Seite 1 von 1

Die Ankunft und eine Suche

Verfasst: Donnerstag 14. April 2011, 19:54
von Naryian Deriak
Die Ankunft

"Ich bin nicht begeistert davon das du gehst." Die hochgewachsene Frau mit den braunen, zu einem strengend Dutt zusammengenommen Haaren stand in der Tür und blickt auf ihre Tochter herab. Naryian war über eine Tasche gebeugt die auf dem ungemachten Bett lag und packte einige Kleidungsstücke hinein.
Durch das geöffnete Fenster, welches zur der Ostseite des Hauses hinauszeigte, fiel das helle Morgenlicht und ein leichter kühler Wind lies den Vorhang flattern. Neben der Tasche lag ein geöffneter Brief, den Nariyan nun in die Hand nahm und zusammenfaltete. Ihre langen hellen Haare fielen ihr über den Rücken, als sie sich wieder aufrichtete und zu ihrer Mutter drehte "Ich weiss Mutter. Aber ich kann nicht anders, ich würde es nicht aushalten." "Welches Schiff wirst du nehmen?" Fragte sie und ihre Miene war streng und förmlich wie eh und jeh. "In einer Stunde die Pegasus." Antwortete sie, und presste die Lippen aufeinander als sie zu ihrer Mutter sah, die leicht nickte. Ihr Verhältnis zu ihr war zwar nie schlecht gewesen, aber herzlich war ihre Mutter selten. Mit einem Zögern trat Naryian zu ihr und umarmte sie. "Wenn du Sarim findest, richte ihm aus er ist immer noch unser Sohn. Doch ich fürchte ich werde hier nicht viel für ihn tun können." "Ich weiss....er hat sein Schicksal selber gewählt." Antwortete Naryian und lies sie wieder los. Dann griff sie sich ihre Tasche, steckte den Brief, welchen sie immer noch in der Hand hielt hinein, ging aus dem Zimmer und zur Haustür. Ihr Vater und ihre restlichen Geschwister hatten sich dort versammelt und verabschiedeten sie. Auch ihr Vater war nicht angetan von ihrem Vorhaben fortzugehen, doch er steckte ihr noch einen kleinen Beutel zu, in dem einige Münzen klimperten. "Viel Glück." Sagte er und strich ihr über die Haare. Als Naryian dort alle zusammen sah, überkam sie kurz ein wehmütiges Gefühl da sie sie alle verließ. Doch als sie vor das Haus trat und Richtung Hafen lief, wandelte sich dieses Gefühl schon bald in Aufregung um.

