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Schlaf, Kindlein, Schlaf! - dich gesund.
Verfasst: Donnerstag 11. Februar 2010, 16:22
von Neliel Lelyn
Ein langer und anstrengender Arbeitstag ging zuende als sich die junge Bäuerin ins Innere des Hauses schleppte. Es war nicht nur die rote Nase - Nein! Auch der Husten und die Halsschmerzen sowie das Fieber fesselten sie immer wieder ans Bett. Kopf- und Gliederschmerzen waren nicht unbedingt förderlich für einen Hofbetrieb und schon gar nicht für sie, war sie doch sonst immer ein Arbeitstier. Sie kannte sich auch nicht so krank, so etwas hatte sie noch nie.
Sie knallte die Türe hinter sich zu und begab sich aus ihren Kleidern, um sich ein heißes Bad zu gönnen. Danach verschwand sie erstmal in ihrem Bett und ließ ihre Lider hinabsinken. Ein neuer Tag würde bald, viel zu bald beginnen.
Und dieser nächste Morgen kam.
Sie schälte sich aus dem Bett und kämpfte gegen den Schwindel an, der ihr im Kopf steckte und auch gegen die Gliederschmerzen, die sie förmlich auf das Bett drückten. Die zotteligen Haare band sie sich mit einem Lederband zusammen und zog ihre Kleidung an. Schicht für Schicht, schön dick eingepackt. Aber gegen die Schniefnase war einfach kein Kraut gewachsen!
Irgendwo hatte Neliel einmal gelesen, dass es half, wenn man ein paar Kräuter zusammen in einen heißen, dampfenden Topf warf und dann die Nase drüber hielt mit einem Tuch über dem Kopf. Aber sie kam einfach nicht darauf, welche Kräuter das waren.
Aber wie auch immer, die Arbeit musste getan werden. Egal, wie schlecht es ihr ging, egal, wie kalt es draußen war.
Und so war sie eine ganze Weile am arbeiten, als sie das Räuspern an dem Koppelrand vernahm. Sie sah auf und strich sich über die schwitzige Stirn, das Fieber tat seinen Rest um ihr das Leben derzeit schwer zu machen. Und sie erblickte eine ihr bekannte Gestalt. "Oh! Guten Tag!" erwiderte sie und quälte sich zu einem Lächeln. "Kommt doch herein!" und sie bat diese eine Bekanntschaft herein. Natürlich plauderten sie eine Weile und er erkundigte sich nach vielem, sah sich um und ließ es sich auch nicht nehmen, einen der neuen Weine des Gestütes zu probieren. Aber auch die Krankheit von Neliel schien nicht ganz an ihm vorüber zu ziehen und er sah ihr mit den grauen Augen entgegen. "Ich kann dir helfen, warte.", überrascht sah sie ihm entgegen und wartete. Er benötigte nur etwas heißes Wasser, einen Behälter und einige Kräuter. Und so wurde aus den Kräutern, dem Wasser und ein wenig Aufwand eine dickflüssigere, dennoch trinkbare Masse, die er Neliel zuschob. "Hier, das hilft erstmal gegen die Schmerzen und das Fieber."
Sie nickte vorsichtig und nahm einen Schluck davon, um dann letztendlich die ganze Tinktur zu trinken. Es schmeckte würzig und sorgte dafür, dass sie sich schütteln musste, aber es fühlte sich zumindest im hinunterschlucken im Hals schon gut an.
Nachdem er noch eine Weile blieb und sich mit ihr unterhalten hatte, sie klebte förmlich an seinen Lippen, als er sprach, war es dann jedoch Zeit zu gehen. Die Nacht war hereingebrochen und es war auch für sie Zeit, dass sie sich zu Bett begab. Sie schlenderte zurück ins Haus, als sie ihn verabschiedet hatte und trank das weitere Fläschchen, in der Hoffnung, dass es hielt, was es versprach - Schlaf!
