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Rabenhaar, Efeukranz und der dunklen Feen Tanz
Verfasst: Freitag 23. Juli 2010, 07:00
von Mica Mirillian
DIE SPLITTER
Glassplitter in der Nacht.
Glassplitter auf der Straße
Glassplitter im Strassengraben.
Schimmern, funkeln
im trübfahlen Licht der Laterne
wie abermillionen, winzige Sterne
Rotes Wasser in der Nacht.
Rotes Wasser an den Händen.
Rotes Wasser fließt langsam den Finger hinab.
Ein Tropfen bildet sich und fällt-
bis er auf die Splitter trifft.
Er rinnt hinweg und verschmiert-
wie der letzte Kuss von einem Lippenstift
Verfasst: Freitag 23. Juli 2010, 17:03
von Mica Mirillian
Er drückte die Puderquaste unermüdlich gegen ihr Gesicht.
Ein Geschmack nach Creme, Staub und duftigen Blumen.
"Ne, nun mach mal besser die Augen zu, ja? Die Brauen müssen auch noch dunkler werden, dann stimmt alles.... warte!"
Mit fließender Bewegung zog er ein Farbtiegelchen aus der Tasche und fischte nach einem Pinsel. Beides präsentierte er so unmittelbar und direkt unter ihrer Nase, dass sie kurz den Impuls verspürte aufzuniesen... oder lag das am Puder?
"Augen zu, sag ich!" und mit einem Seufzen tat sie, wie geheißen.
Feucht und kühl glitt der Pinsel über ihre Brauen, während sie so dasaß, in Kleidern, die sich an ihrem Körper so unendlich falsch anfühlten, die sie sich alleine aufgrund ihrer Beschaffenheit verletzlich und so unendlich mädchenhaft fühlen ließen, und wartete bis der nächste Zauber aus seiner Trickkiste, diese Schminkerei, gesprochen war.
Ein leises Pfeifen kündete von der Vollendung des Meisterwerks und als sie die Lider blinzelnd hob und in sein altbekanntes Gesicht sah, fiel ihr der erstaunte Blick seinerseits sofort auf.
"Was?"
"Hmmn? Nichts, ich hoff nur du bekommst das mit Sprache und Körperhaltung hin, denn wenn du dich da nun verrätst, dann war alles für die sprichwörtliche Katz' und glaub mir, dann könnt's uns bald an den Kragen gehen." Er legte die Finger um seinen Hals und röchelte spielerisch, ehe er dann aber schmunzelnd einleitete:
"Aber wenn du's hinbekommst, dann ist's wahrlich perfekt. Ich selber hätt' dich so nicht erkannt, wirklich nicht. Am besten du schaust selber mal..."
Mit einer schwungvollen Geste zog er den Spiegel heran und schon im allerersten Moment, als ihre Augen irgendetwas erhaschen konnten, da hörte sie sich ungläubig keuchen.
Ihre Augen waren alles, was sie noch an sich selbt erinnerte...
Das Mädchen, welches ihr aus dem Spiegel entgegenstarrte, hatte rabenschwarzes, glattes Haar, dunkle Brauen und lange kohlefarbene Wimpen. Im heftigen Gegenzug zum dunklen Haar, die bleiche, elfengleiche Haut. Zart, ohne ihre Sommersprossen und selbst die Narbe war kaum noch zu sehen. Die Gewandung vollendete das Bild. In ein adrettes, dunkles Westchen mit bunten Samtbändern, einen langen Rock in der Farbe der rosanen Geranien und einer blütenreinen Schürze gewandtet, wirke sie plötzlich nicht mehr schmächtig und görenhaft, sondern feenartig zart und grazil.
Sie versuchte die Lippen spöttelnd zu verziehen und merkte, dass diese Geste tatsächlich nicht mehr passte, sondern fehl wirkte.
Langsam ließ er den Spiegel sinken und zupften an seinen, nicht minder dunkel gefärbten, Haaren umher.
"Dann lass uns gleich los... is ein guter Weg nach Rahal - erst recht noch fast mitten in der Nacht."
Wie im Rausch erhob sie sich und ginf ihm leichtfüßig nach. Herrin... sie trippelte...
"Meinen Namen haste behalten, ja? Bitte merk dir diesen und nicht den anderen nennen, ja? So wie früher, gut?"
Sie nickte und öffnete die Türe, während er die Kerzen in der kleinen Hütte hastig löschte. Als er neben sie trat, griff er nach ihrem Arm und drehte sie noch einmal zu sich. Obwohl es so düster im Raum war, langte das fahle Licht des Sternenzelts, dass sie seine ernsten Augen gut erkennen konnte.
"Nur... wie nennen wir dich?", murmelte er sinnierend und wieder riss sie erstaunt die Augen auf, als sie sich sprechen hörte und selbst ihre Stimme fremd klang.
Hauchend, heller als sonst und fein, wie ein Flüstern im Nebel erklang das Wort: "Aurel..."