Seite 1 von 1

Ein angelernter Zwerg bei den Kal Khaz-Graik

Verfasst: Donnerstag 4. November 2010, 21:25
von Laviana Lloris
Das war gewiss der anstrengendste Tag den sie seit langem hatte. Ein vergleichbares Erlebnis war wohl nur der Tag, wo ein Dämon sprichwörtlich auf ihr herum getrampelt ist. Ihr tat jeder Knochen im Körper weh, besonders ihre Schulter. Auch nachdem sie sich mehrere Stunden im warmen Wasser eingeweicht hatte, um die strapazierten Muskeln und Knochen zu beruhigen, wurde der Schmerz nur wenig gelindert.

Als sie nun spät am Abend in dem Sessel vorm Kamin gesunken war und kurz vorm erschöpften Einschlafen noch mal die Übungseinheit ins Gedächtnis rief, drängte sich ihr doch dezent die Frage auf, welcher Teufel sie dazu bewegt hatte, zu dieser Ausbildung zuzustimmen. Eins war ihr klar, und zwar dass es unklar ist, dass sie die Ausbildung lebendig und in einem Stück übersteht. Der Kampf war hart gewesen, vor allem der Faustkampf gegen Gorimm. Wie sollte sie ihn durch seine Rüstung hindurch verletzen. Das blitzende Mithrillblau entlockte ihr großen Respekt. Wusste sie doch von Ingosch, was eine Rüstung aus diesem Material aushalten kann. Nun sollte sie – eine 17 jährige, schmächtige Frau einen ausgewachsen (haha) Zwergen mit einem Kreuz wie ein Bulle im Faustkampf bezwingen, oder auch nur Schaden zufügen. Ihren geringen Vorteil durch Wendigkeit und Schnelligkeit, machte Gorimm durch immens mehr Kraft locker wett. Vom jahrhunderteweiten Kampferfahrungsunterschied ganz zu schweigen.
Doch sie wollte nicht aufgeben, sie wollte beweisen, dass auch sie eine Chance hat, und es gelang ihr tatsächlich dem Hauptmann der Kal Khaz-Graik einen Faustschlag auf die Nase zu verpassen, doch gab sie gleichzeitig ihren Schutz auf, so dass der Zwerg sie am Arm durch den Trainingsraum schleudern konnte. Der Aufprall an der steinernen Wand war hart und raubte ihr eine zeitlang die Sicht und die Kontrolle über ihren Körper. Wie ein nasser Sack klatschte sie auf den Boden, und blieb liegen. Wie in Watte gepackt fühlte sie sich in den nächsten Sekunden, doch Gorimms laute Stimme holte sie langsam zurück und weckte den Schmerz in ihren Gliedern. Das war also eine alltägliche Übung als Zwerg?
Auch wenn sich alle Knochen wie einmal neusortiert anfühlten, hatte sie sich glücklicherweise nichts gebrochen, ihre Rüstung hatte die meisten Schläge dämpfen können.

Langsam kehrten ihre Gedanken wieder ins Hier und jetzt zusammen. Die Wärme des Kamins tat gut, und auch die Anwesenheit des guten Freundes, und die Möglichkeit sich alles von der Seele zu reden, so schlummerte sie bald erschöpft weg.
Die nächsten Übungsstunden im Kampf würden nicht einfacher werden, doch sie glaubte den Zwergen, dass sie das alles durchstehen würde, so Cirmias es will.

Felicitas, Lernende bei den Kal Khaz-Graik

Verfasst: Donnerstag 4. November 2010, 21:54
von Laviana Lloris
Nach weiterer erfolgter Übung, setzte sich Feli hin und verfasste einen Eintrag in ein kleines Notizbuch – nur für sich.

