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Helden des Alltags

Verfasst: Donnerstag 16. September 2010, 03:19
von Richard Lohengrinn
Richard stand auf einem wackeligen Schemel in seiner Kammer und kritzelte mit einem Kohlestift winzige, in sich verdrehte Schriftzügen an eine Wand...

"Um mich nun den Weisungen Meister Demoars zu unterwerfen, will ich ein besonderes Experiment wagen, hrt.mich meiner Sinne zu entsagen.... *Unleserliches Gekrakel* ... neue Sinne zu erschließen... *Kohlefleck*
... wohin mich dieser Weg führt... *Ein einsames Strichmännchen bildet den Abschluss seiner Gedanken* "

Er entledigte sich unnötigen Ballasts, schnürte sich in hautenges Leder, warf seine Robe darüber, eine Klammer wurde an der Nase gesetzt, die Ohren mit Wachs verstopft und die Augen verbunden.
Der Wirt seines Gasthofs, die Eigenheiten Richards schon zur genüge kennengelernt, folgte dessen absonderlicher Bitte und band ihm die Hände mit einem groben Hanfstrick zusammen.

So wurde Richard entlassen und versuchte vorsichtig erste Gehversuche in absoluter Dunkelheit.
Von allen Reizen abgeschlossen, drangen nur noch dumpfe Eindrücke, von verschwindender Intensität an seinen unruhigen Geist.
In der neuerlebten, absoluten Schwärze gelang es ihm beinahe zur Ruhe zu kommen, wäre da nicht dieser Fuhrmann gewesen, der, wenige Minuten nachdem Richard den Gasthof verlassen hatte, diesen beinahe über den Haufen fuhr.
Ein herbeieilender Gardist las Richard aus dem Straßengraben auf, der Fuhrmann schimpfte, das Wachs wurde ihm aus den Ohren gedreht und so folgte der Stille Lärm.
Der Gardist, ein Mann mit weichem Herz und einem zurückgebliebenem Sohn, ließ Milde walten und nahm Richard lediglich die Ohrstöpsel, Nasenklammer und Handfessel ab, ließ ihn aber weiter ungeschoren davonkommen.

Deutlich erleichert, dachte unser junger Held nicht daran sein wichtiges Experiment zu unterbrechen und schlurfte, zumindest die Augen noch bedeckt, durch die zahlreichen Gassen in Adoran.
Mit aller Anstrengung versuchte Richard seine Wege zu finden, dem Tagesgeschäft nachzugehen, sich dabei jedoch von allen Gedanken befreiend, die ihn seiner Meinung nach vom wahren Zweck seiner Handlungen, nämlich dem Auftun neuer Möglichkeiten zur Sinneswahrnehmung, abhielten.
Da sich zu mit diesen Gedanken jedoch auch der letzte Funken an Ordnung und Planung verabschiedete und schließlich zur völligen Orientierungslosigkeit führen musste, stellten sich, allein die Götter wissen wieviel Zeit schon vergangen war, nun auch Hunger, Durst und Müdigkeit ein.

Letztes war durch Schlaf zu bewältigen und so ließ er sich wie er stand einfach fallen und schnurchelte genüßlich davon.

Als er wieder erwachte, hatte sich sein Gesamtgewicht erneut verringert, die Geldbörse war verschwunden... und doch stellten sich keine maßgeblichen Erkenntnisse ein.

Ebenso wirr und hilflos wie vor dem Schläfchen tastete er sich nun weiter, von Haus zu Haus, von Tür zu Tür, einige freundliche Gardisten wiesen ihm einen ungefähren Weg, als er schließlich in eine eng gewinkelte Gasse kam.
Eine frische Briese, die von der See her wehte, strich ihm sanft um die Wangen und erfüllten ihn mit neuem Mut.
So erinnerte er sich, als hätte der Wind alles Trübe weggeblasen, an den eigentlichen Zweck seiner seltsamen Wanderung, ließ sich auf einem nahen Blumentopf nieder und fand in dieser Gasse schließlich die Ruhe und Gelassenheit, der er schon die ganze Zeit über nachjagte.

So saß er da, kämpfte mit den Strömen seiner Gedanken, die einem Eigenleben folgten, sich stets verselbstständigten und in absonderlichen Wirrungen verloren.
Doch irgendwann, die Zeit hatte er schon vor Ewigkeiten verloren, gelang es ihm , sich diesem Strom für einen kurzen Moment zu verschließen, mehr noch, sich davon zu befreien.

In diesem Moment sah er sich in eine herrliche Klangwelt getaucht, die fließende Gebilde vor ihm formte, nur um in weiteren Gefäßen aufzugehen.

