Kaims Weg zum Krieger
Verfasst: Mittwoch 24. Februar 2010, 18:07
So fing es an
Da war er nun also. Berchgard...
Ein kleines Dorf, wie er schon viele gesehen hatte. Schon als er den ersten Schritt vom Schiff aus auf den Steg genommen hatte wusste er dass er hier nicht lange bleiben würde. Die Überfahrt hierher war teuer gewesen, umso leichter viel es Kaim die wenigen Sachen die er besaß zu packen und zu verschwinden. Und als ob der Wucherpreis für die Überfahrt nicht genug gewesen wäre, wollte der Kapitän auch noch dass Kaim für ihn einen Brief überbringen sollte. Er hatte zwar keine Lust, aber die Aussicht auf eine Belohnung ließ ihn den Auftrag annehmen.
So streifte Kaim ziellos umher, immer da wo es was zu holen gab und lebte quasi von der Hand in den Mund. So lange bis er eines Tages beschloss in der Schlucht nördlich von Varuna Zweiköpfe zu jagen. Dort traf Kaim einen Schützen von außerordentlichem Geschick, der sogar einwilligte eine zeitlang mit ihm zusammen zu jagen. Gemeinsam streckten sie eine große Menge an Zweiköpfen und anderen Ungeheuern nieder. Er wusste es noch nicht, aber das Treffen mit diesem Mann würde Kaims restliches Leben für immer entscheidend ändern. Der andere Schütze, namentlich Amtaris Silva, erkannte potential in Kaim, der auch ein recht fähiger Schütze war und so bat er ihn ihn nach Lameriast zu begleiten. Erst war Kaim skeptisch, doch auf der Reise erkärte Amtaris ihm sein Anliegen.
Anliegen mag das falsche Wort sein. Vielmehr wollte er Kaim eine Chance bieten wie er wohl keine Zweite bekommen würde. Amtaris war Mitglied einer Vereinigung die als "Burg Eisenwart" bekannt war. Kaim sagte dieser Name freilich nichts, aber anscheinend waren sie überall auf Gerimor und Lameriast bekannt, und auch die Menekaner wussten einiges über sie zu erzählen. Sie waren eine Gemeinschaft aus Kriegern von denen sich jeder einzelne durch übermäßiges Kampfgeschick auszeichnete, und dieses Kampfgeschick wurde nur mehr von ihrer Disziplin übertroffen. All diese Männer und Frauen dienten einem einzigen Mann. Dem Fürsten Khazkal Deslon.
Anfangs hatte Kaim kein gutes Gefühl bei dieser Sache. Was sollte er schon bei einem Haufen irrer Fanatiker? Obwohl... Dieser Amtaris schien ganz vernünftig, und es konnte nicht verkehrt sein sich auf die Seite der besten Kämpfer zu stellen die zu finden waren. Dort würde er einiges lernen können.
Auf Lameriast angekommen konnte er schon von weitem die Burg sehen, welche den umliegenden Wald weit überragte. Wirklich eindrucksvoll, und vor allem einschüchternd. Selbstsicher ging Amtaris voran und zeigte ihm den sichersten Weg durch den Wald. Am Abend sollte eine Versammlung stattfinden bei der Kaim vorstellig werden würde. Umso näher sie der Burg kamen umso unbedeutender und kleiner fühlte er sich. Als sie in den Schatten der Burgmauern traten konnte man schon die Wachen hinter den Zinnen sehen. Ein Ruf erschallte von der Mauer um sich über Kaim zu erkundigen. Schweißperlen bildeten sich auf seiner Stirn. Hoffentlich wollte ihn dieser Amtaris nicht reinlegen. Von hier gab es kein entkommen mehr, selbst jetzt als er vor der Mauer stand rechnete er damit jede Sekunde von einem Pfeil durchbohrt zu werden. Schließlich wurden sie eingelassen. Von innen war alles sogar noch eindrucksvoller als von außen. Hinter den schützenden Mauern befand sich ein ganzes Dorf. Eine Taverne, diverse kleinere Häuser, ein Stall, ja und sogar ein Friedhof waren da. Zielsicher führte Amtaris ihn zum größten Haus, welches im Zentrum der Mauern stand. Immer wieder gingen sie an gerüsteten Männern und Frauen vorbei, und alle salutierten Amtaris zu und grüßten mit einem "Der Mauer Schutz" oder "Heil der Eisenwart" ehe sie Kaim misstrauisch musterten.
Sie betraten eine große Halle, und ihm wurde befohlen auf einer kleinen Holzbank zu warten. Kaim tat wie ihm geheißen und setzte sich, während alle anderen die große Treppe, welche in den oberen Bereich führte bestiegen. Langsam ließ er seinen Blick durch die Halle schweifen. Er sah Statuen von Personen die er nicht kannte, und viele Türen führten wer weiß wohin. Die Tür durch die sie gekommen waren war aus Metall und war gerade breit genug um 2 Mann durchzulassen. Man würde sie recht gut verteidigen können. Und überhaupt war die ganze Burg darauf ausgelegt. Kaim konnte sich nicht vorstellen dass jemand so dumm sein könnte diese Bastion anzugreifen. Ihm kam das warten endlos vor, und zu allem Überfluss musste er genau neben der Treppe sitzen die in den Keller führte, aber außer einer undurchdringlichen Schwärze war dort unten nichts zu erkennen. Doch Kaim brauchte nichts zu sehen. In seine Phantasie malte er sich die schlimmsten Dinge aus die dort vor sich gehen könnten. Plötzlich wurde er aus seinen Gedanken gerissen als eine Frau in einem prachtvoll gearbeiteten Kleid ihm sagte dass er oben erwartet werden würde. Wie sich später herausstellte hieß die Frau Amarissa und sie war die Schneiderin der Burg.
