Leiden für den Panther
Verfasst: Montag 5. Juli 2010, 18:49
Melchior Balzhar
Der Anfang
Dunkle Wolken versprachen einen unheilvollen Tag voraus. Ein starker Wind wehte über den Wipfeln der Bäume und schlug an die Dunklen Mauern Rahals. Menschen und Tiere zogen ihre Köpfe ein und suchten überall wo sie nur konnten Schutz. Läden wurden zugezogen und bereits nach wenigen Minuten waren die Straßen wie leer gefegt.
Als der Sturm endlich die Stadt erreichte, konnte man kaum seine eigene Stimme verstehen, als plötzlich ein lauter schrei durch die Gassen schallten. Der alte Herr Balzhar, ein von den Jahren gezeichneter alter Mann horchte auf. Hat er da etwas gehört, oder täuschten ihn seine Sinne? Er starrte seine bleiche Frau an. Beide saßen still auf ihren Stühlen und warteten. Plötzlich erschallte der Schrei wieder und erstarb auf einmal mittendrin. Das war wohl das erste Mal in seinem Leben, wo Herr Balzhar entschied, das zu tun, was man normalerweise in solchen Momenten nicht machen sollte. Er zog seinen Mantel an, zündete eine Kerze, die er dann in ein Lampengehäuse steckte und hieß seiner Frau, dass sie auf ihn warten soll. Sie wollte ihn noch einmal zurück halten, doch wenn der Herr. Balzhar sich etwas in den Kopf gesetzt hat, dann konnte ihn kaum jemand davon abhalten. Kaum öffnete er die hölzerne Türe, schlug der Wind sie aus seiner Hand und prallte gegen die Wand. Erst mit Müh und Not konnte er sie dann langsam hinter sich schließen als auch schon der Regen in sein Gesicht prasselte. Der alte Mann kannte sich in der Stadt aus und wusste, dass der Schrei nicht weit weg gewesen sein konnte. So entschied er sich dorthin zu laufen, wo er ihn vermutete.
Unter einer überdachten Gasse fand er den urherber des Schreis. Eine Dunkle Gestalt lag zusammen gekrümmt auf dem Boden, während eine Dunkle Flüssigkeit sich rundherum verbreitet und sich mit dem Regen vermengte. Weit und Breit war sonst niemand zu sehen gewesen und da wollte Herr Balzhar sich bereits schon wieder umdrehen, als die Gestalt plötzlich anfängt wie ein kleines Baby zu schreien.
Herr Balzhar erbleichte, was sollte er nun machen? Für einen kurzen Moment entschied er sich einfach umzudrehen und weg zu gehen. Doch das schreien wollte einfach nicht aufhören, so näherte er sich der Dunklen Gestalt, senkte seine Hand und drehte sie langsam um. Erst jetzt konnte er erkennen, dass da eine Tote Frau lag.
Sie war für seinen Geschmack gar nicht mal so hässlich, wäre der Umstand nicht gewesen, dass sie da Tot auf dem Boden liegt. Sie war ziemlich ärmlich angezogen gewesen. Besonders ihre Roten Haare fielen ihm dabei sofort auf. Sonst konnte Herr Balzhar nicht noch mehr erkennen bis auf einmal ein Stoffbündel, das unter der toten Frau begraben lag anfing loszuheulen.
Später konnte Herr Balzhar nicht mehr sagen, wieso er das Kind mitgenommen hat, doch hat er es bis zu seinem Tode nie wirklich bereut. Es stellte sich heraus, dass die tote Frau eine unbekannte in Rahal war und so wusste niemand, dass sie ein Kind mit sich herum trug. Die Familie Balzhar, von je her ohne Kinder, nahmen das Kind zu sich. Als die Nachbarn sie fragten, wo sie das Kind her hätten, erklärten sie, dass es das Kind eines verstorbenen Verwandten war. Den Mörder der Frau konnte man trotz Untersuchungen der Stadtgarde nicht auffinden. Es war ein regnerischer Tag gewesen, als der kleine Junge den Namen Melchior bekam.
