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Vertrauen, Zögern und Ohnmacht
Verfasst: Donnerstag 18. November 2010, 20:33
von Danielle Lassart
Vor einiger Zeit hatte sie in der Unterweisung den Zusammenhang von Gefühlen und der Liedkunst kennengelernt. Seit diesem Zeitpunkt achtete die junge Arkoritherin stärker auf die Gefühle, welche sich in ihrem Inneren in den Vordergrund drängten. Im Moment war es nicht schwer zu analysieren von was ihre Gefühlswelt beherrscht wurde. Wut!
Wut auf diesen unbekannten Magier und vor allem Wut über ihre Lehrer. Gemeinsam hatte sie mit dem ihr bekannten Teil der Lehrerschaft die Taverne in Rahal aufgesucht. Schnell war man auch auf das naheliegende Thema gekommen. Die Bedrohung durch den Vulkan, seinen Geist und daraus resultierend die Meeresungeheur, welche sich an Land geflüchtet hatten.
Über die Suche nach Edelsteinen und die Beschaffung von Phiolen mit Blut hatten sie geredet, als dann schließlich der Mann vom Nebentisch herantrat und sie darauf ansprach. Schnell war das Gespräch auf das grundsätzliche Problem eingegangen. Vertrauen. Keiner der sich an einer möglichen Lösung beteiligte schien dem anderen zu vertrauen. Der Hexe vertraute man nicht, weil diese ihre Pläne nicht vor allen bis ins letzte ausgebreitet hatte.
Ein erneutes Gespräch sollte geführt werden. Lächerlich! Das war einfach lächerlich. Mit welchen Argumenten sollte diese Hexe die Elegida und diesen Magier überzeugen, ohne dass neue Verdächtigungen angestellt wurden?
Wie sollte sich die Welt auf eine Lösung zubewegen, wenn niemand bereit war einen Schritt auf die anderen zuzugehen? Wenn jemand wie diese Magier die Macht hatte etwas zu verändern, dann sollte er davon auch Gebrauch machen. Was taten die höchstgelehrten Herren und Damen stattdessen? Sie zögerten und zauderten, wie ängstliche Kinder! Natürlich war es ein Risiko Kraft, Anstrengung und Zeit in das Ritual zur Suche nach den Edelsteinen zu investieren. Die Welt veränderte man nicht in dem man nur den eigenen Teller betrachtet. Nein, man musste darüber hinaussehen. Bereit sein etwas zu investieren, etwas zu wagen, ohne alle Konsequenzen abschätzen zu können. Das beharren auf altbewährtem führte zu keinen neuen Erkenntnissen, es bedeute einfach nur Stillstand. Warum erkannte das denn keiner?
In einem Punkt war sich Danielle nämlich sicher, die Situation würde sich nicht von alleine verbessern. Dies hatten ihr die neuerlichen Ereignisse mehr als deutlich vor Augen geführt. Für nahezu wehrlose Menschen wie sie, waren diese Meereswesen eine erhebliche Bedrohung. Scheinbar verstanden das die erfahreneren Magier einfach nicht. Zu sehr waren sie in ihren eigenen geistigen Kreisen gefangen. Darauf bedacht sich selbst und ihre erlangte Macht zu erhalten.
Ihr war bewusst, dass die Arkorither keine Gemeinschaft war, welche sich dem Schutz der normalen Bürger verschrieben hatte. Jedoch war es in ihren Augen naiv zu glauben man könnte einfach weiter abwarten und Entscheidungen bis ins kleinste Detail absichern. Denn bei aller Liedkunst, auch die Arkorither waren in gewissem Umfang auf andere angewiesen. Außerdem wer konnte sicher sagen ob der Vulkan nicht bald soweit war und tödlichen Feuerregen zu speien oder durch weitere Beben auch die Ordensburg in Mitleidenschaft gerissen würde. Am Ende könnte sogar das Lied selbst einer Veränderung unterworfen sein oder noch werden. Es galt zu handeln bevor es vielleicht zu spät war.
Natürlich verlangte die Studiosa nicht das sich der Orden blindlings in ein Abenteuer stürzte, das stand ihr ja auch nicht zu. Allerdings hielt sie das Argument für vorgeschoben, dass sich die Elegida erst selbst ein Bild von den „Partnern“ machen wolle.
Dafür war schon ausreichend Zeit gewesen und die Magistra hatte bereits selbst Kontakt mit dieser Hexe und den anderen Beteiligten gehabt. Nicht nur das man anderen nicht vertraute, jetzt herrschte auch noch Misstrauen innerhalb des Ordens?
Ihren Unmut hatte Danielle zum Ausdruck gebracht, vielleicht etwas zu vehement für den Geschmack der Elegida und des Magisters. Mit der flachen Hand auf den Tisch zu hauen und die vorgeschobenen Argumente als kleingeistigen Unfug zu titulieren, war in der Tat etwas forsch gewesen. Was wahr ist, musste jedoch auch wahr bleiben. Ihre Meinung stand fest und ohne Argumente die etwas anderes bewiesen würde sie nicht davon abrücken. Lediglich an der Form ihrer Meinungsäußerung musste sie etwas ändern.