Bevor er aufstand atmete er noch einmal tief durch, und folgte dann der Frau. Die obere Etage war noch um einiges prachtvoller als das Untergeschoss. Überall Waffen und Rüstungen, Vorhänge und ein großer Kamin. Als Kaim den Versammlungsraum betrat sah er einen großen Steintisch. Um ihn herum saßen eine Menge Leute, den meisten waren vom Kampf gezeichnet, aber einige wenige schienen auch Handwerker zu sein wie diese Amarissa. Und über allem thronte ein einziger Mann. Seine machtvolle Ausstrahlung war schier greifbar und überwältigte Kaim, sodass er einen Moment brauchte bis er die richtigen Worte fand. Die Last der Blicke die auf ihm ruhte war schier unerträglich und man stellte ihm eine vielzahl von Fragen wobei Kaim nicht immer wusste ob die Antwort die er gewählt hatte die Richtige war.
Kaim war froh als er die Burg wieder verlassen durfte, er hatte die Missgunst die einige gegen ihn hegten verspürt. Und doch, als Kaim so durch den Wald in richtung Neuhafen schritt fühlte er sich irgendwie leer. Mit diesem Mann zu sprechen, dem Fürsten, hatte ihn mit einer Energie erfüllt die er nicht kannte. Ja selbst in der Nähe dieses Mannes zu sein reichte aus um davon erfasst zu werden. Langsam konnte er verstehen warum sie ihm alle folgten. Er konnte es verstehen, und ja er wollte es selbst tun. Er wollte selbst Teil dieser außerordentlichen Gemeinschaft werden um dieses Gefühl jeden Tag zu haben. Es war ein Gefühl von Stärke und Weisheit, und alles ging von diesem einen Mann aus. Irgendwas stimmte da nicht. Kaim kannte zwar die Götter dieser Welt, aber keiner von ihnen konnte ihm jemals so ein Gefühl vermitteln. Wenn es wirklich Götter gab, und dies war im allgemeinen unbestritten, dann kam dieser Khazkal Deslon jedoch dem Bild eines Gottes näher als jedes andere Lebewesen das Kaim zuvor erblickt hatte.
Der Schwur
Es hatte einige Tage gedauert, doch umso mehr freute ihn die Nachricht die Amtaris ihm überbrachte. Man hatte entschlossen ihm eine Chance zu geben. Kaim wurde in die Reihen der Eisenwart aufgenommen. Nun musste er nur mehr den Eid auf den Burgherren schwören. Er freute sich schon darauf wieder die Burg zu betreten, wieder in seiner Nähe zu sein. Diesmal waren seine Gefühle andere als beim ersten mal. Keine Angst, keine Beklommenheit. Freude und Euphorie verspürte er nun, schließlich war er nun Teil der Burg. Er wurde wieder in die große Halle im ersten Stock geführt in der sich auch der Gildenstein befand. Nun war es an der zeit den Eid zu schwören.
Der Wille des Burgherren leitet mich.
Dem Willen des Burgherren bin ich ausschließlich verpflichtet.
Demut soll mich leiten, sodass ich jeden im Range über mir mit Gehorsam ehre.
Die Mauern der Burg will ich stets so schützen, wie sie auch mich schützen.
Ewige Treue dem Burgherren und der Legion bis in den Tod.
Kaim konnte seine Gefühle nicht in Worte fassen als ihm Rüstung und Kleidung in Farben der Burg überreicht wurden. Er wusste dass er nun Teil von etwas großem war. Endlich hatte er den Sinn seines Lebens gefunden.
So ergeht es Verrätern
Alle wurden zusammengerufen! Der Fürst hatte einen Auftrag für seine Legion, die erste Chance für Kaim sich zu beweisen! In kürzester Zeit hatten sie im Burghof Stellung bezogen. Ein prachtvoller Anblick! In Reih und Glied standen sie, alle in den Farben der Burg und bis auf die Zähne bewaffnet. Mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck ging der Fürst die Reihen entlang, er musterte jeden Einzelnen und als alles zu seiner Zufriedenheit war verkündete er ihren Auftrag. Der Verräter Agrus Kos wurde im Leuchtturm von Bajard gefangen gehalten und wartete auf seine Gerechte Strafe, auf die einzige Strafe die ein Verräter zu erwarten hatte. Gekonnt schwangen sich alle auf ihre Pferde und im Eiltempo ging es zum Hafen und schließlich mit der Fähre nach Bajard. Es wurde nicht viel gesprochen, aber jedem war anzusehen dass er sich auf das kommende freute. In Bajard angekommen begab sich die Legion im Gleichschritt zum Leuchtturm, wo schon eine Frau wartete. Der Verräter war im Keller und zu seinem Glück bewusstlos. Grob wurde er nach draußen gezerrt. Jeder sollte mitansehen wie es denen erging die den Fürsten verrieten. Als der Mann zu sich kam wurden zuerst seine Straftaten und dann das Urteil verlesen. Dieser Mann hatte es tatsächlich gewagt den Fürsten ZWEI mal zu verraten. Das erste mal ließ Khazkal ihn ziehen und ließ Gnade vor Recht ergehen. Der Fürst war zwar streng, aber zugleich auch gütig. Und als der Verräter nach einiger Zeit seinen entschluss bereute und zurückkommen wollte nahm der Fürst ihn großherzig wieder bei sich auf. Doch es dauerte nicht lange und er verriet die Eisenwart erneut. Dies konnte nicht geduldet werden, und die einzige Strafe dafür konnte der Tod sein. Langsam kamen einige Menschen hinzu um sich das Spektakel mitanzusehen. Agrus kniete auf dem Boden, der Tribun Armoran Mares stand hinter ihm. Er holte aus, und mit einem kraftvollen Hieb trennte er den Kopf des Verräters von seinen Schultern. Die Legionäre grinsten zufrieden, die Menge war empört. Einige versprachen Khazkal sogar den Tod. Zu gerne hätten sich die Legionäre noch an diesen Schandmäulern ausgetobt, doch in seiner Güte befahl der Fürst eine unverzügliche Heimreise zur Burg, der leblose Körper des Verräters wurde mitgenommen. Er war einst ein Legionär, und jeder Legionär wurde im Friedhof der Burg begraben, so auch dieser. Noch wusste Kaim nichts davon, aber einige der Menschen hier hatten durchaus vor ihre Drohungen wahr zu machen.
