Das Grab eines namenlosen Kindes...
Verfasst: Samstag 24. Dezember 2005, 01:00
...das Feuer loderte und der Rauch trieb uns aus der Stadt hinaus. Im Norden hatten einige Handwerker eine provisorische Brücke errichtet, welche von zwei Pferden gezogen ward. Wie durch ein Wunder hielt jenes Bauwerk und so sammelten wir, jene welche durch Temoras Gnade unverletzt geblieben waren, unsere weniger glücklichen Brüder und Schwestern und brachten sie zu jener Brücke.
Unter Hilfestellung wurden die Verletzten über das provisorische Werk geführt oder gar getragen. Plötzlich erklang das Schreien eines Babys durch die Luft und eine der Helferin kam zu mir und trug ein Kind bei sich... die junge Helferin ward völlig überfordert und so bat sie mich, auf das Kinde einer Frau aufzupassen, welche der Ohnmacht verfallen, auf einer Bahre darniederlag. Ein Lächeln glitt über meine Züge und so nahm ich das strampelte Bündel entgegen und ich beugte mich hinab zu der ohnmächtigen Mutter und schwor ihr, in der Hoffnung das meine Stimme ihren dämmerigen Schlaf zu durchdringen vermochte, das ich auf das Kind aufpassen würde und es mit meinem Leben behüten würde.
Einen Moment entfernte sich mein Blick von der Brücke und legte sich auf das sanfte braune Haar und die unschuldigen Augen des Kindes, wie es in seiner frischen Unschuld die Welt um sich erkundete, ohne etwas von Angst und Furcht seiner Umgebung wahr zu nehmen, alleine wohl fühlend über die Aufmerksamkeit die ihm geschenkt wurde. Es ergriff meine Haare und gab diese typischen, kindlichen laute von sich, die mein Herz in diesen dunklen Momenten erhellten.
Dann Splittern von Holz, ein Schrei... Angst und Wut in den Mienen der mich umgebenden. Ich sah auf und was ich sah trieb mir kalten Schweiß über den Rücken, die Brücke, welche die Hoffnung der Flüchtenden war, eingestürzt unter dem Gewicht eines Pferdes, was eine Frau in einem Anflug von Panik erzeugter Umnachtung, über die Brücke führte.
Eisige Gedanken zuckten durch meinen Kopf... keine Chance, Feuer im Rücken, Wasser vor mir... Angst... doch etwas holte meine Gedanken zurück in die Gegenwart: das fröhliche Glucksen des Kindes in meinem Arm... für dieses Kind musste ich es wagen, das Kind fest an mich drückend begab ich mich in die eisigen Fluten des Stromes...
Ein unheimlicher Schock als das eisige Wasser um mich floss... wie eine kalte Klaue schlug die Kälte bis tief in meine Eingeweide... das Kind schrie und Panik erfasste mich... ich musste es aus dem Wasser schaffen, um den Willen des Kindes... ein Ruf und ein geworfenes Seil, welches ich in Panik ergriff... heftiges Zerren und dann wurde mein Körper aus dem Wasser gezerrt, das Kind meinen Armen entnommen... aber nein, ich war es welche ein Versprechen gegeben hatte, ohne auf das Brennen meiner Haut und das Pochen in meinem Kopf zu achten, drehte ich mich nach dem Kind, doch der Anblick ließ mich erstarren.
Das kindliche Gesicht von Schmerz verzerrt, in einem letzten ungehörten Schrei geöffnet... die Haut bleich... nein, fast bläulich... und leblos... der Körper kalt... ein brennendes Gefühl schoss in meinen Hals und ich spürte Tränen aus meinen Augen rinnen, welche auf meiner eiskalten Haut wie Feuer brannten... mit schluchzender Kehle nahm ich den leblosen Körper des Kindes wieder an mich und presste ihn eng an meinen Körper... verloren... dieses Kind hatte das Leben verloren... durch meine Schuld... hätte ich es beschützen können? Hatte ich es doch bei Temora geschworen... mein Kopf pochte und mein Hals war geschwollen... Tränen brannten auf meiner Wange und schwarze Trauer schlug über mir zusammen....
