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Die Tonleiter auf und ab...

Verfasst: Montag 13. September 2010, 11:59
von Talia Markuro
Talia ueberfiel ein erschrekender Gedanke: In den Tavernen dieser Gegend hatte sie in den letzten hundert Umlauefen schon mehrere dutzend Male aufgespielt. Die gleichen Gesichter im Publikum, die gleichen Begeisterten, die gleichen Gelangweilten. Und wie sie zu ihrer Scham gestehen musste... auch immer wieder, die gleichen Lieder!

Talia war von Dorf zu Dorf und von Stadt zu Stadt gereist. Dabei hatte sie ihre Ohren stets offen gehalten. Immer auf der Suche nach einer neuen Idee, einer neuen Geschichte. Wo war sie, die Legende vom grossen Helden? Wo war der derbe Witz, der sie alle zum Lachen bringen wuerde? Talia gierte an allen Ecken und Enden nach Liedern, die ganz still und heimlich darauf warteten geschrieben und gesungen zu werden.

Doch sie beschlich das Gefuehl an diesem Ort schon Alles gehoert und gesehen zu haben. Naechtelang sass sie da und versuchte ein neues Stueck niederzuschreiben. Doch immer und immer wieder blieb das Papyrus leer. Sie verbrachte die langen Sommerabende mit Fingeruebungen auf der Harfe oder ihrer reich verzierten Floete.
Ihrem Spiel war dies nicht abtraeglich. Die Einoede sollte also auch einen Vorteil haben. Ihr Geschick auf den Instrumenten hatte sich im Verlaufe der ideenlosen Umlauefe noch einmal deutlich verbessert. Doch Talia wollte mehr. Sie wollte schreiben und erfinden, Woerter und Toene aneinanderreihen und die entstandenen Verse und Melodien, wie zwei Liebende miteinander verschmelzen lassen.

"Was eine gute Bardin sein will, macht auch aus den unbedeutenden Kleinigkeiten ein bedeutendes Lied..." , murmelte sie leise vor sich hin, waehrend sie auf der mondlicht gefluteten Wiese lag und die Sterne betrachtete. Das hatte ER zumindest stets gesagt...

Verfasst: Montag 13. September 2010, 13:43
von Talia Markuro
Als Talia auf der mondlichtgefluteten Wiese lag und die Sterne betrachtete schlugen ihre Gedanken, wie sie es so oft taten, rasante Purzelbaeume. Sie dachte darueber nach, wie jeder einzelne der funkelnden Sterne, den sie am Firmament leuchten sehen konnte, der Sage nach ein ganz eigenes Lied hatte. Wie wuerden diese Millionen Lieder wohl klingen? Und hatten die Sterne wohl auch manchmal Schwierigkeiten sich fuer eine Melodie zu entscheiden?

Talia schuetellte ihren Kopf und die blonden Haare fielen ihr dabei ins Gesicht. Ein kurzer, gekonnter Luftstoss, den Talia zwischen den Lippen hinauspresste, liess sie wieder ungehindert sehen. Selbst ER hatte niemals Probleme gehabt eine Melodie zu finden oder ein Lied zu schreiben. Wie in Eluives Namen sollte es dann den Sternen so gehen?

Ihre Gedanken kamen zu einem raschen Stillstand. Sie erinnerte sich genau. ER war es gewesen, der Talia auf den Weg der Bardin gefuehrt hatte. Sie war gerade 10 Sommer jung, als sie ihn das erste Mal aufspielen sah.

Verfasst: Montag 13. September 2010, 14:20
von Talia Markuro
Talia erinnert sich...

Es war ein heisser Tag gewesen. Langsam verschwand die Sonne am Horizont und die geschwind entstehenden Schatten, brachten fuer die Menschen die ersehnte Abkuehlung. Talia bemerkte, dass immer mehr Menschen ihre Haeuser verliessen und auf der "Hohen Strasse" in Richtung "Rostiges Ross" schlenderten. Talia hatte geoert, dass heute ein Barde in der Stadt sei. Nein, sie hatte gehoert, dass heute DER Barde in der Stadt sei. Adrej Brusque eilte sein Ruf geradezu voraus.