Bevor sie einschlief erinnerte sie sich an die erste Begegnung mit dem Magier. Magier, was es nicht alles gab. Und dann? Dann schlief sie langsam ein und ihr Trank zeigte Wirkung. Sie schlief tief und fest, nicht einmal eine Lawine hätte sie nun wecken können. Und sie tanzte durch ein Land, ein Traumland, in dem die grauen Augen sorgsam über sie wachten.
Verfasst: Sonntag 14. Februar 2010, 15:30
von Neliel Lelyn
Sie saß auf den hölzernen Treppen und malte mit einem Ast irgendwelche Zeichnungen in den Schnee. Die letzten Tage waren nicht spurlos an ihr vorbei gezogen. Vor allem die letzten Stunden hatten ihr deutlich zugesetzt.
Sie hatte sich noch nie so angenehm mit einem Menschen unterhalten können wie an dem heutigen Abend. Auf seine Art und Weise war er ganz anders als die anderen Männer, die sie bisher in ihrem Leben kennen gelernt hatte. Sie schloss die Augen und seufzte.
Wie konnte Thorgan es nur in Betracht ziehen, ihr zu misstrauen? Ausgerechnet ihr? Sie hatte ihm wirklich einiges zugetraut, aber das er ihr so weh tat mit diesem Misstrauen? Daran hatte sie nie geglaubt. Sie hatte hin und her überlegt, was sie tun sollte und es war das beste, all das, was sie beide miteinander verbunden hatte, aus ihrem Leben zu verbannen.
Nichts desto trotz regte sie eine Frage immer wieder zum nachdenken an: Was wünschte sie sich für sich selbst?
Sie hatte nie wirklich an ihre Bedürfnisse gedacht. Es ging immer nur um ihre Familie zuhause, um ihre Tiere. Aber nie um sie selbst. Hatte sie überhaupt Wünsche? Neliel öffnete die Augen wieder und sie fühlte sich auf einmal so hilflos. Jeder musste doch Wünsche und Träume haben?
Sie stand auf, legte den Ast beiseite und ging zu Alexandro. Einem ihrer schönsten Hengste. Sie streichelte ihm über den Hals und tätschelte ihn. Als sie ihn betrachtete versank sie in Gedanken. Gedanken, die sie zum gestrigen Abend zurück brachten. Sie musste kurz zurückhaltend lächeln, als die Worte wieder in ihren Kopf traten, dass sie wahnsinnig wäre. Wohl wahr, der gestrige Abend war ein angenehmer und zugleich entspannender Abend. Auch, wenn ihr der Abschied ungemein schwer fiel.
Sie hatte gesehen, wie er erstarrte, die hinter ihm ein Portal aufging und er verschwand. Auf ihr „Danke für den schönen Abend“ bekam sie aus der Ferne noch ein „Gerne“. Doch ihre letzten Worte blieben ungehört. Vielleicht war es besser so.
Sie ließ wieder von dem Hengst ab, riss sich aus den Gedanken und ging zurück zu ihrem Gestüt. Auch fand sie wieder ihren Platz auf der Stufe und nahm wie von selbst den Ast in ihre Hand, um an ihrem Bild im Schnee weiter zu zeichnen.
So einen Mann wünscht sich jede Frau. Oder nicht? Oder doch? Er weiß sich zu benehmen, weiß sich auszudrücken. Ist ein ordentlicher Mensch, fast schon unnahbar. Ein Mann, der weiß, wie man mit einer Frau umgeht...
Sie riss sich erneut aus ihren Gedanken. War das etwas, was ihr fehlte? War es DAS, was ihr wirklich fehlte? Was sie sich für sich wünschte?
Sie schüttelte den Kopf und verbannte so die Gedanken aus ihrem Geist. Aber egal, wie oft sie noch den Kopf schüttelte – sie waren immer wieder unterbewusst vorhanden.
