Verliebt, verlobt...
Verfasst: Donnerstag 28. Oktober 2010, 15:02
28.Goldblatt 253
Liebes Tagebuch,
nun sind schon einige Tage vergangen, seit ich am Hof der Staufenecks angekommen bin und noch immer glaube, nein WEISS ich, dass es die richtige Entscheidung war.
Nicht nur fühlen Amalia und ich uns endlich frei, losgelöst vom Schatten des tüchtigen ältesten Bruder und der unangenehmen Anwesenheit von Jakob, sondern haben damit auch unsere Nische, unseren Platz im Leben für's Erste gefunden.
Ich sage deshalb "für's Erste", liebes Tagebuch, weil ich nicht weiß, was einmal auf Amalia warten wird. Vielleicht doch noch der treusorgende Mann? Eine Menge kann passieren, auch wenn meine kleine Schwester mir schon vor fast zehn Jahren lachend erzählen wollte, dass sie wohl als alte Jungfer sterben würde. Ihr Liebe gilt der Arbeit als tüchtige Landwirtin, das ist schon klar, doch man kann ja nie wissen, wohin es einen dann im Leben letzlich verschlägt.
Bestes Beispiel bin wohl ich selbst!
Vor knapp fünf Jahren habe ich doch noch an Amalias Seite gestanden und ihr tröstend auf die Schultern geklopft und gemeint, dass wir beide der gerechte Ausgleich im großartigen Geschlecht der Radenbrucks vom Radenbruckschen Weiler wären. Nicht nur, dass wir von unseren beiden Brüdern alterstechnisch so weit abgeschieden sind, dass die jüngsten Nichten und Neffen kaum zehn Jahre jünger sind, wir selber haben auch keine Nachkommen und keine Ehepartner.
Es schien immer ein wenig so, als ob wir das Gegengewicht für Franz' und Jakobs Kinderschar darstellten. Die beiden Fruchtbaren und die beiden Einzelkämpfer, in deren Leben nichts fruchtete. Kein eigenes Feld, kein eigenes Haus, keine Kinder. Der Verschrobene und die alte Jungfer.
Unser Glück war es nur, dass wir bei Franz und Grete unterkamen und nicht unser Dasein in Jakobs düsterer Hütte fristen mussten. Aber selbst die gute Grete schien erleichtert, als ich ihr im Spätsommer meine Entscheidung mitteilte. Wir beide wollten fort von Aehrenfeld, ja ganz raus aus Buchenbühl und Wolfenfels. Nach Gerimor sollte es gehen, an einen Hof, der mich regelrecht rief.
Oder besser, dessen Landwirtin mich rief.
Tulena, meine geliebte Lena.
Ich erinnere mich noch, als ich sie das erste Mal sah.
Dies war auf der Kälberschau in Wolfenfels gewesen und die halbe Familie Radenbruck war mit von der Partie. Eine lange Reise, doch hatte sie sich gelohnt. Nicht nur hatte Franz, der damals noch lebte, mit seiner Jungkuh Myrte einen Preis und somit viel Geld für sie bekommen, nein, ich fuhr nach der Woche zurück nach Buchenstein und hatte ein Mädchen.
Man kannte die Staufenecks, da der alte Staufeneck mit Vater befreundet gewesen war. Nur ist auch diese Familie nicht gerade klein und somit kannte ich längst nicht alle. Ich erinnere mich noch gut daran, dass gerade Jakob an der kleinen Elyana, damals wohl kaum sechzehn Sommer alt, klebte wie eine lästige Fliege und mich damit aufzog, dass ich nie so ein hübsches Weib haben würde. Doch war es nicht ihre Anmut und schüchterne Zierde, die mich im ersten Moment gefesselt hatte. Es war das Feuer und der ungebrochene, fröhliche Wille ihrer älteren Schwester Tulena. Lachend hatte sie mir die Hand entgegengestreckt beim Gruß und der Druck ihrer Hände war kräftig und forsch.
