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Academia Arcana - Eine unendliche Geschichte

Verfasst: Montag 11. Oktober 2010, 14:20
von Nelrim
Nelrim ließ sich mit einem schweren Seufzer auf seinem Stuhl hinter dem Empfangstisch nieder. Gut gepolstert war der und das war auch gut so. Seine alten Knochen freuten sich über jeden Komfort, der ihnen entgegen gebracht wurde. Ihn fröstelte ein wenig, kam er doch grade vom großen Kamin, vor dem er sich ein wenig aufgewärmt hatte. Seine Zauber schlugen nicht mehr so an wie früher. Nelrim war nie ein großer Magier gewesen, dafür ein talentierter Schriftgelehrter. Er hatte sich so durchgeschlagen und auch einiges erlebt auf seinen Reisen. Bei dem Gedanken erleuchtete ein wohliges Lächeln seine faltigen Züge, die Augen glänzten und begannen zu strahlen – fast wie in alten Zeiten. Er kicherte 'chi chi chi' vor sich hin.

Doch heute wollte ihm selbst ein einfacher Wärme-Zauber nicht mehr so richtig gelingen. Vielleicht lag es auch einfach daran, dass er mit dem Alter mehr und mehr durcheinander kam. Nun, es war gewiss nicht so schlimm wie bei seiner Tante Venezia, aber es ging langsam los und davor grauste es ihn. Vor kurzem im Labor als er sich einen kleinen 'Berserker' brauen wollte, vergaß er doch glatt, wie oft er die Sanduhr schon umgedreht hatte. Er stand vor dem Gemisch, das gemütlich vor sich hin köchelte, und haderte mit sich selbst. Er konnte sich beim besten Willen nicht erinnern, ob der Sand zum dritten oder vierten Mal durch das Glas lief und so kippte er das Gebräu kurzerhand in den Ausguss. Was für eine Verschwendung! Aber hatte er nicht sowieso das Efeu vergessen? Gehörte Efeu überhaupt dort hinein? Er seufze tief und holte dann doch das Buch aus der Bibliothek, um abzulesen. Als er den Trank neu ansetzte, machte er zudem bei jeder Drehung der Sanduhr einen Strich auf der Liste und konzentrierte sich, um auch ja keinen Strich zu vergessen. Und diese Aussetzer häuften sich.

Nun, immerhin hatte er ein Plätzchen, wo es warm und gemütlich war. Wieder kicherte er sein 'chi chi chi'. Er war eher zufällig an die Academia Arcana gekommen. Mit seinen paar Habseligkeiten hatte er das große Gebäude mit den tiefroten Ornamenten passiert und als er um die Ecke gebogen war, war er fast mit einer Trauergemeinde zusammen gestoßen. Er hatte erfahren, dass der alte Sekretär der Akademie, Sephraim, kürzlich verstorben war und schwupp die wupp, schon war er der neue. Eine ruhige Aufgabe. Die Korrespondenz der Lehrerschaft verwalten, Aushänge anfertigen, die Reinigung beaufsichtigen, die Bibliothek in Ordnung halten und Ähnliches. Oftmals gingen ihm auch Scolaren der Akademie zur Hand, mal mehr, mal weniger freiwillig. Manche waren etwas eigen, doch viele durchaus freundliche Seelen und sie hatten stets ein offenes Ohr für seine Geschichten aus alten Tagen. Glaubte er zumindest. Es hatte sich noch keiner bechwert. 'Chi chi chi'.

Der letzte Schwung hatte es ihm besonders angetan. Nicht nur erfreute es seine wässrigen Augen, dass so viele Damen ihre Studien begonnen hatten, auch hatten sie alle auf ihre Weise eine liebenswerte Eigenart. Jeridia war ganz nach seinem Geschmack. Sie erinnerte ihn an die Wirtin seiner alten Lieblingstaverne und so knurrte ihm jedes mal der Magen, wenn er sie sah. Er kicherte. Rilas und Rebecca ähnelten sich ein wenig von ihrer Grundeinstellung. Beide zeigten wenig Emotionen und doch glaubte der alte Magier, das lediglich als Schutzpanzer einordnen zu können. Mal schauen, ob sie noch etwas auftauten. Die scheue Sophie hatte er besonders ins Herz geschlossen. Sie brauchte gewiss seine Unterstützung und er gab sie gerne. Der junge Tristan war die Höflichkeit in Person: 'Gewiss ein Adliger' hatte er zu Anfang gedacht, was dann wohl doch nicht so ganz stimmte. Und die von den Lichten mit dem merkwürdigen Namen.... Narylia oder so. Die war die natürlichste und umgänglichste von allen. Wobei er alle noch gar nicht so richtig kennen gelernt hatte. Er meinte, sich zu erinnern, das zwei ihm fehlten in seiner gedanklichen Aufzählung. Er kratzte sich am Kopf und zerwuselte sein weißes Haar. Doch es fiel ihm grade nicht so recht ein. Aber oft waren die auch noch nicht da gewesen.

Wenn er es so recht bedachte, hatte sich sowieso einiges geändert in letzter Zeit. Der neue Lehrer schien ein dufter Kerl zu sein. Hatte sich gleich mit Vornamen vorgestellt. Tereus heißt er. Ja, abwarten muss man immer, aber mit dem schien man was anfangen zu können. Und ach, was hatte sein Herz für einen Sprung gemacht, als sein alter Freund Aldred durchs Tor marschiert kam. Viel zu gut erinnerte er sich, wie der damalige Erzmagier die Akademie verlassen hatte, um auf Reisen zu gehen. Und dass die Nachfolger ein ganz anderes Regiment geführt hatten. Nun, abgesehen von Dantian. Der war ja hier groß geworden. Er war es eigentlich, den Nelrim am besten kannte und so bedauerte er sehr, ihn diese Tage so selten zu Gesicht zu bekommen. Aber die jungen Leute, die hatten ja alle Nase lang eine neue fixe Idee. Er dagegen zählte sich inzwischen zum Inventar und war froh darüber. Sein Kichern erfüllte erneut die Eingangshalle der Akademie, während die Nacht herein brach und die Kerzen zu Stummeln herunter brannten.

