Und die Spiele beginnen
Verfasst: Samstag 15. Mai 2010, 14:23
Die letzten paar Tage war es in Adoran nicht großartig anders, als es sonst auch gewesen wäre, aber eben letztendlich nur „nicht großartig“. Es waren gelegentliche kleine Fälle, die einigen Bewohnern der Stadt aufgefallen waren, die Tatsache, dass ihnen nach einem Besuch in der Taverne plötzlich einer ihrer Beutel, welche sie am Gürtel trugen fehlten, oder die seltsame Begebenheit, dass eine junge Frau sie anrempelte, etwas entschuldigendes murmelte, und dann plötzlich der Inhalt der Manteltaschen fehlte. Vier solcher Diebstähle hatten sich ereignet, vier mal wusste aber niemand so recht, wer dafür verantwortlich gewesen sein könnte, und so gaben sich die Betroffenen jeglich dem Ärger hin und meldeten vielleicht die Diebstähle.
Die junge Frau indes hatte ihren Streifzug der letzten zwei Tage am heutigen Abend erledigt. Sie fiel nicht besonders auf, sie sah weder heruntergekommen, noch irgendwie herausgestochen aus, sie war noch ein halbes Kind hätte der aufmerksame Beobachter gesagt. Das einzige was etwas seltsam anmuten konnte war die Tatsache, dass sie stets mit nackten Füßen unterwegs war, aber komische Menschen gab es in Städten ja genug.
An diesem Abend saß die junge Frau, die auf den Namen Senjara, oder kurz einfach nur „Sen“, hörte in einer Taverne in Adoran und sah auf einen Krug Wasser, den sie sich bestellt hatte. Seit Minuten starrte sie nun schon auf das unbewegliche Wasser, der Blick verlor sich förmlich darin und alles um sie herum verlor für diese Zeit an Bedeutung. Ungewöhnlich war das für Senjara nicht, für andere vielleicht schon. Jeder der sie länger kennengelernt hatte, hatte sie immer als sehr schlichten und einfachen Menschen bezeichnet, manche waren da etwas gröber und nannten sie beschränkt, aber das stimmte nicht. Tatsache war, dass Sen ein sehr einfaches Weltbild hatte und sich über wenige Dinge Gedanken machte, die Welt war für sie simpel, sie folgte Regeln und sie lebte zufrieden mit diesen Regeln und Leitbildern.
Nachdem sie das Wasser fast geschlagene fünfzehn Minuten angestarrt hatte, blinzelte sie plötzlich, als ihre Gedankenwelt mit einem Schlag herumgerissen wurde und sich langsam die Erinnerung an den lumpigen Beutel bemerkbar machte, der neben ihren nackten Füßen stand. Behutsam hob sie ihn hoch und, ungeachtet der anderen Gäste in der Taverne, schüttete ihn geräuschvoll auf dem Tisch aus.
Ein Beutel, drei goldene Armreife, ein paar Münzen und eine Brosche fielen auf den Tisch, der Beutel selbst war gefüllt mit den verschiedenst farbigen Edelsteinen. Für so gut wie jeden Menschen auf dieser Welt wäre sofort klar gewesen; dies war Diebesgut, Sens Beute, ihre persönliche Bereicherung als Abschaum der Welt.
Doch für Sen waren diese Dinge nicht ihr Besitz, es war ein Einsatz, ein Einsatz für ein Spiel, dass sie nun mit vier Leuten spielen würde. Es war ein Teil ihres Weltbildes, ein Teil ihres Lebens, mit anderen Menschen zu spielen, und Sens Art und Weise zu spielen war simpel; sie machte den ersten Zug und versuchte den Leuten etwas wegzunehmen. Schaffte sie es, hatte sie die erste Runde gewonnen. Schaffte sie es nicht, hatte der andere gewonnen und sie hatte automatisch verloren.
Oft verband sich die Niederlage mit Gebrüll, manchmal auch Schlägen oder den Aufenthalt in dunklen Räumen, wo man ihr aber freundlicherweise erlaubte zu übernachten und ihr etwas zu Essen brachte, meistens von gerüsteten Leuten. Doch in vielen Fällen gewann Senjara mittlerweile und dann beobachtete sie ihre Mitspieler eine ganze Weile heimlich. Sie folgte ihnen überall hin, fand heraus wo sie lebten, wer sie waren, denn das war wichtig, man musste seinen Spielpartner schließlich kennen.
