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Das schwarze Licht...

Verfasst: Freitag 28. Januar 2011, 02:03
von Anveena Midame
Langsam stieg Sie die Treppen hinab, ein sachter Zug an dem Buch, ein leises Flüstern in der Dunkelheit, ehe sich die Mauer verschiebt und einen Durchgang frei gibt.
Der Mann im Kerker, er zuckt zusammen, die Augenhöhlen leer, das Gesicht voller Falten. Unrassiert, stinkend. Wie lange mochte er schon da sein?
Sein Überlebenswille war stark...er hat sogar das rohe, blutige Menschenfleisch gegessen, dass ihm irgendwer gab.
Doch Anveena hielt nichts von derlei Spielchen. Psychologische Folter war ihr zu stupide. Es war zu leicht zu umgehen. Ein jeder Mensch könnte Schmerz vorheucheln und es nur so weit treiben, bis der Mensch aufgibt und sich mit dem Tode abfindet.
Ab diesem Punkt, stirbt er dann einfach.
Etwas, was ihre Opfer nie erfahren konnten. Nein, Sie waren auf Anveenas Gnade angewiesen. Erst wenn die Dienerin es wollte, fuhren ihre Seelen hinab zu Krathor.
Sie umkreiste den Altar, die leeren Augen des Mannes, der sich wimmernd in die dunkle Ecke verkroch, folgten ihr, bis Sie hinter diesem verschwand und die Gruft erreichte.
Sie überschritt die Brücke, das Meer aus Untoten unter ihr stöhnte auf, Knochen klapperten und die Schreie der verlorenen Seelen sangen in ihren chaotischen Klängen.
Sie schritt nun zügiger, direkt hinein in den Saal und liess sich auf den Tisch nieder.
Sie zog die Kaputze aus dem Gesicht und senkte die Maske hinab zu ihrem Hals.
Sie lächelte.
Welch Geschicke mochten geschehen, dass Sie lächeln würde?
Meist verhiess dies dunkle Zeiten für die ehrbaren, die rechtschafenden und die unschuldigen Menschen. Und dennoch...lag dort etwas anderes.
Mag es der Mann sein?
Ja, Sie hatte ihr Ziel erreicht. Er, der gute Hirte, das strahlende Licht, küsste Sie.
Verfiel er ihrem Spiel?
Oder verfiel Sie seinem Charme?
Mag es sein...dass die Unnahbare...doch den Menschen in sich öffnete?
Oder nutzte Sie ihn nur für ihre Zwecke aus, solange, bis er nicht mehr vom Nutzen seie.
Ein angesehenes Mitglied des Ordens, ja, soetwas war für eine Dienerin mehr Wert als vieles andere.
Und dennoch...
ihr leeres, verträumter Blick. Dachte Sie an ihn...oder an die vielen Möglichkeiten, die sich ihr nun aufbauten.
Denn soetwas fand man in der Geschichte aller Diener nicht...
nicht nur, dass Sie einst den Priester täuschte...
dass Sie einst die Magierin täuschte...
gar den Grafen täuschte...
Nein, sie vermochte, nun nicht nur die Seele der Temorakrieger zu stehlen, sondern auch deren Herzen.
Sie bemerkte ihn nicht, warum bemerkte Sie ihn nicht, spürte nicht seine Anwesenheit?
Sie schüttelte den Kopf, als ihr alter Schüler aus dem Dunkeln hervortrat und sich auf Sie zu näherte.
"Warum so glücklich, liebe Schwester?"
Ihr Gesicht wandte sich leicht ab.
"Das braucht dich nicht zu Interessieren Nazhyr."
Sie war genervt...nichts neues eigentlich...aber diesesmal hasste Sie sich selber. Sie war durchschaubar für den Bruchteil einer Sekunde.
"Aber aber...warum denn so gereizt?"
Er stellte sich vor den Tische, an welchem Sie sass, drehte sich leicht ein und setzt sich dann auf eben jenen drauf.
Die Hand auf den Tisch legend, stützte er seinen Oberkörper ab, während ein Bein baumelnd nur wenige Zentimeter von Boden entfernt hingen.
"Du solltest mich gut genug kennen, mich nicht zu reizen."
"Ich? Dich reizen? Ich möchte nur an deiner Freude teilhaben."
"Dann such dir selber etwas, was dir Freude bereitet."

Er hob den Kopf, spreizte einen Zeigefinger und wedelte ihn leicht.
"Tz...tz...tz....ich bezweifle, dass so ein Ordensbübchen mir Freude bereiten würde."
Woher wusste er das, fragte es sofort Anveena in ihrem Kopfe.
"Du hast mich verfolgt? Mich beobachtet?"
"Sagen wir so...ich flog zufällig einige male dort meine Kreise, wo du warst...wie war noch sein Name? Ni.."
"Wag es nicht, den Namen auszusprechen."

Ihre Stimme war zornig, eigentlich nichts neues. Es war das sichere Zeichen für andere Diener, sich lieber zu entfernen. Doch bei diesem Thema wieder etwas, was für Sie untypisch war. Wieder etwas, dass verriet, dass hinter all dem mehr stecken mochte, als reine Lust an der Quälerei der Feinde ihres Gottes.
"Wieso nicht? Eigendlich solltest du dich freuen...einer vom Orden. Ich ziehe den Hut vor meiner alten Meisterin...das ist schon ein gutes Stück Schauspiel, dass man aufwenden muss. Alleine, sich nicht zu übergeben, wenn er mit seinem Lächeln auf einem zu kommt...sofern...", er stoppt, sein Blick hat das Amüsierte verloren, er schaut ernst. Auch etwas, dass Nazhyr nur selten und nur bei ernsten Themen wagt, seiner Meisterin entgegenzutreten. Etwas, was Anveena an ihm schätzte, warum Sie IHN damals unter ihre und Simoens Fittiche nahm. Ein Diplomat durch und durch.
"Sofern was?"
"Sofern es Schauspiel ist."
"Was willst du damit sagen?"

Er kommt nun näher mit seinem Gesicht, fast flüsternd, und doch so hart hämmernt wie der Hammer eines Schmiedes auf das Amboss.
"Du hast Gefühle für ihn...es ist kein Schauspiel."
Langsam bebt Anveenas Hand. Der Zorn macht sich breit. Mag es der Zorn gegenüber dieser Anmassung...dieser Unterstellung sein...oder mag es Zorn gegen sich selber sein...dagegen, dass er Recht hätte?
"Zügel deine Zunge, Nazhyr, oder ich reisse Sie dir heraus."
"Wenn ich falsch liege, dann sollte er dir egal sein. Sollte dir egal sein, dass ich ihn nachher besuche, in seinem schönen Haus. Egal sein, dass ich ihn im Schlafe überrasche, mit dem Dolch an seiner.."
"WAGE ES NICHT.",
der Boden beginnt leicht zu beben, einige Stühle vibrieren, während ein unnatürlicher Wind die Hallen durchflutet und das Totenmeer angesichts dieses direkten Kontaktes mit der Macht Krathor, nun beginnt aufzuschreien.
"WAGE ES NICHT, IHM EIN HAAR ZU KRÜMMEN. IHM LEID ANZUTUN. ICH WARNE DICH...ICH WARNE EINEN JEDEN DIENER. NIEL GEHÖRT MIR UND EIN JEDER DIENER WIRD ES BITTER BEREUEN, MIR DAZWISCHEN ZU GEHEN."
Ihre Stimme hallt die die Räume, Sie ist anders...dunkel...krächzend und voller Wut, während ihre Augen sich verdunkeln, ein bedrohliches Schwarz annimmt, welches mit kleinen Blitzen umspielt wird.
"Du würdest einem Diener leid zufügen? Das wäre nicht nur anmassend Anveena," schreit Nazhyr ihr entgegen. "Das wäre Verra...".
Ehe er das Wort zu Ende sprechen kann, erbebt der Raum, es gibt einen lauten Knall, Tische und Stühle fliegen in alle Richtungen, während der Körper Nazhyrs bis zur anderen Seite gegen die Wand prallt und zu Boden fällt.
Langsam, aus der sich gebildeten Staubwolke, tritt Sie hervor.
Die Hände bedrohlich Leuchtend, umspielt von Blitzen wie in ihren Augen, während ihr langes Haar im Winde tänzelt, während Staub sich auf Sie niederlegt.
Nazhyr wischt sich über das Gesicht und spuckt etwas Blut auf den Boden, ehe er zu ihr blickt.
"Deine Anschuldigungen und dein Misstrauen sind Verrat. Es ist meine Angelegenheit, was ich mit ihm vorhabe und er gehört mir. Ein jeder Diener soll wissen, dass er meinen Plänen nicht in die Quere kommen sollte, so wie ich nie deren Pläne durchkreuze.
Also pass auf, was du in Zukunft glaubst zu wissen und wem du dieses Wissen anvertraust."

Sie beugt sich zu ihm. Streckt ihre Hand aus. Trotz der Tatsache, dass ihre Wut und ihr Hass noch spürbar sind, streckt Nazhyr ihr seine entgegen und lässt sich aufhelfen.
"Verliere nicht dein Vertrauen in mich, alter Schüler, dann werde ich dich aucn nie enttäuschen."
Jene Worte, in der Gruft ausgesprochen...
wieviel mögen Sie unter den Dienern Krathors wiegen, welche sich verstehen, dem Schauspiel gerecht zu werden.

Verfasst: Freitag 28. Januar 2011, 23:21
von Niel Finrias
Drei und ein halber. Die Summe der noch immer fast vollen und im Wesentlichen unbeachteten Weinkrüge vom Vorabend, die noch in seinem Haus umher standen. Wären sie Frauen, wären sie gewiss - und zurecht - angesäuert über solch eine Behandlung.
Die einzige Dame, die seit Längerem die Räume betreten hatte, wurde durch ihn schon vor Stunden wieder nach Hause gebracht, und seither wanderte er ein wenig rastlos umher. Sie hatte gelächelt, wie konnte er allein der Grund sein? Über verschneite Wege. Bis er schließlich durch das Tor der Ordensburg kam, und langsame, geistesabwesende Schritte den jungen Mann über den bereits morgendlich dämmrigen Ordenshof führten. Schnee knirschte unter seinen Stiefeln und irgendwo im Efeu am Mauerwerk der Burg raschelte es, vielleicht ein früher Vogel oder ein Marder, der eine Nische gefunden hatte.
Einige Augenblicke später durchströmte Niel ein wohl bekanntes Gefühl und weckte ihn aus seinen Gedanken. Angesichts des Altars am Ende des Säulengangs, vor dem er stand, hielt er inne. Das Gesicht verriet zunächst Überraschung, ob des Ortes, an dem er sich selbst wiederfand. Dann legte sich ein Lächeln auf seine Züge.

So begab er sich gen des Altars am Ende des Kirchenschiffs und kniete sich vor den in den Boden eingelassenen Intarsien dort nieder. Betrachtete für eine Weile die Funken, die rundherum aufstieben und um die alten Symbole tanzten.
Schließlich senkte er die Augenlider, um im Tonfall tausendmal gesagter Worte, an die sich nunmehr weniger der Kopf denn die Lippen erinnerten, ein Gebet zu rezitieren.
Dabei begannen sich einige Bilder vor seinem inneren Auge zu formen. Zunächst bat er für seine leibliche Familie.

"Ich bitte Dich um dein Geleit und Licht
für meine Eltern und Geschwister.
Ich bitte Dich, schütze jene, die mir am nächsten
und zugleich am fernsten sind."


Lang schon hinter ihm lagen die Begegnungen, so dass die Bilder von Gesichtern zeugten, die inzwischen sicherlich eine Dekade älter sein müssten… unterbrochen, immer einmal wieder, durch den Blick dunkler Augen. Stirnrunzeln.
Es folgten die Brüder und Schwestern des Ordens… zwischendurch schob sich einmal mehr ein anderes Bild dazwischen: Dunkles Haar, eine Strähne, die aus dem Gesicht gestreift wird.
Seine Augenbrauen wanderten zur Mitte, versuchte sich zu besinnen. Ein neues Bild erschien sogleich, und er murmelte:

"Schenke ihr auch die Kraft am morgigen Tage
wieder jenen zu helfen und sie zu beschützen
deren Wohl sie an ihrem Herzen trägt
und leite weiter sie auf dem Weg der Tugend."


Diese Worte galten dem erinnerten Bild einer jungen Frau. Seit einiger Zeit schon weilte nicht mehr in den Landen, doch noch immer verband er mit ihrer Entscheidung zur Abreise großen Respekt.
Erst allmählich zeigte sich anderes Gesicht.
Dann das des Grafen von Tiefenberg – blass und besorgniserregend ausgezehrt, wie bei der letzten Begegnung.

