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[Q] Muscheln
Verfasst: Sonntag 9. Januar 2011, 11:26
von Ameena
Es war eigentlich schon recht spät, aber sie hatte in den Mittagsstunden geruht und sie liebte die abendliche Kühle. Am großen Basar rannte sie fast in Maawiya. Nach einer höflichen Begrüßung erzählte er ihr von merkwürdigen Muscheln, die er am Steg gefunden hatte.
Natürlich war die Neugier der Kleinen sofort geweckt und es fiel ihr nicht schwer, den sympathischen Mann zu überreden, mit ihr dorthin zu gehen.
Tatsächlich! Dort lagen zwei Muscheln, direkt am Steg, die wirklich merkwürdig aussahen. Eine schimmerte in allen Blau- und Rottönen, die andere hatte die Farbe von verglimmender Glut. Dazwischen merkwürdiges Seegras, oder Tang, welches ebenfalls leise leuchtete.
Sie hatte versprochen vorsichtig zu sein und so hockte sie sich zunächst in gebührendem Abstand vor die blaue Muschel. Sie betrachtete sie - nichts geschah. Maawiya sagte, dass die Muschel weinen oder wimmern würde. Können Muscheln weinen? Hmmm....
Sie stupste sie vorsichtig mit der äussersten Fingerkuppe an - wieder geschah nichts. Mittlerweile war sie etwas näher gerutscht. Dann beugte sie sich weit vor, so dass ihr Ohr ganz in der Nähe der Muschel war. Und da hörte sie es! Ein leises Wimmer drang aus der Schale! Es hörte sich so an, als habe jemand Schmerzen, oder Leid. Sie redete leise und sanft mit der Muschel, aber bekam keine Antwort.
Sie blickte zu Maawiya hoch. Auch er war ratlos.
"Wir müssen ihm helfen! Da ist bestimmt jemand drin!" Sofort war das Mitleid des Mädchens geweckt. Sie rätselten eine zeitlang, was winzig genug war, um sich in einer Muschel zu verstecken. Aber ein Drachen war es bestimmt nicht! Immerhin waren Drachen riiiiesig! Etwas Winziges konnte nicht so gefährlich sein.
Dann untersuchte sie die 2. Muschel. Als sie ihr Ohr daran hielt, hörte sie ein erbärmliches Schluchzen. "Maawiya, wir müssen etwas tun." Und dann hatte sie eine Idee. Wo ging sie hin, wenn sie traurig war und niemand in der Nähe, der sie trösten konnte? Aiwa! Sie ging in den Tempel. Und alle Kreaturen waren Geschöpfe der großen Mutter. Also beschlossen sie nach einigem Zögern, diese beiden Muscheln in den Tempel der heiligen Mutter zu bringen. Sie würde sie beschützen und trösten. Und selbst wenn sie Gefahr bedeuteten - was das Mädchen bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht glaubte - würde die Mutter ihre schützende Hand über die halten, für die sie Gefahr bedeuten konnten.
Abeer Eluiv!
Gesagt, getan. Vorsichtig nahmen sie die Muscheln hoch. Ameena nahm auch gleich noch etwas von dem Seegras mit, damit sie ihnen ein Nest bauen konnten. Ja mit Tieren kannte sie sich aus! Im Tempel angekommen, legte sie die Muschel auf den Altar und eilte nach Hause, einen Krug mit Wasser zu holen. Muscheln brauchten Wasser - aiwa! Leise schlich sie ins Haus, sie wollte niemanden wecken und auch keine unnötige Aufmerksamkeit erregen. Endlich geschah mal etwas Spannendes! Sie füllte den Krug zu Zweidritteln mit Wasser und trug ihn vorsichtig zurück. Ja, sie war schon ein großes Mädchen. Und ohne einen Tropfen zu verschütten, stellte sie den Krug schließlich ab.
Gemeinsam mit Maawiya stopften sie zuerst den Tang hinein, dann ließen sie die beiden Muscheln hinein gleiten. So würde es ihnen gut gehen, davon war das Kind felsenfest überzeugt. Den Rest würde Eluive übernehmen. Sie knieten sich nieder, das Mädchen legte wie immer die Stirn auf den Boden, und begannen ein kurzes Bittgebet zur Göttin. Nun hatten sie alles getan, um den beiden Muscheln, oder auch den Kreaturen darin, die so schrecklich traurig waren, zu helfen. Als sie sich erhob, lächelte sie selig und zufrieden.
Doch jemand war zu ihnen gekommen, sie hatte ihn zuerst gar nicht bemerkt - Yaamal aus dem Hause der Ifrey.
Sie erzählten, was vorgefallen war. Gemeinsam machten sie sich dann erneut in Richtung Meer auf, um zu sehen, ob noch weitere Muscheln aus dem Meer angeschwemmt worden waren. Und tatsächlich: am kleinen Pavillon auf dem Gelände der Akademie wurde Yaamal ein weiteres Mal fündig. Als Ameena sich einer dunkel glänzenden Muscheln ebenso nähern wollte, wie zuvor den anderen beiden, beschlich sie ein beklemmendes Gefühl. Irgend etwas sagte ihr, dass diese anders war - böse. Ohne sie zu berühren, zog das Mädchen sich zurück und blickte ratlos zu den Erwachsenen. Maawiya wagte es schließlich und berührte sie. Er zuckte zurück, wurde blass, begann zu zittern. Tröstend legte das Kind die Hand auf seine Schulter. Aiwa - etwas böses ging von ihr aus.
Yaamal gab sofort den Befehl, keine der Muscheln mehr anzurühren. Desweiteren sagte er, er würde alle Muscheln einsammeln lassen, auch die im Tempel. Doch nun ging es mit der sonst recht wohlerzogenen, kleinen Menekanerin durch. Das waren ihre Muscheln. Die hatten Maawiya und sie gefunden! Und sie hatten das bestmögliche für sie getan. Und so sagte sie es ihm auch:
"Dein Glaube ist klein! Die sind im Tempel! Die Mutter selbst wacht darüber!" Doch Yaamal redete weiter auf sie ein, wie gefährlich die Muscheln auch im Tempel sein könnten. "Du hast keinen Glauben, Yaamal und kein Vertrauen." Mit diesen Worten senkte sie den Kopf, wusste sie doch genau, dass sie keine Chance hatte, gegen seine Worte. Nur Wut fühlte sie in dem Moment. Sie kickte ein Steinchen nach vorne, wohl wissend, dass sie ihre Worte zügeln musste. Als sie aufblickte, war Yaamal verschwunden. Magier eben....
Aber stattdessen stand Radhiyaa vor ihnen. Gemeinsam mit ihr fanden sie noch weitere Muscheln, die sie unberührt ließen. Nur den Wachen wurde mitgeteilt, dass sie auch andere Menekaner davor warnten sollten.
Verfasst: Sonntag 9. Januar 2011, 12:31
von Maawiya
Nachdem er Ameena noch nach Hause geleitet hatte, brach er zu seinem Zimmer im Singenden Kaktus auf. Schon auf dem Weg dorthin kamen ihm einige Wachen, ausgerüstet mit Schaufeln und dicken ledernen Handschuhen die wohl auf dem Weg zum Haafen waren.
Er würde sich wohl noch ein mal auf den Weg machen müssen sobald er in seinem Zimmer angekommen war.
Doch er würde nicht die Straßen nehmen.
Rasch zog er sich um und war nun in dunklen Gewändern gekleidet. Anstelle der Tür drückte er sich durch das schmale Fenster seines Zimmer und zog sich an der Fasade entlang nach oben aufs Dach.
Über die Dächer machte er sich auf zum Haafen um zu beobachten was dort vor sich ging. Er positionierte sich auf der Wehrmauer und spähte mit eng zusammengedrückten Augen in die Nacht.
Aiwa, die Wachen sammelten die Muscheln ein und wurden zur Akademie gebracht.
Doch plötzlich kamen ihm die Muscheln im Tempel in den Sinn! Wurde auch Befehl gegeben diese einsammeln zu lassen? So schnell seine Beine und die Begebenheiten es zuließen machte er sich auf den Weg zum Tempel.