Zweifel und Leid bohrten sich scharf wie tausend Messer in meinen Körper und vor Schwäche zitterten meine Beine und meine Arme... vom anschließenden Marsch zum Kloster der Paladine merkte ich nichts... mein Geist war wie Gelähmt vor Entsetzen und Schuldgefühlen und noch heute steigen die Tränen der Hilflosigkeit in mir auf, wenn ich daran denke...
Wenig weiß ich noch von dieser Reise, nur das meine Vertraute Clarissa Ilvess mich auf ihrem Pferde reiten ließ, doch noch während der Reise raubte mir meine eigene Entkräftung und die Verzweiflung meines Herzens die Sinne und ich stürzte aus dem Sattel gen Boden... ich schlug auf dem eingeweichten Boden auf und dann war alles Schwarz...
Das nächste was ich weiß ist, das ich die Augen öffnete. Mein Körper war umhüllt von warmen Decken. Das körperliche Leiden schien geschwunden, wohl ob der Behandlung Virginies wie ich später erfuhr, doch das seelische Leiden plagte mich nach wie vor und es lag wie ein schwarzer Schatten über meinem Herzen und wären nicht meine zwei Vertrauten, Clarissa und Virginie, dort gewesen und hätten mir die seelische Kraft gegeben, wäre meine Seele wohl in der Finsternis der Verzweiflung der Situation zerflossen. Dann fiel mein Blick auf das Bündel, welches den Leichnam des Kindes beherbergte, das zu retten ich nicht die Kraft gehabt hatte... wieder tauchte vor meinem inneren Auge die schmerzverzerrte Fratze des Kindes auf und wäre ich alleine Gewesen, wäre ich wohl wieder in Tränen ausgebrochen, schon spürte ich meine Augen brennen. Dann riss mich der Schlaf erneut fort....
Erst am nächsten Morgen schlug ich die Augen auf, doch trotz meiner Schwäche erfüllte mich ein unendlicher Tatendrang und ich erhob mich, lange bevor das Alltagsleben Einzug in das Kloster hielt. Mit dem Wunsch im Herzen dem Kind die letzte Ruhe zu gewähren, ergriff ich das Bündel mit dem toten Leib in diesem und stieg die marmornen Treppen hinab und entwischte durch die Pforten in den blühenden Garten das Paladinklosters. Eine unendliche Ruhe umgab den Ort, was ich allerdings zu jener Zeit kaum wahrnahm. Wie eine Schlafwandlerin bewegte ich mich durch die Pflanzen an das Ufer des Flusses, bis mich meine Füße an eine geeignete Stelle führten, dort legte ich vorsichtig das Bündel an einer, vor dem Regen geschützten Stelle, unter einem Baume, nieder. Dort begann ich mit einem Dolche die weiche, feuchte Erde aufzubrechen und mit meinen Händen eine Kuhle in den Boden zu graben... Dreck und nasse Erde blieb an meinen Händen kleben, doch ich hielt nicht Inne. Erst als ich der Meinung war, dass jenes Loch tief genug war, legte ich das Bündel vorsichtig hinein. Ich befreite das leblose Kindergesicht und strich noch einmal, voller Demut, mit meinen dreckigen Fingern über die eiskalte Wange... Dann scharrte die Erde wieder über das Loch. Ich erhob mich und ging mit wackeligen Beinen zum Ufer des nahen Flusses und suchte mit dem Blicke, bis ich fand was mir gefiel, einen großen Stein. Mit letzter Kraft stemmte ich mich gegen diesen, schob und zerrte bis ich ihn über das Grab des Kindes gezogen... kraftlos sank ich vor dem Stein nieder, wobei meine Hand auf den länglichen Dolch glitt, welchen ich auch als Grabeshilfe verwendete... ich ergriff diesen und ohne groß zu überlegen, zog ich ihn über den Stein und erzeugte mit einiger Mühe das gekratzte Abbild eines Adlers auf diesem... dann ritzte ich die Worte „Temora beschütze dich“ unter dieses Bildnis.
Einen Moment hielt ich andächtig Inne, ehe ich mich vor das Grabe kniete und mit einem Gebete und der Anrufung der Gnade Temoras die letzte Ruhestätte des Kindes segnete.