Verfasst: Montag 11. Oktober 2010, 21:34
von Naryian Deriak
*brodel*blubber* Unheilvoll kochte eine grünlich anmutende Flüssigkeit in dem grossen Kessel vor sich hin. Naryian stand mit einer Kelle zum umrühren in der einen und mit einem Fläschen in welchem sich eine rötliche Flüssigkeit befand, in der anderen Hand davor und sah in den Kessel. Um sie herum herrschte Chaos. Aufgeschlagene Bücher, Flaschen Dosen, sämtliche Behältnisse mit undefinierbarem Inhalt waren über Tisch und Boden hin verteilt. Ab und an liess sie die Kelle erst im Uhrzeigersinn darin kreisen und als sich die Konsistenz darin veränderte, gegen den Uhrzeigersinn. Als die Flüssigkeit langsam blasser wurde, hielt sie das Fläschen darüber und goss unter ständigem Rühren den Inhalt hinein. Die Suppe im Kessel verfärbte sich ins gelbliche und wabernde Dampfschwaden begannen emporzusteigen. Ein stechender Geruch verbreitete sich im Alchemieraum der Academia. "Ich glaub die Mischung ist nicht wie sie sein sollte.." Murmelte Naryian und griff nach einem Buch in dem das Rezept aufgeschrieben war. "Ah, ich hab das hier noch vergessen." Sie griff nach einer weiteren Flasche, ging damit zum Kessel und schüttete den Inhalt dazu.
Die Flüssigkeit begann unkontrollierbar zu brodeln und zu spucken und verteilte seinen Inhalt im ganzen Raum. Das Chaos nahm eine perfekte Gestalt an. Naryian war in der hintersten Ecke des Raumes in Deckung gegangen und wurde von den Dampfschwaden eingenebelt. Sie hatten mittlerweile die Tür erreicht und zogen durch den schmalen Spalt zwischen dieser und dem Boden nach draussen. Leise fluchend versuchte die junge Frau mit einem Buch die Schwaden fortzuwedeln um mehr Sicht zu bekommen. Als das nicht gelang kämpfte sie sich zu den Fenstern vor und stiess sie schweratmend auf. Minuten verstrichen bis sich der Raum wieder aufklarte und das Ergebnis der alchemistischen Versuche präsentierte.
Über Büchern, Tischen, Boden, ja sogar den Wänden verteilt klebte zähflüssiger gelblicher Schleim.
"Ich glaub da ist was schiefgegangen." Stellte Naryian überflüssigerweise fest. Zu allem Übel öffnete Nelrim auch noch die Tür, dem die Dampfschwaden und der Geruch nicht verborgen geblieben war und stand nun fassungslos im Türrahmen. Naryian setzte ein Abwehrendes Grinsen auf und hob die Schultern leicht an. "Was zum...." Setzte der alte Magier an. "I..ich räum das alles auf. Keine Sorge." Stotterte sie leise. "Ich h..hab nur die falschen Zutaten benutzt." Erklärte sie weiter und griff schon, wie um zu demonstrieren das alles ruckzuck wieder sauber wäre, zu einem verschont gebliebenen Lappen. Einige Momente stand Nelrim noch in der Tür, dann wandte er sich mit einem Kopfschütteln wieder ab und schloss sie. Erleichtert das sie keine Schimpftirade bekam, atmete sie ein paar mal durch und liess den Lappen wieder sinken. Ein Blick durch den Raum verriet ihr, dass dies hier länger dauern würde....viel länger.
Eimer um Eimer mit frischem Wasser schleppte sie von draussen hinein und schruppte alles ab. Doch je trockener der Schleim wurde, desto widerspenstiger gab er sich. Es dauerte Stunden bis sie ihn endlich beseitigt hatte. Ihre Hände waren rot und aufgescheuert, die Knie taten ihr vom herumkriechen auf dem Boden weh und ihre Kleidung sah aus als könnte man sie nur noch wegwerfen. Aber der Raum wirkte, zumindeste auf den ersten Blick, wieder wie vorher. Alle Utensilien standen ordentlich und abgewischt wieder benutzbereit auf den Tischen.
Der Kessel war auch von den letzten Resten des Schleims befreit worden, dafür lag neben der Tür nun ein Haufen verbrauchter Lappen. Das nächste mal würde sie das Rezept genauer lesen......

Verfasst: Dienstag 12. Oktober 2010, 17:02
von Sophie Tangran
Von Identitätskrisen und Lampenfieber


„Verheimlicht Ihr Euer Studium an der Academia, Scolar Tangran?“

Als in Bajard wieder der sonntägliche Markt zum ausgiebigen Einkauf rief, hatte die junge Akademieschülerin ihren Lehrer Aldred dort angetroffen. Überrascht war sie zunächst, generell seiner Anwesenheit wegen – hatte sie ihn sich eher als den typischen Dozenten vorgestellt, dessen bevorzugte Freizeitbeschäftigung darin bestand, im spärlich beleuchteten Kämmerlein zu sitzen, um ein Buch nach dem anderen zu verschlingen, das Tageslicht primär meidend.
Verwundert war sie auch über sein Interesse hinsichtlich des Bruders, den Sophie ebenfalls vorstellte, und ihrer Tätigkeit im nahen Handwerkshaus, welche sie wiederum als Lehrling der Kräuterkunde verriet. Um an ihrer Schüchternheit zu arbeiten, gab er ihr eine Hausaufgabe auf – sie sollte für die nächste Unterrichtsstunde an der Akademie einen Eingriff ins Lied Eluives vorführen.
Rasch kamen ihr erschreckende Bilder früherer Zauberversuche in den Sinn, nach welchen sie meist unbekleidet an Ort und Stelle verweilte, und unbeholfen mit ansehen musste, wie der Kleidersaum unter einem vor Nervosität hektisch herbeigerufenen Feuerballs zu Asche zerfiel.
Unter einem Anflug von Ehrgeiz jedoch, wollte Sophie die Manipulation des Feuerelements demonstrieren, vor dem sie sich am meisten fürchtete. „Die beste Methode, seine Angst zu überwinden, ist, sich ihr zu stellen“, entgegnete ihr Xervath – der Bruder – einst; und er behielt Recht damit. Mit einem Nicken nahm Sophie die Herausforderung, und somit auch die Hausaufgabe, an.

Während der nächsten Unterrichtsstunde wurde sie zum Lehrerpult gebeten, um ihre Bemühungen vorzuführen. Allein die Tatsache, dass die aufmerksamen Blicke der Schüler scharf auf sie gerichtet waren, trieb ihr die Röte ins Gesicht. Ihre Händen fingen an zu zittern, und sie spürte ihren raschen Herzschlag in jeder Fingerspitze. „Wie soll das nur gut gehen, unter aller Aufregung“, murmelte sie zu sich. Auch die sanftmütige Aufmunterung des Magisters vor der Präsentation half ihr nur wenig, die hemmende Nervosität zu unterdrücken. „Was passiert wohl, wenn ich einen Fehler mache, wieder meine Kleidung anzünde, und dann nackt vor den Schülern stehen muss“, stellte sich Sophie vor, und das Zittern wurde mit jedem pessimistischen Gedanken nur noch schlimmer, auffälliger. „Sie würden mich bestimmt auslachen, und es wäre wie damals: Ich würde den Spott nicht aushalten und weinend aus dem Klassenraum fliehen. Alle würden mir nachsehen, weiter amüsiert lachend“, und ihre Fantasie spannte das vermeintliche Horrorszenario geradezu unaufhörlich weiter.

„Atmet tief durch, Scolar“, empfahl ihr Magister Ravenor im ruhigen Tonfall. Sie folgte der simplen Anweisung, schloss die Augen, und versuchte ihre Aufregung durch bewusstes Atmen abzuschwächen. Zugleich dachte sie an etwas Schönes, an etwas, das ihr Freude bereitete. Sie malte sich aus, wie die Schüler ihr am Ende der Vorstellung sanft zulächeln und applaudieren würden. Ein vergnügliches Bild formte sich in ihrem Sinn, wie die mühsamen Übungen – womit sie viele Tage vor der Präsentation verbrachte – durch Anerkennung und Erfolg fruchten würden. Unter diesen positiven Gedanken hörte sie das angenehme Summen des Liedes in ihren Ohren, sah das Elementarnetz – farbig vibrierenden Saiten gleich – und versuchte über der linken Handfläche einen kleinen Feuerball zu manifestieren. Tatsächlich gelang ihr dies praktisch mühelos.
Einem Akt der Nebensächlichkeit gleich, präsentierte sie außerdem einen magischen Prozess zur Selbstheilung – sie hatte nach dem Beschwören des Feuerballs ihre Konzentration viel zu spontan abgebrochen, so dass die schwachen Flammen unkontrolliert auf ihre Fingerspitzen peitschten, und sich die junge Schülerin leicht verbrannte.

Ein Applaus erfolgte, und ihre düstere Vorahnung blieb unerfüllt. Ein Lächeln zuckte an ihren Mundwinkeln und jegliche Aufregung schien wie weggeblasen. Sophie fühlte sich für diesen kurzen Augenblick anerkannt, bestätigt, gemocht.
Obgleich diese positive Erfahrung ein Schritt in die richtige Richtung war, konnte sie die Tatsache nicht vermeiden, dass ein hartnäckiger kleiner Quälgeist in ihrem Kopf weiterhin von Glück – und weniger von einer ausgiebigen, sorgfältigen Vorbereitung – sprach.

„Verheimlicht Ihr etwa Euer Studium, Scolar“, stachen ihr unter dem aufkommenden Pessimismus' erneut die Worte Aldreds in den Kopf.