Die Frau des Verräters
Und schon gab es das nächste Problem. Tea Mante war ihr Name. Anscheinend die Geliebte von diesem Agrus. Und auch sie hing wohl nicht sehr an ihrem Leben. Zu mehreren Gelegenheiten beschimpfte sie den Fürsten und die Legion, und dank dem guten Willen Khazkals war sie überhaupt so lange am leben. Eines tages trug es sich zu dass Kaim den Fürsten nach Bajard begleitete. Dort unterhielt er sich mit einer Schmiedin die aus Gründen die Kaim nicht verstand alles über die Eisenwart wissen wollte. Es dauerte nicht lange und Tea Mante tauchte auf. Wieder beschimpfte sie Khazkal als feigen Mörder und forderte ihn zum Kampf. Der Fürst, der natürlich ein meisterlicher Kämpfer war, gewährte ihr diesen Wunsch, und so gingen sie vor das Dorf um Fäuste sprechen zu lassen. Einige Zeit kämpften die beiden, doch es machte eher den Eindruck als spielte Khazkal nur mit ihr. Im großen und ganzen eine armselige Darbietung der Ketzerin und als sie schließlich erkannte dass sie unterlegen war ergriff sie die Flucht. An diesem Tage hatte sie sich ihr eigenes Grab geschaufelt.
Die Tage vergingen ohne weitere Besonderheiten und alle gingen wieder ihrem gewohnten Tagwerk nach, bis Kaim eines Tages von einer Jagd heimkehrte und zufällig die Verräterin am Eingang von Bajard sitzen sah. Sie trug grüne Kleidung und war in Begleitung einiger Sturmkrähen zu denen sie nun offensichtlich gehörte. Dies war seine Chance! Aber allein konnte er es nicht mit ihnen aufnehmen und so stahl er sich an den Sturmkrähen vorbei und eilte zur Burg. Dort angekommen waren die Legionäre Viridian und Leon Dellen gerade mit einer Waffenübung beschäftigt, doch als Kaim ihnen von seiner Entdeckung berichtete waren sie kaum mehr zu halten und begaben sich so schnell wie möglich wieder nach Bajard. Und tatsächlich. Die Ketzerin und die Sturmkrähen waren immer noch am selben Platz. Mit fester Stimme sprach Kaim:" Tea Mante! Ihr habt euch mehrerer Verbrechen am unfehlbaren Fürsten Khazkal Deslon selbst schuldig gemacht! Ich fordere euch hiermit auf freiwillig mit auf die Burg zu kommen und eure gerechte Bestrafung entgegenzunehmen!"
Kaim glaubte nicht wirklich daran mit dieser Taktik Erfolg zu haben, doch er bekam von unerwarteter Seite Unterstützung. Eine Frau, ebenfalls eine der Sturmkrähen befahl Tea mit zur Burg zu kommen. Wenn sie etwas angestellt hatte musste sie auch selbst dafür gerade stehen und solle nicht die gesamte Gemeinschaft der Sturmkrähen in Verruf bringen.
Sichtlich überrascht, und zugleich erfreut über die Einsicht geleiteten die drei Legionäre Tea Mante nun in gemächlichem Tempo zurück zur Burg. Dort wurde sie auf Befehl des Fürsten in den Kerker geworfen.
Kaim sah sie nie wieder...
Der Milizionär Bajards
Tagaus tagein verbrachte Kaim damit seine Fähigkeiten zu verbessern. Sein Körper musste gestählt werden, und ebenso sein Geist musste stark sein um dem Fürsten bestmöglich dienen zu können. Doch an diesem Tage sollte er einen besonderen Auftrag bekommen.
In Bajard wurde ein neuer Bürgermeister gewählt. Sein Name? Saldor Falkenau, ein Legionär der Eisenwart! Nur wusste das niemand außer den Mitgliedern der Legion. Der Fürste hatte es wiedermal geschafft durch geschicktes Handeln einen seiner Männer in eine wichtige Position rücken zu lassen. Doch nun brauchte Saldor Rückhalt um seine Position halten zu können. Daher wurde Kaim befohlen eine neue Identität anzunehmen und der Bürgerwehr von Bajard beizutreten.
