Seite 1 von 2

Inglourious Squires

Verfasst: Donnerstag 4. Februar 2010, 02:52
von Alexander van Bernau
Rabenmond 252


[…]Mein erster Monat als Knappe, er ist vorüber. Überraschungen dabei, die gab es wenige. Ich hatte ja damit gerechnet, von der Pike auf anfangen zu müssen. Es konnte ja keiner wissen, was ich früher schon alles gelernt hatte. Eigentlich war ich eh der einzige, der die ganze Arbeit schon freiwillig vor seiner Knappenzeit gemacht hat. Es war also nichts Neues. Aber Tagebuch darüber führen, das war neu. Eine Idee von Larius. Jeden Monat rekapitulieren um noch einmal das gelernte zu verinnerlichen. Aber was gab es diesen Monat schon zu verinnerlichen.[…]

Verfasst: Donnerstag 4. Februar 2010, 02:52
von Alexander van Bernau
[…] Jeden Morgen früh raus, die Tiere versorgen. Danach die Pferde striegeln, die Hufeisen überprüfen und bei Bedarf auch noch satteln. “Der Ritter und sein Pferd bilden im Kampf eine mächtige Einheit“, war der übliche Spruch, wenn ich mal wieder nach dem Sinn meiner Aufgabe fragte. „Natürlich muss ein Reittier gut versorgt sein, ab und zu muss es auch mal gut aussehen, aber wozu hat die Allianz denn Knechte?“, war meine geistige Antwort darauf. Ich war jahrelang mit einem Ritter umher gezogen. Als ob ich nicht wüsste worauf es ankommt.
Rüstungen polieren und die Waffen pflegen, das waren schon angenehmere Aufgaben. Oft saß ich dabei mit Andreas oder Cedric zusammen. So war es wenigstens etwas unterhaltsam. Vor allem aber saß man dabei drinnen, im warmen. Und bei der Rüstung, da war Larius noch pingeliger als bei seinem Pferd. Wenn das mal nicht ganz sauber war, dann gab es nur eine Standpauke. Wenn die Rüstung aber nur den Hauch von Rost ansetzte oder irgendwo ein Körnchen Dreck hing, dann war der Tag gleich gelaufen. Dann durfte die Rüstung poliert werden, bis sie mehr glänzte als die Augen eines Zwergen beim Anblick einer Goldmünze. Nichts desto trotz gab es dabei viele lustige Stunden, und waren es nur die Frauengeschichten seiner Erlaucht, über die wir uns amüsierten. […]

Verfasst: Donnerstag 4. Februar 2010, 02:54
von Alexander van Bernau
[…] „Man muss viel gelernt haben, um über das, was man nicht weiß, fragen zu können.“, das hatte mir mein alter Lehrmeister mal mit auf den Weg gegeben. Aber wann fing denn das Lernen endlich an? Aus der Eintönigkeit des Alltags eines Stallburschen konnte ich sicher nicht viel lernen. Noch dazu, wenn ich ständig zwischen Adoran und der Allianz hin und her reiten musste, weil Larius sein Haus im Adelsviertel hat. Adoran war geeignet um Kontakte zu knüpfen und den Lasterhaftigkeiten des Lebens zu frönen. Nicht mehr, nicht weniger. Vielleicht bin ich auch einfach kein Freund von großen Städten. Zuviel Trubel, zu wenig Ruhe. In Hohenfels ritt man aus dem Tor der Festung und hatte nur weites Land vor sich. Ein herrliches Gefühl, wenn auch nicht immer die sicherste Gegend. Aber das zu ändern war ja nun auch meine Aufgabe. Es werden sicher einige ereignisreiche Monate[…]

Verfasst: Dienstag 6. April 2010, 13:31
von Alexander van Bernau
Alatner 252

[...]Man könnte ihn den Monat des Selbststudiums nennen. Larius zog es in die Welt hinaus und er trat eine lange geplante Reise in die Heimat an. Meine Hilfe war dabei allerdings nicht von Nöten. So blieb ich hier und sollte mich an seine Erlaucht von Arganta halten.[...]

Verfasst: Dienstag 6. April 2010, 13:45
von Alexander van Bernau
[...]Er ist immerhin Graf, da kann man nunmal nicht erwarten, dass er immer Zeit für soetwas hat.
Ich widmete mich in diesen Tagen oft der ausgiebigen Bibliothek der Allianz und der in Adoran. Es war ohnehin die Zeit dafür. Es war bitterkalt draußen. Ein Hund, wer dort sein musste.
So verstrichen die Tage, gemütlich im Sessel sitzend, dazu einen Tee, etliche Werke verschlingend.
Die Grundlagen der Werke kannte ich natürlich bereits aus meiner ersten Knappschaft. Aber wie es immer ist, schmückt jeder Schreiberling seine Geschichte natürlich anders aus. So war es auch Interessant diese Varianten zu lesen.
Und lehrreich zugleich. Einige Details vergisst man immer im Laufe der Zeit.[...]

