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Ein Ritter auf Lehrwegen

Verfasst: Montag 18. April 2011, 20:08
von Mandred Louisan
Das "Hören"

Es war ein friedlicher, stiller Abend. Nicht zuletzt lag dies auch an der ruhigen Aura, die das Kloster der Lichteinigkeit ausmachte. Der Adlerritter verweilte in der Kirche zu einem stillen Gebet und wie er in Richtung des Klosterportals ging, hörte er ein dezentes Klopfen an den gusseisernen Toren. Er öffnete sie und sein Ordensbruder, der gefallene Paladin Quarius de Lore stand davor und begrüßte ihn auf seine ruhige und gewohnt freundliche Art. Nach einem kurzen Wortwechsel lenkten sie ihre Schritte entlang des Korridors im Ostflügel bis hin zum Baum des Lichtes.

Beide knieten sie vor diesem Fundament dieser heiligen Mauern, vor dem Heiligsten aller heiligen Monumente. Der Ritter zeichnete, wie in stillem Zeichen, dass er vor etwas Göttlichem trat ein Ankh auf der Brust und kniete sich nebst seinen Bruder auf beide Knie.

Wie so oft erzählte der gefallene Paladin von seinen Zeiten als hoher Streiter Temoras und belehrte den Ritter und erzählte ihm von dem Befreien des Geistes, von tiefer Stille, die man an diesem Baum finden kann. Und nicht zuletzt von der Vergebung, die man hier empfangen kann, so man wahre Reue zeigt für die Dinge, die einem sie Seele belasten.

"Macht Euren Geist frei, frei von jedweden fremden Einflüssen, frei von Sorgen und macht Platz für Reue, Stille und vor allem Demut."

Der Adlerritter nahm die Worte seines Ordensbruders auf und war wie jedes Mal verwundert über die Kenntnis des Glaubens seines Ordensbruders. Denn er stellte sich stets dann eine Frage:

"Was trieb ihn dazu, seine Berufung abzulegen? Und wie sollte Temora ihn nicht mehr in ihrer Gunst haben, ihm vergeben haben, wenn er solche Kenntnis hat? Wenn er mehr Glauben aufweist, als viele, die dem Adlerritter sonst begegnen?"

Doch er machte seinen Geist frei, er konzentrierte sich auf die stille Aura des Baumes, auf das sich in ihm breit machende, wärmende Gefühl, das seinen Geist umhüllt und ihn förmlich schwelgen lässt, als würde er von Temora selbst getragen und berührt.

Fast genauso einfühlsam und dezent nahm er dennoch klar die Stimme seines Glaubensbruders wahr, der offensichtlich anhand der nun entspannten und ausgeglichenen Gesichtszüge des Adlerritters klar erkannte, dass er so tat, wie ihm geheißen.

Nach einer Weile des Harrens in diesem Gefühl und in der Hingabe an Temora, in der Vergebung und Reue ihr gegenüber für all die Taten, die er begangen hatte, die nicht ihrem Willen entsprachen, erhob er sich wieder, zeichnete abermals ein Ankh auf seine Brust und wandte sich zum gefallenen Paladin.

Sie sprachen danach über den Sinn dieses Ortes, wieviele wohl noch diesen Ort aufgrund wahrer Reue aufsuchten und wieviele es nicht taten. Doch wurde der Adlerritter auch in seiner Vermutung bestätigt. Bruder Quarius war von Reue umgeben, von Reue über das, was er in der Vergangenheit tat, mit dem er sich abwandte vom Glaubensweg.

"Ein jeder von uns, so ist meine Meinung, hat eine spezielle Funktion, wir alle leben für den Glauben und Temora, aber ein jeder genießt andere Ausbildungen und erhält andere Sichtweisen, die ihn prägen und anhand dieser Sichtweisen prägt uns Temora nach unserer Funktion."

Diese Worte waren die Essenz für eine weitere Frage des Adlerritters, die aber letzten Endes nicht zu beantworten ist.

Kaum danach gingen sie in Richtung der Bilbiothek und nach einem kurzen freundlichen und höflichen Begrüßen der Bibliothekarin, kamen sie zu einem Regal, aus welchem der gefallene Paladin ein Buch hervorzog. Fast so, als würde er es nur beiläufig gegriffen haben richtete er ohne aufzuschauen das Wort an den Adlerritter.