Dort angekommen sah er keine Wachen, außer den üblichen des Tempels und er nickte sanft. Er würde bis zum morgengraun abwarten und den eingang des Tempels im Auge behalten.
Er schüttelte den Kopf kurz und war über sich selbst verwundert.
Warum konnte er der kleinen Ameena nichts abschlagen? Als der Morgen graute machte er sich auf den Weg zurück zum Singenden Kaktus, er musste wenigstens eine Stunde schlafen...
Verfasst: Sonntag 9. Januar 2011, 13:29
von Darna von Hohenfels
Noch vor ein paar Minuten erst hatte sie vor dem Altar in der adoraner Kirche gekniet und einmal mehr das tägliche Gebet gesprochen, das sie seit dem Beginn der Meeresunruhen und dem Rat der Wesen, Eluive um Hilfe zu ersuchen, um einige Sätze erweitert hatte.
Nach ihrem "Herrin Temora, im Lichte deiner Gerechtigkeit danke ich dir für diesen Tag", hielt sie einen Moment inne, statt wie früher nun aufzustehen und heute hatte sie dabei auch das erste Mal den Waffengurt ganz abgenommen und beiseite gelegt - es erschien ihr passender. Nach kurzem Besinnen erklangen dann die Worte, die mehr und mehr Routine wurden:
"Mutter Eluive, Allheilende, ich danke dir für dein Werk, durch das wir alle sind.
Ich wünsche dir Freude an deiner Schöpfung, die Liebe deiner Kinder und die Kraft, die daraus erwächst. Ich wünsche dir die Macht, dich eines Tages zu unser aller Wohl deiner Fesseln entledigen zu können.
Ich danke dir für das Opfer, das du für alles erbringst."
Es war ihr anfangs seltsam und fast umständlich vorgekommen, ihre Worte so zu erweitern. Die anderen Lichten neben Temora zu achten, war ihr eine Selbstverständlichkeit, doch sie wurde sich seit diesen Wochen zunehmend bewusst und sicher, dass es nicht verkehrt war, ihnen mehr Aufmerksamkeit zu zollen, statt ihre Existenz einfach hinzunehmen. So galten kurze, aber aufrichtige Gedanken auch der Anerkennung und dem Dank für Phanodains Geschenke der geistigen Bildung an die Menschen wie Cirmias' Lehre für das Handwerk und von ihm geschenktes Geschick. Und Horteras' Freiheit... auch sie war ein kostbares Gut, wie ihr neu klar geworden war, seit sie solche Freiheit selbst der Göttermutter wünschte, auch wenn sie mit des Sternenvaters menschlichen Vertretern oft wenig anzufangen gewusst hatte.
Und nun?
Sie saß vor einer der Muscheln, die scheinbar zuhauf die Fluß- und Meeresufer säumten. Furchtbar. Was anderes fiel ihr dazu kaum ein. Dieser seltsam leuchtende Tang daneben hatte ihre Aufmerksamkeit geweckt, ein warnender Zuruf eines nahen Gardisten dazu geführt, dass sie die Muscheln näher untersuchte. Sie pflegte sonst nicht das kindische Spiel, sich die Dinger ans Ohr zu halten. Aber diesmal tat sie es also und zuckte zusammen, als sie dieses entsetzliche Wehklagen hörte. Grundgütige!
Die andere Muschel barg das gleiche Phänomen. Sie dachte an die Delphine - das Sterben ging weiter. "Ein dunkler großer Schatten", klangen die Worte ihrer Eminenz in der Erinnerung wieder. Diese verwirrende Aussage, die Sehende Temora würde ihr nichts der Zukunft zeigen, als wäre diese ihr selber unvorhersehbar. Leuchtender Tang, schreiende Muscheln...
"Das hat doch nichts mit dem Vulkangeist zu tun, der verursacht das doch nicht", ging es ihr kopfschüttelnd durch den Sinn. Was immer der Vulkan machte, er brachte sicher nicht Algen zu leuchten.
Diese Opfergabengeschichte... "Wir doktern doch bloß an den Symptomen herum." Der Vulkangeist litt vermutlich lediglich genauso wie... plötzlich stockten die Gedanken und ihre Augen weiteten sich.
"O h,
i h r
G ö t t e r...!",
entfuhr es ihr langgedehnt halblaut und mit tiefem Entsetzen. "Was, wenn auch er nur einfach stirbt und selber versuchte, diesen todbringenden Schatten mit einer Art Tribut zu bestechen? Der Nebelwald im tiefsten Winter, alles so kalt wie nie zuvor...
Die Erde stirbt.
Die Erde selber stirbt."
Was sie bislang ohnehin für schlimm gehalten hatte, gewann plötzlich einfach eine andere Dimension. Größer. VIEL größer. Was... wenn... - die Gedanken schoben sich nur quälend langsam und zögernd voran - Temora ihrer Eminenz keine Zukunft zeigte, weil... es keine... Zukunft... gab?
Diesem gedanklichen Abgrund schob sie sofort entschlossen einen Riegel vor, denn er würde Hoffnungslosigkeit bedeuten.
"Solange Temora ist, ist Hoffnung. Solange Hoffnung ist, ist Temora."
Durchatmen. Es musste Hoffnung geben. Aber die Umstände waren enervierend. Was immer da vor sich ging, es fand tief im Meer statt - und da kam man so schlecht hin. Wenn das sogar ein Schachzug dieses "Schattens" war, um Einmischung zu erschweren, war es kein schlechter. Ging es bei dem Schatten um Kra'thor? Sie wollte irgendwie nicht glauben, dass der Dämon die Macht dazu erlangt hatte; es schien um etwas wirklich Großes zu gehen. Um einen zweiten Versuch Alatars, das zu tun, was er schon ein mal vorgehabt hatte? Passte auch irgendwie nicht ganz, scheinbar, auch wenn es nicht mehr als ein subjektives Gefühl war. Eine dritte, neue Partei?
Zweifel, das war gerade das, was vorherrschte. Mangelnde Erkenntnis. Und Hilflosigkeit angesichts des Umstandes, so wenig dazu tun zu können, das wirklich half.
Grübelnd hockte sie lange vor dieser Muschel, die sie vorsichtig mitgenommen hatte, um einen Beweis zu haben, sollte irgend jemand davon erfahren und zweifeln.
Schließlich nahm sie sie mit und begab sich zum Kloster. Zum Baum...
Sich diesem langsam nähernd, hob sie den Blick in die Krone, forschend, besorgt.
"Wenn es irgend etwas gibt, was ich tun kann, Herrin... Wenn ich dir helfen kann... Wenn ich irgendwem, irgendwie helfen kann, um diese Bedrohung mit zu bekämpfen..."
Sie öffnete ihren Geist, so weit sie es irgend konnte, lauschte, hoffte... auf etwas wie einen Einsatzbefehl, nachdem sie schon im Weltlichen ihres Wissens nach alles getan hatte, was sinnvoll getan werden konnte, bis es in den Händen anderer lag.
Aber es schien still zu bleiben. Sie verlangte auch nichts, forderte kein Wort ihrer Göttin, was Anmaßung wäre - wer wusste schon, was die Streitbare gerade alles zu tun hatte und wahrlich, das mochte im Moment viel sein, da wollte sie auch nicht "stören". Aber immer wieder in den nächsten Stunden, Tagen, sollte es Momente geben, in denen sie bewusst in sich horchte, zu der Quelle, dem ihr Glaube entsprang und zu Temora ein feines Band geknüpft hatte.
"Ich bin hier." Sie würde jederzeit zur Verfügung stehen, das schien ihr alles, was sie gerade tun konnte, aber wichtig genug, es nicht zu vernachlässigen.
Verfasst: Sonntag 9. Januar 2011, 19:44
von Ameena
Abeer Eluiv!