Tagelang schon war er das Thema um welches sich alle Gespraeche auf dem Markt zu drehen schienen. Junge Frauen schwaermten in hoechsten Toenen von seiner umwerfenden Wohlgestalt, Maenner lobten ihn als den Meister des derben Witzes. Gelehrte sprachen ihm eine Weisheit zu, die "wohl nur ein aussergewoehnlich erfahrener Barde wie er...oder eben einer der Unsren" zu haben vermag, Krieger lobpudeten seinen Mut und seine Heldenlieder. Die Stadt war in Aufruhr.

Noch nie hatte Talia etwas Vergleichbares erlebt und ohne Adrej Brusque jemals gesehen, geschweige denn gehoert zu haben, hatte sie in das Brodeln der Geruechtekueche mit eingestimmt. Immer wieder versuchte sie ihren Eltern von diesem faszinierend Mann zu erzaehlen, der die Menschen in derartige Vorfreude versetzte. Doch ihre Eltern machten sich nichts aus Musik und wollten nichts von einem "dahergelaufnen Lautenbettler" wissen.

Talias Vater Arthur Markuro, ein einfacher Fischer, dachte nicht im Traum daran sich an diesem Abend einen Barden in einer Taverne anzuhoeren und dafuer auch noch ein Tuergeld zu entrichten. Die Faenge der letzten Umlauefe waren mager und die Miete stand an. Die Fantasterei seiner Tochter tat er mit einem Kopfschuetteln ab und meinte brummend: "Das Liederhoeren fuellt nicht deinen Bauch!"

Er hatte Recht. Das wusste selbst Talia. Und dennoch war ihr Verlangen, den Barden zu sehen, brennend und ungebrochen...

Verfasst: Montag 13. September 2010, 16:22
von Talia Markuro
"Aber Vater, ich habe alle Hausarbeit erledigt. Lass mich doch wenigstens gehen und einen kurzen Blick erhaschen!" Hätte Arthur Markuro gewusst, wohin dies noch führen sollte, wäre seine Antwort wohl gänzlich anders ausgefallen. Doch schließlich war er Fischer und nicht Hellseher und so meinte er mit tiefer, grummeliger Stimme: "Nun gut. Dann geh halt! Aber nur ein kurzer Blick..." Doch Talia hörte ihn schon nicht mehr. Beim Wort "geh" stürzte sie schon aus der Tür bevor ihr Vater es sich noch anders überlegen würde.

Die Taverne platzte aus allen Nähten. Selbst im Türrahmen unter der rot-braunen Pferdefigur, die dem Namen der Taverne alle Ehre machte, drängelten sich die Menschen. Als Talia an der Wirtschaft ankam, beendete der Barde gerade eines seiner ersten Stücke des Abends. Das kleine blonde Mädchen wurde mit einem tosenden Applaus empfangen. Mehr Hände als Sommersprossen in Talias Gesicht klatschten inneinander als sie ankam. Doch natürlich galt der Jubel nicht ihr, sondern dem stets gefeierten Adrej Brusque.

Talia versuchte durch die Beine der Leute hindurchzuschauen - doch alles was sie sah, waren ein Gewirr aus weiteren Beinen, die entweder den Zuschauern oder den Tischen der Taverne gehörten. Doch so schnell gab die kleine Markuro nicht auf. Ohne ein Ziel im Kopf zu haben, fing sie an die Taverne von außen zu umrunden. Und da zeigte sich auch schon ihre Gelegenheit - ein Fenster! Um richtig sehen zu können, kletterte Talia auf einen Zaun.

Ihr Unterkiefer fiel geradezu nach unten, als sie in die Taverne blicken konnte. Talia war überrascht. Der Mann, der von vielen Menschen umgeben, auf dem kleinen Podest saß, entsprach so gar nicht ihrer Vorstellung. Der Barde, den die jungen Dinger der Stadt doch tatsächlich angierten, war für Talia alles Andere als ein ideales Mannsbild. Sein Gesicht offenbar seit Wochen unrasiert, die Fingernägel der rechten Hand für Talias Geschmack viel zu lang und sein Bauch erzählte laut die Gesichte von Bier und Braten. Er war nicht häßlich, doch Talia fand auch keinen besonderen Gefallen an ihm. Doch was wußte sie schon, sie war ja noch jung.