Sie selbst hatte mittlerweile damit aufgehört nach einem erfolgreichen Spiel sich lächelnd vorzustellen und den Leuten zu erklären, dass es spaßig war mit ihnen gespielt zu haben, die Reaktionen darauf waren oft nicht anders als die, wenn sie die erste Runde verlor. Aber auch diesesmal hatte sie immer die erste Runde gewonnen, die Leute verfolgt und sich gemerkt, wo sie lebten, damit sie die zweite Runde einläuten konnte, denn die war diesmal für die anderen bestimmt, damit es ihnen nicht allzu langweilig werden würde.
Sen sorgte dafür, dass der jeweilige Einsatz irgendwo unterkam, wo man ihn nicht so schnell finden konnte. Danach hatten ihre Mitspieler eine feste Zeit, in der sie, natürlich mit Hinweisen versehen, nach ihrem Einsatz suchen mussten. Schafften sie es, durften sie ihn behalten, schafften sie es nicht, nahm Sen den Einsatz entweder an sich oder ließ ihn dort wo sie ihn versteckt hatte, damit sich jemand anders daran erfreuen konnte; ihr ging es letztendlich darum jemanden eine Freude zu machen, indem sie mit ihm ein Spiel spielte.
Der Ursprung ihrer „Spiele“ lag weit zurück und vielleicht war es Senjaras beschränktem Weltbild zu verdanken, dass sie damals als kleines Kind niemals irgendetwas hinterfragt hatte und auch danach niemals auf die Idee gekommen war, auch nur einen Moment darüber nachzudenken, dass diese Art von spielen nicht die war, die akzeptiert war.
Nachdenklich betrachtete sie den Beutel, er würde der erste Einsatz sein, aber sie musste nun ein gutes Versteck finden.
Oft half ihr der Zufall oder eine flinke Idee schlich sich in ihren Kopf, und so war es auch diesmal, denn an dem anderen Tisch der Taverne wurde es plötzlich laut. Von den ehemals fünf oder sechs Personen saßen nur noch drei am Tisch, eine Frau und zwei Männer, und die Frau schien sich über irgendetwas erschrocken zu haben, denn sie stand plötzlich und war kreidebleich. Die beiden anderen Männer redeten immer wieder hektisch, aber Sen hatte keine Augen für sie, ihre ganze Aufmerksamkeit lag auf der bleichen Frau. Sie sah sehr edel aus, fast wie eine Königin, von denen sie immer erzählt bekommen hatte als Kind und die Tatsache, dass sie plötzlich so betrübt und erschrocken wirkte, gab Senjara den letzten Anstoß ihr eine Freude zu machen. Wenn sie mit ins Spiel einbezogen werden würde, dann würde es sie sicherlich aufmuntern, denn ein Spiel half immer die Laune zu haben, das hatte ihr Onkel Tanelias immer wieder betont wenn er sie mit zu seinen Spielpartien genommen hatte.
Von jetzt an ging alles etwas schneller, aber das war für Sen kein Problem. Die Frau und einer der Männer, wohl ihr Begleiter, standen auf und gingen aus der Taverne; damit war die große Chance gekommen. Sen stand auf, folgte ihnen und draußen passierte sie die beiden, jedoch nicht ohne die Frau einmal kurz anzustoßen und ihr in diesem Moment heimlich den Beutel mit den Edelsteinen in eine ihrer Taschen fallen zu lassen.
Es war eine geübte Bewegung, sie ging fließend von Statten und sie hatte sie oft geübt; jemanden etwas heimlich zu geben war im Endeffekt deutlich einfacher als jemanden etwas wegzunehmen.
Viellicht wäre auch alles weitere ruhig verlaufen, wenn nicht plötzlich wie aus dem Nichts der zweite Mann aus der Taverne gestürmt war. Er musste sie gesehen haben, wie auch immer er das geschafft hatte wusste Sen nicht, und stand nun vor ihr. Er redete auf sie ein, fragte ob sie wüsste wer der Mann bei ihrer Erlaucht gewesen wäre, woraufhin Sen ihn darauf aufmerksam machen musste, dass sie niemanden kannte der „Erlaucht“ hieß, was ja an sich schon ein seltsamer Name war.