"Beschütze besonders die Kranken, Verwundeten,
sowie auch jene, die in Deinem Sinne wirken..."


Ein ungewöhnlich zur Konzentration angestrengter Ausdruck lag auf seinem Gesicht.
"... Und beschütze die Wehrlosen, und Unschuldigen. Anveena...", sprach er weiter, und unterbrach sich. Sein Herz begann zu rasen, und ebenso einige Gedanken rasten durch seinen Kopf, als ihm bewusst wurde, dass ihr Name bereits drei oder vier Mal zuvor einfach zwischen seine Worte geflossen war.
In ihm stieg eine verlegene Wärme auf, und er schloss die Augen, den Kopf tief gen des Altars neigend.

"Ich danke Dir, für jene unverhoffte Begegnung,
und bitte Dich: Schenke ihr weiter Hoffnung,
auf dass sie ihr Glück finden möge."


Seine Gedanken verharrten bei jener Frau. Niel erhoffte eine glückliche Zukunft für sie, doch welcher Teil ihm dabei zufallen würde, blieb schleierhaft. Er fragte sich insgeheim, was eine Frau wie sie zu ihm hin zog... doch für den Moment, ließ der Gedanke an sie ihn wieder lächeln.

Der junge Ordensmann erhob sich langsam. Dicht hinter sich hörte er plötzlich Schritte von schweren Stiefeln auf dem marmornen Boden der Kirche.
"Seid gegrüßt, Bruder Niel. So früh schon ins Gebet vertieft?"
Er nickte und fuhr sich recht überrrumpelt mit der Hand durchs Haar.
"Und was ist daran so lustig, dass Euch gleich der obere Teil des Kopfes abfällt, so breit Euer Lächeln ist?" Mandred legte die Hände vor dem Unterleib zusammen, die Augen durchbohrten ihn geradezu. "Diese Frau - An...?", fragte er und trat näher. Niel fiel siedend heiß ein, dass Mandred sein Gebet halb mit angehört haben musste.
"Ehm, ja...", gab er zögernd zu und schaute auf die Brustplatte des Adlerritters, um nicht weiter diesem Blick standhalten zu müssen, der bis an die hintere Seite seines Kopfes zu dringen schien.
"Darüber werden wir einige ernste Worte wechseln müssen", stellte Mandred trocken fest, und wandte sich mit einem kurzen Brummen selbst dem Altar zu, kniete sich zu seinem eigenen Morgengebet nieder. Niel verneigte sich respektvoll und schlug ein Ankh vor seiner Brust, bevor er sich auf den Weg hinaus machte, um vorerst ein wenig Zeit zu schinden.

Verfasst: Samstag 29. Januar 2011, 20:33
von Niel Finrias
Zu späterer Stunde des Tages traf er wieder auf den Adlerritter, und ein Blick in dessen Augen zeigte, dass es diesmal kein Entrinnen geben sollte. Streng und erfüllt von jenem hellen Glühen, das oft an ihnen auffiel, nahmen sie Niel genauestens in den Blick.
Eine hintergründige Frage lag schon in den Worten, die zum Gruße gesprochen wurden: "Es freut mich euch... unbescholten und wohlbehütet zu sehen... ich hoffe, nicht nur der Schein ist so, sondern auch die Realität?" – "Ehm, ich wüsste nichts, was dagegen spräche", entgegnete Niel und lächelte schief, als könnte sich gleich der Boden unter seinen Füßen auf tun.

Die beiden gingen in einen Raum oberhalb des Kirchenschiffs, und setzten sich auf zwei der massiven steinernen Stühle nieder. Über den Tisch hinweg fixierte Mandred wieder den jungen Mann, starrte ihn so lange durchdringend an, bis dieser begann zu sprechen.
"Sie heißt … wir begegneten uns zufällig … eine Einladung … und so entspann sich …", er erzählte alles, was sich bisher ereignet hatte, mit einem kleinen Lächeln, doch hier zögerte der junge Mann kurz, ehe er den Satz in unschlüssigem Tonfall beendete: "... etwas."
Der ältere Ordensbruder gab sich keine Mühe, zunächst seine Skepsis zu verbergen.
"In Ordnung Bruder... Meine Pflicht ist es nicht, euch zu bemuttern. Meine Pflicht ist es auch nicht, euch Gefühle auszutreiben oder euch welche einzupflanzen. Das überlasse ich Rabendienern... Aber..." Niel senkte den Blick, er wusste selbst, dass er den Tadel verdient hatte. Er hatte sich ehrlich erschrocken, als er sich am Morgen so unkonzentriert ertappte.
"Als Mitglied dieses Ordens, dem auch ihr angehört, und wo ich als Ordensritter die Möglichkeit – lediglich die Möglichkeit – habe, euch zu weisen will ich dies wahrnehmen... Was ihr für diese Dame empfindet, sei mir nahezu gleich...", seine Stimme nahm einen strengeren Tonfall an, als er fortfuhr: "Aber es ist mir nicht gleich, wenn ihr aufgrund dieser Gefühle und Gedanken eure Pflicht gegenüber euch selbst, dem Orden, jedem seiner Mitglieder und nicht zuletzt eures Glaubens und damit Temora vernachlässigt."
Niel nickte ob dieser Worte seufzend und schaute Mandred wieder an, wappnete sich aber innerlich: Er kannte des Bruders Strafpredigten zu gut, um sich der Hoffnung hinzugeben, sie könnte bereits vorüber sein.

Schon hob also sein Gegenüber erneut die tiefe Stimme, und der durchdringende Blick Mandreds wirkte von dem weißlichen Glühen, das einmal mehr von seinen Augen ausging, nur noch einschüchternder. "Ein Gebet an die Lichtbringerin ist in Demut, Reinheit und vor allem geistiger Ruhe darzubringen. So wie ich es mitbekam, wart ihr der geistigen Ruhe weiter weg, als ein Diener Alatars vom Licht weg ist."
"Es ist… nie, nie zuvor vorgekommen.", murmelte Niel zerknirscht.
"Ich will euch nicht tadeln, und ich will euch nicht bestrafen - was zu eurem Wohle ist, denn vor einem guten Jahr hätte ich euch eine saftige Strafarbeit aufgetragen... und euch selbst für diese nochmal getadelt und eine Strafarbeit für die Strafarbeit aufgetragen."

Während sie so sprachen, wandelte Mandreds Haltung der scharfen Beobachtung sich allmählich, die Miene nahm einen gutmütigeren Zug an. Er lehnte sich am Tisch vor und fragte: "Bekomme ich Eure Konzentrationsdiebin auch einmal zu Gesicht? Ich meine, sie flüchtig sogar zu kennen." Die Frage wurde mit einem Lächeln und einem verdutzten Nicken quittiert. "Bald, schätze ich."
"Wollt Ihr meine Meinung hören? Eine neutrale Meinung?" Der Ältere lehnte sich nun wieder zurück und streckte die Wirbelsäule durch. Abwartend blickte Niel ihn an, ahnend, dass die Einschätzung ohnehin würde abgegeben werden. "Ihr seid verschossen...", sprach der Ritter recht spröde. "Und zwar von Kopf bis Fuß. Und ich rate Euch schleunigst, bei der Gnade der Herrin... harrt nicht zu lange. Macht Euch schnell bewusst, wie Ihr handelt, was Ihr empfindet!"
Mandred tippte mit dem Zeigefinder energisch auf den Marmor. "In einer Woche…"

Verfasst: Montag 31. Januar 2011, 00:21
von Anveena Midame
Leicht schlenderte Sie durch die Straßen, den Blick nach Links wendend, dann nach Rechts.
Das Glück strahlte ihr so sehr über das Gesicht, dass selbst die Verkäufer des Marktes von ihr angesteckt wurden und ebenso mit einem strahlen erwiedern.
"Frau Midame, einen schönen Tag wünsche ich", sprach es vom alten Obstverkäufer mit einem sachten anheben seines Hutes zum Gruße.
"Frau Midame, euer Glanz in eurem Gesichte lässt meine Rüstungen alt und rostig aussehen.", erwiederte der Schmied auf der anderen Seite.
Ja, viele, die Anveena kannten, mögen ihr das Glück ansehen, das Sie im Moment besass.
Sie bog an der Marktkreuzung an den Weinständen nach Links ab, bis Sie zum Feinschmied ankam.
Es war ein kautziger, alter Mann, dessen Lebenserfahrungen man in seiner Arbeit widerspiegeln konnte.
"Oh, guten Tag werte Dame", drehte er sich um, und blickte auf Anveena hoch. "Was darf es für euch sein."
"Ein Messer brauche ich."

Der Mann nickte, kramte unter dem Tisch und kam mit einer Holzplatte voll mit Messern wiederhoch.
"Wofür soll es sein?"
"Oh, zum blanchieren...es muss Butterweich durch Fleisch schneiden."

Der Mann nickte und überreichte ihr ein sehr großes.
"Meine beste Arbeit, es ist so scharf, dass man keinerlei Kraft aufwenden müsste, um durch alles durchzukommen. Für eure zarten Hände das perfekte Werkzeug in allen Küchen."
Er lächelte Sie an, ihm fehlten schon einige Zähne.
"Oh, vielen dank...was schulde ich euch?"
Er streift sich einmal durch seinen Bart, ehe er wieder lächelnd meint.
"Normalerweise nehme ich 100 Goldstücke für diese Art von Handwerksarbeit...doch...ihr lächelt so schön, dass es mein Herz erwärmt und so lasst es mich euch zu einem Geschenk machen."
Er packte das Messer in Pergament und überreichte es Anveena, die dann mit einem "vielen Dank" und "einen schönen Tag noch" fröhlich davon schlenderte.
Angekommen, legte Sie ihre Jacke achtlos auf den Boden und das, in Pergament eingewickelt Messer auf den Steintisch.
Sie atmete einmal sacht.
Menschen...so manipulativ...
gebe einem lüsternen, was er will und er gibt im Gegenzug alles, was er kann.
Sie band sich die Haare neu.
Niel...ein leises seufzen entging ihr. Es...war aber anders. Mag es daran liegen, dass Sie sich einen Plan faste? Das er einer vom Orden war...und nicht irgendein Seemann in irgendeiner Spelunke?
Sie hatte Spaß mit ihm, dass musste Sie sich eingestehen...würde Sie daran glauben, würde sie denken, sie hätte Mitleid damit, was er durchmachen müsste...erfuhre er jemals die Wahrheit.
Sie drehte sich leicht um, der Blick auf die dunkle Ecke.
Wie zärtlich er war...wie...mitfühlend...rührend...es...
es bereitete ihr Angst.
Es war soviel leichter, wenn die Menschen nicht so sehr vom Herzen gut waren.
Einen Banditen riss Sie lieber die Kehle hinaus, als einen Manne, der nur Opfer der Götterkriege wurde.
Sie seufzte leicht.
Und dennoch...
Sie war verwirrt.
Sie leckte sich leicht mit der Zunge über ihre Lippen...über jene Lippen, die ihn so leidenschaftlich küssten.
Ohja, in diesem Spiel war Anveena die Meisterin. Das richtige nutzen ihrer Reize, der richtige Satz zur richtigen Zeit...eine Träne hier, ein wenig hilflosigkeit da.
Ja...sie spielte perfekt...sofern...war es gespielt?
Oder erkannte Sie in Niel ihren Rettungshaken aus diesem Leben?
Sie nahm nun das Eingerollte an sich und entpackte das Messer.
Ein leises Wimmern ging von der dunklen Ecke aus, als sie eben jenes langsam in ihrer Hand hin und her gleiten liess.
Es war scharf und frisch geschlissen. Das Eisen blank poliert, benutzte Sie es kurz, sich ihre Augen anzusehen. Kurz mit den Fingern über ihre Augenbrauen gleitend.
Perfekt.
Dann legte Sie ihren Umhang zur Seite und eine Schürze um. Langsamen Schrittes zur Ecke.
Niel...
Sie stoppte.
Wieder, unwillkürlich, dachte Sie an ihn...und als Sie das Messer begutachtete, musste Sie erschrocken feststellen, dass Sie lächelte.
Es war kein fieses Lachen, was von ihr oft ausging, nein, es war ein gedankenverlorenes Lächeln.
Sie seufzte kurz, bei den Gedanken an ihn, ehe sie den Kopf schüttelte und wieder zur Ecke ging.
Das schwache Wimmern wird lauter, trotz der schwäche des Geschöpfes, das ihn ausstiess.
"Oh glaube mir, mein lieber Berthold", entgegnet Anveena leise. "Dies tut dir mehr weh als mir."
Zuletzt sind es die Schreie des Mannes, die die dunklen Hallen der Gruft begleitet, während das neue Messer, wie der Erschaffer sagte, wie Butter durch die Haut des Menschen schnitt.