Während Talia noch in Gedanken war und den Barden argwöhnisch beäugte, setzte dieser zu einem weiteren seiner Lieder an. Einem ruhigen, melodiösen Vorspiel auf der Laute folgte eine Stimme, die Talia augenblicklich aus ihren Gedanken riss und ihr erneut den Kiefer aufklappen ließ. Fast vergaß sie zu atmen, während sie Adrej Brusque nun zum ersten Mal wirklich singen hörte. Das Lied erzählte ihr von einer verlorenen Liebe und sowohl Worte als auch Töne wehten eine Welle der Trauer zu Talia. Als der letzte Ton verklungen und das letzte Wort des Liedes gesungen war, hatte das junge Mädchen Tränen in den Augen. Tränen der Trauer und der Freude mischten sich auf Talias Wangen und dennoch lächelte die junge Markuro während sie den Blick nun nicht mehr vom Barden lassen konnte.

Verfasst: Montag 13. September 2010, 16:51
von Talia Markuro
"... verehrtes Publikum, ich werde jetzt mein letztes Stück spielen! Und diesmal wirklich!" Die Gäste der Taverne lachten schallend aus, als Adrej Brusque zum vierten Mal ankündigte seine Darbietung nach einem Lied zu beenden. "Es war mir eine wahre Freude heute hier bei euch zu sein, meine Freunde." Die Stimme des Barden war auch, wenn er nicht sang, überaus warm und angenehm. Ein wahrer Sympathieträger - die Zuschauer hatten ihn geliebt und den ganzen Abend aufmerksam an seinen Lippen gehangen. Auch Talia hatte sich seinem Charme nicht entziehen können und nun lauschte sie aufmerksam den letzten Klängen des Abends.

Sie stand mittlerweile auf dem Zaun und bewegte sich im Takt der Musik leicht hin und her. Das letzte Stück des Barden war schnell und erzählte bildreich von seinen eigenen Reisen. Talia bewegte sich immer schneller und ausgelassener. Längst hatte sie vergessen, dass sie ihren Vater nur um einen kurzen Blick auf den Sänger gebeten hatte.

Auf einmal knackte es laut und alles ging ganz schnell. Ein Balken des Zauns war gebrochen und Talia fiel kopfüber auf den Boden. Sie blieb liegen und ließ sich viel Zeit sich umzudrehen, als sie wieder zu sich gekommen war. Als sie die Augen öffnete, konnte sie eben jenen kaum trauen. Über ihr stand niemand Geringeres als Adrej Brusque.

Der Barde selbst guckte sie pfeiferauchend von oben an. Er war alleine nach draußen gekommen um sich nach seiner Darbietung zu erholen. Er blickte Talia direkt an ohne seine Miene zu veriehen und meinte dann mit warmer Stimme:

"Du schuldest mir 20 Taler."

Talia guckte ihn entgeistert an und wagte es kaum ihren Mund zu öffnen. Als er sie jedoch weiterhin wartend anblickte, sprach sie leicht stotternd:

"Ich dachte ein Barde verlangt nicht nach Gold... und wieso soll ich euch etwas schulden?"

Der Barde antwortete: "20 Taler Türgeld waren vereinbart. Der Wirt vom rostigen Ross hat es mir zugesagt." Seine Stimme war ruhig, aber streng.

"Aber ich habe keine 20 Taler. Ich habe ja nichtmal einen Taler", entgegnete Talia leicht panisch.

Brusque formte ein paar exaxt gleichgroße Ringe mit dem Rauch seiner Pfeiffe und blickte das blonde Mädchen weiterhin an ohne zu lachen. Er schien zu überlegen und meinte dann ruhig: "Sing mir ein Lied."

Talia wurde jetzt noch panischer. Sie sollte ihm ein Lied singen? Ihm den berühmten Barden, der gerade noch die Massen begeistert hatte? Sie war jung, verängstig und aufgeregt. Das einzige Lied, welches ihr in den Sinn kam, war das Lied welches ihre Mutter noch gestern Abend vor dem Einschlafen gesungen hatte.

Mit zittriger Stimme setzte Talia nun an:

"Nimm meine Hand und schlaf ein - mach deine Augen nun zu
Nimm meine Hand und schlaf ein - komm auch du langsam zur Ruh
Nimm meine Hand und schlaf ein - die Nacht ruft ganz leise nach dir
Nimm meine Hand und schlaf ein - keine Angst... ich bin morgen noch hier"

"Du kannst auhören. Lausig!", meinte er ruhig und nachdem der Barde erneut einen Zug aus der Pfeiffe genommen hatte, drehte er sich um und ging.