Der Moment verging wie er gekommen war, denn der Blumentopf brach dann doch unter seinem Gewicht und er landete jäh auf seinem Allerwertesten.
Keine Sekunde später war Richard umringt von Stimmen, vielen Stimmen, manche unbekannt, andere hallten wie ein Echo durch seinen Kopf, doch keine davon lieblich.
Sie klangen wie Verwünschungen, eine schreckliche pfeifende Dissonanz mit katatonischer Wirkung auf Körper und Leib.
Keine Stille, Lärm der ihn durchdrang, in seinen Körper kroch, sein Herz verkrampfte und in die Ohren biss.

Er ließ es geschehen, gelähmt, begann sich die Schwärze in ihm wild zu drehen, er schwindelte.
Ob Richard zwischenzeitlich etwas sagte, er wusste es nicht, doch da war ein innerer Zwang, dem er einfach erliegen musste, sich tosenden Stimmen zu werfen, die ihn immer enger umfingen.

So warf sich Richard der lärmendsten und misstönendsten Stimme entgegen, bereit sie zum Erstummen zu bringen oder engültig in ihr aufzugehen.

Seine Gedanken überschlugen sich, ein brennendes Haus bildete sich vor seinem innere Auge ab, brachte ihn ins wanken, er strauchelte, ein kräftiger Schlag, frontal auf den Schädel, ein Tritt in die Rippen...
Da war sie wieder, die Schwärze, sie griff nach ihm und er hieß sie gerne willkommen.
Die Geräusche um ihn wurden leiser, verstummten.
Seine Zunge schwerer, immer schwerer, ein metallischer Geschmack erfüllte seinen Mund, doch kein Schmerz.

Der erste Andrenalinschub verlor seine Wirksamkeit und Richard Lohengrinn lag bewusstlos auf der Straße.

Verfasst: Freitag 17. September 2010, 15:50
von Briana
Briana, die gerade ihren Hof herrichtete, bemerkte auf einmal das sie die benötigten Truhen und das Werkzeug für den Hof in der Botschaft der Zwerge hatte liegen lassen. Mit eiligen Schritten lief sie deshalb nach Adoran hinein und an die Botschaftstür.
Gerade als sie dabei war den Schlüssel ins Schloss zu stecken, nahm sie ein leises stöhnen war.

Suchend blickte sie sich um und tatsächlich, an der Mauer der Botschaft lehnte eine zusammengekauerte Person.
Langsam und vorsichtig näherete sich Briana und betrachtete die Person eingehen. Es war ein Mann und er schien schwer verwundet zu sein.
Sacht berührte sie den Mann an der Schulter und und fragte ob sie ihm helfen könne.

Dem Mann lief Blut aus dem Mundwinkel als er versuchte zu antworten und seine Worte waren kaum zu verstehen. Der Mann wusste offenbar weder wo er war, noch wie er heißt und auch nicht wo er wohnt.

Briana griff dem Mann unter die Arme und führte ihn in die Zwergenbotschaft, wies ihn an sich auf einen der Stühle zu setzten und brachte ihm ein Glas Wasser.
Danach eilte sie hinaus um einen Heiler zu suchen.

Am Heilerhaus traf sie aber niemanden an, so lief sie schreiend durch die Gassen und rief nach einem Heilkundigen.
Nach einiger Zeit, streckte eine Frau den Kopf aus dem Gasthaus und fragte was los sei. Sie eilte hinunter, schickte einen Mann nochmal nach dem Heilerhaus und folgte Briana in die Botschaft.

Als der Mann zurück kam, tat er kund, dass auch er niemanden im Heilerhaus hatte antreffen können und so lief die Frau um einen ihr bekannten Heiler zu holen.
Bis der Heiler, ein Mann namens Remus Gregorij eintraf, war Briana so weit die Vermutung anzustellen, der Verwundete sei Opfer eines Überfalls geworden, denn seine Geldbörse fehlte.

Remus Gregorij lies sich von Briana alles erzählen was diese wusste, was freilich nicht viel war, gab dem Mann dann einen Schlaftrunk und legte ihn auf den Boden, dort begann er mit seinen Untersuchungen.

Im Mund des Verwundeten fand der Heiler einen blutigen Klumpen, der sich, nachdem man den Mund ausgibig mit Wasser gespült hatte, als angebissene Zunge heraus stellte, die wie der Heiler betonte aber, mit etwas Zeit wieder in Ordnung kommen würden.

