Letzte Gedanken [Safiya Omar]
Verfasst: Freitag 8. April 2011, 22:07
Letzte Gedanken
Schwer atmend stolperte sie einige Schritte zurück, ehe sie in den Wüstensand sank und sich nach hinten gegen eine der verbliebenen halbhohen und bröckeligen Mauern lehnte, die einst zum alten Palast gehörten. Wie absichernd wanderten die Augen durch die Umgebung der Palastruinen, eher aus Gewohnheit, als dass es jetzt noch eine Rolle gespielt hätte, ob irgendwo noch jemand lauerte. Das Blut, das stetig langsam aus der Wunde seitlich im Brustkorb durch die Rüstung nach außen drang und von dort den Weg hinab suchte, um schließlich im Sand zu versickern, sprach Bände. Sollte sich also noch jemand versteckt halten so brauchte er nur abzuwarten.
Nachdem keine weitere Bewegung auszumachen war, legte sie Schild und Säbel aus der Hand. Es bedurfte einiger Anstrengungen den Helm vom Kopf zu ziehen, aber es gelang, wenn auch unter deutlichen Protesten des Körpers, die sich in einem mühsam unterdrückten Husten äußerten. Ein vorsichtiges Einatmen sorgte für ein leises Keuchen und beförderte ein deutliches blutiges Rinnsal am Mundwinkel zu Tage. Gänzliche Heilung war hier nicht mehr zu erwarten, dessen war sie sich bewusst, aber die heilenden Kräfte der Muttergöttin hatten ihr zumindest noch ein wenig Zeit zum Geschenk gemacht. Genug Zeit um den Kopf zurück lehnen und den Blick mit leicht zusammengekniffenen Augen in Richtung Sonne wenden zu können.
Der Versuch zu sprechen verklang unter blutigem Husten noch ehe sich eine Silbe hatte formen können, so dass sich Worte letztendlich gedanklich ausgesprochen fanden.
...Dass Du einen merkwürdigen Sinn für Humor hast wusste ich schon, als Du mir ausgerechnet genau diesen Dschinn vorbeigeschickt hast...
Ein kurzes Heben des rechten Mundwinkels, als sie eigentlich schon erwartete, dass eben jener ihr aus Protest eine Ladung Sand ins Gesicht werfen würde. Aber er schien diese kleine Spitze heute ausnahmsweise einmal hinzunehmen.
...aber heute hast Du dich selbst übertroffen. Ich wollte die Grabstätten nur aufsuchen und nicht auf dem Weg dorthin das eigene Grab finden...
Langsam glitt der Blick hinunter und voraus über die fünf leblosen Körper, die wenige Schritte vor ihr im Sand lagen. Einige Momente betrachtete sie die mittelmäßigen Waffen, Rüstungen und darüber liegende teils zerschlissene Kleidung, die dennoch deutlich die Farben eines der längst verschwundenen, fast vergessenen Häuser trug. Kurz flackerte Unverständnis in den Augen auf, in Erinnerung an angebliche Gründe für den Hinterhalt, wütende Worte, die ihr bald entgegen gespuckt worden waren. Da war so viel Hass in ihren Augen gewesen. Sie selbst hätte eigentlich gedacht, dass deren Blutlinie längst vollständig versiegt war. Aber vielleicht waren sie die letzten gewesen, einst verstreut, zusammengefunden und Rache suchend, für etwas das meist selbst verschuldet oder selbst gewählt ihren Wege raus aus der Stadt und in die Weiten der Wüste gefunden hatten. Vielleicht waren sie auch nur ein paar familienlose Ausgestoßene, die sich in Farbe und damit Namen eines alten Hauses geeint zusammengeschlossen hatten. Bedauern zeigte sich in den Augen, darüber, dass sie nicht zur Besinnung gekommen waren, nicht zu überzeugen gewesen waren und auch nicht an Flucht dachten, nachdem der Erste der ihren niedergestreckt worden war. Einer hatte es geschafft einen Treffer zu landen, der weder durch sie, ihren Dschinn, noch durch Hilfe Eluives selbst hatte verhindert oder abgeschwächt werden können. So viel Blut war geflossen, zu viel Blut. Und wofür das alles? Hier war heute sinnlos Blut vergossen worden.