"Als Paladin müsst ihr lernen zu hören. Zu hören auf die leiseste Stimme. Eine Stimme, die ihr so nicht hören könnt und für die grundlegende Voraussetzungen nötig sind. Was ist nötig?"

Eine Weile überlegte der Ritter laut und schien sich dabei spiralförmig der befriedigenden und zutreffenden Antwort zu nähern.

"Ruhe....Stille....Keinen aufgewühlten Geist.....Schweigen..."

"Kurzum die Klappe halten!", waren die folgenden Worte des Schwertbruders, bekundet mit einem amüsierten Lächeln.

"Und was ist dafür wiederum nötig?"

Erneut schien sich der Ritter der perfekten Antwort zu nähern, sie aber nicht zur Zufriedenheit auszusprechen, sodass der gefallene Paladin erneut das Wort ergriff.

"Viele bevorzugen dafür einen dunklen Raum, wo sie in totaler Dunkelheit und in Abgeschirmtheit von jedweden Geräuschen ausharren und die Stimme Temoras wahrnehmen können."

Ein Raum in völliger Dunkelheit und Geräuschlosigkeit? Es erschien dem Ritter einleuchtend, aber dennoch stellte er eine Frage:

"Ist es aber nicht genauso möglich, dass man im Zuge der Reife und der Erfahrung mit dem "Hören" nicht unbedingt diese Bedingungen erfüllen muss? Sodass man auch an weniger ruhigen Orten der Stimme lauschen kann?"

Zu des Ritters Erleichterung und Erfreutheit nickte sein Ordensbruder in bestätigender Form.

Dies sind also die Lehren, die er empfangen hatte an diesem Abend. Fürwahr, es waren Dinge, die ihm nicht geläufig waren, aber der Ordensbruder hatte Recht. Sie dienen einem jeden, ganz gleich ob er nun Paladin ist oder nicht. Und auch an diesem Abend merkte der Ritter schon erste Ergebnisse mit seinem neu erworbenen Wissen. Die Stille und Ruhe, die ein Paladin an den Tag legt sind von unschätzbarem Wert für dessen Gemüt und für sein Auftreten.

Dennoch fragte er sich immer wieder die eine Frage:

"Was mag seine Funktion in Temoras Sinne sein?"

Verfasst: Montag 18. April 2011, 23:44
von Quarius Lore
Einfach und allein aus der Tatsache heraus, dass Quarius selbt Fehler gemacht hatte und dafür Sorge tragen muss, zu "egal" welcher Stunde und Zeit, zeigt sich wie sich ein weg ebnet.

Schmeisst dir jemand Steine in den Weg, bleib höflich und umrunde diese. Doch falls dir jemand Steine auf deinen Körper wirft, sollte sich deine Einstellung zum Werfer etwas ändern. Doch Vorsicht, manchmal schmeißt jemand Steine aus versehen, oder aus anderen Gründen, die man jetzt nicht weiter erschließen kann. Trotzdem sollte ein Werfer jedoch "Ehre" besitzen und dafür einstehen, egal ob es ein Unfall war, ein Versehen oder einfach nur Dummheit.

Mandred gehörte scheinbar zu denjenigen, die einen Werfer, egal ob aus den genannten Fällen, eine direkte Einstellung und Verurteilung gegenüber des Werfers einimmt. Natürlich bleibt er seine Linie treu, doch wenn er hinter den Anschein blicken möchte musste er noch viel meditative Arbeit vollbringen. Doch in seinen Augen, war bereits das wichtige Fundament gelegt.

"Große Erlebnisse," sagte Quarius zu ihm als sie aus der Bibliothek herauskamen ein Gespräch mit anwesenden des Klosters hatten und wieder zurück entlang des Kantinenkorridors zum Stillstand kamen, "Abenteuer, nach sowas verlangt ein Paladin nicht!" sagte er fest in die Richtung seines Bruders.

"Niemand hat die selbe Ausbildung," zuvor hatte Quarius in der Bibliothek zu seinem Ordensbruder geschaut und gemeint, "wäre es so, wären alle Streiter Temoras gleich!" Paradoxerweise ist dies wirklich nicht so. Farion hatte natürlich eine andere Ausbildung erfahren wie Quarius, oder Darna oder Thelor und so weiter...Alle jedoch dienten einem Ziel. Doch die Frage der Uneinigkeit besteht in der größe des Schwertes. Natürlich hat jeder das größte. Natürlich muss ein Knappe des einen den Idealen des Mentors folgen. Ein Glück, sonst würde es etwas kompliziert werden mit der Durchführung der Ausbildung.

