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Lange Tage und Nächte [Q]
Verfasst: Donnerstag 10. März 2011, 13:52
von Medren Haingrund
Still lag die Luft über dem nächtlichen Wald, kaum Geräusche unterbrachen die segensreiche Stille und ließen Mensch oder Tier aus dem wohlverdienten Schlaf aufschrecken. Doch in mitten all der Bäume, die neben dem großen Haupthaus hier im Sumpf standen, regte sich, für kaum ein Auge sichtbar ein Schatten in den Wipfeln eines Baumes.
Es war gar noch nicht so lange her, dass all die anderen gegangen waren, Hanna wachte im Haus, Cara schlief und er hoffte, dass auch Fräulein Maja einen Moment Ruhe gefunden hatte nach all den Anstrengungen.
Langsam streckte er die müden Glieder auf seinem Ast oben zwischen dem Blattwerk. Er ließ sich in eine leichte, aber schnell zu lösende Meditation sinken, die Augen schlossen sich, wie er es gelernt hatte und als er sie öffnete, überzog wieder der Anschein einer Nickhaut die äußere Schicht des Auges. Merkwürdig, dass er sich diese Eigenheit angewöhnt hatte… eigentlich war es gar nicht von Nöten um ins Lied zu blicken… um die Vielfalt der Farben zu riechen, die Gerüche auf der Zunge zu spüren und um all die Töne an sich vorbeistreichen zu fühlen. Doch irgendwie hatte ihn diese Eigenart an die Augen mancher Wassertiere beim Tauchen erinnert und so war er dazu übergegangen, diese Art Schleier vor seinem Auge zu belassen.
Es fehlte ihm sicher noch an Wissen, konstatierte er, die Sinne in alle Richtungen ausstreckend um sich nähernde Menschen oder Tiere rechtzeitig wahrzunehmen, doch er würde lernen. Die Heilung von Hannas Hand war ihm nicht aus dem Sinn gegangen, die Art, wie sich seine klare helle Melodie mit ihrer verband, war faszinierend und er wollte mehr lernen.
Doch seine Kräfte waren nahezu leer, nach dem langen Abend dort auf der Lichtung, zwischen all den Liedbegabten und ihren Wächtern wohl kein Wunder. Er hatte alles gegeben um Diomedes zu unterstützen, hatte seine Kraft verwendet um bestehende Brücken zu stärken, um seinen Brüdern wieder Kraft zuzusenden und hatte gleichzeitig um Hanna gebangt, die so tapfer mit ihren Schwestern gekämpft hatte. Er hatte über all die wunderbaren Muster und Farben im Lied gestaunt wie ein Kind, hatte sich ausgedehnt und wieder zusammengezogen…Er seufzte auf, als der Gedanke an ein beinahe leeres Wasserglas in seinem Geist auftauchte. Aber was hieß das schon; die zweite Sicht, wie er sie begonnen hatte zu nennen, ließ er wie ein Tuch fallen und konzentrierte sich auf all die anderen Sinne. Er hatte schon oft nachts im Wald gesessen und den Geräuschen gelauscht… und Aylen hatte ihm ein paar nützliche Tricks verraten… er würde schon nicht zulassen, dass jemand die Kristalle raubte.
Die Dunkelheit durchkämmend, mit Augen, Ohren und was ihm der Wind an Gerüchen unter die Nase trieb, verharrte er, manchmal den Blick zum Haus der hexen schweifen lassend. Doch die ganze Nacht schien sich nichts zu rühren… in der nächsten Nacht beschloss er, würde er sich eine Bettrolle mit auf seinen Platz nehmen…denn wachen würde er, bis am Sonntag alles vorbei war.
Bis der Feuergeist wieder schlafen lag... und bis die ständige Sorge endlichaus Hannas Gesicht gewichen war.
Verfasst: Donnerstag 10. März 2011, 14:54
von Lucien de Mareaux
Wachgang
Es war gerade die vierte Morgenstunde angebrochen, als ich Majalin behutsam weckte und mich dann selbst aus dem kleinen Heilerhaus hinaus stahl, um Tristan abzulösen, oder, sofern er nicht wollte, mit ihm zusammen zu wachen.
Noch immer fragte ich mich, was dieses inquisitorische Nachfragen bezwecken sollte, beschloss aber zugleich selbiger Frage den nötigen oder unnötigen Tribut zu zollen. Ich war kein Taktiker, noch jemand, er regelmäßig irgendwo in irgend einer Form Wache hielt, weshalb ich mich am Vorabend darauf beschränkt hatte eben jene Sichtweite im Auge zu behalten, von der am Tag davor die Rede gewesen war.
Natürlich war ich nicht bis zum Waldrand gelaufen, um das Unterholz zu durchforsten. Da ich zu Anfang allein war bei meinem Wachgang, während die anderen sich mit dem Ritual befassten, beschränkte ich mich darauf, bis zum Ende der Brücke zu gehen und dort Ausschau zu halten, zumindest solange, bis der Rabendiener plötzlich auftauchte. Danach war es mein Ansinnen zu schauen, wohin er sich davon machte, musste die Verfolgung aber schon bald aufgeben und zurückkehren.
Nun stand ich wieder in der Nähe der Brücke, drückte mich in dessen Schatten und lauschte, sah mich um, soweit die Dunkelheit es zuließ. Auf Fackeln verzichtete ich. Ich brauchte sie nicht. Sie störten allenfalls meine eigene Sicht und abgesehen davon bot mir das Kleinod, das ich um den Hals trug genug Hilfe bei meiner nächtlichen Aktivität.
Als sich nichts regte, huschte ich zum Waldrand hinüber, suchte ihn sorgfältig ab, ob sich dort mehr aufhielt, als nur nächtlich herumstreunendes Getier. Auch der Himmel blieb nicht unbeachtet. In der Hand hielt ich meine Armbrust, bereit sie auch zu nutzen, falls nötig. Aber nichts regte sich.
Dabei hätte ich tatsächlich nichts dagegen gehabt just in diesem Moment, einfach nur, um zum einen etwas zu tun zu haben, zum anderen aber auch um ein wenig meines eigenen aufgestauten Frustes loszuwerden. Es gab einfach Dinge, die mussten nicht sein. Die täglichen, anstrengenden Besuche konnte ich zwar nachvollziehen auf der einen Seite, auf der anderen waren sie alles andere als ein Vergnügen, und sowohl Vernunft, als auch Verständnis, geschweige denn Vertrauen waren Glückssache dabei.