Der Tempel hatte sich mit Menekanern gefüllt. Nazeeya stand am Altar, um sie herum die Krüge mit den Muscheln und Salz, welches in Schlangenlinien die Krüge umkränzte. Mittlerweile hatten sie alle die unterschiedlichsten Farben angenommen. Die Gemeinde war zusammen gekommen, um der Kaliq zu helfen, über diese armen Wesen zu wachen. Selbst der Emir war erschienen!
Dann streckte Nazeeya eine Hand aus, sie schimmerte golden, und fuhr damit über die Krüge, einzeln. Ein Zucken, ein schmerzhaftes Verzerren des Gesichtes, etwas musste sie getroffen haben. Oder sie hatte etwas gespürt. Doch sie ließ nicht nach, wieder erhob sie die Hand streckte sie zum nächsten Krug aus. Wieder verzerrte sich das Gesicht für einen Moment, doch schnell gewann die Kaliq dieses Mal die Fassung zurück.
Schließlich griff sie zu einem der Krüge und nahm ihn in beide Hände. Ameena hielt den Atem an. Der Schmerz für die Priesterin - ihrer geliebten Tante Nazeeya - musste beinahe unerträglich sein, wenn man sie ansah. Doch dann geschah etwas: Der Krug zersprang in tausend Teile, das heilige Wasser der Oase lief aus und benetzte das herumliegende Salz.
Das Mädchen warf sich nach vorn, auf den Boden und begann ein inbrünstiges Gebet, die Allmutter um Hilfe und Schutz für die Kaliq bittend. Darum bekam sie auch nicht mit, was nun geschah...
Selbst die Muschel war entzwei gebrochen und eine Perle kam zum Vorschein, die knapp über dem angerichteten Chaos schwebte. Ein feines Pulsieren ging von ihr aus, so wie das Herz eines Wesens schlägt. Die Kaliq griff behutsam danach, nahm es in die Hand und umschloss es für einen Moment. Nach einer ganzen Weile, erklärte sie dann, dass sich in der Perle der winzige Splitter eines Seelenkristalls befand. Dass etwas dieses Wesen umgebracht hätte und ihm nun verwehrt war, in Eluives Arme überzugehen.
Das Gebet längst beendet, begann das Kind zu weinen. Wusste sie doch, dass das einzig tröstliche am Tod die Aussicht war, in der Allmutter Arme gewiegt zu werden. Nur halb lauschte sie den Worten, die nun gesprochen wurden. Aber sie verstand - langsam dämmerte es ihr, was ihrer aller Aufgabe war. Sie mussten die 'Seelenkinder' in den pulsierenden Perlen beschützen und behüten, bis sie einen Weg gefunden hatten, sie zu erlösen. Ein jeder Menekaner würde so ein Seelenkind bekommen und es wie ein richtiges Kind behüten.
Als Nazeeya sie nach vorne rief, folgte Ameena nur zu bereitwillig, hatte sie doch am eigenen Leib erfahren, wie es war, ungeliebt und ohne Eltern aufzuwachsen. Sie würde es ihrem Seelenkind so gut gehen lassen, wie es ihr nur möglich war. Eine Weile schaute sie zwischen den Krügen umher, suchte die Muschel, die sie gestern Nacht als erstes erblickt und an sich genommen hatte. Ja - das musste der Krug sein. Ohne lange zu zögern, ging sie davor in die Hocke, streckte die Hand aus und berührte den Krug. Ein infernalischer Schrei, voller Schmerz, in Todesangst, erklang in ihren Ohren. Sie schluchzte voller Mitgefühl auf und doch schaffte sie es, dem Seelenkind gut zuzureden. Sie umgriff mit beiden Händen den Krug, die Tränen rannen ihr über die Wangen. Doch dann geschah es auch bei ihr - der Krug zersprang in tausend Teile und der Schrei verebbte nach und nach, bis nur noch ein leiser Widerhall in ihren Ohren zu hören war. Auch hier wieder eine kleine Perle, die im Herzschlag eines Lebewesens pulsierte - ihr Seelenkind.
Sie nahm es vorsichtig, umschloß es wie man einen kleinen, hilflosen Vogel umschließen würde und drückte die Hand gegen ihr Herz. Dann setzte sie sich auf ihren Platz und verfolgte gespannt, wie auch die anderen Menekaner auf ähnliche Art und Weise ihre Perlen in Empfang nahmen.
Nachdem alle der großen Mutter in einem Gebet gedankt hatten, ging sie nach Hause, sie wollte der Perle zunächst ein Bettchen bereiten. Zuhause angekommen, hatte sie eine Idee. Der Emir hatte seinen Umhang mit Salz bestreut und Nazeeya zum Schutz zugeworfen, als der erste Krug zersprang. Wenn sie ein Stückchen davon ergattern könnte, dann wäre es sicherlich die beste Unterlage für ihren kleinen Schatzzz. Was könnte besser sein, als ein Teil des Erhabenen? Sie suchte sich eine Schere und schon war sie erneut im Tempel, doch der Umhang war fort. Vermeintlich unbeachtet von den anderen, schlich sie sich in die hinterste Ecke und an einer unauffälligen Stelle schnitt sie zwei Fransen des Tempelteppichs ab. Vielleicht würden sie es auch tun.
Doch als sie gerade gehen wollte, lief sie dem Emir nochmals in die Arme. Und als er Zeit hatte, sich ihr zuwandte, da traute sie sich, das Wort an ihn zu richten. Und sie erzählte im von ihrer Idee. Ohne zu zögern, öffnete der Erhabene seinen Wams und reichte ihn ihr.
Abeer Emir!
Dies war schon der 2. Schatz des Tages, den sie ebenso an sich drückte, wie zuvor die Perle. Und es kam noch besser! Der Emir begab sich in die Hocke und das Kind konnte nicht widerstehen: sie sah ihm in die Augen. Augen die so blau waren, wie der Ozean. Sie erstrahlte förmlich, bevor sie züchtig den Blick wieder senkte. Sie solle ihm einen Brief schreiben, sagte der Emir. Erst zögerte sie noch, doch dann versprach sie es aus ganzem Herzen.
Aiwa - sie würde dem Emir einen Brief schreiben!
Als sie entlassen war, lief sie rasch nach Hause. So viel war heute geschehen, so wundersame Dinge. Sie würde dem Seelenkind noch ein Bettchen bauen und sich selbst daneben legen, um es in den Schlaf zu singen. Und so suchte sie sich eine kleine Kiste, legte den Wams des Emirs hinein, streute einige, feine Tränen Eluives darauf, legte die Perle hinein und deckte sie mit den beiden Teppichfransen zu. Streichelte in der Luft sanft darüber, legte sich dann auf ihr Bettchen, welches direkt daneben stand und begann leise ein Gute-Nacht-Lied zu singen... doch schon nach der 1. Strophe war das Kind selbst eingeschlafen.....
Verfasst: Montag 10. Januar 2011, 11:36
von Maawiya
Zuerst war der Schmerz, den er durch den Seelensplitter, der in der Perle eingeschlossen war, fühlte fast unerträglich für ihn gewesen.
Die Schreie die er in seinem Kopf wahrnahm, brachten ihn fast um den Verstand. Es lag soviel Schmerz, Furcht und Angst in diesem Geräusch...
Allein beim Gedanken daran fuhr ihm wieder der eisige Schauder den er nun schon zwei mal durch diese Muscheln ertragen musste den Rücken herunter.
Er hatte den Schmerz und seine eigene Angst nur überwinden können, da er in diesem Augenblick an Ameena gedacht hatte. Diese kleine Wüstenblume war so Stark in ihrem Glauben... ihre stärke im Glaube wurde nur von ihrer Sturheit übertroffen.
Unweigerlich musste er beim Gedanken an sie lächeln und schüttelte gleichzeitig den Kopf.
Nun lag die Perle in seiner Hand und er starrte sie bestimmt schon eine halbe Stunde an. Ab und an konnte er noch ein Wimmern und Schluchzen, das von der Perle ausging wahrnehmen, oder bildete er sich das nur ein?
"Wer oder was hat dir das angetan?", fragte er laut in den leeren Raum hinein. "Und wie können wir dich nur von deinen Qualen erlösen?" Er verharrte noch eine ganze Weile so als würde er von der Perle eine Antwort erwarte, doch dann sagte er mit kräftiger Stimme.
