das?
Eine der grundlegenden Eigenschaften des Schmerzes ist doch, dass man ihn als unangenehm Empfinden, ist diese nicht Gegeben, so kann Schmerz wirklich noch Schmerz sein?
Schmerz ist nicht unangenehm.
Sie waren sich in vielen Sachen einig und doch ganz verschieden, als Tristan ihr beichtete das ihm das Mal gefiel, so fragte sie ihm wo er das nächste haben möchte.
Wieder in den Nacken.
Dann suche ich mir eine andere Stelle.
Du könntest ja kratzen, vielleicht würde mir das mehr Schmerz bereiten? Eine offene Provokation.
Wie simpel. Ich habe aber auch Zähne.
Und jene waren weiß. Zwar neigte sie dazu immer etwas bissig zu sein in allem was sie sagte, doch ihr Mundwerk war mindestens so gepflegt wie groß. Sie sagte dass sie ihn mochte und ihm eine Chance geben würde, was sie genau damit meinte wusste er nicht, doch alleine die Sympathiebekundung erfreute ihn. Und so verließ der eine Granit den anderen damit die Kieselchen nicht dachten der Granit bei Granit schläft. An dem Abend machte er sich Gedanken über das Geschehene.
Was war es für ein Gefühl was ihn überkam wenn sie ihm weh tat, wieso sehnte er sich nach jeder Berührung, jedem bissigen Kommentar?
Wie konnte er nur eine solche Sehnsucht zu einem Menschen empfinden der ihm bewusst Leid zufügte? Er wollte sie wiedersehen.
Er wollte mehr über sie herausfinden, sie mehr aus ihrer Deckung locken,
Ihre Empfindungen verstehen, selbst wenn er es bei den Eigenen nicht tat.
Und das tat er auch am nächsten Abend als er sie in der Taverne in Düstersee traf. Schon alleine der Versuch ihn glauben zu machen das sie jemanden erwartete oder eine Verabredung hatte passte zu ihrer sadistischen Art. Doch die Scharade war gut durchdacht, schon ihr Optisches Auftreten erstaunte ihn. Sie trug ein rotes Kleid, dazu rote Stiefel und einen langen roten Unterrock.
Rot ist die Farbe der Leidenschaft und Gefahr.
Vielleicht auch eine Warnung. Eine Warnung die er gerne Ignorieren würde.
Und nach einer Weile gingen sie wieder zu ihr und sprachen über ein für sie wohl sehr heikles Thema: Die Liebe.
Sarya kannte die Liebe nicht, sah sie als Schwäche und Sinnlos an, fragte aber dennoch nach ihr und den Schmerz den sie verursacht. Tristan sprach, sie lauschte. Und das recht aufmerksam.
Doch der Behüter betrachtete sie selbst aufmerksam, jeden Atemzug, jede Bewegung prägte er sich ein. Er wollte etwas über ihre Welt lernen, etwas über den Schmerz lernen und ihr seine Welt zeigen, Emotionen wie Sehnsucht und Zuneigung wecken.
Sie nahm seinen Arm und zog den Ärmel des Hemdes weit hoch und nutzte wieder ihre Gabe um ihn zu quälen. An der Stelle an über die sie mit ihrem Finger glitt öffnete sich die Haut als hätte sie eine Rasierklinge in der Hand. Er schloss nur die Augen und seufzte auf, es schmerzte, doch genoss er jede Berührung, kostete jeden Reiz aus.
Sie bemühte sich um keine Eile, doch als sie fertig war konnte er das Wort Schmerz auf seinem Arm lesen.
Wieder blickte Tristan sie nur fragend an.
Ich überlege gerade wie ich dich Leiden lassen kann
Und ich lade dich herzlichst zu einem Versuch ein.
Was für ein Versuch?
Aber Aber... Neugier aus Furcht vor dem Fremden?
Ich fürchte nichts.
Und ich sage dir du fürchtest etwas, sage dir du hast Angst davor dadurch Schwach zu werden und hast es deshalb ewig verdrängt, versteckt und verkommen lassen. Aber es ist nie vergangen, und was weißt du.