Sie hatte tatsächlich Angst, ihre Identität als Magierin zu verraten. Sie wusste, dass viele Menschen und Völker der Magie entweder mit Spott und Skepsis, oder gar Furcht entgegentraten. Sollte ihr wahres Ich jemals in Erfahrung gebracht werden - dachte sie sich panisch -, würden aus Freunden rasch Feinde werden.
„Ich arbeite in der 'Freien Handwerksakademie' als Lehrling der Kräuterkunde“, mit dieser vorgefertigten Antwort versuchte sie sich stets zu tarnen, sollte die Frage nach ihrer Beschäftigung erfolgen.

Nelrim war ein sanftmütiger Mensch, Sophie fühlte sich geborgen, wenn sie ihm jeglichen Kummer anvertrauen konnte. Der alte Mann lauschte ihr aufmerksam, nickte hin und wieder, und tat ihre vermeintlich panischen Ängste mit einem beruhigend beschwichtigenden Lächeln ab.
Dadurch konnte die junge Schülerin feststellen, dass viele ihrer Sorgen einfach überflüssig waren. Der alte Zauberer verdrehte hin und wieder die Augen, allerdings verweilte stets ein vergnügter Ausdruck auf seinem Gesicht; zumal er den Gedanken, die Rolle der Seelensorge für Sophie zu übernehmen als überaus amüsant empfand.
„Frag' doch die anderen Scolaren, wie sie über das Thema denken, und schlage eine Diskussionsrunde vor. Gleichzeitig hättest du somit die Möglichkeit, deine Mitschüler besser kennen zu lernen“, schlug der Alte vor.

Die Idee, eine kleine Gesprächsrunde vorzubereiten – gemütlich bei Tee und Kuchen – begegnete Sophie mit Wohlwollen. Vielleicht würden sie die Ansichten und Meinungen der anderen Schüler versichern, wie sie mit der Thematik „Magier in der Gesellschaft“ umzugehen, und sich entsprechend zu verhalten habe.
Bald schon, würde sie einen Termin für eine solche Diskussionsrunde vereinbaren, und eine entsprechende, öffentliche Einladung bei Nelrim hinterlassen.

Verfasst: Sonntag 31. Oktober 2010, 17:19
von Aldred Ravenor
Die Zeit flog dahin, schneller als ein Seeadler im Sturzflug. Gefühlt war er erst ein paar Tage wieder im Lande und schon hatte ihn der Akademiealltag eingefangen. Der Magier studierte, um sein Wissen aufzufrischen und zu erweitern. Er gab Unterricht, hatte doch die Academia Arcana erst kürzlich viele Schüler aufgenommen. Mitunter forderte die Bedrohung aus dem Meer seine Aufmerksamkeit, so dass die Angelegenheiten der Akademie etwas zurückstecken mussten. Doch diese Woche war es endlich soweit gewesen. Die Apothekaria Tivia Nefizca hatte vier Wissbegierigen eine erste Lektion in Alchemie erteilt.

Der Gedanke, eine Dozentin zu bestellen, die nicht dem Kodex der Akademie unterworfen war, hatte ihm gewisse Sorgen bereitet, das musste er sich eingestehen. Die Neugier hatte gesiegt, der Reiz, etwas Neues zu probieren war zu groß gewesen. 'Tivia', wie er sie nennen sollte, war pünktlich erschienen, hatte das kleine Labor der Akademie gelobt und schließlich angefangen, vor acht lauschenden Ohren zu lehren. Aldred war in die ungewohnte Rolle des Schülers geschlüpft und es war eine Herausforderung besonderer Art für ihn. Die Hand musste er heben, wenn er eine Frage hatte, doch musst er sich gleichzeitig vorsehen, was er fragte. Antworten, die er gab, musste er sich dreimal überlegen, konnte eine falsche in Anwesenheit seiner Schüler doch seine Autorität untergraben. Keinesfalls durfte er sich eine Blöße geben. Im Prinzip hatte der Veneficus kein Problem damit, etwas nicht zu wissen. Dazu hatte er die Alchemiestunde ja organisiert. Um sein Wissen zu mehren, das der Schüler und damit das der Academia Arcana.
Ihm jedoch stellte sich zusätzlich die Aufgabe, seine Schüler richtig einzuschätzen. Wie würden sie reagieren, wenn er eine falsche Antwort gab. Der Magier tastete sich durch den Unterricht und gewann zunehmend an Sicherheit, als er merkte, dass sein Wissen über die arkanen Zusammenhänge auch hier von Nutzen waren. Schließlich begann er es sogar zu genießen, nicht die Verantwortung der Unterrichtsgestaltung inne zu haben. Das unbedarfte Herangehen an ein Thema ließ ihn eine unübliche Freiheit erfahren, an der er sich erfreute.
Der Unterricht war ein Erfolg gewesen. Die Rückmeldung der Scolaren war durchweg positiv und sein eigener Eindruck war nicht minder gut gewesen. Tivia war sehr gut auf ihre Schüler eingegangen, hatte gefordert und gefördert und viel Fingerspitzengefühl bewiesen. Da würde eine zweite Stunde folgen müssen.

Aldred lächelte bei dem Gedanken und sortierte die Schriftstücke auf seinem Schreibtisch. Wieder ging ein arbeitsreicher Tag zu Ende. Er entkorkte den Weißwein, goss sich ein Glas ein und nippte daran. Köstlich. Der Abend konnte kommen. Er fühlte sich seltsam befreit die letzten Tage. Das Meiste lief wie am Schnürchen, es ging voran. Er blickte noch eine Weile aus dem Fenster, leerte das Glas nach und nach, verlies das Arbeitszimmer und schloss die Tür hinter sicht. Feierabend.

Verfasst: Freitag 12. November 2010, 18:44
von Sophie Tangran
Endlich war der Tag gekommen, Elementkunde stand auf dem Unterrichtsplan und Sophie konnte es kaum erwarten, an der Stunde teilzunehmen. Nach und nach lernte sie das Wirken der Elementarmagie und wandte sich mit größtem Interesse dem Element des Wassers zu. Feuer wusste sie nach wie vor nur schwer zu bändigen, und es bereitete ihr eher Furcht. Furcht, die stärker war, als der Wille, sich ihr zu stellen. Am Morgen vor dem abendlichen Unterricht wusste die junge Schülerin der Magie nicht, dass das Lieblingselement ihr einige unheilvolle Stunden bereiten würde.

Noch in der Handwerkszunft verweilend, nahm sie ihre Tasche zur Hand, versicherte sich, Notizbuch und Kohlestift sowie etwas Proviant eingepackt zu haben, schulterte sie und lief nach einem herzlichen Abschied von ihrer Freundin Adrienne rasch durch den starken Regen in Richtung Akademie. Die Tropfen auf ihrem Gesicht entlockten ihr ein Lächeln. Sie galt bereits als seltsam genug – würde sie erwähnen, gerne Spaziergänge im Regen zu tätigen, würde kaum jemand aus ihrem Freundeskreis vor Verwunderung stutzen. In der Academia Arcana angekommen – und nach dem obligatorischen Gruß in Richtung Nelrim, der diesen wie gewohnt mit einem sanftmütigen Lächeln erwiderte –, begab sich Sophie in den Unterrichtsraum.

Die Sitzung fing harmlos an; sie nahm auf ihrer Bank nahe des Lehrerpults Platz, legte Kohlestift und Notizbuch parat, und fing an, aufmerksam den Worten des Dozenten Aldred zu lauschen, und sich dabei Notizen zu machen. Allerdings merkte sie bereits da, dass an dem Tag etwas anders war. Ihre Konzentration ließ rasch nach – die Räume der Akademie erinnerten sie nämlich stark an Amelya, ihre lieb gewonnene Lehrmeisterin und Freundin aus der Handwerkszunft, die vor Kurzem das Land verlassen hatte. Zugleich war sie Sophies Ansprechpartnerin, wenn es um Magie ging; denn sie wollte ihre Gabe zum Wirken nach wie vor möglichst geheim halten. Ihr Magen verkrampfte sich, als sie an den kürzlichen Abschied dachte, und erwischte sich nicht selten dabei, dass sie ihr Büchlein gedankenverloren anstarrte, statt der Lektion zu folgen. „Bald steht die Prüfung an, konzentriere dich, Sophie“, dachte sie im Stillen, kniff krampfhaft die Augen zu, schüttelte den Kopf, unterdrückte die Trauer und wagte einen neuen Konzentrationsversuch.

