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Der Wind der Welt (1)
Verfasst: Montag 26. April 2010, 14:23
von Selene Ainaan
Proloque:
"Unter Blitz und Donner"
Blitze spalteten den Himmel und jener schrie gepeinigt auf, als der Dolchstoß der Götter die Nacht zerschnitt. Purpurnes Licht erfüllte den nachtschwarzen Himmel und erhellte die bleiche Gestalt, welche auf der Wiese Stand - wie gekreuzigt breitete sie die Arme aus und starrte aus rötlichen Augen verzückt auf das Schauspiel über ihrem Kopf hinweg.
Ihr silberblondes Haar war schwer von Nässe, ihre Haut glänzte im wiederkehrenden Aufflackern eines nächtlichen Blitzes. Eine in weiß gewandete Gestalt, selbst wie aus Marmor geschnitzt mit einem breiten Lächeln dastehend. Es war ihre Welt - ihre Leidenschaft. Die Gewalt der über sie hinwegberstenden Wolken zu spüren, die Schöpfung der Mutter durch sich fließen zu lassen.
Die letzten Monde waren aufregend für Selene - sie waren aufschlussreich, gaben ihrem Leben eine Bestimmug. Es ar so, als würde sie eins mit einer Bestimmung, die für sie gemacht war.
Vermutlich war es just auch eben jener Moment, der ihr deutlich machte, was sie gelernt hatte. zwischen ihren Fingern knisterte die Luft. Es war als würde sie eine Macht fernlenken, ließ kleine Funken zwischen ihren Fingerkuppen hin- und herspringen. Sie wusste nicht, was sie tat, doch sie spürte die Kraft, die wie ein Fluss aus Blitzen ihre wehnen durchströmte. Die Welt um sie herum war es, und der Wind, der an ihr vorbeizog und an ihrem Kleid zerrte wie eine Klaue - er war Eins mit ihr.
Vor einigen Mondläufen noch jedoch war alles völlig anders. Hätte man ihr erzählt, dass sie an dieser Stelle stehen würde und auf diese Art und Weise das Wirken von Feuer, Wasser und Luft genoss - sie hätte ungläubig den Kopf geschüttelt.
Und da setzen wir nun an. Einige Mondlufe zuvor, als der Frühling die Wälder Gerimors in voller Blütenpracht erstrahlen ließ und die Menschen wieder einmal erfuhren, was gut und recht auf dieser Welt war, da beginnt die Geschichte.
Verfasst: Montag 26. April 2010, 18:10
von Selene Ainaan
Kapitel I:
"Eine einsame Straße"
Der wind der Welt verweht die Zeit.
Dieser Wind weht immer, und wir halten diesem Wind solange Stand bis er zum Sturm wird ud die Ereignisse sich überschlagen. Halten wir dann noch stand?
Die Zeit die gerade ist wird davongeweht, und nur die Erinnerung bleibt. Wir können nur zusehen, wie sie davongeweht wird, und wir stehen mitten drin.
Die Zeit ist auch eine Straße, ein Weg, den man nicht zurückgehen kann, mann geht weiter und immer weiter. Manchmal allerdings erreichen wir Gabelungen, und wir können uns entscheiden, welche Richtung wir einschlagen, ob sie uns zu dem Ziel führt, das wir anstreben. Zeit alline braucht es, um sein Ziel zu erreichen, alles andere ist nur Mittel zum Zweck.
Ein Windhauch wehte den Sand vor mir auf, als ich die Straße aus Bajard betrat und das Dorf hinter mir ließ. Zugegeben, die Menschen in diesem Fischerdorf sind freundlich und recht unbekümmert, es scheint allerdings, als würde jedes Übel, welches diesem Dorf wiederfuhr (nach allen Geschichten, die ich so höre) heruntergespielt. Ein Dorf, in dem man sich gerne traf, aber Blutspuren vor dem Bankgebäude auch einfach einmal elegant ignorierte. Am morgigen Tage wird es regnen, das spüre ich, und vielleicht wäscht der Wolkenbruch das Blut auch wieder weg, egal woher es kam.
Die dunklen Gestalten vor der Kutsche jedoch, die waren äußerst eigenartig. Eine Burg Namens Eisenwart erwartete einen gewissen "Vicarius", denn sie wollten sich vor Adoran begeben, um die Ketzer zur Strecke zu bringen. Rahaler also.
Doch ist Krieg wirklich so einfach? Ist es nicht so, dass man aus Erzählungen hört, dass die Umstände, unter denen Krieg stattfindet nie so einfach wären? Es sah jedoch so aus, als würde eine Gruppe Bengel einfach nur darauf warten, sich zusammenzurotten um die Schwächeren zu verprügeln. Erwachsene Menschen unterschieden sich, das stellte ich irgendwann fest, auch in diesem Fall kaum von Kindern. Es ging nur darum, Schaden anzurichten, einen Krieg für unsere Götter fechtend. Es sich mit anzusehen war interessant, aber es stimmt mich im Nachhinein doch sehr nachdenklich.
Ich sollte eine Frau namens Anne nach Rahal begleiten, vermutlich in der Hoffnung, wie es mir so vorkam, uns zu ihrem Glauben zu bekehren. Einer dieser maskierten Schwafler war ja sehr darum bemüht, mir die Vorzüge zu erläutern, die man habe, enn man Alatar folgt. Ich wurde im Glauben erzogen,dass jeder Gott eine Rolle auf dieser Welt spielt, egal ob zum Guten oder zum Schlechten für uns alle. Wieder ein Krieg, der nur entschieden würde, wenn die Zeit reif wäre.
Wir fuhren etliche Stunden nach Rahal - etliche Stunden, welche wir mit Reden verbrachten. Anne schien vor meiner Erscheinng Angst zu haben. Albinos trifft man leider nicht sehr häufig. Ich weiß, dass ich blass bin, mein Haar viel zu hell, meine Augen rötlich. Ich weiß aber auch, dass mein Sehvermögen deshalb nicht das Beste ist, das Licht meinen Augen wehtut.
