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Eine große Aufgabe
Verfasst: Dienstag 7. Dezember 2010, 10:20
von Lilian Weilnau
‚Jetzt habt ihr noch eine weitere große Aufgabe vor euch.‘
Wie lange ist das nun schon her, dass sie diesen Satz gehört hat? Seit dem waren mehrere Wochen vergangen, Mondläufe waren verstrichen. Immer wieder tauchte der Gedanke auf und wurde erneut zur Seite geschoben.
Sie wollte sich Zeit dafür nehmen und sich voller Hingabe dieser Aufgabe widmen. Der richtige Zeitpunkt mit Ruhe dafür würde sicher kommen.
Bis zu dieser einen Begegnung, die schlagartig ihre Meinung änderte.
Warum hatte sie sich nicht längst darum gekümmert?
Wieso hatte sie sich in den letzten Wochen ausgeruht?
Warum nur hatte sie überhaupt ihre Bücher aus der Hand gelegt?
Dabei gab es immer noch soviel zu lernen!
Einer ihrer ersten Wege führte sie ins Konzil um dort durch die Reihen der Bücher zu schweifen. So konnte man sie in den folgenden Tagen häufig kerzen gerade sitzend, in eines der Werke vertieft sehen. Stundenlang war sie mit der Lektüre beschäftigt.
Ihre Suche blieb jedoch erfolglos und so entschloss sie sich ihre Studien zu verlegen in die freie Bibliothek Gerimors.
Wieder saß sie Stunden über den Büchern. Nach einem Zusammentreffen mit dem Herren Widegrein wurde ihr klar, dass sie auch hier nicht das Werk finden würde, dass sie eigentlich suchte.
Ebenso gewann sie die Erkenntnis, dass sie es nie finden würde.
Das Gespräch der Beiden war für sie sehr aufschlussreich gewesen, hatte sie doch die Hoffnung, er könne ihr trotzdem helfen.
Auch wenn sie wusste, das sie die einfache Anleitung zum Lösen der Aufgabe niemals in einem der Bücher finden konnte, so konnte sie doch nicht davon lassen in den unglaublichen vielen Werken zu lesen.
Wie viel Wissen hier zu finden war, unter einem Dach vereint!
Immer wenn es ihre Zeit erlaubte, war sie nun dort anzutreffen, völlig in eines der Werke vertieft.
Häufig im Schneidersitz auf dem Boden, das kostbare Buch auf ihren Beinen liegend….
Verfasst: Sonntag 20. Februar 2011, 12:05
von Lilian Weilnau
‚Innerhalb eines Wochenlaufs habe ich etwas vorzuweisen.‘
Wie lange war das nun schon wieder her? Sie hatte es sich fest vorgenommen. Und doch, war wieder so viel passiert. Immerhin fragte er bei dem letzten Zusammentreffen nicht nach, wie weit sie denn nun sein. Aber es reichte, dass sie selbst wusste, ihr Ziel war nicht erreicht. Ganz im Gegenteil. Sie stand noch völlig am Anfang.
Und es gab so viele andere Dinge, die ihre Aufmerksamkeit forderten. Und doch, ließ sie der Gedanke etwas nicht erledigt zu haben, etwas das auf sie wartete nicht los.
Nachdenklich verließ sie die Bibliothek und schlug den Heimweg ein, den Weg hätte sie inzwischen mit geschlossenen Augen gehen können. Zumeist war sie deshalb auch mit den Gedanken noch völlig mit dem gerade gelesenen beschäftigt.
Die Rabenschwärme allerdings, rissen sie aus ihren Träumereien. Das Krächzen, welches einen nun stets begleitete, lies sie immer wieder in auf sehen. Ein Blick in die Baumkronen beschleunigte ihre Schritte. Die Bäume hatten nichts Freundliches mehr, auf jedem Ast saß eine dieser schwarzen unheilvollen Kreaturen.
Den Blick nach oben gerichtet, übersah sie eine kleine Wurzel, die aus dem Erdreich ragte. Mit dem Fuß blieb sie hängen und schlug der Länge nach hin. Aus ihrer Tasche purzelten die Bücher auf den Waldboden. Leise fluchend sammelte sie die kostbaren Werke wieder ein, gerade als sie sich aufrichten wollte, fiel ihr Blick auf den Baum direkt vor sich. So eine hübsche Maserung.. Er unterschied sich deutlich von den Herumstehenden.
Da war wieder die Aufgabe und das, war genau das was sie gesucht hatte. Mit einem Mal war sie völlig klar, die Raben fast vergessend, wurde die Tasche vorsichtig abgestellt. Der Blick der bersteinbraunen Augen wanderte langsam den Baum hinauf und wieder hinab. Und da war er! Sie konnte sich schon vorstellen, wie er fertig aussehen würde. Aufgeregt machte sie sich daran vorsichtig den Ast von dem Stamm zu trennen.