Verfasst: Dienstag 1. Februar 2011, 03:23
von Anveena Midame
Langsam glitt Sie den Pinsel hinein, ihn einmal sacht drehend, ehe er, leicht noch tropfend hinausschwang und seinen Weg auf das leere Bild fand.
Ein sachter Schwung, eine gerade Linie, ein weiterer, und es ergab sich ein Halbkreis.
Ein kurzer Blick, während automatisch die Hand wieder in die Flüssigkeit tauchte.
Ja, sie hatte klare Vorstellung, die Künstlerin. Sie sah das fertige Bild vor ihrem geistigen Auge und musste nur noch die Linien nachzeichnen, die sich ihr auf dem leeren Bild bildeten.
Ein Plan,
alles brauchte einen Plan. Jeder Schritt, jeder Pinselschwung musste genauestens koordiniert sein. Ein falscher...und das Bild war ruiniert, alle Arbeit umsonst gewesen.
Und während Sie den Pinsel wieder hervorhob, die rote Farbe an die leere klebte, kreisten ihre Gedanken an den Tag.
Sovieles geschehen...soviel...gewolltes...doch unkontrolliertes. Falsche Striche, die nur mit mühen zu kaschieren waren.
Mandred...
da war er...der Ehegatte jener Frau, die Sie so verabscheute, so hasste für die Dinge, die Sie einst ihrer Liebsten antat.
Und dennoch, nett lächeln, höffliches auftreten, ein feiner Knicks und über jeden Witz noch so gut es ging gekünstelt lachen und das gewollte Erbrochene im Magen behalten.
Hatte er etwas bemerkt? Oder war er nur so Eitel, dass er das Stolz des Ordens so präsentieren musste, als er Sie in die Kirche Temoras schliff.
Das vermeintliche Gebet, ein Stossgebet an Krathors Mächte, ihr Kraft zu geben, dass der Ekel Sie dort nicht übermannte.
Sie erinnerte sich an ihre alte Meisterin.
Die Gefahr einer temorianischen Kirche lag beim Diener nur, wenn er das menschliche ablegte und die Gefühle, die Liebe und das Licht, dass diesen Ort umgab, versuchte abzublocken.
Welch Narren allen Dienern, die dort schweißgebaded zu Boden gingen...war es doch so einfach, seine menschliche Existenz beizubehalten, ohne in die Gefühlsduselei hinabzuwandern.
Und dennoch...obwohl Sie immer noch glaubte, ihr Arm jucke wie durch einen schlimmen Ausschlag...war er doch so süß...Niel..
Sie lächelte in die Luft, als gedankenverloren der Pinsel weiter seine feinen Linien zog und wieder in die Flüssigkeit tunkte.
Er nahm Sie an die Hand, stellte sie vor den Altar...und stellte dann SIE IHR vor.
"Temora...das ist Sie."
Wärme, innerliche Wärme überkam Sie. So rührend...so fremd...
Ein Mensch, der mit soviel Stolz sogar vor seinen Gott trat, um ihn Sie vorzustellen.
Sicher, das Bild war amüsant.
Temora, als Göttin, die um die Scharlarterei Gewiss sein muss, wäre sicher am liebsten hervor gesprungen und hätte ihren Jüngling die Haare gewaschen, wie naiv...gar Blind er war...auf diese...
Doch...war er es? Oder war Sie es geworden? War Niel der einzige, der klar sah, der Anveenas wahre Gefühle erkannte?
Sie schüttelte den Kopf...und dennoch...
Sie sprach es aus.
Egal, wieviele Männer Sie bezirrzte, eines war ihr immer heilig, eines sagte Sie nie einen ihrer Günstlinge, ihrer Bettliebhaber, ihrer Seelennahrung...nie...sagte Sie einem, dass Sie Sie liebte.
Nicht einmal zur Tarnung, nicht einmal aus Spaß.
Nein, es war das einzige Sakrileg, was Sie sich gab und ewig für sich bewahrte.
Und dennoch...sie sagte es ihm. In einem höhen Flug aus Gefühlsduselei,die er herbei rief.
Ja, so kann es gewesen sein. Es war nicht unklug, es zu sagen, nein, er erwiederte es, gestand auch, sogar bei Temora, dass er Sie liebte.
Sie band Ihn an sich, ja, er war nun in ihrem Fliegennetz gefangen. Diese Worte...waren das beste, was Sie tun konnte...
und dennoch, hatte Sie das Gefühl, etwas verraten zu haben...oder...das Gefühl, etwas nicht zu erkennen.
Weitere Striche füllten das Bild, die rote Farbe setzte sich perfekt daran.
Und danach...
diese Leidenschaft...
diese Lust...
Sie war...es...es war nicht das Verlangen, was Sie sonst immer verspürte. Der reine, menschliche Trieb, den Sie hätte mit jeden befriedigen können.
Nein, ihre Gedanken kreisten dabei nur um ihm. Ihr kam es in dem Moment nicht in den Sinn, einen anderen Mann lieben zu wollen, nah zu sein, 2 Körper, in diesem Akt verbunden.
Nein, sie wollte ihn...ihr inneres mahnte Sie...es könne zu gefährlich werden...wenn Sie zu stürmisch an die Sache geht, könne der Plan scheitern, ihn verschrecken und entfernen...die Lust kann doch nicht über der Vernunft liegen...
und dennoch, war es ihr egal. Die Vernunft...als Sie ihn an sich presste, so innig küsste und seinen Körper spürte.
Langsam glitt der Pinsel aus ihren Fingern, zurück in den aufgeschnitten Körper, dessen offener Brustkorb die rote Farbe für das Gemälde innehielt.
Sie legte das Gesicht in ihre Hände, einmal seufzten, einen klaren Gedanken zu fassen.
Sie durfte nicht vergessen, wer Sie ist.
Sie durfte das Ziel nicht aus den Augen verlieren.
Krathor, würde so einen Verrat niemals dulden, selbst bei seiner treuesten, vielleicht mächtigsten Dienerin. Er würde Sie strafen...und ihn auch.
Sie hebte den Blick, das Bild war perfekt.
Ein Spielenmuster aus einer Landschaft. So schön.
Die rote Farbe unterstrich die aufgehende Sonne.
Ja, der Nachteil, wenn man Blut nutzte. Es gab keine wirklich große Vielfalt der Farben und so waren die Motive meist vorherbestimmt.
Und dennoch, war es ein schönes Bild, so friedlich, so frei.
Ja, das würde Niel sicher gefallen.
Sie schmunzelte, ehe sie den toten Körper vom Tische mit dem Fuße stiess und die Grabkammer verliess.
Sie würde es ihm morgen vielleicht geben...schliesslich...hatte er es ja versprochen.

Verfasst: Mittwoch 2. Februar 2011, 09:07
von Niel Finrias
Diese Frau… hatte ein Lächeln wie der Sonnenaufgang. Es verfolgte ihn in seine Träume, und trotz aller Bemühung auch immer noch manchmal in seine Gebete.

Er schippte eine Forke altes Stroh auf den Karren. Dabei lächelte er selbst unwillkürlich durch die Gegend – die Tiere mussten ihn für ungemein gut gelaunt… oder ungemein dämlich halten.

Diese Frau… küsste ihn, dass es ihm kalt und heiß wurde. Meistens und besonders… heiß. Schon bei der Erinnerung breitete sich von seinem Zwerchfell ausgehend ein Kribbeln aus.

Die Schafe raschelten und blökten, erneut eine Schippe. Niel rieb sich kurz über die von der Kälte gerötete Nase beim unvermittelten Gedanken an Sauerkraut-Wickel. Gut, dass ihm das einfiel. Er sollte sich ranhalten, wollte er noch nach Praian sehen. Der alte Kläpper hatte sich doch tatsächlich was eingetreten.

Diese Frau… hatte sich im Gespräch mit Mandred gut geschlagen.

Er schob sich kurz die Hemdsärmel hoch und starrte gegen die Wand des überdachten Holzverschlags. Der Atem materialisierte sich weißlich in der kalten Luft vor seinem Gesicht.

Diese Frau… vertraute ihm, hatte ihm weite, schwerwiegende Teile ihrer Vergangenheit enthüllt. Ihm ihre vermeintliche Schwachstelle gezeigt. Geweint.

Schipp. Empört gackernd wetzte eine wohlgefütterte Ordenshenne vor seinen Knien lang – die letzte Ladung Stroh war, statt in den Karren, halb auf sie niedergeregnet.

Diese Frau… wollte ihn. Wollte zu weit gehen. Und riss ihn jedes Mal, wenn er ihr begegnete, ein Stück weit mit.

Eilig wischte er sich über die Stirn, einige Schweißtropfen weg. Die körperliche Anstrengung tat ihm gut, obgleich er wieder einmal nur halb bei der Sache war. Er stellte sich vor, und der Gedanke ließ ihn kurz jungenhaft auf grinsen, Mandred könnte ihn hier ertappen. Sicher würde er bald fragen - eine Woche war nicht viel Zeit.

Diese Frau… eingeschlafen auf der schlichten Matte vor seinem Kamin. Noch feine, salzige Spuren auf den Wangen. Das Gesicht friedlich, der Atem ruhig. Das Bild hatte sich in sein Gedächtnis eingebrannt.

Schipp.

Verfasst: Freitag 4. Februar 2011, 02:28
von Anveena Midame
Ein Traum...
ruhig lag Sie da, in seinem Armen. Lauschte seinem zarten Atem, während Sie ihn einfach nur im Schlafe beobachtete.
Ja, er war nicht nur fürsorglich...nicht nur zärtlich und nicht nur mitfühlend...nein...er war auch Standhaft.
Egal, wie sehr Sie ihre Reize spielen liess, er verfiel ihr und kann dennoch rechtzeitig abbremsen.
Normalerweise würde es Sie wurmen, nicht ihren Willen zu kriegen.
Normalerweise sehe Sie dies als Herausforderung, dass am Ende Sie doch bekommt, was Sie will.
Aber diesesmal nicht, nein, Sie blieb ruhig und genoss den Abend. Kein Gefühl eines Verlierers, wenn Sie darüber nachdenkte, war Sie am gewinnen.
Doch wieso?
Sie redete sich ein, es läge daran, dass Er ihr und ihrem Charme ganz und gar verfällt...dass, wenn Sie wollte, ihn wie eine Marionette tanzen liess...und dennoch...mag dies die halbe Wahrheit sein.
Vielleicht genoss Sie es, nicht wegen fleischlicher Gelüste geliebt zu werden, vielleicht...so merkwürdig es klingt...genoss Sie es, als Mensch angesehen zu werden und nicht als Monstrum.
Und dennoch, trügte dieses Bild. Sie wusste, es war nicht SIE, die er liebte. Es war eine Maskerade, ein Trugbild einer falschen Person, dass Sie aufsetzte, um geliebt zu werden.
Doch...was war falsch an ihr?
Sie fühlte sich gut...im Gegenteil...ausser, dass Sie keine Menschen vor ihm tötete oder des Rabens Macht offenbarte, war Sie Anveena.
Oder haben diese jahrelangen Spielereien sie vergessen lassen, wer Sie war.
Nein. Sie wusste es. Zu gut.
Sie seufzte sacht, ehe auch Sie den Schlaf fand. Wie ungewohnt, war Sie eigentlich ein Nachtmensch, jemand, der die Sonne zum Schlaf empfand...und dennoch...diese Gemütlichkeit, diese Geborgenheit, waren so angenehm, dass Sie einschlafen konnte.

