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Ein Stück einzigartiger Symphonie

Verfasst: Montag 2. August 2010, 12:29
von Demoar Llastobhar
Eigentlich war er ja nur herab gegangen, um sich einen dieser herzerweichenden Schinken aus dem Regal zu greifen und sich die Abendstunde auf dem Balkon bei einem Glas warmer Milch gemütlich zu gestalten. Obgleich diese Bücher nicht zu der standardmäßigen Lektüre eines Magiers gehörten, waren sie eine willkommene Abwechslung und ein angenehmer Zeitvertreib für die lauen Abendstunden, die er dieser Tage allein in der Residenz derer von den Nebelauen verbrachte.
Seit seiner Ankunft hatte er weder Mara noch Finja wiedergesehen - wobei er Finja ohnehin lange Zeit schon vor seiner Abreise nicht mehr gesehen hatte. Er hatte den Verdacht, dass sie zurück zu ihrem Vater gereist war. Und doch - als er sich während seiner Reise nach Tiaresh zu Una und Feoras wieder einmal auf einen Abstecher zu Finja und Maras Vater begab, wusste auch er nichts über den Verbleib seiner Handwerklich geschickten Tochter. Ein gewisses Unbehagen hatte diese Nachricht in Demoar ausgelöst. Wer weiß, wo sie abgeblieben war. Immer hatte der Schatten der Angst vor einem Unglück, das ihr widerfahren hätte seien können, am Horizont geschwebt.
Und so saß er die letzten Tage oft auf dem Balkon, blickte hinab auf die nur wenig belebte Straße des Adelsviertels und vertrieb sich die Zeit mit seichter Belletristik.

Wen hatte er im Grunde wiedergesehen, seit er wieder angekommen war?
Über Alindra war er gewissermaßén gestolpert, als er das erste Mal wieder das Konzil betrat. Alfaran hatte ihn mit einem freudigen Lächeln wieder willkommengeheissen, wie man es von Menschen sieht, die ein Wiedersehen mit alten Erinnerungen und Freude verbinden können. Und kurz darauf hatte er auch Alindra entdeckt. Dort saß sie auf dem Prüferstühl und nahm einen Prüfling in die Mangel - es war eigenartig zu beobachten, wie diese Frau sich zu einer gestandenen Akademieleiterin gemausert hatte. Noch später ertappte er sich dabei, zu versuchen, sich zu entsinnen, wann er sie eigentlich das erste mal getroffen hatte und wie ihr Treffen verlaufen gewesen war. Er konnte es nicht - es musste wirklich lange her gewesen seien.
Natürlich konnte er nicht umhin, die Gunst der Stunde zu nutzen, um selbst ein paar Fragen zu den Thematiken einzustreuen. Gleich fühlte er sich wieder von seiner Vergangenheit eingeholt - dieses Leben in der Akademie, Wissen zu vermitteln und im Nachhinein zu prüfen, ob die Vermittlung fruchtete - diese Leben hatte er zu schätzen gelernt und erst jetzt spürte er, wie sehr es ihm während seiner Reise gefehlt hatte.
Alfaran wusste ihm den neuesten Klatsch zu berichten; wie merkwürdig, dass Menschen, die den lieben langen Tag die Akademie hüten, trefflich über aktuelle Geschehnisse und Ereignisse informiert sind.

Und doch, so hoffte er, würde auch er sich bald wieder eingelebt haben, und altbekannte Gesichter vorfinden, Erinnerungen aufleben lassen können - und mit diesem Gedanken wollte er gerade den Griff nach dem dicken Schinken vollenden, als sachtes Geräusch seine Aufmerksamkeit aus den Gedanken riss. Noch eine Sekunde verharrte er in Unbeweglichkeit und lauschte, ehe er sich gerade wieder den Erlebnissen der letzten Tage hingeben wollte, als ein neuerliches Klirren aus der Küche an sein Ohr drang. Glas borst auf dem Boden - so hörte es sich zumindest an.
Er zog die Hand zurück, nur um statt eines Buches gleich Platz für eine gefährlich züngelnde Flammensphäre zu machen. "Wer ist da?"

In der Küche stand eine in einen Mantel eingehüllte Gestalt, das Gesicht verdeckt durch eine Kapuze. Der Mantel war regennass, und hing schwer auf den schmächtigen Schultern der Gestalt. Über weitere Merkmale konnte Demoar keine Aussage treffen, Haare, Augen und die gesamte Gestalt wurden förmlich von Stoff verschluckt. Erst als sie sich zu ihm umwandte, konnte er ein wenig ihres Gesichtes erkennen, den die tiefe Kapuze nicht zu fassen vermochte.
Der Argwohn in Demoars Augen stieg noch mehr an... Und dann sprach eine dünne Stimme seinen Namen. Als die Gestalt die Kapuze herabzog, erkannte er ein ihm nur allzuvertrautes Gesicht...