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Der Anfang und das Ziel: Eine Geschichte des Weges

Verfasst: Sonntag 20. März 2011, 20:36
von Luthor Helborg
Luthor ging immer wieder auf und ab, in dem kalten, leeren Raum. Er machte seit nunmehr einer Stunde nichts anderes. Die Stirn war in Falten gelegt, die Hände hinter dem Rücken verschränkt. Jede Menge Gedanken schossen ihm durch den Kopf, doch in irgendeiner Art und Weise drehten sich dies alle um "sie".

Das Regiment ! Das durfte doch nicht wahr sein. Er redete nie über seine Vergangenheit, jedenfalls nie mehr, als er musste. Doch hatte er sich eigentlich geschworen, nie wieder in seinem Leben eine Waffe zu ziehen, nur weil ein Befehlshaber dies von ihm verlangte. Nie wieder wollte er sich in eine Hierarchie des Militärs drängen lassen. Dafür hatte er zu viel gesehen, und, vor allem, zu viel erlebt.

"Wenn Ihr Euch wirklich dem Regiment anschließt, werden wir uns in Zukunft sicherlich öfter sehen, Herr Helborg !"

War es bei diesem Satz dann überhaupt noch eine Frage, ob er sich bewerben sollte, oder nicht ... ? Nein, natürlich stand es ausser Frage, auch wenn er wusste, dass er sich in die Höhle des Löwen begeben würde. Der Oberst schien ihm genauso zu misstrauen, wie ihr gesamter Haushalt. Doch im Gegensatz zum Haushalt, lies er Luthor das durch gezielt plazierte Spitzen auch merken. Zumindest war es so an jenem Abend, in der Taverne. Doch all dies bereitete ihm keine Sorgen. Vor allem nicht, da er es an jenem Abend erneut geschafft hatte "sie" zum Lächeln zu bringen. Nicht dieses aufgesetzte Lächeln aus Höflichkeit, sondern ein aufrichtiges, ernst gemeintes Lächeln.



Kurz hob er den Blick, und starrte zur Tür, in seinem rastlosen Gang inne haltend. Was zum Henker dauerte denn so lange ... ? Luthor hasste es zu warten. Warten, das war eine Sache, welche nur dann zum tragen kam, wenn man auf jemand anderen angewiesen war. Und das war es, was er so hasste: Auf jemanden angewiesen zu sein. Ein leises Murren verlies seine Lippen, und genau in diesem Moment begann es zu klopfen. Mit großen Schritten stapfte er zur Tür, und riss sie förmlich auf. Vor ihm stand wieder das altbekannte Gesicht. Ohne auch nur ein Wort zu wechseln, wurde Luthor ein Päckchen gereicht. Jenes in den Händen haltend, wendete er sich um, gab der Tür mit dem Fuss einen Stoss, begab sich ins innere des leeren Hauses. Ein zufriedenes Lächeln bildete sich auf seinen Lippen. Ja, der Kerl kostete Luthor ein kleines Vermögen, aber egal was Luthor wollte, er bekam es in kürzester Zeit geliefert. Seien es Informationen, wie dass "sie" die Kette bereits einige Male getragen hatte, oder Waren, wie sie sich in diesem Päckchen befanden.

Dieses mal, so war er sich sicher, würde er es schaffen, "sie" in der Tat zu verblüffen. Er stellte das Päckchen, ohne es zu öffnen, auf dem Boden ab, und machte sich auf den Weg. Der all abendliche Spaziergang stand an. Und er fragte sich, wie lange es wohl dauern würde, bis er eines Abends an "ihrem" Haus abgefangen werden würde ...
Doch auch das würde ihm keine Sorgen bereiten. Morgen würde er das Päckchen öffnen, und es würde auch morgen sein, wenn er den ersten, ernsthaften und richtigen, Schritt, in die Richtung seines Ziels gehen würde. Vor seinem inneren Auge war der Plan genauestens durchdacht.

Verfasst: Freitag 25. März 2011, 01:07
von Luthor Helborg
Da stand er nun wieder, in seiner leeren Wohnung. Nun gut, volkommen leer war sie nicht mehr, immerhin die Gemälde wurden ihm heute geliefert ... Vielleicht sollte er eines davon an die Decke hängen, so konnte er es sich wenigstens betrachten solange er auf dem Boden schlief ... Luthor brummte leise. Seit nunmehr einer Woche musste er warten, dabei versicherte ihm der Händler alles im Handumdrehn zu besorgen. Er ging zum Fenster und setzte sich auf die Truhe aus Eichenholz. Abgesehen davon, dass jene, neben den Gemälden, das einzige war, was den Raum "füllte", enthielt sie die wenigen Habseligkeiten, welche er aus seiner Heimat mit hierher gebracht hatte. Er blickte aus dem Fenster und betrachtete, wie immer wenn die Nacht klar und es ihm so möglich war, die winzigen Lichter der fernen Residenz ... Ob "sie" schon schlief ... ? Vielleicht würde "sie" ja auch zu später Stunde noch ein wenig in einem Buch stöbern ... und vielleicht würde sein Geschenk ihr ja dabei behilflich sein. Vielleicht schlief "sie" aber auch schon lange, ermüdet von langen Gesprächen und dem üblichen, täglichen Arbeiten ... Terminen ....