Die Fragen der Mägde waren zweifellos in sich schlüssig, auch wenn sie gelegentlich den Eindruck hinterließen eigentlich von der heiligen Inquisition losgelassen worden zu sein, und ganz gewiss mehr waren, als einfache Mägde eben sein sollten oder waren. Sie kommandierten, befahlen, taten und machten, und das vorzugsweise Dinge, die normalen Mägden gewiss nicht zustanden, und worauf sie sich vor allem auch nicht verstanden im Regelfall. Schein und Sein waren hier wirklich zwei sehr gründliche Paar Stiefel.
Und dann war da noch Ilbert. Unfähig, Vorlaut, unbedacht in seinen Äußerungen, provokant, keinerlei Fähigkeiten die rechten Schlüsse zu ziehen, aber er hatte ein Talent – hochtrabende Dummheit. Immerhin pflegte er es sorgfältig, das musste ich ihm zugestehen. Was hätte die Welt zu lachen, wenn es ihn nicht gäbe?
Ich schob die Gedanken beiseite und stahl mich zurück zur Brücke, um über diese letztlich drüber zu gehen und die Insel leise zu erkunden, auch dort nach dem Rechten sehend. Letztlich bezog ich wieder meinen Posten neben der Brücke auf der Festlandseite, in ihrem Schatten und wartete, ob sich etwas regte. Eine spannende Nacht versprach es nicht zu werden. Aber darum sollten wohl alle dankbar sein letztendlich.
Verfasst: Donnerstag 10. März 2011, 16:59
von Hanna Radenbruck
Der Stamm des Baumes gab nicht nur Halt, sondern ließ Kraft und Zuversicht in ihren Körper, gleich der wohltuenden Wärme der ersten, stärkeren Sonnenstrahlen, in ihren Körper fließen. Dankbar nahm Hanna solche Gaben, die sie im Liede sanft umspielten und ihre letzten Energien nährten, an. Die Zwiesprache mit dem allumfassenden Element war nur wenige Stunden her und es hatte ihr nicht nur Hilfe zugesichert, sondern wieder einmal das Band, welches sie unverwüstlich mit der Erde verknüpfte, gestärkt.
„Ich bin immer bei dir, denn ich bin ein Teil deiner selbst, Hanna...“
Allein der Gedanke an die Worte verströmte eine Stärke, die ihr jeglichen Schlaf seit Stunden ersetzte und sie wachen ließ. Gut so, denn es war in gewisser Weise schlichtweg ihre Aufgabe die beiden verbleibenden Kristalle nun wieder zu bewachen. Majalin war müde und blasser als sonst mit dem ersten trübgrauen Dämmerlicht aufgetaucht und hatte sich erst viel später endlich Ruhe zugestanden, Cara hatte sie gegen Mitternacht dazu bewegen müssen endlich zu Bett zu gehen. Auch sie hatte ein paar Stunden Schlaf zugesichert bekommen, doch lag es wohl nicht an der wohligen Kraft, welche die Erde ihr abgab, dass sie kein Traum in die selige Stille entführen konnte. Schlaf blieb einfach aus und stattdessen war da eine Unzahl an flackernden Bildern, die von den letzten Wochen, ganz besonders aber den gestrigen Abend und die dazugehörige Nacht, erzählten.
Es handelte sich hierbei um flackernde Momentaufnahmen des Rituals mit all seinen wundersamen Wendungen und sphärischen Klängen im Lied, Augenblicke der folgenden Erleichterung und der ausgelassenen Stimmung, dann aber auch wiederum der folgende Rabenschreck und gehemmte Gespräche, bis hin zu einem Aufmarsch voller unseliger Neuigkeiten, einem trotzenden Bündnis und dem Versprechen, dass sie alle noch lange nicht aufgeben würden.
Sie war gestärkt und wach dank dem geliebten Element, doch war sie innerlich verträumt und schwach genug die Bilder Revue passieren zu lassen und die Momente erneut zu durchleben.
Erneut sah sie den Kreis, all die verschiedenen Gesichter aus einer so völlig verschiedenen Kulturen, Völkergruppierungen und Glaubensausrichtungen, dass die Konstellation eher bizarr und verquer wirkte, ein wenig wie ein abstruser Traum an sich. Dennoch standen nun Feinde nebeneinander, ohne sich gegenseitig recht zu belangen und sie wirkten mit einem Male gemeinsam.
Selbst jetzt glaubte Hanna noch die unglaubliche Macht zu spüren, als im Kreis jede Partei auf ganz eigene Art und Weise ihre Kraft ins Lied brachte und jenes reagierte. Sie selbst versuchte noch in stiller Verzweiflung möglichst unauffällig zusammen mit Majalin den kalurischen Kristall im Liedklang zu berühren und wie eine kleiner Weberspinne unentdeckt mit den Liedern der anderen zu verknüpfen. Deshalb durchfuhr sie der Kontakt mit den anderen, pulsierenden und zeitweise bebenden Kristallen auch so heftig wie ein Blitz, doch keineswegs tödlich, eher ein heftiger Endorphinrausch und sie kam nicht umhin die helle Begeisterung in die Töne des Liedes, einer Woge gleich, zu jauchzen. Dank Vefas Verschleierung war der Ruf zwar immernoch zu vernehmen, doch nicht zu orten, sie blieb unentdeckt... selbst dann noch, als das Lied, unter Lidwinas führendem Wirken, das vollendete, was sie sich alle erhofft hatten.
Das Schlaflied war da und es war Perfektion, benetzte die Gemüter einiger, ließ Frieden in die Herzen einkehren und war von solcher Macht beseelt, dass der ein oder andere schläfrig zu taumeln begann und Augen zufielen. Wenn dies keinen Feuergeist zur Ruhe bettete, was dann?