Verfasst: Dienstag 6. April 2010, 13:52
von Alexander van Bernau
[...]Auswendig! Jede einzelne Passage, Wort für Wort.
Die Tage waren ruhig, also hatte ich die Zeit dafür. Ein Angriff Rahals zu dieser Zeit wäre eh ein Zeugnis des totalen Wahnsinns gewesen. Wir hätten das Ganze einfach ausgesessen und sie erfrieren lassen.
Nichts desto trotz war der Winter bisher lehrreich. Mein Selbststudium verlief sehr erfolgreich. Alles was man über Tugenden, Ritterschaft und diverse Kodices finden konnte, hatte ich bereits gelesen.
Scheint der eiskalte Winter doch sein Gutes gehabt zu haben.
Auch die Ruhe und die Zeit für mich, in denen ich nicht mit niederen Arbeiten beschäftigt war.
Viele Gedanken kamen mir in dieser Zeit.[...]

Verfasst: Dienstag 6. April 2010, 14:12
von Alexander van Bernau
[...]Es war ein denkwürdiger Tag. Wie die meisten dieser Tage, begann er unscheinbar. Bis zu dem Punkt, an dem seine Erlaucht vor mir stand.
Er forderte mich auf ihm zu folgen. Ich tat es bnatürlich.
Am Ende des kurzen Rittes standen wir auf dem kleinen Friedhof neben dem Kloster.
Es schneite und ich zog meinen Umhang weiter zu. Es bestand ja keine Möglichkeit sich vor dem Gestöber in Sicherheit zu bringen.
Ich schaute mich gerade um, als Rafael mir die Frage stellte, ob mir die Namen auf den Grabsteinen etwas sagen.
Ich musste näher an die Steine heran um das Geschriebene zu erkennen. Und so schritt ich jeden Stein ab und begann nachzudenken.

Brynn, Fasamar, Ilara, Amyra, Alsamar, Boresal und Semborel.

Diese Namen sagten mir etwas. In der Fülle der Informationen die ich in den letzten Wochen verinnerlicht hatte, kamen auch diese Namen vor.
Ich wendete mich wieder Rafael zu und er entgegnete sofort: "Dies sind die Kinder Temoras!"
Mit diesen Worten ordnete er meine Gedanken. Die Kinder Temoras. Jene, die von ihr erwählt wurden. Die reinsten unter den Menschen. Sie, die Temoras Lehre verbreiten sollten.
Ich hatte die Sage über diese Sieben gelesen, wusste aber nicht, dass sie auch hier begraben waren.
Es folgten noch einige Ausführungen seiner Erlaucht, ehe wir uns ob der Kälte auf den Rückweg machten.
Zurück in der Feste und die knapp bemessene Zeit seiner Erlaucht nicht weiter in Anspruch nehmend, wendete ich mich wieder den Büchern zu, noch einmal den Weg der Kinder verfolgend.[...]

Verfasst: Sonntag 12. September 2010, 16:59
von Alexander van Bernau
Hartung 253

[...]Larius ist nun schon etliche Wochen unterwegs. Es ist ernüchternd, wenn man endlich wieder einen Lehrmeister gefunden hat, aber sich alles selbst lehren muss. Der eisige Winter nimmt mir fast jede Möglichkeit, mich der Praxis zu widmen. Kein Buch mehr in der Allianz, dass ich nicht schon in der Hand hatte.
Die Vorstellung von der Vollendung meiner Knappschaft war eine grundsätzlich andere. Es muss doch einen Weg geben, mich weiter voran zu bringen[...]

Verfasst: Sonntag 12. September 2010, 17:03
von Alexander van Bernau
[...]Sie ist eine beeindruckende Frau von unvergleichlicher Schönheit. Dies war natürlich nicht der Grund, warum ich mich an sie wandte. Es sind ihre Fähigkeiten. Auch die Staatskunst ist Teil des Ritterdaseins. Von ihr kann ich sicher eine Menge lernen. Es muss ja einen Grund haben, warum Adoran eine solch blühende Perle ist.
Wenn es nicht ihr Verdienst ist, wessen dann?

Es zogen etliche Tage ins Land ehe sie mir überhaupt Gehör schenkte. Was sollte ein einfacher Knappe auch anderes erwarten.
Die Warmherzigkeit ihres Empfangs war dann aber doch verwunderlich.[...]

Verfasst: Sonntag 12. September 2010, 17:08
von Alexander van Bernau
Eisbruch 253

[...]Es waren schon seltsame Wochen. Jeden Tag habe ich das Gefühl, etwas wirklich wichtiges mitzunehmen. Die verwobenen Zusammenhänge werden immer klarer. Es war der richtige Schritt, nach Adoran zu gehen um von mariella zu lernen. So jung und doch so erfahren. Allein die Souveränität die sie ausstrahlt ist bemerkenswert. Aber was soll man auch anderes erwarten, sie wuchs von Kindesbeinen an in ihre Rolle hinein. Natürlich habe auch ich früh mit meiner Knappschaft begonnen, es war aber trotzdem ein anderes Leben als sie es führt.
Ich glaube sie hat selten die Möglichkeit, wirklich sie selbst zu sein. Zu sehr steht sie in der Öffentlichkeit. Aber ihre Maske sitzt perfekt.[...]