Gesagt getan. Ein Haarwuchsmittel wurde aufgetragen und die neue Haarpracht feuerrot gefärbt. Und so sollte auch sein Name sein. Gregor der Rote! Wenn Kaim ehrlich war gefiel ihm dieser Befehl von anfang an nicht. Er mochte es nicht sein Siegel abzulegen und seine Herkunft zu verbergen, aber der Fürst wünschte es und er tat es, so wie er alles tun würde was auch immer der Fürst ihm befehlen würde. Die Tage vergingen, viel war nicht los in Bajard. Einige neue Gestalten traten der Miliz bei, neue Bürger bekam das Dorf. Alles in allem nichts aufregendes. Kaim wusste schon nicht mehr wie lange er hier war und wie lange er nichts mehr aus der Burg gehört hatte. Zu allem überfluss verschwand irgendwann Saldor spurlos, offenbar begab er sich auf eine lange "Studienreise". Er musste vorsichtig sein. Wer weiß, vielleicht hatte jemand etwas über Saldors wahre Herkunft herausgefunden und ihn beseitigt? Kaim musste auf jeden Fall Meldung machen. Also legte er seine Milizkleidung ab, hüllte sich in schwarze Roben und versteckte sein Gesicht unter Maske und Kapuze. So würde er unbemerkt nach Lameriast reisen können.
Alles verlief soweit gut. Die Burg war direkt vor ihm. Als er sich den Torwachen zu erkennen gab öffneten sie die Tür einen kleinen Spalt und er huschte hinein. Auf dem Weg ins Schreibzimmer des Fürsten jedoch bekam er Gesellschaft. Shessidyr Shartir, die Dienerin des Fürsten. Sie mochte es wohl nicht wenn dunkle Gestalten herumschlichen und machte auch keinen Hehl daraus. Kaim hatte sie zuvor schon öfters getroffen und wusste dass sie verrückt war. Verrückt, und dennoch war sie der Fleischgewordene Wille des Fürsten. Was Kaim dem Fürsten sagen würde, würde sie auch erfahren und so beschloss er ihr alles zu erzählen ehe sie ihm noch versehentlich die Kehle durchschnitt...
Glücklicherweise hatte Kaims kooperation sie milde gestimmt, und scheinbar war er ihr in der Vergangenheit auch schon positiv aufgefallen. Sie sah mit welcher Hingabe Kaim jeden Befehl des Fürsten ausführte. Wenn es der Fürst befahl würde Kaim ohne zu zögern vom höchsten Turm der Burg springen, und ebenso würde Kaim jeden Menschen töten wenn es der Fürst nur befahl. Und da war er nicht der einzige. Es gab einen Kreis besonders begünstigter Legionäre die es ebenso hielte wie er. Die Desloniten. Eine Gruppe Fanatiker die den Fürsten als Gott verehrten und ohne mit der Wimper zu zucken ein Massaker anrichten würden nur um den Fürsten zufrieden zu stellen. Kaim glaubte es kaum als es soweit war, denn er sollte von nun an tatsächlich zu diesem Kreis begünstigter gehören.
Jahre später, der Weg zum Krieger
Viel war geschehen, endlich war die Zeit gekommen da sich die Eisenwart wieder ihrer Wurzeln besinnen sollte, sich endlich wieder dem heiligen alatarschen Reich anzuschließen. Waren doch die Fronten schon lange Zeit so verhärtet, immer wieder versuchte man sich in Verhandlungen die Fehlschlugen, und immer mehr schwächte man sich auch gegenseitig was nur dazu führte die Mächte Adorans erstarken zu lassen. Dem ehrwürdigen Ahad Blutfaust war es schließlich zu verdanken dass all der alte Groll begraben wurde und man sich gemeinsam dem erstarkten Feind stellte.
Es war eine Zeit der Neuerung, und so begab es sich dass Kaim der Rang des Zenturios zugesprochen wurde. Viele Jahre hatte er dafür gearbeitet, vom Schwächlichen Anfänger hatte er sich hochgearbeitet und dabei nicht nur seine Fähigkeiten als Armbrustschütze unter Beweis gestellt. In den vielen Schlachten die er im Dienste des Burgherrn ausgetragen hatte war die Armbrust ohnehin nur für kurze Zeit zu gebrauchen, und so lernte Kaim schnell den Umgang mit Nahkampfwaffen. Er hatte zwar immer schon viel mit Kryss und Rapier trainiert, aber im Getümmel der Schlacht war es immer öfter nötig ein Schwert, eine Axt oder einen Hammer vom Boden aufzuheben und damit weiterzukämpfen. Kaim würde alles als Waffe benützen, solange es dazu diente Alatars Willen zu erfüllen.
Doch damit nicht genug, je besser er den Umgang mit diesen Waffen beherrschte desto mehr fand er Gefallen daran. Es war eine Sache Menschen aus der Entfernung mit einem präzisen Schuss zu töten, aber was ganz anderes war es einem Mann das Schwert in den Bauch zu rammen und ihm dabei in die Augen sehen zu können. Den entsetzten Blick wenn der Todgeweihte erkennt dass er besiegt ist, und langsam das Leben aus seinem Körper entweicht.
Zudem war es als Zenturio ohnehin Kaims Aufgabe die Ausbildung der Legion zu übernehmen, Nahkämpfer wie auch Fernkämpfer.
Deshalb gab es für Kaim nur eine logische Konsequenz, er musste sich eine Plattenrüstung anfertigen lassen und seine Fähigkeiten im Nahkampf perfektionieren.