„Zweiter Tag!
Ein Glück heute nur ein bisschen Theorie. „Politik“. Lässt sich knapp zusammenfassen:

>>Zwerge haben immer recht und wenn nicht, prügeln sie sich so lange, bis sie recht haben. <<

Bin mit nur 40 Liegestützen und einem kurzen Lieferauftrag davon gekommen. Die Schulter hab ich zum Glück kaum gemerkt. Scheint wirklich nicht ernsthaft verletzt zu sein. Sollte mir aber angewöhnen den Hauptmann richtig zu grüßen – er wirft mit Steinen und ich hab keinen richtigen Helm. Anhand des Geräusches an Thorgims Helm, würd ich sagen, dass Gorimm gut zielen kann und da echt nicht zimperlich ist. Hab übrigens raus gefunden, warum Zwerge so grimmig sind, ich glaube, die werden von ihren Frauen verhauen. Zumindest ist Thorgims Weib gut darin ihm das Nudelholz um die Ohren zu schlagen. Aber irgendwie macht sie das alle sympathisch. Muss mir merken, dass Zwerge immer Fleisch und Zwergenbier brauchen, sonst sind sie noch grimmiger und lassen das an Rekruten aus. Vielleicht sollt ich demnächst immer was bei haben.
Glücklicherweise gab es heute keine weiteren Übungskämpfe, kann mich noch ein wenig schonen, ehe es weiter geht. Ich werde aber morgen ein wenig üben, muss ja einen großen Vorsprung aufholen. Gorimm hat mich heute als „Felicitas Hammerfaust“ vorgestellt, ich war verwundert – und stolz. Er scheint mich wirklich wie eine echte Zwergin zu behandeln, was bei genauerer Betrachtung auch Nachteile haben kann. Mal abwarten. Werd immer frisches Wasser brauchen, das Bier haut mich aus den Schuhen und Zwerge kann man mit Wasser gut abschrecken – auf jeden Fall den Thorgrim.“

Verfasst: Mittwoch 10. November 2010, 01:14
von Laviana Lloris
Das der Abend problematisch werden würde, ahnte sie nicht, als sie sich von Bajard aus auf den Weg machte. Ihr Weg führte sie zurück in Richtung Adoran, die dunkle Rüstung, die sie trug, schien das Licht gerade zu aufzusaugen, zudem war sie so gearbeitet, dass sie beim Laufen nur wenig Geräusche verursachte. Allerdings, das musste sie zugeben, hätte man gerade nicht mal eine knarzende Plattenrüstung gehört. Je weiter sie sich dem Kloster näherte, desto lauter wurde das Stimmengewirr und weckte ihre verdammeilte Neugier. Gerüstet und maskiert wie sie war näherte sie sich dem Tumult. Ein Kampf zwischen zwei Kriegern in Diamantrüstung lief gerade, begleitet von den lauten Rufen einer ihr gut bekannten Zwergenstimme. Eigentlich wäre es am sichersten für sie gewesen, wenn sie sich nicht eingemischt hätte, doch irgendwie stand sie schon mittendrin und war im Begriff den siegreichen Kämpfer des vorherigen Kampfes heraus zu fordern. Doch nicht der Keulenkämpfer reagierte auf ihre Frage, sondern der Zwerg – Gorimm. Verflixt. Sie würde im Dreck liegen. Und sie würde Schmerzen leiden, aber sie konnte jetzt auch nicht zurück ziehen. Also umklammerte sie entschlossen ihren Dolch und hob ihr Schild vor den Oberkörper. Sie hatte einen kleinen Vorteil, gegenüber dem stämmigen Zwergen, sie war flinker. Aber ausreichen würde das wohl nicht. Beunruhigt glitt ihr Blick durch die umstehende Menge und ihre Unruhe nahm zu. Bandic. Das war ungünstig, sie sollte auf jeden Fall eine Demaskierung vermeiden. Denn er meinte nicht ganz falsch, dass sich Charlie hinter der Maskerade verbarg. Der Zwerg hingegen, könnte sie unter Umständen als Felicitas erkennen. Das war vertrackt. Hoffentlich merkte er nichts. Sie sollte sich wirklich verschiedenfarbige, oder andersartige Rüstungen zulegen.


Der Kampf ging los, und sie war bis in die letzte Faser angespannt. Doch, erstaunlicherweise und entgegen aller Erwartungen bot der Zwerg mehr Angriffsfläche und traf sie kaum. Der Kampf verlief schnell, und ehe sie sich versah , kippte Gorimm nach hinten ins Gras um. Sie staunte nicht schlecht, und die anderen auch nicht. Was nun? Wegrennen? So tun als wär nichts passiert? Oder dumm rum stehen? Sie entschied sich für das letztere. Brummend und grummelnd zog sich der Zwerg wieder auf die Füße und sie hatte die dumpfe Ahnung, dass sie noch leiden würde, würde er erfahren, wer ihn da eben ins Gras geschickt hat. Sie musste aufpassen, dass er ahnungslos blieb.