Sie krümmte sich zusammen und unter röchelndem schmerzhaften Husten bildete sich ein weiterer roter Fleck im hellen Sand. Wenige Augenblicke starrte sie ihn an, dann lehnte sie sich mühsam wieder zurück und versuchte mit inzwischen vernebeltem Blick die Sonne wieder zu erfassen.
...Du meinst also er kommt jetzt allein zurecht, ja? Ich kann dem nicht widersprechen. Er wird es gut machen. Gib auf ihn Acht, bitte...
Ein flüchtiges Lächeln legte sich auf ihre Lippen.
...Hab Dank für deine Führung, die auferlegten Prüfungen, die notwendige Kraft sie zu bestehen und für dein Geleit. Hab Dank für meinen Sohn, und dafür, dass er nicht nur die Verrücktheiten seines Vaters geerbt hat, sondern er neben notwendigen Träumen auch einen so klaren Blick und verlässlichen Verstand aufweist. Und wenn es nicht zu viel verlangt ist, was auch immer jetzt passiert, hetze mir nicht gleich Aasim auf den Hals...
Ein flüchtiges Grinsen, dann wurde der kleine und wohl letzte Spaß von einem neuerlichen schweren Keuchen und Husten unterbrochen.
...Schon gut, schon gut. Ich denke ich bin soweit...
Der Blick und die linke Hand legten sich gleichsam auf den Schild.
...Ich denke wir haben uns, ob wir wollten oder nicht, ganz gut geschlagen heute. Meinen Dank für deinen Beistand all die Jahre. Und auch wenn wir uns gerne gegenseitig Kopfschmerzen verursacht haben, ich hätte Dich nicht missen wollen. Sieht so aus, als hättest du schlussendlich doch gewonnen. Du bist wieder frei...
Mit einem letzten Lächeln nahm sie wahr, wie der Schild sich langsam auflöste und zu Sand zerfiel. Unzählige weitere Sandkörner fanden den Weg durch ihre Rüstung hindurch nach draußen, als hätten sie zuvor wie eine zweite Haut ihren Körper umgeben. Das Lächeln blieb als sie blinzelnd der sich bildenden Sandwolke nachsah, die sich alsbald in Luft auflöste. Ein letzter kaum merklicher Atemzug mit dem sie sich in die Hände der Muttergöttin begab.
Schwer atmend stolperte sie einige Schritte zurück, ehe sie in den Wüstensand sank und sich nach hinten gegen eine der verbliebenen halbhohen und bröckeligen Mauern lehnte, die einst zum alten Palast gehörten. Wie absichernd wanderten die Augen durch die Umgebung der Palastruinen, eher aus Gewohnheit, als dass es jetzt noch eine Rolle gespielt hätte, ob irgendwo noch jemand lauerte. Das Blut, das stetig langsam aus der Wunde seitlich im Brustkorb durch die Rüstung nach außen drang und von dort den Weg hinab suchte, um schließlich im Sand zu versickern, sprach Bände. Sollte sich also noch jemand versteckt halten so brauchte er nur abzuwarten.
Nachdem keine weitere Bewegung auszumachen war, legte sie Schild und Säbel aus der Hand. Es bedurfte einiger Anstrengungen den Helm vom Kopf zu ziehen, aber es gelang, wenn auch unter deutlichen Protesten des Körpers, die sich in einem mühsam unterdrückten Husten äußerten. Ein vorsichtiges Einatmen sorgte für ein leises Keuchen und beförderte ein deutliches blutiges Rinnsal am Mundwinkel zu Tage. Gänzliche Heilung war hier nicht mehr zu erwarten, dessen war sie sich bewusst, aber die heilenden Kräfte der Muttergöttin hatten ihr zumindest noch ein wenig Zeit zum Geschenk gemacht. Genug Zeit um den Kopf zurück lehnen und den Blick mit leicht zusammengekniffenen Augen in Richtung Sonne wenden zu können.
Der Versuch zu sprechen verklang unter blutigem Husten noch ehe sich eine Silbe hatte formen können, so dass sich Worte letztendlich gedanklich ausgesprochen fanden.
...Dass Du einen merkwürdigen Sinn für Humor hast wusste ich schon, als Du mir ausgerechnet genau diesen Dschinn vorbeigeschickt hast...