Ihr dies zu verdeutlichen war der Magister angetreten und er hatte zweifelsfrei bewiesen zu was er mittels der Magie fähig war. Für ihren mangelnden Respekt war sie getadelt worden, wenn das die richtige Bezeichnung war. Dabei verkannten die Beiden schlicht eine Tatsache. Die Arkoritherin respektierte die Position welche sie bekleideten und in gewisser Weise auch die Fähigkeiten die sie bereits zur Schau gestellt hatten. Was sie nicht akzeptiert hatte, war die vertretene Meinung und die Argumente welche dafür ins Feld geführt wurden.
Immerhin konnte sie den Magister nun besser einordnen. Hatte er bisher noch eine Position im neutralen Niemandsland gehabt, so war nun eindeutig in Richtung der Elegida gerutscht. Das Pendel schlug eindeutig in diese Richtung aus, das einzige Gegengewicht blieb bislang die Magistra. Ob diese allerdings ihre Linie nach dem Vorfall beibehalten würde, war auch ungewiss.
Während in Gedanken die Geschehnisse des Tages erneut durchlebt wurden, schritt die in Schatten gehüllte Gestalt beständig auf und ab. Der dicke lila Teppich im Schlafsaal der weiblichen Ordensmitglieder schluckte dabei den Großteil der Geräusche. Sie kam sich vor wie in einem Gefängnis. Dabei war sie nicht einmal körperlich gefesselt sondern auf eine andere, vielleicht sogar viel schlimmere Weise.
Erneut machte die schlanke Gestalt auf dem Absatz kehrt und durchmaß den Raum zum wiederholten Male. Es war einfach ungerecht und übertrieben wie der Magister sie getadelt hatte. In der Sache hatte Danielle einfach Recht. Nur wollte niemand die Erkenntnisse einer Studiosa für richtig befinden.
Weiter und weiter bauschte sich der Zorn in ihr auf. Das Blut begann schneller durch ihren Körper zu laufen. Ein Gefühl der Wärme breitete sich von ihrem Kopf aus durch die ganze Gestalt aus. Oder wurde es einfach um sie herum nur kälter?
Ein Ventil wäre jetzt gut, irgendetwas woran sie ihren Zorn würde auslassen können. Bevor sie innerlich überkochte. Fast schien es ihr als würden leise Stimmen zu ihr sprechen. Die sie bestärkten in ihrem Zorn. Ihr Recht gaben mit ihrer Meinung und die Behandlung ebenso verurteilten wie sie. Ob nun real oder nicht, ein Effekt der Schattenkleidung der Arkorither oder bloße Einbildung. Eben jene Stimmen brachten das virtuelle Fass ihrer Selbstbeherrschung zum überlaufen.
Noch ein weiterer beträchtlicher Schub Hitze brandete durch ihren Körper. Mit einer ausholenden Bewegung wollte sie sich etwas Luft verschaffen, abkühlen. Nach der ausholenden Bewegung, als die leere rechte Hand hervorschnellte, um von der Bewegung her etwas fortzuschleudern. Da manifestierte sich ein kleiner, brodelnder Feuerball. Genau dieser Feuerball bekam durch die Bewegung und die angestaute Konzentration auf eine Möglichkeit zum entspannen, die nötige Energie. Rauschend flog er aus der Hand, die Form war nicht vollends stabil und die Flammen leckten unkontrolliert in verschiedene Richtungen. Gerade lange genug behielt die Applikation die Bündelung aufrecht, um den Weg bis zur gegenüberliegenden Nordwand zurückzulegen.
Oder vielmehr, erst den davor angebrachten Vorhang mit einem entsprechenden Loch und deutlichen Brandspuren zu versehen, bevor sich der Ball ebenso schnell auflöste wie er entstanden war.
Ungläubig starrte Danielle auf den langsam vor sich hin schwelenden Vorhang. Das würde der Elegida sicher gar nicht gefallen. Ganz und gar nicht. Mit ein wenig Glück hatte niemand die Veränderung im Lied bemerkt und mit noch etwas mehr Glück konnte sie vielleicht den Schaden bereinigen bevor er auffiel. Zumindest musste der Vorhang ersetzt werden, der Brandfleck auf der Mauer würde dahinter nicht mehr auffallen
Verfasst: Samstag 20. November 2010, 11:56
von Danielle Lassart
Tosend schlug die nächste Welle gegen die Küste, ohne wirklich Gehör zu finden. In Schatten gehüllt saß sie auf dem Landungssteg, den Blick hinaus aufs weite Meer gerichtet. Nur schwaches Licht spendete der Mond in dieser Nacht. Wen jemand den Blick der grünen Augen hätte betrachten können, der hätte zweifelsfrei gewusst, dass dieser keinen Sinn hatte für das Spiel des Mondlichts auf den Wellen. So faszinierend es auch sein mochte, die grünen Seelenspiegel der Arkoritherin wirkten leer, weit in die Ferne oder ins Innere gewandt.
Auch der kühle Wind schien nur am Rande bemerkt zu werden. Das gelegentliche Schaudern, wenn ein Luftstrom den Weg durch die Kleidung fand, blieb die einzige Regung neben den Atemzügen.