>>Klein, und zäh… kommt mir bekannt vor.<<


Oh, Oh.. jetzt nur nichts unüberlegtes sagen oder machen. Sie stand einfach nur ruhig da. Auch als man beiden anbot auf etwas zu Essen und zu trinken in die Herberge zu kommen, blieb sie ruhig. Erst als man Gorimm etwas zu Essen anbot, hörte sie sich plötzlich reden.


>>Einen Salat nimmt er bestimmt.<<


Verdammt. Hab ich das jetzt laut gesagt? Gorimms Reaktion lies keinen Zweifel zu und sie sah zu, dass sie aus seiner Reichweite kam. Ein Risiko, nein, noch ein Risiko sollte sie besser nicht eingehen. Nach einigen Momenten stapfte der Zwerg davon und sein geblaffter Befehl ihm zu folgen, ließen in ihr ein wenig Hoffnung sterben, sich aus der Sache herauswinden zu können.


Doch hatte Gorimm wohl etwas anderes im Sinn, er forderte einen Rückkampf, und sie ging bereitwillig darauf ein. Sie schaffte es sogar ihn in eine ähnlich bedrohliche Lage zu bringen, doch im nächsten Kampf ging er zu anderen Taktiken über und sie sah ein, dass es ihr selber noch an Flexibilität fehlt um auf seine andere Taktik zu reagieren. Solchermaßen zufrieden gestellt, stapfte der Zwerg davon.
Hatte er sie nun erkannt, oder nicht?

Verfasst: Mittwoch 24. November 2010, 13:19
von Laviana Lloris
Ein wenig nagte es an ihr, dass sie die Kampfübung am Mittag verlassen hatte. Doch weit und breit war Gorimm nicht zu sehen und alleine hatte sie keine Lust den Dämonen zu bezwingen. Sie hatte sich noch einige Zeit in den Kammern des Hügelgrabes aufgehalten, doch spürte sie sich im andauernden Kampf gegen die Untoten Wesen langsam schwächeln. Sie brauchte eine Pause und das möglichst nicht zwischen an den untoten Geschöpfen. Der Ausgang war nicht weit, und war Gorimm auch nach längerem Warten nicht mehr aufgetaucht. Wahrscheinlich war er schon längst draussen.

Vor dem Hügelgrab traf sie jedoch niemanden an, außer den beiden Zwergenwachen, die den Eingang zum Unheilsberg bewachten, doch die beiden schüttelten bei Nachfrage nur den Kopf. Entweder hatten sie sie einfach nicht verstanden oder wussten nicht, ob Gorimm hier vorbei kam. So machte sie sich dran die Jagdbeute zu veräußern. Die seltenen Knochen wollte sie ihm am Abend geben und das Gold, so er es wollte. Mehr Gedanken machte sie sich nicht dazu. Bis zum Abend dann ...

In Nilzadan traf sie Gorimm nicht an. Sie suchte bei den Graik, doch niemand war auffindbar. Als sie durch die Straßen Nilzadans lief, schon mehr auf dem Rückweg aber doch aufmerksam, ob ihr nicht doch noch wer auffiel, den sie fragen konnte, und der vor allem die Allgemeinsprache gut genug verstand.