Die Hälfte der Reise verbrachte sie in ihrer Kajüte oder über die Reeling gebeugt. Ihre Gesichtsfarbe nahm selten eine andere Farbe als ein blasses Grün an, und die Reise war schrecklich. Der stetige Seegang und der scharfe Wind lies Naryian sich immer stärker nach festem Boden sehnen. Schon fast 2 Wochen dauerte die Überfahrt an. Doch dann tauchten am Horizont endlich Hügel und Berge auf und der Ruf der Matrosen "Land in Sicht!" lies ihr Herz hüpfen. Endlich....endlich würde sie von diesem furchtbaren Schiff runterkommen.
Der Hafen an welchem es anlegte und von dem sowohl Passagiere von Bord gingen als auch Fracht gelöscht wurde, war das kleine Fischerdorf Bajard. Nach der langen Seereise für sie ein wunderbarer Ort. Doch die Überfahrt war nicht billig gewesen und so ging sie in eine schlichte Robe gehüllt mit einer kleinen Tasche und nur wenigen Münzen in ihrem Besitz von Bord. Jetzt hiess es sich ersteinmal eine Unterkunft für die Nacht besorgen und dann Arbeit finden oder eine Beschäftigung mit der sie sich vorerst über Wasser halten konnte. Ersteres stellte sich als machbar heraus, doch bei zweiterem erwies sich die Sache schon als schwieriger. Doch das Bognerhandwerk welches ihr Vater ihr beigebracht hatte konnte ihr nützlich sein, auch wenn sie es nicht meisterhaft beherrschte. Sie schlenderte durch die ungepflasterten Gassen des Dorfes, die momentan aufgeweicht und schlammig vom Regen waren und sah sich die Auslagen in den Ständen an. Als Naryian an einen Stand für Fernwaffen erblickte, blieb sie begeistert stehen. Die Waffen und Pfeile wurden genaustens betrachtet und rasch war sie in ein Gespräch mit der Händlerin versunken. Nach etwa einer halben Stunde und einigem Gefeilsche hatte sie eine Axt erworben und einige Werkzeuge zum Herstellen von Bögen und Pfeilen. Und nun konnte es losgehen....
Den restlichen Tag verbrachte sie im Wald und suchte sich passende Bäume und Äste aus, aus denen sie Pfeile und Bögen herstellen konnte.
Am Abend war sie todmüde. Die Arbeit war anstregend aber lohnend. Sie hatte einige Pfeile verkauft und gutes Holz für einige Bögen gefunden. Sie setzte sie sich in die Bajarder Taverne und nahm ein Abendessen zu sich bevor sie schlafen ging. fast jeden Abend saß sie nun in die Taverne und hin und wieder kam sie ins Gespräch mit Leuten die alle auf ihre Art sehr unterschiedlich waren. Aber die Vielfalt der Menschen welche in Bajard ein- und ausgingen faszinierte sie.
Oft packte sie nun Heimweh und dann sass sie traurig da und dachte an zu Hause, ihren Vater, ihre Geschwister, die Mutter und den Großvater. Vormals, als Naryian noch klein war, lebten ihre Eltern in Adoran. Die Geschichten, welche ihr Vater oft über diese Stadt erzählte, weckte ihre Fantasie. Sie stellte sich prachtvolle Bauwerke vor, weissgetünchte Mauern und leuchtende Dächer im Sonnenlicht. Sie sollte nicht entäuscht werden. Die Stadt war sogar noch grösser und prachtvoller als sie sie sich vorgestellt hatte. Als sie genügend Gold verdient hatte, und sich ordentliche Kleidung hatte machen lassen, nahm sie sich ein Zimmer in der Herberge in Adoran. Es reichte nun sogar für eine wirklich gute und nicht gerade günstige Kettenrüstung, die sich erarbeitet zu haben sie sehr stolz war. Ihre alte Eisenrüstung legte sie zur Seite und auch das Bognerhandwerk hatte sie unlängst fast aufgegeben und konzentrierte sich nun vielmehr darauf den Bogen auch zu benutzen. Dennoch, wollte sie länger hier bleiben brauchte sie eine anständige Arbeit. Und so wurde ein Stellengesuch ausgehängt. Tagelang..Wochenlang meldete sich niemand und als sie fast schon die Hoffnung aufgegeben hatte das jemand darauf antworten würde, fand sich ein Schreiben unter ihrem Aushang und sie hatte das erste Vorstellungsgespräch....

[img]http://darkrain1.da.funpic.de/1.jpg[/img]