[img]http://i422.photobucket.com/albums/pp305/zimtkaugummi/Hannerl/Kristall2.jpg[/img]
Hannas Lächeln, beim Gedanken an das wunderschöne Erlebnis erblühend, erstarrte, als die Gedanken wieder zu den Raben drifteten und die ernsten, dringlichen Warnungen des Haushalts ein weiteres Mal in ihr Ohr wisperten. Sie hatten Glück, dass beinahe alle Kristalle längst wieder auf dem Weg zu ihren Bestimmungsorten waren, als der Rabendiener die Versammlung entdeckt hatte und nur wenige Stunden später waren auch die letzten beiden, dank all den helfenden Händen, an einen geheimen Ort gebracht, mehrfach geschützt und seitdem bewacht, von ihr selbst, ihren Schwestern, ihren Brüdern – den Druiden – und einer handvoll wahrlich guter, vertrauter Freunde.
Seufzend lehnte sie den Hinterkopf an den Stamm und verzog das Gesicht gequält. Sie wusste schon, welche Bilder nach diesem letzten Gedanken aufkeimend würden. Großaufnahmen diverser Gesichter und eines darunter, welches ihr ein nervöses Kribbeln in der Magengegend bescherte. Warum nun? Weshalb jetzt? Nein, es war nicht der rechte Zeitpunkt um sich derartig mädchenhaften Emotionen hinzugeben, geschweige denn dem Versuch auch nur den leisesten Anflug davon gleich zu deuten. Solche Probleme konnte sie genau jetzt nicht heraufbeschwören, denn jene Gefühlseingeständnisse würden eine Menge Fragen und Unsicherheiten für sie und auch andere Personen bedeuten und letztendlich sicherlich irgendwo für irgendwen eine Menge Schmerz.
Sie atmete durch, verbannte die letzten Gedankengänge so gut es ging und sah dem leuchtenden grünen Kristall mit stillem Lächeln entgegen. Ihre Aufmerksamkeit musste anderen Zielen gelten, zumindest bis alles überstanden war und danach, so hoffte sie, waren auch solche Verwirrungen längst wieder vergessen und aus ihrem Herzen gestrichen. Doch konnte die junge Hexe am Stamm des alten Baumes ja nicht wissen, dass das Pochen der Erde ehrlich war und sich, ganz wie das des Herzens, nicht auf ewig ausblenden lassen würde.
[img]http://i422.photobucket.com/albums/pp305/zimtkaugummi/Hannerl/Kristallwache.jpg[/img]
Verfasst: Donnerstag 10. März 2011, 21:12
von Majalin
Leise summte das blinde Mädchen vor sich hin, den Rücken an den grünlich schimmernden Kristall gelehnt. Gerade das erste graue Licht des jungen Tages dämmerte am Horizont, die Vögel sangen bereits in fröhlichem Wechselspiel. Der morgendlich schimmernde Nebel bahnte sich seinen Weg um die Stämme und durch die jung gekeimten Blätter der Bäume des Hains.
Majalin fror. Gerade einen Stundenlauf Schlaf hatte sie ihrem bereits so erschöpften Körper gönnen können, die Anstrengungen der letzten Tage, Wochen, ja Monde, forderten mit jedem Tag mehr ihren Tribut. Zitternd zog sie ihren Umhang fester um sich. War es nicht eine Ironie des Schicksals, dass sie fröstelte damit die Welt nicht in den Flammen seiner Wut verbrannte? Ächzend fuhr sie sich mit der Hand über den Nacken. Es schienen schon Ewigkeiten zwischen diesem Augenblick und ihrer ersten Begegnung mit dem Vulkangeist zu liegen, doch waren es nicht einmal sechs Monde. Damals waren sie ihm gegenüber getreten im heiligen Kreis der Thyren, hatten ihn zu sich gerufen, gezogen und befragt. Unwillkürlich strich sie sich über die Handfläche und erinnerte sich des brennenden Schmerzes, als der Geist den Edelstein darin zerschmolzen hatte, gemischt mit ihrem Blut. Seither war viel Zeit vergangen, unzählige Pläne geschmiedet und verworfen worden. Die Vorbereitungen waren zermürbend gewesen, die überreichlichen Gespräche, die die Schwesternschaft mit allen Völkern und Parteien geführt hatte, beschwerlich und ermüdend. Trotzdem glühte die Hoffnung im Herzen der Schwestern, veranlasste sie nicht aufzugeben, einzustehen für den Einklang und für das aus den Fugen geratene Gleichgewicht zu kämpfen. Die letzten Tage waren wie ein Tanz auf dem Vulkan gewesen, abermals Dispute, Bitten, Rangeleien. Wenig Verständnis, viele Zweifel, unverhohlene Abneigung und Anfeindung, doch auch Beistand und Zusammenhalt. Manch einer hatte die Dringlichkeit erkannt und handelte mit Mut und Größe. Mancher nicht.
Und alles gipfelte am gestrigen Abend bei der Einstimmung der Kristalle. Majalin musste dabei an ein Orchester denken, jedes Instrument anders im Klang, eines lauter, eines leiser, manches schriller oder sanfter, hart im Lied oder weich. Ohne Zweifel jedes schön auf seine Weise, doch nur im Zusammenspiel würden sie wahre Kraft entfalten und zu etwas Epischem werden - das Große Lied. Alle Völker dieser Lande hatten einen Teil ihrer selbst beigesteuert, verfeindete Seiten hatten, wenn auch widerwillig, für ein höheres Wohl zusammen gearbeitet. Die Tragweite dieses Geschehens war wohl nur den wenigsten so begreiflich wie der Schwesternschaft, die dazwischen stand und stets drohte zerrieben zu werden, zermalmt zwischen zwei Mühlsteinen. Und dennoch - wenn so Wunderschönes, so Mächtiges und Überwältigendes dabei erstand wie die Klänge, die am gestrigen Abend über die Sumpfinsel gehallt waren - war es dann das Risiko nicht wert?
Es gab wahre Brüderlichkeit in dieser Welt, wahre Stärke und Größe, die Thyren hatten es bewiesen, die Khaz-Aduir, die Eledhrim und die Kinder der Wüste. Sogar das alatarische Reich hatte aufrechte Entschlossenheit an den Tag gelegt und das lichte Reich war über seinen Schatten gesprungen. Zum Wohle dieser Welt, für die Sicherheit ihrer Völker und Gefolgsleute. Für das Große Lied gesungen in allen Stimmen, Sprachen und Melodien.