Tatsächlich klappen wollte es jedoch nicht langfristig – bis sie ihren Lehrer zum ersten Mal richtig wütend erlebte. Die Trauer war wie Verschwunden, und sie versteckte eingeschüchtert den Kopf zwischen ihren Schultern – einem Kätzchen gleich, das in eine Sackgasse gelockt wurde. Auf die barsche Frage, was denn Lernen bedeutete, antwortete sie naiv: „Zuhören, Notizen machen und den Unterricht dabei nachholen“, vergaß jedoch das Wichtigste zu erwähnen: Mitdenken. Mitdenken tat sie an diesem Abend nur spärlich, wie sie bei der richtigen Antwort ihres Mitschülers endlich feststellte, und sie spürte ihr Blut in den erröteten Wangen pulsieren. Die schüchterne Reaktion galt auch der Unzufriedenheit des Dozenten, hinsichtlich ihrer nicht überzeugenden Antwort.

Im Anschluss erfolgte der praktische Teil des Unterrichts zur Elementarkunde: Jeder Schüler sollte ein Element wählen, und es wirken. Die Beschwörung eines Feuerballs des Mitschülers schien hervorragend zu funktionieren, ebenso spürte sie ein sanftes Wehen ihres Haars, als ein weiteres Element – Wind – erfolgreich manipuliert und angewandt wurde. Nun war Sophie an der Reihe. Für den Moment zweier Herzschläge war sie erfreut, das Element gewählt zu haben, dem sie das meiste Interesse widmete: Wasser. Die junge Linkshänderin schloss ihre Augen, streckte ihre Hand aus, konzentrierte sich auf das elementare Energienetz, und versuchte jegliche Feuchtigkeit des Raumes über ihrer Handfläche zu akkumulieren und in der Form eines Wasserballs schweben zu lassen. Die Konzentration wurde jedoch regelmäßig gestört. Sorgen plagten sie, den Magister durch ihre falsche Antwort und dem verstohlenen Imbiss während des Unterrichts enttäuscht zu haben, ebenso wollten die ergreifenden Bilder vom Abschied ihrer geschätzten Lehrmeisterin nicht aus ihrem Kopf dringen.

Nachdem sie eine Weile lang keinerlei Feuchtigkeit auf ihrer nervös zitternden Handfläche spürte, gab sie auf, weinte, schlug die Hände vors Gesicht, und versuchte ihre Tränen zu verbergen. Ein Schniefen verriet sie jedoch, während sie den zugleich enttäuschten wie mitfühlenden Blick ihres Lehrers regelrecht spürte. Sie wollte am liebsten durch die Türe stürmen und den Raum verlassen, doch der Magister ermutigte sie zu einem neuen Versuch. Sophie konzentrierte sich darauf, ihren Atemrhythmus zu kontrollieren, beruhigte sich ein wenig – und trotz aller Hektik schaffte sie es, ihre Hand bestenfalls anzufeuchten, und das Bisschen an Feuchtigkeit ungeschickt auf ihre Schülerrobe zu patschen. „So schafft Ihr keine Prüfung, Scolar Tangran“, hallten die Worte des Lehrers durch ihren Kopf, so dass sie ihn nach dem Unterricht um Hilfe bat. Aller Enttäuschung zum Trotz, zeigte sich dieser tatsächlich kooperativ und bereit, der jungen Schülerin unter die Arme zu greifen, was ihr wiederum ein dankendes Lächeln entlockte, und wieder ein wenig Hoffnung in ihrem Herzen aufkeimen ließ.

Nachdem der schreckliche Abend endlich vorbei war, und sie sich von Nelrim schüchtern verabschiedete – der gutherzige Alte bemerkte, oder erahnte, etwas und warf ihr einen besorgten Blick hinterher –, begab sich Sophie langsam zum Handwerkshaus zurück. Sie würde die Hilfe Aldreds bald in Anspruch nehmen müssen – primär, um ihre Nervosität zu zügeln und ihre Konzentration bis zur Prüfung zu festigen. Zugleich bereitete ihr die Hausaufgabe regelrechtes Kopfzerbrechen: Ein Element von zwei, die aus Zeitgründen nicht in die Unterrichtsstunde eingeplant werden konnten – entweder Erde oder Wind – sollte ausführlich beschrieben werden. Sophie zweifelte an ihrem Verstand. Sie wusste nicht, wie sie anfangen sollte, und beide Elemente schienen ihr noch absolut fremd. Woher sollte sie Hilfsmaterial herbekommen?
Umso eher bezweifelte sie, dass der Magister letztendlich zufrieden über das Ergebnis ihrer Hausaufgabe sein würde – über Eines, war sich Sophie jedoch im Klaren: Sie hatte noch einen sehr langen, steinigen Weg bis zur bestandenen Prüfung, und somit zur „Discipula“ vor sich.

Unter Studenten

Verfasst: Donnerstag 26. Mai 2011, 06:15
von Rilas Avaryn
*Sein Geist brannte noch säuerlich von dem schier Unverständlichen, das man sie in der vergangenen Nacht gelehrt hatte. Selbst erfüllt von vielen Zweifeln über die die Theorien und Lehrstücke der Akademie suchte er bereits seit den frühen Morgenstunden, nach einer kurzen Nacht mit tiefem Schlaf nach Erkenntnissen aus dem, was man ihn in der vergangenenen Nacht gelehrt hatte.

Doch wenn er eine Person in ganz Gerimor kannte, die sich in diesen Augenblicken wohl weit mehr das Haupt zerbrechen würde, nun, dann wäre es die schwarzhaarige Collega aus seinem Jahrgang - von der er überzeugt war, das sie sich eines Tages aus Unsicherheit in einer Liedwirkung verlieren würde, oder in anderer Weise fulminant aus dem Leben befördern würde, wenn sie die Unsicherheit, die sie schon von einer Meile ausstrahlte, nicht ablegen würde.

Er gab es es sich mittlerweile sehr offen zu, das er in den ersten Tagen nicht viel für seine Collegae übrig hatte - Das Lied suchte nicht nach Eignung und Kapazität aus, und so fanden sich an dieser Academia Arcana tatsächlich mehr Charaktere, die kaum einen akademischen Hintergrund hatten, und noch weniger, die diesen offensichtlich anzustreben schienen. Doch galt es nicht das Motto der Academia hochzuhalten?

Wissen bewahren...das bedeutete auch Wissen zu teilen. Und wenn die Zukunft der Academia in den Händen des eigenen Jahrgangs liegen würde, dann müssten alle Mitglieder der kommenden Venefici, die jetzt noch den Grad der Discipuli trugen, den weg zur Akademie und dem Denken eines Akademikers finden. Er würde sehen, was er für sie tuen konnte, schliesslich zeigte sie mit ihren Eingriffen durchaus Potential, doch war er sich sicher, das diese unsichere junge Frau sich ihrer eigenen Kapazität nicht bewusst war.

Er hoffte, dass sich dies vielleicht ändern würde, wenn sie die Zeilen vernehmen würde, die er nun in fein geschwungenen Linien, einem kleinen kalligraphischen Kunstwerk gleich auf dem edlen Papier verfasste, dass das früher bekronte, heute jedoch kronenlose Wappen seines Hauses zeigte, umrandet von eingestanzten Sigilen der Rosen von Avaryn, die sein Haus und sein Banner zierten, mit den folgenden Worten:*

An die Discipula Sophie Tangran

aus der Feder des Discipulus Rilas Avaryn


Wissen und Stärke, hochverehrte Collega,

wenn euer Geist von der Verzweiflung gegeisselt wird, die ich meinte in euren Augen sehen zu können, als ich den Lehrsaal verliess, vermag ich euch Aufbauendes zu schreiben, das euch vielleicht ein wenig Ansatz dazu bieten wird, euren weiteren Weg in der Academia Arcana zu führen, unbeschadet und mit neuerlichem Mut, die Dinge zu beginnen.