Die nächste Wunde die Remus fand, war eine Platzwunde am Kopf, auch diese säuberte er gründlich und verband sie.
Als er dann einen Fußabdruck auf der Robe des Verwundeten erblickte, bat er darum, dass ihm jemand beim Ausziehen des Mannes helfen möge. Die Frau und der Mann aus der Taverne schlugen vor, die Robe einfach entzwei zu schneiden, doch der Stoff bewegte sich fließend unter dem Messer und lies sich nicht zerschneide.

Da die beiden keine Anstalten machten dem Heiler zu helfen, fand sich Briana dazu bereit. Mit schnellen und sanften Fingern, entkleideten der Heiler und Briana den Oberkörper des Mannes auf dem auch gleich ein dunkler Bluterguss zum Vorschein kamm.

Vorsichtig betastete Remus den Blutergus und stieß dabei auf gebrochene Rippen. Ernst sah er Briana an und sagte, dass sie dem Mann eine Art Korsett anlegen müssten, damit die Brüche wieder in ordnung kämen.
Als sie mit der Arbeit fertig waren, legten sie denn Mann auf den Tisch der Botschaft und der Heiler flößte ihm nocheinmal einen starken Schlaftrunk ein.

Briana fragte er dann, wer ihn bezahlen würde, da den Verwundeten niemand zu kennen schien und er auch keine Börse bei sich trug, beschloss Briana den Heiler für seine Dienste zu entlohnen. Während die Beiden zur Bank liefen, trug der Heiler ihr noch auf, was mit dem Mann passieren sollte.
Briana solle ihn zu sich nehmen und er müsse strikte Bettruhe halten. Ausserdem solle er noch an den nächsten beiden Tagen einen Schlaftrunk erhalten und Malzbier zu sich nehmen. Am vierten Tag solle Briana mit dem Verwundeten erneut einen Heiler aufsuchen.
Briana nickte leicht, gab dem Heiler seine bezahlung und eilte wieder zu dem Verwundeten zurück.

Obwohl er schlief, berichtet Briana ihm kurz davon, dass sie noch ein Bett für ihn besorgen müsse und ihn dann auf ihren Hof transportieren würde.
Danach eilte sie davon um einen Schreiner zu suchen.
Vergeblich suchte sie mehrere Stunden und beschloss dann zu ihrem Hof zu laufen und dort aus alter Kleidung ein behelfsmäßiges Lager zu errichten.

Auf dem Hof angekommen, lief ihr ihre Geschäftspartnerin Firina über den Weg. Briana erzählte ihr von dem Vorfall mit dem Verwundeten und bat sie, den Mann mit ihr zusammen von der Botschaft aus zum Hof zu bringen.

In weiser vorraussicht das der Mann für zwei Frauen viel zu schwer sein würde um ihn den gesamten Weg zu tragen, nahm Briana ihre Stute Linara mit.
Bei der Botschaft angekommen, lief Firina los um eine Schlafmatte zu besorgen, während Briana aus einem langen dicken Brett, Stöcken und Seilen eine Trage baute und diese am Sattel ihrer Stute befestigte.

Als Firina zurück kam, hieften die beiden Frauen unter hefttigem Keuchen, denn Mann vom Tisch auf die Trage und begaben sich auf den Rückweg zum Hof.
Vorsichtig führte Briana das Pferd um jegliche Unebenheit des Bodens herum, um dem Verwundeten auf der Trage so wenig wie möglich Schmerzen zu bereiten.

Am Hof angekommen standen die beiden Frauen vor einem großen Problem, sie mussten den Verwundeten eine steile Treppe hinauf in das Haus tragen.
Seuftzend überlegte Briana wie das am besten an zu stellen sei. Nach langem Überlegen hatte sie schließlich eine Idee. Sie band den Verwundeten auf der Trage fest, legte sich die Seile der Trage um die Brust, stellte sich auf die erste Treppenstufe und bat Firina die Trage von hinten zu schieben.

Briana lief also Schritt für Schritt die Treppe hinauf und zog dabei die Trage mit sich, während Firina von Unten nach schob.
Oben angekommen ließen sich die Frauen erschöpft auf den Boden fallen. Briana hatte dicke rote Striemen, dort wo die Seile eingeschnitten hatten und auch Firina hatte sich die Hände aufgeschürft.

Nachdem sich die Frauen eine Weile erholt hatten, brachten sie die letzte Anstrengung auf, uns betteten den Verwundeten auf die Schlafmatte, stellten ihm Licht und Malzbier neben das Bett und verließen ihn dann, damit er sich ausruhen könne.

Am nächsten Tag dann endlich, konnten sie ein Bett erstehen, legten den Mann behutsam hinein. flößten ihn erneut Schlaftrunk ein und begaben sich wieder an ihre Arbeit.