So begaben wir uns nach Rahal. Mein erster großer Ausflug hier auf Gerimor.
Verfasst: Mittwoch 28. April 2010, 19:21
von Selene Ainaan
Kapitel II:
"Fremd in dieser Welt"
oder: "In Rahal wird die Milch schnell sauer"
Femd.... so fremd.
die Menschen sind anders, fixiert auf Krieg ud Leid. Und diejenigen, die es nicht sind lassen ihn über sich schlagen wie ein Sturm vom Meer. Ich bin entsetzt über diese Kaltblütigkeit und Kindliche Vorgehensweise.
Hunde, die sich um einen Knochen raufen zeigen zeitweilens mehr Benehmen. Doch owie es auch immer ist. Mein Platz ist nicht auf einem Schlachtfeld. Doch wo er auch immer ist...
Ich muss ihn noch finden.
Rahal hat schwarze mauern und gibt sehr mit ihrer Glaubensausrichtung an. Das Tor, ein riesiges Panthermaul. Die Straßen und die Gebäude schwarz - aschschwarz! Im Sommer muss es hier teuflich heiß werden, wenn die unerbittliche Sonne das Pflaster aufheizt - hier gibt es bestimmt viele Stürme, viel Witterung.
Als Ane und ich die Stadt betraten kam uns eine völlig in schwarz gekleidete Frau entegenSie war nicht gerade ein Paradebeispiel an Freundlichkeit - mir persönlich brannten sich die Worte "Ihr verschwendet meine Zeit" als Grußformel zum Abschied in mein Gedächtnis. Eine Stadt, die so freundlich zu Fremden ist, das ist nichts für mich.
Witzig fand ich, dass ich nun leibhaftig sah, was die Gerüchte sprachen. Blaue Elfen! Letharen - Pestbringer, doch in Rahal geduldet. Witzig, sie einmal zu sehen. Blaue Haut, wie die Gerüchte es sagten. Ich bin sehr angetan davon. Doch brenne ich nicht darauf, einmal mehr mit ihnen zu tun zu haben.
In den Tavernen war man sehr unfreundlich zu Anne und mir. Ich bestelle einen Krug Milch und bekomme einen krug Sauerrahm! Es hat mich geschüttelt. In Rahal scheint die Milch schneller sauer zu werden, denn die Begründung der Schankmaid "Ha'm wir nicht!" sagte wohl alles aus. Eluive strafe diese unfreundlichen Leute, auf dass ihre Kühe nur noch saure Milch geben mögen!
In Rahal wird die Milch schnell sauer - die Menschen sind unfreundlich und im Sommer möchte ich hier auf keinem Fall leben.
Die eine Nacht kampierte ich in meiner Schlafmatte hinter dieser Taverne im Kühlen Gras und zählte bis zur Morgendämmerung die Wolken, ehe ich endlich eindöste.
Gleich nach dem Aufwachen, das schwor ich mir, würde ich wieder nach Süden hin aufbrechen. Rahal ist eindeutig nicht mein Pflaster. Wer, der halbwegs bei Verstand ist, will in einer Stadt voller Kriegstreiber, Sauermilchtrinkern und unfreundlichen Frauen leben?
Verfasst: Sonntag 2. Mai 2010, 20:38
von Selene Ainaan
Kapitel III:
"Die Katze"
Zwei Tage später befand ich mich wieder in Bajard und genoss die schönen Frühlingstage. Inzwischen war alles grün geworden, die Vögel sangen ihre Lieder und die Luft war erfüllt vom Duft frischen Flieders. Es war jene Zeit im Jahr, da alles erblühte und einem klar wurde, dass es immer etwas Gutes auf dieser Welt gab.
Nichtsahnend, dass sich mein Leben nun bald ändern würde, saß ich an diesem Abend am Teiche und genoss den Abend, da bemerkte ich eine etwas ungeschickte kleine schwarze Katze, die nach einem Frosch sprang und ins Teichwasser plumpste. Dieses Geräusch schreckte mich aus meinen Gedanken heraus und als die Katze nach draußen schoss und sich schüttelte, da konnte ich nicht anders. Sie war niedlich in ihrer unbeholfenen Art.
Mit einem mitgebrachten Tuch trocknete ich sie ab. Zutraulich war sie, absolut, und so kuschelte sie sich auch an mich, während ich ihr Fell richtete und ihr daraufhin beim Putzen zusah.
Dann allerdings wurde es erst wirklich merkwürdig. Sie sprang von meinem Schoß und maunzte mich an. Ihr Gebahren schein mir klar - sie wollte mir etwas zeigen, mich wohin führen, allerdings war mir nicht im Geringsten klar, wohin die Reise ging. Ich ging ihr nach, und so verließen wir Bajard.
Im Westen sank gerade die Sonne und tauchte den Himmel in rötliche Farben, als die tiefen Abendwolken in Flammen aufzugehen schienen. An wunderlichen Ruinen zogen wir in der Nähe Bajards vorbei und erreichten ein Sumpfgebiet. Eine Bucht schien dabei eine Insel von Gerimor abzutrennen, erreichbar mit einer alten klapprigen Brücke - auf eine seltsam vertraute moosige Ebene hin, auf der ein kleines Häuschen stand.
Dahin sprang die Katze durchs Fenster. Unschlüssig blieb ich stehen. Die Katze war also keine Streunerin, und das Haus selbst schien bewohnt, denn ein schmaler Lichtschein drang von innen heraus.
Seltsam wurde es erst, als die Türe aufing und eine eigenartig gewandete Frau aus dem Türrahmen geschritten kam, ihr Haar dunkel wie die Nacht, ihre Robe grün wie das Moos um sie. Und ihre Worte, ihre Worte...
Ich werde sie nie veressen...
"Komm herein, Selene! Ich habe auf dich gewartet!"
