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Ein Ende und ein Neuanfang..?
Verfasst: Freitag 5. März 2010, 15:25
von Linnet Rysk
Immer wieder rückte sie die Blumen in der Vase zurecht, als könne sie dann etwas anderes vor sich sehen. Aber auch nach dem vierten Mal, waren da noch die Blumen, ein kleines Kästchen, die Schüssel mit den Scherben und das leere Pergament vor ihr.
Alles auf dem Tisch gab ihr das Gefühl das sie etwas unternehmen musste.
Und so stand sie auf, die Schüssel mit den Scherben in den Händen. Sie würde sie nicht mehr brauchen, vielleicht hätte sie diese ohnehin nie verwendet. Oder doch? Lächelnd erinnerte sie sich an die Worte einer Freundin:
‚Wenn du so Etwas das nächste Mal vor hast, nimm wenigstens den Bogen – dann triffst du dein Ziel auch‘.
Bei dem Gedanken landeten die Scherben unter großem Scheppern im Müll. Ihr war klar, dass sie eigentlich bereuen sollte was sie getan hatte und doch konnte sie es einfach nicht. Es tat ihr leid, dass sie die falsche Person erwischt hatte. Er hatte sie vor schlimmen Konsequenzen bewahrt .. ‚Dafür sind Freunde da’..
Trotzdem schaffte sie es momentan nicht ihn direkt anzublicken.
Und doch wüsste sie nicht, was sie tun würde wenn sie noch einmal die Gelegenheit dazu hätte.. Sie hoffte einfach, dass sie es so schnell nicht raus finden würde.
Mit der leeren Schüssel kehrte sie an den Tisch zurück. Ihr Blick schweifte wieder zu den Blumen, nachdenklich zog sie Einige aus der Vase und reihte sie vor sich auf.
Die erste Blume stand für einen ständigen Begleiter ihres Lebens. Einen Pol der Ruhe, wo sie ihre Ängste und Sorgen los werden konnte und doch hatte sie niemals mit Jemanden darüber gesprochen, sie würde es auch nie tun dürfen..
Die Zweite faszinierte sie. Jemand zu dem sie aufblicken konnte und doch so unerreichbar.
Etwas das ihr in gewisser weise Angst machte.
Vielleicht war das der Reiz?
Lächelnd schweifte ihr Blick zur Dritten hinüber. Es wäre Etwas über das sie sprechen dürfte, es offen zeigen und sie wüsste dass sie dort gut aufgehoben wäre. Spaß haben könnte, aber..
Da war auch noch die Letzte, die vierte der Blumen. Eindeutig eine verbotene Pflanze. Wahrscheinlich die, welche ihr am meisten Ärger einbringen könnte. Von der sie sich noch nicht einmal sicher sein konnte, ob es dort Ehrlichkeit gab oder je geben würde.
Ob sie überhaupt noch viel mehr falsch machen konnte, als in den letzten Tagen? Ob es noch einen Fehler gab, den sie noch nicht begangen hatte?
Entschlossen, landete eine der Blumen wieder in der Vase. Dann griff sie zu einer Feder und begann einen Brief zu verfassen. Immer wieder begann sie von vorne, bis sie endlich zufrieden war. Der Brief wurde sorgfältig in der Manteltasche verstaut und damit machte sie sich auf den Weg zur Arbeit, immerhin war sie ein Stück weiter gekommen..
Ein neuer Weg
Verfasst: Samstag 13. März 2010, 15:26
von Linnet Rysk
Die Rosen in der Vase, ließen inzwischen ihre Köpfe hängen. Auf dem ganzen Tisch verstreut lagen welke Blütenblätter und dazwischen, drei getrocknete Rosen.
Gedankenverloren griff sie nach einer der getrockneten Rosen, unsanft wurde sie zu den Anderen zurückgesteckt. Dann landete die Vase samt den Rosen im Schnee.
Mit einer schnellen Handbewegung fegte sie die Blütenblätter zu Boden. Die zwei übrig gebliebenen Rosen wurden zum Ende der Tischkante geschoben.
Mit einem zufriedenen Lächeln wurden zwei Gegenstände auf dem Tisch platziert, ehe sie sich einer Truhe am Boden zuwandte und davor nieder kniete. Neben Linnet auf dem Boden aufgereiht lagen ihr Köcher, ein geschnürtes Bündel Bolzen, sowie ihr Bogen und ihre Armbrust. Nach und nach verschwand alles in der Truhe.
Wirklich leicht fiel es ihr nicht, aber sie hatte ihre Entscheidung getroffen. Lange schon hatte sie den Wunsch gehegt und doch hatte es gedauert, bis sie all ihren Mut zusammen nahm ein Schreiben aufzusetzen und ihn um ein Treffen zu bitten. Sie war überrascht und erfreut als er tatsächlich Zeit für sie fand. Auch wenn sie ihn schon eine geraume Weile kannte, war es neu für sie in seinem Haus zu sein, als Gast. Es brauchte seine Zeit bis sie sich an die veränderte Situation gewöhnt hatte und auch dann fiel es ihr noch schwer ihm zu erklären, warum sie um das Treffen gebeten hatte.
Ruhig hatte er sich ihre Bitte angehört und ihr dann seine Erwartungen näher gebracht. Wenn sie diese erfüllen würde, würde er über ihre Bitte nachdenken.
Erst hatte sie sein absolut gutes Gedächtnis aus der Bahn geworfen, dann hatte sie ihm eilig versichert, dass sie all seinen Forderungen nachkommen würde. Darauf machte sie sich auf den Weg zurück nach Berchgard.
Keine Ausschweifenden Trinkgelage mehr, die dann zu solchen Situationen führten, die er noch gut in Erinnerung hatte. Das würde ihr nicht schwer fallen. Solche hatte es ohnehin schon lange nicht mehr gegeben und sie wusste was sie wollte. Dafür lohnte es sich darauf zu verzichten.
