Kurzschlussreaktionen
Verfasst: Freitag 15. Januar 2010, 17:21
Diesmal war er wirklich zu weit gegangen, dieses eine Mal würde sie ihm nicht verzeihen. Es war unmöglich wiedergutzumachen, nicht einmal von ihm. Es war zu spät.
Ein leises Seufzen, während sie mit dem schlichten silbernen Ring an ihrem Finger spielte. Ein leichtes Kopfschütteln. Melancholie gehörte eindeutig nicht zu den Dingen, auf die sie sich einzulassen gedachte, also wurde sie kurzerhand abgeschüttelt. Und alles war wieder beim Alten. Es war ganz einfach.
Den Blick in die Ferne gerichtet hoben sich die Mundwinkel zu einem Lächeln. Die Nacht war ruhig und klar und fast schon sanft bahnte sich das Schiff seinen Weg durch das Wasser. Und am Horizont konnte man ein schwaches Licht aus machen, ein sicheres Zeichen dafür, dass der Hafen bald erreicht war. Sie liebte das Meer mit seinen endlosen Weiten, Freiheit versprechend und dem Gefühl es stünden einem unbegrenzte Möglichkeiten offen. Sie...
„Wie meinen?“ Abgelenkt drehte sie den Kopf und sah in das Gesicht eines angetrunkenen Matrosen. „I..hisch.. 'abe gefragt, wasss ihir hier ssu ssuchen hab...t!?“ Er beugte sich lallend in ihre Richtung, ein dreckiges Grinsen im Gesicht, das seine gelben Zähne besonders zur Geltung brachte, gepaart mit einem Geruch, der kaum auszuhalten war. Sie hatte Mühe die aufkommende Übelkeit zu unterdrücken. Sie hasste Schiffe.
Es kostete sie große Überwindung dem Gesprächspartner ruhig zu begegnen und ihm nicht entgegen zu speien, oder zu schreien, geschweige denn angewidert die Flucht anzutreten. „Bis eben, hatte ich eigentlich vor die frische Nachtluft zu genießen, bis wir im Hafen einlaufen.“ Ein nüchterner Gegenüber hätte wohl herausgehört, dass sie sich um dieses Vorhaben wohl gerade betrogen fühlte. „Dass iss nich...t geschtatte...t, Ihir müsst un...ter Deck wahar..ten, wie all... wie all... wie alle anderen ahauch. Geb..t Eure Ssachen heeer, ihisch bring...e ssie ru.. run..runter. Wwär doch ssu scha...de, wehenn ...“
„Nein danke, ich komme schon zurecht!“ Damit richtete sie Ihre Aufmerksamkeit wieder auf das Dunkle der Nacht vor sich.
Reflex.
„Ey...duuu... ssspi..hinnst woho...l!“ Er hielt sich die Nase, während sie ihre Faust zurückzog und nur langsam wieder öffnete, nachdem er es gewagt hatte, sie am Arm zu packen, um seinen Forderungen mehr Gewicht zu verleihen. Seine Flüche perlten von ihr ab, wie Regentropfen von einer Fensterscheibe. Und während sie längst wieder die schwachen Lichter in der Ferne betrachtete, deckte er ihren Rücken mit Verwünschungen aller Art ein.
Ein Platschen. Ihr rechtes Auge zuckte kurz, als sie ihren Seesack mit ihrer Kleidung über Bord gehen sah.
Reflex.
Sie sah über die Reling ins Wasser, als es zum zweiten Mal ein platschendes Geräusch gab. Die Bewegungen des Seemannes ließen erkennen, dass er deutlich Mühe hatte sich über Wasser zu halten, nachdem er so unvorbereitet baden ging. Für einen flüchtigen Moment machte sich wahres Bedauern in ihr breit. Dann gab sie ihre Kleidung seufzend endgültig als verloren, denn der Narr schien keine Anstalten machen zu wollen, seinen Fehler zu korrigieren und ihre Sachen aus dem Nass zu retten.
Mit etwas Glück, und so der Rest der Mannschaft nicht ebenso betrunken war, würde vielleicht jemand bemerken, dass er über Bord gegangen war. Andernfalls bestand ja immer noch eine geringe Chance, dass er den rettenden Hafen vielleicht erreichen... nein, eigentlich nicht. Sie wischte diesen absurden Gedanken beiseite. Und als Antwort auf sein wildes Herumgefuchtel, hob sie die Hand und winkte ihm zu. Schließlich hatte man ihr beigebracht, je nach Situation und wenn es angebracht war, Begrüßungen und Abschieden freundlich zu begegnen.
Als das Schiff dann später den Hafen erreichte, verfluchte sie ihren Entschluss, diese Reise angetreten zu haben, bereits. Das nächstbeste Schiff zu besteigen, war wohl doch nicht die beste Lösung gewesen. Sie hätte es eigentlich besser wissen können, besser wissen müssen, dass Kurzschlussreaktionen selten etwas Gutes mit sich brachten. Nicht nur, dass sie ihn verloren dachte, ebenso war sie um ihre Kleidung gebracht worden, hatte sich vom Kapitän eines dieser lästigen Schreiben aufschwatzen lassen und wurde nun empfangen von diesen, teils wahrlich unangenehmen, Gerüche des Fischerdorfes, die ihr Übriges dazu taten, dass sie mehr als nur mürrisch von Bord ging.