Zu allererst, verehrte Collega, löst euch von dem Gedanken, nein, löst euch gar von allen Gedanken, doch vor allem von jenem, das ihr alles, was ihr vermeintlich Wissen und Erfahren könnt, alleine von den Magistern in den Vorlesungen erfahren werdet. Öffnet euren Geist, Sophie.

Das Lied der Allmutter ist eine derart individuelle Erfahrung, das es keine zwei Liedwirker gibt, die in perfekt gleicher Weise in dieses eingreifen werden, selbst wenn sie sich der gleichen Methodik bedienen. Ich habe Liedwirker auf ganz Gerimor und der freien Insel Lameriast betrachtet, ebenso Kleriker und Verlorene, deren Seelen anderen Scheusslichkeiten anheim gefallen sind, als meine Finger es ausdrücken wollten. Doch sie alle hatten eines gemeinsam: Ihre Note in der Melodie.

Lauscht, Collega, und löst euren Geist von zwangartigen Verhaltensweisen. Ihr könnt es kaum Wissen, denn niemand hat es euch auf der Academia gelehrt, doch nun seid ihr eine, die man in kommenden Tagen als Gelehrte betrachten wird, die Wissen unter die Völker bringen, und Wissen von den Völkern in die Academia nehmen wird.

Auch ich war einst ein junger Mann in seinen ersten Tagen als Adept in den Hallen der großen Fakultäten der heilenden Künste, dort im Reiche Alumenas, wo die Krone herrscht. Auch ich erfuhr die Rückschläge, die ein einfacher Badersohn, gerade des Lesen und Schreibens mächtig, erfahren sollte. Doch aus diesen Schlägen entwickelte sich nicht nur Kampfgeist: Es entsprang dieser zarten Verzweiflung ebenso der Geist des akademischen Strebens!

Der Unterricht wird nicht alles aufdecken. Veneficus Ferrini verlangt nach dieser Stunde mehr von euch, als nur das gehörte zu vernehmen, oder die Methodik anzuwenden. Er verlangt, das ihr die essentiellen Begrifflichkeiten der Metamagie ebenso wie der Mentalen Magie nicht lernt, sondern sie wahrhaftig versteht. Dieses Verständnis bildet sich dann, wenn ihr euren Geist frei lasst und darüber sinniert, wie, aufgrund dieser Theorien, euer persönlicher Zugang zum Lied und vor allem zu eurer Signatur und der Liedsignatur anderer Wesen, ihr den Zugriff auf die Beschriebenen Ebenen erlangen könnt.

Ihr versteht nicht, wie der Geist auf die elementare Komposition zurückgreift, die euer in letzter Konsequenz ist? Lehnt euch zurück, schliesst eure Augen - und beginnt nach euch zu fühlen, doch statt mit den Händen, nutzt euren Geist. Lasst ihn wandern und wenn ihr euren Körper mit eurem Geiste vermessen habt, werdet ihr schon spüren, das ihr erste Wirkungen auf ihn ausüben könnt. Erschafft euch selbst den Eindruck, ihr würdet stellen des Körpers erwärmen, um zu lernen, welche Synapsen des Leibes in welcher Form auf die Stimulanz des Liedes reagieren.

Damit schafft ihr euch ein Grundvertrauen in eure eigene Liedsignatur und von dort an werdet ihr den Weg finden, wenn ihr euren Geist öffnet, um Herr über die Kapazität eures Geistes zu werden. Ihr müsst die Türe alleine öffnen, ich vermag euch nur den Rat zu geben, nicht darauf zu warten, das euch der Lehrkörper der Academia eine Lösung schenkt, wenn er doch von euch verlangt, eine Lösung zu finden. Alleine dieser Akt ist bereits eine Prüfung. Wir lernen für den grad der Venefici. Um diesem Grad würdig zu sein, muss unser Geist ebenso geschult sein wie unsere Sinne.

Ich werde, dem Auftrag des Magisters entsprechend, die Inhalte der vergangenen Lehrstunde noch einmal aufbereiten und für die Discipula Lidicci vortragen. Wenn es euch an Zweifeln an der Materie oder der Theorie hat, fühlt euch frei, zu der bestimmten Lehrstunde anwesend zu sein.

Wissen entsteht durch Forschen.

Mit diesen Worten schliesse ich,


Unter allen Dingen des Sternenhimmels,
wissen wir eines höchst zu wahren:
Ehre, Freiheit und Rühmlichkeit,
die wir zu tragen unsere Farben geloben.


[img]http://jasta.cc/alathair/siegel.png[/img]

Rilas Avaryn
Discipulus

Verfasst: Donnerstag 26. Mai 2011, 22:27
von Sophie Tangran
„Sophie, warte mal“, unterbrach Nelrim die blasse Liedbegabte bei ihrem offensichtlichen Vorhaben, die Bibliothek der Akademie aufzusuchen. In der Regel war der alte Magier stets damit beschäftigt, mit aufmerksamem Blick einen Berg an Dokumenten durchzugehen, und jeder Student der arkanen Künste konnte sich glücklich schätzen, wenn er nach einem „Seid gegrüßt, Nelrim“ wenigstens ein erwiderndes Nicken des bärtigen Spitzhutträgers zu Gesicht bekam.
Entsprechend verwundert näherte sich Sophie seinem kleinen Empfangsschreibtisch. Nelrim hob langsam seinen Blick an, und sie wich diesem aus; er sollte nicht in ihre verräterischen Augen sehen, die erneut davon zeugten, dass sie sich offenbar mehrere Nächte lang mit Gedanken und Sorgen beschäftigt hatte. Schon einmal hatte er sie darauf hingewiesen, dass es nicht nur ungesund sei, die eigenen Grenzen mentaler Belastbarkeit zu überschreiten, sondern auch wenig förderlich, der Studien wegen. „Sophie, habe ich dir nicht gesagt...“, begann er im tadelnden, doch gewohnt ruhigen Tonfall, und hob belehrend seinen Zeigefinger an, als die junge Magieschülerin ihn unterbrach: „Nein, Nelrim. Diesmal ist es nötig. Ich habe kaum etwas von der letzten Stunde verstanden.“

Allein diese Worte reichten aus, um in ihrem Kopf wieder die zahlreichen, dunklen Stimmen erklingen zu lassen, die ihre Niedergeschlagenheit regelrecht nährten:

„Vielleicht bist du einfach nur zu dumm für die Academia, Sophie.“
„Du solltest einen anderen Weg einschlagen.“
„Bestimmt bist du die Einzige, die gestern kein Wort verstanden hat.“


Sie starrte ins Leere, und bemerkte nicht einmal, wie Nelrim ihr ein versiegeltes Schreiben entgegen hielt. Vermutlich tat er das bereits seit einigen Sekunden; zumindest wirkte die anfänglich nicht vorhandene Reaktion Sophies wenig aufmunternd für den weißbärtigen Zauberer. „Von Discipulus Avaryn“, murmelte er, wie beiläufig, wenngleich er eine gewisse Verwunderung über Sophies plötzliches Erstarren nicht verbergen konnte. Er räusperte sich in einem Anflug von Stolz, und fragte – möglichst unbekümmert klingend: „Alles in Ordnung?“
Sein Kopf legte sich leicht schief, während er über seine Brillengläser hinweg zu der scheuen Schülerin sah. „J-Ja, habt Dank, es ist alles bestens“, log sie, und setzte ein erzwungenes Lächeln auf. Offenbar erkannte Nelrim die unehrliche Miene, und sein Blick zeugte umso mehr von Skepsis, doch er schwieg.