Mühsam drückte sich Majalin hoch und reckte sich, als die ersten Sonnenstrahlen den Hain in ein goldenes Licht tauchten, welches sie nur liebevoll grüßend auf ihrer Haut fühlte. In der Stille spürte sie die vertraute Anwesenheit ihrer Schwestern und Brüder auf der Insel, aufmerksam und wachend. Weit über sich vernahm sie den Flügelschlag eines Adlers, dessen wache Augen für die Sicherheit der Kristalle die Umgebung beobachteten und der jeden nahenden Raben verraten und im Flug zerreißen würde. Doch vielmehr als das erfüllte das Wissen seiner Anwesenheit und Wacht Majalins Herz mit Zuversicht und Vertrauen. Trotz aller Ermattung, Entkräftung und Schwäche huschte ein sanftes Lächeln über ihre Lippen.
Verfasst: Freitag 11. März 2011, 02:59
von Diomedes Luchsohr
Einschlafen...einschlafen...einschlafen..., warum kann ich gerade jetzt nicht einschlafen?, ging es Diomedes durch den Kopf. Er lag nun schon eine halbe Stunde in seinem Bett und versuchte alles um endlich in die Traumwelt ein zu tauchen. Obwohl er erschöpft war, gingen ihm jedoch so viele Dinge durch den Kopf, dass er einfach nicht darum kam, wieder und immer wieder nachzudenken. Vor allem, wenn er an den Bierkristall dachte, musste er schmunzeln. Es waren wundervolle Eindrücke gewesen, die er während des Rituals einfing, aber auch verarbeitete. Das neu erschaffene Lied, welches nachher in einem jeden Kristall zu finden war, einfach unbeschreiblich...
...
Bäume, Blütenranken, Gras, eine Bierlache und dann ein Kristall so groß wie ein Berg. Alles so verschwommen, einmal so nah und dann so weit entfernt. Von weitem kommt eine Person, eine dunkelblonde Frau, eine Schönheit. Diomedes kennt sie, hat er sie doch erst eben noch gesehen beim Ritual. Aber nun ist sie weg und an ihrer Stelle steht nun ein Rabe, welcher über Diomedes kreist. Einen Augenblick später muss er lachen, denn der Rabe wurde zu einem Hühnchen, welches über dem Feuer hängt. Die Umgebung verändert sich und es ist dunkel, er sieht nur vage ein Gesicht, nur Konturen, ein Mund, ein Lächeln, es kommt näher, er spürt Nähe.....
...
Diomedes wachte auf und seufzte, aber mit einem Schmunzeln im Gesicht dachte er sich nur: Immer in den besten Situationen wacht man auf... und ich dachte schon ich würde nicht einschlafen.... Moment! Er stand auf und schaute aus dem Fenster. Die Sonne war gerade am auf gehen. Er zog sich schnell an, steckte sich einen Happen Brot und eine Flasche Wasser in seinen Beutel und stürmte aus der Hütte. Ein paar kurze Augenblicke verharrte er in mitten des Hains um sich zu vergewissern, dass alles ruhig war und so wie immer. Dann verstärkte er fast intuitiv die Liedstruktur um sich herum so, dass einige Momente später ein Waldgeist aus dem Gebüsch auftauchte. Klein und grün war dieser, tänzelte mit den gewohnten Bewegungen um Diomedes herum, bis dieser dann anfing zu sprechen.
Danke, dass du meinem Ruf gefolgt bist. Bitte lass mich mit dir zur Sumpfinsel reisen, mein Kleiner. In sekundenschnelle spürte Diomedes die Veränderungen des Liedes in und um sich, seine Strukturen und Klänge verformten sich und im gleichen Moment so fühlte er, nahmen sie wieder die normale Form an. Jedoch besah er sich nun an einem gänzlich anderen Ort wie zuvor. Nicht weit von ihm sah er schon die Brücke zur Sumpfinsel, die er nach einem Danke an den Waldgeist sofort auch ansteuerte, über sie eilte und an der Hütte und dem Sumpf vorbei zu Medren ging.
Der Arme konnte schon fast seine Augen nicht mehr aufhalten. Diomedes schickte ihn nach einigen Worten zur Situation direkt Heim und setzte sich auf den Platz auf dem auch Medren eben noch gesessen hatte. Er musste ihm eingestehen, dass er hier von hier aus Alles im Blick hatte, nur hatte er es sich etwas bequemer vorgestellt. Die Melodie des Baumes nahm er ziemlich klar wahr, der Ast auf dem er saß war der dickste und kräftigste des Baumes. Den Rhythmus des Lieds leicht verändernd, nahm auch Diomedes Gesichtsausdruck ein kleines Lächeln an, denn der Ast wurde mit einem mal, an der Stelle auf der er saß etwas breiter und somit auch viel bequemer. In Gedanken dankte er dem Baum und Eluive und konzentrierte sich sodann auf das Geschehen vor ihm.
Der Morgen zog vorbei, der Mittag gab etwas Brot und Wasser ab, um sich zu stärken, Alles in Allem ziemlich ruhig. Hier und da sprach man mit den anderen Wachen in der Umgebung und zog sich aus kritischen Situationen heraus, vertrieb ungebetene Gäste und versuchte immer die Ruhe zu bewahren. Der Kristall war sicher, keine Frage. So zog sich der ganze Tag immer mehr dem Ende zu, Diomedes verbrachte einige Stunden mit Meditation, jedoch mit offenen Augen und aß hier und da ein Stück Brot.
Als er Abends Medren wieder zu sich laufen sah, war er froh und lächelte ihm freudig entgegen. Nun ließ er sich wieder heim schicken und war Medren dankbar, dass er die Nachtwache hielt, was er ihm sehr hoch anrechnete.
So gingen die Tage vorbei mit Ruhe und Konflikten und jeder hoffte, dass am Sonnabend alles glatt laufen würde!
Verfasst: Samstag 12. März 2011, 14:01
von Diomedes Luchsohr
Die Augen richt ich auf nach vorn,
vom Baume aus den Blättern blick ich,
auf die Blumen, das Gras und das Korn,
ich horche mit den Ohren, doch auch irren tu ich mich!
