Doppelte Strafarbeiten und verloren geglaubte Geister
Verfasst: Sonntag 5. Dezember 2010, 19:42
Seine Finger, vielmehr seine beiden Hände, hatten bereits nach den anderen Räumlichkeiten im Keller Schwielen, als er jedoch dann anfing, die Folterkammer sauber zu schrubben, platzten die Schwielen an seinen Händen. Es war eine Strafarbeit, die ihm aufgetragen worden war. Als erstes die Magistra für sein Fehlen beim Unterricht und dann als zweites die Elegida. Ja, die zweite Strafarbeit war wohl mehr ein Präventivschlag und die Bestrafung kam schnell und erbarmungslos.
Die Elegida glaubte wohl, dass zwischen ihm und der anderen Studiosa etwas wie Zuneigung keimte. Ein vollkommener Trugschluß, jedoch hätte er es nie gewagt, der Magistra oder gar der Elegida zu widersprechen.
Der Lappen färbte sich Schwarz vor Schmutz und Rot von seinem eigenen Blut und wie oft hatte er den Eimer Wasser wechseln dürfen? Unzählige Male, er wollte nicht daran denken, denn in ihm brodelte ein stiller Zorn verbunden mit lethargischer Sturheit.
Was genau hatte er falsch gemacht? Er hatte seine Gefühle immer unter Kontrolle, die Negativen wie die Postiven.
Ein kurzer Seitenblick zu Niala verdeutlichte ihm, dass sie ähnlich denken musste. Selbst jetzt hatte er sich unter Kontrolle, auch wenn er am liebsten den Besen nehmen würde, um statt die Spinnweben an der Wand wegzuwischen, mit dem Kopf der Studiosa regelrecht den Boden zu schrubben.
Nein – sie traf keine Schuld, daher vergaß er mit einem Kopfschütteln schnell diesen Gedanken. Sie war auf ihre Art naiv und er genoss bis zum heutigen Ereignis ihr vollstes Vertrauen.
Ob sich das geändert hatte? Immerhin hatte man sich versprochen, sich nicht gegenseitig einen Dolch in den Rücken zu rammen, zumindest nicht ohne trifftigen Grund.
Sein Kehlkopf schmerzte noch immer von dieser unsichtbaren Hand oder Schlinge der Elegida.
Er war nichts weiter als ein Spielzeug in ihren Händen, er hasste diesen Gedanken, so schwach zu sein, so ein Nichts zu sein.
Eines Tages würde er die langen Quälereien überlebt haben, dann wäre er bei Weitem nicht mehr so chancenlos oder wehrlos ihr gegenüber.
Er wollte es nicht nur für sich tun, sondern auch für seine Schwester Naira. Im Endeffekt starb sie durch seine Schuld, durch Schwäche und pure Dummheit.
Als er die Erschöpfung von Niala bemerkte und ihr ständiges Aufseufzen, meinte er zu ihr nur knapp: "Geh schlafen Niala, ich mache hier den Rest, du hast bald einen Vortrag und solltest dich darauf konzentrieren."
Was auch immer sie antwortete, er hörte es nicht, zu groß war der Trotz, um jetzt aufzuhören, und mit einem Zähneknirschen wurde jeder Zentimeter der Folterkammer penibel regelrecht mit Blut und Schweiß poliert, die Elegida sollte sich darin spiegeln können und sich selbst sehen dürfen.
Als er dann in den frühen Morgenstunden endlich fertig war, klagte sein Körper über Schmerzen, seine Augen waren blutunterlaufen und die feinen jugendlichen Gesichtszüge verloren an Glanz und aufgrund der anhaltenden Müdigkeit bildeten sich dunkle Augenringe mit kleinen Fältchen.
Und nein, er hörte nicht auf, wieder waren es die pure Sturheit und Trotz, welche die schmale Figur auf den Beinen hielten.
Er hatte das Gefühl, ein dutzend Pfeile könnten ihn durchbohren und er würde dennoch weitermachen und so tun als sei nichts geschehen. Er hatte die Leichen aus der anderen Kellerseite entsorgt, er hatte die Gemeinschaftsräume aufgeräumt – selbst das Bad – und doch empfand er den Folterraum als die größere Bürde von allen.
Auch wenn Kelgath ohnehin, sagen wir, leicht abgestumpft war, was die positiven Gefühle anging, führte diese Strafarbeit dennoch dazu, dass er genau diese Gefühle am Nacken packte, um sie in eine Kiste zu werfen und dann selbige im Meer zu versenken. Er tat sich ohnehin schon schwer genug, wenn er unter "normalen" Menschen war. Diese Strafarbeit würde seinen Umgang nicht gerade erleichtern, er konnte zwar charmant sein, freundlich, höflich und erhaben, doch war das meiste doch nur eine Maske – er passte sich an, wollte rein äußerlich wie das normale Volk sein, unauffällig und harmlos. Alles Teil des großen und ganzen Plans, seinen dunklen Studien nachgehen zu können, eine zweite Identität aufzubauen. Die Gedanken überschlugen sich und er musste tief durchatmen, um nicht innerlich zu explodieren.