Verfasst: Sonntag 12. September 2010, 17:15
von Alexander van Bernau
[...]Die Staatskunst wollte ich erlenen, aber soviel mehr ist es geworden.
Das ergibt sich wohl zwangsläufig aus ihrer Natur. Allein die Lektionen in Etikette waren erschöpfender als jemals zuvor.
Würde sie mit dem Schwert umgehen können, wäre sie sicherlich schon Kronritterin. Aber sie scheint ihr Berufung bereits gefunden zu haben.

Aber auch die Vertrautheit zwischen uns nahm zu. Ich komme nicht umhin, ein gewisse Zuneigung für sie zu empfinden. Aber ich sollte nicht mit dem Feuer spielen, zu einfach verbrennt man sich daran[...]

Verfasst: Sonntag 12. September 2010, 17:18
von Alexander van Bernau
Lenzing 253

[...]Endlich bessert sich das Wetter und ich kann mich wieder meinem Training widmen. Zwar liegt noch Schnee, es fällt aber kaum noch neuer. Einzig die Kälte macht einem noch zu schaffen.
Ich begann damit, einen Teil des Hofes der Festung frei zu räumen. Es war zwar eine Menge Arbeit, aber nach einigen Stunden hatte ich den Übungsplatz vor seiner frostigen Decke befreit. Für heute sollte damit auch genug sein.[...]

Verfasst: Sonntag 12. September 2010, 17:32
von Alexander van Bernau
[...]Das Schwert ist auch ein Attribut von Heiligen und Märtyrern. So zumindest ist es in der Heraldik definiert.

Das Schwert kann aber auch Werkzeug der Richtschaft sein.
Es dient zur Enthauptung von Verurteilten.

Was davon ist der Ritter nun eher, der sein Schwert in Perfektion führt?

Diese Gedanken begleiten mich, je besser ich werde.
Die Antwort liegt wohl darin, wer ich selbst bin.

Das Harnischfechten, Bloßfechten, Ringen am Schwert, Rossfechten, Messerfechten oder einfach Schwert und Schild, all das übe ich täglich mit Andreas. Auch wenn natürlich jeder von uns gewinnen will, sind unsere Übungskämpfe doch stets von Fairness gekennzeichnet.
Er ist ein Teil der Familie geworden, ich sehe ihn als meinen Bruder.
Wir sind Brüder im Kampfe und Brüder im Geist.[...]

*einige Briefe liegen zwischen den Seiten, denen diese Zeilen entstammen: [url]http://www.alathair.de/forum/viewtopic.php?t=47286[/url]*

Verfasst: Sonntag 12. September 2010, 17:36
von Alexander van Bernau
Wechselwind 253

*die sonst so ausführlichen Schilderungen der Tage scheinen in diesem Monat merkwürdigerweise auszubleiben, stattdessen kann hier nur ein einziger Eintrag gefunden werden*

Wenn eine Welt zusammen bricht, dann flüchtet man sich manchmal gerne in Gedanken.
Gedanken, schwerer zu ertragen alles was man bisher kannte.
Gedanken, die eigentlich nicht zu ordnen sind.
Gefühle sind es, die den Menschen ausmachen.
Gefühle sind es, die Menschen zerstören können.

Wenn es einem die Sprache verschlägt, wie verleiht man dann dem inneren Chaos ausdruck ?





Wie das Vergehen des Sonnenscheins
an einem wolkigen Nachmittag.

Wie eine Burg,
auf einen Sandstrand gebaut.

Geboren zu erfreuen, zu begeistern,
zu beglücken.

Wie ein Sonnenuntergang,
der mit dem Aufgehen des Mondes dahinstirbt.

Gestern noch hier,
heute verschwunden.

Viel zu früh.

Verfasst: Sonntag 12. September 2010, 18:38
von Alexander van Bernau
Eluviar 253

[...]Cedric von Mervis...
ich hatte einen Großteil meiner Knappschaft mit ihm zusammen bestritten, nun sollte er meine zu Ende bringen.
Er war ein merkwürdiges Gefühl, waren wir doch während unserer Knappenzeit gute Freunde geworden. Und nun musste das Verhältnis doch ein anderes sein. Das eines Lehrers und seines Schülers.
Es war eine Situation, an die wir uns beide erst noch gewöhnen mussten.

Cedric merkte aber schnell, dass ich die theoretischen Grundlagen fast in perfektion beherrschte. Was mir fehlte war die Praxis.

So vergingen etliche tage mit Waffenübungen, sei zu Fuß oder zu Pferd, mit dem Schwert oder mit der Lanze gewesen.
Natürlich folgten nun auch wieder die unangenehmeren Aufgaben, die ich von Larius aufgrund seiner Abwesenheit ja nur selten bekommen konnte.

Die Rüstung musste glänzen, das Schwert blitzblank sein.[...]