Verfasst: Donnerstag 14. April 2011, 19:55
von Naryian Deriak
Das Erwachen

Das Surren der Sehne verursachte nur ein leises Geräusch welches aber durch die eng umliegenden Wände als Echo verstärkt wurde. Dann folgte ein dumpfer Aufprall und eine leichte Erschütterung des Bodens. Der massige Körper des Zweikopfes lag unbewegt auf dem kalten Steinboden. Aus seiner Brust ragte ein gefiederter Pfeil. Naryian, gewandet in eine Kettenrüstung, schritt auf das leblose Wesen zu und zog den Pfeil aus dem Körper. Irgendwo tropfte Wasser auf den Boden und durchbrach die dunkle Stille des Tunnels. Es war drückend und heiss hier. Sie wandte sich um denn ein seltsames Gefühl, das sie schon mehrmals hier uten überkam, bemächtigte sich ihrer erneut. Sie spähte den langen Gang hinab, doch ausser das tanzende Licht vereinzelter Fackeln und den Schatten die sie auf Wände und Boden warfen, war nichts zu sehen. Ihr war unwohl. Das war es ihr immer in diesen unterirdischen Gewölben, jedoch diesmal war es anders. Nachdem sie sich von der Leiche genomman hatte was sie benötigte, ging Naryian weiter. Immer wieder blickte sie sich verstohlen um, als hätte sie das Gefühl jemand oder etwas folgte ihr. "Du wirst langsam paranoid.." Sprach sie leise zu sich selber und versuchte sich zusammenzureissen.
Von Ferne vernahm sie das Grollen eines weiteren Zweikopfes, auf den sie nun zulief. Der Gang führte um eine Ecke nach links hin. Sie legte einen Pfeil auf die Sehne und bewegte sich dann mit raschen Schritten um die Ecke. Sie zielte und wollte schiessen. Wieder überkam sie das seltsame Gefühl so stark als wäre das was sie verfolgte nun bei ihr und hätte sie eingeholt, ja überwältigt. Ihre Arme wurden so schwer, dass sie den Bogen kaum noch halten konnte und sie schwankte. Der Zweikopf hatte sie bereits bemerkt und lief mit grossen Schritten brüllend auf sie zu.
Ein helles Klackern von einem herunterfallenden Bogen mit Pfeil erklang. Sie fühlte sich benommen und als ob sie wie in Watte gewickelt ihre Umwelt nur noch gedämpft wahrnahm. Doch das Wesen war bereits nah und holte mit seiner grossen Faust aus um zuzuschlagen. Gerade noch so konnte sie sich zur Seite rollen und hockte sich an der Wand auf den Boden, schützend die Arme erhoben. Naryian keuchte und rang mit ihrem Bewusstsein nicht umzufallen.
Alles fühlte sich auf einmal anders an, als würde sie an Geflecht aus Energie wahrnehmen. Es durchzog alles um sie herum, den Boden, die Wand, ja selbst der Zweikopf schien damit durchzogen. Und gleichzeitig schien dieses Netz alles zu verbinden und einander zu bedingen. Sie blickte zwischen den Armen benommen hinauf zu dem Wesen welches nun direkt vor ihr war und auf sie heruntersah. Speichel und trief aus seinem aufgerissenen Maul und der Gestank daraus benebelte sie mit der stetig stärker werdenden Furcht noch weiter. Sie wusste das sie keine Chance mehr hatte und war wie festgefroren. Gleichzeitig überkam sie aber auch ein Gefühl von Kraft und ..Geborgenheit.
"So darf das nicht enden....das kann nicht sein.." Hörte sie ihre Stimme in ihrem Kopf oder vielleicht sprach sie die Worte sogar aus. Das Gefühl welches sie die ganze Zeit gehabt hatte, wirkte nun greifbarer, als würde die Zeit für einen Moment verlangsamt, und sie es formen können. In ihrer Not griff sie danach, zog es zusammen, formte es und schleuderte es gegen den Zweikopf. Getroffen von einer unsichtbaren Faust taumelte er rücklings und verlor für einige Momente das Gleichgewicht. Naryian, verwirrt doch wieder bewegungsfähig, fühlte die Kraft in ihren Körper zurückströmen. Sie griff nach ihrem Bogen, suchte einen Pfeil aus ihrem Köcher und legte ihn auf die Sehne. Mit Mühe spannte sie ihn und schoss. Ein dumpfes aufkrachen und der Zweikopf fiel zu Boden. Sie blieb, an der Wand nach unten rutschend, auf dem kühlen Boden sitzen und starrte das tote Wesen an. "Was war denn das?" Formten ihre Lippen flüsternd.
Einen Augenblick lang versuchte sie zu verstehen was eben geschehen war, bevor sie sich aufrappelte um aus diesen Gängen an die Oberfläche zu flüchten. Sie rannte und und als sie endlich das Ende der Gängen und den Ausgang erreichte war es, als fiele ihr ein Stein vom Herzen. Ihre Lungen brannten vor Anstrengung und sie keuchte nach Luft ringend.
Sie blickte zu dem Eingang zurück und als sie endlich wieder bei Atem war, machte sie, dass sie so schnell wie möglich wegkam. Als sie die Kutsche erreichte und in dem rumpelnden Wagen Richtung Adoran sass, kreisten ihre Gedanken unentwegt um das eben erlebte.
War es dass was ihr Grossvater immer versucht hatte zu erklären? War das sowas wie Magie?
Sie war sich nicht sicher und verspürte Hunger.
Das was sie nun brauchte war ein gutes Mahl und etwas zu trinken. Beides fand sie in Adoran, wo sie in einer Gaststätte einkehrte und bestellte. Erst als das dampfende Essen vor ihr stand, war es als würden die Ereignisse ganz von ihr, wie ein Traumbild abfallen und sie konnte klarer darüber nachdenken. Ihre Hände zitterten noch ein wenig als sie sich die ersten Bissen in den Mund schob, doch mit jedem weiteren Löffel fühlte sie sich gestärkter. Sie würde jemanden aufsuchen müssen, um darüber zu sprechen und um vielleicht herauszufinden was es mit dieser Erfahrung auf sich hatte.