Möge Temora seine junge Seele bei sich aufnehmen und auf ewig behüten. Noch einen Moment verharrte ich in stiller Andacht, ehe ich mich auf dem Weg zurück ins Kloster machte. Niemand erfuhr davon, was ich an diesem Morgen getan hatte.
Ich hoffe die Seele des Kindes möge mir vergeben.....
Aus dem Tagebuch von Sanjana Valeth
Unter Hilfestellung wurden die Verletzten über das provisorische Werk geführt oder gar getragen. Plötzlich erklang das Schreien eines Babys durch die Luft und eine der Helferin kam zu mir und trug ein Kind bei sich... die junge Helferin ward völlig überfordert und so bat sie mich, auf das Kinde einer Frau aufzupassen, welche der Ohnmacht verfallen, auf einer Bahre darniederlag. Ein Lächeln glitt über meine Züge und so nahm ich das strampelte Bündel entgegen und ich beugte mich hinab zu der ohnmächtigen Mutter und schwor ihr, in der Hoffnung das meine Stimme ihren dämmerigen Schlaf zu durchdringen vermochte, das ich auf das Kind aufpassen würde und es mit meinem Leben behüten würde.
Einen Moment entfernte sich mein Blick von der Brücke und legte sich auf das sanfte braune Haar und die unschuldigen Augen des Kindes, wie es in seiner frischen Unschuld die Welt um sich erkundete, ohne etwas von Angst und Furcht seiner Umgebung wahr zu nehmen, alleine wohl fühlend über die Aufmerksamkeit die ihm geschenkt wurde. Es ergriff meine Haare und gab diese typischen, kindlichen laute von sich, die mein Herz in diesen dunklen Momenten erhellten.
Dann Splittern von Holz, ein Schrei... Angst und Wut in den Mienen der mich umgebenden. Ich sah auf und was ich sah trieb mir kalten Schweiß über den Rücken, die Brücke, welche die Hoffnung der Flüchtenden war, eingestürzt unter dem Gewicht eines Pferdes, was eine Frau in einem Anflug von Panik erzeugter Umnachtung, über die Brücke führte.
Eisige Gedanken zuckten durch meinen Kopf... keine Chance, Feuer im Rücken, Wasser vor mir... Angst... doch etwas holte meine Gedanken zurück in die Gegenwart: das fröhliche Glucksen des Kindes in meinem Arm... für dieses Kind musste ich es wagen, das Kind fest an mich drückend begab ich mich in die eisigen Fluten des Stromes...
Ein unheimlicher Schock als das eisige Wasser um mich floss... wie eine kalte Klaue schlug die Kälte bis tief in meine Eingeweide... das Kind schrie und Panik erfasste mich... ich musste es aus dem Wasser schaffen, um den Willen des Kindes... ein Ruf und ein geworfenes Seil, welches ich in Panik ergriff... heftiges Zerren und dann wurde mein Körper aus dem Wasser gezerrt, das Kind meinen Armen entnommen... aber nein, ich war es welche ein Versprechen gegeben hatte, ohne auf das Brennen meiner Haut und das Pochen in meinem Kopf zu achten, drehte ich mich nach dem Kind, doch der Anblick ließ mich erstarren.
Das kindliche Gesicht von Schmerz verzerrt, in einem letzten ungehörten Schrei geöffnet... die Haut bleich... nein, fast bläulich... und leblos... der Körper kalt... ein brennendes Gefühl schoss in meinen Hals und ich spürte Tränen aus meinen Augen rinnen, welche auf meiner eiskalten Haut wie Feuer brannten... mit schluchzender Kehle nahm ich den leblosen Körper des Kindes wieder an mich und presste ihn eng an meinen Körper... verloren... dieses Kind hatte das Leben verloren... durch meine Schuld... hätte ich es beschützen können? Hatte ich es doch bei Temora geschworen... mein Kopf pochte und mein Hals war geschwollen... Tränen brannten auf meiner Wange und schwarze Trauer schlug über mir zusammen....
Zweifel und Leid bohrten sich scharf wie tausend Messer in meinen Körper und vor Schwäche zitterten meine Beine und meine Arme... vom anschließenden Marsch zum Kloster der Paladine merkte ich nichts... mein Geist war wie Gelähmt vor Entsetzen und Schuldgefühlen und noch heute steigen die Tränen der Hilflosigkeit in mir auf, wenn ich daran denke...