Mandred schien zu seinem erstaunen schnell zu verstehen, was im Quarius erklären wollte. Er handelte so, wie er es gelernt hatte. Wenn Temora ihn strafen sollte, für das was er dem Adlerrritter versuchte zu erklären, so hoffte er, würde er direkt von ihr niedergestreckt, mit einem heftigen schlag und hoffen wie auch bitten, zu ihr aufzusteigen. Nichts wäre ihm lieber, doch Geduld Quarius, sagte er sich.

Die Wege der Paladine sind lang und niemand hat bisher gesagt, es sei einfach. Ganz im Gegenteil!

Brot und Wasser, solange bis Temora etwas anderes befiehlt. Busse und Reue, solange bis Temora es hört. Liebe und Mitgefühl, bis Temora es sieht. Demut und Beharlichkeit, solange bis Temora mit ihm leise spricht. Ehre und Tapferkeit, solange bis Temora ihn erhellt.
Geduld......bis Temora an seiner Seite steht!

Wache Geist des Lichts, bis wir wissen was wir tun, sprach er zu sich selbst.
War es falsch, seinen Bruder etwas beizubringen, fragte er sich weiterhin.
"Temora," sprach er leise im Schlaf "vergib mir, dass ich dich verlassen hatte!" schmerz in der Brust durchzuckte den Gläubigen. Schmerz in Bauch als würde ihm die Luft wegbleiben. Es war kein physischer Schmerz, den er einfach so wegwischen konnte. Es war einer, der ihn von innen ihn aufzufressen dachte. Hoffentlich, er wiederholte, hoffentlich hört sie mich. Ein Zeichen ist alles was ich möchte...wenn nicht für mich, dann für Mandred!

Verfasst: Dienstag 26. April 2011, 22:12
von Mandred Louisan
Wissen erfordert Achtsamkeit

Es war wieder ein ruhiger Abend, als der Adlerritter im Kloster bei dem gefallenen Paladin Quarius de Lore stand. Beide blickten sie andächtig gen des Baumes des Lichtes. Still beteten sie. Diesmal war es dem Ritter gleich aufgefallen - diese Wärme, diese Geborgenheit, die Gnade der Lichtgöttin.

Nach einer Weile vertieften sich die Glaubensbrüder in ein Gespräch, diesmal handelte es von Wissen und seine Bedeutung.

"Wissen kann man nicht verschlingen, wie eine Mahlzeit!"

Das waren die harschen, aber in gutmütiger Lehrform gesprochenen Worte des gefallenen Paladins. Fürwahr...

Wissen kann man nicht lernen, Wissen muss man selbst erfahren um darauf bauen zu können und es anwenden zu können. Doch es muss auch verstanden und verinnerlicht werden, um schließlich in der Anwendung geübt zu werden und so manifestiert zu werden, dass es wie ein Auttomatismus in jedwedes zukünftige Handeln eingebaut wird.

"Ihr solltet vorsichtig sein, was ihr an Wissen euch aneignet. Doch nie solltet ihr Wissen fordern. Nie solltet ihr danach gieren. Sonst endet ihr wie einst Ritter Kaulton.
Sein Wissensdurst machte ihn unberechenbar und er tat alles um an jedwedes Wissen zu gelangen. Dies wurde ihm zum Verhängnis und er wurde zum schwarzen Ritter, ehe er seinen Tod durch seinen Mentor fand, den er, besessen von seiner Gier und seiner Durchtriebenheit, herausforderte. Folglich endete sein Leben.
Nehmt dies als Beispiel und Warnung nicht euch auf die falsche Fährte zu begeben."


Eine wahrlich interessante und lehrreiche Begebenheit, fand der Adlerritter und er dachte noch eine Weile darüber nach. Ja...sein Ordensbruder hatte Recht. Dieser selbst hatte sein Wissen durch Geduld und Tugend erreicht. Auch er hat dieses ungeheure Wissen aus seinen Zeiten als hoher Streiter Temoras. Er ist wie Paladin Farion Lefar eines der vorbildlichen Beispiele, wie man an Wissen gelangen kann, ohne dass es einem zum tödlichen Verhängnis wird.