Sie fand jemanden. Ein grimmiger Zwerg mit zum Angriff erhobener Axt stellte sich ihr in den Weg. Ein kleines Zwergenkind war nah und schutzsuchend an ihn gedrückt. Durfte sie hier etwa nicht her? Dachte er, sie wär eine Gefahr? Sie hielt inne und versuchte zu erklären, was sie hier machte, dass sie den Kal Khaz-Graik angehörte und nur Gorimm suchte um ihm etwas zu geben. Er glaubte ihr nicht. Bezichtigte sie der Lüge und des Diebstahls. Innerlich hätte sie fast gelacht. Schließlich sagte sie diesmal _wirklich_ die Wahrheit, aber die glaubte man ihr nicht. Egal, sie musste ihn überzeugen, dass ihr Hiersein durchaus rechtens ist. Sie erzählte ihm, dass Ingosch, Gorimm und Thorgrim wussten, dass sie bei den Graik ist. Er glaubte ihr noch immer nicht. Die anderen Mitglieder der Graik? Verflixt! Alle kannte sie bestimmt noch nicht. Einen noch! Thorgrims Weib, die ihm letztens so heftig eins übergebraten hatte, dass der Zwerg eine zeitlang ganz und gar neben sich war. Wie war noch ihr Name? Tar... Tor.. Tarni... Tarnimoxa. Sie war sich unsicher bei dem Namen, doch ihr Gegenüber schien eine Spur besänftigt. Noch einen Namen forderte er mit donnernder Stimme. Noch einer? Verflixt, mehr Zwerge kannte sie nicht. Er würde denken, dass sie lügt und ihr die Hand abhacken, so wie er gedroht hat. Bedrückt lies Feli ihre Schultern hängen, irgendwie war da gerade mächtig was schief gelaufen. Doch sie hatte Glück, oder besser gesagt er hatte ein Einsehen. Sie bekam noch eine Chance ihre Worte zu belegen. Gorimm fragen. Doch, wie sollte es anders sein, als sie vor seinem Haus standen, war niemand da. Ihr wurden die Beine sprichwörtlich weich, bei dem Gedanken, was das bedeuten konnte. Erneute Frage, erneute Chance. Der Stellvertreter des Oberst der Graik. Sie hatte nicht die geringste Ahnung. Sie kannte oder besser gesagt, sie erinnerte sich nur an den Rang des Heerführers. Jetzt wurde es eng, verdammt eng. Wo denn der Name niedergeschrieben sei. Kurz atmete sie auf, das wusste sie und sie führte ihn zurück zu den Graik. Nur leider konnte sie es ihm nicht vorlesen. Kalurischen Schriftzeichen verstand sie einfach nicht. Trotzdem entspannte sich die Lage für sie wieder, nachdem sie aus einer Auswahl an Rängen wohl den richtigen für den Stellvertreter nannte. Es war der einzige, den sie nicht kannte. Skogrimm hatte diesen Rang inne. Kannte sie ihn? Sie meinte den Namen schon mal gehört zu haben, aber sie war sich nicht sicher und gerade war ihr das auch egal. Der Zwerg - Balir - hatte seine zur Waffe zweckentfremdete Picke wieder auf den Rücken geschnallt und räumte ihr ein, bis auf weiteres sich im "offenen" Bereich Nilzadans bewegen zu dürfen. Er würde sich aber erkundigen, was ihre Person betrifft. Von dem jungen Menschenmädchen fiel eine gewaltige Last ab. Nun renkt sich doch wieder alles ein. Aber eins hatte sie daraus ganz gewiss gelernt.

Sie musste die Zwerge die hier lebten besser kennen lernen und sich ein wenig mit der Sprache in Laut und Schrift auseinander setzen. Das würde nicht einfach werden, für ein Menschenkind.

Verfasst: Freitag 17. Dezember 2010, 04:10
von Laviana Lloris
Gorimm war sauer, soviel war ihr klar. Sie hatte vorhin in Adoran beim Antreten der Graik ordentlich was verbockt, und irgendwie lag ihr der Wunsch Nahe, das Ganze wieder auszubügeln. Ihr war nicht ganz klar, wie der Zwerg darauf reagieren würde, vielleicht mögen Zwerge eine Entschuldigung ja gar nicht, sondern erwarten, dass man ihnen gerade ins Gesicht schlägt.
Vor dem Anwesen Hammerfaust in Nilzadan angelangt verharrte sie. Vielleicht war das Ganze, ja doch eine dumme Idee. Von drinnen klang schreckliches Gepolter und Geschepper an ihr Ohr. Aha – der Zwerg war zuhause. Eine dumme Idee war das, dachte sie sich leise, aber jetzt solltest du sie auch durchziehen. Also nahm die junge Menschenfrau ihren situationsbedingten Mut zusammen und pochte entschlossen gegen die Tür. Es dauerte auch nicht lange und es wurde ihr geöffnet. Warum haben Zwerge eigentlich so hohe Türen, die Hälfte würde doch ausreichen… Aber weiter verfolgte sie den Gedanken nun auch nicht, sondern grüßte ihren Vorgesetzten und salutierte dann.

>>Ich… ich wollte mich für vorhin entschuldigen.<<

Nur mühsam kamen ihr die Worte über die Lippen und man sah ihr an, dass sie mit sich haperte, ob der richtigen Wortwahl und vor allem ob der richtigen Idee. Der Zwerg zeigte sich unbeeindruckt und verschränkte die Arme vor der Brust. Der Blick schien sie förmlich zu sezieren. Wo waren noch mal die Erdlöcher zum verschwinden, wenn man mal eins brauchte?