Nur nicht verletzen, keinen Fehler machen…
[url=http://www.bilder-hochladen.net/files/dgjs-l-jpg-nb.html][img]http://www.bilder-hochladen.net/files/dgjs-l.jpg[/img][/url]
Glücklich hielt sie den Beginn ihrer Arbeit in den Händen. Nun würde sie voran kommen, da war sie sich sicher. Schnell schnappte sie sich ihre Tasche, ihren erbeuteten Schatz hielt sie vorsichtig in den Händen. Behutsam schaute sie nun wieder auf den Weg zu ihren Füßen, er sollte sicher heim gelangen.
Jetzt würde sie es schaffen, sie war so nah an ihrem Ziel.
Sie konnte kaum erwarten, ihm davon zu berichten und erst das fertige Werk zu zeigen!
Verfasst: Sonntag 20. Februar 2011, 14:08
von Lilian Weilnau
In ihrem Zimmer angekommen, verstaute sie erst wie gewohnt die wertvollen Bücher im Regal. Sorgfältig säuberte sie die Einbände von Erd- und Moosresten des Unglücks. Zum Glück waren kein größerer Schaden entstanden.
Der Mahagoniast wurde wie etwas sehr zerbrechliches vorsichtig auf ihrem Bett abgelegt. Dann suchte sie hektisch nach ihrer Schreibfeder, einem Tintenfässchen und Pergament. Als alles gefunden war ließ sie sich auf dem Boden nieder. Den Rücken an die Wand gelehnt, ruhte der Blick eine Weile auf dem unfertigen Kunstwerk. Es musste sorgfältig geplant sein, jeden Schritt den sie tun würde, wie er fertig aussehen sollte.
Mit der Linken strich sie verärgert eine vorwitzige blonde Locke aus dem Sichtfeld, dann tauchte sie die Feder in die Tinte und begann zu zeichnen. Die Form des späteren Stabes wurde nur sehr langsam zu Papier gebracht, hier und da versuchte sie sich daran auch ansatzweise seine Struktur zu zeichnen. Sie war keine großartige Künstlerin und so saß sie lange über ihrer Skizze.
Der Schein einer Kerze erhellte den kleinen Raum notdürftig, immer noch saß sie konzentriert über ihrer Zeichnung, die langsam Struktur annahm. Die Stirn in Falten gelegt, begann sie nun die Verzierungen auf das Papier zu bringen. Es sollten die Zeichen der Elemente sein, die in Form einer Spirale nach oben wuchsen.
Die Nacht war schon fortgeschritten, als die Feder endlich zur Seite gelegt, die fertige Zeichnung noch einmal in Augenschein genommen wurde. Statt der Zeichnung auf dem Pergament vor sich, sah Lilian das fertige Werk.
[url=http://www.bilder-hochladen.net/files/dgjs-m-jpg.html][img]http://www.bilder-hochladen.net/files/thumbs/dgjs-m.jpg[/img][/url]
Sie konnte es gar nicht erwarten, es von dem Pergament zu übertragen, jedoch täten ihr sicherlich ein paar Stunden Schlaf gut. Die Skizze auf dem Nachtisch, den Stab auf der Bettkannte liegend, versuchte sie zur Ruhe zu kommen.
Immer wieder dachte sie voller Aufregung an die nächsten Stunden, an das Ziel, was nun fast schon zum Greifen nahe war.
Als die ersten Strahlen der Sonne die Erde berührten, war sie schon wieder auf den Beinen.
Wieder saß sie mit dem Rücken zur Wand, neben sich auf dem Boden lag der Plan, auf ihren Beinen befand sich der Stab. Vorsichtig entfernte sie Reste von Verzweigungen…
Verfasst: Sonntag 20. Februar 2011, 16:10
von Lilian Weilnau
[img]http://img143.imageshack.us/img143/8242/lilianschnitzt2.png[/img]
Als ihr Werk soweit vollendet war, zögerte sie fortzufahren. Sie drehte unschlüssig den Dolch in ihren Händen, dabei schweifte der Blick immer wieder zu der Skizze. Noch einmal atmete sie tief durch und lauschte auf die Geräusche im Haus. Sie hörte nichts als Stille. Sie war alleine, es herrschte Ruhe. Die Tür war abgeschlossen, keiner würde sie stören, da war sie sich sicher.