Verfasst: Freitag 7. Mai 2010, 19:47
von Selene Ainaan
Kapitel IV:
"Die Heilerin"
Die Frau bat mich also hinein. Doch meine Skepsis war doch ziemlich groß. Eine Frau, deren Worte Preis geben, dass sie meinen Namen kannte - wie sollte ich ihr trauen? "Ich habe dich erwartet." - Das durchaus freundliche einladende Lächeln nagte an meinen Zweifeln. "Keine Sore", sagte sie, "wenn ich dich entführen wollte, würde ich mein Gesicht nicht zeigen."
Und doch, es hatte etwas von diesem Märchen der Hexe und dem lebkuchenhaus.
Und doch, als ich das Haus betrat, da war es schon einladend, auch wenn es nur ein kleines Haus war. Sie bot mir an, mich zu setzen, einen Himbeertee, den sie schon aufgesetzt hatte, fast als erwarte sie mich.
Es dauerte nicht lange, dann saßen wir bei Tisch und sie fing an mich zu fragen, ob ich eine Geschichte hören wolle, was ich über die Legende von paia wüsste. Ich bejahte das, was jedes Kind zu hören bekam, welches dem Dorfältesten bei seinen Erzählungen lauschte, dass Alatar sie schwängerte und das Böse geboren hatte.
Dann erzählte mir Nuria, wie sie sich mir vorstellte, von den Frauen, welche die Erkentnis hatten, dass aus allem Schlechten auch etwas Gutes geboren wurde, dass Männer sich vermehrt begannen, um ihre Frauen zu kümmern, nach der Tragödie der schönen Paia. die Schwesternschaft, wie sie sich nannte, wie sie aus Angst und Neid verfolgt wurden und sich zurückzogen.
Die wirkliche Überraschung jedoch kam erst, als sie mir offenbarte, dass ich auserwählt wäre, diesem pfad zu folgen, und die Götter ihre Finger auf mich zeigten. Eine eigenartige Geschichte. Ich? Eine Heilerin? Doch andererseits wusste ich schon länger, dass ich irendwie andrs ar, dass etwas an mir anders war, als es sollte, mein Bezug zu Wind und Wetter... Meine Träume, die mich an gewisse Orte zu lenken schienen, so, als wolle jemand, dass ich genau zu diesem Zeitpunkt die Fremde suche und meinen Weg finde.
Hier war sie also, die berüchtigte Gabelung meines Lebensweges! Eine seltsame Fügung.
Doch ich willigte ein! Wenn ich dieser Schwesternschaft angehören soll, wenn ich, wie Nuria mir erzählte, auserwählt wäre, dann ist das die Chance meines Lebens, der Grund, dass mein Dasein nicht ganz umsonst war.
Und als ich einwilligte führte mich Nuria von diesem kleinen Haus tiefer in die Sümpfe hinein. Ein sehr wunderlicher Ort.
Verfasst: Samstag 5. Juni 2010, 11:34
von Selene Ainaan
Kapitel V:
"Frühlingsnacht"
Im Nachhinein muss ich zugeben, ich habe mich dagegen gesträubt, ich in einer solch sumpfigen Gegend heimisch zu fühlen. Doch als ich das große Haus erblickte, den riesigen paradiesischen Garten dahinter, mit all den Wundern auf dieser Insel, und waren es auch nur Kleinigkeiten, wie die Kröte, die Nuria Agatha nannte - irgendwie fühlte ich mich auf Anhieb wohl. Aus dem modrigen schleimigen nebeligen Drecksloch wurde ein Garten der Wunder, missverstanden in seiner Schönheit. Nuria erklärte mir, dass es dort allerhand zu finden, zu entdecken und zu erforschen gab. Es war ein unberührtes Stück Land, und wir, die Schwestern, sollten es schützen.
Es gab auch verbotene Orte, die mir Nuria in dieser Frühlingsnacht auch nicht zeigte. Der Baum der Älteren Schwestern - ein eigentümlicher Ort hinter einem verkohlten Baum... - riesige Pilze, die auf dem Boden sprossen und wucherten zeugten von einem eigenartigen ausgelassenen Fest.
Vieles war da, das ich nicht so ganz begriff, das mir noch später ein Rätsel sein sollte. Doch ich akzeptierte die Regeln. Instinktiv spürte ich, dass dieses Leben meine künftige Bestimmung darstellte. An diesem Frühlingsabend wurde mir das alles gewahr.
Andere junge Schestern schienen ebenso noch den Weg hierher gefunden zu haben. Eine dieser gleichaltrigen mädchen begrüßte mich an diesem Abend noch mit einer Feder. Gegen die bin ich ausgesprochen allergisch! Ich hasse sie. Daraufhin muss ich immer besonders oft niesen!
Kealynn nennt sie sich. Ja, sie war mir von Anfang an sympathisch, denn auch sie schien so wie ich noch ganz am Anfang zu stehen, am Anfang dessen, was wir noch lernen müssen.
In dieser ersten nacht bezog ich mein Schlaflager und schlief erst sehr spät ein, viele Gedanken gingen mir durch den Kopf. Die Worte Nurias, die Erlebnisse dieses Abends. Und als ich endlich einschlief, da träumte ich von Kröten, von Dingen, die ich vielleicht noch vollbringen werde... Aber das ist eine andere Geschichte.
Verfasst: Sonntag 6. Juni 2010, 15:56
von Selene Ainaan
Kapitel VI:
"Die Rabendiener"
Wochen zogen ins Land und eine ungewöhnliche Kälteperiode zog ins Land. Mir war von Anfang an klar, dass es einige Wochen lang trüb und grau bleiben würde, ehe der Sommer von einem Tag auf dem Anderen die letzten Spuren des Winters vertreiben würde und es ungewöhnlich heiß werden würde. Für mich ein sehr bedeutsames Ereignis, für die anderen nur ein Wetterumschwung.