Eine anständige Ausrüstung besorgen. Auch dies war nicht allzu schwer zu erfüllen, schließlich kannte sie die besten Schmiede in Berchgard. Als Amu ihr allerdings den Preis für das gewünschte Schwert nannte, musste sie schlucken. Mit soviel hatte sie nicht gerechnet.
Zuletzt wurde ihre Armbrust in die Kiste gelegt und nach einem letzten Blick hinein, verschloss sie die Truhe. Lächelnd strich sie mit der Hand über das Holz der Truhe, während ihre grünen Augen hinüber zum Tisch schweiften. Das einfallende Sonnenlicht fiel auf ein Schwert, sowie ein Schild.
Sie hatte nicht die beste Ausrüstung besorgt, auf die müsste sie wohl noch eine Weile sparen. Aber sie war sich sicher, dass der Sir mit ihr zufrieden sein würde.
Sie nahm sich vor als nächstes eine Freundin aufzusuchen, damit sie wenigstens etwas über den Umgang mit dem Schwert wusste, ehe sie wieder vor ihm stehen würde, um dann zu erfahren wie seine Entscheidung ausgefallen war…
Verfasst: Montag 22. März 2010, 01:49
von Linnet Rysk
Auf einem Bett sitzend blickte sie in Richtung Fenster. Endlich war die Entscheidung da. Eigentlich hätte sie vor Glück zerspringen müssen. Aber es hatte einen äußerst fahlen Beigeschmack bekommen.
Natürlich hatte sie damit gerechnet nun nicht mehr im Lamm zu bedienen. Sie hatte gehofft, dass es nicht so kommen würde, aber sie konnte es nachvollziehen und auch damit leben. Solange sie dort noch als Gast ein und auskehren konnte und zumindest ihre Ideen einbringen, war es für sie in Ordnung.
Leider war es nicht überall auf Wohlwollen gestoßen. Linnet hatte zuvor kein Wort über ihre Pläne verloren. Hier und da hatte sie sich erkundigt und Meinungen angehört. Nie hatte sie erwähnt warum sie diese Dinge wissen wollte. Vielleicht wäre es nicht so gekommen, wenn sie ihre Freunde langsam darauf vorbereitet hätte. Aber sie hatte ihre Gründe sie vor vollendete Tatsachen zu stellen.
Als sie später alle am Tisch saßen und gezwungener Maßen ihren Weg feiern wollten, kam sie sich wie die Verräterin in der Runde vor. Auch der Schnaps, selbst wenn es der letzte in ihrem Leben gewesen sein sollte, wollte ihr nicht schmecken.
‚Na dann hoff mal, dass es sich lohnt uns zu verlassen..`
, Ich bin maßlos Enttäuscht von dir`
,Du wirst hochnäsig werden und keinen Spaß mehr verstehen..‘
Sie versuchte sich an der guten Miene zum Bösen Spiel.
Aber sie hielt es keinen Augenblick länger am Tisch aus als sie musste. Direkt nach Amary, verschwand auch sie.
Sie dachte noch nicht einmal daran einen Mantel zu nehmen.
Wutentbrannt stapfte sie durch den Schnee in Richtung Adoran.
Der fehlende Mantel fiel erst auf, als sie schon eine Weile unterwegs war. Umdrehen kam nicht in Frage.
Sie wollte diesen Weg weiterhin gehen.
Aber sie wollte nicht ihre Freunde verlieren und wenn auch nicht viel an den Vorwürfen dran war was sie nachvollziehen konnte, so war doch eines dabei was ihr zu denken gab. Sie verbrachten immer weniger Zeit miteinander.
Auch wenn sie wusste, das es nicht alleine an ihr lag. War ihr bewusst wie man es ändern könnte. Aber an dem Abend lief nichts nach den einfachen Vorstellungen von Linnet. Schließlich kehrte sie unvollendeter Dinge zurück nach Berchgard.
Dort nahm sie dankbar das Angebot einer Freundin an, die Gemüter abkühlen zu lassen und erst einmal woanders zu schlafen.
Sie wollte die geforderte Zeit geben, sich an die veränderte Situation zu gewöhnen. Und auch selbst erhoffte sie sich Ruhe.
Die Decke so hoch wie möglich gezogen, dachte sie lächelnd an den nächsten Tag.
Der erste Tag als Knappin….
Verfasst: Mittwoch 24. März 2010, 11:25
von Linnet Rysk
Erste Lektion: Demut
Eigentlich hatte sie gedacht, die Knappschaft würde eine angenehme Zeit werden. Sie konnte sich kaum vorstellen, dass es schlimmer werden würde, als der Abend an dem sie endlich erfuhr, das sie Knappin sein würde.
Für die Einen war sie die Verräterin, die alle Maßlos enttäuscht hatte, für die Anderen die neue Putzfrau im Haushalt eines Ritters. Nicht mal eine Handvoll ihrer Freunde, hatten sich einfach für sie und ihre Entscheidung gefreut ..
Und so war sie ganz froh über den ersten Tag an dem sie aus Berchgard raus kam. Was sollte es denn nun noch schlimmeres geben?
Bald schon wurde ihr klar, dass man sich eine solche Frage einfach niemals stellen durfte.
Es würde durchaus schlimmeres geben…
Natürlich war ihr klar gewesen, dass sie keine Plattenrüstung tragen dürfte. Sie kannte es ja von Cedric , außerdem war sie ihre alte Rüstung nun schon gewohnt und fand das nicht schlimm.
Als er ihr dann aber erklärte, dass er dies anders handhaben würde und er da durchaus sehr streng wäre, musste sie schlucken.
Keine Kettenrüstung?
Sie dürfte wohl erst einmal nur einfaches Leder tragen.
Nun gut, irgendwie würde sie damit auch zurecht kommen. Aber das war lange noch nicht alles...
Es fiel ihr sichtlich schwer ihre Überraschung zu verbergen, als er ihr ein Holzschwert reichte.
Sicher, kannte sie sich mit einem Schwert kaum bis gar nicht aus. Und bestimmt würde es eine Weile dauern, bis sie sich an die neue Waffe gewöhnt hatte.
Aber ein Holzschwert?
Zögernd griff sie nach dem Schwert und stellte sich die Sprüche dazu vor.