"Anveena", hallte es durch diese dunkle Höhle.
Vorsichtig stappte Sie vorran, eine Hand an der glibschigen Wand haltend, immer einem schwachen Licht folgend, aus dem Sie vermutete, die Stimme zu hören.
Ihre Finger glitten am Schleim entlang, was sich wie rohes Fleisch anfühlte und Sie bemerkte, dass etwas von der Decke tropfte.
Das Licht wurde heller, sie erkannte, was Sie bei sich trug.
Ein Knochenschwert und ihre Dienerrobe.
Aber...war Sie nicht noch bei Niel? Lag Sie nicht neben ihm?
Sie ging aus dem Tunnel hinaus und vor ihr offenbarte Sie sich etwas, was Sie so nicht zu träumen wagte.
ER, in seiner vollen und mächtigen Größe, stehend über dem Pool der Seelen, begleitet vom lauten jammern, flehen und schreien.
[img]http://img810.imageshack.us/img810/7642/krathor.jpg[/img]
Ihr Gott, offenbarte sich ihr.
Ein Traum? Gut Möglich.
"Anveena, meine treue Dienerin. Du gabst soviel auf, meist mehr, als andere Diener.", ihre Stimme, so schmerzvoll, so zerreissend, klang wie Musik in ihren Ohren.
"Du wandelst auf gefährlichen Pfaden. Ich sehe dich, ich sehe, wie du dir etwas holst, dass du für meine Gunst ablegtest."
Wie versteinert...oder nein, wie in Trance stand Sie dort.
"Ich befehle dir, treibe deine Spielchen nicht zu weit. Sonst siehst du dich bei denen wieder, die mich vernichten wollen."
Dieser Satz riss Sie aus der Trance und liess Sie auf Knien fallen.
"Solange hast du um meine Gunst gekämpft. Verspiele es dir nicht, denn für Verrat habe ich keinerlei Gnade offen."
Ihr Atem wird schwerer, als ob von innen heraus jemand ihr den Hals zuschnürrt.
Er hatte Recht, Sie war eine Dienerin. Sie schluckte, die Wände grollten und donnerten, mit letzter Kraft, versuchte Sie sich aufzuerheben, doch mehr als eine gebückte Haltung, abstützend auf diesem Schwerte, schaffte Sie nicht.
"Mein Herr, Krathor. Ich bin eure treue Dienerin...ich bleibe es. Ich gab euch einst mein Versprechen, mein Leben und meine Seele. Nur...", sie schluckt einmal, ihre Kehle ist trocken, staubig, und dennoch versucht Sie, die Worte zu Ende zu sprechen. "Nur...eine Seele für den Plan. Eine Seele für meine Tarnung. Mehr...mehr verlange ich nicht. Nur...dieser Mensch...den du noch nicht kriegen kannst...und dafür aber umso viele mehr."
Sie sackte wieder zu Boden, Krathor spreizte seine Flügel, wieder bebte alles um Sie herum, liess ihr Gehör zum Platzen bringen. Dann ein lachen. Eine Zustimmung...ein Funke, dass das Vertrauen nie verloren ging?


Sie riss die Augen auf. Sie schwitzte leicht. Glücklicherweise lag Sie von Niels Gesicht abgedreht. Glücklicherweise schrie Sie nicht auf oder machte sich sonst irgendwie erkennbar.
Ruhig atmend, während Sie ihr Herz spürte, wie es raste.
Ein Traum?
Ja...ein Traum...doch...so Real.
Sie seufzte. Denn egal ob Traum oder nicht, was gesagt wurde, entsprach der Wahrheit. Sie musste aufpassen, wieviel Maskerade Sie ertrug, ehe Sie in dem Glauben verfällt, ihr wahres Gesicht woanders zu sehen.
Nur die toten Diener sehen den wahren Gott der Götter, alle anderen, haben ihr eigenes, geistiges Bild vom Rabenvater.
Für die einen, besitzt er das Bild eines einfachen, dennoch machtaustrahlenden Helden, für die anderen, ist er ein großer Rabe. Ja...jeder hat seine Version, viele Bücher zeugen von angeblichen Erscheinungen...und dennoch...warum Anveenas Vorstellung des Gottes so erschreckend, so blutrünstig, so angsteinflössend ist...wird wohl ihr Geheimnis bleiben.

Verfasst: Freitag 4. Februar 2011, 16:18
von Niel Finrias
Auch Niel träumte in jener Nacht. Nachdem er einige Zeit wach gelegen und versucht hatte, die Tatsache zu begreifen, dass Anveenas Kopf an seiner Schulter ruhte, fiel er in einen tiefen Schlaf.
Hätte er wählen dürfen, so hätte er sicherlich auch noch von ihr geträumt...

... einige Bäume und Sträucher, verschneites Gras, über das nur die oberflächlichen, gabelartigen Spuren einiger Vögel führten. Kein größeres Wesen, keine Menschenseele schien seit Langem dort gewesen zu sein. Der Himmel war verhangen von einer tiefen und ebenmäßigen Wolkendecke, das vorhandene Licht seltsam grau und farblos, so dass es ihm unmöglich war, eine Tageszeit einzuschätzen.

Was er keine fünfzehn Schritte entfernt vor sich sah, erinnerte ihn an einen Schrein, doch zu verfallen, um einem zu ähneln, den er je gesehen hatte. Ein steinernes Gebäude auf hohen Säulenbögen, unter dem Dach drang fahles Licht hervor, was ihn dort eine Öffnung vermuten ließ. Der Eingang, halb überwuchert von eingefrorenem Efeu, strahlte eine Stimmung aus, die Niel den Atem vor Ehrfurcht stocken ließ.

Langsam, sich der Tatsache fast schon schmerzhaft bewusst, dass jeder Schritt einen deutlichen Stiefelabdruck in der fast makellosen Schneedecke hinterließ, trat er näher heran. Blickte sich nach rechts und links um. Als er unter den gewölbten Zugang schritt, jagte ihm das Geräusch von brechenden, eisharten Efeuzweigen eine Gänsehaut die Arme hinauf.

[img]http://img577.imageshack.us/img577/3287/23622143286182603035.jpg[/img]

Unwillkürlich blieb er mitten auf der steinernen Schwelle zu dem kleinen Raum stehen. Ein seltsames Gefühl des Endgültigen erfasste ihn: Er musste eine Wahl treffen. Sollte er den Ort betreten? Sein Nacken prickelte. Jemand war doch hier!

Endlich brachte er sich dazu, wenigstens die Augen von der gegenüberliegenden Mauerseite mit ihren absurd geformten, angelaufenen Kerzenhaltern loszureißen. Der Blick gen Boden ließ ihn, unter einer dicken Schicht vereisten Laubs und Staubs gerade eben ein Symbol erahnen: Grünlicher Stein, mit einer Einlegearbeit aus Gold. Ein Zeichen, das ... oft gesehen... ihm Vertrautheit vermittelte - hierher gehören konnte es nicht, oder? Er bildete sich für einen Moment lang ein, er sehe den schwachen Nachklang jenes Funkelns, das es stets in seiner Erinnerung umgab. Daraufhin wollte er zuletzt nach oben blicken ...


... als er erwachte. Blinzelte. Fror. Ein seltenes Gefühl, das ihn jedoch langsam verließ, als er begriff, wo er war, und ein ganzes Stück neben sich Anveena erblickte. Sie hatte sich umgedreht, langes dunkles Haar schirmte seinen Blick von ihr ab, und sie schien gerade ihrerseits fest zu schlafen.
Mit nachdenklichem Gesichtsausdruck verschränkte er nun die Arme unter dem Hinterkopf und starrte Löcher in die Luft. Daraus sollte er nun schlau werden...

Verfasst: Sonntag 6. Februar 2011, 15:45
von Anveena Midame
Sacht schob Sie den Vorhang zur Seite und wollte hindurchgehen, ein letzter Blick auf den tief schlafenden Manne auf dem Bette, dass Sie sich diese Nacht mit ihm teilte.
Vorsichtig entstieg Sie die Treppen hinauf, direkt hoch in die Küche und zum Wasser.
Tief steckte Sie ihre Hand ins kalte Nass und atmete erleichtert aus. Dieser verdammte Baum des Lichtes. Zu sehr verausgabte es Sie, dieser Macht einigermassen Herr zu werden. Zu stark musste Sie sich konzentrieren.
Sie verausgabte sich für ihre Tarnung. Als Sie gehen wollte, aus dem Kloster hinaus, stiess Sie auf ihn. Sie hatte keine Zeit, ihre Gebete zu sprechen und die Gunst Krathor gehört zu werden und seither fühlte sich ihr Körper an, als würde er innerlich brennen.
Sie seufzte und kramte in ihrer Tasche. Eine kleine Phiole mit roter Flüssigkeit. Es sah aus wie Drachenblut, ein gängiges Mittel für Alchemisten, doch die junge, unschuldige Frau musste dafür lange leiden. Sie öffnete es und trank es in einem Zug aus. So rein, so unschuldig. Ja, es ging ihr besser.
Selbst wenn Sie es vermochte, die Beherschung zu halten, die Auswirkungen danach waren sogar für Sie eine Qual.
Sie seufzte und blickte auf ihre Hand, es ging ihr innerlich besser. Das gute, was Sie umströmte. Dieses Licht, diese Liebe, diese Zuneigung, die Sie vom Baum des Lichtes empfing, weichen aus ihrem dunklen Körper. Vertrieben durch die grauenvolle Tat, die Sie durch das Trinken des Blutes widerspiegelte.
Ihre Gedanken schweiften ab, von ihrer Hand zu Niel. Er war so gütig, so leidenschaftlich, wenn es darum ging, sich für das Leben einzusetzen. Er achtete es, in jeder Weise. Sei es, dass er einfach nur eine Spinne und eine Ratte in seinem Hause leben liess, er einem diebischen Raben kein Leid zufüge oder sein Leben und sein Glück in Gefahr brachte, um anderen zu helfen.
Und da war Sie, der genaue Kontrast.
Eingebildet, mit soviel Hass gefüllt. Hass auf die Menschen, die ihr Leid zufügten, Hass auf die falschen Götter, die ihr kein schönes Leben bescherrten. Einzig im Schutze Krathors stehend, der Sie aus der Hölle ihres Lebens entriss und ihr einem Weg offenbarte.
Eine Frau, die alles tötete, was ihr im Wege war...alles dem Lebenssaft raubte, was ihr keinen Zweck diente. Einfach...weil Sie es machte.
Und dennoch...
sie zeigte Reue, sie senkte ihr Haupt und seufzte abermals, als Sie die leere Phiole in die Tasche steckte und sich dessen bewusst wurde, was Sie tat.
Nicht nur, dass Sie einen Mann hintergang. Nein, Sie hintergang wohl dem einzigen Menschen auf der lebenden Welt, der Sie wirklich liebte, welchem Sie wahrhaftig wichtig war.
Sie versuchte ausgleich zu finden.
Wie Sie sich vor dem Letharen materialisierte, wie aus dem Nichts, um ihn an seinem vorhaben zu hindern, Niel leid zuzufügen.
Sie hätte ihn angegriffen, allen Dienern Alatars hätte Sie das Herz aus ihrem Körer entrissen, wenn Sie es musste.
Sie redete sich ein...nicht nur sich, auch Lyseria, dass es viel Arbeit kostete, das Vertrauen eines Ordensbruders zu gewinnen...Sie log auch nicht...aber es war nicht der Grund, nein. Ihn leiden zu sehen, machte Sie wütend, so sehr, dass Sie alles verraten hätte, was ihr sonst so wichtig war.
Mitfühlend, sie fühlte, Scharm...Hass...Reue...als Sie an diese junge, unschuldige Frau dachte, deren Sie ihr Leben raubte. Egoistisch in Gedanken, so reines Blut zu kriegen. Sie hatte ihr Leben vor sich, hatte vielleicht auch einen Geliebten und dieser Geliebte sucht nun überall nach seiner verlorenen Liebe. Hatte Familie, Freunde, war glücklich...ja...vielleicht...und dann, entrissen aus ihrer Welt, so lange in diesem dunklen Kerker hockend. Das strahlende Blond ihrer Haare entwich in ein dreckiges Braun, das glitzern ihrer Augen, dass ihren Lebenswillen widerspiegelte, verdunkelte sich.
Stetig diese Frage "warum"...und keine Antwort darauf.
Sie blieb im ungewissen. Dabei war Sie einfach nichts anderes als Vieh für Anveena...einzig, damit es ihr gut ginge, musste Sie leiden...musste Sie sterben.
Anveena drehte sich um, der Blick zur Treppe.
Sie war ein Monster...egal was Sie tun würde....so viel Blut klebt an ihren Händen. Selbst wenn Sie wirklich sich von Krathor losreissen würde...soviel Buße könnte Sie nicht leisten, um ihrer grausamen Vergangenheit gerecht zu werden.
Nein, es war eine Illusion, sie war, wer Sie war. Das Schicksal entschied für Sie...es zeigte ihr den einzigen Weg...sie bestritt ihn und hatte nun keine Möglichkeit umzukehren.
Sie wird verdammt bleiben, Sie wird ihn Lieben...ja...vielleicht...war es wirklich Liebe...doch ohne Zukunft. Sie wird daran sterben, an dieser Menschlichkeit, die Sie einst mit ihrem Tode ablegen wollte...wenn nicht ihr Gott Sie richtete für den Verrat, werden es dann die Lichtkrieger sein, die Sie auf den Scheiterhaufen werfen und mit Jubeln und Klatschen ihrem Tode entgegen fiebern. Vielleicht ist es auch Niel dann, der voller Wut, voller Enttäuschung über ihr Spiel, ihrer großen Lüge, die Fackel auf Sie wirft, während Sie um Vergebung betteln mag...nicht an die Menschheit, nein, an ihn...ihm sagend, dass die Liebe die einzige Sache war, die auf keiner Lüge und keiner Intrige bassierten.
Ja, so war es, ihr Leben.
Sie atmete einmal tief durch, ehe Sie wieder die Treppen hinabstieg in den Keller, durch den Umhang sich ins Bett legte.
Wie in einem Reflex legte er den Arm um Sie, sie seufzte und kuschelte sich an ihn.
Geniesse den Moment, Anveena, solange du noch kannst.