Eines verregneten Abends kam ich nach Bajard, froh, dass die Sonne nicht so hell schien und meinen Augen weh tat, ein unangenehmer Nebenefekt meiner Erkrankung.
Bajard war, das wusste ich schon zuvor, ein Ort der verschiedensten Gattungen der Spezies Mensch, Elf und Zwer. Hier traf man sich irgendwann immer - imerhin war Bajard ein wichtiger Hafen. Doch all dies ging an diesem Abend unter in einer traurigen Tatsache.
Ich bemerkte, als ich mir ein Abendessen in der Taverne zu Gemüte führen wollte, fünf graue Gestalten, gekleidet in sehr eigenartige Roben aus Knochen, askiert. In ihren Händen hielten sie hässliche Stäbe. Sie bedrängten einen hilflosen Mann. Überall hatten sie ihre bösen Augen hingerichtet. Rabendiener! Ich hörte gerüchteweise von ihnen, ihrer Grausamkeit und ihren Untrieben. Diener des Rabengottes Kra'thor, der die Seelen verschlingt. Das war in der Tat kein gutes Zeichen, sehr beunruhigend, sehr unangenehm.
In der Hoffnung, nicht bemerkt zu werden, schlich ich ich an ihnen vorbei und nahm in der Taverne Platz. Ich war im Grunde genommen froh, denn sie schienen mich tatsächlich nicht bemerkt zu haben, doch war ich leider dazu gezwungen mitanzusehen, wie der arme Mann immer wieder versuchen musste, einem schmerzhaften Tod zu entrinnen.
In der Taverne saßen Männer, doch sie schienen nicht den Mut zu haben, einzuschreiten, die Wehr zu rufen, die Menschen vor ihren Untrieben zu warnen. Eindeutig - hier war keiner geneigt, ein Held zu sein oder zumindest das einzig selbstverständliche zu tun; Leben zu retten!
Ein junger Mann in blauer Robe stach besonders hervor. "Wieso sollte ich auf ein Weib wie Euch hören?" - entsetzlich. Dieser Kerl hatte eindeutig keine Freunde. Und noch schlimer war, dass er nicht das Geringste tat!
Also nahm ich draußen Platz und sah weiter zu. Klar, ich war nicht besser als die, doch ich war auch nie eine Kämpferin, und meine Bestiung sagte etwas anderes zu ir. Noch schlimmer war jedoch, dass man mich nun bemerkt hatte.
Eine der Rabendiener, i Gebahren und der Stimme eine Frau kam auf mich zu. Ich bekam nun tatsächlich Angst.
"So eine wie Euch habe ich noch nie gesehen", sagte sie zu mir. Sie sprach eindeutig meine Krankheit an, die Tatsache, dass Haut und Haar farblos und meine Augen rötlich sind. "So rein, so klar. Ihr seid wunderschön."
Ich wusste nicht, was ich darauf erwiedern sollte. Ich nahm jedoch am Rande hämische Stimmen der Rabendiener draußen wahr. "Das kommt gewiss von generationenlanger Inzucht!"
"Mit Eurer Erlaubnis würde ich Euch gerne einmal erforschen... Untersuchen..." - dann wandte sie sich auch schon eilig ab. Nun also war es soweit, ich war ins Visier der Rabendiener geraten, und das bedeutete für mich Lebensgefahr!
Sie zogen weiter ins Dorfinnere, offenbar mit der Absicht, hier noch mehr Unheil anzustiften, wie junge Burschen, die hoffen, einen wehrlosen Passanten zusammenzuschlagen. Bajard war den Rabendienern schutzlos ausgeliefert.
Da wurde mir klar, es musste etwas unternommen werden, und als sie außer Sichtweite waren erhob ich mich schließlich, um etwas zu unternehmen.
Verfasst: Montag 14. Juni 2010, 00:04
von Selene Ainaan
Kapitel VII:
"Die Flucht der Raben"
Als die Rabendiener außer Sichtweite waren, wusste ich, was zu tun war.
So eilte ich schließlich zum Bankgebäude. Die nächtliche Bankangestellte, gerade im Ansatz, das Bett aufzusuchen, war gerade noch da, und so bat ich sie, die Alarmglocken zu läuten. Es war ungemein wichtig nun, dass die Bürger Bajards informiert wurden. Rabendiener im Dorf!
Kurze Zeit später zog sie an der Schnur und oben läuteten die Glocken - sie hallten durch das Dorf und wurden schließlich auch beantwortet. Nun endlich sollte es früchte tragen.
Scheinbar wurden die Rabendiener neugierig - anstatt das Weite zu suchen kamen sie ins Bankgebäude. Ich war in der Falle! Zweimal an einem Abend konnte man gewiss kein Glück haben.
Ich erstarrte, als sie das Gebäude betraten. Doch offenbar hatte ich mich in einem Punkt getäuscht. Sie bedrohten mich nicht. Offenbar begnügten sich die Diener Kra'thors damit, mich in Panik zu versetzen.
So konnte ich ungehindert zur Türe und nach draußen. Doch die ersten Bewaffneten standen bereits da - es mochten nicht mehr als fünf sein, doch waren es wohl genug für fünf Rabendiener.
Als ich draußen war, verließ auch schon die Prozession der Knochenrobenträger das Bankhaus wieder. Unter Geleitschutz der Bürgerschaft Bajards verließen sie das Dorf schlussendlich. Hier also gab es keinen Ärger mehr zu holen.
Ich beschloss, mindestens noch eine Stunde zu warten, ehe ich mich wagte, alleine das Dorf zu verlassen und ging in die Taverne Bajards. In diesem Moment war sie für mich die sicherste Zuflucht Gerimors. Und auch dort erlebte ich noch etwas sehr interessantes.