Sie sollte sich erst einmal verdienen etwas anderes tragen zu dürfen. Auch die von ihr so geliebten Jagdgänge waren nun solange verboten, bis Sir Thelor der Meinung war das sie dazu bereit wäre.
Nicht mehr jagen gehen?
Immer wenn sie das Gefühl hatte, alles um sich herum nicht mehr zu ertragen, war sie auf die Jagd gegangen. Meist für mehrere Stunden, sie war immer erst dann zurück gekehrt, wenn sie sich sicher war nicht auf die nächste Person los zu gehen und wieder die Ruhe selbst zu sein. Wenn sie das nun auch nicht mehr durfte, wie sollte sie dann bloß Ruhe bewahren?
Wie sollte sie weiterhin den Ärger ertragen, ohne auf die nächste Person los zu gehen?
Erst war sie erleichtert gewesen als Anetta hinzu kam.
Immerhin hatte sie Linnets Gedanken vertrieben. Anetta interessierten andere Dinge als den Sir, aber bald durfte Linnet feststellen das sie wohl noch viel mehr zu lernen hatte, als gedacht.
Auch war es ihr unangenehm zu zugeben wie wenig sie wirklich wusste.
Die richtigen Anreden?
Ein paar fielen ihr ein, aber lange nicht alle. Nie hatte sie so etwas gebraucht, im Lamm wurde da selten drauf geachtet und wenn einmal doch, hatte sie sich immer Mühe gegeben eine Anrede, bei der sie sich nicht sicher war zu umgehen. Damit war es nun wohl vorbei.
Höfische Manieren?
Bei der Frage rutschte sie im Stuhl ein Stück tiefer. Sich zu Tisch benehmen zu können reichte da wohl nicht aus. Auch bei so ziemlich allen anderen Dingen musste sie kleinlaut zugeben, dass es da nachhohlbedarf gab.
Auf dem Weg zurück nach Berchgard fühlte sie sich alles andere als gut.
Sie hoffte, irgendwo die Ruhe, mit welcher sie früher alles ertragen hatte, wieder zu finden…
Vor dem Lamm angekommen atmete sie noch einmal tief durch.
Ihr fielen auf an hieb drei Wünsche für die nächste Zeit ein:
Die Gelassenheit, all das hinzunehmen, was nicht zu ändern ist.
Die Kraft, zu ändern was nicht länger zu ertragen ist.
Und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden…
Verfasst: Montag 12. April 2010, 13:38
von Linnet Rysk
Die zweite Lektion: Opferbereitschaft
Linnet saß auf den Treppen des Hauses , ihr Blick schweifte durch den leeren Garten, ohne etwas davon wirklich wahr zu nehmen.
Die letzten Tage hatten ihr einiges abverlangt. Sie hatten mit dem Üben des Schwertkampfes begonnen. Hatte sie sich erst darüber beschwert ein Holzschwert tragen zu müssen, so war sie nun dankbar dieses zu haben, war es doch leichter als eines aus Metall. Sie kam schneller aus der Puste, als gedacht und gab sich trotzdem Mühe den Anweisungen Sir Thelors gerecht zu werden. Nach dem Training schmerzte ihr alles und sie wäre unendlich dankbar gewesen für einen Tag, an dem sie sich nicht rühren müsste. Aber so leicht war es leider nicht. Sie hörten am späten Abend auf und setzten den Schwertkampf am frühen morgen fort.
Als die Übung endlich beendet war, wurde es dann so richtig unangenehm und sie wünschte sich den Schwertkampf zurück. Ohne dass es ihr wirklich bewusst gewesen war, hatte sie wohl einen Fehler begangen. Am liebsten wäre sie im folgenden Gespräch im Boden versunken. Ihr blieb nichts anderes übrig als zu versichern, das es nie wieder vor kommen würde und sie sich in nächster Zeit mehr Mühe geben würde, was die Etikette anbelangt.
Gerne, nahm sie seinen Vorschlag eines Ausrittes an. Auf andere Gedanken kommen, einfach ein wenig an die frische Luft. Wie falsch der Gedanke doch war. Bald schon fiel ihr auf, dass er jede Minute nutzte, ihr etwas bei zu bringen. Selbst ein Ausritt, wurde zu einer Lehrstunde.
Er lehrt sie auf dem Weg zum ersten Schrein, die sieben Tugenden Temoras. Auf seine Frage hin, bekam sie lediglich drei davon selbst zusammen.
Als erstes besuchten sie den Schrein der Geistigkeit. Sie lauschte ihm Aufmerksam, während er erzählte, wie es zu dem Bau der Schreine kam und was es genau mit dem Schrein der Geistigkeit auf sich hatte. Sie fand seine Ausführungen sehr interessant, gerade als sie beschlossen hatte, das dies wohl eine der Lektionen war die sie gerne lernen würde, bat er sie um ein Gebet. Völlig verdutzt sah sie zu ihm auf. Beten? Sie hatte das noch nie getan. Nicht das sie noch nie ein Gebet gehört hätte. Aber selber eines aufzusagen… Sehr erleichtert nahm sie sein Angebot an, dass er beginnen würde. Ihre anschließende Ausführung fiel mehr als dürftig aus.
Der nächste Schrein, war der des Mitgefühls. Während sie seinen Worten lauschte, versuchte sie sich die Worte für das anschließende Gebet zurecht zu legen. Und als sie dieses mal beginnen sollte, war sie zwar immer noch sehr unsicher, aber er schien recht zufrieden zu sein.
Bei den folgenden Schreinen wechselten sie sich mit dem Gebet ab und ihr fiel es zunehmend leichter die richtigen Worte zu finden. ..
Linnet fand nur noch selten Zeit in Berchgard bei ihren Freunden zu verweilen. Und wenn sie es zwischen dem Unterricht und ihren anderen Pflichten aufsuchte, hatte sie nicht das Gefühl mit Freude empfangen zu werden. Der erste Besuch fiel sehr ernüchternd aus.
