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Von Berchgard, Balir, Bier und 'nem Stadttor...

Verfasst: Samstag 31. Juli 2010, 19:05
von Balir Felshammer
Schon von weitem war wohl das Getrampel der schweren Stiefel und das kalurische Gerede... naja... Gerufe... Gegröhle von wohl so einigen Khaz-Aduir in den Stollen Berchgards zu hören. Es musste schon eine ganze Menge von den kleinen Kindern des Berges sein um einen Lautstärkepegel wie diesen zu erschaffen. Skeptisch und wohl auch etwas ängstlich, richteten die langbeinigen Bergleute ihre Blicke in die Richtung, in die oft Zwerge weiter in den Berg latschten. Vergebens... Langbeinaugen sind einfach nicht für diese Lichtverhältnisse gedacht. Der Seitenarm des Stollens bot einfach kein ausreichendes Licht um vernünftig zu sehen was dort vor sich ging. Marschierten die Khaz-Aduir in den Krieg? Mal wieder? Wollten sie die Bierreservern Berchgards... oder, der Lautstärke nach, des gesamten Reiches plündern? Neugierig wandten sich die Bergarbeiter mit ihren Fackeln dem Getöse zu und kaum traf der erste Fackelschein auf das Gitter mit den Zwergenwachen davor, da flog dieses auch schon in gewohnter Manier auf. Vier Fuß und zwei Finger Höhe (und augenscheinlich wohl mindestens soviel Breite) an Zwerg stapften brummelnderweise und einige Kommandos bellend durch das Gatter. Der Tross schien zum Stehen gekommen zu sein. Das Knallen der Stiefel stoppte und es wurde den Gehören der Bergleute eine kleine Ruhepause gegönnt. Der Zwerg mit den knallroten Haaren beäugte, mit einer Mischung aus Skepsis, Argwohn, Ärger und abmessendem Blick, das Tor welches er eben druchschritten hatte. In einem sehr tiefen, resignierten und aufgebrachten Ton brummte er in das Dunkel hinter dem Tor... und wohl zu der Allgemeinheit... "Da! Sag ich ja! Son Scheiß kann sich doch nur nen Langbein ausdenken! Ob der Depp, der das Teil da eingesetzt hat schon ma unsere Stadt gesehen hat?!?!?! Wohl nich!". Diese Feststellung brachte ihm verwirrte und teils beleidigte Blicke der Minenarbeiter ein, allerdings konnten sie ihrem Missmut gegen diesen Zwergen keinen Ausdruck verleihen, denn sofort folgte ein kräftig gebelltes "GRABUNGSTRUPP VOOOOOOOOR!!!". Einige Zwerge mit Spitzhacken, Hämmern, seltsamen Werkzeugen und diversen undefinierbaren Gegenständen rückten an. Zwei schlugen die Halterungsbolzen aus dem Tor, zwei Andere hoben die Tür aus den Angeln, wieder zwei entfernten die Gitter aus der Mauer... naja... rissen wohl eher... und der Trupp von sechs Zwergen mit den "ausgebauten" Toren setzte sich Richtung Minenausgang in Bewegung. Keine Zeit war zu verlieren und die nun recht verwirrten Bergleute schauten sich das Spielchen fragend an. Eine Antwort sollten sie zwar nicht bekommen, aber wenn sie schon da rumstanden... "Heda! Ihr alle da! Mithelfen! Da..." ein Fingerzeig des Zwerges gen Mauer in der eben noch die Tore eingesetzt waren "die Mauer muß weg... JETZT!" Jedem wurde... vielleicht zur Motivation... eine kleine Flasche zugeworfen. Auf dem Etikett waren ein paar kalurische Zeichen aufgemalt. Wenigstens folgte zu den Flaschen eine kleine Erklärung. "Für nach der Arbeit als verdienten Lohn! Aber nicht zu schnell saufen, dat haut Euch um!" schallte es aus der tiefen Kehle des Zwerges. Emsig fielen schon einige Zwerge über die Hölenwand und die Mauer her. Einige rissen ein, verbreiterten und gruben, andere schafften das Geröll weg. Für jemanden, der noch nie einen Grabungstrupp der Zwerge in Aktion gesehen hat, muß dieses Schauspiel