>>Nein, lass deine Entschuldigung da, wo sie ist.<<

Na toll, das ging nach hinten los. Nun etwas sicherer in der Stimme, versuchte sie sich dennoch zu rechtfertigen, und Gorimm ließ ihr auch die Zeit zu sagen, was sie sagen wollte.

>>Es ist schwer.. das Menschsein abzulegen.. das ist kein Paar Stiefel, das man abstreifen kann Ich war nie was anderes... und du bist ja immerhin schon ein paar hundert Jahre Zwerg.<<

>>Zweihundertvierundvierzig Jahre lebe ich nun im Berg Mhr, und? Ich hab aber auch schon Menschen Befehle entgegen nehmen sehen, die Spannung besaßen und sich militärisch verhalten haben! Doch ich glaube nicht mal mehr, dass es an dir liegt. Ich bin schuld, dass ich heute von dir blamiert wurde. Was anderes fällt mir dazu wirklich nicht mehr ein. Du kannst einfach nicht so schnell lernen, wie eine Feuerklinge. Oder sogar ein Donnerfaust, der Kurzbart.<<

Oh, die Worte trafen sie. Sie wollte sich doch bemühen nicht hinter den anderen zurück zu stehen. Auch wenn sie die Zwerge von der Masse und Kampferfahrung nie übertreffen konnte, dann doch wenigsten durch Sachen, die eigentlich jeder schaffen kann. Sollte. Müsste.

>>Vielleicht muss ich einfach nur deine Einheiten intensivieren. Vielleicht führt das ja endlich bei dir zum Erfolg.<<

Das war natürlich – wunderbar, wie sagte man so schön, wie Schnee im Sommer. Sie musste sich eh schon 4 teilen um all ihre verschiedenen Aufgaben erfüllen zu können. Und die Rekrutenarbeit hatte den Nachteil, dass sie danach doppelt so viel Zeit brauchte, um sich zu erholen und ihre Knochen wieder zu sortieren. Doch Gorimm fackelte nicht lange. Sie brauchte gar nicht erst zu denken, dass sie die versprochenen Einheiten ankündigen würden, irgendwann im Laufe der Woche. Es ging gleich los. Er korrigierte, schob und drückte an ihrer Haltung herum, bis sie in seinen Augen wohl die richtige „Spannung“ besaß. Sie kam sich vor, wie eine Gelenkpuppe und irgendwann, als er ihr gerade mit Freunden im Kreuz rumdrückte, und ihr dann mit Wucht gegen das Bein trat, platzte ihr doch noch der Kragen.

>>Wofür war das? Ich bin doch keine Gelenkpuppe. Werd mal fertig!<<

Die Antwort war nur ein blaffen, dass sie gefälligst die Klappe halten soll und sich wieder richtig hinstellen soll. Zähneknirschend kam sie dem nach, doch je mehr er rumkorrigierte, desto saurer wurde sie, und Gorimm – der grinste im gleichen Maße immer breiter. Was Feli selber nicht registrierte war, dass sie durch ihre Wut sich immer mehr anspannte und so unbewusst genau das machte, was der Zwerg zuvor provoziert hatte.

1: 0 für Gorimm

Der nächste Weg führte zu einem Teich, den es nur – ausschließlich – bei Zwergen geben konnte. Ein Teich gefüllt mit Bier. Sie folgte der Anweisung und stellte sich an den Rand des Teiches. Was würde nun kommen? Die Gedankensprünge der Zwerge waren doch mitunter absonderlich und für sie sehr verwunderlich. Es war also gut, sich auf alles vorzubereiten. Vielleicht baden Zwerge ja in Bier? Oder er will angeben? Sie hoffte auf Zweiteres, das erste wollte sie nie im Leben mit erleben. Mit einem Mal stand der wuchtige Zwerg hinter ihr und packte sie am Rücken an der Kleidung und drückte sie vor, so dass sie – wirklich angespannt, sonst wäre sie im Teich gelandet- über dem Bier-Gesöff-Teich hing. Aber irgendetwas missfiel ihm immer noch.