Wie naiv sie gewesen war, zu Glauben der Tadel des Magisters wäre die einzige Konsequenz welche aus ihrem Fehlverhalten erwuchs. Sie hätte wissen müssen, dass die Elegida ihre eigenen Maßnahmen ergreifen würde. Selbst wenn die junge Arkoritherin einen Arm eingebüßt hätte, das Wesen der Elegida hätte eine weitere Strafe verlangt. Immer mehr Grausamkeit als die niederen Ränge, immer noch ein Zusatz, nie würde es genug sein wenn die Elegida nichts direkt dazu beigetragen hatte. „Mehr Respekt!“ zischt eine kaum hörbare, tonlose Stimme:
Noch war die Strafe nicht ausgesprochen, aber sie würde mit Sicherheit jegliches Maß übertreffen, das Danielle für ihr Vergehen erwartet hätte. Hinzu kamen ja noch die angeblichen, weiteren Verfehlungen dieses Abends.
Eigentlich hatte die Studiosa nur vorgehabt ihre Entschuldigung an die Elegida in schriftlicher Form zu verfassen und im Anschluss noch etwas zu lernen. Doch wieder einmal war es anders gekommen. Im Unterrichtssaal wartete bereits die Magistra, allerdings nicht alleine. Danielles Glück, das noch niemand das Brandloch im Vorhang entdeckt hatte, endete damit auch schon wieder. Denn die Maestra hatte ihre Studien scheinbar beendet und gab sich die Ehre.
Ein Zeichen, dass das Schicksal oder die Götter ihr zumindest ein wenig wohlgesonnen waren, wäre es gewesen wenn ihr dieser Umstand vorher bekannt geworden wäre. So jedoch, waren die Haare noch rot als die Jüngste auf die Mächtigste des Ordens traf. Damit hatte die Maestra sicher schon eine Meinung über sie gefasst, ohne sie wirklich zu kennen. Diese negative Einstellung zu korrigieren würde einiges an Aufwand und zudem lange Zeit brauchen.
Als wäre dies nicht schon genug Pech für einen Tag, nein, die Elegida musste sich ebenfalls hinzugesellen. Natürlich musste das eiskalte Biest den Abend in der Taverne zur Sprache bringen. Vor der Maestra, der Magistra und dem noch immer namenlosen Magus. Auch damit noch nicht genug der Demütigung. Weitere Anschuldigungen wurden vorgetragen. Alle Erklärungsversuche Danielles verhallten wirkungslos oder verschlimmerten die Lage nur weiter. Nachdem sowohl der Magistra und dem Magister eine eigene Strafe in Aussicht gestellt worden war, beschloss die Studiosa zu schweigen.
Es gab keine Möglichkeit sich zu verteidigen, das war kein Prozess. Oder wenn es etwas Derartiges war, dann nur der guten Ordnung halber. Das Urteil war schon gefällt bevor der Abend in der Taverne zu Ende gegangen war. Wie ein Fisch im Netz der sich durch Zappeln nur noch mehr verfing, konnte jedes weitere Wort sie nur noch tiefer in den Schlamassel reiten.
So harrte Danielle, im wahrsten Sinne des Wortes, zwischen der Ordensleitung eingekeilt ab, bis man sie endlich entließ. Wozu dieses Exempel statuiert wurde war ihr ein Rätsel. Sowohl der Magus als auch die Magistra hatten ihren Platz im Orden sicher schon längst gefunden. Sofern die Studiosa noch einen Rest romantischer Träumereien über den Orden gehabt hatte, war dieser endgültig verflogen.
Nach Minutenlangem verharren, schüttelte die zierliche Gestalt auf den Holzplanken nun den Kopf. Mittlerweile hatte die Gisch dafür gesorgt das die Kleidung Großteils durchnässt und Kalt an ihrem Körper anlag. Doch es war egal, so vieles hatten in jener Stunde an Bedeutung verloren, war endgültig in ein rechtes Licht gerückt worden. Jegliche Illusion war unwiederbringlich zerstört worden. Der Orden war nicht so grausam wie ihn die Geschichten des einfachen Volkes darstellten und wie Bücher darüber berichteten. Nein. Er war schlimmer, viel schlimmer.
Im Moment ihres Erwachens hatte Danielle Angst verspürt. Todesangst und eine schreckliche Ohnmacht die Dinge nicht beeinflussen zu können. Ähnlich ohnmächtig hatte sie die Zurechtweisung des Magisters über sich ergehen lassen müssen. Gerade der Schritt des Beitritts zum Orden sollte ihr dabei helfen die nötige Stärke zu entwickeln. Nie wieder hatte sie eine solche Angst verspüren wollen. Sich selbst zu verteidigen, die Fähigkeit mehr zu beeinflussen als über die körperlichen Möglichkeiten hinaus, das sollten die Arkorither ihr ermöglichen. Freunde und Gefährten, ein Familienersatz vielleicht, oder zumindest etwas das man Heimat nennen konnte, all das und viel mehr hatte sie sich erhofft.
Die Realität wich davon jedoch stark ab. Hätte sie den Orden beschreiben müssen, so wäre dies darauf hinausgelaufen, das sogar ein Zweckbündnis untereinander mehr Menschlichkeit produzierte, als es innerhalb der Ordensburg zu geben schien. Jedes Mitglied schien in erster Linie für sich selbst zu stehen, außer die Ordensleitung benötigte ein Werkzeug.