überwältigend gewirkt haben. Auf den ersten Blick ein Chaotisches Treiben von anscheinend aberhunderten kleinen, geschickten Händen, auf den zweiten Blick aber ein straff und sehr gut durchorganisierter Haufen in dem jeder wusste, was zu tun war und auch wann. Nachdem einige der Bergleute wohl den rumkommandierenden Zwergen als Balir erkannten, halfen ein paar bei dem Unterfangen. Schließlich war Balir derweil in der Mine auch zu einiger Bekanntheit gekommen und zählte schon viele der Bergleute zu seinen Freunden. Nach einer ganzen Weile des Grabens und verbreitern des Ganges musterte Balir den nun größeren Durchgang. Ein knappes Nicken bestätigte wohl seine Abschätzung und er brüllte ein gut verständliches "HAAAAAAAAALT! GRABUNGSTRUPP, AUFRÄUMEN UND ABTRETEN!". Der Chaotisch wirkende, aber sehr gut organisierte Zwergentrupp stellte unverzüglich das Graben ein, schaffte in ungeahnter Geschwindigkeit das letzte Geröll weg und verschwand erneut im Dunkel des Stollens. Wieder blieben ratlose Blicke der Bergleute übrig, doch auch diesmal war keine Zeit zu verlieren. Balir winkte sie in den größeren Teil der Mine und deutete ihnen an, dichter an die Wände zu treten. Bald schon wurde ihre Neugierde befriedigt und der triftige Grund für das "beiseite Treten" gab sich zu erkennen. "WEITER VOOOOR RÜCKEN!!!" donnerte Balirs tiefe Stimme durch den Stollen, nachdem er sich vergewisserte, daß kein Langbein mehr im Wege stand. Das Knallen der Stiefel und das geschäftige kalurische Gebrabbel fingen wieder an, als wäre es nie unterbrochen worden und so quälte sich der Grund für dieses Unterfangen aus der Dunkelheit, durch den verbreiterten Gang in den beleuchteten Teil der Mine. Ein GEWALTIGES Tor, getragen von unzählbaren Khaz-Aduir, wurde geschickt und ohne irgendwo anzuecken durch die Mine gefädelt, wie ein Faden durch ein Nadelöhr. Balir allen voran. Mit Argusaugen betrachtete er das Treiben und bellte immer wieder Anweisungen, die allerdings für die Langbeiner unverständlich waren. Das Tor selber war nicht ein einziges Teil. Es waren mehrere Teile gleicher Größe, die der Reihe nach durch die Mine geschleppt wurden. Glücklicherweise war der Eingang zur Mine groß genug... wenn man die Kohlerutsche kurzerhand zweckentfremdet und die Lohren aus den Schienen schubst... Die Bergarbeiter erkannten recht bald, daß das, was dort von den Khaz-Aduir durch die Mine manövriert wurde, das brand neue, von meisterlichen Hammerschwingern geschmiedete und durch geschickte Kalurische Hände verzierte, neue Stadttor von Berchgard sein musste. Es wirkte monumental, auch schon so, in getragenem Zustand. Alleine die Tatsache, daß SO VIELE Zwerge es tragen mussten, bezeugte das enorme Gewicht dieses Meisterwerkes. Den meißten Berglauten wird wohl der Atem gestockt haben, beim Anblick dieses unglaublichen Werkes. Doch die Arbeit war längst nicht getan, das wusste auch Balir. An der Oberfläche offenbarte sich die gewaltige Größe der Torsegmente. Und diese in tiefem Rot schimmernden Monster, mussten noch an ihren Platz! Aber erst hatte Balir etwas anderes im Sinn. Kunna gesellte sich kurz zu ihm, nickte als wisse sie schon, was sie vorhabe und flitzte mit ihren kleinen Beinchen irgendwohin. Später würden Andere berichten, was sie so trieb, doch vorerst schaute Balir sich nach den sechs Zwergen um, die noch die Tore der Mine in den Händen hielten. "Hrm... wir könn ja nich alles machen, mrá?" Murmelte er zu sich selber und schien plötzlich eine Idee zu haben. Nachdem er die gewaltigen Segmente