>> Warum geht das sogar unaufgefordert, ohne dich tausend mal korrigieren zu müssen? Sonst aber nicht?<<

Er drückte weiter gegen ihren Rücken und sie sank tiefer. Sie würde reinkippen, ganz sicher – und dann würde sie Ewigkeiten danach stinken. Hektisch begann sie mit den Armen zu rudern um ihr Gleichgewicht oder etwas zum Festhalten zu finden.

>>Was geht..?<<

>>Diese verschissene verkackte stramme Haltung!<<

>>Ich will nicht ins Bier kippen! Und eben wusste ich doch gar nicht, was genau du von mir willst.<<

Sie spürte einen kurzen Ruck am Rücken und stand wieder auf ihren Füßen, von ihrem eigenen Gleichgewichtssinn gehalten. Noch ehe sie sich so recht darüber freuen konnte, nicht in dem Bierteich gelandet zu sein, war der Zwerg schon weiter gestiefelt.

1: 1 unentschieden

Ein Training an der Puppe folgte. Klar, warum sollte es das auch schon gewesen Sein. Schlag ins Gesicht, Schlag ans Kinn, Schlag an die Schläfe. War das denn nicht alles am Gesicht? Egal, sie drosch munter auf die leblose Strohpuppe ein. So wirklich konnte man die Trefferfläche bei ihr nicht erkennen, aber immerhin sah man Höhenunterschiede. Der Ablauf wiederholte sich – in schneller Folge. Er schubste sie gegen die Schulter. Sie blieb stehen – der neuen Haltung sei dank. Doch dann, rummste die 1,15 Kampfkugel mit Wucht so gegen ihre Seite, dass sie keine Chance hatte auf den Beinen zu bleiben. Das hätte sogar einen Ackergaul aus den Hufen gehoben – dessen war sich Feli sicher. Es war vielleicht übertrieben, aber subjektiv fühlte sich das so an. Sie stellte sich schnaufend wieder auf und versuchte ihre Übung fortzusetzen, doch ehe sie die Kombination auch nur einmal wiederholen konnte, hatte sie eine wuchtige Zwergenfaust in der Seite. Schmerz durchzuckte ihren Körper und sie krümmte sich zusammen und kippte erneut in den Dreck. Keuchend und hustend lag sie da – sie hatte nicht mal eine Ahnung, warum er gerade zugeschlagen hatte. Aber musste sie das? Lernen mit allem zu rechnen, das war es doch.

2:1 für Gorimm

Benommen zog sie sich wieder auf die Beine und guckte wüten zu der Stelle an der Gorimm eben noch stand, doch er war nun in der anderen Ecke des Übungsraums und er hatte seine Rüstung abgelegt. Wie lange lag sie denn am Boden? Mit einem Mal stürmte er los, als hätte ihn ein tollwütiger Oger in den Hintern gebissen – schlagen wollte er sie nicht aber wohl über den Haufen rennen. Doch diesmal reagierte sie schnell genug und wich zu seiner Seite hin aus – zwar packte er sie noch mit dem linken Arm, doch sein Angriff ging fürs erste ins Leere, doch wieder reagierte sie prompt und duckte sich nach unten weg. Er hielt noch ihren Arm, doch sie hatte genügend Raum um ihm einen gepfefferten Tritt in die Kniekehle zu verpassen. Doch auch seine Reaktionen waren nicht eingeschlafen und er hob das Bein soweit an, dass sie nur seinen Unterschenkel traf. Nicht genug Wirkung. Aber immerhin hat er sie nun losgelassen, und sie konnte nach hinten ausweichen um sich einen neuen Angriffspunkt zu suchen. Wieder versuchte sie sein Bein zu attackieren. Seinen Gegenangriff registrierte sie allerdings erst, als sie die Faust am Kinn hatte und kurz darauf der Länge nach im Dreck lag. Wann hatte er ausgeholt. Verflixt, sie musste besser acht geben auf die kleinen Bewegungen. Sie wartete noch kurz, bis die Sternchen vor ihren Augen wieder der Höhlendecke des Übungsplatzes der Graik. Gerade rechtzeitig sah sie die nahende Faust, die ihr keine kleine Pause gönnen wollte und sie rollte sich zur Seite, so dass er krachend auf den Boden schlug. Doch aus der Position ergab sich eine neue Chance, die sie sich nicht entgehen lassen wollte. Sie zog ihren Fuß hoch – Gorimm war gerade auf der perfekten Höhe – und versetzte ihm einen sauberen Tritt mitten ins Gesicht. Erfolg. Er spuckte Blut.