Ein leises Seufzen, während sie mit dem schlichten silbernen Ring an ihrem Finger spielte. Ein leichtes Kopfschütteln. Melancholie gehörte eindeutig nicht zu den Dingen, auf die sie sich einzulassen gedachte, also wurde sie kurzerhand abgeschüttelt. Und alles war wieder beim Alten. Es war ganz einfach.
Den Blick in die Ferne gerichtet hoben sich die Mundwinkel zu einem Lächeln. Die Nacht war ruhig und klar und fast schon sanft bahnte sich das Schiff seinen Weg durch das Wasser. Und am Horizont konnte man ein schwaches Licht aus machen, ein sicheres Zeichen dafür, dass der Hafen bald erreicht war. Sie liebte das Meer mit seinen endlosen Weiten, Freiheit versprechend und dem Gefühl es stünden einem unbegrenzte Möglichkeiten offen. Sie...
„Wie meinen?“ Abgelenkt drehte sie den Kopf und sah in das Gesicht eines angetrunkenen Matrosen. „I..hisch.. 'abe gefragt, wasss ihir hier ssu ssuchen hab...t!?“ Er beugte sich lallend in ihre Richtung, ein dreckiges Grinsen im Gesicht, das seine gelben Zähne besonders zur Geltung brachte, gepaart mit einem Geruch, der kaum auszuhalten war. Sie hatte Mühe die aufkommende Übelkeit zu unterdrücken. Sie hasste Schiffe.
Es kostete sie große Überwindung dem Gesprächspartner ruhig zu begegnen und ihm nicht entgegen zu speien, oder zu schreien, geschweige denn angewidert die Flucht anzutreten. „Bis eben, hatte ich eigentlich vor die frische Nachtluft zu genießen, bis wir im Hafen einlaufen.“ Ein nüchterner Gegenüber hätte wohl herausgehört, dass sie sich um dieses Vorhaben wohl gerade betrogen fühlte. „Dass iss nich...t geschtatte...t, Ihir müsst un...ter Deck wahar..ten, wie all... wie all... wie alle anderen ahauch. Geb..t Eure Ssachen heeer, ihisch bring...e ssie ru.. run..runter. Wwär doch ssu scha...de, wehenn ...“
„Nein danke, ich komme schon zurecht!“ Damit richtete sie Ihre Aufmerksamkeit wieder auf das Dunkle der Nacht vor sich.
Reflex.
„Ey...duuu... ssspi..hinnst woho...l!“ Er hielt sich die Nase, während sie ihre Faust zurückzog und nur langsam wieder öffnete, nachdem er es gewagt hatte, sie am Arm zu packen, um seinen Forderungen mehr Gewicht zu verleihen. Seine Flüche perlten von ihr ab, wie Regentropfen von einer Fensterscheibe. Und während sie längst wieder die schwachen Lichter in der Ferne betrachtete, deckte er ihren Rücken mit Verwünschungen aller Art ein.
Ein Platschen. Ihr rechtes Auge zuckte kurz, als sie ihren Seesack mit ihrer Kleidung über Bord gehen sah.
Reflex.
Sie sah über die Reling ins Wasser, als es zum zweiten Mal ein platschendes Geräusch gab. Die Bewegungen des Seemannes ließen erkennen, dass er deutlich Mühe hatte sich über Wasser zu halten, nachdem er so unvorbereitet baden ging. Für einen flüchtigen Moment machte sich wahres Bedauern in ihr breit. Dann gab sie ihre Kleidung seufzend endgültig als verloren, denn der Narr schien keine Anstalten machen zu wollen, seinen Fehler zu korrigieren und ihre Sachen aus dem Nass zu retten.
Mit etwas Glück, und so der Rest der Mannschaft nicht ebenso betrunken war, würde vielleicht jemand bemerken, dass er über Bord gegangen war. Andernfalls bestand ja immer noch eine geringe Chance, dass er den rettenden Hafen vielleicht erreichen... nein, eigentlich nicht. Sie wischte diesen absurden Gedanken beiseite. Und als Antwort auf sein wildes Herumgefuchtel, hob sie die Hand und winkte ihm zu. Schließlich hatte man ihr beigebracht, je nach Situation und wenn es angebracht war, Begrüßungen und Abschieden freundlich zu begegnen.
Als das Schiff dann später den Hafen erreichte, verfluchte sie ihren Entschluss, diese Reise angetreten zu haben, bereits. Das nächstbeste Schiff zu besteigen, war wohl doch nicht die beste Lösung gewesen. Sie hätte es eigentlich besser wissen können, besser wissen müssen, dass Kurzschlussreaktionen selten etwas Gutes mit sich brachten. Nicht nur, dass sie ihn verloren dachte, ebenso war sie um ihre Kleidung gebracht worden, hatte sich vom Kapitän eines dieser lästigen Schreiben aufschwatzen lassen und wurde nun empfangen von diesen, teils wahrlich unangenehmen, Gerüche des Fischerdorfes, die ihr Übriges dazu taten, dass sie mehr als nur mürrisch von Bord ging.