Von links nach rechts huscht eine Maus,
vom Ufer bis zum entfernten Heilerhaus.
Die Vögel zwitschern ihre Lieder,
seh die Andern patrouillieren immer wieder.
Was auch immer möge geschehen,
wir sind bereit etwas zu tun,
es wird keiner einfach tschüss sagen und gehen,
wir wechseln uns ab mit arbeiten und ruh'n.
Wir sind eine Gemeinschaft von Freunden und Bekannten,
von einfachen Personen, Waldmännern und Hexentanten.
Es gibt jeder das, was er für richtig holt,
und niemand verlangt dafür noch Gold.
Jeder fiebert gespannt dem Ende zu,
der Feuergeist soll endlich fallen in tiefe Ruh!
Verfasst: Montag 14. März 2011, 00:52
von Tristan Wulfram
Nun lag er da und schien sich alles durch den Kopf durchgehen zu lassen. War dieser Tag die Wirklichkeit? Es schein alles so unwirklich, aber doch geschah es. Und so ließ er den Tag vor seinem inneren Auge vorüberziehen während er in den Fellen vor sich hin schlummerte...
Es fing damit an das er von Luciens Stimme geweckt wurde und wieder seine Wachschicht an der Brücke antrat.
Er hatte die Bilder immer noch vor Augen, wie Lucien sich mit irgendwelchen Köstlichkeiten vollstopfte die Hanna ihm wohl mitbrachte. Der Wachgang verlief ganz ruhig, wie sich herausstellte war Lucien immer noch ganz der Alte und ein geselliger Gesprächspartner. Alle waren angespannt, denn sie wussten das heute der Tag war an dem die Plage und all das was damit verbunden war vergehen wird.
Zur achten Stunde trafen dann einige der Druiden ein sowie Majalin. Tristan freute sich insgeheim über die Anwesenheit der anderen, war jedoch zu müde und zu stolz um es in Worte zu fassen. Er hatte sich in den letzten Jahren ein gewisses Ego aufgebaut, blieb im Kern jedoch der gleiche. Und so wartete er mit Lucien schlicht und einfach auf das Unausweichliche. Tatsächlich hatte Lucien ein Bauchgefühl für solche Situationen und so führte er Tristan rechtzeitig zum Ritualkreis wo Majalin die beiden rasch empfing, in Begleitung einer Lavaschlange, die wohl mit dem Einwirken der Hexen und Druiden vom Feuergeist herbeigerufen wurde.
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Und umso mehr die Hexen und Druiden auf den Kristall einwirkten, umso mehr "Mistviecher", wie Tristan sie immer gerne nannte, kamen an das Tageslicht. Auch wurde es immer wärmer bis nahezu unerträglich heiß und die Glieder wurden schwer wie die Atmung. Es gelang Tristan und Lucien jedoch den Kreis zu schützen und so kam es wie es kommen musste.
Der Feuergeist erschien selbst und wollte sich seinen Weg zum Kreis bahnen, dreist, schon fast penetrant stellten sich die beiden Kreiswächter ihn immer in den Weg, während im Kreis das rege Treiben noch Herrschte. Die Hitze war mittlerweile unerträglich und so schaffte es der Geist bis zum Kristall, brach über jenem durch die Wirkung des Schlafliedes zusammen und verendete, mit einer entsprechenden Explosion selbstverständlich.
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Die Schäden die sie anrichtete waren nicht zu übersehen. Trotz der Rüstung und dem Schild gegen das sich Tristan während der Druckwelle stämmte wurde er nach hinten geworfen. Majalin und Diomedes hingegen erging es schlimmer, jene waren eine Zeitlang kaum ansprechbar, Vanya nur bedingt nach einigem einreden und einwirken.
Nach einiger Zeit versammelten sich die meisten um Majalin und Hanna, Tristan hingegen fühlte sich einfach nur noch erschöpft und ausgezehrt und lies sich im Graß fallen. Den Überresten des Geistes wurde kaum Aufmerksamkeit geschenkt, viel zu sehr nagten die Nächte ohne Schlaf und Tage ohne Ruhe an den Gemütern, doch das Ziel war erreicht, der Vulkangeist war bezwungen.
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"Und was kommt dann?"
Das war eigentlich die Hauptfrage die Tristan danach im Kopf herumschwirrte. Jetzt da Selene sich kaum noch zeigte und die Bedrohung gebannt war, war auch seine Pflicht erfüllt. Ein unangenehmes Gefühl durchzog ihn als er daran dachte und an das was wohl noch kommen mag. Doch umso schneller kam ein Gefühl zum Vorschein, das ihm über sehr lange Zeit fremd gewesen ist. Geborgenheit und Dankbarkeit. Ein Lachen durchzog die Bäume und auf der Gesamten Insel blühten Blumen auf. Und irgendwann sprach auch diese Stimme zu ihm. Anfangs dachte er es wäre nur die Müdigkeit, doch dann hörten es die anderen auch. Anfangs war es Mutter die sich dankbar zeigte, danach Veva die ihm Dinge erzählte die sehr unwirklich Klangen, doch zu schön war das Gefühl und zu herrlich die Worte die gesprochen wurden. Gepaart mit dem Wunschdenken nahm er jene dankbar in Empfang.
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Und nun lag er da, im Gemeinschaftshaus auf der Sumpfinsel und schlief in den Fellen, hatte für diesen Tag seinen Weg gefunden.
Doch wie wird es nun für ihn Weitergehen? Was wird er nun machen?
Er wusste es nicht, doch er wusste eines: Der Geist war besiegt und das Gleichgewicht wieder gesichtert.
Und dafür war er dankbar...
Verfasst: Montag 14. März 2011, 17:06
von Lucien de Mareaux
Der Freude heller Klang
Der Tag hatte einen trügerisch ruhigen Beginn gehabt.
Die erste Warnung, was uns erwarten sollte, bekamen wir schon am frühen Abend, wenn auch in einem verschmerzbaren kleinen Rahmen. Es wirkte fast wie eine verirrte kleine Feuerspinne, die sich nur zufällig den falschen Weg gesucht hatte. Als sie dann aber das Ritual angehen wollte, gestaltete es sich doch deutlich anders. Die Brücke ließen wir unbewacht zurück, denn schon bald stellte sich heraus, dass die Übergriffe gezielter verlaufen sollten, als ursprünglich angenommen.