‚Kennt ihr die Fremde?‘ , ‚Wie war nochmal ihr Name?‘ Auch eine neue Angestellte gab es nun. Miranda. Eine sehr freundliche junge Frau, welche ihre Aufgabe gut meisterte. Und doch war es ein schmerzhaftes Gefühl nicht einbezogen worden zu sein. Vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden. Nicht mehr dazu zu gehören… Recht schnell kehrte sie Berchgard wieder den Rücken.
Die freie Zeit vertrieb sie sich nun damit so unauffällig wie möglich zu sein. Dann kam das Frühlingsfest in Adoran..
Rahel war die ganze Zeit davor mit der Organisation beschäftigt gewesen. Am Tag selbst packte Linnet gerne mit an und freute sich über die Abwechslung. Als dann Jemand bei der Essensausgabe und den Getränken fehlte, bat sie um die Erlaubnis ausschenken zu dürfen. Es tat ihr gut der gewohnten Arbeit nachzugehen. Es machte ihr nach wie vor Freude, verschiedene Menschen kennen zu lernen und ihnen ihre Wünsche zu erfüllen. Eine Zeit lang war sie recht Glücklich mit der Aufgabe. Gerade als es einmal etwas ruhiger war, gingen ihre Freunde an ihr vorüber. Sie war sich ganz sicher gesehen worden zu sein, auch den Ausdruck im Gesicht hatte sie wahr genommen.
‚Hier kannst du also bedienen, wir sind dir wohl nicht mehr gut genug ?` Grußlos gingen sie an ihr vorüber.
Von da an, fingen sie an Kopfschmerzen zu plagen und sie bediente eher hastig. Sie wollte es einfach hinter sich bringen. Auch der offizielle Teil des Festes ging eher an ihr vorbei. An dem Tisch, an dem sie früher Platz genommen hätte, war kein Platz mehr für sie. Nebenbei regestrierte sie wie eine Ehrung nach der anderen statt fand und fühlte sich unheimlich einsam.
Verspätet wurde sie ihre Glückwünsche los. Der Blick zu dem leeren Tisch hinter ihr. Sie waren also irgendwann einfach gegangen. Irgendwie brachte sie den Rest des Abends rum und machte sich dann auf den langen Weg in ein leeres Haus.
Ihr fiel etwas ein, das sie vor langer Zeit einer Freundin geschenkt hatte und sie fühlte sich noch ein wenig elender:
Ein Freund, ist ein Mensch, der alles von dir weiß und dich trotzdem liebt…
Verfasst: Montag 12. April 2010, 15:54
von Amary Ann Louisan
Die Vorfreude…
Ein Fest! Ein Fest das wir nicht selbst ausrichten! Welch eine herrliche Abwechslung!
Wir würden tanzen, trinken und lachen!
Wir.. wir alle die wir uns kennen und lieben, einfach den Tag genießen….
Auf was soll ich mich Freuen?...
Wo war die Freude plötzlich hin? Heute Abend war es doch soweit..
Schöne Kleider, schöne Musik…
Doch irgendwie war diesmal anders als Sonst.
Innerlich kannte sie die Antwort bereits, doch auch wenn sie diese kannte.
Welchen unterschied machte es`? Sie hätte nichts ändern können daran.
Wo war Linnet die sie hippelig fragte ob wir zusammen zum Fest gehen?
Wo war Rogan mit Leli? Wo waren alle Anderen mit denen sie Tag täglich zutun hatte?
Seufzend holte sie ein Seidenkleid aus ihrem Schrank raus. Der eisblaue Stoff glitzerte im Licht doch auch das schien ihr für diesen Augenblick egal zu sein. Sie zog es an und band die Schleife um die Taille.
Alle schien schrecklich beschäftigt zu sein und Linnet, sie war bestimmt in Adoran wo sie ständig die letzte Zeit war…
„ Amary du musst dich für Linnet freuen“ schalten die Worte von Rogan in ihrem Ohr.
Freuen? Ich hab´s doch von Anfang an gesagt, dass wir sie verlieren werden!
Und so war es auch…
Amary blickte hoch zum Gebäude des Lamms. Da oben war ein leeres Zimmer, was bei der Planung des Bauss Linnets Zimmer sein sollte. Doch diese lebte nicht mal einen Mondlauf darin und flüchtete wieder beim ersten Streit davon.
Sie seufzte leise. Und nun lebt Linnet in Adoran bei Rahel. Wie enttäuscht war sie wieder dass zufällig zu erfahren. Eigentlich sollte es nicht ihre Sorge sein. Aber sie hat sich doch so gewünscht Linnet ein zuhause zu geben wo sie dauerhaft leben kann. Und Linnet selbst war damit einverstanden.
Doch sie hat sich für ein anderes Heim entschieden…
Als Amary das hörte sank ihre Laune hinab. Sie versuchte es sich nicht anmerken zu lasen, doch Linnet wusste bereits im selben Augenblick was in Ihr vorging. Und ergriff wie üblich die Flucht.
Das Fest..
Amary wartete am Hafen auf Bospa der langsam auf sie zuging. Sie würde mit ihm zum Fest fahren und dort vielleicht Linnet sehen? Wie wird sie reagieren? Soll sie was sagen?
Schließlich waren sie mal eng zusammen verbunden. Vielleicht wird sich wieder alles einspielen?
Und das Fest würde einiges zum Guten wenden..
Das Schief hielt am Hafen an. Aufgeregt lief Amary immer den Blüten am Boden nach. Als sie bei den Festlichkeiten ankam sah sie ein Bekanntes Bild vor sich.
Linnet stand hinter einem Tisch voller Speise und Bediente die Menschenmenge.
Ein erneuter enttäuschter Seufzer.
Linnet war am Arbeiten. Wieder eingespannt, Wieder unerreichbar.
Es schien dass für ihre neuen Leute ein anderes Gesetzt gilt als für ihre Familie.
Es war wohl unwürdig im Lamm zu bedienen. Aber hier wenn man sie gebraucht hat war es wohl gut genug…
Sie sagte nichts, sie grüßte nicht… Sie ging einfach an ihr vorbei ins Festzelt und hoffte mit Linnet an diesem Abend nicht sprechen zu müssen.