Wie gerne hätte Danielle gelacht als ihr die Worte der Elegida in den Sinn kamen, welche diese in einem persönlichen Gespräch geäußert hatte. Sie solle keine Angst vor der Ordensleitung haben. Fast war sie versucht der Elegida noch größere Naivität zu unterstellen als sich selbst, aber allein der Gedanke ließ sie zusammenzucken. Woher sollte das Vertrauen entspringen, wenn man gesagt bekam, das ein Fussel auf dem Mantel der Elegida mehr Wert war als das neueste Mitglied des Ordens? Wofür lohnten sich die Studien, wenn die Maestra verdeutlichte, das man ohne ihre Gnade zum Scheitern verurteilt war?
„Schwäche ..“
„.. unerwünscht!“
„Macht ..“
„.. und Stärke!"
Ja, vielleicht hatten die körperlosen, flüsternden Stimmen recht. Womöglich änderte sich das Bild des Ordens wenn man länger ein Teil davon war, die eigenen Fähigkeiten nützlicher wurden. Wer konnte es den höheren Rängen schon verdenken sie als Belastung zu sehen. Raubte die Ausbildung doch kostbare Zeit und das Fehlverhalten den Glauben daran, dass sie am richtigen Platz war.
Wie das Leben einer Maus zwischen zwei mordlüsternen Katzen, hatte ihr Leben am seidenen Faden gehangen. Ein lebendiger Spielball für die Elegida und die Maestra, die ohne zu Zögern ihr Leben auslöschen würden wenn sie ihnen nur genug Anlass dazu gab. Offensichtlich waren die beiden es gewohnt sich gegenseitig anzutreiben, ihr Opfer in die Enge zu drängen. Niedere Ränge so lange zu bearbeiten bis kein Pieps mehr zu hören war.
Gedankenverloren wanderten die Seelenspiegel über den Dolch in Ihren Händen. Sie hatte nicht mal bemerkt wie sie ihn gezogen hatte. Die Klinge brach das Mondlicht und hin und wieder schien es, als würden sich kleine Schwaden aus Schatten aus dem Handschuh lösen und an der Schneide züngeln. Der dünne Lebensfaden konnte mit einem kurzen Schnitt beendet werden. Nicht nur die Ungeheuer aus dem Meer, nein auch der Orden hatte sich zu einer ständigen Bedrohung entwickelt.
Vielleicht wäre es einfach dem jetzt und hier ein Ende zu setzen. Ein Leben zu beenden, das keinerlei Widerhall in der Geschichte finden würde. Weniger bedeutsam als ein Fleck in einem Geschichtsbuch. Noch während sie diesen Gedanken nachhing, drängten die Stimmen zurück in ihre Gedanken. Erhoben sich aus einem monotonen Grundrauschen gerade laut genug um Wahrgenommen zu werden.
„Leichter Weg ..“
„.. unwürdig!“
Der Überlebenskampf war mit dem Erwachen der Magie nicht beendet, mitnichten, er hatte gerade erst begonnen. Wenn noch Leben in ihrem Körper war, nachdem die Elegida ihre ersehnte Bestrafung bekommen hatte, dann musste Danielle ihre Strategie ändern. Für das Überleben danach brauchte sie einen Plan. Schluss mit der Freude am Lernen. Es war ihre verdammte ihre Pflicht, die Lehrmeister taten das nicht zu ihrem Wohlgefallen, sondern für den Orden. Eine eigene Meinung? Ein Luxus den eine Studiosa sich nicht leisten konnte. Vertrauen? Einfach nicht erforderlich. Sie war ein Werkzeug der Ordensleitung und wie ein Hammer zum Schmied, benötigte auch sie kein Vertrauen. Befehle und Gehorsam, das war erforderlich. Gefühle? Dafür war kein Platz in den dunklen Mauern. Niemand außer der Magistra hatte jemals etwas anderes als Kälte zur Schau getragen, lauernde Mordlust war vielleicht die einzige Ausnahme.
Mit ihren Worten hatte sie auch der Magistra ungewollt eine Lektion erteilt. Die Studiosa verdiente nichts anderes und hatte auch nichts anderes zu geben. Sie wäre die einzige gewesen der sich Danielle vielleicht anvertraut hätte, doch ihren Kredit hatte sie sicher verspielt.
„Undankbare ..“
„.. Verräterin!“
Ihr Gesicht musste so starr werden wie die Maske die sie außerhalb trug. Das Herz so kalt wie die Mauern um sie herum. Jedes Wort musste überdacht werden, damit es nicht zur Waffe gegen sie gewandelt wurde. Die Studiosa musste zur einsamen, lebensfeindlichen Insel im Meer des Ordens werden. Nur so schien ihr ein Überleben überhaupt möglich.
Irgendwann, wenn sie die Bestrafung überlebt und das junge, zumeist lebensfrohe Mädchen, der nüchternen Frau gewichen war, würde sie sich auch mit diesen Stimmen beschäftigen. Eine solche Beeinflussung konnte nicht hingenommen werden, ohne ihren Ursprung zu kennen. Fürs erste allerdings, hatte die Jüngste des Ordens genug mit sich selbst zu tun.