Wie schon beim ersten Auftauchen des Vulkangeists, stiegen auch dieses Mal die Temperaturen an, nahezu bis ins Unerträgliche. Auch wenn Tristan und ich rund um den kleinen Ritualplatz herummarschierten und die einfallenden Kreaturen zurückdrängten, sobald sie sich zeigten, die kleinen Feuer löschten, die sie hinterließen, bekam ich vom Ritual selber wenig mit. Nur die Veränderung des Kristalls blieb mir nicht verborgen, zumindest jener Teil, der sein Äußeres und die zunehmende Hitze betraf.
Irgendwann setzte die Hitze mir derart zu, dass ich mich gänzlich erschöpft und ausgelaugt fühlte, mich ins Gras fallen ließ und Mühe hatte die Augen noch offen zu halten. Nur mit Aufbietung der gesamten Willenskraft stemmte ich mich wieder hoch, als erneut eines der Feuerkreaturen auftauchte, zu langsam, um eine der jungen Frauen davor zu bewahren zu stürzen. Auch Tristan war zu langsam, während mir nur zu hoffen blieb, dass es das Ritual nicht gänzlich zunichte machte. Was hatte ich auch schon für eine Ahnung von dem, was die Fünf innerhalb des Kreises taten, geschweige denn, warum der Kreis nicht betreten werden durfte, und so weiter? Keine.
Eine Erklärung dazu hatte es für mich nicht gegeben, gefordert hatte ich sie allerdings auch nicht. Wann auch? Zeit war dazu nicht geblieben und ich war ohnehin davon ausgegangen mich vorn an der Brücke zu befinden.
Als ich bereits dachte, es wäre ausgestanden, tauchte plötzlich der Vulkangeist auf. Völlig erschöpft von der Hitze und den vorangegangenen Auseinandersetzungen mit den unterschiedlichsten Feuerwesen, stellten Tristan und ich uns in den Weg – unnötigerweise, denn letztlich war es ja so, dass das geflügelte Wesen ohne Probleme über uns hinweg fliegen konnte.
Während Tristan sich bemühte das Geschöpf in eine Diskussion zu verstricken und damit aufzuhalten, tat ich das, was mir als erstes einfiel: Ich nahm die Armbrust zur Hand, ließ Schild und Waffe fallen, und begann zu singen – ein Schlaflied. Immerhin ging es ja darum das Wesen einzuschläfern. Ich hörte, wie noch jemand mit einstimmte, wenngleich auch mit einem anderen Lied, aber was für eine Rolle spielte das schon?
Was auch immer die Fünf innerhalb des Kreises taten, was auch immer unser Tun außerhalb dazu beitrug, ich wusste es nicht, aber es zeigte Wirkung. Die Flügel des Geistes wurden schwerer, das Geschöpf sank einschlafend auf den Kristall hinab und plötzlich gab es eine schwere Explosion. Zurück blieb nur ein Splitter dessen, was vorher der Kristall gewesen war, der Vulkangeist war fort.
Die Stille war ohrenbetäubend im ersten Moment, der Drang danach einfach liegen zu bleiben, wo ich mich hingeschmissen hatte, als es zur Explosion kam, überwältigend. Trotzdem hob ich irgendwann den Kopf und der Anblick, der sich mir bot, brachte mich dazu weiterzumachen, aufzustehen, zu helfen.
Die Fünf lagen in alle Himmelsrichtungen verstreut, am Ende jedweder Kraft angelangt, wenn nicht gar vielleicht sogar darüber hinaus getreten. Ich verteilte Wasser, forderte Tristan auf zu helfen, kümmerte mich um sie.
Sie sorgte dafür, dass mein Magen sich verkrafte, mein Atem kurzweilig stockte: Sie rührte sich nicht, atmete nur noch sehr flach und reagierte auf nichts. Mit Mühe brachte ich mich dazu ruhig und besonnen zu handeln, säuberte ihr Gesicht und ihre Hände vom Schmutz so gut es ging, um dann die Brandsalbe, die sie mir vorher noch an der Brücke überlassen hatte, aufzutragen. Ihr Gesicht und die Hände sahen schlimm aus. Viel schlimmer aber fand ich ihre fehlenden Reaktionen auf Worte, auf die Behandlung, einfach auf alles – so schien es jedenfalls für mich.
Mehr instinktiv als bewusst, trug ich sie schließlich zu dem Felsen hinüber, der aus dem Erdreich ragte und bettete sie vorsichtig neben das „Temperamentsbündel“. Vielleicht war mein Handeln dem Umstand zu verdanken, dass ich mehr wusste, als ich wissen sollte. Zeit zum Nachdenken blieb mir kaum, was auch ganz gut so war. Noch jemand gesellte sich dazu, ich nahm kaum wahr, wer. Meine ganze Aufmerksamkeit blieb auf die Rostrote gerichtet, leise geflüsterte Worte, irgendwann lauter, beschwörender, fast schon drängend. Nur nicht der immer mehr aufkeimenden Angst Beachtung schenken.
Und welch Erleichterung, als sie die Augen aufschlug…
Es musste bereits der nächste Morgen sein, vielleicht auch schon Mittag, ich war mir nicht sicher. Hier unten gab es ohnehin kein Tageslicht. Aber als ich die Augen aufschlug, fühlte ich mich ausgeruhter, wenn auch nicht gänzlich bar jeder Erschöpfung. Der Vergleich zu einem geprügelten Hund kam mir in den Sinn, als ich mich auf die Seite drehte und mich wieder anschmiegte. Eine Weile lang lag ich still und lauschte, auf den Atem, auf… draußen.
Die Blume kam mir in den Sinn, die wenig später nach dem geglückten Ritual aus dem Boden heraus brach und aufblühte.
Ein Gefühl von Dankbarkeit, Geborgenheit und ein Lachen. Ja, ich war mir sicher das Lachen gehört zu haben. Kein Drängen nach Sonne, kein Drängen nach Wasser, ein Lachen und Glück, Freude. Neben dem Haus wuchs eine ähnliche Blume und ich hörte auch jetzt noch selbiges – sofern man denn von hören sprechen konnte.