Langsam senkte sich ihr Blick auf ihre Zeichnung und sie seufzte schwer. Was war nur mit ihr los? Sie besah sich die Zeichnung und weitete ihre Augen. Sie sah, was sie dort gezeichnet hatte. Umso schneller erhob sie sich und zertrampelte das Gezeichnete. Und zum ersten Mal musste sie zugeben, dass sie Neid empfand. Neid auf jemanden, den sie nicht kannte. Was würde sie darum geben, einen solchen Mann an ihrer Seite zu haben. Aber Männer? Von denen hatte sie erstmal eigentlich die Schnauze voll.
Sie ging die Treppen empor und sah nochmal an die zertretene Stelle zurück, an welcher vorher ihre Zeichnung war. Verschwinde aus meinem Kopf, ich habe keine Zeit für so etwas.., und sie schlug die Türe hinter sich zu.
Verfasst: Sonntag 14. Februar 2010, 21:38
von Neliel Lelyn
Und nun stand sie da. Sie konnte gar nichts mehr wirklich sagen, konnte nicht denken, versuchte nur verzweifelt zu ordnen. Gelingen wollte ihr das jedoch nicht. In keinem Moment, zu keiner Zeit. Egal, wie sehr sie sich auf etwas anderes konzentrierte.
Der Tag war zu ereignisreich, als das sie ihn in der nächsten Zeit vergessen konnte. Wie konnte er es nur wagen? Und warum dachte sie überhaupt nur darüber nach und nicht darüber, dass ihr Tag auch anders hätte ausgehen können? DAS machte ihr keine Sorgen. Sie hätte, wenn es dumm gelaufen wäre, auch getötet werden können, aber nein, sie machte sich Gedanken um irgendeinen dahergelaufenen Kerl?
Das konnte doch wirklich nicht wahr sein.
Sie zwang sich dazu, ihre Gedanken in eine andere Richtung zu lenken. Aber immer wieder kam sie zu dem zugefrorenen See zurück, den merkwürdigen Schuhen mit den Eisenkufen an den Sohlen und den ersten "Gehversuchen" auf dem Eis. Sie dachte zurück an das leise Gelächter und den Augenblick der Überraschung, als sie in seine Augen sah. Sie dachte daran zurück, wie auch er sich mit den merkwürdigen Schuhen auf das Eis traute. Die schmerzhaften Stellen und blaue Flecken überall auf ihrem Körper erinnerten sie ebenfalls an dieses Erlebnis.
Sie sah ihre Hände an seinen Gelenken ruhen, als sie drohte zu fallen, weil er sich mittels seiner Fuchtelei hinter sie gezaubert hatte und sie erschrocken herumwirbelte und so das Gleichgewicht verlor. Sie sah ihre Hände deutlich, wie sie seine Gelenke fest umklammerten. Und dann sah sie die Anguren, wie sie am Rand der Eisplatte herumspazierten. Wie ihre Hände seine Gelenke los ließen, weil er seine Hände hinab sinken ließ.
Sie hörte die Unterhaltung mit den Angurerinnen in ihren Ohren und verzog das Gesicht, als sie sich an den weiteren Verlauf erinnerte. Es ging alles schnell. Die Angurerinnen die gingen und eine der Beiden, die aprupt wieder kam und ihn vor stieß. Ranken, die aus dem Boden schossen, Schmerzen, die sich in ihrem Handgelenk breit machten, als sie auf die harte Platte fiel. Eine Angurerin, die auf der Platte neben ihr stand. Ein Magier, der seine Mächte nutzte und auf einmal hinter der zweiten Angurerin stand. Neliel wieder, die panisch auf dem Eis zurückkroch - vergeblich. Es war zu rutschig unter ihren Füßen. Eine Angurerin, die hier und jetzt über ihr Leben bestimmen konnte. Ein Magier, der all seine Mächte vereinte und etwas erschuf, was beiden Angurerinnen Angst bereitete und ihr, Neliel, das Leben rettete. Sie sah die Hand der Angurerin, hörte ihre Worte, es wäre heute nicht ihr Tag. Die trotzige Reaktion Neliels, dass sie alleine aufstehen könne und der Nachdruck der Angurerin, sie solle sich nicht so anstellen und nun endlich zugreifen. Der Weg auf dem Eis war kaum zu meistern und dennoch schaffte sie es, an Land zu kommen. Und erst, als die Anspannung aus ihrem Körper wich merkte sie, wie kalt es ihr wirklich war. Sie zitterte und ihre Glieder schmerzten. Ihr war wirkllich furchtbar kalt. Seine Frage, ob sie sich weh getan hätte und ihr zitterndes Stammeln, dass es nur ein paar Schrammen waren, obwohl ihr Handgelenk wirklich schmerzte. Die Berührungen seinerseits, auch wenn er sie nur von dem Schnee befreien wollte. Das entschuldigende Lächeln, als er ihr eine Strähne aus dem Gesicht strich. Eine ganze Weile blieben ihre Erinnerungen bei diesem Moment, als hätten sie jene Erinnerungen gefangen genommen.