Verfasst: Dienstag 30. November 2010, 20:24
von Danielle Lassart
Sie war ein Blatt das im Fluss des Lebens schwamm. Ohne Einfluss auf Geschwindigkeit und Richtung. Keine Möglichkeit sich zu entziehen, schonungslos den Aufs und Abs unterworfen. In einem Moment wurde sie auf den Gipfel der Welle empor getragen um im nächsten in das tiefe Tal dahinter zu stürzen. Kräfte zehrten an ihr in verschiedenste Richtungen und drohten sie zu zerreißen.
Jegliche Klarheit war verloren, die Ereignisse waren wie ein Strudel, zogen sie tiefer hinein in eine ungewisse Zukunft. Wieder diese Ohnmacht keinen Einfluss auf das eigene Leben zu haben. Die Angst vor dem was die Zukunft brachte und ihr abverlangte. Die Angst, dabei zu scheitern.
Es waren nur einige Tage vergangen, in denen sich die junge Frau ihrem eigenen Plan unterworfen hatte. Die Person Danielle Lassart musste der Arkoritherin weichen, sobald sie einen Fuß auf die Insel tat. Hier war kein Platz für sie, kein Raum für Träume und Wünsche, für Freude und Hoffnungen.
Doch das Leben verstand es ihre Gedanken wieder und wieder durcheinanderzuwirbeln. Kaum hatte sie etwas verarbeitet, in ihre Pläne eingebunden, schon gab es eine neue Entwicklung. Es kehrte einfach keine Ruhe ein, keine Sicherheit, nichts vertrautes.
Wie immer hatte es die Elegida verstanden, ihr die Gegensätzlichkeit vor Augen zu führen. Gefügig war das feurige rot einem strahlenden blond gewichen, so wie es die Maestra befürwortet hatte. Den anderen Arkorithern diese Entwicklung zu erklären war leicht gewesen, bedurfte es nur die Erwähnung der höchstgelehrten Magnifizenz um jegliche Rückfrage auszuschließen.
Doch außerhalb des Ordens war es nicht so leicht zu erklären, wie eine Frau die angeblich nach einer Anstellung suchte und ihr Talent noch nicht entdeckt hatte, das Geld für Färbemittel aufbrachte. Noch dazu völlig ohne Grund. So erstrahlte die Haarpracht bald wieder in seiner natürlichen Farbe. Zumindest so lange, bis ihr eine gute Geschichte, eine schlüssige Erklärung oder zumindest eine gute Ausrede eingefallen war.
Ein weiterer Plan der schon scheiterte bevor er richtig Gestalt angenommen hatte. Zu spät hatte sie in den undeutlichen Strukturen des Liedes die Elegida erkannt. Zu unerfahren waren ihre Sinne um verlässlich zu funktionieren. Zumal wenn das Leben ihr einen Augenblick der Unbeschwertheit schenkte. Jener Moment verstrich schnell als sie der dunklen Gestalt gewahr wurde. Die unvergleichliche Präsenz der Elegida schnitt in ihr Bewusstsein wie glühender Stahl in zartes Fleisch. Nur ein Gedanke beherrscht ihren Kopf, Flucht. Weg, nur weit weg von ihr. Diesen Makel schnell beseitigen, vielleicht hatte sie es ja nicht gesehen. Danielle gar nicht erkannt. Würde darüber hinwegsehen, wenn sie sich nur gehorsam zeigte.
Die Farbe war noch nicht recht trocken, als der Magister sie aufsuchte. Heimsuchte war vielleicht passender. Natürlich führte er sie zu der Frau mit dem eiskalten Blick, dem Gesicht das nur Ablehnung und Desinteresse wiederspiegeln konnte. Natürlich hatte sie die roten Haare bemerkt, in diesem flüchtigen Augenblick in Rahal. Natürlich sah sie nicht darüber hinweg und verhängte eine Strafe.
Alles betteln, alles jammern und alle Worte blieben ohne Wirkung. Eigentlich war Danielle die Sinnlosigkeit einer jeden Silbe schon bewusst, bevor sie überhaupt ausgesprochen wurde. Doch die Hoffnung war noch nicht gänzlich gestorben und gleichzeitig die Verzweiflung zu groß, um es nicht doch zu versuchen.
Den Dolch des Magisters erweichte sie nicht, ebenso ihn selbst der die gewünschte Gehorsamkeit demonstrierte. So fiel Büschel für Büschel, Haar für Haar und schließlich Stoppel für Stoppel der blonden Mähne zu Boden. Vollkommen kahl ließ man ihren Schädel und sie zurück.
Die Tränen waren irgendwann verronnen, die Verzweiflung hatte regungsloser Lethargie Platz gemacht und wieder hatte sich die gläserne Struktur ihrer Zukunft in Scherben aufgelöst.
Dann einige Tage später hatte ihr die Elegida einer Lehrstunde zu Teil werden lassen. Ihr wissen mit Danielle geteilt, ihr weitere Einblicke in das gewährt, was ihr als Gabe mit auf den Weg gegeben worden war. Sich die Zeit genommen zu erklären, die Fragen einer einfachen Studiosa zu beantworten, wie naiv und belanglos sie auch sein mochten. Vielleicht war Danielles Bild der gestrengen Burgherrin nicht ganz objektiv.