Verfasst: Montag 13. September 2010, 17:45
von Talia Markuro
Doch nun regte sich der rebellische Geist in der kleinen Talia und sie ging dem Barden, wutstapfend, hinterher und hielt ihn an seinem Ärmel fest.

"Ich war aufgeregt und ihr habt mir Angst gemacht... und ich habe keine Taler... und ich wußte nicht was ich singen soll... und meine Stimme ist lausig... und...und..." Talia musste Luft holen.

"Deine Stimme ist mitnichten lausig. Recht angenehm sogar", meinte Adrej Brusque schulterzuckend.

Talia war verwirrt. "Aber ihr habt doch... ihr habt doch gesagt ich wäre lausig!"

Erneut zuckte der Barde mit den Schultern. "Die Darbietung war lausig. Kein Leben in deinen Augen. Dabei sind deine Augen zum Funkeln gemacht. Deine Stimme hat gezittert. Keine Geschichte. Wieso sollte ich mich für das Lied interessieren. Die Intonation ganz gut, die Aussprache dagegen eine Katastrophe. Du verschluckst deine Enden. Daher: Lausig."

Talia war, was in ihrem Leben nicht häufig passierte, sprachlos und stierte zum Bärtigen hoch.

Der Barde wollte gerade wieder gehen, da zog Talia ihn erneut am Ärmel. Dieses Mal sprach sie ruhiger zu ihm. "Ich möchte es lernen Herr Brusque."

"Es lernen?", fragte der Mann sie nun. "Ein Lied zu singen, meinst du?"

Talia nickte heftig und ihre Wangen samt aller Sommersprossen erröteten leicht. "Ja ich möchte lernen Lieder zu singen, sie zu machen - wie ihr! Das Bardentum!"

Zum ersten Mal lachte Adrej Brusque nun, seit er seinen Auftritt beendet hatte. "Das Bardentum, ja? Nein, Nein...", er lachte und nahm einen großen Zug aus seiner lieblich duftenden Pfeiffe. Talias Lächeln hatte sich rasch von ihrem Gesicht gestohlen. Doch der Barde sprach weiter: "Ein Lied zu singen, das kriegen wir schon eher hin." Talia, die sich um den Unterschied nicht zu scheren schien, fing sogleich wieder an zu Lächeln. "Wenn du es ernst meinst, mein Kind, mit deinem Wunsch dann höre genau zu. Ein Lied braucht eine Melodie! Ganz einfach oder? Nein! Denn ein Lied braucht die richtige Melodie! Und ein Lied braucht einen Text! Ich gebe dir eine Aufgabe, mein Kind: Erfinde ein Lied mit Text und der richtigen Melodie."

Talia wurde aufgeregt, hatte sofort ein Dutzend Fragen und es schoss geradezu aus ihr raus: "Aber wie erfinde ich denn ein Text... und wie weiß ich wann die Melodie passt und..." Doch der Barde unterbrach sie: "Du sollst zuhören. Also...deine Aufgabe: Erfinde ein Lied mit Text und der richtigen Melodie! Und wenn du die Melodie ganz deutlich im Kopf hast, dann lernst du sie hierrauf zu spielen." Als der Barde nun in seine Tasche griff, machte Talia große Augen. Adrej Brusque holte ein Tuch aus Samt aus seiner Tasche und überreichte es Talia. Sie schlug das Tuch rasch auf und fand zwei, reich verzierte, Stücke aus Holz. Beide schienen inneinander zu passen und Eines hatte Löcher auf einer Seite.

Talia setzte erneut an zu fragen, doch der Barde hob einen Finger und deutete ihr an zu Schweigen. "A-a-a... Ich kann es dir nicht sagen. Du musst selber sehen ob es in dir ist. Wenn du meinst, deine Aufgabe erledigt zu haben, treffe mich hier."

Adrej Brusque überreichte Talia einen Zettel, auf dem sowohl ein Datum, der Name des nächst gelegenen Ortes als auch "Zum saufenden Eber" stand und nickte ihr zu. Erneut ging er nun von Talia fort und das junge Mädchen blieb stehen.