Dann diese merkwürdige Reise.
Er hatte ihr seine Rechte hingestreckt und sie ihre nur zögerlich in seine gelegt, nachdem er ihr gesagt hatte, sie solle dies besser tun. Sie vertraute ihm, ganz anders, als sie es eigentlich jemals wieder tun wollte und umfasste seine Hand ein Stückchen fester. Sie spürte seinen sanften Händedruck und ihre Welt war für diesen Moment fast in Ordnung. Der Lichtpegel, der sich zwischen sie beide schob riss sie aus ihren Gedanken und ehe sie sich versah wurde sie auch schon durch die Öffnung gezogen. Sie presste die Augen schnell und vor allem fest zusammen vor lauter Angst vor dem Ungewissen. All das war vollkommen fremd für sie. Und ehe sie sich versah stand sie auch schon wieder auf Lameriast. Sie war verwirrt. Sichtlich verwirrt.
"Ein paar Schritt noch, dann seid ihr wieder im Warmen."
Eigentlich war ihr das in diesem Moment ganz egal gewesen. Sie war viel lieber in seiner Nähe und sie hatte keinen blassen Schimmer, warum das so war. Sie wollte noch nicht zurück und sie wollte auch noch nicht, dass er ging. Aber, und so würde es immer sein, sie musste ihn ziehen lassen. Und so ging er auch, nachdem er ihr die Hand auf das Haupt gelegt und jenes getätschelt hatte. Als würde er ein kleines Mädchen trösten.
"Erhol dich gut, Neliel."
Sie wollte noch etwas entgegnen, aber all ihre Worte wurden im Keim erstickt. Seid wann waren sie schon soweit, dass sie sich duzten? Egal, seit wann sie an dem Punkt angelangt waren. Es gefiel ihr. Es schaffte etwas Vertrautes. Und es legte irgendetwas um ihr Herz, was all die Kälte verschwinden lies.
Und nun stand sie da. Sie konnte gar nichts mehr wirklich sagen, konnte nicht denken, versuchte nur verzweifelt zu ordnen. Gelingen wollte ihr das jedoch nicht. In keinem Moment, zu keiner Zeit. Egal, wie sehr sie sich auf etwas anderes konzentrierte.
Langsam drehte sie sich um und ging auf das Haus zu. Sie sah die zertrampelte Zeichnung vor ihrer Türe und schüttelte seufzend den Kopf. Hatte sie nicht aus ihrem Fehler gelernt? Wie konnte sie so schnell und so Hals über Kopf all ihre Prinzipien beiseite werfen? Und warum verrannte sie sich in etwas, was sowieso absolut aussichtslos war?
Und überhaupt.. warum tat er das? Sie nahm ihren Umhang von ihren Schultern und warf ihn auf den Stuhl vor sich. Sie hatte sich so wohl und so geborgen gefühlt. Und was war das jetzt? Sie fühlte sich alleine, einsam. Sie ließ sich auf einen der Stühle sinken und stemmte ihren Kopf in die Hände, verbarg ihr Gesicht darin. Sie wollte weinen, aber es ging nicht. Sie wollte schreien, aber auch das ging nicht. Warum, warum nur tat er das?