Ein vager Gedanke pflanzte sich in Ihren Kopf. War es möglich, das der Orden versuchte die unerfahrenen Schüler auf diesen Weg zu lehren, ihre Gefühle zu kontrollieren? Denn zweifellos hatten Gefühle Einfluss auf Applikationen, konnten diese sogar maßgeblich beeinflussen. Sah so der Weg aus um sie alle zu besseren Magiern zu machen? Ein verborgener und mitunter grausamer, aber vielleicht ein effektiver Weg. Gab es keinen angenehmeren Weg um die Lektion zu lehren, dass die Kontrolle über die eigenen Gefühle wichtig war?
Ihre Gefühle. Das war definitiv ebenfalls Gegenstand eines Plans der gescheitert war. Mit äußerlicher Gleichgültigkeit hatte sie die neuen Geschwister empfangen, hatte sie eingewiesen und mit den Grundregeln vertraut gemacht. Nicht mehr als sie unbedingt wissen mussten natürlich. Danielle lernte noch aus ihren Fehlern und so würden es die neuen Studiosi ebenfalls tun. Durchaus zufrieden mit sich selbst, hatte sie eine kleine, unvollkommene Kopie der Elegida abgegeben. Wenn sie auch höher gewachsen war als jene.
Wieder brachte ein Abend in der Taverne eine unerwartete Wendung. Er hatte sie aus einer relativ belanglosen Unterhaltung entführt. Ja entführt war dabei der richtige Ausdruck. Sie selbst war einen Moment äußert überrascht, stellte sich dann aber schnell darauf ein.
Noch eine Weile leistete man sich Gesellschaft, sprach über dies und das und immer wieder gelang es ihm sie zu überraschen. Ihr Tischnachbar war also nicht der richtige für sie, so so. Wie er sich denn den richtigen vorstellte? Umwarb er sie, oder wollte er nur einen angenehmen Abend bei einem vielseitigen Gespräch verleben? Lachen und tiefe Traurigkeit, Charme und jugendlicher Schalk, streiften ihre Worte im Verlauf des Abends. Es war als vertrauten sie einander, obwohl sie sich doch kaum kannten.
So geschah es, dass man einander verließ und Danielle nicht einordnen konnte, welcher Teil nun ernst gemeint und was der bloßen Unterhaltung gedient hatte. Sie hatte den Köder geschluckt, wollte herausfinden wer dieser Mann war, was er erlebt hatte und vor allem was sie von seinen Avancen zu halten hatte. Der letzte Kerl der ihr derart gegenüber getreten war, hatte sich später als Spion erwiesen und war seitdem verschollen. Die Arkoritherin in ihr erhob warnend die Stimme, doch das junge Mädchen auf der Schwelle zur Frau wollte diese Schwärmerei.
Tage später war auch wieder er es, der sie der Lethargie entriss. Ihr in die Wirklichkeit des Lebens zurückverhalf, auch wenn diese mit freudigen Momenten nicht zu locken vermochte. Er offenbarte ihr ein Teil seiner Vergangenheit, ein Stück von sich selbst. Ob gewollt oder nicht, verdeutlichte er der jungen Frau, das ihr Leben nicht das einzige war das Bitterkeit bereithielt. Jeder hatte seine ganz eigenen kleinen und großen Prüfungen.
Schon das zweite Mal hatte er sie also gerettet, ob das von Bedeutung war, ein Wink des Schicksals? Sah so der strahlende Ritter aus den das Schicksal ihr zugedacht hatte? Weder Rüstung noch Pferd nannte er sein eigen, dafür hatte er aber einen anderen ganz entscheidenden Vorzug. Er wusste wer sie war, welches das größte Geheimnis in ihrem Leben war und was es bedeutete dem Orden der Arkorither anzugehören.
Als sie erneut aufeinandertrafen und einige kurze Worte wechselten hatten sie etwas vereinbart. Sie würden abwarten, sehen was daraus erwuchs und wie sich ihr Leben weiter verändern würde. Wieder etwas das nicht lange Bestand hatte.
Er war schlicht unvernünftig gewesen, nein eigentlich sogar vollkommen von Sinnen. Ob sie eifersüchtig sei auf ihre Ordensschwester, diese Frage war der Auslöser gewesen. Das Gespräch irrte ziellos umher bis er beleidig abzog. Natürlich waren seine Worte und seine Taten nicht ungehört geblieben. Schnell stand die Vermutung im Raum, dass er mehr für sie empfand als es hätte geben dürfen.
Dann noch die Bemerkung, dass er in Bajard eine Herberge suchen würde, in der einem Frauen Gesellschaft leisteten im Bett. Es war einfach unfassbar! Er hatte sich so sehr verrannt in seinen Gedanken das er nicht ein Mal mehr den dezenten Hinweis begriff, das Danielle mit ihm reden wollte und deshalb vorgab ebenfalls nach Bajard reisen zu wollen. Nein, er warf wütend in den Raum, ob es ihr denn egal sei wenn er solche Dinge tun würde. Es war ihr verdammt nochmal nicht egal, aber sollte sie es vor ihrer Ordensschwester zugeben. Hatte er denn noch nichts begriffen?