Im Stillen beschloss ich sie später vorsichtig auszugraben und auf Etiennes kleines Grab zu setzen. Der Gedanke war nur flüchtig und genauso schnell wieder vergangen. Vielmehr genoss ich die Ruhe und die Aussicht darauf, dass in der nächsten Zeit erst einmal wieder nur mit den üblichen kleinen Zwischenfälle zu rechnen war, die rund um Bajard schon fast zum Alltag gehörten.
Ich atmete tief ein und aus, zog die Decke über uns und genoss es ebenso einfach nur liegen zu bleiben, nicht aufstehen zu müssen, nicht den ständigen Druck von Verantwortung zu spüren, während ich ganz egoistisch darauf vertraute, dass es allen gut ergangen war.
Verfasst: Montag 14. März 2011, 17:50
von Hanna Radenbruck
Und gemeinsam, Stund um Stund...
Als die siebte Stunde war vorbei
auf der Insel die Versammlung begann
im Wasser gereinigt hatte man sich irgendwann,
schritt auf den Ritualkreis zu in wallenden Roben
bereit die Mutter und deren Schöpfung zu loben
der Pilzbrei stimmte ein in Zauberei.
Mit der achten Stunde Klang
webten einige ihre innigen Liedermelodien
und andere in Rüstung gegen den Feuerfeinde zieh'n.
Der Hitze unerträglich grausam Glut
wallte auf gegen der Träumer Mut
doch damit fing der Kampf gerade erst an.
Um die neunte Stunde dann
als die Kräfte drohten zu entgleiten,
ließ sich doch das Lied noch leiten
und aufbäumend fiel des Geist aus Feuer
mit ihm schwanden all die Ungeheuer,
kraftlos sank herab jedermann.
Doch die zehnte Stunde brachte Licht,
mit welchem der Frühling Einzug hielt
ein anderes Lied nun durch die Wälder spielt.
Der Lenz ist da und Ruhe kehrt langsam ein
haucht küssend Leben in die Glieder hinein.
Es ist vollbracht, fürchte dich nicht.
… kämpfte Gerimor ums Weltenrund.
Verfasst: Montag 14. März 2011, 21:35
von Majalin
Majalin erwachte an diesem Morgen mit pochenden Kopfschmerzen und einem vor Aufregung flatternden Herzen. Einige Zeit blieb sie nur still liegen, lauschte dem entfernten Rauschen der Wellen, dem leisen Geraschel der um das kleine Häuschen streifenden Tiere und seinem gedämpften Atmen an ihrer Seite. Heute sollte es also soweit sein, heute würde sich so vieles entscheiden. Würde es gelingen die Kristalle zu entfesseln, würden sich alle Völker und Parteien an ihre Zusicherungen halten, würden ihre Schwestern, die Druiden und sie die notwendige Kraft aufbringen können? Lautstark vermeldete sich ihr Magen. Schon seit der Einstimmung konnte sie nun nicht mehr richtig essen, immer wenn sie es versuchte, überschwemmten sie wieder die Gedanken, Sorgen und Pflichten, und ihr wurde übel. Heute aber würde sie sich zwingen müssen etwas zu essen, schließlich musste sie heut Abend bei Kräften sein. Ganz zu schweigen davon, dass ihr schon die Zwangsernährung angedroht worden war und sie ihre Freunde nicht noch mehr in Sorge versetzen wollte.
Letztendlich war es die Wut, die ihr half, einige starrköpfige Bissen zu sich zu nehmen. Der Tag schien sich zu dehnen und zu strecken, fast als wolle er sich den Abendstunden entziehen. Geplauder, zielloses Herumgewandere, Kopfschmerzen, aufwallende Übelkeit. Trotz der zunehmenden Anspannung begrüßte Majalin die gräuliche Dämmerung des Abends mit einem behaglichen Seufzen. Endlich nicht mehr zum Warten verdammt entschwanden auch rasch die Übelkeit und das stetige Pochen in ihrem Kopf und wichen der stillen Konzentration. Gereinigt und gewandet in den Roben nahmen die Schwestern und die Druiden Aufstellung am vorbereiteten Platz ein. Rasch wirkten nun die berauschenden Kräfte der Pilze und trugen ihr Bewusstsein ganz in die Wahrnehmung des Liedes und der bevorstehenden Aufgabe.
Erde – standhaft, beharrlich, fruchtbar, leidenschaftlich, geborgen. Hanna sendete ihre kraftvollen Ranken, dirigierte die angebotene Kraft der Erde und vereinte den Wald, das Wachstum und den Erdboden, den Segen.
Feuer – warm, wild, ungeduldig, aufbrausend, verspielt. Medren ließ die tanzenden Zweige in die Mitte strömen, bändigte mit Mut und Beharrlichkeit die Stärke der Flammen und bündelte sie zu einem Strom aus Innigkeit.
Wasser – reinigend, kühl, intuitiv, Leben spendend, heilend. Vanya ergriff ihre Hand im Lied und ließ den erfrischenden Bach fließen, bildete für die Energien einen Pfad und bewachte ausdauernd das Branden der Ströme.
Luft – frei, ungebändigt, lebendig, phantasievoll, tanzend. Diomedes reckte sich der Mitte entgegen, umspielte mit Geschick und Kunst die aufwallenden Böen und fügte sie zu einem strudelnden Sturmwind der Kraft zusammen.
