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Seelentier

Verfasst: Samstag 16. Januar 2010, 23:05
von Tajara Nair
Obwohl der Schnee am Boden haftet, wie ein Stück Magnet auf einem Eisen und die Kälte unten gefangenhält, obwohl meine nackten Zehen klamm werden, unter der eisigen Berührung, das Schaudern durchzuckt mich wie der kalte Griff eines Rabenhandschuhs auf meiner Kehle, sticht die Sonne heiß vom Himmel, und ich wate über die eiskalte Fläche unter sengender Sonne und habe ein Ziel vor mir.
Mir ist es, als würde mich die Insel selbst in ihrem Griff haben. Von Tag zu tag fühle ich die Präsenz der Insel selbst mehr und mehr in mir. Sie ergreift Besitz von mir - eine Bürde, der ich nicht mehr entfliehen ka. Ich habe meinen Schwur gegeben, und nun bin ich beinahe schon eine Gefangene auf dieser Insel. Doch bin ich keine Gefangene - mir lastet die Aufgabe jedoch schwer an, und so füge ich mich meinem Schicksal.
Der Himmel ist unglaublich in seinen blauen Farbtönen, dunkler werdend, je näher mein blick zum Zenit reicht - ein tieferes Blau habe ich selten an solch klaren Tagen gesehen, und das beängstigt mich beinahe schon.
Ich höre ein gleichmäßiges Tappsen hinter mir. Es ist das Tappsen von Pfoten, ein Toier hinter mir, welches mir ständig folgt. Doch wenn ich mich umdrehe sehe ich es nicht. Ich fühle mich seltsamerweise sehr sicher, obwohl ich weiß, dass mir etwas folgt. Eine innere Stimme sagt mir, dass jemand mich stetig beschützt. Eine Stimme sagt mir, dass da jemand - oder etwas - die Witterung aufnimmt und mir folgt, damit ich nicht so alleine bin in einer Welt, in der mich beinahe jeder, den ich auf meine Weise irgendwie geliebt habe, verließ. "Ich beschütze dich wenn du mich brauchst", scheint mir dieses Gefühl sagen zu wollen, und obwohl ich diese Stimme nicht direkt höre, weiß ich, dass sie zu mir spricht...


Tajara erwachte und rieb sich die Augen. Seit Alexander aufgehört hatte, Nachts wegen seiner kleinen Zähnchen zu schreien, fand sie zum ersten mal seit Monaten wieder etwas Ruhe. Ruhig schlief ihr Sohn friedlich, in ein Fell gewickelt neben ihr und reckte sich im Schlaf leicht, als die vertraute Wärme wich. Sie setzte sich auf und trat aus der Höhle, um morgens zu tun, was man eben so tut.
Die Höhle verlassend stach sie die Kälte förmlich ins Mark. Ohne warme Kleidung war es selbst auf Lameriast kaum erträglich. Fern im Norden glänzte das Eis des zugefrorenen Sees und die Dolchspitze des Beres, der in der Mitte herausstach. Sie nannte diesen Berg persönlich "Der Spitz" - passend zur Form dieses.... Dinges.
Sie sah sich um und erkannte, frische Spuren. Katzenpfoten vielleicht, die im Kreis um den Eingang ihrer Höhle erst vor kurzem geschlichen sein mussten und sich dann wieder im Wald verloren.

Für Tajara war dies nicht weiter wichtig als sie sich wieder ins Warme nach drinnen verzog. Was sie nicht wusste war, dass just in dem Moment, in dem sie erwachte die Wildkatze in den Wald abtauchte, so als wäre die Botschaft verklungen...