Verfasst: Montag 7. Februar 2011, 03:05
von Niel Finrias
Er stützte die Hände neben ihrem Gesicht an die Wand. Blickte in ihr Gesicht.

Seit einiger Zeit war es eine neue Gewissheit, die ihn erfüllte. Er liebte sie. Er würde sie weiter lieben,… egal was für Kleider sie anzog,… wo auch immer sie sich begegneten. Ob sie über ihn schmunzelte, oder ihm eine Ohrfeige verpasste.

Dieser letzte Abend… er hatte versucht, sie zu schützen. Ließ sie in Bajard warten, als er… leichtsinnig... unbewaffnet… zur Kutsche lief und versuchte, im Dunkeln, unter den verunsichernden Worten der nach dem Zwischenfall noch herumstehenden, in dunkle Roben gehüllten Gestalten, zu sehen ob es an diesem Ort Verletzte gäbe.
Herzlose Wesen, hatten sie doch nicht mit einem Wort oder einer Geste verraten, ob sie noch jemanden in ihrer Gewalt hatten. Er setzte rückwärts, hatte ihnen nichts entgegenzusetzen - und wollte dennoch zuerst nicht aufgeben. Verzweiflung über diesen Hohn, diesen Hass, der ihm begegnete, über das Verhalten derjenigen, die jedes Leben außer dem eigenen für nichtig anzusehen schienen, stieg in ihm auf. Verengte ihm die Kehle.

Blitze schlugen vor seinen Füßen ein und stachen ebenso förmlich aus den Augen der Rabendienerin hervor, die auf ihn zu schritt und ihn bedrohte. Kalt schlugen ihm ihre Worte entgegen. Ihm schoss durch den Kopf, dies könnte der Moment sein, in dem er sterben müsste… und sein letzter Gedanke galt ihr. Anveena.
Er spürte das Kratzen von Zweigen und blattlosen Sträuchern, in die er sich schlug, hie und da ein Zerren am Stoff seiner Hemdsärmel. Aber er lebte noch.

Er lebte, um im Kloster nur kurze Zeit später seine Gedanken völlig in das zu stürzen, was er tun wollte.
Er lebte, um den Verletzten, die sich dorthin geflüchtet hatten, zu helfen, ihre Wunden zu behandeln und - wo er konnte - ihre Schmerzen zu lindern.
Er lebte, um zu früher Morgenstunde, nach allem, was er vorerst imstande war zu tun, mit gesenktem Blick über den Klosterhof zu gehen.
Er lebte, tief die kalte Nachtluft, die doch schon den Geruch des Tauwetters, des wiederkehrenden Grüns trug, einzuatmen.
Er lebte, um sie wieder in die Arme zu schließen…
Er lebte, um den nächsten Tag zu sehen, um seine Wünsche erneut, und noch weiter - jedes Mal ein wenig weiter - in eine Zukunft voraus eilen zu sehen, die ihn teils bereits zu erfassen schien.

Genieß den Moment nicht zu sehr, Niel. Du könntest dich vergessen.

Verfasst: Mittwoch 9. Februar 2011, 03:29
von Anveena Midame
Lange lag Sie noch wach in ihrem Bette.
Soviele Gedanken, soviele Eindrücke, soviele Gefühle, die Sie bedrängten, begannen, sie zu übermannen.
Sie erinnerte sich an den Ort des Abends zurück.
Ein schöner See an einem Wasserfall, wo die ersten Blüten des Frühlings blüten und eine einsame Kerze den Ort erhellte.
Sie schloss kurz die Augen, so sehr sah Sie ihn vor sich. Wie er sich auf einem Bein hinkniete, in seine Tasche griff und das kleine Kästchen hervorholte, auf welchem der feine Ring ihr in die Augen blitzte.
Dann sprach er sie, die Worte, die wohl jede Frau so sehnsüchtig von ihrem Liebsten erwarten würde. Jede normale Frau.
"Willst du meine Frau werden."
Wieder dieses komische Gefühl. Was war es?
War es Freude?
War es Glück?
Oder war es gar Reue?
Reue, dass Sie diesen liebenswerten Manne so hinters Licht führte.
Doch tat Sie es?
Sie seufzte ganz leise.
Sie erinnerte sich.
Das Wort Heirat, war immer ein Dolch in ihrem Herzen.
Sie sah es vor ihrem geistigen Auge, wie in einem Traume wandelte Sie als Geist durch dieses Bauerndorf.
Wie in mehreren Kreisen, waren die Holzhütten angeordnet, in ihrer Mitte ragte das hohe Marmorhaus heraus, in welchem der Bürgermeister mit seiner Frau und seinem Sohne lebte.
Woher der Hass schnürrte, war ihr nie bewusst. Sie schob es auf die Arroganz des Menschen...das Unwissen, dass Sie mit Gerüchten füllten.
Man schimpfte Sie Aussenseiter, weil ihre Eltern "anders" waren. Weil Sie sich anders kleideten, weil Sie anders redeten, weil Sie einfach nicht in dieses perfekte Bild der Gemeinschaft passten...so wie ihr Haus die schönen Kreise deformierten.
Ja, sie spürte die Grausamkeiten, die man einem kleinen Mädchen nur antun konnte.
So zart...so zerbrechlich...
anstatt Sie zu verhöhnen, hätte man sich ihrer annehmen sollte.
Götter, was hasste Sie ihre Eltern.
Sie...und ihr abstrakter Lebensstil. So Weltfremd.
Mit ihrem eigenen Glauben.
Ihren eigenen Rezepten.
Was störten Sie die Forschungen im Reiche annerkannter Alchemisten, wenn Großmutter doch immer sagte, dass Eichhörnchenurin am besten gegen Ausschlag helfe.
Was sollte man das Fleisch beim Markt kaufen, wenn man sich doch einen leckeren Fuchs selbst erjagen kann.
Was sollte man feine Kleider tragen, wenn man sich selbst aus Rehfell einen schönen Mantel nähen könnte. Voller Flicken anderer Tiere.
Und was interessierten eine schöne Frisur, wenn ein toller Kurzhaarschnitt für die Arbeiten praktischer ist. Ja...was interessierten es die Eltern, dass ihre Tochter wie der letzte Lump lief und ihre kurzen Haare jedem alten Greise konkurrenz machen konnten.
Wieder schnürrt sich der blanke Hass in Anveena.
Wieder diese Schuldzuweisungen.
Sie hasste Sie...wie die Dorfbewohner das kleine Mädchen hassten.
Sie schloss die Augen.
Verdrängte all die Gemeinheiten...die man diesem jungen Mädchen antat. Sie verdrängte, wie man Sie mit faulem Obst beschmiss...Sie verdrängte, wie man Sie in den Dreck schubste. Sie verdrängte, wie man mit Stöckern auf ihr Gesicht schlug und Sie mehr deformierte, als die Menschen Sie ehhh schon sahen.
Ja...sie verdrängte auch, als die Alten sie in die Scheune zerrten und sich an ihr vergangen.
Sie verdrängte alles...wie Sie es immer tat. In jeder Sekunde.
Sie akzeptierte es einfach und sprach nicht darüber.
Für Sie war es der Alltag, das Leben. Sie kannte es nicht anders.
Doch eines konnte Sie nicht verdrängen.
Eines Schlug wie die Faust ins Gesicht direkt in ihren Kopf.
Der Sohn des Bürgermeisters. Der Schönling...von allen gemocht und geliebt. In jeder Art und Weise das genaue Gegenteil von dem kleinen Mädchen. Anatomisch, wie charakterisch.
Er war offen, er lachte viel, man lud ihn immer zu sich ein. Ja...und jedes Mädchen schwärmte für ihn. Ein Jugend- und Kinderschwarm durch und durch. Mit diesen perfekten Zähnen und dem welligen, blonden Haar.
Ja, der ganze Stolz der Familie.
Und auch das kleine Mädchen schwärmte für ihn. Und was schlug ihr verkrümmtes Herz auf, als er SIE ansprach.
Ja, sie erinnerte sich. Sie war wieder auf dem Markt, um Tierkadaver für ihre Familie zu verkaufen, als ihr ein Silberstück herabfiel und er, als reiner Gentleman, sie aufhob, mit seinen weißen Zähnen anstrahlte und Sie ansprach.
Er kannte sogar ihren Namen. Sie bebte innerlich. Er war so mitfühlend. Er wollte sich mit ihr treffen und Sie taten es. Sie redeten lange...er war sehr Interessiert an ihr. An ihr leben, an das Leben in ihrer Familie...in dieser heruntergekommenen Hütte.
Ja, er wollte alles Wissen.
Sie trafen sich einigemale, sie lachte. Das kleine Mädchen war so glücklich. Alles Böse auf der Welt war vergessen. Sie wusste, jetzt war ihre Zeit des Glücks gekommen.
Oh was malte Sie sich in ihrem kleinen Köpfchen alles aus. Sie sah sich am Ende schon in einem weißen Kleidchen als schöne, erwachsene Frau stehen, IHN neben sich und sie fassten ihre Hände inneinander, der Priester sprach und am Ende küssten Sie sich, ehe Sie in ihr Haus zogen. Das Haus des Bürgermeisters und alle Menschen sahen zu ihnen auf, grüßten Sie, sprachen mit ihnen und luden Sie zum Essen ein.
Und ihr Kind, ein wunderschöner Knabe oder eine wunderschöne Tochter, würden erzogen werden, dass man niemanden verurteilen sollte.
Ja...so dachte Sie, als Sie wieder zu diesem Treffen ging, zu ihm. Dem einzigen Menschen, der ihr Glück versprach.
Sie fasste sich wieder ans Herz, es schlug wie Wild. Diesmal würde Sie es wagen. Sie musste. Er war zu sehr ein Gentleman, als das er Sie einfach küssen würde. Daher würde Sie es machen. Er musste Sie sehr mögen, sonst würde er sich nicht immer mit ihr treffen. Er war bloss zu schüchtern und heute würde Sie es einfach versuchen.
Sie schaute auf den Korb. All ihr Gold hatte Sie gesparrt, um die paar wenigen Leckereien zu kaufen für ein schönes Picknik. Sie kam zu der alten Turmruine in der Waldlichtung.
Da sass er schon, auf dem gefallenen Baumstamm und winkte.
Er nahm sich den Korb und began zu schlingen. Sie redete, und er hörte zu.
Dann wollte Sie seine Hand greifen.
Er zog Sie weg. Der böse Blick, hatte das kleine Mädchen etwas falsch gemacht?
Sie beugte sich vor, die Lippen spitzend, doch der Schlag, den Sie bekam, warf Sie direkt auf den Boden.
Ein lachen, dieses lachen. Sie konnte es nicht glauben, wenn Sie es nicht selber gesehen hätte. Er spottete über Sie. Er sprach es direkt, ob Sie in ihrer kleinen Traumwelt zu viel eingebildet hatte. Ob Sie wirklich so dumm wäre, zu glauben, er würde sich für Sie interessieren? Das Monstrum?
Sie weinte, sie staumelte, sie tat den Fehler zu sprechen, von ihren Träumen, den Bildern der Zukunft...dem weißem Kleid, das eingeladen werden zum Essen.
Der Tritt in die Rippen war nur halb so schlimm wie das gebrochene Herz, das in ihr began zu sterben.
Sie heiraten?, hohnte er, ehe er anfügte, dass er SIE nie im Leben heiraten würde. Nie würde ein Mensch SIE heiraten wollen...das Monstrum...ja seine Worte waren direkt. Zu den Trollen sollte Sie gehen, vielleicht erbarmt sich dort einer für einen Kuss.
Anveena schloss die Augen, langsam wieder öffnend, sah Sie nur noch vom Baume aus, wie der Sohn des Bürgermeisters auf sie spuckte, den Korb nahm und seine Freunde, andere Jungs aus dem Turm heraus lachend hervor kamen und das gebrochene, verletzte, kleine Mädchen dort liessen. Das Mädchen, dass nur noch sterben wollte.
Nie...hallte es durch den Wald....würde ein Mann Sie anfassen, noch lieben, noch heiraten.
Oh wie unrecht er hatte.
Anveena kam näher, die Raben auf dem Turme beäugten Sie, wie sie sich neben das kleine Mädchen stellt und leise spricht.
"Mach dir keine Sorgen Anveena...die Rache ist am Ende dein."
Ja...Anveena wusste, wie die Geschichte endete.
Sie wusste, als Sie viele Jahre später vor ihm an der Tür stand. Ihr langes, schwarzes Haar zu einem Zopf gebunden, der tiefe Ausschnitt ihres Hemdes, das saubere, gut gepflegte Gesicht, die vollen, geraden, weißen Zähne und die roten, verführerischen Lippen. Oh wie er Sie nicht erkannte. Wie er sich bezirzen liess, wie er seine Frau vergass, seine Kinder. Wie er ihr folgte, in dieses dunkle Haus im Wald. Wie er sich bereitwillig aufs Bett legte, sich seiner Kleidung entledigte. Wie er nach ihr lechzte, von ihrer Schönheit, ihrer Anmut sprach. Ohja...
wie sein Blick sich verzerrte, als Sie ihm ihren Namen sagte. Wie er schrie vor Qualen, als er bemerkte, wer dort war. Wie er bettelte, flehte um Gnade, wie er seine Kinder als Einwand einbrachte...wie er sogar die Seele seiner Frau versprach.
Ohja, wie er flehte und weinte, wie er das Blut fliessen sah, wie er sah, wie sich das Messer durch sein Fleisch Schnitt. Die Sonne aufgehend, die Sonne untergehend.
Wie er sich weigerte, die Tränke zu trinken. Wie er aber keine Chance hatte, sich dagegen zu erwehren. Wie die Tränke ihm bei bewusstsein hielten, ihn jeden Stich spüren liessen. Und wie Anveena irgendwann der Folter müde wurde und ihm den letzten Lebenssaft raubte.
Er starb nicht. Nicht an diesem Abend. Nein...sie liess ihn leben...dieses deformtierte Wesen...ohne Zähne...mit nur einem Auge, einem Ohr, keinem Haar, einem Bein, einem Arm und 3 Fingern, voller deformierter, schlecht versorgter Narben. Ja...wie er, der Schönling, das Monster wurde.
Er sollte sich des Lebens selbst entsorgen. Er sollte sich wünschen, wie alle anderen damals gestorben zu sein. Doch er war ein Feigling..zu Feige, den Strick zu nehmen und so würde er umherwandeln, von allem verstossen, von allem verspottet...bis sein Herz es einfach beendet.
Nie Anfassen? Falsch...
Soviele Männer verzerrten sich an diesen perfekten Körper.
Nie Lieben....Er hatte Recht...
Und Anveena seufzte.
Die Männer begehrten ihren Körper...ihr Fleisch...er hatte Recht...trotz der Rache...trotz der Schönheit, die man ihr schenkte...niemand ehelichte Sie.
Und so war es ein Thema, was Sie immer versuchte zu verschliessen.
Und nun kniete er sich vor ihr.
Jener Mann, der Sie körperlich begehrte, aber ob des Glückes Willen der Fleischeslust nicht verfiel. Der Standhaft war.
Und er hielt den Ring ihr entgegen. Er wollte Sie heiraten. Sie...das Monster aus dem Dorfe.
Und Anveenas Welt brach in sich zusammen. Alles was Sie glaubte zu wissen, war eine Lüge. Denn unter all den Männern, die Ihr begegneten, sah Sie nur den Sohn des Bürgermeisters. Aber nie stach einer hervor...nie...war dort jemand wie Niel, der durch eine kleine Geste, das Gegenteil bewiess, die Grundlage für ihren Hass aus den Fugen geraten liess. Der Glaube, alle Menschen wären schlecht, aus den Wurzeln entriss.
Ja, da war er...und wollte Sie heiraten. Aus reinster Liebe zu ihr.
Dieses Thema, was Sie weder in Erwägung ziehte, noch jemals glaubte, zu erfahren und wieder sah Sie ein Bild vor ihrem Auge.
Eine junge Frau in einem weißen Kleide mit langem schwarzen Haare, die die Hand eines hübschen Mannes hielt, während der Priester etwas sprach und Sie sich danach küssten. Wie Sie in ihr Haus gingen, ihre Kinder sahen, die um Sie lachten und spielten und Sie ihre Einladungen zum Essen erhielten.
Sie lächelte...und kuschelte sich an Niel heran, dessen Arm immer noch um Sie geschlungen war, während Sie seinen leisen Atem lauschte und er tief schlief.
Ja, es war ein schöner Traum...er war es, als Sie ein kleines Mädchen war...er ist es als erwachsene Frau.
Ein Traum, mehr nicht. Etwas, was ihr nie vergönnt werden würde.
Ein Traum....