Talia betrachtete verträumt die Verzierungen auf den Hölzern als ihr Lächeln gefror und ihr einfiel, worum sie ihren Vater gebeten hatte. "Ein kurzer Blick", wiederholte sie leise. Sie schlug das Tuch aus Samt um ihr Geschenk und machte sich laufenden Schrittes auf nach Hause.

Nach wenigen Momenten, hielt sie jedoch erneut inne und drehte sich um. "Habt Dank Herr Brusque!", rief sie dem Barden nach. Dieser hob nur eine Hand, ohne sich nach ihr umzusehen. Erneut fing Talia an zu laufen. Und dieses Mal hörte sie nicht auf, bis sie zu Hause angekommen war.

Verfasst: Donnerstag 23. September 2010, 14:42
von Talia Markuro
Noch immer in Erinnerungen schwelgend, denkt Talia an ihre erste eigene Melodie zurueck...

Seit sie den Barden Adrej Brusque getroffen hatte, sass Talia nun jeden Abend am Fluss. Spielerisch hatte sie begonnen, mit dem Holz, das ihr der Barde geschenkt hatte, die ersten Toene zu floeten.

Ihre Finger waren noch recht ungelenk. Und auch ihren Lippen fehlte es an der noetigen Technik. Am Anfang wusste sie eigentlich gar nicht so richtig, was sie machen sollte. Als sie die Floete das erste Mal zusammengesteckt und an ihre Lippen gefuehrt hatte, kam nicht mehr als ein lautes und hohes Quitschen zu Stande. Ein Lied zu kreieren und ein Instrument zu lernen schien noch mehr Arbeit zu sein als sie sich vorgestellt hatte.

Zumindest eine Melodie hatte Talia sich schon ausgedacht. Es war beim Schrubben der Kuechendielen passiert. Ganz unbewusst. Als sie, auf dem Boden knieend, mit der Buerste kraeftig vor und zurueck schrubbte, hatte sie die Tonfolge auf einmal im Kopf. Kurz darauf begann sie schon sie zu pfeiffen. Eine froehliche Melodie, die an manchen Stellen ganz deutlich an das Gezwitscher von Voegeln erinnerte. Talia mochte ihre "Erfindung" sehr gerne.

Immer wieder ertappte das junge Maedchen sich in den naechsten Tagen, wie sie ihre este, eigene Melodie pfiff. Beim Putzen, vor dem Schlafen gehen und sogar beim Klogang blieb es nicht aus.

Auf der Floete wollte ihr die Melodie jedoch nichteinmal im Ansatz gelingen. Sie uebte zwar jeden Abend und nach und nach wurde aus dem schrillen Quitschen auch der ein oder andere schoene Ton, doch wie sie jemals eine ganze Melodie auf der Floete spielen sollte, war Talia unvorstellbar.

Doch die junge Fischerstochter gab nicht auf. Immer wieder dachte sie sich neue Uebungen aus um sich selbst beim Lernen anzuspornen. Besonders ihre Finger und ihre Atmung wollte sie baendigen, denn sie hatte fuer sich ausgemacht, dass diese am wichtigsten seien.

Bei mancher Uebung, die sich Talia ausgedacht hatte, kann die Nuetzlichkeit fuer das Floetenspiel und Singen jedoch bezweifelt werden. So hielt das junge Maedchen ueber mehrere Umlaeufe doch glatt jeden Abend mehrmals ihren Kopf im Fluss so lange unter Wasser bis sie nicht mehr konnte oder lehnte sich im Handstand gegen einen Baum und fing an zu singen.

Andere Uebungen, das bemerkte auch Talia, halfen ihr mehr. Immer wieder bewegte sie ihre Finger in einer festgelegten Reihenfolge auf ihrer Floete. Erst vorwaerts, dann rueckwaerts. Und je mehr sie dies uebte, desto mehr schienen sich ihre Finger an die Wege auf der Floete zu gewoehnen.

Schon nach sieben Umlaeufen konnte sie beginnen, die Reihenfolge etwas schwieriger zu machen und sie bemerkte, dass dadurch auch die einzelnen Toene, die sie spielte langsam sauberer wurden.

Noch war etwas Zeit, doch der Tag an dem Adrej Brusque im Saufenden Eber auftreten wuerde, rueckte langsam aber sicher naeher. Und Talia war wild entschlossen, dem Barden dann ihr erstes, eigenes Lied zu praesentieren.