Nur so ließ sich Alatars Wille bestmöglich erfüllen.
Da war er nun also. Berchgard...
Ein kleines Dorf, wie er schon viele gesehen hatte. Schon als er den ersten Schritt vom Schiff aus auf den Steg genommen hatte wusste er dass er hier nicht lange bleiben würde. Die Überfahrt hierher war teuer gewesen, umso leichter viel es Kaim die wenigen Sachen die er besaß zu packen und zu verschwinden. Und als ob der Wucherpreis für die Überfahrt nicht genug gewesen wäre, wollte der Kapitän auch noch dass Kaim für ihn einen Brief überbringen sollte. Er hatte zwar keine Lust, aber die Aussicht auf eine Belohnung ließ ihn den Auftrag annehmen.
So streifte Kaim ziellos umher, immer da wo es was zu holen gab und lebte quasi von der Hand in den Mund. So lange bis er eines Tages beschloss in der Schlucht nördlich von Varuna Zweiköpfe zu jagen. Dort traf Kaim einen Schützen von außerordentlichem Geschick, der sogar einwilligte eine zeitlang mit ihm zusammen zu jagen. Gemeinsam streckten sie eine große Menge an Zweiköpfen und anderen Ungeheuern nieder. Er wusste es noch nicht, aber das Treffen mit diesem Mann würde Kaims restliches Leben für immer entscheidend ändern. Der andere Schütze, namentlich Amtaris Silva, erkannte potential in Kaim, der auch ein recht fähiger Schütze war und so bat er ihn ihn nach Lameriast zu begleiten. Erst war Kaim skeptisch, doch auf der Reise erkärte Amtaris ihm sein Anliegen.
Anliegen mag das falsche Wort sein. Vielmehr wollte er Kaim eine Chance bieten wie er wohl keine Zweite bekommen würde. Amtaris war Mitglied einer Vereinigung die als "Burg Eisenwart" bekannt war. Kaim sagte dieser Name freilich nichts, aber anscheinend waren sie überall auf Gerimor und Lameriast bekannt, und auch die Menekaner wussten einiges über sie zu erzählen. Sie waren eine Gemeinschaft aus Kriegern von denen sich jeder einzelne durch übermäßiges Kampfgeschick auszeichnete, und dieses Kampfgeschick wurde nur mehr von ihrer Disziplin übertroffen. All diese Männer und Frauen dienten einem einzigen Mann. Dem Fürsten Khazkal Deslon.
Anfangs hatte Kaim kein gutes Gefühl bei dieser Sache. Was sollte er schon bei einem Haufen irrer Fanatiker? Obwohl... Dieser Amtaris schien ganz vernünftig, und es konnte nicht verkehrt sein sich auf die Seite der besten Kämpfer zu stellen die zu finden waren. Dort würde er einiges lernen können.
Auf Lameriast angekommen konnte er schon von weitem die Burg sehen, welche den umliegenden Wald weit überragte. Wirklich eindrucksvoll, und vor allem einschüchternd. Selbstsicher ging Amtaris voran und zeigte ihm den sichersten Weg durch den Wald. Am Abend sollte eine Versammlung stattfinden bei der Kaim vorstellig werden würde. Umso näher sie der Burg kamen umso unbedeutender und kleiner fühlte er sich. Als sie in den Schatten der Burgmauern traten konnte man schon die Wachen hinter den Zinnen sehen. Ein Ruf erschallte von der Mauer um sich über Kaim zu erkundigen. Schweißperlen bildeten sich auf seiner Stirn. Hoffentlich wollte ihn dieser Amtaris nicht reinlegen. Von hier gab es kein entkommen mehr, selbst jetzt als er vor der Mauer stand rechnete er damit jede Sekunde von einem Pfeil durchbohrt zu werden. Schließlich wurden sie eingelassen. Von innen war alles sogar noch eindrucksvoller als von außen. Hinter den schützenden Mauern befand sich ein ganzes Dorf. Eine Taverne, diverse kleinere Häuser, ein Stall, ja und sogar ein Friedhof waren da. Zielsicher führte Amtaris ihn zum größten Haus, welches im Zentrum der Mauern stand. Immer wieder gingen sie an gerüsteten Männern und Frauen vorbei, und alle salutierten Amtaris zu und grüßten mit einem "Der Mauer Schutz" oder "Heil der Eisenwart" ehe sie Kaim misstrauisch musterten.
Sie betraten eine große Halle, und ihm wurde befohlen auf einer kleinen Holzbank zu warten. Kaim tat wie ihm geheißen und setzte sich, während alle anderen die große Treppe, welche in den oberen Bereich führte bestiegen. Langsam ließ er seinen Blick durch die Halle schweifen. Er sah Statuen von Personen die er nicht kannte, und viele Türen führten wer weiß wohin. Die Tür durch die sie gekommen waren war aus Metall und war gerade breit genug um 2 Mann durchzulassen. Man würde sie recht gut verteidigen können. Und überhaupt war die ganze Burg darauf ausgelegt. Kaim konnte sich nicht vorstellen dass jemand so dumm sein könnte diese Bastion anzugreifen. Ihm kam das warten endlos vor, und zu allem Überfluss musste er genau neben der Treppe sitzen die in den Keller führte, aber außer einer undurchdringlichen Schwärze war dort unten nichts zu erkennen. Doch Kaim brauchte nichts zu sehen. In seine Phantasie malte er sich die schlimmsten Dinge aus die dort vor sich gehen könnten. Plötzlich wurde er aus seinen Gedanken gerissen als eine Frau in einem prachtvoll gearbeiteten Kleid ihm sagte dass er oben erwartet werden würde. Wie sich später herausstellte hieß die Frau Amarissa und sie war die Schneiderin der Burg.