Da........
Da war es schon wieder, dieses Gefühl. Es begann mit einem Rauschen und ging dann in ein Ohrenpfeifen über...
"Bist du nun zufrieden, Kelgath?" Diese Stimme, er kannte sie, er kannte sie nur zu gut.
Er drehte sich erschrocken zu der Folterkammertür um, dort wo er glaubte die Stimme, das stille Echo, gehört zu haben. Doch dort war nichts, die Tür war geschlossen worden als Niala ging und eigentlich war er alleine.
Erst als er sich wieder nach vorne drehte, um Eimer und Putzlappen zu nehmen, sah er sie.
Ihr Leib war vom Wasser aufgequollen, die braunen, langen Haaren hatten an Glanz verloren, waren teilweise ergraut und hingen ihr klebrig über das vollkommen blasse und leichenhafte Antlitz. Das Kleid des kleinen Mädchens war zerrissen, der linke Arm so gebrochen, dass ihr der Unterarmknochen hervorschaute. Sie würgte Kelgath Wasser entgegen welches knapp vor seinen Füßen zu Boden aufklatschte.
Viele kleine Krebse und andere nicht definierbare Tiere gaben dieser Wassermasse ein Eigenleben.
"Bist du nun zufrieden, Kelgath?"
Und wieder klang die kindliche Stimme, so unschuldig und doch mit einem gewissen Vorwurf, während sich der kleine Leib wie unter Stromstößen in seine Richtung bewegte, das Haupt bizarr hin und her schüttelnd.
Unglaubliche Kälte glitt seinen Rücken hinab, unangenehm schien diese Kälte unter seine Haut zu gehen, sich wie ein kalter Schleier um seine Innereien zu legen.
Kelgath spürte, wie sein Magen zu rebellieren begann – und wieder kam sie zuckend näher.
"Naria - Bitte nicht! Es war keine Absicht – NEIN!" Er hielt abwehrend die Hand empor, ehe er jeglichen Halt verlor, es war so, als würden seine Beine ihm den Dienst verweigern, er spürte einen leisen elektrischen Laut, als sei das Innere seines Kopfes betroffen, als er regelrecht in sich zusammenbrach.
Diese braunen toten Augen und diese violetten Lippen, er fühlte sich paralysiert vor Angst, die Hand am gebrochenen Unterarm griff ihm dann ins Gesicht und blitzartig verlor er jegliche Sicht und Bewusstsein.......
Die Elegida glaubte wohl, dass zwischen ihm und der anderen Studiosa etwas wie Zuneigung keimte. Ein vollkommener Trugschluß, jedoch hätte er es nie gewagt, der Magistra oder gar der Elegida zu widersprechen.
Der Lappen färbte sich Schwarz vor Schmutz und Rot von seinem eigenen Blut und wie oft hatte er den Eimer Wasser wechseln dürfen? Unzählige Male, er wollte nicht daran denken, denn in ihm brodelte ein stiller Zorn verbunden mit lethargischer Sturheit.
Was genau hatte er falsch gemacht? Er hatte seine Gefühle immer unter Kontrolle, die Negativen wie die Postiven.
Ein kurzer Seitenblick zu Niala verdeutlichte ihm, dass sie ähnlich denken musste. Selbst jetzt hatte er sich unter Kontrolle, auch wenn er am liebsten den Besen nehmen würde, um statt die Spinnweben an der Wand wegzuwischen, mit dem Kopf der Studiosa regelrecht den Boden zu schrubben.
Nein – sie traf keine Schuld, daher vergaß er mit einem Kopfschütteln schnell diesen Gedanken. Sie war auf ihre Art naiv und er genoss bis zum heutigen Ereignis ihr vollstes Vertrauen.
Ob sich das geändert hatte? Immerhin hatte man sich versprochen, sich nicht gegenseitig einen Dolch in den Rücken zu rammen, zumindest nicht ohne trifftigen Grund.
Sein Kehlkopf schmerzte noch immer von dieser unsichtbaren Hand oder Schlinge der Elegida.
Er war nichts weiter als ein Spielzeug in ihren Händen, er hasste diesen Gedanken, so schwach zu sein, so ein Nichts zu sein.
Eines Tages würde er die langen Quälereien überlebt haben, dann wäre er bei Weitem nicht mehr so chancenlos oder wehrlos ihr gegenüber.
Er wollte es nicht nur für sich tun, sondern auch für seine Schwester Naira. Im Endeffekt starb sie durch seine Schuld, durch Schwäche und pure Dummheit.