„Discipulus Avaryn schreibt mir – aber warum? Ich, ich dachte, er würde mich eher belächeln, so viel, wie er weiß“, säuselte sie vor sich hin, und ihre Angst wurde mit jedem Handgriff stärker. Bestimmt würde er sie – in seiner gewohnten Art, wohl zu formulieren – über die, den Unterrichtsfluss hemmenden, Fragerei der letzten Stunde verspotten, oder in irgendeiner anderen Form tadeln. „Das Klangbild des Schreibens wird dein eigenes mit einem Fluch belegen“, sprach Nelrim breit grinsend, als er Sophies Unsicherheit bemerkte, welche vor lauter Verwunderung die versiegelte Nachricht fast fallen ließ. Spät kam ihr wegen der fesselnden Nervosität in den Sinn, dass Nelrims Worte in Wahrheit unmöglich waren. Zumindest spiegelte seine Äußerung nichts im Lied Realisierbares wider. Mürrisch sah sie den Alten kurz an, der daraufhin bloß seufzend meinte: „Na ja, war 'n Versuch wert. Lässt dich nicht so leicht aufmuntern, was?“

Aufgemuntert war sie danach definitiv nicht. Die Tatsache, dass sie sich von seinen Worten fast fehlleiten ließ, brachte sie eher auf den Gedanken, weniger über Liedkunde zu wissen, als eigentlich in ihrem Status als Discipula verlangt war. Mit einem heftigen Kopfschütteln versuchte sie jeglichen erdrückenden Gedanken abzuschütteln, als säßen diese in greifbarer Ausformung auf ihrem Haupt, und brach schließlich das Siegel von Rilas' Schreiben.
Ein sanftes Lächeln durchzog ihr Gesicht, als sie rasch feststellte, dass sich ihre düsteren Vorahnungen in keinster Weise bewahrheitet hatten. Zudem freute sie sich über die Einladung, bei Rebeccas Wiederholungsunterricht dabei sein zu dürfen. Somit war die Chance, doch noch eine lesenswerte Hausarbeit, hinsichtlich weiterer Ausformungen der Metamagie, abgegeben zu können, wieder greifbar. Sie fühlte, Hoffnung aufkeimen, und mit jeder Zeile, die der Discipulus ihr schrieb, nahm wiederum der angenehme Gedanke, sich verstanden zu fühlen, Gestalt in ihrem Geiste an.

Vor allem wiederholte sie die Zeilen hinsichtlich der Individualität eines jeden Wirkenden, respektive der Art des Lied-Eingriffes; dass es keine zwei Zaubernde geben wird, die in gleichzeitig synoptischer Weise Sekundärenergien formen werden.
Doch die Gedanken, die sie beim Lesen empfand, wollte sie ihm gleich mitteilen – so griff sie rasch zum gewohnten Kohlestift und Papier, um folgende Zeilen dem werten Kommilitonen zukommen zu lassen.
Ihre Schrift wirkt ebenfalls angenehm lesbar, geschwungen; durchaus der Signatur einer geübten Zeichnerin würdig:
Sehr geehrter Discipulus Avaryn,

ich danke Euch vielmals für Euer Schreiben.

Dass Eure Zeilen ihre aufmunternde Wirkung entfaltet haben, bestätige ich hiermit. Zugleich möchte ich Euch Recht geben, hinsichtlich der Tatsache, dass der Rang eines Veneficus mit Selbstvertrauen und Verantwortung einhergeht. Zumal ich eines Tages ebenfalls in den Hallen der Academia zu unterrichten gedenke, sollte ich Eure Worte um Selbstsicherheit beherzigen.

Bisher versuchte ich, nachzuahmen. Ihr schreibt wahr, dass ich die Lehren an der Academia für eine Art unausweichlichen Faden hielt. Der Gedanke, dass kein Eingriff ins Lied dem anderen gleicht – respektive keine zwei Magiekundige gleichzeitig eine praktisch identische Manipulation des Liedes bewirken können – kam mir bisher nicht in den Sinn. Ich vereinheitliche zu viel, bedenke Faktoren wie Individualität oder gar erschaffende Kreativität nicht. Vermutlich fehlt mir der Mut dafür.

Eine Basis des Vertrauens, die sich an das eigene Klangbild bindet, habe ich bisher nicht gänzlich erreichen können. Eure Methodik klingt nachvollziehbar; jedoch dürfte ich nach wie vor mit den Versuchen zu kämpfen haben, hemmende Gedanken zu unterdrücken. Veneficus Ravenor riet mir hierbei einst, ein beruhigendes Gedankenbild hervorzurufen – rauschendes Meer, eine idyllische Berglandschaft, das Bild meines Bruders beim Verschnaufen nach einem harten Arbeitstag in der Mine; in Wahrheit gestaltet sich die Praxis jedoch schwerer, als gedacht. Tatsächlich geschieht bei der Konzentration auf ein oben erwähntes Bild im Geiste ein beruhigender Effekt – bisher fehlte mir jedoch auch der Ansporn, es anhaltend zu üben.

Sehr gerne werde ich Eure Einladung zu einer Wiederholung des letzten Unterrichtsthemas annehmen, sofern auch die werte Discipula Lidici einverstanden ist. Lasst mich bitte den Termin wissen. Für gewöhnlich bin ich täglich ab der halben Stunden vor der abendlichen zehnten zu erreichen.

Habt nochmals vielen Dank für Euer Schreiben. Es ehrt mich sehr, dass Ihr an mich dachtet, und mir damit einen Ansporn gabt.

Mit freundlichem Gruß,

Discipula Tangran
Nachdem Sophie ihr Schreiben bei Nelrim abgegeben hatte, mit der Bitte, dass er es baldmöglichst Rilas abgeben solle, versuchte sie daheim in Ruhe, dem Ratschlag des Collegus' zu folgen, und sich mehr über ihrer eigenen Klang-Signatur gewahr zu werden; einem regelrechten In-sich-Horchen gleich.

Verfasst: Mittwoch 15. Juni 2011, 01:37
von Liam Ecclesia
Auszug aus einem Brief des Schäfers, heim an die Mutter. Der ganze Brief ist in einem seltsamen Dialekt verfasst, der für Einheimische wohl nur schwer zu entziffern ist.

...und Mutter, ich bin nun Scolar an der Academia Arcana! Kannst du dir das vorstellen? Dein kleiner Limy im Kreis von mächtigen Magiern? Es ist ganz anders als ich dachte, Vaters sorgen sie würden mich nur auslachen und verspotten waren unbegründet. Ich habe das wohl dir und deinem Unterricht zu verdanken, dass schreiben von Briefen und Assertionen fällt mir immer leichter. Auch wenn ich noch nicht den Mut hatte eine davon meinem Mentor oder einem Lehrer zu zeigen.

Ja mein Mentor Kaylem Valerian, er ist bereits im Rang eines Dicipulus und scheinbar sehr erfahren. Ich habe ihn schon kennen gelernt bevor ich zur Academia kam. In Adoran der Stadt in der ich nun lebe. Discipulus Valerian ist ein freundlicher und höflicher Zeitgeist und zudem sehr geduldig mit mir, wenn ich wieder eine meiner für ihn wohl recht seltsamen Fragen stelle.

Dann gibt es dort noch Veneficus Nelrim an der Academia,irgendwie errinert er mich an den Gevatter Gerick. Manchmal redet er sehr viel wirres Zeug, grüsst zum Abschied und Dankt zum Gruss. Trotzdem ich muss ihn Respektieren, er ist ja ein Veneficus. Ausserdem ist er immer so freundlich zu den Mitgliedern der Academia, besonders zu den Damen scheinbar. Nelrim geht wohl in seiner Arbeit vollends auf, ich sah ihn noch nie ausserhalb der Academia und er ist zu jeder Stunde für die Mitglieder der Academia da, überreicht Briefe und verkündet den neusten, du würdest wohl sagen Klatsch. Eben genauso wie Gevatter Gerick.