quer durch Berchgard manövriert hatte, diese schon mal am Haupttor der Bergarbeitersiedlung angeliefert und auf Holzbalken aufgebahrt waren, gönnte er den Trägern eine Pause. Durch die Mine rollte ohnehin ein weiterer Zwergentrupp. Dieser mit unzähligen Werkzeugen, Karren voller Bierfässer, seltsam anmutende Gerüste und vielerlei Krams, der nicht weiter zu identifizieren war. Anscheinend mussten auch diese erst am Westtor Berchgards ankommen um weiter arbeiten zu können. Diese Pause nutzte Balir um den Sechsertrupp zum Rathaus zu führen. Hier wurde Balir von einem verdattert dreinschauenden Angestellten Herrn Argantas ampfangen, dem Balir gleich eine Hand voll Bolzen und einen Schlüssel in die Hand drückte. Die Gegenstände (im übrigen bis auf den Schlüssel, alles andere als sauber) wurden mit einem skeptischen Blick bedacht, während Balir den Trupp anwies die "ausgebauten Tore" einfach abzuladen. Der Angestellte wirkte bei dem Anblick offenbar überfordert... oder gar entsetzt..., was Balir nicht davon abhielt gleich geschäftig zur Sache zu kommen. "He Du. Vom Anschauen werden die Dinger auch nicht ausgeliefert. Bring den Kram da Deim Chef und sach dem, sein Westtor wird eingebaut, aber unser Tor inner Mine ist leider draufgegangen. Wir brauchen nen neues. Der Gang iss aber schon vergrößert, braucht ihr als nimma machen." Balir wollte sich gerade umdrehen und zur Baustelle tapern, als er noch anfügte "Achja... der Schlüssel da iss für dat Tor. Wird er schon sehen. Also nich verklüngeln, sonst kommt hier keiner mehr rein und raus... naja... jedenfalls von Euch!". Der noch immer sprachlose Angestelle von Herrn Arganta war wohl der Ohnmacht nahe, was Balir kaum verstand ihn aber auch nicht wirklich interessierte. Er stapfte mit dem Sechsertrupp geradewegs zur Baustelle. Schließlich hatten sie noch viel zu tun und Meister Ingosch sollte ja nich denken, Balir wär faul!

An der Baustelle angekommen war das rege Treiben schon in vollem Gange. Die seltsamen Dinge wurden von den Karren abgeladen und nach einer knappen Weile des Aufbaus gaben sie sich als Baugerüst zu erkennen. Mit diesen Dingern mussten die Khaz-Aduir wohl die enormen Deckenhöhen in Nilzadan zu Stande bekommen haben. Eine ausgeklügelte Konstruktion aus Verstrebungen um die wahnsinnigen Gewichte des Gesteins und Metalles gekonnt und gefahrlos abzuleiten. Da das Stadttor allerdings von Menschen gebaut wurde, war dieses Exemplar hier wohl eher eines der kleineren seiner Art. Dennoch durfte der Aufzug, der auf Flaschenzügen basierte, nicht fehlen. Schließlich galt es Unmengen Zwergenbieres zu den Arbeitern in die Höhe zu schaffen, um diese bei Laune zu halten! Gegen Ende des Tages war soweit alles vorbereitet. Das Gerüst stand, der Biervorrat war gesichert, das neue Tor lag friedlich da und wartete auf den Einbau, Werkzeuge, Werkstücke und alles was sonst so gebraucht wurde war an seinen Platz geschafft... Zufrieden nickte Balir beim Anblick der Baustelle. Auch das Gemecker der menschlichen Anlieferer störte ihn herzlich wenig. "Um das dämliche Tor einzubauen, MÜSSEN wir ja wohl da nen Gerüst aufstellen. Was interessiert mich da Deine Lieferung? Versuch halt dich durchzuschlängeln." Bekam ein Zulieferer zu hören, als er aufgebracht fragte was das hier werden solle. Tatsächlich war Balir nicht so desinteressiert wie er sich gab und so war sogar ein... wenn auch recht kleiner... Durchgang für etwaige Lieferungen quer durch die Baustelle eingerichtet. Alles war bereit für die wirkliche Arbeit...