Um mich war es geschehen, als ich in die strahlenden Augen blickte und ich glaube jeder, auch sie, hat dies da schon bemerkt. Ich stammelte, wurde nervös und rot wie eine gut gereifte Tomate. Dabei trennen uns ganze sechs Jahre und man meint wohl, ich müsse reifer sein.
"Na, mit so einer wirst du nicht glücklich, Narr. So eine muss man züchtigen und das Weib erst formen. Die ist vorlaut und frech!"
Jakobs dumme Worte und Franz nickte auch noch.
Ich hingegen konnte lachen, denn genau diese direkte Art und das ungebrochene Wesen liebe ich noch heute so an ihr.
Ich bin ein glücklicher Mann, der glücklichste vielleicht, weil Tulena mir ebenso rasch zugetan war. Wir verlobten uns heimlich vor einem Jahr, auch wenn wir einander zu selten sahen. Nur Grete, Elyana und natürlich Amalia wussten davon. Ich hätte es noch ausgehalten, doch als sie nun kurz nach dem ersten Sommertag nach Gerimor zog, um mit Elyana dort einen Hof zu übernehmen, zerriss mich die Distanz.
Es war an der Zeit zu ihr zu kommen, ihr zu helfen und eine eigene Familie zu bauen.
Nein, noch sind wohl keine Kinder in Planung, doch weiß man, wie bereits gesagt, nie was passiert und immerhin sind auf dem Hof neben Amalia und mir nun seit wenigen Wochen auch meine beiden kleinen Lieblingsnichten. Jakob wollte seine Mädchen wohl verheiraten und sie flüchteten. Recht so! Sie werden die richtigen Partner noch finden, so wie ich.
Ja, liebes Tagebuch, es war Zeit - und ich glaube es ist nun an der Zeit den nächsten Schritt zu wagen und ihr einen Antrag zu machen, denn immerhin wird das Feld nicht mehr lange bestellt und soll es doch brach und kahl im Herbst und Winter liegen, so möge es dafür zwischen uns beiden nur noch mehr glühen.
[img]http://farm3.static.flickr.com/2279/2310888673_ca31044fc2_z.jpg[/img]
Liebes Tagebuch,
nun sind schon einige Tage vergangen, seit ich am Hof der Staufenecks angekommen bin und noch immer glaube, nein WEISS ich, dass es die richtige Entscheidung war.
Nicht nur fühlen Amalia und ich uns endlich frei, losgelöst vom Schatten des tüchtigen ältesten Bruder und der unangenehmen Anwesenheit von Jakob, sondern haben damit auch unsere Nische, unseren Platz im Leben für's Erste gefunden.
Ich sage deshalb "für's Erste", liebes Tagebuch, weil ich nicht weiß, was einmal auf Amalia warten wird. Vielleicht doch noch der treusorgende Mann? Eine Menge kann passieren, auch wenn meine kleine Schwester mir schon vor fast zehn Jahren lachend erzählen wollte, dass sie wohl als alte Jungfer sterben würde. Ihr Liebe gilt der Arbeit als tüchtige Landwirtin, das ist schon klar, doch man kann ja nie wissen, wohin es einen dann im Leben letzlich verschlägt.
Bestes Beispiel bin wohl ich selbst!
Vor knapp fünf Jahren habe ich doch noch an Amalias Seite gestanden und ihr tröstend auf die Schultern geklopft und gemeint, dass wir beide der gerechte Ausgleich im großartigen Geschlecht der Radenbrucks vom Radenbruckschen Weiler wären. Nicht nur, dass wir von unseren beiden Brüdern alterstechnisch so weit abgeschieden sind, dass die jüngsten Nichten und Neffen kaum zehn Jahre jünger sind, wir selber haben auch keine Nachkommen und keine Ehepartner.
Es schien immer ein wenig so, als ob wir das Gegengewicht für Franz' und Jakobs Kinderschar darstellten. Die beiden Fruchtbaren und die beiden Einzelkämpfer, in deren Leben nichts fruchtete. Kein eigenes Feld, kein eigenes Haus, keine Kinder. Der Verschrobene und die alte Jungfer.