Er erhob sich und schritt um den Tisch zu ihr und blickte sie wie immer direkt an, in die Augen. Tristan tat dies immer wenn er mit Sarya sprach. Eine Hand streckte er aus um ihr über die Wange zu streichen und sie in ihren Hinterkopf zu legen, durch die Haar zu streichen. Musterte dabei jede Regung die sie machte. Wie zu erwarten nutzte sie ihre Gabe um ihn die Luft zu rauben. Langsam ließ er von ihr ab, doch zeigte er kein Anzeichen von Eile oder Schmerz. Als er wieder Luft bekam atmete er regulär, als wäre nichts gewesen und schmunzelte sie nur wissend an.
Ich habe keine Angst vor körperlicher Nähe wenn du das denkst.
Denke ich das?
Sie schnaubte auf und sah ihm wieder direkt in die Augen, um nicht weiter auf das Thema einzugehen gab sie ihm die versprochene Führung durch das Haus. Tristan ließ sich von den etlichen Andeutungen das sie nicht alleine wohnte nicht beeindrucken, weshalb auch?
Im mehr als nur armseelig eingerichteten Keller kamen sie dann zum halten und Tristan bot an ihr beim Einrichten zu helfen. Sie lachte nur spöttisch, doch er genoss es sie lachen zu sehen.
Ich kann dir beim Einrichten helfen.
Kannst du? Wieder dieses Lachen.
Ich kann vieles. Nur ist die Frage ob ich es darf.
Das wäre?
Hast du schon mal vom Schmerzkuss gehört?
Nein. Skepsis in ihrem Blick.
Es ist mehr Biss als Kuss. Ich werde dir die Lippe etwas aufbeißen und du mir dann und... Erwarte nichts Falsches. Es wird bluten und weh tun. Das ist der Sinn des Kusses.
Sie schwieg, doch in ihren wunderschönen braunen Augen lag die Aufforderung es zu tun als sie ihr Haupt etwas in den Nacken legte.
Tristan beugte sich vor und gab ihr einen Kuss auf die Lippen bis er ihre Unterlippe zwischen seinen Zähnen hatte und leicht zubiss. Als er ihr Blut schmeckte saugte er an ihrer Lippe und präsentierte ihr seine. Sie biss zu und schnappte mit ihrer Zunge das Blutgemisch auf, erst nach einiger Zeit drückte sie auf seinen verletzten Arm welchen sie mit dem Wort "Schmerz" zeichnete und löste sich langsam von ihm.
Was sich da gerade abspielte war so unwirklich und doch beeindruckend. Tristans Blut geriet in Wallung und selbst danach Zitterten seine Hände noch etwas.
Wage ja nicht etwas für mich zu empfinden.
Ich könnte dir das Herz bei lebendigem Leibe entreißen und würde es nicht bereuen.
Dann nehm es dir. Jede Ader und Blutkappilare ist deine.
Sie verpasste ihm eine Ohrfeige. Tristan zeige keine besondere Regung außer dass er ihr die andere Wange hinhielt. Wieder eine Ohrfeige.
Sie stieß ihn gegen die Wand und griff an seinen Hals, bohrte ihre Finger jedoch nicht bis zum Blut hinein.
Du bist Krank. Du kommst her und erträgst das alles, jeder andere wäre bereits gegangen, was bist du, ein Dämon?
Ein Mensch.
Wieder schnaubte sie nur und verließ den Raum. Tristan blieb noch an der Wand angelehnt und dachte einen Augenblick nach, eben nur einen Augenblick, denn nach jenem Stand sie auch wieder unten und forderte ihn auf sich wieder an den Tisch zu setzen.
Einverstanden. Hatte sie gerade zugestimmt in seine Welt einzublicken, oder Tristan ihre Welt zu zeigen?
Einige Wortgefechte später bestand sie auf ihren Schlaf und so verließ Tristan ihr Heim mit den Händen in den Taschen und den Stiefeln im Dreck, sich dabei immernoch über die blutigen Lippen leckend.
Was für ein bissiges Mädchen... Im wahrsten Sinne des Wortes.