[img]http://darkrain1.da.funpic.de/2.jpg[/img]

Verfasst: Donnerstag 14. April 2011, 19:57
von Naryian Deriak
Ein Brief an die Heimat

[img]http://darkrain1.da.funpic.de/brief1.jpg[/img]

Verfasst: Donnerstag 14. April 2011, 19:59
von Naryian Deriak
Neue Wege

Lange Zeit konnte sie nicht schlafen, wälzte sich hin und her während ihr Geist mit Bildern, Erinnerungen und verschiedensten Gedanken durchflutet wurde. Soviel neues was hier auf sie zukam, soviele Fragen die sich auftaten, mit denen sie nicht gerechnet hatte. Als sie es schliesslich nicht mehr aushielt, schlug sie die Bettdecke zurück, richtete sich auf und stellte die nackten Füsse auf den Boden. Regen, der schon den halben vergangenen Abend vom Himmel fiel, prasselte laut, aber dennoch beruhigend gegen das Fenster. Sie stand auf, ging zu dem kleinen Tisch hinüber auf dem ein Krug mit kühlem Wasser, eine Schüssel und ein Handtuch lag und goss etwas des Wassers in die leere Schüssel. Der Mond schien fahl in das Zimmer und tauchte es in mattes graues Licht. Naryian schöpfte etwas Wasser in ihre Hände und benetzte sich das Gesicht mit dem nassen Kühl. Gedämpft vernahm sie wie die Eingangstür der Herberge aufgestossen wurde und laut wieder zuknallte. Schwere Schritte folgten, dann das Klirren eines Schlüsselbundes und das erneute Zuknallen einer Tür. Die Geräusche liessen sie sich nicht ganz so allein fühlen, als sie sich ihren Gedanken wieder hingab. Mit welchen Erwartungen war sie eigentlich hergekommen und vor allem, was wollte sie?
Die einstigen Erwartungen waren andere gewesen als die, die sie jetzt hatte. Hier weit weg von ihrem zu Hause war sie auf sich gestellt gewesen und musste sich den Dingen alleine stellen Niemand mehr der ihr zuredete oder sagte was sie zu tun oder zu lassen hatte. Das brachte neue Erkenntnisse mit sich, aber auch neue Probleme. Die letzten Tage verbrachte sie oft damit, mit sich selber zu ringen und abzuwägen welchen Weg ihr weiteres Leben nehmen sollte. Als sie beschloss nach Adoran zu ziehen und dem Konzil beitreten wollte, war diese Entscheidung so einfach das sie keine anderen Möglichkeiten in betracht zog. Die Menschen hier waren nett..sicherlich, aber es herrschte auch eine Stimmung nicht nach rechts oder nach links zu blicken. Einigen mochte man sogar Engstirnigkeit und Arroganz vorwerfen können. Und sie selber fühlte sich hier nie ganz wohl. Vielleicht musste sie sich ja erst einleben dachte sie. Und dann kamen ihr Zweifel über sich selbst und erkannte den Grund dafür einfach nicht.

Doch heute fiel der so berühmtberüchtigte Groschen und sie erkannte was ihrem Hadern zugrunde lag und sie konnte sich endlich zu einem Entschluss durchringen.
Den Ausschlag gab..und das gestand sie sich nur mit Unbehagen ein...die Begegnung mit einer Gestalt in der Taverne von Bajard, der für gewöhnlich wohl eher Schrecken entgegengebracht wurde wo sie auftauchte. Doch er war höflich, benahm sich zurückhaltend und so liess sie sich auf ein Gespräch mit ihm ein. Oh er konnte gut reden, sie war ganz sicher nicht die erste die er versuchte zu missionieren und viele ihrer Argumente und Einwände wusste er zu geschickt zu beantworten. Doch es blieb ein bitterer Geschmack zurück und die Gerüchten die sie zuvor immer hörte, bestätigte er ohne grosse Beschönigungen selber. Als er dann endlich ging tat er das nicht ohne eine eindringliche Drohung ob des Gespräches, den Inhalt nicht weiterzugeben. Sie fröstelte als seine menschliche Gestalt direkt vor ihr die eines Raben annahm und er davonflog........... Noch in Gedanken war sie als jemand anderes in die Taverne trat und sich setzte. Die letzten Wochen hatte sie viele Stunden in seiner Gesellschaft verbracht und man konnte sagen es war eine Freundschaft entstanden. Seine Gedankengänge waren in mancher Hinsicht so ganz anders als ihre, doch er rührte an etwas das schon lange in ihr war. Und dies war es möglicherweise auch, was sie die langsam aufkeimenden aber zu unterdrückenden Zweifel an ihrem eingeschlagenen Weg überhaupt erst bewusst werden liess. Oh wie würde ihre Mutter schimpfen und wettern....sie hatte es gewagt selber zu denken und diesem auch noch nachzugeben.....Die Welt war weder schwarz noch weiss...nicht für sie.
Natürlich gab es gewisse Werte die sie anstrebte und nach denen sie lebte. Aber die einst getroffene Entscheidung konnte sie nicht mehr aufrechterhalten und würde sie ihr weiter folgen wäre es wie eine Lüge und ein Biegen. Es fiel ihr einerseits schwer, andererseits auch wieder leicht, doch sie würde das Konzil verlassen um einem anderen Weg zu folgen.