Unser Glück war es nur, dass wir bei Franz und Grete unterkamen und nicht unser Dasein in Jakobs düsterer Hütte fristen mussten. Aber selbst die gute Grete schien erleichtert, als ich ihr im Spätsommer meine Entscheidung mitteilte. Wir beide wollten fort von Aehrenfeld, ja ganz raus aus Buchenbühl und Wolfenfels. Nach Gerimor sollte es gehen, an einen Hof, der mich regelrecht rief.
Oder besser, dessen Landwirtin mich rief.
Tulena, meine geliebte Lena.
Ich erinnere mich noch, als ich sie das erste Mal sah.
Dies war auf der Kälberschau in Wolfenfels gewesen und die halbe Familie Radenbruck war mit von der Partie. Eine lange Reise, doch hatte sie sich gelohnt. Nicht nur hatte Franz, der damals noch lebte, mit seiner Jungkuh Myrte einen Preis und somit viel Geld für sie bekommen, nein, ich fuhr nach der Woche zurück nach Buchenstein und hatte ein Mädchen.
Man kannte die Staufenecks, da der alte Staufeneck mit Vater befreundet gewesen war. Nur ist auch diese Familie nicht gerade klein und somit kannte ich längst nicht alle. Ich erinnere mich noch gut daran, dass gerade Jakob an der kleinen Elyana, damals wohl kaum sechzehn Sommer alt, klebte wie eine lästige Fliege und mich damit aufzog, dass ich nie so ein hübsches Weib haben würde. Doch war es nicht ihre Anmut und schüchterne Zierde, die mich im ersten Moment gefesselt hatte. Es war das Feuer und der ungebrochene, fröhliche Wille ihrer älteren Schwester Tulena. Lachend hatte sie mir die Hand entgegengestreckt beim Gruß und der Druck ihrer Hände war kräftig und forsch.
Um mich war es geschehen, als ich in die strahlenden Augen blickte und ich glaube jeder, auch sie, hat dies da schon bemerkt. Ich stammelte, wurde nervös und rot wie eine gut gereifte Tomate. Dabei trennen uns ganze sechs Jahre und man meint wohl, ich müsse reifer sein.
"Na, mit so einer wirst du nicht glücklich, Narr. So eine muss man züchtigen und das Weib erst formen. Die ist vorlaut und frech!"
Jakobs dumme Worte und Franz nickte auch noch.
Ich hingegen konnte lachen, denn genau diese direkte Art und das ungebrochene Wesen liebe ich noch heute so an ihr.
Ich bin ein glücklicher Mann, der glücklichste vielleicht, weil Tulena mir ebenso rasch zugetan war. Wir verlobten uns heimlich vor einem Jahr, auch wenn wir einander zu selten sahen. Nur Grete, Elyana und natürlich Amalia wussten davon. Ich hätte es noch ausgehalten, doch als sie nun kurz nach dem ersten Sommertag nach Gerimor zog, um mit Elyana dort einen Hof zu übernehmen, zerriss mich die Distanz.
Es war an der Zeit zu ihr zu kommen, ihr zu helfen und eine eigene Familie zu bauen.
Nein, noch sind wohl keine Kinder in Planung, doch weiß man, wie bereits gesagt, nie was passiert und immerhin sind auf dem Hof neben Amalia und mir nun seit wenigen Wochen auch meine beiden kleinen Lieblingsnichten. Jakob wollte seine Mädchen wohl verheiraten und sie flüchteten. Recht so! Sie werden die richtigen Partner noch finden, so wie ich.
Ja, liebes Tagebuch, es war Zeit - und ich glaube es ist nun an der Zeit den nächsten Schritt zu wagen und ihr einen Antrag zu machen, denn immerhin wird das Feld nicht mehr lange bestellt und soll es doch brach und kahl im Herbst und Winter liegen, so möge es dafür zwischen uns beiden nur noch mehr glühen.
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