"Egal, wer oder was und egal wie, wir werden einen Weg finden dich in Mutters Paradies zu geleiten."
Er streichelte noch ein mal mit dem Zeigefinger über die Perle, ehe er sie in den kleinen, mit Wolle Augepolsterten Beutle zurücklegte den er dann auf seinen Nachttisch legte, ehe er sich zur Ruhe legte.
Verfasst: Sonntag 16. Januar 2011, 15:25
von Cara DelMur
Selbst ohne in Mutters Gesang einzutauchen, waren die „Stimmen“ der Muscheln allzudeutlich.
Sie sammelten zwei der sonderbaren Muscheln auf und trugen sie ins Haus. Wie die Fischer es taten um an das kostbare Innere einer Perlenmuschel zu gelangen, füllten sie eine Schale mit Wasser, gaben Salz hinzu und legten die Muscheln hinein. Im Wasser treibend löste sich der seltsame leuchtende Tang von den Schalen und zerfiel alsgleich zu modrigen Schlamm. Die beiden Frauen wechselten einen unruhigen Blick miteinander. Eine kleine Weile später öffneten sich, wie erwartet, die harten Kiefer der Muscheln und gaben ihren Schatz frei. Eine wundervolle Perle präsentierte sich den beiden jungen Frauen, doch irgendetwas stimmte immernoch so ganz und garnicht. Das ungute Gefühl verstärkte sich zunehmen, als sie die Perlen vorsichtig aus dem Muschelfleisch entnahmen und nur eine Spur Sand von dem einstigen Zuhause im Wasser übrig blieb.
es dröhnte im Lied und in ihren Köpfen wieder....
sie wagten sich tiefer hinein, tasten sich voran in all dem Wirrwarr, folgten einer bestimmten Weise,
herzzereissendes Klangen... bitterer Schmerz... grenzenlose Angst... absolute Dunkelheit...
und doch war da ein schwaches Licht... ein zaghaftes Pulsieren.... Existenz..... der Hauch einer Hoffnung.... reinste Unschuld... eine stille Bitte.
Von den Schwestern wurde eine hauchzarte Umarmung gegeben, der wie ein Kokon Schutz und Zuversicht in sich barg und ein lautloses Versprechen in sich trug.
Verfasst: Freitag 21. Januar 2011, 12:59
von Cara DelMur
Sie war dem Flusslauf von Rahal ausgehend entlang zum Gebirge hin gefolgt und hatte von dort den Weg durch den Wald zum nächsten Flusslauf genommen. Eine Schützin hatte ihre Schritte gekreuzt und dankbar hatte sie ihre Hilfe angenommen. Sie würde die Eingriffe ins Lied nicht deuten können und gut verhüllt, wie Cara war, sie auch nicht erkennen. Wahrscheinlich hielt sie sie für irgendeinen Magier oder Zauberer. Wie auch immer, es hatte es leichter gemacht die Muscheln an sich zu nehmen. Der Flusslauf wurde umrundet, bis ins Lager der dort hausenden Banditen und zurück bis zur naturgegebenen Grenze des Flusses hinüber in den Nebelwald.
Tagszuvor hatten Vanya und sie selbst bereits das Ufer von Düstersee bis Rahal abgeschritten. Sorgsam jede Muschel aus dem Schnee gegraben und vom Tang befreit, ehe sie jene in ein Kistchen sammelten.
Es war eine schwierige Aufgabe gewesen, den Schmerz und das Klangen, der die Beiden bei jeder Berührung der Schale traf, auf die Seite schiebend. Das Wissen um den kostbaren Inhalt hatte sie voran getrieben. Es durfte keine Muschel übersehen werden.
Wie versprochen, hatten sie das alatarische Gebiet abgegangen. Das Ergebnis davon trugen sie jetzt in einer kleinen Kiste mit sich, die sie sicher verwahren würden. Den Rest würden die Brüder und ihre Schwestern folgen lassen.
Verfasst: Freitag 21. Januar 2011, 14:38
von Savea Falkenlohe
Es gibt Nächte in denen man nicht einschlafen will, weil man ahnt was kommen würde und genau solch eine Nacht ist diese.
Dabei hat der Abend so hoffnungsfroh begonnen, zumindest ich bin voller Hoffnung, als sich der kleine Trupp mit ihrer Eminenz auf den Weg macht um die sonderbaren Muscheln einer genaueren Untersuchung zu unterziehen.
Hinterm Berchgarder Sumpf soll es sein, der Platz ebenso gut gewählt wie hundert andere ruhige Plätze, denn Muscheln dieser besonderen Art liegen ja hundertfach an den Ufern.
Zwei der Muscheln werden ausgesucht, ihre Schalen zerbersten in winzige Teile und geben den Blick auf ihr Innerstes frei… die Perlen.
Recht schnell wird ihrer Eminenz bewusst, dass hier ohne die Hilfe Temoras nichts auszurichten ist und so beschließt sie die Seherin zu bitten etwas Licht ins Dunkel zu bringen, ein wenig Erkenntnis, Klarheit über die Herkunft der Perlen… und gibt Anweisung ein Anrufungsritual vorzubereiten.
Das von seiner Hochwürden Erken und dem Akoluthen Ingosch ausgestreute Salz lässt den Schnee in Form eines Ankhs und Form eines darin verankerten Hammers schmelzen, ihre Eminenz steckt Kerzen rundherum in den Schnee und in der Mitte des Ankhbogens findet eine Schale ihren Platz.
Die beiden Perlen werden in die Schale gelegt und schwimmen in einer blau schimmernden, gänzlich reinen Flüssigkeit, die ihre Eminenz in die Schale gibt. Die übrigen Anwesenden stellen sich in einem größeren Kreis auf.
Ich stehe mit dem Rücken dazu, meine Aufgabe ist klar und benötigt keiner besonderen Anweisung, Pfeil und Bogen in den Händen, mein Blick wachsam die Umgebung abwandernd.
Das Ritual beginnt.
Silbrige Fäden verlassen die Finger ihrer Eminenz um mit ihrem reinen Licht die Perlen in selbiges zu tauchen.
Dann kleidet sie unser Anliegen in bittende Worte und verstärkt meine Hoffnung, alles würde gut, bis… ein plötzlicher Schmerz mir den Atem stocken lässt und mich förmlich auf die Knie zwingt.
Unmittelbar darauf verlässt der Priesterin Kehle ein schluchzendes Wimmern, welches sich bald darauf zu einem jammernden Schreien steigert und in panischem, hysterischem Schreien mündet.
Gütige… soviel Schmerz, soviel unsägliche Pein… hält auch mich nun umfangen, wie ein Umhang, dem ich mich nicht entledigen kann. Ich versuche zu atmen, es wird nicht mehr als ein Keuchen, ich versuche aufzustehen, irgendetwas zu tun, es wird nicht mehr als ein auf den Knien herumdrehen, Pfeil und Bogen längst aus den Händen verloren.
Dass Gleiches dann auch aus den Kehlen seiner Hochwürden und des Akoluthen dringt, macht das Entsetzen vollkommen. Das Blut, welches den dreien nun aus Nase und Augenwinkeln läuft ist nur noch schmückendes Beiwerk unaussprechlicher Qualen.
Stimmen werden lauter… Gebete, Bitten, nebenbei vernehme ich auch meine eigene Stimme wie aus der Ferne, Verzweiflung gepaart mit Trotz, der in mir aufsteigt.
"Herrin! Ich seh‘ keinen Weg mehr, und finstere Schatten
umlagern mich dichter, ich droh zu ermatten.
Doch seh‘ ich zu dir, du bist mein Licht,
dir kann ich vertrauen und fürchte mich nicht!"
In der Tat spüre ich keine Furcht, nur das pure Grauen. Die Schreie sind verstummt, doch die Augen der drei Geistlichen sind gebrochen, wie bei… Toten.