Erwartete er Diskretion in eine Welt wie der ihren? Wollte er das Unheil schon vor seiner Zeit beschwören? Ihm musste doch klar sein, dass sobald es die Ordensleitung herausbekam eine Gefahr lauerte, die ihnen beiden nicht schmecken würde. Glaubte er die Elegida würde es nicht Nutzen, dieses Wissen um die zart keimenden Gefühle der Beiden? Hoffte er auf Verständnis oder gar herzliche Anteilnahme für das junge Glück.
Wenn sie nicht gerade eine unfreiwillige Glatze zur Schau getragen hätte, hätte sie sich die Haare gerauft. So etwas Unvernünftiges. So stand die junge Arkorithern vor einer unangenehmen Wahl. Ließ sie seinen Unmut auf sich beruhen, oder stellte sie ihre Beweggründe klar. Ersteres wäre der leichtere Weg gewesen, zumindest galt dies für das Ordensleben. Zweiteres befahl ihr das Herz der jungen Frau, dass begann ein Gefühl des verliebt sein zu entwickeln. Oder zumindest bereit war dies zu tun und begierig darauf wartete. Auch wenn die Arkoritherin in ihr Aufschrie, sich mit Händen und Füßen dagegen wehrte, war sie doch noch zu schwach um ihren Willen durchzusetzen.
Mit einiger Überzeugungsarbeit war es ihr gelungen ihn zu einem vertraulichen Gespräch zu bitten. Schon zu Anfang stellte er wildeste Vermutungen auf, ob es ihr um ihren Ruf ginge, was man von ihr Denke der wie es sich auf ihre Position im Orden auswirken könnte.
Nein er hatte es wirklich nicht verstanden was es hieß ein Teil des Ordens der Arkorither zu sein. Also erklärte sie ihm ihre Ängste, ihren Kampf mit dem Orden, die Gefahr die sie in dieser Beziehung oder was auch immer es mal werden oder sein könnte für sich und auch für ihn sah. Alles was er dann erwiderte, als sie sich endlich von der Seele geredet hatte was ihre Gedanken einnahm, war ein Kuss.
Hachja, es war schön gewesen, war es aber auch klug gewesen, oder gar die richtige Entscheidung? Eines war gewiss, es musste ein Geheimnis bleiben. Treffen im Verbogenen, versteckte Berührungen, immer auf der Hut vor unerwünschten Zaungästen. Früher oder später würde es herauskommen, eine unbedachte Äußerung, ein Blick im falschen Moment oder einfach weil die Ordensleitung die Kräfte ausnutzte die ihr zur Verfügung stand.
Vor ihrem geistigen Auge manifestierte sich das Bild der Elegida, die wie ein Bluthund bereits die Fährte aufnahm. Nur eine Frage der Zeit bis sie ihre Beute erspähte und dann schließlich zu Strecke brachte. Ein kalter Schauer lief Danielle bei diesem Gedanken den Rücken hinunter.
Ihr Leben war so furchtbar unstrukturiert, genau wie ihre Gedanken im Moment. Ständig schweifte ihre Aufmerksamkeit auf irgendetwas, nur nicht auf das nötige. Eine weitere Ablenkung und zusätzliche Schwierigkeiten, aber auch schöne Seiten brachte dieser Mann in ihr Leben. Sicher war er willkommen, aber hätte er sich nicht einen anderen Zeitpunkt erwählen können? Einen Zeitpunkt an dem sie gefestigter war in ihrer Person und ihrem Wesen. In dem nicht der Großteil ihrer Zeit durch lesen und lernen aufgebraucht wurde. Zusätzlich sollte sie nun noch einen Vortrag ausarbeiten, ein weiteres Feld das sie in Anspruch nehmen würde.
Zurück ins hier und jetzt, das Pergament war noch immer so leer wir vor ihrem gedanklichen Streifzug. Zumindest die Überschrift war ja eindeutig und so begann sie zu schreiben.
Der gemeine Flügelaffe
Verfasst: Sonntag 5. Dezember 2010, 19:52
von Danielle Lassart
Wieder hatte sich der schlanke Leib in die Nische gedrückt, die ihr mittlerweile vertrauter schien als vieles andere. Schon längst war sie in die Hocke gegangen, die Arme hatten sich um die Beine geschlungen und das Kinn war auf die Knie gebettet. Die Temperatur in der Höhle war im Vergleich zu dem Schneesturm draußen sogar fast schon angenehm. Dank der Nische und der schattenhaften Ordenskleidung war ihre Gestalt für das bloße Auge kaum wahrzunehmen, selbst die Augen waren hinter dem Schatten der Kapuze kaum zu erblicken.
Sie hatte schon herausgefunden, dass ihr Studienobjekt sich auch bei wenig Helligkeit gut zurechtfand. Allerdings war auch in den Vergangen, den zahlreichen Stunden keiner der Flügelaffen auf sie aufmerksam geworden. Daran würde sich auch heute nichts ändern, da die Notizen entfielen und die angehende Magierin die Eigenheiten dieser Art mittlerweile kannte.
Eigentlich war ihr Vortrag fertig und sie wartete nur noch darauf einen Termin zu finden, dem die Ordensleitung zustimmte. Es gab mittlerweile kein Klangbild das ihr so vertraut war, wie das dieser Kreaturen. Auch sonst konnte sie das Verhalten nicht mehr überraschen. Danielle wusste was sie aßen, wann sie schliefen, wie sich dieses Wesen gegenüber seinen Artgenossen verhält und gegenüber anderen Arten.