Verfasst: Mittwoch 16. Juni 2010, 09:42
von Selene Ainaan
Kapitel VIII:
"In der Zuflucht"
Als ich nun also die Taverne betrat, saßen schon wieder einige Männer dort. Sie schienen sich zu unterhalten, als sie alle auf mich starrten. Schließlich erhob einer das Wort: "Und, habt Ihr die Alarmglocke geläutet?"
Wahrheitsgemäß antwortete ich: "Ich habe es der Bankfrau gesagt, die hat es für mich getan. Einer musste ja etwas unternehmen."
"Das war sehr gefährlich, aber es scheint immerhin funktioniert zu haben."
Gleich darauf gingen die Männer, sich wohl nun in Sicherheit wiegend, dass die Rabendiener fort wären, da betrat kurz darauf eine gerüstete Frau die Taverne.
Sie trug eine lila Robe, war maskiert, trug darunter allerdings eine scheppernde, schwere Rüstung. Sie grüßte mich in Alatars Namen und sah mich wie eine Fremde an. Solche Blicke bin ich an und für sich gewohnt, und ich durfte heute ja schon die eine oder andere Beleidigung wegstecken.
Irgendwie kamen wir dann ins Gespräch. Sie erzählte mir von den lehren Alatars, dass Hass und Zorn teilweise unser Leben bestimmen und dass der Stärkere überlebt. Das irritierte mich teilweise. "Ist es nicht eigentlich so, dass der Klügere oft bessere Chancen zum überleben hat?"
Sie erwiederte darauf, dass Klugheit mit Stärke einher geht, doch da kannte ich wohl das bessere Beispiel: "Ein Bär ist stärker als ein Mann, und trotzdem töten wir mehr Bären, als Bären uns. Dafür wurde der Bogen erfunden. Ist es dann nicht eigentlich so, dass die Stärke allein nicht zählt?"
Tatsächlich fiel ihr daraufhin keine Erwiederung ein, doch die unbekannte Frau nahm das keinesfalls als Beleidigung hin, im Gegenteil, fühlte ich mich ganz wonnig, als ich mich so mit ihr unterhalten konnte. Sie hörte zu, war keinesfalls feindselig zu mir. Vermutlich brachte sie das ja sogar selbst zum Nachdenken.
Ich wurde in dem Glauben erzogen, und so brachte es mir auch nuria bei, dass jeder auf der Welt einen Platrz hat. Ohne Licht kann es keinen Schatten geben, ohne Mutter Eluive gäbe es Alatar gar nicht. So gesehen befndet sich Rahal in eihner gewissen Sinnkrise. Denn Hass alleine gewinnt eben keine Kriege, und Krieg ist das Unnötigste auf der Welt.
Schließlich fragte sie mich, was ich machen würde. So erfuhr sie von mir, dass ich bei Nuria in der Lehre wäre. So klang sie äußerst erfreut. "Wenn Ihr sie wiederseht, richtet Ihr doch einen schönen Gruß von der Ahad aus, die ihren Tee so sehr mag."
Dann verabschiedete sie sich auch schon. Auch wenn ich den Namen der Ahad nicht erfuhr, so empfand ich doch eine gewisse Sympathie für sie. Sie war nicht dumm, nicht das, was einem die Lichten gerne über ihre Feinde erzählten. Sie war aufgeschlossen und freundlich.
So verließ bald auch ich die Taverne und kehrte in Ruhe zurück auf die Sumpfinsel. Keine Rabendiener in der Umgebung, die Welt war gerettet.
Wenngleich es keine Heldentat von mir an diesem Abend war, so konnte ich zumindest mit dem Gefühl einschlafen, etwas Gutes getan zu haben. Und das war mir mehr wert, als ein ganzer Berg von Gold.
Verfasst: Sonntag 20. Juni 2010, 11:10
von Selene Ainaan
Kapitel IX:
"Das Sausen"
Manchmal nehme ich in letzter Zeit Dinge wahr, die ich mir nicht erklären kann. Kürzlich hatte ich einen Traum, da stand ich alleine auf einem Fels mitten im Meer. Um mich herum brauste das Wasser, die Wellen schlugen gegen den schwarzen Fels und durchnässten mich. Der Himmel war tiefblau und die Wolken trieben über mir dahin. Ich hob die Hand an und starrte die Wolken an, und plötzlich war mir so, als könnte ich die Wolken fühlen, obwohl ich sie nicht berühren konte. Ich nahm ihre Beschaffenheit wahr; winzige Wassertröpfchen, gebunden an ein klein wenig Erde - getragen vom Fluss des Windes. Ich ballte die Fäuste und mir war so, als winde ich diese Wolke über mir aus. Ein Sprühregen segelte zur Erde und durchnässte mich. Um mich herum höre ich ein seltsames Sausen, obwohl mein Ohr es nicht vernahm - und unter mir die gewaltige Kraft der Erde, die mich über Wasser hielt und das unruhige Wasser um mich herum von mir fernhielt...
Ich wachte in dieser ersten Nacht, die ich bei den Schwestern verbrachte auf und zog die Decke zurück. Anfangs dachte ch, ich wäre verschwitzt, doch mein ganzes Nachthemd war völlig durchnässt, mein Haar hing mir in dicken Strähnen nass über die Schulter, beinahe so, als wäre ich tatsächlich abgeregnet worden. Meine Schlafstelle war nicht mehr zu gebrauchen, jedenfalls heute Nacht nicht mehr. Bevor die anderen Schwestern das mitkriegen würden packte ch Decke und Kissen und hing es draußen auf. Vielleicht trocknete es ja im Laufe dieses Tages, während ich mit Lernen beschäftigt war.
"Mach dir nichts daraus, das passiert uns allen mal..." - eine Stimme in meinem Kopf, die sich nicht zuordnen ließ, vielleicht nur ein Hirngespinst. Doch dieses eigenartige Erlebnis blieb mir noch sehr lange in Erinnerung.
Ich nenne dieses Gefühl "das Sausen", und Eluive weiß, es war nicht das letzte Mal, dass ich es vernehmen würde.