Mit diesen Gedanken ging sie wieder zu ihrem Bett und legte sich hin.
Und dann übermannte sie doch noch der Schlaf.

[img]http://darkrain1.da.funpic.de/4.jpg[/img]

Verfasst: Donnerstag 14. April 2011, 20:17
von Naryian Deriak
Nur ein verlorener Tag

Etwas geknickt sass sie nahe des Standes und blickte auf das unruhige Meer hinaus. Die Wellen schlugen hart gegen aus dem Wasser ragende Steine und die Gischt stieg zischend empor. Am Himmel sammelten sich dunkle, graue Regenwolken. Es roch nach Salz, nach herabgefallenen Blättern, nach Regen. Sie schluckte als sie wieder einmal die Sehnsucht nach Hause packte. Ihren Bruder hatte sie noch immer nicht finden können. Sie schloss die Augen, hoffte das ihm nichts geschehen war. Ein Mann hatte ihr erzählt jemand auf den diese Beschreibung passen könnte, sei vor einer Woche etwa, beladen mit Holz in das Dorf gekommen und wollte es dem Schreiner andrehen. Zerlumpt soll er ausgesehen haben, strähniges rotes Haar und einen ebenso roten Bart. Dies war der einzige Hinweis seit Wochen gewesen und es könnte genauso gut jemand anderes gewesen sein. Die Wälder waren gefährlicher geworden. Gestern erst, als sie aus dem magischen Portal trat, stürmte ihr und ihren Begleitern zwischen den Bäumen hervor unvermittelt ein seltsames, sehr schnelles Wesen entgegen, das zudem noch ausgesprochen stark war. Sollte er sich wirklich in den Wäldern aufhalten...sie war sich nicht sicher ob seine Schwertkunst ausreichen würde, ob er überhaupt ein Schwert besass.
Die Augen öffneten sich wieder. Und nun fing sie doch an zu weinen...einige Tränen rannen ihr übers Gesicht, die sie sich schnell mit dem Ärmel abwischte, obwohl nicht mal jemand in der Nähe war der es hätte sehen können.
Und nun war auch noch der einzige den sie als soetwas wie einen Freund bezeichnet hätte fort.
Neben die Trauer mischte sich Frustration. Sie hoffte das es bald besser werden würde.

Der Frühling brach langsam an und der warme Wind und der Duft der der Blumen hoben trotz allem ein wenig ihre Laune an.

Lieber Vater, verehrte Mutter,

ich hoffe Ihr seid alle wohlauf. Mir geht es gut und meine Studien kommen recht gut vorran.
Das Land hier ist zur Zeit ziemlich unruhig. Überall kriechen Kreaturen aus dem Meer und machen die Umgebung unsicher. Es heisst alles hänge mit einem Dämon zusammen. Aber ich will Euch nicht ängstigen. Ich bin sicher, dass man dieser Plage bald Herr werden wird. Von Sarim habe ich bisher noch nichts gehört. Aber ich lasse Euch, wenn es der Fall sein sollte, sofort Nachricht zukommen.
Grüsst alle lieb von mir.

Eure Tochter


[img]http://darkrain1.da.funpic.de/linie.jpg[/img]