Zum ersten Mal hatte sie das Gefühl von Linnet zu fliehen und nicht umgekehrt.
Das Fest fing ermüdend an. Jeden Augenblick dachte sie daran zu gehen.
Menschen die im Raum saßen kannte sie. Doch irgendwie schien sie ihr so weit weg zu sein. So fremd dass sie sich nicht traute auf sie zuzugehen.
Natürlich, sie waren unter sich. Die Hoche Gesellschaft.
Im Lamm waren sie für sie alle gleich doch hier war der Unterschied deutlich.
Und sie nur eine Wirtin aus Berchgard..
Sie trank ihren Wein vor sich und hoffte soviel davon zu trinken um dieses Fest besser ertragen zu können.
Ihre Stimmung hebte sich erst als Rogan ihr Retter aufm Fest erschien. So konnte sie einfacher ihre schlechte Laune überspielen.
In ihrem Ohr erklang von weitem die Stimme von Linnet.
„ Welchen Tee möchten sie? Wir hätten abzubitten….“
„Meine liebste, engste Freundin..“ ein leiser Gedanke..
Die Finger legten sich um einen Armband und drehten diesen Gedankenverloren herum.
In feiner Schrift standen die Sätze geschrieben;
„Ein Freund, ist ein Mensch, der alles von dir weiß und dich trotzdem liebt…“
Verfasst: Freitag 23. April 2010, 09:52
von Linnet Rysk
Nachdem alles erledigt war, hatte sie es sehr eilig Adoran zu verlassen. Nein, zurück blicken würde sie nicht.
Sie musste schlucken auf dem Weg am Weingut vorbei, nach Berchgard. Dort angekommen griff sie nach der gepackten Tasche.
Ein letzter Blick auf das Schild vorm Lamm. Hier wartete noch viel Arbeit, aber das hatte Zeit bis morgen.
Die Tasche geschultert machte sie sich auf den Weg zurück zum Anfang. Dorthin wo einmal alles begonnen hatte. Die gemeinsame Reise, die Geburt eines gemeinsamen Traumes und die harte Arbeit dafür.
Es würde wieder hart werden und diesmal härter als zuvor.
Damals hatten sie neu angefangen mit nichts in den Händen, aber sie hatten dafür auch nichts anderes aufgegeben.
An dem leeren Platz gekommen hielt sie inne und lies sich im Gras nieder.
Hier würden sie von vorne beginnen.
Ein Neuanfang.
Was dieser gekostet hatte? Ihre eigenen Träume, Freunde, ein Zu Hause.
Ob es das wert war?
Wusste man das denn je, bevor man es gewagt hatte?
Der Weg zurück? War verbaut, unmöglich. Also nach vorne.
Alles neu auf bauen, neu beginnen.
Nur einer im Bunde würde fehlen beim Neuanfang. Berthold Virr hatte still und heimlich das Land verlassen. So waren sie dieses mal nicht zu viert, sondern zu dritt.
Rogan voller Tatendrang, Amary gab sich Mühe die guten Seiten daran zu sehen. Und sie selbst?
Gerade hoffte sie auf einen Haufen Arbeit, etwas das sie davon abhielt nachzudenken. Etwas was sie davor bewahrte zu träumen. Und darauf viele Gesichter in die sie nun einfach nicht blicken konnte, eine Weile nicht zu sehen.
Konnte man Träume austauschen, war ein Traum mehr wert als ein Anderer?
Da war sie sich nicht sicher. Aber es gab einen Traum mit dem alles begonnen hatte und eine Freundin, die nun ihre Hilfe brauchte.
Sicher war sie sich, dass nicht ein Freund mehr Wert war als der Andere. Aber ebenso das man Freunden, die gerade Hilfe brauchten nicht im Regen stehen lies. Denn das machte eine Freundschaft doch aus.
Für den Anderen da zu sein, wenn er einen brauchte.
Gemeinsam für das einzustehen was man erträumt, erschaffen hat, es wieder zum Leben erwecken.
Lange saß sie auf dem Fleck Gras, selbst als die ersten Sonnenstrahlen die Erde berührten, konnte man Linnet noch dort sitzen sehen.
Eine Nacht ohne Schlaf, eine auf der noch viele weitere folgen würden, da war sie sich sicher.
Sie würde einfach alles was sie hatte hier hinein stecken und hoffen, dass das Andere vorbei geht…
…. In ein neues goldenes Lamm….
Rinnsal das Vorherbestimmt,
langsam seinen Anfang nimmt.
Meer das nicht führbar ist,
des Gefühlstaues Hinterlist.
Sturm der von innen prescht,
Seelenwasser – das beherrscht.
Salziges Gemisch im Auge,
Gefühlsmässige Lauge.
Wehmutstropfen der fällt,
irgendwann in dieser Welt.
Leise in die Erde sinken,
lassen alles darin ertrinken.
by moonlight
Verfasst: Freitag 23. April 2010, 16:55
von Rahel de Winter
Rahel saß im Garten und blickte zu dem Haus was Linnet bis vor wenigen Stunden noch beziehen wollte.
Was war eine Freundschaft wert?
Wie es schien nicht viel, wenn man ging ohne ein Wort, einfach alles hinwarf ohne etwas zu sagen.
“Ich komme gleich wieder, ich muss nur noch etwas erledigen.” ,waren die letzten Worte die sie gesagt hatte.
Das nächste was sie von ihr hörte, na ja wohl las, war der Brief den Thelor an die Ritter versand hatte.
Rafael reichte ihn ihr, schon sein Blick verhieß nichts gutes und noch während sie las nahm er sie tröstend in den Arm.
Cedric hatte also mit seiner Mutmaßung recht behalten, wieso würde sie grad nur zu gern alles dafür geben, wenn dem nicht so wäre.
Das sie Amary helfen wollte verstand sie, immerhin war sie es selbst gewesen die dafür gesorgt hatte, dass sich die beiden endlich wieder aussöhnten. Jedoch hatte sie schon am Abend des Festes ein ungutes Gefühl in ihr breit gemacht, was sich nun bewahrheitete.
