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De profundis clamavi ad te

Verfasst: Donnerstag 28. Januar 2010, 13:45
von Andreas Myrtol
(Aus den Abgründen habe ich zu dir gerufen)

27. Hartung 253

Mein lieber Freund Alexander,
ich schreibe dir in Wohlwonnen, im Segen der Mutter,
die uns bescheret das größte Geschenk, welches ein sterblicher erhalten darf. Ich habe dir zu erzählen, zu den gegebenen Zeiten die wir erleiden, gar mit den uns'ren- die wir schätzen, lieben und gleich Gesonnenen. Diese Zeit hat zu Enden.

Es ist keine Selbstverständlichkeit, sag ich dir, wie dieser Stern weit ab vom Himmel in den Schoß des Menschen geführt und ihm das Leben einhaucht, als berühren die betörenden Lippen einer Schönheit der schlaftrunkenen Narren, der nur dann erst erwachen durft’. Wie sehr müssen wir danken, doch anstatt schätzenden Worte verbleibt dieser Mensch in seiner Anschaulichkeit der Gleichgültigkeit in Dunkelheit- blind, und vermag nicht dieses Geschenk Eluives von Stein zu unterscheiden. Sie lechzen gierig nach Großem, erheben von Schutt ein Podest und errichten dort ihr eigenes Götzenbild- verlieren das Sehen, das Fühlen und ihre Menschlichkeit, und schieben es von sich fern nur um den Stein zu gefallen.

Und diese Leblosigkeit, es besitzt keine Sphäre der Ehrfurcht, keine Lippen des Liebeswerk,
und keine Ohren der Unschuld. Es ist ein Nichts, keine geborene Seele. Und sie nehmen sich diesen Stein als Vorbild. Ich fragte vor langer Zeit einen Freund, ob die Auslegung der Gerechtigkeit in ihrer Ausführung zu überdenken wär’, ob gar ein Ungerechter sein Eigenes Blut kosten sollte. Ich erbarme mich meiner selbst, das Versprechen die ich den Menschen gab,
meiner liebsten, diesen schönen Engel. Die Gutmütigkeit möge Eluive und Temora mir nie entziehen, denn auch wenn ich dem Reich diene, sind die Strecken doch eben. Doch sie wollen nicht hören! Wir eifern nicht über dem Maß, wir eifern entsprechend; wenn des Mannes Untat ihm selbst zum Verhängnis sein würde- dann nur weil er Temoras Wohlwonnen nicht mehr hold sei. Ist er sich seiner Schuld nicht bewusst, räumen wir ihm aus Gutmütigkeit die Chance dennoch der Vergebung und Absolution- doch räumen wir nicht die Sanktion die ihm gebührt wenn die Milde uns nicht stimmt. Wir senken unser Haupt, wenn wir es zu senken haben. Wir heben unsere Hand richtend, wenn wir zu richten haben. Und wir glauben demütig, wenn wir zu glauben zu haben.

Deshalb sage ich dir, dass uns niemand bezichtigen könnt’ im Blut unserer Feinde zu baden, denn wir ehren sie nach dem Tod. Nein, wir ehren nicht ihre Existenz und woran sie waren, denn wenn es uns möglich sei unser Schwert durch ihr Herz zu stoßen, sind wir nicht die Schuldigen. Wir dürfen uns nicht blind, taub und stumm stellen wie sie, denn wir ehren trotz allen ihre freiwillige Entscheidung zu sterben. Wie verwehren nicht ihren Wunsch, wir haben ihn nicht zu verwehren, wir haben ihn mit Mitgefühl zu verrichten, damit wir sie von ihrem Schwur des Steines los sagen können! Sie wollen nach etwas streben. Sie können es nicht, weil Temora ihnen Dunkelheit versprach, und diese Dunkelheit nicht veränderbar ist! Wort ist Wort!