Ergriffen von den übermächtigen Melodien legte Majalin den Kopf in den Nacken und vernahm das vertraute Knarzen der Erde, das Knistern des Feuers, das Rauschen des Wassers und das Säuseln des Windes, es dröhnte und toste in ihrem Kopf. Schon drohten sie die übermächtigen Gefühle zu überwältigen, doch das erinnernde Zupfen Vefas in der Insel veranlasste sie dazu ihre Kräfte zu fokussieren. Gebunden wird Erde an Wasser, Feuer an Luft, gebunden die Fäden im Auge des Sturms. Die Stille durchfuhr Majalin unvermittelt, dann ein leises Summen, nicht mehr als ein Kitzeln im Ohr… Sie fühlte wie die Ströme der Elemente schwächer wurden, hörte den Aufschrei Vanyas durch das Lied hallen, vernahm das Keuchen Hannas. Tief griff sie in den Brunnen der Inselkraft, füllte die Leere, unwillig aufzugeben, unwillig zu weichen. Die Willensstärke der Schwestern und Brüder ungebrochen, schwoll das Summen mehr und mehr an, dröhnte das Lied in ihren Köpfen. Mehr Kraft, viel mehr Kraft, Majalins Körper bebte unter der heftigen Belastung, Tränen rannen aus ihren leeren Augen. Gehauchte Worte des Flehens: „Bitte… Seid bereit!“ Sie spürte die Hitze seiner Anwesenheit, der Vulkangeist war gekommen, zwischen ihr und ihm der heftig pulsierende Kristall. Das letzte Band gesponnen. Schweigen. In dieses Schweigen richtete Majalin ihre unausgesprochenen Worte des Mitgefühls an den Geist, benutzt und betrogen: Verzeih uns, wir mussten so handeln. Freiheit, ein zerbrechliches Gut. Ein kleiner Schritt zurück, in welchem sie die Netze löste, die gesponnenen Bänder richteten sich augenblicklich aus und das geballte Lied strömte auf den Geist ein. Die schreckliche Hitze erfasste Majalins Körper, sie konnte nun spüren wie die Haut ihres Gesichts und ihrer Hände sich abschälte. Zurücktorkeln, behütende Arme, ein gewaltiger Knall, Schmerz... schwarze Stille.
„Lass uns nicht alleine, wach auf, Maja! Komm... komm zu uns zurück.“, vernahm Majalin die flehenden Worte ihrer Schwester. „Komm schon, Liebes. Du bist ein starkes Mädchen…“, erklang eine zweite Stimme, sanft, aber mit nicht weniger Dringlichkeit. Beflügelt ergriff Majalin die willkommene Zuneigung im Lied und öffnete ihre Augen.
Das Große Lied war also gesungen worden, der Vulkangeist gebettet, der Frühling erkämpfte nun machtvoll sein Recht. Und dennoch… Ein schaler Nachgeschmack blieb, der Verursacher weilte, der Gefängniswärter ungestraft. Trotzdem lächelte Majalin nach einem friedlichen Schlaf, das hatte noch ein paar Tage Zeit.
Fest und stark ist nur der Baum, der unablässig Windstössen ausgesetzt war, denn im Kampf festigen und verstärken sich seine Wurzeln. Lucius Annaeus Seneca
Verfasst: Dienstag 15. März 2011, 21:41
von Diomedes Luchsohr
Zwitschern.
Wärme.
Sonnenstrahlen.
Schwere Glieder.
Müde Augen.
Ein befreiendes Gefühl in sich drin.
Diomedes machte langsam seine Augen auf und blickte an eine Decke. Er glaubte zu wissen wo er war, jedoch musste er sich erst davon überzeugen. Er hob leicht den Kopf, ein Ziehen durchzog den ganzen Rücken, ausgehend von seinem Hals. Er war sehr verspannt, aber rappelte sich langsam auf. Nun saß er, die Beine noch von sich gestreckt, in weichen Fellen gebettet, neben sich die liebe Hanna und zwei Meter weiter der tapfere Tristan liegend, beide wohl noch tief am schlafen. Das Felllager im Gemeinschaftshaus der Schwesternschaft, und er hatte eine ganze Nacht darin verbracht. Er strich Hanna zart über ihr Gesicht und sah ihr noch einen Moment zu, wie sie so ruhig und friedlich schlief, bevor er dann vorsichtig aufstand und sich aus dem Gemeinschaftshaus schlich. Als er aus der Tür raus ging, erinnerte er sich nochmal daran wie er auf dem nicht weit entfernten Baum gesessen und wache gehalten hatte.
Seine Schritte waren ruhig und gemächlich, seine Blicke zogen an den Bäumen, den Gräsern und dem kleinen Teich vorbei, in dem sie sich gestern noch gewaschen hatten. Sein Atem war gleichmäßig und die Richtung die er anschlug war die des Ritualplatzes vom gestrigen Tage. Den Weg war er gestern nach der Waschung auch gegangen, zusammen mit Medren um rechtzeitig fertig zu sein. Diomedes kniete sich, nun angekommen, in das dichte Moos, dass zwischen dem Gras wuchs und ließ seinen Blick umherschweifen. Der Frühling zog ein, in all seiner Pracht, mit Mutters Macht.
Der gestrige Tag hatte alle viel Kraft gekostet, aber sie wurden nicht enttäuscht. Ihr Vorhaben den Vulkangeist in den Schlaf zu senden gelang und sie freuten sich, auch wenn nicht gänzlich ausgelassen, da sie ziemlich kraftlos waren am Ende. Nach und nach waren sie alle verschwunden und hatten eine gute Nacht gewünscht, nur Hanna, Tristan und er waren zurückgeblieben. Er hatte sie im Arm, sie stützten sich gemeinsam, Tristan lag auf dem Boden.
Diomedes drückte sie an sich, sie standen einfach da, er genoss die Nähe, er sah sie an, er lächelte, es war ein wirklich schöner Moment. Dann gingen sie zu dritt in das Gemeinschaftshaus und legten sich in die wohlig warmen Felle, sie nahm seine Hand und sie schliefen ein.
Ein zart Berührung, sanft und weich,
so schön wie mancher Bergenteich,
Gefühle sind hier ziemlich neu,
manch einer ist auch ziemlich scheu,
Das Eise taue unter wärme,
die man sich gibt, hat man sich gerne.
Diomedes saß mittlerweile im Schneidersitz und spielte mit einer Blume herum, die aus dem Boden spross. Nach einigen Momenten sprang er auf und drehte sich herum, auf einen bestimmten Punkt zwischen den Bäumen hin gehend. Man spürte einen kleinen Ruf im Lied der Mutter und ein kleiner Waldgeist hüpfte zwischen zwei Sträuchern hervor, nun wild um Diomedes kreisend.
Lieber Waldgeist, lass mich reisen, mit dir um alle Welten kreisen, bring mich doch bitte ganz schnell nach Haus, ich danke dir so überaus!