Und so begann sie sich zu konzentrieren, langsam stimmte sie sich auf das Lied ein, fühlte ihre Umgebung auf andere Weise. Zunächst nahm sie die Klänge des Raumes wahr, dann besann sie sich, völlig in das Lied abgetaucht, auf den Klang des Stabes.
Das erste Element, das ihren Stab zieren sollte, war das Feuer. Sie besann sich darauf was sie gelernt hatte, der Dolch fuhr dabei vorsichtig über das Holz. Nicht zu tief, aber deutlich, wurde das schlichte Symbol des Feuers sichtbar – ein einfaches Dreieck. Langsam drehte sie den Stab, in einer Spirale, aber in großen Abständen arbeitete sie sich von dem Einem bis zum anderen Ende vor. Der Dolch hinterließ eine Spur von feinen weißlich leuchtenden Linien, welche dann nur noch glimmten und schließlich als einfache Schnitzerei das Holz verzierten.
Am Ende angelangt, war sie gezwungen eine Pause einzulegen.
Es folgte das Element Wasser. Wie zuvor konzentrierte sie sich auf die vertrauten Klänge, die des langsam vertrauten Stabes und ihres ersten Wirkens, dann ging sie dazu über das neue Bild auf dem Holz zu verewigen. Zwei Wellenlinien, wiederholend und wie schon bei dem vorigen Element in weißes Licht getaucht, drehten sich nun um den Stab.
Sie hätte nicht gedacht, dass es so an ihren Kräften zehren würde, aber ein Aufgeben kam nun nicht mehr in Frage.
Also folgte ein tiefes Durchatmen um das Werk zu beenden.
Luft – Ein Wirbel, eine Spirale an sich. Die Feinen Linien zogen sich, genauso wie die, die nun schon den Stab zierten in das Gesamtbild ein. Zuletzt folgte das Element Erde, die Form eines Vierecks vervollständigte das Bild und schloss letzte Lücken.
Der Dolch wurde mit einer gewissen Erleichterung zur Seite gelegt. Nur kurz gönnte sie sich den Augenblick einmal das Gesamtbild zu sehen, ehe sie ein letztes Mal in das Lied abtauchte. Der Klang des Stabes, Ihres Stabes. Feuer, Wasser, Luft, Erde und das letzte Element. Sie spürte alle auf ihre ganz eigene Weise, alle Symbole schienen von innen heraus zu leuchten. Das ganze Zimmer erhellte sich für den Wimpernschlag eines Augenblickes.
Und da lag er, unverkennbar, ihr Stab. Für sie unterschied er sich von all jenen, die schon existierten. Er trug einen Teil ihres Wesens.
Völlig ausgelaugt, lehnte sie sich zurück, ein Lächeln auf den Lippen liegend.
Als erstes würde
sie ihm ihr Werk zeigen – sie hatte es endlich geschafft. Tatsächlich war es vollendet! Ihr Magierstab.
[img]http://img228.imageshack.us/img228/4834/mahagonistab7.png[/img]
Verfasst: Montag 14. März 2011, 09:08
von Der Erzähler
Nun lag das gute Stück sorgsam eingehüllt in polsternden Tüchern. Irgendetwas fehlte ihm noch damit er das werden konnte was einem Begabten die Quelle der Kraft erschloss.
Sie hatte ihn von seinem Baum getrennt, hatte ihn entrindet und geschliffen, hatte Elementsymboliken eingefügt...doch etwas fehlte. Am ersten Abend hatte sie ihn bewundert, am zweiten skeptisch angesehn. Am dritten war ein wenig Frustration dazugekommen. Wie konnte er ihr nicht das geben was andre Stäbe ihren Trägern gaben? Warum verlieh er ihr nicht das Gefühl der Sicherheit? Warum fehlte der Halt bei ihm? War es eine weitere Prüfung? Soviele Fragen und eine enttäuschte Candidata die ihn schliesslich liegen liess ihn ruhen liess...die ihm schlussendlich das gab was er brauchte - Zeit um zu trocknen!
Holz musste reifen vor dem Verarbeiten. Jeder Schnitzer hätte ihr das erzählt doch kein Buch vermochte solch eine Erfahrung zu vermitteln.
In dieser Nacht jedoch war es soweit. Er hatte geruht, die unnötigen Säfte haten das Holz bereit gemacht und so begann ein silbriger Hauch über den Stab zu gleiten. Wie eine Dusche aus geschmolzenen Eistränen füllte es jede Kerbe des Stabes aus und hauchte ihm erneut eine Art Leben ein.
Nun war er imstande zu stützen und zu halten, nun würde er ihr ein treuer Gefährte beleiben solang sie ihrer Begabung in sich traute...der Stab der Candidata Weilnau.