Die Aufforderung Sir Rafaels, sich an den Händen zu fassen, den Glauben zu bündeln… ich höre und funktioniere… kämpfe mich auf die Füße, umschließe Rahels und Ingoschs Hände, während sich Milady damit abmüht auch seine Hochwürden in den Handkreis zu ziehen, der wie festgefroren, zitternd am Rande steht.
Acht in einem Handkreis und in diesem spielen Stände keine Rolle, Geistliche, Graf und Gräfin, Hochgeborener, Edle und Hausdame, hier und jetzt schlicht Mensch.
Zusammengeführt zu helfen, zu stärken, mitzutragen, mitzufühlen… ein geschlossener Kreis.
Und dann hat die Gütige ein Einsehen. Schickt Bilder. Lässt ihre Eminenz und seine Hochwürden das eigentlich Unaussprechliche in Worte formen, die endlose Grausamkeit ohne Filter, ohne sanft auffangende Daunen.
"Die Fratze fängt die reinen Seelen. Fängt sie, quält sie und frisst sie. Raubt ihnen die Seele, schlimmer als der Tod, lässt sie weinen. Ihre Schmerzen, ihre Tränen fallen in die Dunkelheit und werden umfasst von den Muscheln. Werden zu uns getragen, allein, verletzt… verloren."
Und da wird der Schmerz abgelöst von dem unsäglichen Wunsch die Perlen beschützen zu wollen.
Ich weiß nicht, ob es den anderen ebenso geht, ob sie das Gleiche verspüren, in mir jedoch ist dieser Drang so groß, dass sich meine Hände wie von selbst von denen Rahels und Ingoschs lösen und ich mich einen Schritt vorwage. Diesen einen Schritt, der mich naher an die Schale bringt, näher zu dem was es nun zu schützen gilt… so glaube ich.
Behutsam umschließen meine Hände die Perle, die mir am nächsten ist und ziehen sie an mein Herz, mit dem unausgesprochenen Versprechen sie zu schützen, komme was da wolle und ich schäme mich meiner Tränen nicht, die sich nun Bahn brechen, mein Innerstes nach außen kehren.
Die Augen der Geistlichen blicken wieder klar, aber ebenso klar wie deutlich ist das Urteil.
"Wir können sie nicht beschützen. Es ist zu spät. Wir können sie nur ins Licht schicken und hoffen, dass ihre restlichen Seelen eines Tages zu ihnen zurückfinden."
Gütige, mein Gefühl kann mich doch nicht so trügen?
Doch, es kann, wie die nächsten Worte mir mehr als deutlich machen.
"Ein alter, sehr alter und mächtiger Dämon. Er zerriss reine Seelen in tausende Splitter. Jede Perle ist nur ein Teil unzähliger Seelenopfer."
Und irgendetwas in mir zerreißt auch.
"Bitte legt sie zurück in die Schale, dann werden wir ihnen unsere Gebete, unser Mitgefühl und unsere Zuversicht zukommen lassen, um sie ins Licht zu senden."
So behutsam und sanft wie mir nur irgend möglich, fast furchtsam, als könne ich noch Schaden anrichten, wenn ich nicht aufpasse, lasse ich meinen kleinen Seelensplitter in die Schale zurückgleiten.
Mit von tief getragener Trauer in der Stimme schickt ihre Eminenz die beiden Seelensplitter auf ihre letzte Reise. Umhüllt von einer Lichtkugel steigen sie höher und höher, bis nur noch ein winziger Lichtpunkt zu sehen ist, der vor den Wolken zerspringt und in silbernen Funken herabfällt.
Es ist vorbei.
Es gibt Nächte in denen man nicht einschlafen will, weil man ahnt was kommen würde und genau solch eine Nacht ist diese.
Ich schlafe ein, ich wache auf, in stetem Wechsel, mein Kopfkissen feucht, im Traum verlorene Tränen, der mich diesen Abend wieder und wieder erleben lässt, bis ich aufstehe um weiche Stoffreste zusammenzusuchen, ausgeschlagene Kisten mehr zu polstern.
Nein, es ist nicht vorbei… nicht, ehe nicht auch der letzte Seelensplitter aus seiner Muschel befreit, ins Kloster verbracht und ins Licht geschickt sein würde!
Verfasst: Dienstag 25. Januar 2011, 17:33
von Shalaryl Di'naru
Pliiing...
Sachte, leiser werdend schwingt die Harfensaite aus. Die schmalen, grünen
Hände zupfen mehr oder minder von selbst eine Melodie, Spiegel der vor
sich hin treibenden Gedankengänge.
Ihre Vermutung erwies sich also als richtig, die Meereswesen waren letztlich
aufgeschreckt worden und nun in einer fremden, für sie feindseligen Um-
gebung eingezwängt. Und taten das, was alle Tiere in solch einer Lage tun:
Aggressiv reagieren. Vulkangeist...Schatten-Dämon...Opfergaben...
Pling, pliiing, pling...
Dann die Muscheln...Seelensplitter also, zerrissene Klänge, gefangen in einer
widerkörperlichen Form. Eine Seele, aufgeteilt? Viele Seelen? Wozu solch eine
Mühe? Sollte eine große Macht so gebrochen werden, oder eine Quelle für
eine ebensolche geschaffen werden? So oder so, der Verursacher sollte
reagieren, wenn seinem Plan zuwider gehandelt wurde - so er es konnte.
Leises Seufzen unter den Klängen der Harfe. Welch süsse Ironie...da hatte
sie sich aufgerafft, wieder zu dem Teil der Welt zu werden, der sie einst war,
doch der Mangel an Konzentrationsfähigkeit hinderte sie nun noch immer,
ihn wirklich einzunehmen. Langsam formte sich ein Bild, aber viele Fragen
waren noch offen, Klänge im leeren Raum verhallend. Vielleicht würden
die angedachten Treffen die fehlenden Noten beitragen, um das ganze
Lied spielen zu können... .
Pliiiing...
Ja...sich jetzt weiter den Kopf zu zermatern würde auch nichts bringen.
Wenn sie genau wusste, was es mit all dem auf sich hatte, würde ihr
auch eine Lösung einfallen können...die dann hoffentlich auch durchführbar
war.
Pliiiiiiiing. . .
Verfasst: Mittwoch 2. Februar 2011, 18:27
von Quarius Lore
Am Vortag des ersten Eisbruch hatte der Herold in Adoran ausgerufen, dass die Muscheln und deren Beinhalteten Seelensplitter ins Kloster gesammelt und gebracht werden sollen. Gesagt getan, dachte sich Quarius, es war mal wieder an der Zeit sich auf den Weg zu machen und die verlorenen Seelen zu finden und diese er Heiligkeit zu bringen damit diese ihren Frieden finden. Wie auch immer, dachte sich Quarius und begab sich fortan in Richtung West – Gerimor, dort abgelegen, werden sich wahrscheinlich nicht viele Adoraner und Gläubige Temoras verirren. Zu sehr bestünde die Möglichkeit einer Eskalation mit den verhassten Alatar Gläubigen. Doch dort unscheinbar in der nähe eines kleinen Dorfes fand er einige der besagten Muscheln. Er wollte nicht zu sehr auffallen, doch die Banner des Ordens hatten ihn bereits verraten, als er in die einzige wichtige und teilweise von Bauern besiedelte Gasse ankam. Einer der hiesigen Bauern hatte ihm gesagt wo er die besagten Muscheln finden könne.