Verfasst: Sonntag 27. Juni 2010, 14:09
von Selene Ainaan
Kapitel X:
"Unterricht"
Endlich war es soweit und Nuria beruef meine neuen vermeintlichen Schwestern und mich zum Unterricht ein. Talira, Kealynn und ich waren die jungen Schwestern, die scheinbar zeitgleich eingetroffen sind, und so war es schließlich auch keine Überraschung, dass wir uns nochmals kennenlernten. Nuria war wirklich eine nette und kluge Frau, und obwohl sie Kealynn mahnte, keine Tränke verkaufen zu dürfen (ich hielt mich da wohlwissend raus), so war es nicht unbegründet, wie sie uns erklärte.
Als Heilerinnen unterlagen wir einem Eid, ausnahmslos jedes Leben zu schützen und zu retten, auch wenn es uns manchmal vielleicht widerstreben sollte. Da dürften wir dann keinen Unterschied machen. Dieses Versprechen war mir von Anfang an bewusst, und daran halte ich mich noch bis heute.
Also brachte sie uns im Laufe dieser Unterrichtseinheit alles darüber bei, was es zum Thema Einbandagieren und Wunden vernähen zu lernen gab. Eigentlich war es ähnlich wie ein rissiges Kleid zusammenzuflicken, zuvor jedoch musste die Wunde versorgt sein. Eine Wunde Heilen ist fast wie ein Tier, das man pflegt. Man musste darauf achten, dass es dem Körper an nichts fehlt, um dieses Wehwehchen zu heilen.
Wir waren noch sehr ungeübt; Nuria trug uns nahe, so oft wie nur möglich zu üben, vielleicht sogar die Praxis an sich zu erlernen. Ein Gedanke keimte während dieses Unterrichtes in mir hoch.
Wie üblich saß Agatha auf ihrem schwimmenden Blatt und beobachtete gelangweilt, beinahe als hätte sie das ja schon viel zu oft gesehen, das Geschehen. Irgendwie fand ich diese Kröte immer witzig. Sie sah so mürrisch aus, doch manchmal, wenn ich Abends am Alchemietisch saß und die Mittelchen begutachtete und ihre Zusammensetzung studierte, da war es mir, als würde sie dann quaken, wenn ich etwas hochgiftiges in Händen hielt.
Ich ahnte nicht, dass ich Nuria an diesem Abend das letzte Mal sehen würde. Ich kann mir die Beweggründe auch heute noch nicht erklären. Sie nahm nichtmal Abschied von uns, als der Unterricht endete, nicht Abschied für eine lange Zeit oder für immer. Wir ahnten nichts, und immerlich hoffe ich heute noch, sie käme zurück. Doch davon erzähle ich später.
Nach diesem Unterricht jedenfalls war mir deutlich klar, dass ich einst Heilerin werden wollte, Menschen - Verletzten helfen, etwas Gutes für die Welt zu tun.
Verfasst: Dienstag 29. Juni 2010, 11:52
von Selene Ainaan
Kapitel XI:
"...wie aus dem Nichts"
Nuria war fort. Von einem Tag auf den Anderen war sie einfach verschwunden. Keiner wusste, wohin sie gegangen war, sie hinterließ uns keine Nachrichten - und das Einzige, das von ihrer Anwesenheit jemals zeugte war ihr zurückgelassener Besitz. eder Kealynn, noch Talira, noch ich wagten es, diesen einfach anzufassen. Wir wussten, dass sie nicht tot war. Wir wussten es einfach, und so beschlossen wir, alles so zu lassen, wie es war. Würde sie eines Tages zurückkehren sollte sie wissen, dass wir sie nicht vergessen hatten. Uns erinnerte täglich etwas an die Schwester, die uns gefunden und bei sich aufgenommen hatte.
Und so vergingen die Wochen des Alleinseins. Keine ältere Schwester war hier, um uns etwas beizubringen - wir waren völlig allein und auf uns gestellt. Es war äußerst verwirrend, das Gefühl zu haben, dazuzugehören, doch allein zu sein. In diesen Wochen jedoch geschah auch etwas äußerst Seltsames.
Es war der erste wirklich heiße Tag in diesem Jahr. Die Sonne brannte von einem klaren Himmel auf uns herab, und ich musste mir einen Hut kaufen, um nicht von ihr verbrannt zu werden.
Doch eines musste man Bajard zu Gute halten. Die Abende waren berauschend schön. Die Wolken glitten am Himmel dahin, und für einige Momente schien es tatsächlich so, als ob es völlig egal wäre, wer denn hier die Welt zerstören würde, Eluives Werk würde fortbestehen auf ewig, sie nahm keine Rücksicht auf die Zeit, die wir nur zu deutlich spüren würden.
Ein lauer Wind strich durch die Bäume, hinter mir quakten die Frösche und stimmten gemeinsam mit den Grillen eine Melodie an. Ich saß in der Taverne und genoss diese Wärme, diese Ruhe. Und schließlich war es mir so, als ob ich in einen Schlaf verfallen würde, so eindringlich erschien mir dieses gleichmäßige Pulsieren dieser Geräusche. Ich bemerkte nicht einmal, wie ich langsam eindöste - wenn es denn ein Eindösen war, denn als ich den Blick gen Himel richtete, da sah ich etwas, wie aus dem Nichts.
Die abendlichen Wolken schienen plötzlich zu singen, über den Wind zu segeln, auf unsichtbaren Schwingen. Es war tatsächlich so, als ob ich nur die Hand ausstrecken brauchte, um die Wolken it meinen Fingerspitzen zu berühren. Ich schloss die Augen und hob schwerfällig die Hand an.
Als ich die Augen nach kurzer Konzentration wieder öffnete, war es ir so, als ob ich jede dieser Bewegungen instinktiv tun würde. Ich war von etwas umgeben, das mich durchfloss. Mein Körper pulsierte in diesem Takt mit. Es fühlte sich so fremd und doch nur allzu vertraut an. Am Himel erblickte ich die Silhouette einer Frau. Diese Frau schien die Wolken vor sich herzuschieben. Sie schien selbst aus Wolken zu bestehen. Sie war einfach da - wie aus dem Nichts...