Danach sagte er etwas von Verdächtig, und dass er sie einsperren würde weil sie jemanden töten wollte, die Worte ergaben in ihrem Kopf nicht einen Moment Sinn, doch selbst wenn sie das getan hätten, hätten alle Wiederworte nichts gebracht, denn der Mann, der scheinbar ein Rekrut war, hatte sie bereits grob am Arm gepackt und zerrte sie mit sich. Sein Griff wurde mit der Zeit so fest, dass es Sen schon die Tränen in die Augen trieb, und dieser Mistkerl wäre sicher noch gröber geworden, wenn ihre Spielpartnerin nicht eingegriffen hätte. Sie schien wirklich eine wichtige Person zu sein, denn sie sagte etwas davon, dass Adoran „ihre Stadt“ sei, und dass es keinen Grund gäbe, Sen festzuhalten, die Details des Gesprächs wollten ihren Weg wieder nicht so wirklich in den Verstand des jungen Mädchens finden, aber letztendlich war sich frei, die Frau entschuldigte sich und Sen konnte gehen, was auch gut so war, denn sie hatte immerhin noch Dinge vorzubereiten.
Noch in dieser Nacht hatte sie einen ihrer wenigen „Freunde“ aufgesucht und ihn gebeten etwas auf einen Zettel zu schreiben, welchen sie umgehend in den Briefkasten des eigentlichen Besitzers der Juwelen legte. Dieser fand den Zettel auch und einige Stunden später sollte die betrübte, adlige Frau vom Vorabend, die auf den Namen Mariella hörte, Besuch von ihm bekommen auf welchem folgendes geschrieben stand:
Liba Mitspiler. Ich sake dir nu wo du dainen Einsats finden kanst, den du verlorn hast. Dain Beutel ist bei ainen ser grosen und wichtiken Menschen von Adoran, aber so gros wi diser Mensch ist, so zirlich ist er auch. Der Beutel ist da, wo ein Fremda nicht einfach hinschaun darf. Du hast ainen Tak zeit ansonsten ist dain Einsats wek. Ich hofe du hatest auch sofil spas wi ich beim Spil.“
Und im gleichen Zug dürfte er wohl den Beutel zurückfordern, den Mariella mitunter erst jetzt bemerken könnte. Für Sen hingegen war das Spiel vorerst vorbei, sie würde bald nachsehen ob sie gewonnen oder verloren hatte und dann würde sie das nächste Spiel vorbereiten. Denn es gab sicherlich noch viele unglückliche und trübsinnige Menschen in Adoran und den anderen Städten.
Die junge Frau indes hatte ihren Streifzug der letzten zwei Tage am heutigen Abend erledigt. Sie fiel nicht besonders auf, sie sah weder heruntergekommen, noch irgendwie herausgestochen aus, sie war noch ein halbes Kind hätte der aufmerksame Beobachter gesagt. Das einzige was etwas seltsam anmuten konnte war die Tatsache, dass sie stets mit nackten Füßen unterwegs war, aber komische Menschen gab es in Städten ja genug.
An diesem Abend saß die junge Frau, die auf den Namen Senjara, oder kurz einfach nur „Sen“, hörte in einer Taverne in Adoran und sah auf einen Krug Wasser, den sie sich bestellt hatte. Seit Minuten starrte sie nun schon auf das unbewegliche Wasser, der Blick verlor sich förmlich darin und alles um sie herum verlor für diese Zeit an Bedeutung. Ungewöhnlich war das für Senjara nicht, für andere vielleicht schon. Jeder der sie länger kennengelernt hatte, hatte sie immer als sehr schlichten und einfachen Menschen bezeichnet, manche waren da etwas gröber und nannten sie beschränkt, aber das stimmte nicht. Tatsache war, dass Sen ein sehr einfaches Weltbild hatte und sich über wenige Dinge Gedanken machte, die Welt war für sie simpel, sie folgte Regeln und sie lebte zufrieden mit diesen Regeln und Leitbildern.
Nachdem sie das Wasser fast geschlagene fünfzehn Minuten angestarrt hatte, blinzelte sie plötzlich, als ihre Gedankenwelt mit einem Schlag herumgerissen wurde und sich langsam die Erinnerung an den lumpigen Beutel bemerkbar machte, der neben ihren nackten Füßen stand. Behutsam hob sie ihn hoch und, ungeachtet der anderen Gäste in der Taverne, schüttete ihn geräuschvoll auf dem Tisch aus.