Sie hätte auf Linnet hören sollen das Amary nichts ohne Hintergedanken tat, doch sie hatte ihr, schon Thancred zuliebe, damals eine Chance geben wollen.
Nun hatte Amary geschafft was sie wollte, Linnet hatte sich entscheiden müssen, zwischen ihr, ihrer Knappschaft und den restlichen Freunden.
Sie hoffte das Linnet mit ihrer Entscheidung glücklich werden würde, doch ihr Gefühl sagte anderes.
Was war eine Freundschaft, wert?
Wie es schien nichts und daraus würde sie lernen.
Verfasst: Donnerstag 29. April 2010, 09:33
von Linnet Rysk
Nachdem das Leben auf den Wegen um sie herum einkehrte, verlies sie ihren Platz.
Ohne zu zögern suchte sie einen alten Freund auf. Sie war sich sicher, dass er ihr zu hören würde – ohne sie zu verurteilen.
Während sie bei ihm saß, musste sie sich lächelnd eingestehen, dass er wohl eine ganz eigene Sicht der Dinge hatte. Eine Sichtweise, die ihr durchaus gut tat.
Er schaffte es, sie auf andere Gedanken zu bringen, sie völlig abzulenken.
Was zuvor ihre Gedanken beherrscht hatte, wurde in den Hintergrund gedrängt.
Langsam beschlich sie das Gefühl, das ihre Freundin doch nicht so verrückt war, wie sie immer geglaubt hatte. Zum ersten Mal meinte sie zu verstehen, wie es damals zu ihrer Entscheidung gekommen war.
Aber es gab noch etwas zu klären. Ihr Weg führte sie nach Adoran und das folgende Gespräch fiel ihr sehr viel schwerer als Gedacht. Eine Weile kam ihre zuvor getroffene Entscheidung ins Wanken, dann aber besann sie sich darauf, warum sie so entschieden hatte..
Bei ihrer Rückkehr war sie einfach ehrlich.
Was dann noch blieb, war zwei Seelen über einen durchaus verrückten Plan einzuweihen. Ihre Reaktionen fielen völlig unterschiedlich aus. Während sie schon begann zu planen, was einfach während einer Nacht irgendwo geschehen sollte, war er durchaus sehr skeptisch.
Es machte ihr Spaß Beiden bei einem Schnaps zu, zu hören. Es war fast wie früher, sie streiten zu sehen…
Die höchste Form des Glücks ist ein
Leben mit einem gewissen Grad an
Verrücktheit.
Erasmus von Rotterdam
Verfasst: Freitag 14. Mai 2010, 19:54
von Linnet Rysk
Sie saß auf den Stufen des Eingangs, ihre grünen Augen waren auf eine der vielen Pfützen gerichtet. Mit einem leisen ‚Patsch‘ landete ein Tropfen vom Dach im Wasser, sofort bildeten sich kleine Kreise auf der Wasseroberfläche. Gerade als wieder Ruhe eingekehrt war, fand ein weiterer Wassertropfen seinen Weg und zog erneut die Bahnen. Was so ein kleiner Tropfen für eine Wirkung haben konnte..
Genauso wie jede einzelne Entscheidung, die sie in der letzten Zeit getroffen hatte. Gedankenverloren drehte sie den Ring an ihrem Finger. Ein paar dieser Entscheidungen hatten ihre Kreise bereits gezogen, andere waren noch dabei und wieder andere warteten noch darauf getroffen zu werden.
Sie sehnte sich nach ein wenig Ruhe, aber sie wusste auch dass sie sich diese nicht leisten konnten. Keiner von ihnen konnte das zur Zeit. Und selbst wenn die letzte Entscheidung gefallen war, würde es lange dauern bis eine gewisse Ruhe eingekehrt war.
Mit einem leisen Seufzer drückte sie sich auf. In der Küche wartete das dreckige Geschirr vom Abend auf sie. Es musste alles vorbereitet werden, sie mussten wieder bereit für neue Gäste sein. Wenn man sich auf einen solchen Abend voller Anspannung überhaupt vorbereiten konnte. Klirrend landete einer der Teller auf der Arbeitsplatte. Man konnte die Abende nicht planen, es blieb nur zu hoffen..
Das letzte Glas landete bei dem restlichen Geschirr, dann trocknete sie sich eilig die Hände an der Schürze ab und beugte sich über eine der Truhen. Sorgfältig schnürte sie ein kleines Bündel, das daraufhin in ihrer Tasche verschwand. In der Tür blieb sie stehen und lies den Blick noch einmal durch den Raum schweifen. Die Arbeit war getan, sie waren bereit für die ersten Gäste.
Bevor sie ging kontrollierte sie zweimal, ob sie wirklich alle Türen verschlossen hatte.
Wenn sie jemand gefragt hätte, ob sie ihre Entscheidungen bereute, würde sie dies vermutlich verneinen. Aber gab es überhaupt jemanden der niemals eine seiner getroffenen Entscheidungen bereute? War dies überhaupt möglich? Immer das Richtige zu tun? Woher wusste man denn was das Richtige war?
Die Kapuze tief ins Gesicht gezogen machte sie sich auf den Weg. Eine kleine Aufmerksamkeit musste überbracht werden und dann würde sie zurück kehren …
Gehe nicht, wohin der Weg führen mag,
sondern dorthin, wo kein Weg ist, und hinterlasse eine Spur.
Jean Paul
Verfasst: Mittwoch 16. Juni 2010, 13:39
von Linnet Rysk
Sollte in der letzten Zeit ein Passant am goldenen Lamm vorüber gehen, würde ihm wohl zunächst die dort eingekehrte Ruhe auffallen. Sicherlich würde er den leeren Garten bemerken, ebenso wie den fehlenden Geräuschpegel in der Taverne.