Während Balir mit der Baustelle beschäftigt war, hatte Kunna zur selben Zeit andere Aufgaben. Sie war schnur stracks zum Gasthaus geflitzt und hatte dort das Küchenpersonal heimgesucht... äh... aufgesucht. Sie kletterte in gewohnter Manier auf einen Stuhl um diese vermaledeiten Langbeintische erreichen zu können und rollte eine nicht enden wollende Liste darauf aus. "Nu komm doch ma her Jung!" meinte sie eifrig und zeigte schon auf die Liste. Das Küchenpersonal war wohl überrascht von dem Besuch, aber wagte auch nicht zu wiedersprechen. Der Blick des Koches verharrte auf dem Nudelholz, das Kunna aus ihrem Gürtel gezogen hatte und mit dem sie, ihre Worte unterstreichend, rumwedelte. Langsam näherte er sich und warf selbst einen Blick auf die Liste. "Also, wir brauchen Hölenbrüter, Zottelratten, Biersauce..." und schon zählte Kunna eine Liste an Zutaten auf, von der der Koch nicht annähernd die Hälfte verstand. Nachdem Kunna die Aufzählung beendete, warf er kleinlaut ein "A... aber... wofür denn das alles?". Als hätte gerade jemand behauptet die Welt sei eine Kugel sah Kunna den Mann an. "Na für dat RICHTFEST mein Jung!" wedelte sie erneut mit dem Nudelholz. "W... w... welches Richtfest?" - "Dat Richtfest vom neuen Westtor! Der Ingosch meinte ihr sollt nen richtig großes Fest machen sobald das Teil steht. Balir und noch ne Menge Brüder und Schwestern stellen das Teil gerad auf und deswegen haben wir hier keine Zeit zu trödeln! Nu los, oder biste faul?!?!" Mit diesen Worten und offenbar keinen Wiederspruch duldend, stratzte Kunna vom Stuhl herunter in die Küche und musste mit Erschrecken feststellen, daß alles viel zu hoch war. Mit ihren zwei Fuß und neun Fingern Höhe (78,06cm), war alles von Menschen für Menschen gebaute einfach VIEL zu hoch! Das hielt Kunna aber nicht weiter auf. Zielstrebig taperte auch sie zur Baustelle, krallte sich einige Bretter und Gerüstteile und stapfte zurrück. Mit diesen "Hilfsmitteln" verwandelte sie die Küche kurzerhand in eine zwergengerechte Kochstätte und legte eifrig los. Schnell war die neue Küchenordnung klar. Der Koch und seine Hilfen wagten aber kaum einen Einspruch und fügten sich, wenn auch anfangs wiederwillig, ihrem Schicksal. Nach einigen neuen und interessanten Kocherfahrungen unter der kundigen Hand von Kunna, verflog allerdings der Ärger und die Neugierde, der Drang etwas neues zu lernen und die Freude am Kochen gewannen die Oberhand. Rasch hatte Kunna das Küchenteam auf ihrer Seite und so wurde gemeinsam geschnippelt, gebraten, gekocht und gerührt was das Zeug hielt. Irgendwie schaffte es diese robuste Zwergendame doch immer, die Leute in ihren Bann zu ziehen... und so wurde das Festmal eifrig in Angriff genommen...

So schnell der Tag verronnen war, so schnell kam auch schon der neue. Noch in aller Temoras und Cirmias und wie sie alle heißen Frühe hob sich der Lautstärkepegel über Berchgard. Emsiges Hämmern, Kloppen und allerlei Baulärm weckte das Dörfchen. "Wie machen diese Khaz-Aduir das nur?" schoß sicher dem ein oder anderen durch den Kopf, der unsanft vom Getöse geweckt wurde. "Bis in die Nacht saufen die sich ins Jenseits und trotzdem können die zu so einer barbarischen Zeit schon wieder rumhämmern!". Die Frage war berechtigt und gut. Eigentlich alle Zwerge sind nach der Arbeit am gestrigen Tage noch einen... oder mehrere trinken gegangen und dann stock besoffen in komaähnlichem Zustand in den Schlaf gefallen. Wo sie gingen und standen! Aber diese Frage wird an dieser Stelle wohl nicht geklärt werden! Anders ist es mit der Frage "Was treiben die da schon wieder?!?!", die auch aus so manchem Fenster schallte. Balir stand mit einem Stab aus Holz, der einige Einkerbungen aufwies auf einem Segment des neuen Tores und Brüllte in die Höhe, während er mit den Fingern einen Abstand zeigte. Die, die der kalurischen Sprache mächtig waren, konnten aus dem donnernden, durchgehenden Ton, der wohl ein Satz sein sollte verstehen "SO FETT MUß DIE KERFTE WERDEN, DANN PASST DAT!!". Ja die Khaz-Aduir sind für ihre Präzision berühmt... Also schwang der Zwerg, dem