Bevor er aufstand atmete er noch einmal tief durch, und folgte dann der Frau. Die obere Etage war noch um einiges prachtvoller als das Untergeschoss. Überall Waffen und Rüstungen, Vorhänge und ein großer Kamin. Als Kaim den Versammlungsraum betrat sah er einen großen Steintisch. Um ihn herum saßen eine Menge Leute, den meisten waren vom Kampf gezeichnet, aber einige wenige schienen auch Handwerker zu sein wie diese Amarissa. Und über allem thronte ein einziger Mann. Seine machtvolle Ausstrahlung war schier greifbar und überwältigte Kaim, sodass er einen Moment brauchte bis er die richtigen Worte fand. Die Last der Blicke die auf ihm ruhte war schier unerträglich und man stellte ihm eine vielzahl von Fragen wobei Kaim nicht immer wusste ob die Antwort die er gewählt hatte die Richtige war.
Kaim war froh als er die Burg wieder verlassen durfte, er hatte die Missgunst die einige gegen ihn hegten verspürt. Und doch, als Kaim so durch den Wald in richtung Neuhafen schritt fühlte er sich irgendwie leer. Mit diesem Mann zu sprechen, dem Fürsten, hatte ihn mit einer Energie erfüllt die er nicht kannte. Ja selbst in der Nähe dieses Mannes zu sein reichte aus um davon erfasst zu werden. Langsam konnte er verstehen warum sie ihm alle folgten. Er konnte es verstehen, und ja er wollte es selbst tun. Er wollte selbst Teil dieser außerordentlichen Gemeinschaft werden um dieses Gefühl jeden Tag zu haben. Es war ein Gefühl von Stärke und Weisheit, und alles ging von diesem einen Mann aus. Irgendwas stimmte da nicht. Kaim kannte zwar die Götter dieser Welt, aber keiner von ihnen konnte ihm jemals so ein Gefühl vermitteln. Wenn es wirklich Götter gab, und dies war im allgemeinen unbestritten, dann kam dieser Khazkal Deslon jedoch dem Bild eines Gottes näher als jedes andere Lebewesen das Kaim zuvor erblickt hatte.
Der Schwur
Es hatte einige Tage gedauert, doch umso mehr freute ihn die Nachricht die Amtaris ihm überbrachte. Man hatte entschlossen ihm eine Chance zu geben. Kaim wurde in die Reihen der Eisenwart aufgenommen. Nun musste er nur mehr den Eid auf den Burgherren schwören. Er freute sich schon darauf wieder die Burg zu betreten, wieder in seiner Nähe zu sein. Diesmal waren seine Gefühle andere als beim ersten mal. Keine Angst, keine Beklommenheit. Freude und Euphorie verspürte er nun, schließlich war er nun Teil der Burg. Er wurde wieder in die große Halle im ersten Stock geführt in der sich auch der Gildenstein befand. Nun war es an der zeit den Eid zu schwören.
Der Wille des Burgherren leitet mich.
Dem Willen des Burgherren bin ich ausschließlich verpflichtet.
Demut soll mich leiten, sodass ich jeden im Range über mir mit Gehorsam ehre.
Die Mauern der Burg will ich stets so schützen, wie sie auch mich schützen.
Ewige Treue dem Burgherren und der Legion bis in den Tod.
Kaim konnte seine Gefühle nicht in Worte fassen als ihm Rüstung und Kleidung in Farben der Burg überreicht wurden. Er wusste dass er nun Teil von etwas großem war. Endlich hatte er den Sinn seines Lebens gefunden.
So ergeht es Verrätern
Alle wurden zusammengerufen! Der Fürst hatte einen Auftrag für seine Legion, die erste Chance für Kaim sich zu beweisen! In kürzester Zeit hatten sie im Burghof Stellung bezogen. Ein prachtvoller Anblick! In Reih und Glied standen sie, alle in den Farben der Burg und bis auf die Zähne bewaffnet. Mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck ging der Fürst die Reihen entlang, er musterte jeden Einzelnen und als alles zu seiner Zufriedenheit war verkündete er ihren Auftrag. Der Verräter Agrus Kos wurde im Leuchtturm von Bajard gefangen gehalten und wartete auf seine Gerechte Strafe, auf die einzige Strafe die ein Verräter zu erwarten hatte. Gekonnt schwangen sich alle auf ihre Pferde und im Eiltempo ging es zum Hafen und schließlich mit der Fähre nach Bajard. Es wurde nicht viel gesprochen, aber jedem war anzusehen dass er sich auf das kommende freute. In Bajard angekommen begab sich die Legion im Gleichschritt zum Leuchtturm, wo schon eine Frau wartete. Der Verräter war im Keller und zu seinem Glück bewusstlos. Grob wurde er nach draußen gezerrt. Jeder sollte mitansehen wie es denen erging die den Fürsten verrieten. Als der Mann zu sich kam wurden zuerst seine Straftaten und dann das Urteil verlesen. Dieser Mann hatte es tatsächlich gewagt den Fürsten ZWEI mal zu verraten. Das erste mal ließ Khazkal ihn ziehen und ließ Gnade vor Recht ergehen. Der Fürst war zwar streng, aber zugleich auch gütig. Und als der Verräter nach einiger Zeit seinen entschluss bereute und zurückkommen wollte nahm der Fürst ihn großherzig wieder bei sich auf. Doch es dauerte nicht lange und er verriet die Eisenwart erneut. Dies konnte nicht geduldet werden, und die einzige Strafe dafür konnte der Tod sein. Langsam kamen einige Menschen hinzu um sich das Spektakel mitanzusehen. Agrus kniete auf dem Boden, der Tribun Armoran Mares stand hinter ihm. Er holte aus, und mit einem kraftvollen Hieb trennte er den Kopf des Verräters von seinen Schultern. Die Legionäre grinsten zufrieden, die Menge war empört. Einige versprachen Khazkal sogar den Tod. Zu gerne hätten sich die Legionäre noch an diesen Schandmäulern ausgetobt, doch in seiner Güte befahl der Fürst eine unverzügliche Heimreise zur Burg, der leblose Körper des Verräters wurde mitgenommen. Er war einst ein Legionär, und jeder Legionär wurde im Friedhof der Burg begraben, so auch dieser. Noch wusste Kaim nichts davon, aber einige der Menschen hier hatten durchaus vor ihre Drohungen wahr zu machen.