Was wir fühlen, ist eine redliche Fürsorge, die entkräfteten Augen mit einem Wangenstreich zu vertrösten und ihnen zu versprechen, es werde ihnen nun gut ergehen. Es wird ihnen so sein! Nein, die Rabendiener haben zu lang meine Geduld gefordert, und Dinge vollführt, die meine Seele erzürnen. Jeder Schritt, jeder Atemzug und der jeder Blick von diesen Kreaturen schreit nach Befreiung- und diese Befreiung- sie werden niemals abschwören! Und deshalb werden wir ihnen das Geschenk nehmen. Wir nehmen es nicht aus Rache, wir nehmen das Leben, um das Leben weitestgehend zu schützen. Unsere Absichten decken sich – wenn wir sie ehren, ehren wir den Schutz der anderen- es wird ohne sie besser ergehen. Jeder von ihnen wird einbüßen,
haben wir sie geschlagen und wispern wehmütig in ihr Ohr- wie wir ihre Bitte nachkommen und unsere Aufgabe erfüllen. Sie werden verstehen, unsere Ansichten teilen und in uns ihre Absolution entdecken, ihre Wiedergeburt in einem sanften Lied der Eluive. Und sie werden verstehen, und sie werden eine Träne verlieren, durchmischt von Verständnis und Erkenntnis, und werden rufen unser Handeln! Sie haben verloren sich vor dem Tod zu fürchten, dies ist ohnehin unmenschlich, wie ihre Akte! -überhören sie unser Gebot! So hat es zu sein und nicht anders. Wir haben sie zu richten unter den Augen der Lichtbringerin, und zu stechen sei in ihre Hände. Jene die Geschaffen dieses Übel, und die es wagten meine Frau anzurühren! In den Bauch, in den Kopf und im Herz. Die Wunden haben das Ankh zu ergeben, und wir werden ihre Rechtleiter sein.

Es wird sie betreffen, es wird sie treffen.
Ein Gerimor ohne den Anhängern Krathors -
Das ist ein Versprechen.
Ich rufe dich auf, so sei mit mir Alexander.

- Unter den Augen der Lichtbringerin, möge sie unsere Taten besehen und uns die Kraft schenken die wir benötigen unter ihrer Rechtleitung zu kämpfen. Möge sie ihren Willen uns einhauchen, auf dass wir nicht erblinden vor Jähzorn und über den Maß schreiten. Im Ansinnen der 7 Tugenden, die uns lenken und nicht verdrießen. Ihr Schwert mit uns, und ihr Schwert über ihren Häuptern. Zum Wohle der Menschheit, zum Wohle des Reiches und seiner Führung-

Si vis pacem, cole iustitiam,
Si vis pacem, para bellum.

Dein Freund,

Andreas

Verfasst: Donnerstag 28. Januar 2010, 22:31
von Alexander van Bernau
28. Hartung 252



Mein lieber Andreas,

dieses Geschenk in Ehren zu halten, sollte unsere oberste Aufgabe sein.
Damit Stimme ich dir in all deinen Ausführungen zu. Der diamantene Kodex sollte das höchste Gut des Zusammenlebens sein, wird von diesen völlig Blinden unter den geistig umnachteten jedoch mit Füßen getreten. Diese Missachtung sollte jedoch nicht ohne Konsequenzen bleiben. Wer wären wir, wenn wir unsere Augen vor dieser Tatsache verschließen würden? Was würden wir uns anmaßen, wenn wir den Göttern nicht für ihre Gaben danken? Unser Dank werden aber nicht bloße Worte sein, sondern Taten.

Diese Diener der Götzen haben den Pfad der Dunkelheit selbstgefällig gewählt. Den Pfad, auf den kein Licht der Menschlichkeit scheint. Diese Dunkelheit wird unser Mantel sein. Der dunkle Wald der Verderbens soll ihnen selbst Angst einflößen. Sie sollen vor dem Licht erzittern, welches durch diesen Wald streift. Wir sind dieses Licht. Sie sollen uns von weitem sehen und unsere Anwesenheit spüren. Und wenn sie leblos darnieder liegen, ist dies für sie nicht das Ende. Wir haben sie zurück an den Anfang geführt. Wir gewähren ihnen eine zweite Chance. Wir bringen sie zurück in das Licht.