...einfach da!
Verfasst: Mittwoch 30. Juni 2010, 13:23
von Selene Ainaan
Kapitel XII:
"...als wäre nichts gewesen"
Die Frau in den Wolken schien sie zu bewegen. Mir war einen Moment lang so, als hätte ich ins Antlitz der Kraft geblickt, welche die Schöpfung steuert. Sie war so gewaltig, und doch so vertraut. Ich sah einen kurzen Moment lang mich selbst - als ob ich so da säße und eine unbekannte Stimme zu mir spräche "Eines Tages wirst du Furchtbares und furchtbar Schönes vollbringen können. Eines Tages wirst du die Wolken lenken und den Wind steuern! Diese Verantwortung gebührt Dir, nutze sie weise." Doch vielleicht war es auch nur reine Einbildung.
Das Sausen in meinem Kopf wurde lauter - es wurde beinahe unerträglich laut, wie das Brausen starker Winde, in großen Höhen, jenseits aller Vorstellung, wo nirgends mehr jemand Lebendes war.
Ich bekam nicht mit, wie um mich herum der Wind anschwoll. Wen sollte es wundern? Wie gebannt beobachtete ich die Frau in den Wolken. Sie hob die Hand - ein majestätisches Bild - und dann ein greller aber stummer Blitz in den Wolken - irgendwo in der Ferne! Dieser grelle Blitz riss mich aus meiner Trance.
Als ich wieder im Hier und jetzt war - hier in der Taverne fühlte ich den Wind um mich herum. Er kam auf, er wirbelte Staub auf - und ich spürte, dass er von mir auskam. Oh! Hätte ich nicht so eine furchtbare angst gehabt, bin ich mir sicher, ich hätte ihn lenken können. Doch so blieb ir nichts anderes Übrig, als Angst und Furcht zu empfinden, vor dem, was mir soeben wiederfahren ist.
Ein Ast wurde von einem Baum geweht. Iris, die Schankmaid der Taverne, die ebenfalls draußen Dienst hatte verkroch sich unter der Theke. Tücher, Blätter, Staub und andere Kleinstgegenstände wurden hochgeweht und schwirrten um mich herum.
Ich brach zusammen!
Zitternd verkroch ich mich in mich selbst und schlug die Hände über dem Kopf zusammen. Es würde nicht aufhören! Es könnte nicht aufhören! Ich hatte keine Kontrolle über diesen Wind!
Doch als ob jemand diesen Ruf vernommen hätte, ebbte der Wind ab. Er verging - und war schließlich ganz weg. Es war wieder ruhig, doch das Zirpen der Grillen, das Quaken der Frösche war verstummt. Für eine kurze Weile holte die Welt um mich herum Luft.
Ich hob den Blick an und sah mich um. Es war ein verhältnismäßig unangenehmes Chaos das ich da offenbar angerichtet hatte. Überall lagen die Sachen herum, vor allem außerhalb der Taverne fanden sich einige sehr interessante Gegenstände, die man dort wohl gar nicht vermutet hätte.
Iris sah mich misstrauisch an. Für mich war es an der Zeit, besser rasch zu verschwinden.
Am gegenüberliegenden Baum fand ich einen langen Ast - diesen hob ich auf und betrachtete ihn. Er war nicht besonders dick und stark, und dennoch ar ich ziemlich beeindruckt davon, was ihn vom Mutterbaum getrennt hatte. Wenn ich dazu fähig bin, welche furchtbaren Dinge werde ich dereinst vollbringen? Ein Gedanke, der mir nicht sonderlich behagte.
Um mich herum war inzwischen das Zirpen der Grillen und das Quaken der Frösche wieder entbrannt. Die Natur nahm weiter ihren Lauf, und bis auf die umliegenden Gegenstände, welche die Tiere scheinbar nicht bekümmerten, war alles wie zuvor.
...als wäre nichts gewesen!
Ich verließ an diesem Abend Bajard eilig. Wer weiß, zu welchen Schlüssen die naive aber sehr engstirnige Iris noch kommen würde.
Verfasst: Freitag 2. Juli 2010, 11:40
von Selene Ainaan
Kapitel XIII:
"Begegnung mit Vefa"
Einige Tage Später war der Schrecken und die Verwirrung schon wieder vergessen. Der Sommer hatte in Gerimor Einzug gehalten, die Tage wurden immer länger und länger, die Abende waren warm und lau.
Eines schönen Tages kehrte ich nach einer Erkundung im Sumpf zurück in unser beschauliches Heim. Da vernahm ich ein Schlurfen über die Treppe. Eine alte Frau war es, die uns entgegenkam. "Hallo mein Kind, wie ich sehe bist du auch eine junge Schwester."
Es war wohl klar, dass die alte Vettel eine der alten Schwestern sein musste, wie sonst wäre sie hierher gekommen? Sie stellte sich mir als Gjinovefa vor. "Aber wenn euch das zu schwer ist, nennt mich einfach Vefa", fügte sie an. Das hielt ich auch für vernünftiger, denn diesen langen Namen konnte ich mir unmöglich merken.
Wir unterhielten uns lange, über verangene Ereignisse, usere bisherigen Erfahrungen mit dem Lied und unser Umgang damit.
"Komm mit, ich zeige dir etwas", sagte sie, nachdem ich ihr von dem seltsamen Erlebnis in Bajard erzählte, der Frau in den Wolken und dem Wind um mich herum. Wir gingen zur Inselküste hin, da, wo sich das Meer in der Unendlichkeit verlor, da wo in der Ferne - irgendwo jenseits unseres Blickwinkels, spürbar ein Sturm zusammenzubrauen schien.