Als er die Erschöpfung von Niala bemerkte und ihr ständiges Aufseufzen, meinte er zu ihr nur knapp: "Geh schlafen Niala, ich mache hier den Rest, du hast bald einen Vortrag und solltest dich darauf konzentrieren."
Was auch immer sie antwortete, er hörte es nicht, zu groß war der Trotz, um jetzt aufzuhören, und mit einem Zähneknirschen wurde jeder Zentimeter der Folterkammer penibel regelrecht mit Blut und Schweiß poliert, die Elegida sollte sich darin spiegeln können und sich selbst sehen dürfen.
Als er dann in den frühen Morgenstunden endlich fertig war, klagte sein Körper über Schmerzen, seine Augen waren blutunterlaufen und die feinen jugendlichen Gesichtszüge verloren an Glanz und aufgrund der anhaltenden Müdigkeit bildeten sich dunkle Augenringe mit kleinen Fältchen.
Und nein, er hörte nicht auf, wieder waren es die pure Sturheit und Trotz, welche die schmale Figur auf den Beinen hielten.
Er hatte das Gefühl, ein dutzend Pfeile könnten ihn durchbohren und er würde dennoch weitermachen und so tun als sei nichts geschehen. Er hatte die Leichen aus der anderen Kellerseite entsorgt, er hatte die Gemeinschaftsräume aufgeräumt – selbst das Bad – und doch empfand er den Folterraum als die größere Bürde von allen.
Auch wenn Kelgath ohnehin, sagen wir, leicht abgestumpft war, was die positiven Gefühle anging, führte diese Strafarbeit dennoch dazu, dass er genau diese Gefühle am Nacken packte, um sie in eine Kiste zu werfen und dann selbige im Meer zu versenken. Er tat sich ohnehin schon schwer genug, wenn er unter "normalen" Menschen war. Diese Strafarbeit würde seinen Umgang nicht gerade erleichtern, er konnte zwar charmant sein, freundlich, höflich und erhaben, doch war das meiste doch nur eine Maske – er passte sich an, wollte rein äußerlich wie das normale Volk sein, unauffällig und harmlos. Alles Teil des großen und ganzen Plans, seinen dunklen Studien nachgehen zu können, eine zweite Identität aufzubauen. Die Gedanken überschlugen sich und er musste tief durchatmen, um nicht innerlich zu explodieren.
Da........
Da war es schon wieder, dieses Gefühl. Es begann mit einem Rauschen und ging dann in ein Ohrenpfeifen über...
"Bist du nun zufrieden, Kelgath?" Diese Stimme, er kannte sie, er kannte sie nur zu gut.
Er drehte sich erschrocken zu der Folterkammertür um, dort wo er glaubte die Stimme, das stille Echo, gehört zu haben. Doch dort war nichts, die Tür war geschlossen worden als Niala ging und eigentlich war er alleine.
Erst als er sich wieder nach vorne drehte, um Eimer und Putzlappen zu nehmen, sah er sie.
Ihr Leib war vom Wasser aufgequollen, die braunen, langen Haaren hatten an Glanz verloren, waren teilweise ergraut und hingen ihr klebrig über das vollkommen blasse und leichenhafte Antlitz. Das Kleid des kleinen Mädchens war zerrissen, der linke Arm so gebrochen, dass ihr der Unterarmknochen hervorschaute. Sie würgte Kelgath Wasser entgegen welches knapp vor seinen Füßen zu Boden aufklatschte.
Viele kleine Krebse und andere nicht definierbare Tiere gaben dieser Wassermasse ein Eigenleben.
"Bist du nun zufrieden, Kelgath?"
Und wieder klang die kindliche Stimme, so unschuldig und doch mit einem gewissen Vorwurf, während sich der kleine Leib wie unter Stromstößen in seine Richtung bewegte, das Haupt bizarr hin und her schüttelnd.
Unglaubliche Kälte glitt seinen Rücken hinab, unangenehm schien diese Kälte unter seine Haut zu gehen, sich wie ein kalter Schleier um seine Innereien zu legen.
Kelgath spürte, wie sein Magen zu rebellieren begann – und wieder kam sie zuckend näher.
"Naria - Bitte nicht! Es war keine Absicht – NEIN!" Er hielt abwehrend die Hand empor, ehe er jeglichen Halt verlor, es war so, als würden seine Beine ihm den Dienst verweigern, er spürte einen leisen elektrischen Laut, als sei das Innere seines Kopfes betroffen, als er regelrecht in sich zusammenbrach.
Diese braunen toten Augen und diese violetten Lippen, er fühlte sich paralysiert vor Angst, die Hand am gebrochenen Unterarm griff ihm dann ins Gesicht und blitzartig verlor er jegliche Sicht und Bewusstsein.......