Melchior, die Person
Melchior sah die Faust auf sich zu kommen, doch konnte er nicht mehr ausweichen und so traf sie ihn direkt in sein Gesicht. Benebelt durch den aufkommenden Schmerz, schmeckte er noch dazu dem salzigen Geschmack seines eigenen Blutes. Er wusste, dass es nicht Klug gewesen war, gegen seine drei Nachbarjungen zu prügeln. Immerhin waren sie drei und er ganz alleine. Doch haben sie ihn nun einmal einen Bastard genannt. Wenn es um seine Eltern ging, wurde er immer Fuchsteufels Wild, da er nichts von ihnen wusste und selbst sein Ziehvater, Herr Balzhar (selbst seine Frau nannte ihn immer Herr Balzhar) hat ihm nichts von seiner Mutter erzählen wollen. So war es typisch, dass seine Sturheit ihn wieder einmal in eine missliche Lage brachte und er hitzig in ein Gefecht geriet, aus der er kaum als Sieger heraustreten konnte. Doch war für Melchior sein bisheriges Leben immer nur ein Kampf gewesen. Immer wenn er etwas wollte, dann musste er es mit seinem Willen erkämpfen. Konnte er aber nicht das bekommen, was er wollte, so war er oft für mehre Stunden nicht ansprechbar gewesen.
Der 15-Jährige Melchior ist bereits schon für sein Alter ziemlich groß. Seine Statur wirkt in seinen Jungen Jahren noch ziemlich schlaksig. So wirken seine Arme viel zu lang für seinen Körper und seine großen Hände konnten bereits schon jetzt einen ganzen Apfel umfassen. Seine auffallen Roten Haare fallen ihm ins Gesicht und scheinen stets seine Augen zu verdecken. Trotz allem schien er alles gut im Blickfeld zu haben und seine grau-grünen Augen blicken seine drei Kontrahenten mit einem stechenden Blick an, einem Blick, der bereits schon erzählte, dass er den Tod gesehen hat. Man konnte auf jeden Fall bereits schon jetzt erkennen, dass wenn Melchior älter werden sollte, ein gut ansehnlicher Mann werden könnte.
Melchior spuckte das Blut aus seinem Mund und grinste, ja er grinste die drei an, als wäre er wie Toll geworden. Überrascht über seine Reaktion traten die drei einen Schritt zurück und waren für einen kleinen Moment unsicher, was sie jetzt tun sollten. Melchior nutzte die Gelegenheit, lief auf sie und schlug dem einen direkt auf die Nase, der vollkommen benommen zu Boden flog und sich nicht mehr rührte. Den nächsten schlag konnte er dem anderen ausweichen und konterte ihn in dem er seine Faust in seine Magen rammte. Als der letzte das sah, nahm er einfach Reißaus. Man hätte es nicht für möglich halten, doch an diesem Tag kam Melchior als Sieger hervor und er kostete diesen Moment in vollen Zügen. Skrupellos wie er war rammte er noch einmal dem liegenden sein Fuß in seinen Körper. Schwache Menschen haben nicht das Recht weiter zu leben. Melchior begriff, dass wenn man Mächtig sein möchte, stärker als die anderen Sein muss und es tat gut, viel Macht zu haben.
Seit diesem Tag wurde er von den Jungen in seiner Umgebung respektiert und keiner traute sich noch einmal, ihn ein einziges Mal zu beleidigen. Man merkte, dass sehr viel Energie in Melchior steckte, doch benötigte sie einen Kanal, etwas auf das er sie lenken konnte, damit aus dieser Rohen Kraft etwas Besonderes werden konnte.
In den Jahren, wo Melchior älter wurde, wuchs er wie bereits schon prophezeit zu einem Erwachsenen Mann heran. Seine Feuerroten Haare blieben weiter lang aber auch nicht weiter als bis zu seiner Nase, sodass sie immer wieder in seine Augen fielen. Mit den Jahren lies er sich auch einen Bart wachsen, akkurat zu einem Ziegenbart geschnitten. Das erstaunliche an ihm, ist seine Größe. Man könnte meinen, er würde wie ein kleiner Tiefländer oder Angure durchgehen, wäre der Menschlichte Aspekt nicht an ihm gewesen. Später lies er sich eine Tätowierung einer Pantherkralle auf seine rechte Schulter stechen, die durch einen Kreis umschlossen wurde, aus dem schwarze Tentakelarme bis zu seinem rechten Oberarm und bis zu seiner linken Schulter ragten. Da es seinem Ziehvater, Herr Balzhar, wichtig war, lernte Melchior bereits schon in Jungen Jahren das Lesen und Schreiben mit Pergament und Feder. Einen besonderen Spaß bereitete Herr Balzhar stets, wenn er dem Jungen schwierige Rätsel aufgab, die er lösen musste. Aus unergründlichen Gründen war es Herr Balzhar immer wichtig gewesen, dass der Junge immer einen klaren und gut durchdachten Kopf behielt. Dabei war sein Pädagogisches Vorgehen eher etwas untypisch gewesen, so bekam der Junge nichts Essen, wenn er die Rätsel nicht lesen konnte und wenn er sich auf dem teuren Pergament verschrieb, wurde er oft geschlagen.