So war es ihr auch nach einigen Tagen gelungen, die Momente abzupassen wenn sich das aktuell in Beobachtung befindliche Exemplar auf die Jagd begab, verschiedene Dinge zu versuchen. Verschiedenste Futterarten hatte sie ausprobiert und unterschiedliche andere Gegenstände auf die dadurch hervorgerufene Reaktion hin überprüft.
Spätestens seit Magister Tamael ihre Forschung mit einer kleinen Exkursion korrigiert hatte, gab es scheinbar nichts was sie über die Flügelaffen nicht wusste, oder zumindest zu wissen glaubte. Eine interessante Erfahrung und zudem eine willkommene Abwechslung war es gewesen. Wenn auch der Zeitpunkt für ihren Beginn nicht vollkommen ihren Wünschen entsprach.
Wenn es also nicht die Aufgabe der Elegida war der sie herführte, warum war sie sonst hier? Vermutlich war es die Vertrautheit dieses Ortes, das Gefühl von Sicherheit welches ihr diese kleine Nische in der Höhle zu vermitteln schien. Ja die Schatten und die langsam durch die Kleidung kriechende Kälte hatten sie willkommen geheißen. Geradezu freudig nahm sie wahr, wie ein kalter Schauer den Rücken hinauflief.
Natürlich würde der lange Arme der Ordensleitung sie hier ebenso erreichen wie direkt in der Burg, aber noch war dies nicht geschehen. Dadurch konnte sie die Illusion in ihrem Geist aufrechterhalten, einen Rückzugsort gefunden zu haben. Etwas wo sie sein konnte wie sie war, oder glaubte zu sein. Vielleicht auch nur hoffte noch zu sein.
Mit jedem Tag schien es als ginge ein Teil von dem Menschen Danielle Lassart verloren. Oder starben diese Teile gar unwiederbringlich? Wie sollte ein junger Geist wie der ihre, den Spagat meistern welcher der Orden von ihr verlangte? Konnte sie lange genug die Kraft aufbringen um die junge Frau in sich vor den Einflüssen zu bewahren? Vermutlich würde die Ausbildung im Orden früher oder später seine Spuren hinterlassen. Nein, sie tat es bereits und es war nicht abzusehen wo die Grenze sein würde, an der ihre Lehrmeister es dabei bewenden lassen würden.
Noch bevor sie wirklich Zeit für sich alleine gehabt hatten, hatte die Elegida ihnen gezeigt was Gefühle bedeuten konnten. Die noch lose verbandelten Seelen der Beiden hatten ihre Lektion erhalten. Erbarmungslos wie man es von ihr gewohnt war, hatte die Elegida abermals alles von ihrer Schülerin abverlangt, was diese an Kraft und Wille aufzubringen vermochte. Kein Wort und keine Aussage war vor ihr sicher, sie fand immer etwas auszusetzen, oder interpretierte es wie es ihr gefiel oder besser missfiel. Aufbegehren, wiederrede oder klarstellen war sinnlos. Ihr Wille war ungeschriebenes Gesetz und im Zweifel hatte sie die Macht andere so lange zu überzeugen, bis man schließlich einlenkte oder starb.
Ja vielleicht war es wirklich leichtsinnig sich auf Gefühle einzulassen. Noch dazu mit jemand der ebenso wie Danielle unter der Knute des Ordens stand. Noch war es glimpflich abgelaufen, doch es würde Gelegenheiten geben in denen Sie dieses Anbändeln ausnutzen würde. In einer Art und Weise die ihrer dunklen Seele frohlockende Genugtuung verschaffen mochte, aber den Studiosi eine neuerliche Bürde sein würde.
Nein, wenn es einen Zeitpunkt gab noch ungeschoren, nein dafür war es ja schon zu spät, glimpflich davon zu kommen, dann war es jetzt. Solang dieses kleine Pflänzchen aus Gefühlen noch klein und nur leicht in ihrem Herzen verwurzelt war musste es herausgerissen werden. Entfernt bis auf den letzten Trieb und die kleinste Spur. Selbstverständlich würde es schmerzhaft sein und wieder einmal mehr von ihr abverlangen als sie sich jetzt vorstellen mochte, aber es war der sicherste Weg.
Würde er es verstehen, es ihr nicht über Gebühr schwer machen? Er wusste im Gegensatz zu ihr recht genau was er wollte und setzte auch viel daran es zu bekommen. Selbstverständlich war das Versteckspiel jetzt hinfällig und sie hätten auch vor anderen Ordensmitgliedern offen sein können, doch war es den Preis wert?
Sie würde darüber noch weiter nachdenken müssen, die richtigen Worte zurechtlegen. Auch die Einwendungen die er vorbringen würde galt es zu bedenken. Ihm musste klar werden, dass es keine egoistische Entscheidung war, sondern diesem kleinem wärmenden Teil ihrer Gefühlswelt, dem an seinem wohlergehen gelegen war.
Bis ihr das gelungen war, würde die junge Arkoritherin in ihrer kleinen, dunklen Nische verharren und mit dem vertrauten Eindruck des Flügelaffenklangbildes im Geiste verharren.