Verfasst: Donnerstag 10. Februar 2011, 01:44
von Niel Finrias
Ein Traum… sie hatte Ja gesagt.

Er bekam das Strahlen den Rest des Abends nicht aus dem Gesicht, nur um sie zu küssen, und wenn ein anderer Gedanke kurz seinen Geist durchkreuzte.

Da war es wieder, dieses komische Gefühl.
Es ließ ihn seit der Begegnung an der Hecke seines Gartens nicht los. Sie beobachteten ihn. Und sie.
Er war wohl kein Unbekannter, die Ordensfarben… eine Einladung an jene, die nicht dem gleichen Glauben anhingen.
Nie hatte er gescheut, dazu zu stehen.
Sei er früher in normaler Kleidung durch die Straßen gegangen, so eher um einmal seine Neugier zu stillen, was so getratscht werde und wer so ein und aus gehe auf dem Markt und in Tavernen. Manchmal sehnte er sich danach zurück, sich einmal unter die Leute mischen. Als einfacher junger Mann.

Er hatte jahrelang als ein Niemand auf dem Markte gearbeitet. Neu war die Furcht, durch seine Bekanntschaft jemanden in Gefahr zu bringen. Doch war dies nicht die erste Weggabelung, an welcher er stand.
Er erinnerte sich. An den Tag… als er sein Zuhause verlassen hatte.
Er sah die kleine Ansammlung von Höfen nochmals vor dem inneren Auge. Den älteren Bruder sein Bündel schnüren, sah ihn sich umwenden und das Zuhause mit dem letzten Stück drögen Brotes in der Tasche, unter Tränen ihrer Mutter verlassen.
Die schmalen Gesichter seiner Familie… die Eltern, blass, abgearbeitet, ihre besten Jahre waren die des guten Regens und fruchtbaren Bodens gewesen.
Seit der Geburt der jüngsten Tochter, nach einigen zu dürren Sommern und nach dem letzten Winter, reichte es endgültig nicht mehr, um alle fünf durchzubringen.
Noch dazu… zwei heranwachsende Jungen.

Kaum zwei Sommer nach dem Aufbrechen seines älteren Bruders mussten die Eltern auch Niel fortschicken. Seine kleine Schwester wurde immer blasser, bei ihnen selbst begannen bereits – obschon sie kaum mehr als dreißig Lenze zählten - die Haare zu ergrauen und dünn zu werden. So schob man Niel am Morgen einen etwas größeren Anteil an Hafergrütze zu, und sandte ihn noch einmal Wasser holen vom nächsten Brunnen der Umgebung, der noch nicht versiegt war. Der einstündige Weg dorthin, und dann mit zwei großen Kübeln über den Schultern eineinhalb Stunden Fußmarsch zurück, gab ihm genug Zeit, um sich die Notwendigkeit des Entschlusses nochmals und nochmals zu hinterfragen. Doch fand auch er keine Gleichung, nach der das Essen, geteilt auf drei, keine größeren Chancen für diese bedeuteten. Keinen großen Abschied konnte es mehr geben. Die Gesichter um ihn hatten alles gesagt.
Er stellte die Holzeimer vor der Tür auf die Schwelle, und drehte sich wieder herum. Einige Schritte den Weg entlang, weg vom Haus. Er stützte die Hände in die Seiten und drehte sich herum.

Ein Junge, etwa zehn bis zwölf Jahreswechsel mochte er gesehen haben, eher zu dünn und schlaksig, als dass man es genauer hätte schätzen können. Das Haar stand kurz und widerspenstig vom Kopf ab, großenteils sollte man meinen, vor Dreck, doch ein aufgewecktes Blitzen schlich sich trotz der schwierigen Lage in die blauen Augen. Kurz grinste er schief, als ein neugieriger Hase quer durch den Garten schoss, gefolgt von einer geworfenen Holzpantoffel seiner Mutter.
Armes Ding. Wünschte der Junge sich mehr, dass der Hase entkam, oder dass es einmal wieder etwas auf den Tisch gab?

Sodann wurde schnell sein Gesicht wieder ernst. Reglos stand er da, ließ den Anblick des heimatlichen Hauses, das eher einer Scheune ähneln mochte, in sich aufnehmend.
Dann, mit einem schweren Schlucken, drehte er sich auf dem Hacken um und ging mit langsamen Schritten weiter den Weg entlang. Es prickelte hinter seinen Ohren, doch er drehte sich nicht wieder um.
Wenn er nochmals zurückblickte, das wusste er, würde er es nicht mehr können.

Er lief so lange, bis seine Füße voll Blasen waren, und die Nacht begann hereinzubrechen. In einem Dorf angekommen, kletterte er über ein paar Zäune und rollte sich neben einem Baum zusammen. Fiel in einen erschöpften Schlaf, während der Hunger sich wie ein großes Loch durch seinen Bauch fraß.
[img]http://img20.imageshack.us/img20/8844/schlafniel2.png[/img]
Nie würde er diese Nacht alleine vergessen. Einsam, kalt durch Mark und Bein... die Träume voll Sorgen um die Daheimgebliebenen.
Tausendmal reute es ihn, gegangen zu sein.

Tausendmal schwor er sich eines.
Nie, nie würde er es zulassen, Gefühle für eine Frau zu hegen.
Seinen Gedanken den Wunsch zu vergönnen, eine Zukunft für sein Herz abseits des festen und vertrauensvollen Glaubens zu planen. Eine Familie...
...solange er sie nicht versorgen könnte.
Er liebte die seinen, und die Zeiten der Entbehrung hatten ihnen durch die Trennung ihrer Wege ebenso das Gefühl der Geborgenheit und des Glücks genommen. Nie hörte er auf für sie zu beten, und dafür, dass sich eines Tages ihre Schritte wieder zusammenführen möchten.
Wenn es dennoch einen kleinen, stets im Innern gehegten Traum gab, den er nie begonnen hatte umzusetzen, obschon weiter behütete und nie begrub, so schlecht er sich zeitweise zurechtfand... dann war es das.
Einmal eine eigene Familie zu gründen.
Dieser Sicherheit zu bieten und Schutz vor den Unbillen, die das Leben bereit halten konnte.

Sie hatte Ja gesagt! Er strahlte noch im Schlaf.