Die Art und Weise, wie Melchior auf die Menschen zugeht wirkt recht kontrovers. Manchmal wirkt er distanziert freundlich, im nächsten Moment tritt er auf einen fremden zu und tut als wäre er sein bester Freund und bei anderen als hätten sie ihm sein liebstes genommen. Herr Balzhar und auch die Menschen in seiner Umgebung konnten ihn dadurch auch nie wirklich richtig einschätzen. Man weiß auch nicht genau, wieso er überhaupt so reagieren mag, doch kam es schon des Öfteren zu unangenehmen Missverständnissen. Es fällt ihm schwer, seinen Jähzorn zu beherrschen und wie sein Ziehvater wirkt er wie ein sturer Stier, der sobald er Rot sieht, nicht mehr nach links oder Rechts zu blicken vermag und einfach nach vorne brescht.
Und doch wirkt er nicht wie ein Mensch, der sein Gehirn einfach so abschaltet. Man kann schon fast förmlich an ihm erkennen, wie sein Gehirn dauernd arbeitet, als hätte er einen Plan und um sein Ziel zu erreichen, würde er alles Mögliche tun. Auch wenn es bedeuten würde, freundlich zu sein oder sich zurück zu halten.
Der Weg zu Alatar
Alatar war für Melchior immer Gegenwärtig. Seitdem er bei seinen Zieheltern in Rahal aufwuchs, war es Herr Balzhar wichtig gewesen, dass Melchior auch den Glauben zu Alatar lernt. Der Glaube war da und trotzdem nicht zu sehr, als das Melchior seinem Gott gänzlich verschreiben würde. Kaum war Melchior 16 Jahre alt geworden, erlitt Herr Balzhar einen schweren Herzinfarkt. Jedem war klar gewesen, dass er die Nacht nicht überstehen würde. Gerade erst an diesem Abend, erzählte der alte Mann dem Jungen, den er wie einen Sohn liebte sein Geheimnis über den Mord seiner Mutter.
Erst war Melchior entsetzt gewesen. Es gab keine körperliche Verbundenheit mit diesem Mann? Wie konnte er ihm diese Geheimnisse die ganze Zeit über verschweigen. Seine Wut stieg ins immense und so legte er seine Hände an den Hals seines Ziehvaters und drückte zu. So lange bis der Alte Mann sich nicht mehr wehren konnte und nur noch reglos da lag. Aus dem Opfer wurde ein Mörder geworden und niemand ahnte von seiner Tag, da der alte Mann eh im sterben lag.
Doch Melchior hielt es nicht mehr aus, es zog ihn weg. Weg von dieser Lüge. Von allem. Er nahm seine wenigen Sachen und verschwand in derselben Nacht. Einige Monate später starb auch Frau Balzhar, die ohne ihren Ehemann nicht mehr leben wollte.
Vielleicht war es das erste Mal gewesen, dass Melchior an seinen Gott dachte. Der alte Mann war schwach gewesen, unwürdig ihm die Wahrheit zu erzählen. Unwürdig überhaupt noch eine Sekunde weiter leben zu dürfen. Doch er, Melchior, war stark. So stark, ihm sein Leben nehmen zu können. Doch mehr, als ein Gedanke war es vorerst nicht gewesen.
Melchior bereiste das Land, lernte viel über andere Menschen kennen. Manchmal schloss er sich kleinen Gruppen an um Rahal bei kleinen Kämpfen gegen Varuna zu unterstützen und ein klein wenig Geld zu verdienen. Besichtete das kleine Fischerdörfchen Bajard. Doch innerlich fühlte er sich rastlos. Er musste etwas tun, wusste aber noch nicht was es genau sein sollte.