Der Leiter der Academia Veneficus Ferrini ist ein besonderer Mann. Auch ihn lernte ich schon kennen, bevor ich in ihre Reihen aufgenommen wurden. Ich habe dir doch von dem Jagtausflug mit Fräulein Lisa und dem mächtigen Magier geschrieben. Eben jenner Magier war der verehrte Veneficus. Fräulein Lisa scheint auch kein Fräulein zu sein wohl eher Frau Ferrini. Auf jeden Fall ist sie äusserst Liebenswürdig. Ich hatte bei Veneficus Ferrini noch keinen Unterricht, aber irgendwie macht mich seine direkte Art nervöus. Ich werde mich gut vorbereiten müssen, wenn ich einmal Unterricht bei ihm haben werde. Ich glaube nicht das er so Umgänglich als Lehrer ist wie Venefica Tangran.

Meinen ersten Unterricht hatte ich nun auch schon, bei der verehrten Venefica Tangran. Sie hat mich wirklich überrascht, ich hielt sie erst für eine Mitschülerin. Sie hat etwas von Kayla, diesen liebenswürdigen Ausdruck in den Augen, dass man sie einfach mögen muss. Ich glaube sie ist eine gute Lehrerin. Jedenfalls habe ich viel von ihrem Unterricht mitgenommen. Zudem ist sie auch noch sehr jung und gerade erst Venefica geworden, ich glaube sie weis wie man sich auf einer Schulbank fühlt. Jedenfalls habe ich den Unterricht genossen, da sie auch nicht unattraktiv ist. Doch glaube ich nicht, dass ich da eine Chance habe. Auf dem Markt der Thyren vor ein paar Tagen, gleich nach dem Unterricht sah ich sie mit Fräulein Mondstein, von der ich dir ja auch schon im letzten Brief geschrieben habe. Ich vermute sie ist ein Tribadie. Wie dem auch sei, ich muss mich eh um meine Studien kümmern.

Mitschüler habe ich leider noch keine kennen gelernt, aber Venefica Tangran sagte mir dass bald ein neuer Schüler erwartet wird. Ich hoffe der Herr ist umgänglich und ich verstehe mich mit ihm. Es wäre schön wenn ich jemanden hätte, mit dem ich lernen könnte und mit mir auf einer Stufe steht.

Mein Haus habe ich nun auch schon vollendes eingerichtet ich hoffe...

Verfasst: Donnerstag 11. August 2011, 17:13
von Liam Ecclesia
Erneuter Auszug aus einem Brief des Schäfers.

...Ja mir geht es wieder Gut dank Killians Wallendem Haar, das steht zumindestens auf der Flasche. In der Academia habe ich jetzt auch zwei Mitschülerinnen Mutter. Ich bin sehr froh darüber. Es war ein seltsames Gefühl alleine auf der Schulbank zu sitzten, aber nun ist das ja vorbei.

Als erstes stosste Angelica Mondstein dazu. Sie ist die Schwester von Adrienne Mondstein, von der ich dir ja schon geschrieben habe. Sie scheint sehr fleissig zu sein, meistens sehe ich sie in der Academia in Studien vertieft. Aber sie scheint wohl ein kleines Problem mit Veneficus Ferrinis direkter Art zu haben. Sie sagte mir sie buckelt nicht vor ihm. Du weisst ja aus sowas halte ich mich lieber raus. Heute Abend haben wir Unterricht mit Ferrini ich hoffe sie übertreibt es nicht, ich kann sie eigendlich sehr gut leiden. Es wäre zu Schade wenn er ihr etwas antun würde. Aber das liegt wohl an ihr und ihm.

Um ehrlich zu sein macht mir Veneficus Ferrini etwas Angst. Er ist zwar nicht Aggressiv oder so, aber ich habe ihn in Aktion erlebt. Es ist wirklich beeindruckend was ein Liedkundiger vollbringen kann, aber auch irgendwie beängstigend. Gerade wenn man weiss das man dem nichts entgegen zu setzen hätte, nicht einmal die Flucht.

Meine andere neue Mitschülerin heisst Eenja, sie ist er seit ein paar Tagen in der Academia. Sie ist blind aber ich mag sie. Sie hat eine erfrischende Art damit umzugehen das sie nichts sehen kann. Ich habe sie etwas herumgeführt und wir haben viel gelacht. Ich hoffe sie findet sich in der Academia zurecht. Ich habe ihr Angeboten bei Lese und Schreibkram behilflich zu sein. Aber ich glaube sie sieht weniger ein Problem in ihrer Blindheit als ich. Sie meinte sogar zu mir sie wolle garnicht sehen können. Naja ich sehe das etwas anders, ich würde nicht mehr auf meinen neuen, ich nenne ihn einmal Sinn, verzichten wollen und schon garnicht auf die Schönheit die mit ihm einher geht.

Gestern trafen wir, also Koras mein Arbeitgeber, Kaylem Valerien, Angelica und Adrienne und ich eine Elfe, es war Wundervoll wie sie das Lied wirkte, irgendwas hat sie mit Koras gemacht. Frag mich aber nicht was. Angelica hat sich einige notzien dazu gemacht, vielleicht hat sie ja mehr vernommen als ich und wird da weiter nachforschen. Es würde mich jedenfalls sehr Intressieren.

Bald ist ein Tanzabend....

Verfasst: Samstag 10. September 2011, 04:50
von Liam Ecclesia
Nach längerer Zeit schickt der Schäfer wieder eine Nachricht Heim an die Mutter.

Liebste Mutter,

entschuldige das ich dir lange nicht mehr schrieb, doch ich hatte viel zu tun. Meine Prüfung zum Discipulus habe ich mehr oder minder Erfolgreich abgelegt, scheinbar habe ich einige Wissenslücken im Bereich der Beschwörungsmagie. Doch lies mich der Veneficus trotzdem nicht durchfallen. Ich denke dass es ein gutes Zeichen ist. Die anderen Prüfungsfächer Elementarmagie und Verwandlungsmagie scheine ich zur zufriedenheit des Veneficus abgelegt zu haben. Mit Hilfe von Venefica Tangran werde ich sicher auch noch die Wissenslücken im Bereich der Beschwörungsmagie ausbessern können.

Vor kurzen hatten wir in der Academia besuch von den Mitgliedern des Konziels des Phoenix. Collega Mondstein hat sie zu einer Diskussionsrunde eingeladen. Es war sehr interessant. Meiner Meinung nach sind die Herreschaften des Phoenixkonzils etwas zu sehr mit unseren Göttern und der Moral an sich beschäftigt, als mit der reinen Wissenschaft. Nunja für mich trägt jeder Liedkundige selbst die Verantwortung für sein Handeln. Das bestätigt mich darin das ich in der richtigen Academia bin.

Es ist hier gerade späte Nacht, ich kann nicht schlafen. Liegt wohl an den Schmerzen. Ich habe mich trotz aller Warnungen ziemlich übernommen. Meine Muskeln brennen, mein verletzter Oberschenkel noch am wenigstens.

Heute kam es zu einem zwischenfall nachdem ich ein Paket ausgeliefert habe, ich wollte zur Academia und die Biblothek etwas durchstöbern, als mein Weg am Kloster endete. Eine ganze Horde von Letharen und Schwarzer Armee belagerte es. Sie entdeckten mich, aber liesen mich laufen. Ich wollte Hilfe hohlen und lief über Berchgard nach Adoran. So schnelll bin ich bestimmt noch nie gelaufen, obwohl ich eigendlich Gut in Form bin wurde ich schnell Müde und wendete das an was ich Unterricht bei Veneficus Ferrini gelernt hatte. Ich unterdrückte den Schmerz und bediente mich der niedere Illusionären Magie um mich weiter am laufen zu halten. In Adoran angekommen fand ich beim Regiment niemand, die Wachen hielten mich wohl für einen Verrückten. Am Konzil des Phoenix fand ich Magister Inos der mir glauben schenkte. Zu meinem Elend verpflichtete er mich auch gleich zwangs.