Vielleicht, vielleicht, vielleicht ...

Das einzige dessen er sich sicher sein konnte, war das er "sie" in der Tat am gestrigen Abend verblüfft hatte... Es gibt Momente im Leben, in welchen man einfach nicht überlegt. Man tut Dinge, von denen man weiss sie haben bestimmte Konsequenzen ... Man weiss sie sind unangebracht ... Und man tut sie dennoch ! Es mag verschiedene Gründe dafür geben, aber meist ist es der selbe: Man wird innerlich aufgefressen, wenn man es eben NICHT tut ...

Von aussen betrachtet, lagen die Dinge auf der Hand. Hätte er jemanden von seinem Vorhaben erzählt, so hätte jeder ihm abgeraten ... Manch einer hätte ihm wohl sogar nachgesagt, er habe seinen Verstand verloren. Aber so war er nunmal, er tat stets das, was er dachte ... Natürlich, "sie" selbst sagte ihm, er solle ihr keine Geschenke mehr machen. Doch war das, was er ihr am gestrigen Abend "schenkte" kein gewöhnliches Geschenk. Es war nichts, was man behalten konnte, anderen zeigen konnte, oder gar verstecken musste, damit es niemand sieht. Und dennoch war es etwas sehr persönliches, etwas besonderes...

Luthor legte die Hände auf den Knien ab, und beugte sich etwas mehr nach vorne, die weit entfernte Szenerie betrachtend. Und eintausend Dinge schossen ihm durch den Kopf. Ja, er hätte wissen müssen wie "sie" reagieren würde, es lag in der Natur der Sache. Er wusste genau wer "sie" war und welche Position "sie" inne hatte. Wer war er denn schon im Vergleich dazu ? Und dennoch spürte er keine Reue ... kein Bedauern ... ja, er war sogar überzeugt das es richtig war. Doch einfacher würde es auf keinen Fall für ihn werden. Am Haus durfte er sich nicht aufhalten, und "sie" während ihrer Arbeit aufzusuchen wäre zur Zeit mit Sicherheit auch keine gute Idee.....

Er sog langsam tief die Luft durch die Nase ein. Aufgeben würde er mit Sicherheit nicht ... das wäre zu einfach ... Und würde er nun aufgeben, so wäre das in der jetzigen Situation lediglich ein Zeichen der Schwäche ... "sie" würde zwangsläufig seine Motive in Frage stellen, und seine Glaubwürdigkeit wäre verloren ... Nein, auch wenn "sie" mit Sicherheit davon ausging - wahrscheinlich sogar damit rechnete - das er nun aufgeben würde, so war der gestrige Abend für ihn sogar eher noch ein Ansporn ... Denn trotz ihrer Reaktion, für einen kurzen, kleinen Moment, war da dieses Lächeln. Jenes, welches für ihn, seitdem er es das erste mal sah, überhaupt erst der Ansporn war, diesen Weg einzuschlagen ....

Ein Klopfen an der Tür lies ihn aufschrecken. Er erhob sich langsam, und mit schweren Schritten ging er zur Tür. Vor ihm stand ein Junge in gehobener Kleidung. Er grinste Luthor nur schief an, und überreichte ihm einen Brief. Luthor nahm ihn entgegen, drückte dem Jungen eine Münze in die Hand und ging wieder ins innere. Als er wieder auf seiner Truhe Platz nahm, öffnete er den Umschlag, und las die wenigen Zeilen.

Zum ersten Mal an diesem Tag begann er zu lächeln. Er steckte den Brief weg und blickte wieder aus dem Fenster. Am ersten Tag der kommenden Woche wäre es also so weit, der Oberst hatte ihn eingeladen .... Das Schicksal hielt einem doch immer eine Türe offen ... immer noch lächelnd fixierte er mit seinem Blick wieder einen gewissen Punkt in der Ferne. In seinem Kopf kreiste immer wieder der eine Satz:

"Wenn ihr wirklich dem Regiment beitretet, werden wir uns in Zukunft mit Sicherheit öfter einmal sehen!"