Sie war verwirrt. Sehr verwirrt. Sie schloss die Augen und sie sah Thorgan, dachte daran, wie wohl sie sich auch bei ihm einst gefühlt hatte, bis er ihr so weh getan hatte. Sie dachte an.. ihn.. und schüttelte nur den Kopf. 'Wie kannst du nur so dumm sein, Neliel, und dich in einen Mann verlieben, den du weder kennst und von dem du weißt, dass er längst vergeben ist?'
Sie weitete die Augen, als sie erneut darüber nachdachte, was sie gerade gedacht hatte. Sie sah auf das Pergament vor sich und auf das, was sie gedankenversunken gemalt hatte. Sie blickte auf diesen einen Namen... und sie verstand die Welt nicht mehr.
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Verfasst: Freitag 19. Februar 2010, 22:46
von Neliel Lelyn
Da stand sie nun. Mal wieder. Die Tür war hinter ihr verschlossen und sie ließ sich mit dem Rücken gegen diese sinken. Sie rieb sich mit der flachen Hand über das Gesicht. Sie war wütend. Aber sie wusste nicht, ob sie wütend auf ihn sein sollte oder auf sich, weil sie selbst zu dumm war, dieses Spiel gleich zu durchschauen. Eigentlich war ihr im Innersten ihres Inneren klar, dass sie auf sich selbst sauer war. Auf ihre lockere Zunge und auf das, was sie gesagt hatte.
Sie ließ ihrer Wut freien Lauf, zum Leid einiger Einrichtungsstücke, die durch die Gegend getreten wurden. Der Weg würde sie heute nur noch ins Bett tragen. Warum machten einem Männer das Leben immer zur Hölle? Erst ein Saufbold, der einem misstraute. Dann ein Unerreichbarer, vergeben und dazu auch fernab von all dem, was sie auch nur im Ansatz in ihren Fingern halten könnte.
"Du bist dumm, Nel. Einfach nur dumm.", mit den Worten zog sie die Bettdecke über ihren Kopf. Und trotz ihrer Müdigkeit lag sie noch lange wach. Drehte sich hin, drehte sich her. Bettete die Kissen um, schüttelte sie auf. Was war das gerade für ein Gefühl? Wut, Enttäuschung? Oder war sie gar verletzt? Sie presste die Augen zusammen und vertrieb ihre Gedanken. 'Ab sofort lässt du dich einfach nicht mehr darauf ein...'
... und dann schloss sie die Augen wirklich und versank im Land der Träume.
Aber der nächste Morgen kam. Und mit diesem auch die nächsten Sorgen. Sie erwachte murrend, ihre Hand glitt müde zur Seite und sie drehte sich herum. Sie blinzelte verwundert, als ihre Augen das Schmuckstück neben ihr erkannten. Eine Kette. Aber nicht irgendeine. Sie schimmerte in vielen Farben, aber hauptsächlich in rot. Sie sah schön aus. Und ... wertvoll. Auf die Frage hin, woher diese Kette kam, wusste sie schon eine Antwort, ehe ihre Gedanken die Frage zuende gesponnen hatten. Sie griff nach der Kette und hielt sie in ihren Händen. Was sollte das? Sie malmte mit den Zähnen und presste diese dann fest aufeinander, um nicht einen lauten Schrei von sich zu geben. Was war das für ein Spiel? Sie warf die Kette achtlos zur Seite auf das Laken, stand auf und zog sich an. Sie wollte nichts sehen, nichts hören, gar nichts. Und schon gar nichts, was sie mit ihm in Verbindung bringen konnte. Für irgendwelche Spielchen war sie sich dann doch zu schade.