Auf dem Weg nach Berchgard trafen wir am Tor einen Graf, jenner schien schon verwundet, aber immer noch recht erpicht zu kämpfen. Mein Mut hielt sich eher in Grenzen. Durch einen Sphärenriss brachte uns Magister Inos vor die Tore der Stadt und wir versuchten dem Feind in die Flanke zu fallen. Ich kämpfte alleine gegen zwei Feinde. Der eine selbst ein Liedkundiger ich spürte die Grausamkeiten die er im Lied anrichtete. Trotz eines Trankes vom Professor den er mir noch einige Tage vorher schenkte hatte ich keine Chance. Zu meinem Glück liesen die Feinde von mir ab als ich am Oberschenkel verletzt wurde und zu Boden ging. Wohl hat es mir das Leben gerettet. dass ich ausserhalb des Hauptschlachtfeldes besinnungslos wurde, ansonsten hätten mich bestimmt Pferde und andere Reittiere zertrampelt.

Als ich wieder erwachte war ich alleine, um mich herum schwirten nur ein paar Elementare. Diese waren mir aber freundlich Gesinnt, scheinbar jenne von Magister Inos. Ansonsten war niemand zu sehen, nur in der ferne waren noch die Geräusche von Kämpfen zu hören. Nachdem ich Notdürftig meinen Oberschenkel versorgt hatte. Machte ich einige Personen aus, zu meinem Glück waren es Freunde. Der Graf sowie die Liedkundige des Phoenix Konziels, zusammen gingen wir zum Hafen durch das besetzte Bajard. Glücklicherweise stiesen wir auf keinen Wiederstand. Ein Fischer dem die junge Liedkundige einen gefallen schuldig war brachte uns schlussendlich nach Berchgard. Die Schlacht war aber schon vorrüber. Ich hätte sowieso nichts mehr anrichten können mit meinem Bein.

Ein Heiler nahm sich meines Oberschenkels an und versorgte ihn äusserst Gut, es schmerzt am wenigsten von allen meinen Körperteilen. Ich habe mich sicher übernommen und nicht nur auf normale Weise sondern auch noch durch die Magie die ich wirkte. Die nächsten Tage kann ich nur Dankbar sein überlebt zu haben, ich komme leider kaum noch aus dem Bett, ich hoffe das der Schaden nicht permanent sein wird und ich bald wieder auf den Beinen bin.

Ich denke ich muss lernen mich mit dem was ich an der Academia gelernt habe auch Verteidigen zu können. Vielleicht sollte ich Magister Inos oder Veneficus Ferrini um Unterricht in diesen Dingen bitten, dass nächste mal haben ich vielleicht nicht soviel Glück...

Verfasst: Montag 24. Dezember 2012, 14:47
von Gast
Forschungstagebuch und andere Gedanken I

'Böh', habe ich mir verwundert gedacht, als Praeceptor Demoar im Konzil eine Anhäufung von Geistesenergie als "Treibmittel" eingesetzt hat. Meine Gedanken schweifen zu Darius hinüber. Wir hatten besprochen, eine "Rasende Rüstung" zu konstruieren, die einen ähnlichen Mechanismus nutzen würde. Graulist dreht sich bestimmt im Grabe um! Ach nein, Moment, er lebt ja noch! Wie auch immer: Ich muss den Proll Schmied beizeiten fragen, ob er mir eine Rüstung basteln kann, mit einem Schacht für eine Glaskugel, gefüllt mit der reinen, elementaren Energie des Geistes. Eandric hat mir in seiner Bude Platz gelassen, also kann ich "meinen bekloppten Experimenten", wie er sagt, nachgehen, so viel und oft ich mag! Hoffentlich fliegt nichts in die Luft... Ich kenne da ein altes Tagebuch von einem Alchemieneuling, dessen letzten Worte "Was passiert, wenn ich dies und das mische" waren. "Kabumm!" - und man sah seine Gliedmaßen durch die Gegend wirbeln.

Ich guck' aus dem Fenster 'raus. Verdammt, schon wieder so spät! Immerhin habe ich die Rüstung so weit gebracht, dass sie einfache Befehle, wie "Gehe hier- und dorthin", rafft. Wie das? Lass' es mich die erklären, liebes Tagebuch: Es ist ähnlich, wie mit den Elementaren; sobald sie aus einer Akkumulation - das heißt Anhäufung, aber "Akkumulation" klingt mehr nach Klugscheißer - reiner elementarer Energie herbeigerufen wurden, müssen sie ja Befehlen folgen, anstatt blöd herumzustehen. Das Schöne ist: Wir Magier bedienen uns nicht nur der vier ersichtlichen, vernehmbaren Elemente, sondern auch eines fünften: Das des Geistes. Das kann man sich so vorstellen: Wenn man einen Feuerball erschafft, und ihn lenken will, zeichnen wir mit dem Geistelement die Flugbahn in unserem Kopf. Einfach gesagt: Geistesenergie, ist die Gedankenkraft. So! Dann speisen wir das Elementar mit solchen Befehlen wie "Töte dies", "Gehe dorthin", "Bring' mir einen Mocca", und so weiter.

Mein heimlicher Wunsch ist es, eine "Haushaltsrüstung" zu kreieren, die für mich den Haushalt schmeißt: Wäsche waschen, kochen, putzen, während ich auf der faulen Haut liege, und warte, bis mein Kind zur Welt kommt. Und vermutlich noch dicker werde. Der Heiler sagte, ich hätte bereits zwanzig Pfund zu viel drauf. Oh je! Sag' das 'mal einer Frau, ohne zu erwarten, dass sie sich nicht den Kopf zerbricht. Es sind schließlich zwanzig Pfund! Meinst du, man sieht es mir an? Na ja, egal; zurück zur "Rasenden Rüstung" - was ist bisher geschehen? Ich habe in einer Glaskugel Geistesenergie angehäuft, und die Strukturen im Lied mit einfachen Befehlen verwoben. Das Problem ist: Die Rüstung folgt tatsächlich den Aufforderungen, allerdings in der falschen Reihenfolge, relativ blind, so dass sie an jeder verfluchten Kante hängenbleibt, und ergo erfolgt Unerwünschtes: Aus einem "Bring' mir die Schokolade vom Tisch dort" wird ein "Verscheuch' die Katze auf dem Weg", unter "Mach' das Bett" versteht der grobschlächtige Metallhaufen eher ein "Zertrümmere das Bett", und was das eben erwähnte, vermeintlich simple "Gehe dorthin" angeht, versteht die Rüstung "Jage die Sophie". Laufen ist während einer Schwangerschaft verdammt anstrengend, sag' ich dir!

Irgendwas mach' ich falsch. Mein Verdacht liegt an der Anhäufung der Geistesenergie: Damit die Rüstung beweglich bleibt, muss stets Geistesenergie nachgeladen werden, da das Lied darum bemüht ist, den Ursprungszustand wiederherzustellen - Energien an einem bestimmten Punkt anzuhäufen fällt unter Manipulation. Diese Veränderung gefällt der lieben Eluive so gar nicht und ihr Lied bereinigt das Ganze langsam wieder. Wie wirkt man dem entgegen? Indem immer wieder neue Energie gebündelt wird. Nur: Reine Geistesenergie hilft herzlich wenig. Das sorgt zwar für eine intakte Rüstung, aber sie steht dann einfach nur herum. Mein Ziel wird es sein, mehr Gedankenenergie in die "Geistesglaskugel" zu verweben, die bereits klare, strukturierte Befehle beinhaltet. Ich werde mit "Bring' mir Schokolade" anfangen. Es gibt ja nichts Schöneres, als Süßkram ans Bett gebracht zu kriegen!

Das ist eine spannende Forschung, liebes Tagebuch. Ich halte dich auf dem Laufenden!

Vierundzwanzigster Alatner des Jahres Zweihunderfünfundfünfzig.