offenbar dieser Satz galt, seinen Hammer und Meißel und schlug eine... Kerfte... wie Balir es nannte, von GENAU dem gezeigten Ausmaß in das Mauerwerk der Stadtmauer. Es wird ein Rätsel bleiben, wie die das hinbekamen... am Ende sollte es aber tatsächlich passen... doch soweit sind wir ja noch nicht. Auf der einen Seite des Tores wurde also schon die Kerbe für die spätere Befestigung geschlagen, auf der anderen Seite frickelte ein anderer Trupp sorgsam die Überreste des alten Tores aus dem Mauerwerk. Ein dritter Trupp war gerade dabei ein marzialisches Gerät zu errichten, daß an einen Tribok erinnerte. Allerdings handelte es sich hierbaei um eine Art Kran, wie sich später zeigen sollte. Wie am Tage vorher auch schon, wirkte der chaotische Haufen erschreckend gut organisiert. Eine Hand arbeitet in die andere und jeder tat, was er zu tun hatte. Präzise, schnell und gründlich. Übrigens war Balir ganz und gar nicht der Polier oder Vorarbeiter. Nein, auch er, als sehr junger Zwerg, musste mit an den Hammer, Meißel, Winde und was auch sonst so anfiel. Er hatte die "Aufsicht" über das ganze Gehabe, weil Ingosch ihn testen wollte (oder wieder zu besoffen war um das selber zu machen?). Jedenfalls wurde Balir die "Leitung" über den Einbau nur übertragen. Aus Alterswegen wäre er noch lange nicht an der Reihe gewesen eine solche Aufgabe zu übernehmen. Wegen dieser Ehre legte er sich auch um so mehr ins Zeug. Schließlich wollte er doch sich selber, Meister Ingosch und den gesamten Khaz-Aduir beweisen, daß auch er ein guter Hammerschwinger ist... oder zumindest werden kann. Außerdem, so sagte er sich selber, wird Cirmias ihn bestimmt für seinen Ehrgeiz belohnen. Aber zurrück zum Geschehen. Der Vormittag wurde damit verbracht die Reste des alten Tores zu demontieren. An den örtlichen Schmieden wurden abgenommene Teile sofort eingeschmolzen und zu Barren verarbeitet, die der Stadt zu Gute kamen. Zeitgleich wurden die neuen Kerben fertig gestellt und die Krahne an ihre Positionen gebracht. Der Nachmittag bot dann den schwersen Teil... das Einpassen der Stadttore. Jeder Zwerg war gespannt auf dieses Ereignis. Immerhin wird nicht jeden Tag ein Monster von Tor in Dienst gestellt. Die äußeren beiden Segmente wurden an die Krane geteut und dann kam der Moment, dem alle entgegenfieberten. Die Krane, die von unzähligen Zwergen über Winden betrieben wurden, spannten die Seile und hieften das erste Segment immer weiter in aufrechte Lage. Die Brücke wurde für Passanten gesperrt. Wenn etwas schief ging, sollten wenigstens keine Unschuldigen dabei draufgehen... zumindest nich, wenn es sich vermeiden ließe. Nach einigen Sanduhren stand das majestätische Teil und viele fleißige Zwerge schickten sich an, es in die vorher ausgemeißelten Kerben zu bringen. Es kostete viel Zeit, Kraft, Nerven und Bier, aber letzten Endes fügte sich das schwere, tiefrote Segment perfekt in die dafür vorgesehene Kerbe. Schnell fixierten die fleißigen Zwerge es in dieser Position mit den Halterungen, die schon auf den Grüsten bereit lagen. Auch hier saß jeder Handgriff. Bis zum Abend war auch das zweite Segment sicher an seinem Platz angelangt. Nun wurde die Brücke links und rechts von schweren, anscheinend massiven Metallplatten mit einigen Verzierungen umschlossen. Es fehlte nur noch die Mitte. Schon im Abendlicht wirkte das riesige, liegende Fallgitter majestätisch. Auch hierauf waren die kalurischen Verzierungen zu erkennen, allerdings würden sie sich erst zu einem Gesamtbild fügen, wenn auch diese Segmente ihren endgültigen Platz eingenommen hätten. Viele der tapferen Khaz-Aduir schienen mit ihren Kräften nach dieser Anstrengung am Ende, also entschid Balir, einen weiteren Tag anzuhängen. Schließlich konnte man sich keine Unachtsamkeit beim Einbau leisten. Alles musste PERFEKT sein! Unverzeihlich, wenn das Fallgitter nicht funktionierte und einen Gegner nicht in zwei Hälften schneidet, weil es irgendwo klemmt und sich verkantet! Naja, auch dieser Abend wurde nach dem Einsetzten des zweiten Segmentes laut, lang und sehr feucht gefeiert...