"Geistigkeit ist der Pfad zum Wissen. Aus dem Geist heraus erhaltet ihr das rechte Verständnis. Verlasst euch auf diese Tugend und plädiert nicht auf erzwungenem Wissen!"


An diesem Abend unterhielten sie sich noch weiter, auch in der Bibliothek, wo sein Schwertbruder dem Adlerritter die Frage stellte:

"Kann man jemanden mehr oder weniger beschützen?"

Eine seltsame Frage...wie sollte man? Für den Ritter war es klar, dass man nur einen retten kann, wenn zwei gleich schwer verletzte am Boden liegen. Aber man sollte für den, der es nicht schafft, dennoch alle Ehre aufweisen.
Die Antwort stellte seinen Ordensbruder leider nicht zufrieden, im Gegenteil vielmehr erschien es so, als wäre der Ritter einer Unlogik aufgesessen.

"Man rettet aus reiner Logik heraus den, der am Nächsten liegt. Wir pauschalisieren nicht. Selbst wenn ich oder der Pater weiter weg liegen, rettet ihr den, der am Nächsten liegt."

Der Adlerritter musste innerlich dabei leicht aufschmunzeln. Er konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass der Pater, oder Bruder Quarius jemals in solch eine Lage kommen würden. Doch auch hier wusste er genausogut, dass ein Paladin, sei er noch so tapfer, noch so tugendhaft, keinesfalls unsterblich ist.
Für ihn war es eine bittere, aber klare und feste Wirklichkeit, dass es durchaus passieren kann, dass er einst in solch eine Lage kommen könnte. Temora möge es verhindern, so es ihr Wille ist!

"Was haltet ihr von den Worten: Achtet auf eure Gedanken, denn sie werden zu Worten."

Einen Moment der Überlegung einräumend antwortete der Ritter:

"Das, was man denkt, wird zu dem, wonach wir handeln, sei es mit dem Schwert oder mit Worten. Wir sollten Acht geben, dass wir stets gut nachdenken, ehe wir die nächste Tat oder die nächsten Worte folgen lassen."

Der gefallene Paladin wiegte den Kopf hin und her, offenbar war auch diese Antwort nicht ganz zufriedenstellend.

"Sagen wir so: Achtet auf eure Gedanken, denn sie werden zur Bitte."

Auch hier überlegte der Ritter, ehe er verstand, worauf sein Ordensbruder hinaus wollte.

"Wir sollen darauf Acht geben, wie wir unsere Worte, die aus den Gedanken folgen, bei unserem Gegenüber ankommen, denn so wirkt es als eine Bitte unsererseits, nicht als Befehl oder Forderung, wodruch der Andere mehr animiert ist zuzuhören oder zu helfen. Es ist eine Form der Geduld."

Diesmal nickte der Schwertbruder des Adlerritters schon mehr bestätigend. Dann folgte seine nächste Frage.

"Und worin besteht der Zusammenhang zwischen dem Gläubigen, dem Gedanken und der Bitte?"

Auch hier benötigte der Ritter einen Moment des Nachdenkens, aber nach dem eben Gehörtem ist das Nachdenken der Schlüssel zur rechten Wortwahl.

"Aus den Gedanken des Gläubigen formt dieser die Worte der Bitte, die er an seine Gottheit richtet. Denn auch hier ist die Bitte die angemessenste Form, diese anzurufen. Keine Gottheit würde auf Befehle oder Forderungen reagieren. Bei einer Bitte ist das Bedürfnis des Gläubigen viel deutlicher zu erkennen, wodruch es wahrscheinlicher wird, dass die Bitte auch erhört wird."

Diese Antwort schien den gefallenen Paladin vollends zu genügen und nachdem sie beide noch eine Weile darüber redeten, herrschte mehr und mehr die Nacht, bis sie schließlich sich verabschiedeten und der Adlerritter gen seines Heims zog. Er war froh diesen Abend in solch vollendeter und lehrreicher Form begangen zu haben und dankte Temora für ihren Segen in dem Gespräch mit seinem Ordensbruder.

Er war fest entschlossen, das heutig zugelernte stezts im Herzen zu halten, sodass er Temora gerecht werden würde.

Möge die Lichtgöttin ihm dazu beistehen!