Wenig weiß ich noch von dieser Reise, nur das meine Vertraute Clarissa Ilvess mich auf ihrem Pferde reiten ließ, doch noch während der Reise raubte mir meine eigene Entkräftung und die Verzweiflung meines Herzens die Sinne und ich stürzte aus dem Sattel gen Boden... ich schlug auf dem eingeweichten Boden auf und dann war alles Schwarz...
Das nächste was ich weiß ist, das ich die Augen öffnete. Mein Körper war umhüllt von warmen Decken. Das körperliche Leiden schien geschwunden, wohl ob der Behandlung Virginies wie ich später erfuhr, doch das seelische Leiden plagte mich nach wie vor und es lag wie ein schwarzer Schatten über meinem Herzen und wären nicht meine zwei Vertrauten, Clarissa und Virginie, dort gewesen und hätten mir die seelische Kraft gegeben, wäre meine Seele wohl in der Finsternis der Verzweiflung der Situation zerflossen. Dann fiel mein Blick auf das Bündel, welches den Leichnam des Kindes beherbergte, das zu retten ich nicht die Kraft gehabt hatte... wieder tauchte vor meinem inneren Auge die schmerzverzerrte Fratze des Kindes auf und wäre ich alleine Gewesen, wäre ich wohl wieder in Tränen ausgebrochen, schon spürte ich meine Augen brennen. Dann riss mich der Schlaf erneut fort....
Erst am nächsten Morgen schlug ich die Augen auf, doch trotz meiner Schwäche erfüllte mich ein unendlicher Tatendrang und ich erhob mich, lange bevor das Alltagsleben Einzug in das Kloster hielt. Mit dem Wunsch im Herzen dem Kind die letzte Ruhe zu gewähren, ergriff ich das Bündel mit dem toten Leib in diesem und stieg die marmornen Treppen hinab und entwischte durch die Pforten in den blühenden Garten das Paladinklosters. Eine unendliche Ruhe umgab den Ort, was ich allerdings zu jener Zeit kaum wahrnahm. Wie eine Schlafwandlerin bewegte ich mich durch die Pflanzen an das Ufer des Flusses, bis mich meine Füße an eine geeignete Stelle führten, dort legte ich vorsichtig das Bündel an einer, vor dem Regen geschützten Stelle, unter einem Baume, nieder. Dort begann ich mit einem Dolche die weiche, feuchte Erde aufzubrechen und mit meinen Händen eine Kuhle in den Boden zu graben... Dreck und nasse Erde blieb an meinen Händen kleben, doch ich hielt nicht Inne. Erst als ich der Meinung war, dass jenes Loch tief genug war, legte ich das Bündel vorsichtig hinein. Ich befreite das leblose Kindergesicht und strich noch einmal, voller Demut, mit meinen dreckigen Fingern über die eiskalte Wange... Dann scharrte die Erde wieder über das Loch. Ich erhob mich und ging mit wackeligen Beinen zum Ufer des nahen Flusses und suchte mit dem Blicke, bis ich fand was mir gefiel, einen großen Stein. Mit letzter Kraft stemmte ich mich gegen diesen, schob und zerrte bis ich ihn über das Grab des Kindes gezogen... kraftlos sank ich vor dem Stein nieder, wobei meine Hand auf den länglichen Dolch glitt, welchen ich auch als Grabeshilfe verwendete... ich ergriff diesen und ohne groß zu überlegen, zog ich ihn über den Stein und erzeugte mit einiger Mühe das gekratzte Abbild eines Adlers auf diesem... dann ritzte ich die Worte „Temora beschütze dich“ unter dieses Bildnis.
Einen Moment hielt ich andächtig Inne, ehe ich mich vor das Grabe kniete und mit einem Gebete und der Anrufung der Gnade Temoras die letzte Ruhestätte des Kindes segnete.
Möge Temora seine junge Seele bei sich aufnehmen und auf ewig behüten. Noch einen Moment verharrte ich in stiller Andacht, ehe ich mich auf dem Weg zurück ins Kloster machte. Niemand erfuhr davon, was ich an diesem Morgen getan hatte.
Ich hoffe die Seele des Kindes möge mir vergeben.....
Aus dem Tagebuch von Sanjana Valeth