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Ums Krähennest und mehr
Verfasst: Samstag 9. Januar 2010, 16:52
von Jane Jack
Ich ließ Fernrohr auf dem Dach des Krähennestes langsam über die Hafengegend wandern . Die Luft war klirrend kalt und ein blauweißer Nebel schwebte über der so frühen Stunde. Die kleinen Gassen waren leergefegt, hie und da huschte eine Ratte entlang der noch in Schatten gehüllten Mauern. Zeitig war ich heute morgen erwacht, bin leise aus den vielen Fellen und Kissen gestiegen um den schlafenden Lissy nicht zu wecken. Selbst nach einer ereignisreichen Nacht voller Spuk und Besuch war ich hellwach und hielt es nicht mehr länger aus . Ich tapste im Halbdunkeln zu der Reihe von Holzfässern auf denen meine Bekleidung lag, stolperte über eine auf Boden liegende geleerte Rumflasche und konnte mich gerade noch in letzter Sekunde fangen um nicht gänzlichst in einem der Fässer zu landen. Mein Blick ging zu Lysander, doch der schien weiterhin tief im Reich der Träume zu verweilen. Rasch den wollenen Wams übergezogen, die wilden Haarsträhnen aus dem Gesicht gestrichen und unter einem Kopftuch fixiert , schlüpfte ich in meine hohen Lederstiefel und begab mich zur Hintertür hinaus auf's Dach unseres Krähennestes.
Ein Rest der heißen Glut aus dem Kohlebecken glimmte noch, sodass ich einige kleine Holzspäne auflegte und schon bald ein warmes Knistern und Knacken vernehmen konnte.
Das Hafenviertel schlief . Kein Laut ertönte außer dem des kleinen Feuers nahe meines Rückens. Meine behandschuhten Hände griffen zum Fernrohr und schwenkten es in die gewünschte Richtung . Fehlanzeige, alles was ich sah war ein weißer Nebel . Ich ließ das Rohr zu mir herumschwenken und hauchte auf die Linse und wischte sie vorsichtig ab. Besser so. Wieder justierte ich das Rohr gen Hafen und beugte mich vor . Die Mole lag verlassen da, einzelne Eispfützen glänzten im frühen Morgenlicht, der Stand des Fischhändlers noch verschlossen.
Ich ließ das Rohr weiter schweifen bis ich freie Sicht aufs Meer hatte. Bald war es gänzlich nicht mehr befahrbar . Schon jetzt schwamm eine dünne Eischicht auf den Wellen, noch bewegten sie sich und trugen das Eis mitunter zu kleinen spitzen Bergen auf. Ich nahm meinen Blick von dem Fernrohr und streckte mich dem nun wärmenden Kohlebecken entgegen.
Ich genoß diese frühe Stunde, ließ sie mir doch Zeit einen klaren Gedanken zu fassen , denn nur zu früh würde der Tag erwachen und mit ihm all der Wahnsinn dieser herrlichen Welt.
Seit langem fühlte ich mich so, als wäre ich am richtigen Ort. Dinge ereigneten sich ohne meines Zutuns, sozusagen wie von Geisterhand , wobei ich jedesmal nur dieses Wort benutzend leise erschauderte. Freunde waren plötzlich zugegen, sie traten einfach in mein Leben, so als wären sie schon immer dagewesen. War dieses einer der seltenen Momente wenn nach Unglück und Ruhelosigkeit sowas wie eine Windstille eintritt ? Ich traute mich nicht dem Umstand des Glücks bewußt zu werden, noch ihn zu ergreifen. Nur zu gut wußte ich, wie schnell sich das Wetter drehen kann.
Eines kam zum anderen . Ich lernte Lysander kennen, spaßhaft nannte ich ihn Lissy, was ihn manchmal zur Weisglut bringen konnte, speziell wenn wir unter seinesgleichen waren . Das Krähennest wurde bezogen , die Bande an der Wegkreuzung sammelte sich , meine Wahrsagerei mit Hilfe des Fischdarms wurde zur lukrativen Zusatzeinnahmequelle und dies kleine schmutzige , nach Abfall und verrottetem Fisch riechenden Hafenviertel nahm mich als eines seiner Kinder auf. Kurzum, ich fühlte mich zuhause.