Der Bauer brachte ihn zu einem bereits besagten Fund. Nachdenklich begutachteten beide Männer die Muscheln als sich der Bauer niederkniete und fragte: „Wieso schimmern die so und pochen?“ Quarius schaute zu ihm und dachte über die Worte des Herolds nach, dass man die Muscheln keineswegs berühren sollte. Das erste Mal als diese Muscheln auftauchten, sah er sie in Berchgard gemeinsam mit der Magiebegabten Lilian Weilnau. Welch sonderbare Dinge einen dazu zwingen eine Berührung abzulehnen, dachte er sich und kniete sogleich hinunter und fragte den hiesigen Bauern, „ Könnt ihr mir einen Spaten bringen?“ Der Bauer schaute ihn verdutzt an, scheinbar verstehend, dass der Gläubige den Spaten haben möchte um die Muschel aus dem Boden zu schippen. „Ach wo, das sind nur Muscheln, seht selbst…“ meinte er und wollte nach diesen greifen, womöglich um zu beweisen, dass von diesen klitzekleinen Dingern keine Gefahr ausgehen würde. Die schärfer werden Sinne ließen Quarius eine schnelle Reaktion ereilen und er schnappte nach den Muscheln, bevor der Bauer nur auch nur in die Nähe dieser gekommen war. Ein schwerwiegender Fehler, welcher zunächst einmal nichts in ihm auswirkte. Zu stark war sein Glaube an die Schutzpatronin selbst. Doch einige Herzschläge später, machte sich der Seelensplitter andere Gedanken, über den neuen und unweigerlich gewordenen Muschelbesitzer. Langsam als würde seine Aura gegen etwas kämpfen, was er selbst nicht wirklich kannte. Sein Blick anfänglich noch klar, ließ seine Adern gefrieren und die Pupillen im selben Moment weiten lassen. Er blieb jedoch fest glaubend und solange Tapfer, bis er die Muschel in die Tasche einhüllte, welche die ganze Zeit über in seinen Händen lag und die verlorene Seele nach ihm zu greifen schien.
Etwas später…
Scheinbar war noch alles so normal wie vorher, doch sich gleichzeitig auf das Gefühl zu konzentrieren und dieses dadurch abzuwehren, verlief mit der Zeit nicht so Erfolgreich wie erhofft. Mit jeder Minute ging es ihm schlechter und schlechter, bis er zu dem Punkt kam, genug Muscheln eingesammelt zu haben. Zwar konnte er in der Dunkelheit das schimmern der Muscheln noch immer erkennen, jedoch blieb ihm weiterhin die Hoffnung am Kloster mit den vorhandenen Objekten sinnvoller. Immerhin hatten ihm einige der Bewohner geholfen und alle dazu beigetragen ihm mit großer Vorsicht in die Tasche zu hüllen.
Als Quarius aufbrach, war es bereits dunkel geworden. Er hoffte dennoch im Kloster empfangen zu werden und so begann er den Marsch etwas zu beschleunigen. Wahrlich die Luft im Wald tat ihm wirklich gut, dennoch begann sein Magen sich zu melden, als er bereits fast zwei drittel der Strecke gemacht hatte. Übelkeit schoss in seine Speiseröhre hoch und der Gestank von modrigen Geruch und verfaulten Eiern stieg in seine Nase. War es nur Einbildung? Die Muscheln waren noch fest verschlossen in der Tasche. Die Bewohner des Dorfes hatten glücklicherweise dafür gesorgt, also, wie konnte das sein? Er wurde kurzerhand von diesen kleinen Objekten in die Knie gezwungen. Von fast einem Kilogramm Muscheln in die Knie gezwungen. Die Übelkeit war ebenfalls noch nicht verschwunden und mit einem kurzen zusammenziehen des Magens, gefolgt von Atemnot und Schluckbewegungen begann der Gläubige zu würgen. Erbärmlich! Das Würgen hatte seine Sekunden an Zeit gebraucht, die für Quarius wie eine Ewigkeit vorkamen. Es dauerte noch relativ lange im Vergleich zu seinem wiederkehrenden Magen, sich wieder aufzurappeln. Doch es waren vielleicht noch einige Minuten, die nun wie ein Marsch des Glaubens vorkam. Entgegen seiner Erwartung erhob er sich nach schwerem Kampf um sein Gleichgewicht um dann weiter wankend bis an die Klostermauern zu marschieren. Beinahe geschafft…Aus mehreren Minuten wurde mehr als eine Stunde. Inständig hoffte er nicht abgewiesen zu werden. So klopfte er mehrere Male laut gegen die Tür. Die Wachen schienen davon unberührt…sie sahen ihn anfänglich als Eindringling. „Im Namen Temoras, so macht mir bitte auf!“ Er viel auf die Knie die Schultertasche polterte ebenso herunter. „Wer da?“ fragte eine weibliche Stimme. Um ihn wurde es langsam Trüb die Augen konnten sich nicht mehr auf ein nahes oder weites Objekt einstellen. Er hörte nur ein Riegel sich bewegen, was ungefähr von der Tür zu kommen schien und Augen begannen ihn zu betrachten, jedoch waren dies ebenso Dinge, die er nur unbewusst erkennen konnte. Das Tor wurde aufgesperrt und ein Priester der Temora gab sich aufopfernd Quarius zu um ihm seine Hilfe zu zollen. Er kannte den Namen nicht und auch wenn er ihn kennen würde, konnte er sowieso nur ein verschwommenes Gesicht zuordnen. Die Wappen des Ordens hatten ihn verraten, sie hatten ihm in diesem Sinn geholfen. Schnell schien sich innerhalb des Kloster umzusprechen, dass jemand um diese späte Stunde am Kloster ungewollt Unruhe stiftet. Cassian bat ihm Platz an, sich neben ihm hinzusetzen und um die am Tor gefallenen Muscheln mit samt Tasche, hatte sich nun jemand anders gekümmert. Die Waldelfin Shalaryl Di´naru hatte sich gemeinsam mit Darna und ihrer Magd zum Toreingang begeben. Inween kam auch, er konnte nur Gesprächsfetzen hören. Cassian neben ihm, hatte ihn leicht beruhigt und der Priester, der ihm zuvor Einlass gewährte brachte ihm nun Wasser. Endlich Wasser! Es kam ihm vor, als wäre er verdurstet, dabei floss etwas Wasser aus seinem Munde heraus und befeuchtete dabei seine Kleidung. Der Kopf hängte nun noch und wurde von seinen Händen gestützt. Eine vielleicht etwas angestrengte Geste. Man Fragte ihn höflich und wollte ihn in eines der Krankenzimmer bringen, dennoch blieb er standhaft und Tapfer ohne den Anschein zu erwecken in eines der Zimmer gehen zu müssen.
Zu seinem erstaunen kam eine andere männliche Waldelfengestalt kniete sich zu ihm nieder und berührte ihn Sacht. Mit ruhigen Worten sprach er sogleich, dass er sich an eine tolle Erinnerung wagen muss, damit das Gefühl von Zuversicht wieder zurückkommen würde. Quarius schloss die Augen und hörte dem Singsang des Waldelfen zu, welcher ihn in einer bestimmten Väterlichen Figur ansprach, trotz seines selbigen für einen Menschen jedoch mittleren Alters.
Quarius kam wieder zu sich und er schien nun wieder aufstehen zu können. Der Waldelf der sich später als Lu’araiel vorstellte und darauf bestand Lu genannt zu werden, lächelte ihn weiter väterlich an und nickte scheinbar zuversichtlich. Er hatte ihm die Tür gezeigt seine Erinnerungen wieder zu fokusieren. Für ihn war jedoch noch nicht alles ausgestanden, als ihn Lu’araiel darauf ansprach, dass er ein Gespräch mit Darna nicht abschlagen kann und dadurch ihr erklären solle, wohe er diese Muschel hatte.
„Man hatte doch alle vorgewarnt diese Muscheln nicht zu berühren!“ sprach Darna auf ihn ein.
„Nun, ich wusste davon Milady“, entgegnete er ihr mit ruhiger und gefasster Stimmlage. , „nur wissen die armen Bauern im Westen des Landes nichts davon und von daher musste ich diese berühren, da einer meine Begleiter sonst in diesem Misstand,“ er deutete auf sich selbst, „ kommen würde. Ironischerweise war das Dorf in der Nähe des Schreines der Opferbereitschaft!“ meint er dann fest nun kurz umblickend zu den Waldelfen und der Magd der von Elbenau. Es wurde weiter darüber debattiert und erklärt weswegen die Muscheln eingesammelt werden müssten. So scheint es dass die Kirche vor hat diese armen Seelen zu erlösen. In Quarius ging plötzlich ein Alarmsignal aus, welches erst leichter dann fester wurde schlißelich platze die Frage aus ihm heraus, welche scheinbar die umstehenden in ein weiteres Chaos hätte stürzen können.