Ich setzte mich neben die alte Frau ins Gras und sie hielt mich an, mich auf das Wasser zu konzentrieren. "Kannst du das Lied wahrnehmen?" fragte sie mich.
"Ich weiß nicht", erwiederte ich wahrheitsgemäß. "Ich nenne es das Sausen. Es ist ganz komisch."
"Sausen, jaja, eine gute Bezeichnung", die alte Frau lächelte, ja sie lachte sogar. Dann meinte sie, ich solle die augen schließen.
Als sie mir ein paar Finger auf die Stirn legte fühlte ich dasselbe Kribbeln in mir, das ich in Bajard schon gefühlt habe. Eine pulsierende Kraft, so, als würde sich der Vorhang heben und vor mir eine ganz neue Welt auftauchen.
Ich musste die Augen nicht öffnen, um zu sehen, was da vor mir lag. Ich streckte vorsichtig die Hand aus und fühlte in der Ferne einen wirbelnden Sog - einen Wind im Meer, unterbrochen von Lücken, da, wo er Wasser mitnahm. Meine Finger schienen diesen Wirbel zu lenken. Ich war wieder verloren in diesem Sausen, doch diesmal fühlte es sich sicher und vertraut an. Vefa zeigte mir scheinbar etwas, etwas, das einst aus mir werden würde - etwas, das mir in gewisser Weise Kraft und Macht verlieh.
Als ich die Augen öffnete sah ich, dass ich es war, die diese Wasserhose lenkte, die sich über das Meer schlängelte und jetzt, da die Verbindung abbrach, sich auch wieder auflöste.
"Sehr beeindruckend, junge Selene", sagte Vefa. "Du wirst einmal weitaus mehr schaffen können. Sieh her. Was spürst du."
Aus dem Meer hob sich eine erneute Wasserhose. "Es fühlt sich nicht so - laut an. Aber eindringlicher."
"Sehr gut. Und jetzt?" Aus dem Tornado hob sich eine Kugel aus reinem Wasser.
"Härter - fester. Als würde es etwas zusammenhalten."
"Sehr gut. Und nun?" Dampf quoll aus der Wasserkugel vor mir hervor.
"Es fühlt sich... so wirr an. So - leidenschaftlich."
"Sehr gut, und nun?" die Kugel erstarrte zu Eis.
"Ruhig - es klingt als wenn es plötzlich still steht."
Die Eiskugel landete zwischen Vefa und mir im Gras und blieb dort liegen. "Macht sich gut in kaltem Tee und ist im Sommer sehr erfrischend", sagte Vefa. "Übe mehr und intensiv. Du wirst darin Sicherheit finden. Jetzt kannst du das Lied hören. Übe fleißig!"
Das nahm ich mir zu Herzen
Verfasst: Samstag 3. Juli 2010, 16:34
von Selene Ainaan
Kapitel XIV:
"Entscheidungen"
"Hast du jemals an dem, was wir tun gezweifelt?" Einige Tage nach meiner ersten Begegnung mit Vefa saßen Talira und ich am Feuer, hinter uns rauschte das Meer und wir hatten geübt, Feuer aus dem Lagerfeuer zu ziehen, um es zu halten. Talira und ich waren beide nicht unbedingt die besten Freunde des Feuers, doch es war neben der Luft das leichteste Element - und das Sichtbarste. Talira war viel mehr dem Wasser zugetan, ich der Luft. Eigentlich verstanden wir uns diesbezüglich schon deshalb sehr gut, denn Luft und Wasser bestimten das Wetter auf Erden. Uns gelang dennoch ein kleiner funkenhafter Feuerball, der in unseren Händen schwebte und sich anzuschmiegen schien, ehe er, nach wiederholten Versuchen immer und immer wieder ausging.
Ich schreckte hoch. "Was meinst du?"
"Na, das alles hier. Unser hiersein bei den Schwestern."
"Du?"
"Nein", gab Talira ehrlich zurück. "Wir sind doch auserwählt."
"Und dennoch ließ uns doch Nuria diese Entscheidung. Wir können unseren Weg doch immer bestimen."
Es war meine Bestimmung - das fühlte ich ganz klar. Wir waren dazu ausersehen, Licht und Schatten im Gleichgewicht zu halten. Wie wir uns das vorstellen durften, wusste ich nicht, allerdings usste ich ganz klar, dass unsere Entscheidungen davon abhingen, it wieviel Feingefühl wir an die Sache herangehen würden.
Mein Vater, Baldor Ainaan, ist ein großartiger Geschichtenerzähler und Sänger. Er verstand es schon immer, mir die Geschichte der Götter und die Geschichten, die er von seinen Reisen mitnahm, glaubhaft und fesselnd zu erzählen. Die Geschichte vom Vorhängnis Orias und Orianas war im Grunde nichts anderes als eine andere Schilderung des schicksals unserer Welt - doch genau diese Geschichte machte mir deutlich, was it dieser Welt nicht stimmte. Es sind die Entscheidungen, die uns leiten. Schicksal? Das Schicksal ist auch nur der Wegeiser, der uns leitet, doch ob wir unserem Schicksal folgen entscheiden wir allein.
Es war meine Entscheidung, meine Aufgabe anzunehmen - es ifühlt sich richtig an. Und darauf kommt es doch am Ende an, nicht wahr?
Wir aren mehr als Heilerinnen, doch auch wenn wir mehr sind, zu heilen ist unsere Hauptaufgabe. Ich beschloss, nicht in der Isolation des Sumpfes zu verweilen und darauf zu warten, dass jemand seine Verletzten zu uns bringt. Ich musste raus.
Ich schrieb noch am selben Abend einen Brief an das Kloster der lichten Götter, das von Krieg und Angriffen schon arg mitgenommen aussah und gewiss Hilfe brauchen würde. Ich beschloss, dort etwas von der Heilkunde zu lernen, wo ich es am ehesten vermochte, helfen zu können.
Meine Entscheidung.