Verfasst: Sonntag 3. April 2011, 12:06
von Luthor Helborg
Die Farben sagte ihm gar nicht zu ! Aber das schien ja normal zu sein. Es war in seiner Heimat nicht anders, und anscheinend war er der einzige, der über die Zweckmäßigkit einer Farbwahl bei einer militärischen Organisation Gedanken machte. Doch war das in der Tat nur eine Kleinigkeit. Größere Sorgen bescherte ihm seine Rüstung. Natürlich konnte er kaum erwarten das eigens für ihn eine neue und passgenaue Rüstung bereit stand. Ein wenig verdutzt war er aber über die "Passgenauigkeit" schon.

"Haben in diesem Regiment bisher nur Frauen und Zwerge gedient ?" , fragte er sich selbst und hob dabei die Lippen zu einem Schmunzeln an.

Aber wie dem auch sei, er musste ohnehin einen Schmied aufsuchen, da konnte er dann auch gleich die Rüstung anpassen lassen. Die Aufnahme in das Regiment war nun also geschafft, eine Einweisung hatte er bereits direkt vom Oberst bekommen, und überraschender Weise stellte sich die Gardistin Niowe als mehr als hilfsbereit heraus. Die Hierarchie war im Grunde die selbe wie damals, doch gab es schon einge ... nunja ... Besonderheiten ... zumindest in seinen Augen. Sobald sein normaler Dienst beginnen würde, würde er sich auch an den Rest gewöhnen, da war er sich sicher. Ebenso sicher war er sich das der Oberst ihn besonders im Auge behalten würde. Alleine die Fragen, welche er ihm bei seiner Aufnahme in das Regiment stellte, führten ihm das klar vor Augen. Doch konnte Luthor zur Zeit nicht mehr tun als abzuwarten. Und so verpackte er die Rüstung wieder sorgfältig und verstaute sie in der alten Eichenkiste dort am Fenster.

Nachdem er die Truhe wieder geschlossen hatte, fiel sein Blick auf den verpackten Gegenstand, welcher direkt neben der Truhe stand und an der Wand lehnte. Der schwere, braune Stoff, welcher als Verpackung diente, lies den Betrachter nur erahnen, was hier genau verhüllt wurde. Luthor lächelte für einen Moment auf. Es war in der Tat perfekt geworden, zumindest aus seiner Sicht. Und er konnte es kaum erwarten "ihr" Gesicht zu sehen, wenn sie es in den Händen halten würde. Doch leider blieb ihm im Moment nur die Vorfreude, denn immer noch fehlte eine Kleinigkeit, und egal wieviele Botschaften er dem Handwerker zukommen lies, immer wieder wurde er vertröstet.

"Ein Meisterstück braucht nunmal Zeit, Herr Helborg! Und ihr habt ausdrücklich ein Meisterstück bestellt !"
Also musste er sich in Geduld üben .... und diese Zeit nutzte er unter anderem dafür zu überlegen, wie er "ihr" diese kleine Aufmerksamkeit zukommen lassen könnte. Natürlich hatte er auch dafür bereits eine idee ... Doch würde er hierfür die Hilfe einer anderen Person benötigen, auch wenn diese vielleicht nicht wissen würde, was genau sie da gerade tut... Nun, solange der Handwerker auf sich warten lies, hatte er ja genügend Zeit sich noch ein wenig den Kopf zu zerbrechen. Fest stand für ihn nur, dass er dabei sein musste wenn "sie" das Geschenk auspacken würde. Natürlich bewahrte "sie" stets die Haltung, aber es waren stets die ersten paar Augenblicke, in welchen dieses besondere Lächeln auf "ihren" Lippen lag. Für diese kleinen, flüchtigen Momente .... würde er alles tun ....

Langsam machte er sich dann auf den Weg zur Tür, er wollte ohnehin noch etwas in der Stadt erledigen. Danach würde er noch einmal in der Kommandantur vorbeisehen, und, wie praktisch dass sich beides in einem Gebäude befand, ein Blick in "ihr" Büro werfen. Würde er dort auf Tiia treffen, wüßte er auch schon genau was er sagen würde. Die Gespräche mit diesem Mann glichen stets einer Schlacht ohne Waffen und Opfern, doch waren sie nunmal nötig um sein Ziel zu erreichen.

Als er die Tür öffnete und hinaus Schritt, schien ihm die sanfte Frühlingssonne direkt ins Gesicht. Was für ein herrlicher Tag... ! Was für ein Kleid "sie" wohl heute tragen würde .... ? Mit Sicherheit eines in diesem sanften blau ... diese Farbe brachten "ihre" wunderschönen Augen stets am besten zur Geltung ... Jene Augen, bei welchen er immer aufpassen musste, sich nicht in ihnen zu verlieren ....