"Diese kleinen Bastarde..." grummelte es wohl auch an diesem Morgen aus mancherlei Fenster... Die Khaz-Aduir verstenden im allgemeinen nicht, warum Langbeine so lange pennen müssen. Das bisschen Bier und Arbeit und Bier bei der Arbeit... "Kein Grund den halben Tag zu verschwenden! Cirmias hat ja auch nicht nach den Armen aufgehört uns zu schaffen. Der hat auch erst den Bauch drannegemacht und DANN kam erst die Pause! Mit nem Zwergenbier!" Dessen war Balir sich sicher! Der heutige Tag war ein Ärgernis für die Anwohner. Die Brücke war gesperrt. Balir war gereizt. Am liebsten hätte er einfach alle passieren lassen. Sollen sie das Ding doch auf den Deckel bekommen, wenns umfällt. Dann würde er da stehen, lachen und meinen "HAHA! Sag nicht, ich hätte Dich nicht gewarnt!". Die Ungeduld der Langbeine war es schließlich, was ihn so ärgerte. "Die haben doch auch den Luxus REINE Handwerker zu haben... Bei uns müssen selbst DIE kämpfen, was stellen die sich also so an?" brummelte er mißmutig. Allerdings spornte der Mangel an Interesse an weiteren Auseinandersetzungen mit fahrenden Händlern, die im Stillstand waren, ihn dazu an, diese Sache endlich zu Ende zu bringen. Kunna wartete sicher schon mit dem versprochenen Festmal! Also ans Werk. Die Fallgitter waren schwer. Nicht nur schwer, sondern so richtig SCHWER! Die Teile konnten sicher problemlos eine Horde Zweiköpfe spalten... wenn es sein muß. Allerdings wird es da um so komplizierter die Dinger einzusetzten. Klar musste nichts mehr gemeißelt werden. Sie passten ja in die Führungen, die die Seitensegmente hatten... aber aufstellen und an die vorher verstärkten Winden anbringen musste man sie ja auch irgendswie... Und das am liebsten ohne die Brücke zu sehr zu zertrümmern. Die Händler würden sonst ausrasten. Alleine der Gedanke an noch mehr keifendes Weibsvolk was nun EINEN EINZIGEN TAG länger auf Stoff für nen Kleid warten muß, schreckte Balir ab. Nein, definitiv... heute GAB ES EINFACH KEINE FEHLER. Das Fallgitter musste über die Mauer gehoben werden und dann durch den Spalt des alten Gitters hinab in die Halterungen der Segmente gelassen werden... nicht ganz so einfach. Seile wurden um das untere Ende gebunden und die Krane an das obere. Quälend langsam zogen die Winden der Krane das Gitter in die Luft und bei dem Tempo konnte Balir das keifende Weibsstück DEUTLICH in seinem Kopf hören... nein... keine Fehler, bloß nicht! Die unteren Seile wurden durch den Spalt geführt und somit das gesamte Gitter stabilisiert. Hätte es sich verdreht... naja... keifende Weiber... Nach einer langen Zeit und viel Anstrengung von den Zwergen an den Winden schwebte das Gitter über dem Spalt. Die Seile wurden von Zwergen unterhalb der Mauer gestrafft. Allen voran Balir. Würde das Gitter versehendlich herabsausen, würde es vor einem Zwergen nicht anhalten. Dieses Risiko wollte er seinen Brüdern und Schwestern nicht zumuten. Zumindest wollte er einer von denen sein, die draufgehen, wenn er unachtsam war. So konnte er wenigstens einem Bruder oder einer Schwester dieses Los ersparen. Aber soweit wollte er eigentlich nicht denken. Auf der Mauer standen Zwerge, die das Fallgitter behutsam in den Schlitz führten. Unten spannten Balir und einige Andere die Seile, daß das Gitter ruhig in der Luft stand und an den Winden harrten kräftige Zwerge aus um das Gitter oben zu halten. Allen stand der Schweiß auf der Stirn und um so erleichterter waren sie, als ein Khaz-Aduir