Als sie sich angezogen hatte sah sie nochmals zu der Kette hin. Aber eigentlich war sie schön. Und warum sollte sie diese nicht einfach tragen? Wenn er glaubte, dass diese Kette als Entschuldigung reichen würde, hatte er sich gewaltig in ihr getäuscht. Er hatte keine Ahnung von allem oder ignorierte zumindest ihren desulaten Zustand und den Grund dafür, also würde er auch deutlich zu spüren bekommen, dass sie nicht bestechlich war. Weder durch Schmuck, Gold oder sonst irgendwelchen teuren Geschenken.
Und dann legte sie sich die Kette um ihren Hals ...
Verfasst: Sonntag 21. Februar 2010, 00:23
von Neliel Lelyn
Da war es nun ausgesprochen. Sie hatte es erklärt und sie fühlte sich zum einen befreit, zum anderen hatte sie die Sorge, dass sie nun nicht mehr so unbeschwert miteinander umgehen konnten. Nachdem sie den Abend gemeinsam verbracht hatten und mit dem Eisenwartler noch viel länger Unterhaltungen geführt hatten war sie wieder alleine.
Sie seufzte leise, als sie sich in ihr Bett legte. Die schlechten Träume würden heute Nacht nach diesen vielen Schauergeschichten nicht fern bleiben. Und so zog sie die Decke über ihren Kopf. Sie war die gute Seele. Das war sie wohl. Und weil sie eine so gute Seele war, war es wieder sie, die zurück steckte. Sie hatte nicht mehr tun können und jetzt? Jetzt musste sie sehen, dass sie damit klar kam. Sie würde schweigen, verarbeiten und zurückstecken. Und hoffentlich bald darüber hinweg sein.
Verfasst: Sonntag 21. Februar 2010, 16:27
von Neliel Lelyn
Sie hatte lange geschlafen. Viel zu lange, als das sie sich ihrer Arbeit in aller Frühe hätte widmen können. Die Nacht war anstrengend und nervenaufreibend gewesen, die Angst hatte sie mehrmals heimgesucht.
Vor einigen Tagen war ihre Welt noch so klein und beschützt gewesen. An so etwas wie Magie hatte sie nie gedacht. Hatte es nicht in Erwägung gezogen, dass es so etwas überhaupt gab. Ihr Verstand war auf solche Sinne nie geprägt gewesen. Aber jetzt? Sie hatte es eigenhändig gesehen und auch am eigenen Körper gespürt. Sie wusste nun, was Magie bewirken konnte. Und das waren nicht nur schöne Gefühle. Mit all dem wurden auch Ängste freigesetzt, die sie zuvor nie hatte. Ihre kleine, unverwüstliche Welt hatte zum ersten Mal gesehen, dass die Zerstörung so nahe lag.
In der Nacht war sie mehrmals schweißgebadet wach geworden und hatte immer wieder versucht, ihre Umgebung zu lokalisieren. Sie versuchte sich selbst und ihren rasenden Herzschlag zu beruhigen. Aber sie konnte es leugnen wie sie wollte: Sie hatte wirklich Angst davor, wieder einzuschalfen.
Daher war es umso praktischer, dass der Morgen bald kam und auch, wenn ihr Körper ihr gezeigt hatte, dass sie den Schlaf benötigte: Sie war froh, dass sie wach war. Ganz im Gegenteil zu den vergangenen Tagen fühlte sie sich befreiter. Die Last auf ihrer Schulter war weg, sie hatte sich ihr Herz befreit, indem sie geredet hatte. Aber jetzt hatte sie ein anderes Gefühl, welches ihr den Magen halb herumdrehte und ein Ziehen in ihrer Herzgegend verursachte. Vielleicht war das alles doch gar nicht so gut, wie es sich anfangs angefühlt hatte. Warum musste sowas so weh tun? Sie verstand es nicht. Und was sie des weiteren nicht verstand, war die Tatsache, dass sie heute aber auch gar nichts auf die Reihe brachte. Egal, wie sehr sie sich konzentrierte.