Durch das loslösen der kranken Seele von ihrem gepeinigtem Körper sollen sie Absolution erfahren, auf das ihr Geist in der Ewigkeit genesen möge. Wir befreien sie aus ihrer Unmündigkeit und schicken sie vor das göttliche Gericht. Sie müssen sich nicht vor uns rechtfertigen, sondern erst dort. Wir lassen ihn somit wieder sehen, den erkranken Geist, im Namen Temoras und Eluives. Ihre Lehren werden so jene erreichen, die sich vorher vor ihnen versperrt haben.

Wir wurden dazu erwählt, ohne jeden Zweifel. Von der Schöpferin selbst, geführt von Temora, gelehrt von ihren Dienern. Welchen Sinn erfüllt denn der Geist eines Menschen, wenn er Blind ist? Frei von Einsicht und Demut? Das frage ich dich, werter Andreas.

Niemals sollte aber das Blut der Unschuldigen fließen, weder durch sie, noch durch uns. Wir werden das Schwert sein, das Temora führt, um jene zu richten, die dagegen verstoßen. Es ist der Weg des gerechten Zorns. Wir ergeben uns nicht dem Hass, kommen nicht ab vom Pfad der Tugenden. Es sind jene ohne Gewissen und Ideale, die von uns aufgesucht werden sollen. Wir widmen unser Leben diesem Ziel. Im Namen der Mutter, im Namen der Herrin. Der diamantene Kodex ist keine Sammlung von Formeln der Höflichkeit. Er umfasst die göttlichen Gebote, die Grundsätze des Lebens.

Die Götzen kennen solche Gebote nicht. Die, die ihnen folgen, erst recht nicht. Darum sollen diese teuer bezahlen, missachten sie doch somit jedes Leben. Sie werden unseren Weg kreuzen. Wir werden ihnen von Angesicht zu Angesicht gegenüber stehen und ihnen offenbaren, was ihnen verborgen blieb.

Die Zeit, die wir unter ihnen litten, ihre Tyrannei ertragen mussten, soll hiermit beendet sein. Soviel schlechtes haben sie getan, soviel Unrecht. Die Angst, die sie verbreiten haben, wird uns von nun an nur noch stärken. Niemals mehr soll jemand unter ihnen leiden. Dieses Versprechen gebe auch ich dir. Es wird sie betreffen, es wird sie treffen.

Unsere Tugendhaftigkeit ist etwas, das nie begreifen werden. Sie ist etwas, das sie sehr bald fürchten werden. Sie wissen nicht, warum wir so handeln. Sie werden es nie verstehen. Das wird uns zum Vorteil gereichen. Was sie als Schwäche ansehen, das ist unsere stärkste Waffe. Allein schon durch diese Tatsache werden wir obsiegen. Die Gerechtigkeit wird obsiegen.

In unserer dunkelsten Stunde können wir uns dem Segen der Götter gewiss sein.
In unserer tiefsten Verzweiflung werden wir uns auf sie verlassen.
Durch alle bevorstehen Prüfungen und unsere Leiden,
durch unsere Zweifel und Enttäuschungen,
durch die Angst und alle Eingeständnisse,
durch unseren Schmerz und unsere Sorgen,
werden sie uns mit Sicherheit geleiten.

Zum Wohle des Reiches, zum Wohle der Menschheit.
In dem Versprechen auf ein anderes Morgen.

Iustus enim fide vivit.

Dein treuer Freund,


Alexander

Verfasst: Mittwoch 10. Februar 2010, 10:57
von Andreas Myrtol
10. Eisbruch 253

Mein guter Alexander,

Welch' Selbstverständlichkeit!
Du hast es wahrlich begriffen mein Bester,
und es wäre Anmaßend unser Vorhaben in ein schlechtes Bild zu rücken,
ist es doch nur unser Ansinnen die Beschädigungen zu korrigieren?
Wenn das Werkzeug die Waffe selbst beinhaltet, war sie es doch schon ohnehin bereits, lernte der Mensch seit Urzeiten das Material zu formen. Wir haben sie zu formen.