auf der Mauer ENDLICH entwarnung gab! Das Fallgitter war in den Mechanismus eingeharkt! Es hatte seinen Platz erreicht, in dem es seinen Dienst aufnehmen sollte. Vorsichtig räumten Balir und die Zwerge unterhalb des Fallgitters das Feld. Die Zwerge, die zur Kontrolle auf der Mauer standen und den Mechanismus überwachten nahmen etwas Abstand und dann wurde langsam der Druck aus den Winden der Krane genommen. Mit einem sanften Gleiten senkte sich das Fallgitter, bis es in der höchsten, im Einsatz zu erwartenden Position verharrte. Der Mechanismus hielt! Die Krane wurden nun komplett entlastet und der Mechanismus geprüft, ob er das Gewicht zu halten vermochte. Er tat es! Ein lauter Ruf von Balir räumte die Baustelle und der finale Test erfolgte. Ein Zwerg auf der Mauer, löste den Mechanismus aus und wohl unter den Augen der gesamten Bevölkerung von Berchgard, sowie denen der Khaz Aduir, bohrte sich das Schwere Fallgitter tief in den Weg, als es mit lautem Knall aufschlug. Doch die Seitensegmente hielten es in aufrechter Position und der Mechanismus schien noch immer funktionsfähig. Ein erneuter Ruf von Balir und das Gitter schleppte sich Fuß um Fuß wieder nach oben bis in die Ausgangsposition. Das laute *KLACK* verriet den neugierigen Zuschauern, daß das Gitter wieder in der Verankerung gehalten wurde. Schon jetzt legte sich ein zufriedenes und erleichtertes Grinsen auf Balirs Gesichtszüge. Diese Erleichterung festigte sich, als der Zwerg von der Mauer brüllte, der Mechanismus würde einwandfrei funktionieren! Balirs erster Ausruf aus Freude schallte durch die Gassen von Berchgard: "KEINE KEIFENDEN WEIBER MEHR JJJUUUUHUUUUUUUU!". Alles um ihn herum starrte ihn mit fragender Mine an... dann meinte er, um keine Ausrede verlegen: "Ähm, das war Kalurisch und heißt soviel wie ES FUNKTIONIERT!!!!". Keiner schien diese Erklärung wirklich zu glauben, trotzdem waren die Zuschauer ergriffen von der Leistung, die dort erbracht wurde. Einige begannen zu applaudieren, was Kunna auf den Plan rief. Sie stellte sich in die Menge und polterte los "WAS DENN NU? KANN DAS FEST ENDLICH LOSGEHEN?!?!?!". Balir antwortete wie es ihm am liebsten bei solchen Fragen war. Kurz, knapp mit einem zufriedenen "Mrá!"

Später wurde Herrn Arganta erklärt, das Tor sei in den heißesten Feuern der großen Schmiede im Herzen Nilzadans geschmiedet worden. Unter der Anleitung der fachkundigsten und ältesten Hammerschwinger der Khaz-Aduir aus einer neuen, geheimen Legierung aus "dem heißen Zeug", wie Balir es nannte. Pyrian mit Menschenzunge gesprochen. "Damit man Euch dat nich wieder einfach wegfackelt!" wie Balir grinsend beifügte. Das erklärte den tiefroten Farbton der schweren Metallsegmente. Der Schlüssel, den Balir schon zu Beginn der Bauarbeiten überreichen ließ, war für die Tür in den Fallgittern. So konnte selbst in herabgelassenem Zustand noch gewollter Besuch herrein oder ungewollter herraus, ohne das ganze Gitter gleich hochziehen zu müssen. Nachdem die Gerüste und Krane wieder abgebaut waren, konnte man nun auch die gewaltige Verzierung auf den Segmenten sehen. Sie bildeten kalurische Lettern, die einen unübersehbar grüßten... was da steht?... wen interessiert das Schon... die Zwerge verwandeln Berchgard für die nächste Zeit in eine Feierhochburg, da bleibt keine Zeit zum Lesen!

So hatte Berchgard nun endlich ein neues Stadttor bekommen und das war die Geschichte von Berchgard, Balir, Bier und 'nem Stadttor...