Ein Beutel, drei goldene Armreife, ein paar Münzen und eine Brosche fielen auf den Tisch, der Beutel selbst war gefüllt mit den verschiedenst farbigen Edelsteinen. Für so gut wie jeden Menschen auf dieser Welt wäre sofort klar gewesen; dies war Diebesgut, Sens Beute, ihre persönliche Bereicherung als Abschaum der Welt.
Doch für Sen waren diese Dinge nicht ihr Besitz, es war ein Einsatz, ein Einsatz für ein Spiel, dass sie nun mit vier Leuten spielen würde. Es war ein Teil ihres Weltbildes, ein Teil ihres Lebens, mit anderen Menschen zu spielen, und Sens Art und Weise zu spielen war simpel; sie machte den ersten Zug und versuchte den Leuten etwas wegzunehmen. Schaffte sie es, hatte sie die erste Runde gewonnen. Schaffte sie es nicht, hatte der andere gewonnen und sie hatte automatisch verloren.
Oft verband sich die Niederlage mit Gebrüll, manchmal auch Schlägen oder den Aufenthalt in dunklen Räumen, wo man ihr aber freundlicherweise erlaubte zu übernachten und ihr etwas zu Essen brachte, meistens von gerüsteten Leuten. Doch in vielen Fällen gewann Senjara mittlerweile und dann beobachtete sie ihre Mitspieler eine ganze Weile heimlich. Sie folgte ihnen überall hin, fand heraus wo sie lebten, wer sie waren, denn das war wichtig, man musste seinen Spielpartner schließlich kennen.
Sie selbst hatte mittlerweile damit aufgehört nach einem erfolgreichen Spiel sich lächelnd vorzustellen und den Leuten zu erklären, dass es spaßig war mit ihnen gespielt zu haben, die Reaktionen darauf waren oft nicht anders als die, wenn sie die erste Runde verlor. Aber auch diesesmal hatte sie immer die erste Runde gewonnen, die Leute verfolgt und sich gemerkt, wo sie lebten, damit sie die zweite Runde einläuten konnte, denn die war diesmal für die anderen bestimmt, damit es ihnen nicht allzu langweilig werden würde.
Sen sorgte dafür, dass der jeweilige Einsatz irgendwo unterkam, wo man ihn nicht so schnell finden konnte. Danach hatten ihre Mitspieler eine feste Zeit, in der sie, natürlich mit Hinweisen versehen, nach ihrem Einsatz suchen mussten. Schafften sie es, durften sie ihn behalten, schafften sie es nicht, nahm Sen den Einsatz entweder an sich oder ließ ihn dort wo sie ihn versteckt hatte, damit sich jemand anders daran erfreuen konnte; ihr ging es letztendlich darum jemanden eine Freude zu machen, indem sie mit ihm ein Spiel spielte.
Der Ursprung ihrer „Spiele“ lag weit zurück und vielleicht war es Senjaras beschränktem Weltbild zu verdanken, dass sie damals als kleines Kind niemals irgendetwas hinterfragt hatte und auch danach niemals auf die Idee gekommen war, auch nur einen Moment darüber nachzudenken, dass diese Art von spielen nicht die war, die akzeptiert war.
Nachdenklich betrachtete sie den Beutel, er würde der erste Einsatz sein, aber sie musste nun ein gutes Versteck finden.
Oft half ihr der Zufall oder eine flinke Idee schlich sich in ihren Kopf, und so war es auch diesmal, denn an dem anderen Tisch der Taverne wurde es plötzlich laut. Von den ehemals fünf oder sechs Personen saßen nur noch drei am Tisch, eine Frau und zwei Männer, und die Frau schien sich über irgendetwas erschrocken zu haben, denn sie stand plötzlich und war kreidebleich. Die beiden anderen Männer redeten immer wieder hektisch, aber Sen hatte keine Augen für sie, ihre ganze Aufmerksamkeit lag auf der bleichen Frau. Sie sah sehr edel aus, fast wie eine Königin, von denen sie immer erzählt bekommen hatte als Kind und die Tatsache, dass sie plötzlich so betrübt und erschrocken wirkte, gab Senjara den letzten Anstoß ihr eine Freude zu machen. Wenn sie mit ins Spiel einbezogen werden würde, dann würde es sie sicherlich aufmuntern, denn ein Spiel half immer die Laune zu haben, das hatte ihr Onkel Tanelias immer wieder betont wenn er sie mit zu seinen Spielpartien genommen hatte.