Verfasst: Donnerstag 10. Februar 2011, 03:47
von Anveena Midame
Lange lag Sie noch da. Fast die ganze Nacht durch. Sie wusste jetzt schon, die tiefen Augenringe würden Sie verraten, dass Sie wenig schlaf fand.
Doch zuviel kreiste ihr durch den Kopf
Allen vorran Niel.
Wie zärtlich er war. Wie behutsam. Wie mitfühlend.
Ein wahrer Heiliger auf dieser trostlosen Welt. Viel zu gut für das Pack, welchem er seine Talente schenkte, welche er zusammenflickte, nur weil Sie, getrieben von Hass und Habgier, sich gegenseitig niederstachen, ohne dabei wahre Ziele zu verfolgen, noch zu kennen.
Ja, sie seufzte, in seinem Armen liegend.
Sie fühlte sich gut, so sicher...geborgen. Es war ungewohnt, dieses Gefühl. Sicherheit...eine Familie. Ja, er wollte mit ihr eine Familie gründen.
Doch was sollte es für eine Familie werden?
Aufgebaut auf einer großen Lüge.
War nicht Sie sein schlimmster Feind?
Und er liebte Sie. Würde...ja...was...würde er sagen...wenn Sie sich offenbaren würde?
Würde er Sie direkt niederstrecken oder Sie einfach nur an den Orden oder dem Kloster ausliefern?
Sie sah es vor dem geistigen Auge.
Wie Sie im Kerker sitzt, viele Wachen dort, ihre Hände verbunden.
Wie man Sie befragen würde...nach den Namen der anderen Dienern...und wie Sie schweigen würde.
Wie man Sie schlägt...grundlos...einfach, weil Sie so ist, wie Sie ist.
Und Sie könnte Sie verstehen.
Den Hass, den diese Menschen auf Sie schürten.
Es war immer So, dass Unwissenheit gefüllt wird mit Verachtung.
Und dann die strafenden Blicke in der Gerichtsverhandlung...sofern man Sie noch verhandeln würde.
Und er....vielleicht zwischen ihnen. Voller Scharm und Hass über die Täuschung.
Das vernichtende Urteil...natürlich die Todesstrafe. Was sonst. Mag man es lange herauszögernd, in der Hoffnung, die Folter würde Sie dazu bewegen, ihre Mitdiener zu verraten...am Ende läuft es auf den Tode hinaus und Sie schweigt. Einzig ein Gedanke...einzig dieser Blick des Mannes in ihren Kopf gebrannt...und vielleicht würde Sie diesesmal wirklich weinen, ehe Sie die Erlösung auf dem Scheiterhaufen finden mag.
Ja...so würde es enden. Und Sie steckte in einer Zwickmühle. Sie bemerkte, wie die Gefühle Sie übermannten...mag es sein...das Sie wirklich liebte?
Schwer vorstellbar.
Die feinen Menschen...in ihren Häusern...mit schönen Erinnerungen. Was hatte Sie schon gehabt? Wer war jemals für Sie da?
Sie erinnerte sich, wie in einem Traume, wandelte Sie wieder durch das Dorf. Jenes, welche Häuser in Kreisen gebaut, das große Marmorhaus in der Mitte und herausbrechend eben jene kaputte Hütte am Rande.
Sie sah wieder das kleine Mädchen, wie es blutend und weinend nach Hause lief. Während sich ein Gewitter über dem Himmel offenbarte.
Und keinerlei Erbarmen der Menschen. Nein, sie lachten, sie stellten ihr sogar ein Bein und spuckten auf Sie.
Keinerlei Mitgefühl, dass das kleine Mädchen gerade ihr Herz verloren hat, weil ein Junge es an sich nahm und es dann zerquetschte.
Ja, diese Macht war groß, dass lernte das kleine Mädchen früh. Das ausnutzen der menschlichen Gefühle. Mache ihn von dir abhängig, verspreche ihm seine schönsten Träume...ehe du Sie dann mit einem Schlag vernichtest.
Sie rannte ins Haus, ihre Eltern sassen am Kaminfeuer. Sie schauten zwar auf, doch Sie waren nie wirklich gut darin, Trost zu spenden.
Sie sprachen nur von Schicksal und davon, dass Alles seinen Sinn und Zweck hat. Das die gütige Göttin ihren Plan hätte. Sie rechtfertigten immer alles mit diesem Plan. Es kam ihnen nicht einmal in den Sinn, dass die Menschen den Göttern egal waren. Nein, alles sollte gut sein.
Ja klar...als ob dieser Spott, die Qualen, die Schmerzen...der Missbrauch einen Sinn hatte.
Sie wollte nicht mehr, dieses Leben beenden. Doch Sie war...einfach zu Feige.
Bring diesen Korb zu jemanden hin, hiess es nur noch. Die Frische Luft würde Sie ablenken. Die einbrechende Nacht und der starke Wind des kommenden Gewitters, interessierten ihre Eltern wenig. Sie sassen da, in ihren Träumen, in ihrer eigenen, kleinen Welt vor sich hin und erkannten nicht, was ihre Tochter brauchte...
Sie ging, mit jedem Schritt stieg nur die Wut, als Sie den Trampelpfad durch den Wald bestritt.
Es fing nun an zu regnen, jener wischte ihr das verkrustete Blut aus dem Gesicht und liess Sie die Schmerzen vergessen.
Sie blieb stehen und schaute gen Himmel, als ein Blitz durch das dunkle Wolkenband hervorbrach, ehe Sie schrie.
So laut, dass eigentlich ein jeder es hören müsste, wäre der Donner nicht lauter gewesen.
Ja sie verfluchte die Götter...sie schimpfte ihnen Wörter entgegen, die jeden Banditen die Scharmesröte ins Gesicht gemalt hätte. Sie wollte Sie provozieren, sprach die ketzerischen Worte ungeniert hinaus.
Doch Sie nahmen ihre Herausforderung nicht wahr. Sie liessen sich nicht herab, um ihren einzigen Wunsch zu erfüllen: Sie zu töten.
Während die Äste nun vom Winde getragen anneinanderpeitschten, ging Sie weiter. Bis zu den Knien bedeckt mit Matsch.
Anveena schlich abseits des Weges, das Mädchen beobachtend. Sie erinnerte sich an diesem Abend. Jene Nacht, die ihr den Weg ebneten, den Sie heute geht. Jenes Zeichen, dass das kleine Mädchen sich so sehr wünschte.
Es musste passieren, jetzt. Anveena hob den Finger und deutete auf einen großen Ast. Wie durch Magie schoss ein Blitz des Gewitters auf den Baum hinab und sprengte den Ast vom Rest seines Körpers, liess ihn direkt hinabfallen auf den Kopf des kleinen Mädchens.
Anveena fasste sich an ihre Stirn, strich über die kleine Narbe, als Sie neben das Mädchen trat, dessen Blut aus ihrer Stirn quoll.
Es schmerzt immer noch, wenn Sie nur daran dachte. Das einzige, was Sie nie an ihrem Körper verändern konnte, für ewig aus dem Leben verbannen. Die Markierung, wie Sie es nannte, durch den Ast auf ihren Kopf.
Langsam ging Anveena den Weg zurück zum Dorfe, das Mädchen liegen lassend, als ihr die Schreie schon wie sanfte Musik entgegen brannte. Ja, damals war Sie bewusstlos und erblickte nur das Ende des Schauspiels, doch diesmal, würde Sie es sich hervorrufen, was geschehen war.
Einige Häuser brannten schon, als die Untoten über die Bewohner des Dorfes herfielen. Sie packten, sie zerschlitzten und zerschmetterten. Niemanden verschonend. Sich ihr Leiber beraubend, ihnen den Lebenssaft aus den Adern saugend.
Ja, wie ein harmonisches Lied aus schreien, weinen, flehen und betteln. Eine Frau, die ihren kleinen Jungen im Arme hielt, ehe der Lich sich jenen krallt und es mit einem Ruck tötet, während die Frau schreit, ehe die Klinge eines Skelettes ihr Blut auf den Boden verteilt. Ja, Anveena erinnerte sich an diese Familie. Auf der Frage in ihrem Kopfe hin, wo wohl der Vater sei, erschien er, wie ein Spektralwesen es an den Beinen über den Boden schleift, während er sich krampfhaft versucht am matschigen Boden festzuhalten, um eine Ecke verschwinden und nur der Schatten an der Wand, getragen von den Flammen brennender Häuser, man sieht, wie sich Bein und Arme vom Körper trennen, während ein markerschütternder Schrei die Straße belebt.
Sie lachte leicht, Anveena, hebte die Hände wie ein dirigent die Musik anwies. Sie seufzte, die Augen schliessend, während Krathors Armee den Rest erledigte, Knochen splittern und Köpfe rollen liess, während die sperrliche Miliz mit ihren rostigen Waffen hilflos untergingen und Frauen, Männer und Kinder nicht verschont blieben.
Sie ging den Weg hinab, langsam durch das Untotenheer, alles genau ansehend, sich daran nährend und suhlend. Direkt zu dem kaputten Holzhaus am Rande. Sie erkannte jeden einzelnen, dessen Leben beendet wurde. Jeder einzelne birgte eine schlimme Erinnerung, eine grausame Tat gegenüber einem kleinen Mädchen. Und am schlimmsten die Eltern, die sich vor die Tür des Hauses stellten, als ein paar Skelette klappernd auf diesen zukamen. Es war so klar, dass Sie sich nicht wehrten. Warum auch, all dies, sollte nach ihrer Aussage ja auch der Wille ihrer Göttin sein und so schrien sie nur kurz auf, als Sie ebenfalls das Schicksal der anderen teilte.
Das erstemal, so dachte Anveena schmunzelnd, dass das Dorf WIRKLICH eine Gemeinschaft war.
Ein Skelett wollte gerade die Tür eintreten, als Anveena den Finger hob. Nein, so war es nicht. Die Tür war heil und das Skelett liess wie durch Zauberhand davon ab und machte kehrt. Das letzte Stück leben aus der Stadt vertreiben, während die Flammen einzelner Häuser gemeinsam ein wunderschönes Lichtspiel zu dieser dunklen Nacht bildeten, dass selbst der Regen nicht löschen konnte.
Ja, so mag es geschehen sein und mit einem lächeln schaute Anveena dem kleinen Mädchen nach, dass benommen durch die Ruinen des Dorfes lief. Die Blicke auf jeden Blutfleck, jedes Stück totes Fleisch legend. Alles genau anschauend, ehe Sie wortlos über die Kadaver ihrer Eltern stieg und die Tür öffnete, die die Skelette nicht vermochten einzutreten.
Langsam ging Anveena hinter dem Mädchen her, die Stufen hinauf zu einer kaputten Tür. Ein leises wimmern kam aus diesem hervor.
Das kleine Mädchen öffnete die Tür und trat in die Mitte des Raumes zu einem kleinen Bettchen. Vorsichtig legte Sie ihre Arme hinein und hob das gerade wenige Monate alte Baby hervor, es fest in den Arm drückend.
Sie wickelte das Kind in alle Stoffe, die sauber waren und die Sie finden konnte, hielt es fest im Arme und drehte sich dann um.
Ein letzter Gang durch das zerstörte Dorf, aus welchen nur noch Qualm hervordrang, leise flüsterte das kleine Mädchen dem Baby zu.
„Naestra…meine liebe Schwester. Es ist vorbei. Du wirst nicht das Schicksal erleiden, dass ich erlitten habe. Du wirst in dem Glauben aufwachsen, eine schöne Familie zu haben. Eine, die dich liebt, die sich um dich kümmert, dich beschützt. Kein Mensch wird dir Leid zufügen, dass verspreche ich dir. Ich werde die richtige Familie für dich finden und du wirst ein glückliches, kleines Mädchen.“
Anveena musste nicht weiter gehen. Sie sah, wie sich das kleine Mädchen aus dem Dorfe entfernte. Sie wusste, was Sie dachte…und Sie war dankbar zu diesem Zeitpunkt. Unwissend, was genau ihr half, Sie wäre dankbar, dass ihre Gebete erhört wurden, dass man sich ihrer annahm…
Ja, die Narbe, der Schlag, der Sie stundenlang ohne Bewusstsein im Walde liegen liess. Die Untoten, die all jene töteten, die Sie so sehr hasste und die Gnade…das einzig menschliche Wesen, dass neben ihr überlebte, was ihr noch etwas bedeutete. Mag es wirklich die Bindung zweier Schwestern sein oder einfach nur Mitleid vor den Schmerzen, die Naestra ebenso empfangen hätte, wäre nicht der göttliche Eingriff gekommen.
Und jetzt, wo sich Anveena wieder daran erinnerte, wusste Sie es. Sie war Krathor nicht nur zu Dank verpflichtet, nein, die Schuld, die Sie sühnen sollte, war mehr wert als Seelen Sie ihm darbieten könnte. Sie gehörte dem Gott, der Sie vor dem Tode…mehr aber, vor all den Qualen bewahrte und Sie musste ihm dienlich sein.
Anveena seufzte in den Armen von Niel. Morgen in der frühen Stunden würden Sie abreisen. Ihr Mentor war gestorben. So plötzlich…und Sie wusste, was zu tun war. Sie würden an diesen Ort reisen…gemeinsam…als ein verlobtes Paar…und trotz allem…war Sie dankbar, dass er Sie nicht verliess und die Reise mit ihr antrat.
Ja…dies muss Liebe sein…Aufopferung für einen Menschen, der einem wichtiger ist, als das eigene Leben.
Es fühlte sich schön an…zu schade nur, dass das kleine Mädchen dies nicht vorhersehen konnte…wer weiß, ob dann nicht gewisse Entscheidungen anders getroffen worden wären.

Verfasst: Samstag 12. Februar 2011, 23:52
von Niel Finrias
Sie brachen recht früh am Morgen des folgenden Tages auf. Niel sorgte zuvor dafür, dass man im Orden wüsste, wo er sich befand, indem er bei den Torwachen eine kurze Notiz hinterließ. Bei Bedarf sollte man ihm einen Boten nachsenden können.

So begann er, einige saubere Kleidungsstücke in eine Tasche zu falten.
Weiß.
Blau.
Blau. Weiß.
Weiß.
Ein kleines Paket mit Reiseproviant obenauf.
Dann schnallte der junge Mann den selten getragenen Schwertgurt um, schulterte seine recht bescheiden gefüllte Tasche und schloss noch hinter sich die Tür seines Hauses ab.
Nur Augenblicke hernach zurrte er sein Gepäck sorgfältig am Sattel fest.

Er trieb sein Pferd zügig an, auf dem Ritt gen Berchgard noch einmal in Gedanken durchgehend, was ihn wohl zur Rückkehr erwarten würde.
Er würde den Pater um einen Termin bitten… um ihm jene Frau vorzustellen. Die eine, die er gefragt hatte.
Wegen er er nun sogar eine Weile seine Pflichten im Orden verließ, und hoffte, man würde ihm nachsehen, dass er jenen nicht so zeitnah wie sonst nachkommen würde.