Verfasst: Dienstag 28. September 2010, 00:22
von Richard Lohengrinn
Die Zeit verging und Richard gelang es, sich in der Obsorge Brianas und einiger patenter Heilkundiger zu erholen.

Irgendwann hörten die pochenden Kopfschmerzen auf, Haut und Fleisch regenerierten und so sah er sich erneut in der Lage seinen Pflichten nachzukommen.

Seinem Antrag auf Bürgerschaft zu Adoran war in der Zwischenzeit stattgegeben worden, er trat in die hiesige Garde ein, seiner Pflicht als wehrfähigem Bürger folgend und schließlich wurde er wider all seiner Erwartungen feierlich auf das Konzil vereidigt.
Zwischen psychotischen Anfällen, Zusammenbrüchen während praktischen Übungen, gelang es ihm doch die ersten Vorlesungen einigermaßen zu überstehen und so sah er sich einer neuen Aufgabe gegenüber, deren Erfüllung jenseits theoretischer Unterrichtseinheiten, seine volle Konzentration erfordern würde.

Von höchster Stelle war ihm aufgetragen worden, ein seltenes Material heranzuschaffen, einerseits für dubiose Studien benötigt, andererseits ein willkommener Test seiner Fähigkeiten.
Es galt Splitter feinsten Bergkristalls zu bergen und den hohen Spektabilitäten zu überreichen.

Erste Schritte führten ihn zum hochgeehrten Alfaran Eibenbruch, der an diesem Tag, ganz untypisch, für die Nöte des jungen Studenten wenig Verständnis hatte, lediglich ein Verweis auf die Werke der hiesigen Schriftsammlung wurde ihm mit auf den Weg gegeben.
Dort wurde das Thema "Minerale" zwar umrissen, jedoch weit weniger erschöpfend als Richard es sich gewünscht hätte und so landete er erneut vor Alfaran, dessen Laune sich inzwischen erheblich gebessert hatte.
Alfaran hieß ihn, den Weg ins Gebirge zu suchen, das sich von Berchgard aus, weit bis in den entfernten Nebelwald erstreckte.
Dort, so Richard nur aufmerksamen Auges war, in den weiten Höhen des Massivs, sollen bisweilen solche Stücke geborgen worden sein.
Mehr noch, Alfaran gab ihm eine alte Spitzhacke mit auf den Weg, um das Gestein besser zu sondieren, so sagte dieser.
In Anbetracht der Vorstellung, die nächsten Wochen über zerklüftetes Gebirge zu ersteigen, schien ihm sogar dieses Entgegenkommen als der blanke Hohn.

Doch der wackere Richard fügte sich in sein Schicksal, schnürte den Ranzen, suchte einen soliden Wanderstecken und eine geeignete Kutsche, die ihn auf schnellstem Weg zu den Ausläufern der Berge bringen sollte, nach Berchgard.

Berchgard, die Ortschaft, welche bekannt war für ihr außerordentliches Schmiedewerk, die reichen Erzadern und eine neugewonnene strategische Bedeutung, an den Grenzen des Reichs, lag in sanfter Abenddämmerung vor ihm.

Ein letzter Rundgang durch den Ort, führte ihn an die Schwelle des hiesigen Handelshauses, dort seine Ausrüstung ausbessern zu lassen und Proviant zuzukaufen.
Doch es kam anders als erwartet, einer plötzlichen Eingebung folgend, dem gesunden Menschenverstand nämlich, wandte er sich in weiterer Folge direkt an Meister Thancred, dem er am meisten Kompetenz anrechnete, eingedenk dessen Leistung Richards Ausrüstung einigermaßen ausgebeult zu halten.
Seine Erkundigung nach den ach so dringend benötigten Kristallen, wurde hier über sogar Gebür behandelt, nicht nur, dass er interessante Fakten erfahren durfte, der Meister überreichte dem erstaunten Richard sogar einen winziges Splitter Kristalls, als seine Ausführung in die Welt der Erze und Mineralien geendet hatte.
Das Gespräch nahm nun eine für Richard sonderbare Wendung; eben noch erleichert darüber, dass ihm der unselige Marsch ins Gebirge erspart blieb, wies ihn Meister Thancred weiter an, den Schrein des Cirmias, einen anscheinend zutiefst spiritueller Ort, aufzusuchen um dort die Kristalle in ihrer natürlichen Umgebung, in ihrer natürlichen Pracht zu erleben.

So kam es, dass sich Richard zu diesem Ort begab und für einige Zeit verschwand...