Die Antwort soll zu deiner Frage nun sein, die du mir gewissenhaft stellst. Zuversichtlich! O- Alexander, ich kann mir keineswegs solch einen Geist mehr vorstellen- wahrlich! Doch in Anbetracht der Wirklichkeit, ist es mein Verdrießen den ich seid je her zu bekümmern habe. Der blinde Geist, der nichts hören, sehen und tasten kann- er lässt diese wertvolle Hülle des Menschens zu einer Missgeburt des Hasses und Gleichgültigkeit heranreifen.

Die Kodicas waren gewiss keine Formen der Höflichkeit- doch niemand sieht wie wir die Strenge die sie doch beinhalten. Wir haben es langsam zu verinnerlichen- der Tod ist unser Instrument mit dem wir lernen dem Übel entgegen zu treten. Wir alle werden sterben. Und wenn der Zeitpunkt eintrifft- wird manch einer rufen: Was habt ihr getan, denn Euer Bemühen sei des Todes- wie der Vater so der Sohn. Doch wir werden reinen gewissens Antworten:
Wir kurierten diese Missgeburten und Abschaum, indem wir ihre Haut aufschneiden und das Blut ihrer Leiber in Kontakt treten lassen mit der Sonne. Und im Lichtkegel der Sonne, die Eluives Wesen bezeichnet, lässt es ihr Blut hellrot färben. Sie werden einen letzten Blick wagen,
neben ihren Gedärmen und erkennen, sie sind gleich. Und dieses „Sie sind gleich“- und sie werden lächeln, weil sie unsere Heilung dann erkannt haben. Wir sind die Träger von Morgen,
die Einhalter von Gestern- und die Kämpfer von Heute.

Alexander, hingebungsvoll sollten wir uns unsere Aufgabe widmen, die uns Temora anvertraute-
Denn es wird nur ein Ja genügen, und wir lassen ab von unserem Handeln.

Dein bester Freund,

Andreas

Verfasst: Donnerstag 11. Februar 2010, 03:01
von Alexander van Bernau
11. Eisbruch 253



Mein Bruder im Geiste, mein lieber Andreas,

viele denken über die Generationen nach und darüber, dass wir für unsere Kinder und Kindeskinder die Welt verbessern wollen. Sie sollen in einer besseren Welt leben, das ist gewiss.

Aber wie sieht sie aus, diese Welt?

Ich werde es dir sagen, denn wir werden dazu beitragen, sie zu erschaffen.
Wir werden für sie einstehen!
Auch wenn zur Erschaffung dieser Welt eine gewisse Gewalt notwendig, wird sie doch dann hoffentlich nicht mehr von Nöten sein.
Das Leiden einiger weniger ist wie immer das Heil vieler.
Es ist wie eine Krankheit, von der dieses Land um jeden Preis geheilt werden muss.

Der diamantene Kodex ist der Grundstock dieser Welt!
Wir führen damit das Werk Eluives fort. Wir erschaffen die Welt, die sie erdachte.
Die Welt, wie sie schon immer sein sollte!
Eine Welt, die wir im Namen Temoras verteidigen werden!

In meinem Herzen fühle ich, dass wir Brüder sind. Brüder im Geiste.
Und so weiss ich, da ist ganz gewiss auch ein Platz in deinem Herzen, in dem diese Welt schon heute existiert. Und dieser Platz könnte viel heller sein als heute. An diesem Ort fühlst du keinen Schmerz und keine Traurigkeit.
Es gibt einen Weg an diesen Ort, und wir werden ihn gemeinsam gehen!
Wir tun dies aber nicht für uns selbst. Wir ebnen diesen Weg für jene, die nach uns kommen.

Heile die Welt, Andreas, mach daraus einen besseren Ort!
Für dich, für mich und für jeden anderen.
Wenn wir es versuchen, dann werden wir sehen, in dieser Ehre können wir keine Angst und keine Bedrohung fühlen!
Dieser Traum, in dem wir anfangen zu begreifen, wird an einem Ort voller Freude in Erfüllung gehen.
Und die Welt, in der wir leben, wird wieder in Anmut erstrahlen.
Eine Welt ohne Angst!

Amicitia vincit horas.

Auf eine bessere Welt!



Alexander