„Was ist mit den Muscheln im Rahalischen Reich?“ fragte er sogleich, wohl wissen, dass er nicht wirklich eine Detailgetreue antwort bekommen würde. Darna antwortete als erste mit einer Gegenfrage. „Was werden die Gefolgsmänner Alatars mit Muscheln wohl anstellen sollen?“ Quarius merkte bei der rhetorischen Frage Darnas, dass die Waldelfin neben ihm unruhig wurde und er versuchte sogleich die Körpersprache der Waldelfin zu deuten, und wissen wollend was diese wohl entgegnen würde. Darna schien scheinbar davon auszugehen, dass einige wenige Gefolgsmänner die nicht all zu bekannt im rahalischen Reich waren, gegen Bezahlung die Muscheln holen zu lassen. Für Quarius schien das nicht genug. Er hatte die Zeichen der Waldelfin richtig gedeutet als sie im Singsang zu sprechen begann „Angenommen die Rahaler würden in den Besitz einer Muschel kommen, könnten sie das Lied versuchen nachzuahmen und dies für Ihre Zwecke nutzen!“ Ihm gefiel die Idee mit den Muscheln nicht und das was er hörte bestätigte nun seine erste Annahme. Die Magd schien selbst in der Dunkelheit erkennbar eines Gesichtsschocks gekommen zu sein, selbst Darna hätte er erkennen sollen. Nun liegt es wieder daran, diese Muscheln auch aus dem Reich der Rahaler zu holen. Hoffentlich wussten diese noch nicht bescheid. „Ganz also wie in den früheren Zeiten!“ meinte er mit einem leicht amüsanten lächeln zu Darna, dass die Magd noch mehr zu empören schien, als sie das lächeln erkannte. Kein Abenteuer, dachte er sich, aber dass war eindeutig ein Zeichen Temoras, ihn zu prüfen und er wusste was just im Moment zu tun seien müsste. „Ich werde gehen!“ sagte er dann deutlich nach einigen Sekunden der stille. Darna blickte ebenso Fassungslos zu ihm und begann mit einem „De Lore, ich kann das nicht gutheißen was ihr vor habt!“ sagte sie sogleich zu ihm. „Ihr seit einer der wenigen sehr bekannten Männer in Rahal!“ Leise murmelte er vor sich hin, und meinte dabei „Es gleicht einem Selbstmord würde jemand bekanntes zu ihm sagen.“ Und die verstorbene hieß wahrscheinlich Alyssa, Leon von Falkenburg oder Farion Lefar selbst.Quarius schaute abermals zu Boden und blickte auf zu der Magd. „Wir sollten uns tarnen lassen!“ Die Magd fuhr hoch „Wir?“ entstieß es ihr plötzlich. Er hatte von einer Hilfe gehofft, worauf Darna wieder meinte, dass die unbekannten wenigen Anhänger dies bewerkstelligen könnten. Quarius dachte nur daran, dass die Drecksarbeit auch von Personen gemacht werden muss, die selbst ein hohes Maß an Glaube zu Temora haben.“ De Lore,“ meinte Darna erneute „dass was ihr wisst muss hier bleiben!“ und deutete dabei auf die Platte vor sich auf den Boden. Er schaut auf die Platte und sie sprach weite „so ihr alleine es riskieren wollt geschnappt zu werden, ihr steht nicht unter meinem Befehl und ich kann es euch nicht verbieten, aber gutheissen werde ich es trotzdem nicht. Dann solltet ihr alleine gehen!“ Offenbar stand die Magd selbstverständlich unter dem Befehl der Adelsdame und Paladina. Zu seiner Überraschung meldete sich die bislang still gebliebene Waldelfin mit den Worten „Ich kann mich tarnen und werde euch begleiten!“ Er hatte alles erwartet, jedoch nicht, dass eine Waldelfin mitkommen würde. Zugegeben er war positiv überrascht, ist ihm doch bekannt, dass Waldelfen nicht oft mit Menschen verkehren, jedoch schien die Waldelfin selbst über der Siatuation im klaren zu sein. Ein warmes lächeln zeigte sich im Gesicht des gefallenen Paladins. „Man würde euch erkennen, wenn ihr in Rahal seit!“ sprach weiter Darna auf sie ein, wohl wissend, sie von diesem Himmelsfahrtskommando abbringen zu wollen. Quarius hörte den Worten gut zu und sprach abschließend, „Ich werde in die Kapelle gehen und dort beten.“ Sein blick ging kurz durch die Reihe. „so werde ich neue Kraft tanken und sogleich alles für das vorhaben vorbereiten. Möge Temora uns stehts begleiten!“ Wie der neue aktuelle Stand der Dinge am nächsten Tag sein wird, ja das war die wichtigste Frage.
Verfasst: Mittwoch 2. Februar 2011, 21:58
von Darna von Hohenfels
1.Eisbruch, abends im Kloster
Noch zwei Muscheln. Diesmal direkt von Shalaryl und Lu'araiel gebracht - wert genug, spät in der Nacht von Adoran nochmal zum Kloster zu gehen und sie zu all den anderen zu bringen, die dort schon gesammelt waren. Gelegenheit genug, dabei auch gleich zum wiederholten Male Informationen auszutauschen - sollte man meinen.
Als es mitten in der Nacht, die Glocken mussten die zweite Stunde des jungen Tages schon geschlagen haben, gingen Shaya und seine Gnaden Prochska nachsehen. "Lady... habt Ihr rasch einen Moment? Es geht um einige weitere Muscheln und einen Mann des Ordens, der deutlich Hilfe bedarf", meldete Aaron kurz darauf und sie machte sich nach einem kurzen Blick zu Shala auf den Weg zum Tor. Hilfe... - es brauchte nicht mehr viele Worte zwischen ihnen beiden, um die Zusammenarbeit zwischen Waldelfe und Paladina funktionieren zu lassen.
Quarius. In sichtlich elendem Zustand, von Shaya und Cassian gestützt, ließ er sich auf eine der nahen Sitzbänke nieder, neben dem Tor lag eine Tasche, bei der eine herausgerutschte Muschel zu erkennen war.
Als sich kaum wenige Lidschläge später das Tor öffnete und Schwester Iswen noch herein kam, sah man zu, die Muscheln vor unbeabsichtigten Tritten zu bewahren und in die Kirche zu bringen. Lu'araiel und Aaron nahmen sich des Ordensstreiters näher an, so half Shala dabei, die Muschel ohne Berührung in die Tasche zurück zu befördern.
"Magier müsste man sein", huschte es durch Darnas Gedanken, ohne ein echtes Sehnen hinter diesem Wunsch. Was mit Quarius passiert war und warum es ihm so elend ging, dessen bedurfte er keiner Grübelei, und etwas ärgerte sie sich über die scheinbare Sorglosigkeit. Immerhin würde er sie nun wohl nicht mehr wiederholen. Wenigstens war die fast schon nebenher in all dem Trubel überbrachte Nachricht Iswens, dass die Schwesternschaft ihnen unter bestimmten Bedingungen die Muscheln überlassen würde, ein echter Lichtblick.
Nachdem die dunkle Muschel ihren Weg zu den anderen in einer Kiste im Altarraum gefunden und Aaron sich zur Nachtruhe begeben hatte, gingen sie zum Tor zurück, um in Erfahrung zu bringen, wie es de Lore inzwischen ging und von wo er die Muschel hatte. Iswen teilte mit, dass er wieder vollends geheilt sei, dann zog auch sie sich zurück.
Zurück bei Quarius äußerte dieser den Wunsch, sich in die Kapelle zu begeben. "Haltet Euch von den Kisten am Altar bitte fern, Herr de Lore", warnte sie ihn, "Die Muscheln sind darin bewahrt. Wir dachten eigentlich, die Warnung, die Muscheln nicht selber zu berühren, sei umfassend genug ausgegeben worden, aber danke für Eure Hilfe."
