Homo Lucien
Verfasst: Freitag 9. Dezember 2005, 22:11
Werter Gildenmeister,
Es ist noch keine ganze Woche vergangen, seitdem ich Khorfu verlassen habe, um in Varuna ein neues Leben zu beginnen und schon verspüre ich den starken Drang, euch zu schreiben. Es sind soviel neue Eindrücke und Erfahrungen die ich nicht einzuordnen vermag, geschweige denn, fähig bin, sie hier niederzuschreiben. Mit jedem Tag, den ich in Varuna verbringe, steigt die Ungewissheit, steigt das Gefühl, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Mittlerweile frage ich mich… ob es richtig ist, was ich tue.
Vor wenigen Tagen habe ich eine Frau getroffen. Sie war in roten, orientalischen Gewändern gekleidet, ein üppiger Schleier verdeckte die Hälfte ihres dunkelhäutigen Gesichts. Ich habe mich mit ihr unterhalten, einfach nur unterhalten. Dann stellte ich mich vor, und plötzlich begann sie sich tief vor mir zu verneigen, einfach so, mitten in der großen Bankhalle. Versteht ihr? Sie hat sich vor mir verneigt… es ist so…
Nach all den Jahren in Khorfu… bin ich etwas. Plötzlich ein Mensch, kein Mensch der vor sich hin lebt, vielmehr ein Mensch, der verehrt wird. Und obgleich man denken mag, mir könne nichts Besseres widerfahren, habe ich Angst… unendlich große Angst.
Dann geschah es. Ein unbeschreiblich schöner Moment der an einer unscheinbareren Gegend nicht hätte stattfinden können. Gestern Abend wollte ich in der Taverne von Bajard einen letzten Rotwein genießen, bevor ich zu Bett ging. Da traf ich ihn, unbedeutend, ganz in Rot gekleidet. Nur durch einen Zufall kamen wir ins Gespräch, doch seine Worte bereiten mir noch heute eine Gänsehaut. Er hatte sich selbst als Freigeist bezeichnet, und nur für dieses Wort hätte ich ihn küssen können.
Alles was er erzählte war so ehrlich und wahr… er sprach mir aus der Seele. Doch je länger er aus seinem Leben erzählte, desto schäbiger fühlte ich mich. Seht, sein Leben ist einfach und trotzdem unfassbar interessant. Er ist sich seines eigenen Wesens bewusst, er leugnet seine Identität nicht. Er ist ein Freigeist. Bin ich ein Freigeist?
Ich werde ihn wieder sehen… ich muss ihn wieder sehen, selbst wenn er nur dazu geeignet ist, mich auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen.
Aykira von Vynterstein
Es ist noch keine ganze Woche vergangen, seitdem ich Khorfu verlassen habe, um in Varuna ein neues Leben zu beginnen und schon verspüre ich den starken Drang, euch zu schreiben. Es sind soviel neue Eindrücke und Erfahrungen die ich nicht einzuordnen vermag, geschweige denn, fähig bin, sie hier niederzuschreiben. Mit jedem Tag, den ich in Varuna verbringe, steigt die Ungewissheit, steigt das Gefühl, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Mittlerweile frage ich mich… ob es richtig ist, was ich tue.
Vor wenigen Tagen habe ich eine Frau getroffen. Sie war in roten, orientalischen Gewändern gekleidet, ein üppiger Schleier verdeckte die Hälfte ihres dunkelhäutigen Gesichts. Ich habe mich mit ihr unterhalten, einfach nur unterhalten. Dann stellte ich mich vor, und plötzlich begann sie sich tief vor mir zu verneigen, einfach so, mitten in der großen Bankhalle. Versteht ihr? Sie hat sich vor mir verneigt… es ist so…
Nach all den Jahren in Khorfu… bin ich etwas. Plötzlich ein Mensch, kein Mensch der vor sich hin lebt, vielmehr ein Mensch, der verehrt wird. Und obgleich man denken mag, mir könne nichts Besseres widerfahren, habe ich Angst… unendlich große Angst.
Dann geschah es. Ein unbeschreiblich schöner Moment der an einer unscheinbareren Gegend nicht hätte stattfinden können. Gestern Abend wollte ich in der Taverne von Bajard einen letzten Rotwein genießen, bevor ich zu Bett ging. Da traf ich ihn, unbedeutend, ganz in Rot gekleidet. Nur durch einen Zufall kamen wir ins Gespräch, doch seine Worte bereiten mir noch heute eine Gänsehaut. Er hatte sich selbst als Freigeist bezeichnet, und nur für dieses Wort hätte ich ihn küssen können.
Alles was er erzählte war so ehrlich und wahr… er sprach mir aus der Seele. Doch je länger er aus seinem Leben erzählte, desto schäbiger fühlte ich mich. Seht, sein Leben ist einfach und trotzdem unfassbar interessant. Er ist sich seines eigenen Wesens bewusst, er leugnet seine Identität nicht. Er ist ein Freigeist. Bin ich ein Freigeist?
Ich werde ihn wieder sehen… ich muss ihn wieder sehen, selbst wenn er nur dazu geeignet ist, mich auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen.
Aykira von Vynterstein