Angekommen in Berchgard übergab er sein Ross begleitet von einem kurzen freundlichen Wortwechsel dem Stallknecht, und lenkte seine Schritte den Weg entlang.
Dann lächelte er ein wenig nachdenklich auf beim Anblick der kleinen Holzpforte zu ihrem Garten.

"Anveena… ? Hast du alles beisammen?", fragte er in den noch dunklen Raum hinein, und wanderte beim Ausbleiben einer Antwort suchenden Blickes umher. Fand sie schließlich oben im Haus, wo sie offenbar in Gedanken versunken einige Schachfiguren ihrer letzten begonnenen, und nie beendeten Partie hin und her schob.
Wortlos trat er zu ihr und ergriff ihre Hand, unweigerlich bei der Berührung des kühlen Metalls eines Ringes daran... das Aufkommen einer Erinnerung…
"Unsere erste Reise hätte einen froheren Anlass haben sollen", murmelte er und versuchte den Blick ihrer Augen zu erfassen.
Half ihr dann auf, und fand auch endlich unter dem Holzstuhl, auf dem sie gesessen hatte, ihre fertig gepackte Tasche, die er sich über den einen Arm hängte… während er den anderen tröstend um ihre Schultern schlang.

Sie hatte ihm von ihrer vergangenen Tätigkeit erzählt, in einer großen Bibliothek. Aus ihren Erzählungen erschien der Ort ihm wie eine einzige, gänzlich mit Büchern gefüllte Stadt. Ihr Mentor sei gestorben, besagte eine eilige Botschaft, die sie erst am Vorabend erreicht hatte. Sie sei geladen seiner Beerdigung beizuwohnen…
Er konnte nicht umhin, ob der Trauer, die sie umfing, ihr anzubieten mit ihr zu reisen. Verschiedene Gefühle trafen in seinem Innern nun aufeinander: Allen voran Mitgefühl... ebenso Neugier auf Orte und Personen aus ihrer Vergangenheit… doch zugleich Nervösität gegenüber der Abwesenheit von der Heimat. Unvorhersehbar wie die Dauer der Reise war es, was sie wohl im Verlauf erwarten mochte. Früher, ja... war er viel gereist, mit dem alten Händler von Ort zu Ort, hatte gelebt von Markt zu Markt, doch seit der Begegnung mit seiner Hochwürden Laskelin vor nun schon einigen Jahren hatte er Gerimor kaum verlassen. Ihm standen buchstäblich die Haare zu Berge, als er am Hafen die Segel des Schiffes sah, wie die Mannschaft geschäftg alles bereit machte,... letzte Kisten verstaute ...im dämmrigen Schein des frühen Morgens.

So bot er ihr nun seine Hilfe an, um ihre Last zu tragen, um ihr über die wankende, schmale Hängebrücke an Deck des Schiffes zu helfen.
Diese Reise war das erste Beispiel für ihrer beider Wahl, ihren Wunsch… ihre Hoffnung... mit einem Ja beschlossen.

Verfasst: Dienstag 15. Februar 2011, 17:02
von Anveena Midame
Schon einige Zeit stand Sie an der Reling des Schiffes, weit aufs offene Meer starrend, während ihre langen, schwarzen Haare im Südwind tänzelten.
Tief in Gedanken versunkend, wie ein Schauspiel vor dem geistigen Auge, als würde Sie die Geschichte eines anderen verfolgen.
Ja, sie wirkte so unbeteiligt in den Erinnerungen, selbst wenn Sie wusste, dass es ihre Geschichte war, der Sie folgte.
Sie ging durch den Schnee, abseits des Weges entlang, während der Kopf eingedreht auf das kleine Mädchen blickte, welches ein Bündel fest im Arme hielt.
Sie selber trug recht wenig, opferte Sie ihre Kleidung, um das Baby im Arme warm zu halten. Ja...sich im Notfalle sogar für das Bündelchen opfernd.
Lange schon streifte Sie durch die Landen, klaute sich zusammen, was Sie brauchte, sammelte das letzte Gold zusammen, um Milch für das Kind von Dirnen zu erkaufen.
Doch ihr Ziel hatte sie nicht gefunden.
Oh wie Anveena den Groll über die Liebe zu ihrer Schwester überwiegen liess. Wie das kleine Mädchen stetig dachte, es würde schneller und einfacher ohne das Bündel gehen. Sie müsste weder so stark hungern, noch frieren. Und dennoch...empfand Sie etwas. Liebe...zu einer Schwester. Zu Naestra. Der Blick in die kleinen Äuglein liessen Sie alles vergessen...als sei das Kind ihre Heilung von allem Schmerz.
Sie wusste nicht genau, wohin ihre Reise Sie führte, sie wusste nur, sie musste eine Familie finden...nicht für sich...nein, welcher Mensch bei Trost würde ein Monster aufnehmen...aber für ihre Schwester.
Sie kam in ein Dorf, es war schön. Der weiße Schnee bedeckte die Dächer, lachende und spielende Kinder machten Engel in den weißen Boden, beschmissen sich mit Schneebällen und tollten herum.
Ein Geschäftsmann fegte vor seinem Laden, während eine Dame in einen feinen, weißen Kleid hineinging. Sie grüßten sich sehr nett.
An einen Stall sah Sie einen Bauer, der seine Pferde striegelte und ihnen was zu fressen gab, an anderer Stelle beobachtete Sie 2 Männer mit Schwert, wie Sie sich ausgiebig unterhielten, lachten und scherzten.
Es gefiel dem kleinen Mädchen hier, keine Frage und Anveena, die aus der Ferne dem Mädchen folgte, erinnerte sich zu gut. Soviel Glück, soviel Freude, soviel Idylle...sie misste es nicht...man kann nicht vermissen, was man nicht kennt. Und dennoch die Frage, ob Dinge anders gelaufen wären...wäre ihre Familie vielleicht hier aufgewachsen.
Das Mädchen ging direkt in die Taverne. Der Wirt beäugte Sie misstrauisch..ein kleines Mädchen mit einem Kind auf den Arme war ein gar seltener Anblick. Doch er liess sich schnell mit der Erklärung abspeisen, dass ihre Eltern nur Einkäufe erledigen würden, während Sie dort warten solle.
So schenkte er ihr eine warme Milch ein und liess Sie und das Kind am Tisch in der Ecke in ruhe sitzen.
Sie lauschte, nur die Götter wissen, wielange, den Gesprächen bis zur Abendstunde, als ein älterer Mann, mit langen, grauen Haaren mit einer ebenso alten Dame sprach.
"Die Midames...sie tuen mir leid...ich habe alles getan, doch das Kind war nicht zu retten. Wieder eine Fehlgeburt...es war ihr 3. Versuch und sie glauben selbst schon, dass Sie verflucht seien."
Der Mann seufzte. Ihm schien das Schicksal anderer wirklich zu bekümmern.
"Sie haben das nicht verdient. Doch Elsa...bitte, schweige darüber. Sie wollen es noch nicht sagen. Sie bleiben erst einmal im Heime...für alle anderen, sind Sie noch schwanger...sie können das tratschen im Moment nicht gebrauchen."
Das Haus jener Familie zu finden, viel dem kleinen Mädchen leicht. Es war ein riesiges Werkshaus, es schien ein großer Kontor zu sein einer wohlhabenden Familie. Sie wartete, bis zur dunkelsten Stunde, ehe Sie klopfte.
Eine schöne Frau öffnet ihr die Tür, mit langen, blonden Haaren, einem makanten, doch gleichmässig schönen Gesicht und hellblauen Augen, eine Hand an jener, die andere nutzte Sie, um die Kerze in die Dunkelheit zu halten.
Sie schrickte erst auf, als Sie erkannte, was das kleine Mädchen im Arme hielt, ehe Sie die beiden hineinbitteten.
Die Geschichte ging ihr von Leichtigkeit von der Zunge. Sie war ja auch nicht einmal gelogen: Untoten überfielen ihr Dorf und töteten ihre Familie. Nur Sie beide konnten fliehen und irren nun durch die Landen.
Die Frau hatte Mitleid, es war ihr so leicht anzumerken. Der Mann hingegen liess Skeptik und Vernunft walten, hinterfragte alles Drei mal und musste des öfteren von seinem Weibe ermahnt werden, die Höflichkeit zu bewahren. Seine grauen Augen schienen durch Anveena durchzudringen, aus ihren Kopfe zu lesen, als seie Sie ein Buch, während die schwarzen Haare kurzgeschnitten bis zu seinen Augenbrauen reichten und eine Brandnarbe seine Wange zierte. Er war Schmied, dass erkannte man an seinen rauen Händen. Dennoch schien das Geschäft mehr als gut zu laufen.
Das kleine Mädchen liess sich nichts anmerken, wich nicht von der Geschichte ab und irgendwann sagte Sie den beiden Personen, was ihr anliegen seie.
Sie sollten Naestra aufnehmen, sie sollten Sie erziehen, wie ihre eigene Tochter. Nie ein Wort von der Vergangenheit sprechen. Diese ernsten Worte von diesem kleinen Mädchen erschreckten beide. So sicher in dem, was Sie sagte, liessen Sie nur mutmassen, was das Mädchen durchmachen musste.
Es war nur von Vorteil für Sie. Ihr Heiler könne involviert werden, er würde sicher dem Spiel getreu sein. Jeder würde denken, das Kind sei ihr eigenes. Das Mädchen...so sagte Sie direkt...würde sofort verschwinden...nie wieder zurückkehren. Sie wären das Monster los.
Hätte Sie es nur getan, dachte Anveena, als Sie die Vier am Tische beobachtet. Wäre sie gegangen.
Und dennoch, die Frau des Kontormeisters nahm die Hand des Mädchen und drückte Sie sacht. Sie bot an, dass Sie ein Zimmer des Kontors haben könnte, dass Sie ihr Gast sei...und Sie sich auch um Sie kümmern würde...um das Monster, wie das kleine Mädchen dachte.
Sie war misstrauisch...sie verfluchte die Älteren, gepeinigt durch Angst, es würde sich alles wiederholen. Und dennoch...ihre kleine Schwester da zu lassen, der Gedanke alleine, schmerzte Sie. Sie willigte ein.
Anveena seufzte, weiter den Blick aufs offene Meer, während Sie sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht strich.
Niel kam, die Arme um sie legend und sein Kinn auf ihre Schulter.
Sie seufzte, sie genoss es...ihn bei sich zu haben. Lehnte sich an ihn, legte ihre Hände auf seinen Arm.
Niemand anderes, würde Sie nun bei sich haben wollen...und dennoch...war es Gerecht, was Sie ihm antat?
Egal...was auch immer die Vergangenheit anrichtete...sie lügte nicht. Sie war ein Monster.
Wie sollte es weitergehen? Würde Sie ein lebenlang ihre Spielchen treiben? Ihn nutzen für ihre Tarnung und Krathor dienlich sein? Weiter mordend durchs Land ziehen, während des Tages Sie dann in seinen Armen lag, ihn liebte?
Sie wusste, es gab keine Zukunft...zumindest nicht für Sie...nicht so. Sie bestritt einen Weg, aus dem es kein Wegkommen gab.
Und dennoch, war er wie eine Droge für Sie geworden. Sie gestand sich ein, dass er alleine ihr all das gab, was Sie wollte...und ihr das nahm, was Sie war.
So sehr...das wusste Sie nun...liebte Sie ihn. Und Sie verfluchte Simoen für ihr rechthaberisches Getue. Sie sah ihr schälmisches Grinsen. Warum nur, hatte Sie Recht...warum nur...wusste Sie, dass die Liebe auch bei den Dienern keine Umwege macht. Dass Sie nicht unterscheidet zwischen dem Licht, dass Niel verkörpert und dem Monster, dass er soeben im Arme hielt.
Anveena seufzte, kuschelte sich weiter an ihn, die Augen schliessend.
Sie tat Unrecht...und sie bereute es so sehr. Sie war Egoistisch wie ehh und jeh...doch diesesmal bekümmerte Sie es.
Und Sie sah das Ende der Geschichte schon vor Augen. Sie wusste, wie es seinen Anfang nahm...und Sie weiß, wo es zuende geht. Wie...es mit ihr zu Ende gehen würde.
Wenn nicht als treueste Dienerin in seinem Reiche...dann in ewiger Finsternis...verstossen von JEDEM...das Monster, dass Sie war und ewig sein würde. Und auch dann, würde Sie es akzeptieren und einfach nur das Leid ertragen, dass Sie sich selbst zugefügt haben könnte.