Die Frau des Verräters
Und schon gab es das nächste Problem. Tea Mante war ihr Name. Anscheinend die Geliebte von diesem Agrus. Und auch sie hing wohl nicht sehr an ihrem Leben. Zu mehreren Gelegenheiten beschimpfte sie den Fürsten und die Legion, und dank dem guten Willen Khazkals war sie überhaupt so lange am leben. Eines tages trug es sich zu dass Kaim den Fürsten nach Bajard begleitete. Dort unterhielt er sich mit einer Schmiedin die aus Gründen die Kaim nicht verstand alles über die Eisenwart wissen wollte. Es dauerte nicht lange und Tea Mante tauchte auf. Wieder beschimpfte sie Khazkal als feigen Mörder und forderte ihn zum Kampf. Der Fürst, der natürlich ein meisterlicher Kämpfer war, gewährte ihr diesen Wunsch, und so gingen sie vor das Dorf um Fäuste sprechen zu lassen. Einige Zeit kämpften die beiden, doch es machte eher den Eindruck als spielte Khazkal nur mit ihr. Im großen und ganzen eine armselige Darbietung der Ketzerin und als sie schließlich erkannte dass sie unterlegen war ergriff sie die Flucht. An diesem Tage hatte sie sich ihr eigenes Grab geschaufelt.
Die Tage vergingen ohne weitere Besonderheiten und alle gingen wieder ihrem gewohnten Tagwerk nach, bis Kaim eines Tages von einer Jagd heimkehrte und zufällig die Verräterin am Eingang von Bajard sitzen sah. Sie trug grüne Kleidung und war in Begleitung einiger Sturmkrähen zu denen sie nun offensichtlich gehörte. Dies war seine Chance! Aber allein konnte er es nicht mit ihnen aufnehmen und so stahl er sich an den Sturmkrähen vorbei und eilte zur Burg. Dort angekommen waren die Legionäre Viridian und Leon Dellen gerade mit einer Waffenübung beschäftigt, doch als Kaim ihnen von seiner Entdeckung berichtete waren sie kaum mehr zu halten und begaben sich so schnell wie möglich wieder nach Bajard. Und tatsächlich. Die Ketzerin und die Sturmkrähen waren immer noch am selben Platz. Mit fester Stimme sprach Kaim:" Tea Mante! Ihr habt euch mehrerer Verbrechen am unfehlbaren Fürsten Khazkal Deslon selbst schuldig gemacht! Ich fordere euch hiermit auf freiwillig mit auf die Burg zu kommen und eure gerechte Bestrafung entgegenzunehmen!"
Kaim glaubte nicht wirklich daran mit dieser Taktik Erfolg zu haben, doch er bekam von unerwarteter Seite Unterstützung. Eine Frau, ebenfalls eine der Sturmkrähen befahl Tea mit zur Burg zu kommen. Wenn sie etwas angestellt hatte musste sie auch selbst dafür gerade stehen und solle nicht die gesamte Gemeinschaft der Sturmkrähen in Verruf bringen.
Sichtlich überrascht, und zugleich erfreut über die Einsicht geleiteten die drei Legionäre Tea Mante nun in gemächlichem Tempo zurück zur Burg. Dort wurde sie auf Befehl des Fürsten in den Kerker geworfen.
Kaim sah sie nie wieder...
Der Milizionär Bajards
Tagaus tagein verbrachte Kaim damit seine Fähigkeiten zu verbessern. Sein Körper musste gestählt werden, und ebenso sein Geist musste stark sein um dem Fürsten bestmöglich dienen zu können. Doch an diesem Tage sollte er einen besonderen Auftrag bekommen.
In Bajard wurde ein neuer Bürgermeister gewählt. Sein Name? Saldor Falkenau, ein Legionär der Eisenwart! Nur wusste das niemand außer den Mitgliedern der Legion. Der Fürste hatte es wiedermal geschafft durch geschicktes Handeln einen seiner Männer in eine wichtige Position rücken zu lassen. Doch nun brauchte Saldor Rückhalt um seine Position halten zu können. Daher wurde Kaim befohlen eine neue Identität anzunehmen und der Bürgerwehr von Bajard beizutreten.