Von jetzt an ging alles etwas schneller, aber das war für Sen kein Problem. Die Frau und einer der Männer, wohl ihr Begleiter, standen auf und gingen aus der Taverne; damit war die große Chance gekommen. Sen stand auf, folgte ihnen und draußen passierte sie die beiden, jedoch nicht ohne die Frau einmal kurz anzustoßen und ihr in diesem Moment heimlich den Beutel mit den Edelsteinen in eine ihrer Taschen fallen zu lassen.
Es war eine geübte Bewegung, sie ging fließend von Statten und sie hatte sie oft geübt; jemanden etwas heimlich zu geben war im Endeffekt deutlich einfacher als jemanden etwas wegzunehmen.
Viellicht wäre auch alles weitere ruhig verlaufen, wenn nicht plötzlich wie aus dem Nichts der zweite Mann aus der Taverne gestürmt war. Er musste sie gesehen haben, wie auch immer er das geschafft hatte wusste Sen nicht, und stand nun vor ihr. Er redete auf sie ein, fragte ob sie wüsste wer der Mann bei ihrer Erlaucht gewesen wäre, woraufhin Sen ihn darauf aufmerksam machen musste, dass sie niemanden kannte der „Erlaucht“ hieß, was ja an sich schon ein seltsamer Name war.
Danach sagte er etwas von Verdächtig, und dass er sie einsperren würde weil sie jemanden töten wollte, die Worte ergaben in ihrem Kopf nicht einen Moment Sinn, doch selbst wenn sie das getan hätten, hätten alle Wiederworte nichts gebracht, denn der Mann, der scheinbar ein Rekrut war, hatte sie bereits grob am Arm gepackt und zerrte sie mit sich. Sein Griff wurde mit der Zeit so fest, dass es Sen schon die Tränen in die Augen trieb, und dieser Mistkerl wäre sicher noch gröber geworden, wenn ihre Spielpartnerin nicht eingegriffen hätte. Sie schien wirklich eine wichtige Person zu sein, denn sie sagte etwas davon, dass Adoran „ihre Stadt“ sei, und dass es keinen Grund gäbe, Sen festzuhalten, die Details des Gesprächs wollten ihren Weg wieder nicht so wirklich in den Verstand des jungen Mädchens finden, aber letztendlich war sich frei, die Frau entschuldigte sich und Sen konnte gehen, was auch gut so war, denn sie hatte immerhin noch Dinge vorzubereiten.
Noch in dieser Nacht hatte sie einen ihrer wenigen „Freunde“ aufgesucht und ihn gebeten etwas auf einen Zettel zu schreiben, welchen sie umgehend in den Briefkasten des eigentlichen Besitzers der Juwelen legte. Dieser fand den Zettel auch und einige Stunden später sollte die betrübte, adlige Frau vom Vorabend, die auf den Namen Mariella hörte, Besuch von ihm bekommen auf welchem folgendes geschrieben stand:
Liba Mitspiler. Ich sake dir nu wo du dainen Einsats finden kanst, den du verlorn hast. Dain Beutel ist bei ainen ser grosen und wichtiken Menschen von Adoran, aber so gros wi diser Mensch ist, so zirlich ist er auch. Der Beutel ist da, wo ein Fremda nicht einfach hinschaun darf. Du hast ainen Tak zeit ansonsten ist dain Einsats wek. Ich hofe du hatest auch sofil spas wi ich beim Spil.“
Und im gleichen Zug dürfte er wohl den Beutel zurückfordern, den Mariella mitunter erst jetzt bemerken könnte. Für Sen hingegen war das Spiel vorerst vorbei, sie würde bald nachsehen ob sie gewonnen oder verloren hatte und dann würde sie das nächste Spiel vorbereiten. Denn es gab sicherlich noch viele unglückliche und trübsinnige Menschen in Adoran und den anderen Städten.