Ein kurzes Heben des rechten Mundwinkels, als sie eigentlich schon erwartete, dass eben jener ihr aus Protest eine Ladung Sand ins Gesicht werfen würde. Aber er schien diese kleine Spitze heute ausnahmsweise einmal hinzunehmen.
...aber heute hast Du dich selbst übertroffen. Ich wollte die Grabstätten nur aufsuchen und nicht auf dem Weg dorthin das eigene Grab finden...
Langsam glitt der Blick hinunter und voraus über die fünf leblosen Körper, die wenige Schritte vor ihr im Sand lagen. Einige Momente betrachtete sie die mittelmäßigen Waffen, Rüstungen und darüber liegende teils zerschlissene Kleidung, die dennoch deutlich die Farben eines der längst verschwundenen, fast vergessenen Häuser trug. Kurz flackerte Unverständnis in den Augen auf, in Erinnerung an angebliche Gründe für den Hinterhalt, wütende Worte, die ihr bald entgegen gespuckt worden waren. Da war so viel Hass in ihren Augen gewesen. Sie selbst hätte eigentlich gedacht, dass deren Blutlinie längst vollständig versiegt war. Aber vielleicht waren sie die letzten gewesen, einst verstreut, zusammengefunden und Rache suchend, für etwas das meist selbst verschuldet oder selbst gewählt ihren Wege raus aus der Stadt und in die Weiten der Wüste gefunden hatten. Vielleicht waren sie auch nur ein paar familienlose Ausgestoßene, die sich in Farbe und damit Namen eines alten Hauses geeint zusammengeschlossen hatten. Bedauern zeigte sich in den Augen, darüber, dass sie nicht zur Besinnung gekommen waren, nicht zu überzeugen gewesen waren und auch nicht an Flucht dachten, nachdem der Erste der ihren niedergestreckt worden war. Einer hatte es geschafft einen Treffer zu landen, der weder durch sie, ihren Dschinn, noch durch Hilfe Eluives selbst hatte verhindert oder abgeschwächt werden können. So viel Blut war geflossen, zu viel Blut. Und wofür das alles? Hier war heute sinnlos Blut vergossen worden.
Sie krümmte sich zusammen und unter röchelndem schmerzhaften Husten bildete sich ein weiterer roter Fleck im hellen Sand. Wenige Augenblicke starrte sie ihn an, dann lehnte sie sich mühsam wieder zurück und versuchte mit inzwischen vernebeltem Blick die Sonne wieder zu erfassen.
...Du meinst also er kommt jetzt allein zurecht, ja? Ich kann dem nicht widersprechen. Er wird es gut machen. Gib auf ihn Acht, bitte...
Ein flüchtiges Lächeln legte sich auf ihre Lippen.
...Hab Dank für deine Führung, die auferlegten Prüfungen, die notwendige Kraft sie zu bestehen und für dein Geleit. Hab Dank für meinen Sohn, und dafür, dass er nicht nur die Verrücktheiten seines Vaters geerbt hat, sondern er neben notwendigen Träumen auch einen so klaren Blick und verlässlichen Verstand aufweist. Und wenn es nicht zu viel verlangt ist, was auch immer jetzt passiert, hetze mir nicht gleich Aasim auf den Hals...
Ein flüchtiges Grinsen, dann wurde der kleine und wohl letzte Spaß von einem neuerlichen schweren Keuchen und Husten unterbrochen.
...Schon gut, schon gut. Ich denke ich bin soweit...
Der Blick und die linke Hand legten sich gleichsam auf den Schild.
...Ich denke wir haben uns, ob wir wollten oder nicht, ganz gut geschlagen heute. Meinen Dank für deinen Beistand all die Jahre. Und auch wenn wir uns gerne gegenseitig Kopfschmerzen verursacht haben, ich hätte Dich nicht missen wollen. Sieht so aus, als hättest du schlussendlich doch gewonnen. Du bist wieder frei...
Mit einem letzten Lächeln nahm sie wahr, wie der Schild sich langsam auflöste und zu Sand zerfiel. Unzählige weitere Sandkörner fanden den Weg durch ihre Rüstung hindurch nach draußen, als hätten sie zuvor wie eine zweite Haut ihren Körper umgeben. Das Lächeln blieb als sie blinzelnd der sich bildenden Sandwolke nachsah, die sich alsbald in Luft auflöste. Ein letzter kaum merklicher Atemzug mit dem sie sich in die Hände der Muttergöttin begab.