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Gefühlschaos

Verfasst: Sonntag 14. November 2010, 03:35
von Neyla Virr
Weiter und weiter trieben sie ihre Beine tiefer hinaus, dem Meer entgegen. Der Schmerz in ihr wuchs ins Unermessliche und es fühlte sich an, als müsste sie jeden Augenblick umfallen – sich allem ergebend. Sie ertrug es nicht länger.. diese Blicke.. diese Worte... sie verlangten so viel von ihr.. Entscheidungen, Antworten, Aufrichtigkeit, einen aufrechten Blick.. doch sie konnte nicht mehr.. sie hielt es keine Minute länger aus, sie wollte endlich weg. Sie wollte Erleichterung für sich.. natürlich mochte sie einen jeden von ihnen.. doch das hieß doch nicht gleich, dass jeder von ihnen gleich mehr von ihr wollte..? Was machte sie nur falsch.. sie benahm sich ganz normal, wie sonst eben auch.. und auf einmal war sie dazu gezwungen, die Menschen, die ihr etwas bedeuteten weh zu tun..
Anfangs hatte sie diese Entscheidung ignoriert, sie hatte gehofft einfach so weiterleben zu können. Das Problem zu übergehen, aber es dauerte nicht lang und es holte sie ein. So konnte sie nicht weitermachen, es nagte Tag für Tag an ihr und es fiel ihr jede Minute schwerer voran zu gehen, Spaß zu haben, die Person zu sein, die sie auch sonst war. Alltägliches verlangte so viel Kraft von ihr ab, dass sie diese einfach nicht mehr hatte. Ein schlechtes Gewissen plagte sie, die Entscheidung zerrte an ihr, da sie diese einfach nicht übers Herz brachte. Und dann geschah es, dass noch jemand davon anfing.
Zu Beginn hatte sie es nicht ernst genommen, warum auch... es war nur Spaß.. dachte sie sich zumindest... wie sehr konnte man sich täuschen..? Und ehe sie sich versah, stand er vor ihr und wollte eine Entscheidung hören. Er wollte, dass sie ihn ansieht.. er wollte eine Antwort.. Nicht nur, dass sie absolut unter Druck stand, auf kürzeste Zeit durchlebte sie alles noch mal – sah alles vor ihrem geistigen Auge ablaufen bis zu dem Punkt, an dem sie jetzt war... er stand vor ihr und verlangte, wie es jeder tat.. jeder von ihnen forderte... und wenn nicht mit Worten, dann mit ihren Blicken.. sie konnten nichts für ihre Gefühle, dass wusste sie.. aber.. sie mochte die Personen so gern.. warum.. musste sie ihnen so weh tun.. wieso forderten sie so viel von ihr ein.. warum konnte kein einziger von ihnen schweigen, obwohl es jeder für das bessere hielt? Haben sie einen Drang danach immer das falsche zu machen..? War ihnen eigentlich klar, wie enorm belastend das für sie selbst war..
Zu Anfang war es ja noch erträglich, doch mit der Zeit wurde das Päckchen immer größer, immer schwerer und erdrückender.. sie hielt es einfach nicht mehr aus.. es kam ihr vor, als würde sie darunter zusammen brechen..
Sie wusste gar nicht mehr wirklich, was sie wollte oder wer sie war und wohin sie überhaupt gehen sollte.. kaum noch lief sie als ‚ihr selbst’ herum.. sie war rastlos.. ruhelos... wie schon lange nicht mehr.. auf der Suche etwas zu finden, wovon sie noch nicht mal etwas weiß.. wo war ihre Gleichgültigkeit hin.. ihrer selbst.. Sonst hatte sie sich nie so gehen lassen.. so an sich zerren lassen.. aber die Gefühle hatten so von ihr Besitz ergriffen, dass sie diese kaum noch kontrollieren konnte.. es gab einfach kein Ende.. sie müsste sie meiden.. sie würde die Herberge meiden.. sie müsse Bajard meiden.. Adoran.. aber wo führte das hin? Sie konnte doch nicht stets davon laufen.. doch genau das war das einzige, was ihr in den Sinn kam.. sie wollte weglaufen.. von der Last... sie wollte sich von dem Schmerz befreien und.. es würde auch nicht schaden, wenn sie endlich weg war.. sie tat ihnen sowieso nur weh.. außerdem kannten sie ihr selbst kaum... sie wussten doch gar nicht, auf wen sie sich da einlassen wollten..
Irgendwann blieb sie stehen während ihres Sprintes... sie blickte hinter sich und erkannte die Umrisse der Taverne nur noch aus der Ferne.. dann drehte sie den Kopf nach vorne und ging langsam weiter... die nächste Zeit... müsste sie sich fern halten.. sie.. hielt es einfach nicht mehr aus.. was sollte sie sagen.. egal zu wem.. was sollte sie nur tun...?