"Es war keine Absicht, diese zu berühren...es war mehr ein.. Unfall, oder Versehen", entgegnete Quarius, "Besser, dass ich diese berühre als ein im Glaube nicht ganz so starker. Einer der örtlichen Bewohner wollte diese an sich nehmen und hatte bislang die Warnungen am Rande des Reiches nicht wohl mitbekommen."
"Am Rande des Reiches?", dachte Darna verwirrt, "In Bajard wurden doch schon alle eingesammelt?"
"Verstehe", setzte sie vernehmbar an, "Darf ich fragen, von wo genau die Muschel kommt? Die meisten Küstengebiete waren bereits abgesucht worden."
"Sie waren nahe am rahalischen Reich im Westen."
"Düstersee", die ernüchterte Schlußfolgerung, "Ja, dass dort unsere Warnungen nicht hin gekommen sind, das glaub ich; Was hast du bei Düstersee verloren? Egal."
"Verstehe. Umso wertvoller, sie dann hier zu wissen, danke."
"Um Düstersee und Rahal müssen wir uns eh noch einen eigenen Kopf machen."
Quarius erkundigte sich, was mit den Muscheln geschehen solle, und so erklärte sie die Absicht der Kirche, den Seelensplittern ein letztes Geleit zukommen zu lassen.
"Was geschieht mit den verlorenen Seelen welche im rahalischen Reich sind..? Soweit ich weiss gibt es dort auch Muscheln."
Sie ahnte, worauf das hinaus laufen könnte und atmete tief durch. "Wir bergen bislang alle, die möglichst ohne solche Gefährdung erreichbar sind, doch die Muscheln auf rahaler Boden werden noch ein seperat zu klärendes Problem darstellen, ja.
Es kann gut sein, dass ein paar Helfer, die den Rahalern noch in keiner Weise bekannt sind, sich unauffällig auf den Weg machen, sie einzusammeln. Im Notfall wird man bewaffnete Hilfe mitnehmen müssen."
"Aber besser, wir vermeiden jedes Aufsehen... Himmelherrje, er ist nicht wirklich in diesen Ordenssachen bei Düstersee herumgelaufen und hat mit einem der dortigen Bewohner auch noch Muscheln gesammelt?!"
Quarius schien weiter an diesem Problem gedanklich zu nagen: "Was koennten die Rahaler damit anrichten, wenn sie wissen was die Muscheln sind..?"
"Was sollten Pantherdiener schon mit Resten einer fast zerstörten und doch noch existenten reinen Seele anfangen können?", fragte sie rethorisch gegen und fuhr selber fort, "Nichts, was man einem einst lebenden Wesen wünschen sollte.
Den Seelen ist kaum mehr zu helfen, der Schaden angerichtet, sie sind gequält, zerrissen... Und doch ist es möglich, ihnen noch ein letztes Geleit in Eluives Lied zurück zu geben - oder eben nicht. Und wir bemühen uns um ersteres."
"Und dabei brauchen wir keine sinnlosen Risiken und überflüssigen 'Heldentaten'."
"Ich werde allein gehen und diese Muscheln im rahalischen Reich einsammeln...", bekundete Quarius fest entschlossen klingend. Darna stöhnte innerlich.
Shalaryl steuerte eine weitere beunruhigende Warnung ein, die die ganze Lage nur verschärfte. Sie forderte Quarius mehr als deutlich auf, über die Vermutung Stillschweigen zu bewahren - nicht auszudenken, wenn sich das herumsprechen könnte.
"Ich werde sofort aufbrechen um von dort alle Muscheln zu finden", sah Quarius sich noch angespornt.
"Ohhhh Himmel... Wenn du deinen Hintern dort schon riskieren willst, dann geh aber mit den Muscheln wenigstens richtig um." Darna wischte sich über das Gesicht und begann, energischer auf Quarius einzureden: "Wenn Ihr darauf besteht, was ich nicht gutheiße, dann bereitet Euch wenigstens dafür angemessen vor: wir haben dafür Kisten mit weichen Tüchern ausgelegt und eine Schaufel mitgenommen. ..." - in sachlichem Tonfall, typisch Instruktion, typisch alter Soldat, setzte sie Quarius knapp aber umfassend in Kenntnis, wie sie bislang vorgegangen waren. Sie hatte schließlich selber schon die ganze Ostküste Gerimors sowie die Westküste außerhalb Rahals abgegrast, Savea und Shaya zusammen mit den anderen die Ortschaften und Teile Lameriasts.
Der nächste Schlag vor den Kopf kam, als Quarius sich wie selbstverständlich an Shaya wandte, als wären die beiden schon als geschlossene Einheit abkommandiert: "Wir müssen getarnt dorthin reisen. So kann ich keineswegs hingehen."
"Wer 'wir'?", entfuhr es Shaya im gleichen Moment, wie Darna es dachte.
"Jetzt zieh Shaya noch in deine überflüssige Selbstmordaktion rein, als hätte die nichts anderes zu tun, und als könntest du hier anderer Leute Leben einfach so gefährden, ich glaub, ich spinne", machte sie sich gedanklich Luft, während sie äußerlich höflich von Shaya abzulenken versuchte:
"Nein, so könnt Ihr nicht nach Rahal, richtig. Doch müsstet Ihr allein gehen oder einen anderen vertrauenswürdigen Begleiter finden, wir sind schon mindestens die nächsten drei Tage eingespannt, an allen anderen möglichen Orten ebenso zu sammeln."
"In das Feindgebiet zu reisen, gleicht einem Selbstmord, würde jetzt jemand sagen", hörte sie Quarius leise vor sich her sagen und bestätigte es prompt und nüchtern: "Ja. Und ich erwähnte bereits, wir haben womöglich andere Kandidaten, deren Gesicht weniger dort bekannt ist. Ihr solltet das vielleicht nochmal überdenken."
"Das ist so überflüssiger Dreck wie Lucas Diebstahl."
"Jedoch gibt es keine andere Wahl und die Kandidaten sind sich derer womoeglich nicht bewusst", widersprach de Lore.
"Ihr handelt auf eigenes Risiko", stellte Darna besorgt, doch dienstlich nüchtern nochmal klar und ersparte sich, ihm noch lang und breit zu erzählen, wie sie die anderen Helfer, die dies anboten, eingehend gewarnt hatte.
"Macht euch keine Sorgen...", erwiderte Quarius.
"Kann ich mir auch nicht leisten." Sie schaltete gedanklich den Teil in sich ab, der Quarius diese dumme Idee weiter ausreden wollte. Der Mann war erwachsen, nicht ihr Untergebener und ihr eh als verquerer Dickschädel bekannt. Vielleicht konnte man ihm zuvor kommen und die Sache klären, bevor er sich auf den Weg machen würde.
Zu allem Überfluß schien sich Shalaryl nun aber auch noch von diesem Himmelfahrtskommando anstecken zu lassen und meinte etwas von "Rahal hat auch einen Hafen".
"Bist du des Wahnsinns kesse Beute?! Du und Quarius, nach Rahal rein und dort nach Muscheln gucken, ja alles klar!" Shalaryl sprach selbst die Gefahr an, die davon ausging, dass sich unter Rahal die Höhlen der Letharen erstreckten.
"Wenn sie dich nicht bemerken, wen dann...?", zischte Darna ihr zu und wollte sich nicht einmal ansatzweise ausmalen, was passierte, wenn sie ausgerechnet auch noch auf jemanden wie Learys träfe. "Rahaler Land... meinetwegen... aber nicht die Stadt, das ist Wahnsinn."
"Sind hier denn alle vom wilden Affen gebissen? Lass das doch wenigstens Leute machen, von denen in Rahal nicht an jeder Straßenecke auch ein Steckbrief hängen könnte!"
Man einigte sich auf ein anderes Vorgehen, und Darna fühlte sich danach wohl so ähnlich, wie früher auf Felsenstein Waffenmeister Roderich, wenn er den jugendlichen Knappen mal wieder halsbrecherische Mutproben austreiben musste, sie hörte noch seine donnernden Worte:
"VORSICHT IST KEINE FEIGHEIT!
UND LEICHTSINN KEIN MUT!"