Gesagt getan. Ein Haarwuchsmittel wurde aufgetragen und die neue Haarpracht feuerrot gefärbt. Und so sollte auch sein Name sein. Gregor der Rote! Wenn Kaim ehrlich war gefiel ihm dieser Befehl von anfang an nicht. Er mochte es nicht sein Siegel abzulegen und seine Herkunft zu verbergen, aber der Fürst wünschte es und er tat es, so wie er alles tun würde was auch immer der Fürst ihm befehlen würde. Die Tage vergingen, viel war nicht los in Bajard. Einige neue Gestalten traten der Miliz bei, neue Bürger bekam das Dorf. Alles in allem nichts aufregendes. Kaim wusste schon nicht mehr wie lange er hier war und wie lange er nichts mehr aus der Burg gehört hatte. Zu allem überfluss verschwand irgendwann Saldor spurlos, offenbar begab er sich auf eine lange "Studienreise". Er musste vorsichtig sein. Wer weiß, vielleicht hatte jemand etwas über Saldors wahre Herkunft herausgefunden und ihn beseitigt? Kaim musste auf jeden Fall Meldung machen. Also legte er seine Milizkleidung ab, hüllte sich in schwarze Roben und versteckte sein Gesicht unter Maske und Kapuze. So würde er unbemerkt nach Lameriast reisen können.
Alles verlief soweit gut. Die Burg war direkt vor ihm. Als er sich den Torwachen zu erkennen gab öffneten sie die Tür einen kleinen Spalt und er huschte hinein. Auf dem Weg ins Schreibzimmer des Fürsten jedoch bekam er Gesellschaft. Shessidyr Shartir, die Dienerin des Fürsten. Sie mochte es wohl nicht wenn dunkle Gestalten herumschlichen und machte auch keinen Hehl daraus. Kaim hatte sie zuvor schon öfters getroffen und wusste dass sie verrückt war. Verrückt, und dennoch war sie der Fleischgewordene Wille des Fürsten. Was Kaim dem Fürsten sagen würde, würde sie auch erfahren und so beschloss er ihr alles zu erzählen ehe sie ihm noch versehentlich die Kehle durchschnitt...
Glücklicherweise hatte Kaims kooperation sie milde gestimmt, und scheinbar war er ihr in der Vergangenheit auch schon positiv aufgefallen. Sie sah mit welcher Hingabe Kaim jeden Befehl des Fürsten ausführte. Wenn es der Fürst befahl würde Kaim ohne zu zögern vom höchsten Turm der Burg springen, und ebenso würde Kaim jeden Menschen töten wenn es der Fürst nur befahl. Und da war er nicht der einzige. Es gab einen Kreis besonders begünstigter Legionäre die es ebenso hielte wie er. Die Desloniten. Eine Gruppe Fanatiker die den Fürsten als Gott verehrten und ohne mit der Wimper zu zucken ein Massaker anrichten würden nur um den Fürsten zufrieden zu stellen. Kaim glaubte es kaum als es soweit war, denn er sollte von nun an tatsächlich zu diesem Kreis begünstigter gehören.
Jahre später, der Weg zum Krieger
Viel war geschehen, endlich war die Zeit gekommen da sich die Eisenwart wieder ihrer Wurzeln besinnen sollte, sich endlich wieder dem heiligen alatarschen Reich anzuschließen. Waren doch die Fronten schon lange Zeit so verhärtet, immer wieder versuchte man sich in Verhandlungen die Fehlschlugen, und immer mehr schwächte man sich auch gegenseitig was nur dazu führte die Mächte Adorans erstarken zu lassen. Dem ehrwürdigen Ahad Blutfaust war es schließlich zu verdanken dass all der alte Groll begraben wurde und man sich gemeinsam dem erstarkten Feind stellte.
Es war eine Zeit der Neuerung, und so begab es sich dass Kaim der Rang des Zenturios zugesprochen wurde. Viele Jahre hatte er dafür gearbeitet, vom Schwächlichen Anfänger hatte er sich hochgearbeitet und dabei nicht nur seine Fähigkeiten als Armbrustschütze unter Beweis gestellt. In den vielen Schlachten die er im Dienste des Burgherrn ausgetragen hatte war die Armbrust ohnehin nur für kurze Zeit zu gebrauchen, und so lernte Kaim schnell den Umgang mit Nahkampfwaffen. Er hatte zwar immer schon viel mit Kryss und Rapier trainiert, aber im Getümmel der Schlacht war es immer öfter nötig ein Schwert, eine Axt oder einen Hammer vom Boden aufzuheben und damit weiterzukämpfen. Kaim würde alles als Waffe benützen, solange es dazu diente Alatars Willen zu erfüllen.
Doch damit nicht genug, je besser er den Umgang mit diesen Waffen beherrschte desto mehr fand er Gefallen daran. Es war eine Sache Menschen aus der Entfernung mit einem präzisen Schuss zu töten, aber was ganz anderes war es einem Mann das Schwert in den Bauch zu rammen und ihm dabei in die Augen sehen zu können. Den entsetzten Blick wenn der Todgeweihte erkennt dass er besiegt ist, und langsam das Leben aus seinem Körper entweicht.
Zudem war es als Zenturio ohnehin Kaims Aufgabe die Ausbildung der Legion zu übernehmen, Nahkämpfer wie auch Fernkämpfer.
Deshalb gab es für Kaim nur eine logische Konsequenz, er musste sich eine Plattenrüstung anfertigen lassen und seine Fähigkeiten im Nahkampf perfektionieren.
Nur so ließ sich Alatars Wille bestmöglich erfüllen.