Vielleicht würde er aber auch an einem der Tische eine junge Frau sitzen sehen, wie sie vor sich einen Haufen Pergamente ausgebreitet hat. Möglicherweise würde er sogar solange verweilen um zu sehen wie sie hektisch den Tisch leer räumt und mit einer Tasche, die prall gefüllt ist und die sie wohl gerade noch so tragen kann, die Taverne in Richtung Osten verlässt.
Ganz bestimmt war die junge Frau mit den geröteten Wangen nur in Eile und keinen weiteren Gedanken wert. Was aber wenn er doch etwas sehr wichtiges beobachtet hätte… ?
Vertrauen ist das Gefühl, einem Menschen sogar dann glauben zu können,
wenn man weiß, dass man an seiner Stelle lügen würde.
Henry Louis Mencken
Verfasst: Samstag 10. Juli 2010, 11:26
von Linnet Rysk
Mit einem lauten Krachen landete das letzte Brett, auf dem inzwischen recht ansehnlichen Stapel von Trümmern.
Ein leises Seufzen entfuhr ihr, als sie noch einmal den Garten betrachtete und ihre grünen Augen zuletzt am Brunnen hängen blieben.
Der Oger hatte wirklich ganze Arbeit geleistet. Sie würde Bospa knebeln müssen, damit er nicht weglief wenn er das Ausmaß sah, was denn da alles zu reparieren war.
Aber immerhin waren sie noch glimpflich davon gekommen, wie durch ein Wunder hatten sie nur Sachschäden erlitten.
Außer einem Schock, schien es allen Gästen und auch den Lämmern gut zu gehen.
Barfüßig tapste sie in Richtung des Einganges und fuhr mit den Fingern über die Salzstatur. Wie immer jagte ein Ereignis das nächste. Es hatte eine Entführung gegeben, mehrere unerfreuliche Besuche, aber auch etwas Gutes war geschehen.
Wieder zurück im Lamm kontrollierte sie noch einmal strahlend die neuen Schnapsvorräte. Und es würde so vieles mehr folgen…. Vielleicht ging es wirklich wieder Berg auf…
Nach wie vor beschäftigte sie das Problem einen Schutz zu erhalten. Sie hatte sich so erhofft, dass noch vorm Eintreffen der neuen Waren zu schaffen. Aber immerhin gab es einen Lichtblick… Eine Hilfe, mit der sie gar nicht mehr zu rechnen gewagt hatte.
Es war der richtige Weg, der schwierige Anfang war getan und sie würden ihn gemeinsam weiter gehen. Auch wenn sie es noch lange nicht wagen würde es auszusprechen, machte sich langsam das Gefühl in ihr breit, dass das Lamm gerettet war.
Und sie selbst?
Es war nicht nur eine Seele gewesen, die ihr Mut machte, dass es auch für jemanden wie sie einen Neuanfang geben würde – wenn man nicht weglief. Den ersten kleinen Schritt hatte sie gewagt. Und auch wenn sie wusste, dass es Menschen gab, die ihr gerne zu gehört hätten, fühlte sie sich unter all ihren Freunden unheimlich einsam…
Mancher Mensch hat ein großes Feuer in seiner Seele,
und niemand kommt, um sich daran zu wärmen.
Vincent van Gogh
Verfasst: Sonntag 1. August 2010, 19:54
von Linnet Rysk
Auf dem Rückweg vom alten Zausel fühlte sie sich schon weitaus besser. Besuche bei ihm taten ihr immer noch unendlich gut. Sie zog die Kapuze tiefer ins Gesicht, langsam schlenderte sie ihren Weg zurück. Über seine Sicht der Dinge schmunzelnd, fiel ihr gar nicht auf, dass sie seit einer Weile nicht mehr alleine war.
Völlig in Gedanken nahm sie ihre übliche Abkürzung durch den Wald, den Weg zum Ufer einschlagend. Erst das Geräusch einer ziehende Klinge lies sie aus den Gedanken aufschrecken und sich umwenden. Wie hatte ihr das nur entgehen können? Seit wann sie ihr wohl gefolgt waren?
Ohne zu zögern zog auch sie ihr Schwert, ein flüchtiger Blick über ihre Schulter verhieß nichts Gutes. Sie hatte den Weg schon längst verlassen und war viel zu nah am Ufer entlang geschlendert, so dass es kaum Ausweichmöglichkeiten für sie gab.
Die erneute Unaufmerksamkeit von ihr nutzend, gingen die Wegelagerer in den Angriff über. Schnell wurde sie weiter zurück gedrängt. Ein weiterer Schritt nach hinten, sie spürte wie der Stein unter ihrem Fuß nachgab, verlor das Gleichgewicht, dann noch der schneller werdende Fall… Und schließlich ein dumpfer Aufschlag auf den Steinen, eh die Wellen sie verschluckten.
Das einzig wichtige im Leben sind die Spuren der Liebe,
die wir hinterlassen, wenn wir gehen.
Albert Schweitzer
Verfasst: Dienstag 3. August 2010, 00:27
von Anveena Midame
Angewiedert stieß Sie ihr, vom Matsch überzogenes Kleid in die Ecke. Noch einmal überzog Sie der Schauer an das, was Kimroth von ihr verlangte und die Tatsache, wie Sie es doch wieder auf ihre Art löste.
Sie hob leicht die Mundwinkel an den Gedanken des schmerzverzerrten Gesichtes jenes Mannes, den Sie ja eigentlich betörren sollte.
Doch rohe Gewalt und die richtige Folter, waren effektiver als Liebesduseleien zu einem hässlichen Objekt.
Es war dunkel...und ruhig. Zu ruhig. Vorsichtig ging Sie die Treppen hinauf. Naestra streunte sicher durch die Nacht, es tat Anveena gut, ihre kleine Schwester aufblühen zu sehen. Ein Nervenbündel, gewiss, aber ihr kleines Nervenbündel.
Doch mehr liess ihr kleines, verkümmertes Herz aufschlagen, ein einzelner Gedanke an eine einzelne Person: Linnet. Sie waren soetwas wie Freundinnen nach allem geworden, ja, Linnet war die einzige nicht erwählte Krathors, die von der dunklen Seite Anveenas wusste und akzeptierte.