Schließlich beschloss er wieder nach Rahal zu ziehen. Der Tag war heiß und der staub der Strasse stieg in seinen Mund und Nase, als er an eine Kreuzung kam. Zerstörte Mauern zeigten, dass hier früher einmal eine Befestigung des Rahalischen Reiches gewesen war. An einem alten großen Baum hing eine Leiche. Wind und Witterund haben bereits einen Großteil getan, sodass man kaum noch etwas an ihr erkennen konnte. Und das was noch übrig blieb wurde von Raben zerpickt. Ungeachtet davon wollte er gerade seinen Weg fortführen, als hinter dem Baum auf einmal ein Dunkler Schatten auftauchte. Sie schoss auf ihn zu und er konnte nur noch etwas Blitzendes erkennen, ehe er getroffen zu Boden fiel und aus seinem Bauch ragte der Knauf eines Dolches hervor. Die Gestallte lachte, lachte ihn aus und ungeachtet dessen, das er noch lebte, fing sie an seine Taschen zu durchwühlen. Als er nichts Besonderes fand spuckt er Melchior noch einmal ins Gesicht. "Erinnerst mich an eine Kundin von mir. Hatte selber Rote Haare wie du, und hatte genauso nichts dabei gehabt. Scheiss pack. Macht es einen wie mir nicht einfach." Dann zog er den Dolch langsam wieder aus Melchiors Bauch und putzte ihn feinsäuberlich an seiner Kleidung ab.
Als der erste Schock verschwunden war, durchzuckte ihm ein gewaltiger Schmerz durch den Körper. Er hat schon so einiges mit gemacht, aber so eine Wunde hat er noch nie abbekommen. Es fühlte sich gut an. Er verstand sich selber kaum, dieser Schmerz brachte ihn dazu, dass er das erste Mal in seinem Leben seinen Körper wirklich spürte. Es war schon kontrovers zu behaupten, dass er sich wie neugeboren fühlte. Er war nicht schwach, er durfte nicht schwach sein. Stärke war immer das gewesen, was ihn weiter getrieben hat. Kaum als der Schatten sich umdrehte und weggehen wollte, richtete sich Melchior auf und nutzte so gut es ging die Gelegenheit den Mann umzurempeln. Der Dolch fiel dem Schatten aus der Hand. Melchior schlug dem Schatten einige Male in sein Gesicht, dann griff er nach dem Dolch und stach zu. Noch einmal und noch einmal. Bis ein Schwall von Blut über ihn spritzte und ihn in einem Bad von roter Flüssigkeit begrub. Erst jetzt drangen ihm die Worte des Schattens in ihm. War das der Mörder seiner Mutter? Hat er ihn mit seinen eigenen Händen töten können?
Er erhob sich langsam und schleppte sich weiter, irgendwo in der nähe setzte er sich hin, er fühlte sich müde - Todmüde. Vielleicht sollte er einfach ein klein wenig schlafen und dann weiter gehen...
Als er seine Augen aufschlug, lag er in einem Bett. Kaum als er aufstehen wollte, durchschoss ihm wieder ein stechender Schmerz, doch als er hinabblickte, war die Wunde verbunden gewesen. Die Türe öffnete sich und ein Heiler betrat die kleine Hütte. Er erzählte ihm, dass ein Templer Alatars hier hergebracht hat. Eigentlich wollte er Melchior dort liegen lassen, doch als er sah, dass Melchior den Räuber ohne eigene Waffe umgebracht hat und noch dazu bei solch einer Wunde lebte, dass es nur eine Fügung Alatars sein musste. So brachte der Templer ihn hierher und verschwand daraufhin einfach.
Während Melchior in seinem Krankenbett lag, dachte er viel über die Worte nach. Eine Fügung Alatars? Lag Alatars große Pranke stets immer über ihn? Es musste so gewesen sein. Er kam immer als der Sieger aus seinen Kämpfen hervor. Selbst als kleines Kind überlebte er einen Mörder und als Erwachsener Mann tötete er ihn mit seinen eigenen Händen. Das muss es gewesen sein. Wahrscheinlich war er deswegen so rastlos gewesen, weil er bisher einfach nur den falschen Weg gegangen ist. Es trachtet ihn immer nach Macht. Nach viel Macht. Macht um stärker zu sein, für ihn, für seinen Gott, der, der ihn sein ganzes Leben lang begleitet hatte und er, Melchior es einfach nicht erkennen wollte.
Erst, als er unsagbare Schmerzen erfuhr, war er seinem Gott am nächsten gewesen. Schmerzen sind es, die ihn weiter bringen sollen.
Als er sich langsam von seiner Wunde erholte, zog es ihn weiter nach Rahal, zu jenen, die Alatars Worten folgten. Zu den Templer Alatars, in der Hoffnung als Anwärter in ihrem Orden aufgenommen zu werden.