2:2 unentschieden

Doch wieder blieb ihr keine Zeit sich über ihren erfolgreichen Konter zu freuen. Zwar brauchte selbst einen Moment für den nächsten Angriff – doch dem sollte es an Wucht nicht fehlen. Sie wich in die falsche Richtung aus und lief ihm ausgerechten in den Schlag hinein. So bohrte sich seine Faust geradezu in ihre Nierengegend. Der Schlag war mit so viel Wucht ausgeführt, dass sie ein gutes Stück nach hinten gedrängt wurde und erst dann zusammen klappte.

3:2 für Gorimm

>>Uuh.<<

Kommentierte der Zwerg, und setzte diesmal nicht noch mal nach sondern versorgte sie mit Wasser und gab ihr Zeit sich wieder zu sammeln […]

Verfasst: Donnerstag 28. April 2011, 16:38
von Laviana Lloris
Seit langem einmal machte sie sich wieder die Mühe ihre Post durchzusehen. Kam ja eh kaum was an, da nur wenige wussten, dass man sie hier erreichen konnte. Weswegen gelegentliche Briefe auch mal lange Zeit übersehen wurden. Mit spitzen Fingern zupfte sie ein Schreiben hervor. Roch das nach Bier? Sie schnupperte. Mist. Tatsächlich, Bier. Das konnte nur bedeuten, dass es einen Einsatz gab oder Ärger. Meistens beides gleichzeitig. Mit einem gezielten Fußtritt ließ sie die Tür hinter sich ins Schloss fallen und ging in Richtung des Kamins. Nachdenklich plumste sie auf den Stuhl nahe des Feuers und zuckte zusammen. Ein kurzer aufstechender Schmerz an ihrem Bauch. Schnelles fallen lassen gehörte zu den Bewegungen, die sie mit einer Schnittwunde besser lassen sollte. Sie würde den Schnitt wohl noch mal mit der betäubenden Salbe bearbeiten müssten, ein unumlässliches Hilfdmittel in der Zwergenausbildung übrigens. Zwergenausbildung, genau. Wo war sie wieder mit ihren Gedanken? Sie konzentrierte sie wieder auf den Brief ihres Hauptmannes.

Cirmias in Ehren , Rekrut Felicitas Drachenfels.

Ihr wurdet von Khal Khazad, Gorimm Hammerfaust dazu auserwählt, eine besondere Aufgabe zu erfüllen. Ihr werdet sicherlich alle Hand damit zu tun haben und Nichtmals Zeit finden in Nilzadan & Zuhause zu rasten .
Es sei euch Mitgeteilt das die Aufgabe all das was ein Schlachtenwühler Zeichnen sollte benötigt, und Ewig andauernde Konzentration erfordert.
Ihr wurdet Ausgewählt, weil ihr noch sehr viel zu lernen habt und bisher eher Mangelhaft euren Weg beschreitet. Vielleicht wird diese Aufgabe euren Verstand auf die Richtige Bahn leiten.

Eure Ausruestung muss GENAUSTENS Folgendes enthalten :

00 Kamm.
35 Hemden.
35 Hosen.
01 Paar Stiefel.
01 Paar Wanderstiefel.
01 Paar Sandalen.
01 Paar Winterstiefel,

35 Schriftrollen.
35 Federn.
05 Tintenphiolen.

sowie euer Gesammtes Ruestwerk mit Waffe & Schild.


35 Hosen? 35 Hemden? 35 Schriftrollen? Das klang nach 35 Tagen ätzender Ausbildung mit noch ätzenderen Berichteschreiben. Die Anweisungen waren klar.Ausrüstung. Und kein Kamm? Warum schreibt er das auf? Sie fürchtete schlimmstes. Dieser zwerg musste einen Sinn dafür haben, wann ihr körperlich anstrengende Arbeit am unpassensten wäre. Verletzt. Andererseits war sie fast immer verletzt. Seufzend schob sie die Liste in ihre Tasche. Sie muss wohl einkaufen gehen, denn mit Charlies Lumpen konnte sie sich nicht sehen lassen, wollte sie den Einsatz überleben. Auch wenn das eh nur Gorimm selbst oder Cirmias wissen. [...]