Anveena bot ihrer Freundin ein Heim an, eine Zuflucht vor all der Last mit ihrem geschiedenen Manne und dem Kinde, was Sie in sich trug.
Wieder ein kleines aufschlagen.
Sie wäre dumm, nicht zu wissen, dass die Gefühle zu Linnet nicht mehr sind als reine Freundschaft, doch Sie wollte es nicht überstürzen, nein, sie wollte keinen Fehler machen. Sie war zufrieden mit dem, was Sie hatte. Linnet, die einzige, nachdem Simoen so plötzlich aufzog und ein fast leeres Haus hinterliess.
Die Stufen knarrten, doch nicht so laut wie die Tür, als Sie diese zu ihrem Schlafzimmer öffnete. Nur ein Blick, nur ein leises Atmen, wollte Sie ergattern, um zu wissen, dass alles in Ordnung war.
Doch nichts.
Das Bett war leer. Es schien schon einige Zeit ungenutzt.
Leicht drehte Anveena den Kopf, ehe Sie den Raum mit einem Fingerschnipp erhellte. Suchend blickte Sie sich um, kein Brief war zu finden, keine Nachricht, wo Linnet sei...und dennoch war ihre Tasche dort.
Mag es die Dienerin in ihr sein, die in allem gleich das schlechteste sieht...oder einfach die Erfahrung, die Sie bisher erlebte, doch Sie wusste, Sie würde nicht ruhen, ehe Sie nicht wüsste, dass alles in Ordnung ist...alles, in ihrer kleinen Welt.
So zog Sie sich ein frisches Kleid an, lächelte den Wachmännern am Berchgarder Tor wie immer zu und ritt mit der Kutsche nahe Bajard. Das Lamm war dunkel und zu, es schien keiner dort zu sein.
Ein vorsichtiger Blick, vorallem zum nahegelegenden Kloster, dann glitt ihre Hand über das weiße Kleid und es began sich am Körper zu verformen in die Tracht des Rabens. Verhüllt das Gesicht, beschworr Sie ein untotes Reitwesen und blickte sich um.
Ihre Hand glitt über den Boden, seicht wie eine Feder über das Wasser, formte Sie einige Zeichen und murmelte sacht Worte in die ewige Finsternis der Nacht hinein.
"Oh ruhelose Seelen des Suchenden, erhöre meinen Wunsch, führe mich zu jener, die ich verloren habe. Zeige mir den Weg, auf das ich ihn gehen kann."
Der Boden beginnt leicht zu vibrieren, als aus diesem etwas helles, weißes entgleitet, ein leises Krachzen von sich gibt und der Geisterrabe sich in die Luft emporhebt.
Wie ein heller Stern mag es für andere aussehen, doch die Dienerin selber liess den Blick des Tieres nicht von sich und ritt der Spur nach. Es dauerte einige Stunden, ging vorbei an einigen, ihr bekannten Häusern, wo Sie sich gut vorstellen konnte, dass Linnet dort halt machte und je länger der Ritt dauerte, umso ungeduldiger wurde Sie.
Als es wieder zurück gen Adoran ging, glaubte Sie, Linnet dort zu finden. Doch als der Geisterrabe seinen Flug beendete und über den Wald kreiste, blieb Anveenas inneres wie gefroren.
Vorsichtig stieg Sie vom Ross ab, welches in seine staubigen Teile zerfiel und tastet sich durch die Finsternis bis hin zur Klippe am Meer.
Der Rabe landet an einer Stelle, man sieht, wie ein Stück der Klippe hinausgebrochen ist und tief im Meer versunken scheint.
Sie beendete das Atmen, ihre Hand wurde zittrig. Der Rabe entschwand nach getanenden Diensten und dennoch, war es für Anveena keine Antwort.
Sie schluckte und fiepste einmal auf, ehe Sie an den Rand der Klippen kniete und wieder began, die Hand über den Boden gleiten zu lassen, während die quälende Sorge ihr eine Träne aus dem Auge trieb.
"Oh ruhelose Seelen der Wissbegierigen...",sie schluckte stark, tat sich schwer, die Beherschung zu behalten. "erhöre mein flehen, zeige mir, was hier geschehen mag, zeige mir, was hier passiert ist, zeige mir, wer hier gestorben ist."
Wie ein Spiel von Schaustellern, erhellt sich dieser Ort. Gestalten formen sich, wie Geister, erblickt Anveena die Vision.
Sie erkennt einige Wegelagerer, wie Sie in der Dunkelheit lauern und eine Person, die näher kommt. Sie betete innerlich, hoffte, dass die Vision ihr nicht das offenbarte, was Sie fürchtete, dass der Rabe ihr eine falsche Spur gab, jemand anderes hier verunglückte....Amary vielleicht...oder Rogan....oder Thorgan...irgendwer anderes. Doch Glück gab es so wenig wie Hoffnung in Amarys Leben und mit dem ersten, menschlichen, schmerzverzerrten und verzweifelten Gesicht ihres langen Daseins, sah Sie mit an, wie Linnet von den Wegelagerern bedrängt wird...und dann die Klippen hinabstürzt...auf Steinen...reglos...voller Blut...bis einige Wellen, die über Sie schwappen, sie ins kalte Grab des Meeres ziehen.
Die Tränen laufen ihr hinab, in den Boden krallend und windend. Sie konnte es nicht glauben, Sie wollte es nicht glauben. Sie würde es nicht glauben...und dennoch...es war wahr. Linnet war tot.
Noch lange windete sich Anveena an dieser Stelle, flehend, betend und hoffend...bis Sie vor Sonnenaufgang dann wie vom Erdboden verschollen war...einzig ein kleines Kreuz an die Stelle geritzt, wo der Boden fehlte und genährt voller Hass und Zorn auf die Menschheit.
Sie würde Sie rächen, Sie würde allen zeigen, wie Diener des Rabens sich solchem Gesindel annehmen. Ihre schmerzenschreie werden das Land durchbohren und die Schlafenden erwecken.
Und in all diesem Denken, dieser Klarheit, wird eine Sache nicht vorhanden sein: Gnade.
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