Sie fand keinen Schlaf in dieser Nacht, starrte einfach nur die Decke ihres Zimmer an. Schwere hatte sich in ihrem Herzen ausgebreitet doch selten war sie so schlimm wie jetzt. Was tat sie hier überhaupt noch, fragte sie sich selber und rollte sich auf die Seite. Von draussen floss helles Mondlicht herein und tauchte alles in ein graues Licht. Die Kühle der Nacht und die Geräusche der Blätter im Wind verschafften ihr ein wenig Trost, doch die Traurigkeit überdeckte dies schnell wieder.
Gelacht hatte sie lange nicht mehr, und ihr offenes Lächeln wich mehr und mehr dem Zynismus.
Fühlte sich so Verbitterung an? Wollte sie so sein?
Naryian wälzte sich auf die andere Seite. Sie machte etwas ganz gewaltig falsch in ihrem Leben. Andere kamen doch auch zurecht, warum gelang ihr dies nicht. Jedenfalls konnte es so nicht weitergehen und doch wusste sie nicht wie sie diesen Trostlosen Zustand ändern sollte.
Vielleicht hätte sie auf ihre Mutter hören sollen. "Das ist nicht gut für eine junge Frau, so weit weg von ihrer Familie in einer anderen Stadt zu leben." Würde sie nun sagen. "In deinem Alter war ich schon längst verheiratet und hatte Kinder." Oder:
"Und vor allem solltest du diese lächerlichen Studien lassen. Das ist nichts für Dich. Lern lieber etwas Ordenliches, wie man sich um Haushalt und Kinder kümmert oder nimm eine gute Stelle in einem angesehenen Haushalt an. Das wäre besser für dich." Aber die Mutter hatte schon immer Schwierigkeiten mit ihr gehabt. Schon allein das Naryian begonnen hatte das Handwerk ihres Vaters zu erlernen trieb sie in wilde Aufregung. Und nun trat sie auch noch in die Fussstapfen ihres Grossvaters. Das war etwas womit die strenge Frau nur schwer hatte Umgehen können. Naryian wusste was ihre Mutter davon hielt. Nämlich garnichts. Aber sie war sich auch sicher, dass sie nicht glücklicher geworden wäre, hätte sie gemacht was die Mutter für richtig gehalten hätte. Oder doch?
Ohne eine Antwort zu finden, übermannte sie schliesslich doch der Schlaf. Ein traumloser, unruhiger Schlaf..


[img]http://darkrain1.da.funpic.de/5.jpg[/img]

Verfasst: Freitag 15. April 2011, 18:35
von Naryian Deriak
Das Ende einer Suche

Zwischen den Bäumen stand eine hochgewachsener Mann in abgetragener Kleidung. Bärtig, grimmig dreinschauend und mit einer Axt über der Schulter, so lehnte er gegen einen Stamm. Vor ihm auf dem Boden stapelte sich ein Bündel geschlagener Scheite. Er sah den Feldweg hinunter, in die andere Richtung als aus der Nariyan näherkam.
Fast wäre sie einfach an ihm vorbeigelaufen, hätte ihn nicht erkannt. Doch irgendwas riet ihr genauer hinzuschauen und dann traute sie ihren Augen kaum.
"Sarim..." formten ihre Lippen den Namen des Mannes. Ihre Stimme versagte dabei fast. Er sah zu ihr und weitete die Augen. "Naryian!" Kam es überrascht von ihm. Dann rannte sie auf ihn zu und schloss ihn in die Arme. Er bot keinen angenehmen Geruch dar, schien abgemagerter zu sein und die Haare waren reichlich ungepflegt, doch das war ihr gleich. Sie lachte und weinte vor Freude als sie sein Gesicht in beide Hände nahm und ihn betrachtete.
"Meine Güte, du bist kein Stück hübscher geworden." Sagte sie unter tränenerstickter Stimme. Er lachte leise. "Dafür hast du reichlich zugelegt!" Entgegnete er und zwinkerte ihr zu. Sie knuffte ihn in die Seite und dann hatten sie sich viel zu erzählen. Er berichtete ihr wie er sich bis dahin durchgeschlagen hatte, dass er sich für die Zeit der Plage aus dem Wasser noch tiefer ins Land zurückgezogen hatte und zwischenzeitlich sogar ausgeraubt worden war. Sie ihrerseits berichtete ihm von der Aufnahme in der Akademie, wo und wie sie ihre Zeit verbracht hatte und von den aufwendigen Studien.
Es war wie ein Traum und sie hatte fast Angst er könne zerplatzen wie eine Seifenblase. Doch Sarim war da, leibhaftig und echt. Die Schwermütigkeit die sich in den letzten Wochen wie Ketten um ihr Herz gelegt hatte, fiel auf einmal von ihr ab, sie fühlte sich wieder frei, glücklich und konnte sich auch wieder an den kleinen Dingen des Lebens erfreuen.....den warmen Strahlen der Frühlingssonne, den Blumen und der Brise in den Blättern der Bäume.

[img]http://darkrain1.da.funpic.de/6.jpg[/img]

Verfasst: Samstag 16. April 2011, 12:55
von Naryian Deriak
Ein weiterer Brief an die Heimat

[img]http://darkrain1.da.funpic.de/brief2.jpg[/img]