Trotzdem spürte ich es wieder hochkommen. Hier in der klaren Winterluft nahm dieses Gefühl von Aussichtslosigkeit, dem Unglück stets auf den Fersen zu sein , Stück für Stück von mir Besitz.
Oft hatte ich versucht es zu verdrängen , hatte die Trauer um den geschätzten Menschen, den ich bei dem Schiffunglück verloren hatte, schlicht und einfach verdrängt, beziehungsweise ertränkt.
Dhran tauchte wieder vor meinem geistigen Auge auf, rothaarig und edel .
War sie es doch gewesen, weshalb wir hatten unser Land verlassen müssten, war auch sie es gewesen, der ich so viel schuldete.
Wir beide sind über Bord gegangen, das Schiff zerschellt auf den Klippen irgendwo draußen vor Bajard.
[img]http://i187.photobucket.com/albums/x177/GaidaO/piratetales1b.jpg[/img]
Ich erinnerte mich der ersten Tage, an denen ich noch nach ihr Ausschau gehalten hatte, doch nach und nach geriet sie in Vergessenheit, oder war es schlicht und einfachbewußte Verdrängung ? Wollte ich mich von ihr befreien ? Mein eigenes Leben leben, ohne ständig an Hygiene, Benimm und Manieren erinnert zu werden ?
Dhran brachte nichts als Unglück und Dramen und das adiert mit meinem Pech bedeutete es stets das Chaos sondergleichen. Ganz von dem Fakt abgesehen dass sie von einem der höchsten Seelenfressern der alten Heimat gesucht wurde.
Doch seitdem ich letztens in der Bajarder Taverne ein Gemälde sah, welches ihrem Antlitz bis aufs Haar glich, machte es mir mein Gewissen schwer nicht an sie zu denken.
Ich mußte sie finden. Mußte ich das wirklich ? Alles in mir bäumte sich auf, schrie und verabscheute den Gedanken an ein neues Leben, falls ich Dhran finden sollte.
Sie würde mich verschlingen mit Haut und Haar, nicht aus Bosheit oder Egoismus, sondern einfach aus der Tatsache heraus, dass wir ein schon langes gemeinsames Stück Leben zurück gelegt hatten und quasi ein Stück Familie sind .
Das fahle Morgenlicht wechselte zu einer dunkelgrauen nebligen Wand. Mir wurde kalt, das kleine Kohlebecken kam gegen die aufkommende Kälte nicht an, Schnee lag in der Luft und ich stieg die vereisten Stufen hinab in die immer noch dämmrige Bude unterhalb es Nestes. Dort legte ich einige trockene Holzscheite auf die niedergebrannte Glut, blies ein paar mal kräftig hinein und schon züngelte ein feines Flämmchen zwischen dem Holz, welches sich auch schon bald über das restliche Holz hermachte. Das warme Kaminfeuer erhellt den Wust von Decken und Kissen welches vor ihm aufgestapelt war. Nur eine Hand lugte aus ihnen heraus. Lissy. Ich setzte mich dicht ans Feuer und ließ meinen Blick auf der menschliche Form unter den Fellen ruhen. Draußen setzte das Schneetreiben ein. Hier war doch gestern noch ne Flasche Rum ?
Verfasst: Dienstag 12. Januar 2010, 17:52
von Jane Jack
Ans Fischen war heute nicht zu denken. Schneetreiben und Frost gaben sich weiterhin die Hände sodass ich mir die wollene Tunika überzog, die dicken Handschuhe herauskramte und mich zur Kutschstation begab, in der Hoffnung, dass dort eine der Kutschen nach Bajard reisen würde.
Die Geburt von Verdania's und Siran's Kind ließ wohl nicht mehr lange auf sich warten, wenn sie nicht sogar schon stattgefunden hatte. Siran hatte zu mir gesagt " Komm vorbei " , und das wollte ich nun auch tun. Was schenkte man einem frisch gebackenen Elternpaar ? Den Kopf voll solcher Gedankenbrocken kämpfte ich mich durch's Schneegestöber um dann schließlich in der Kutsche sitzend über die vergangenen Tage nachzusinnen.
Der quälende Geist im Krähennest war tatsächlich nicht mehr zurück gekehrt, dank unserer aller Mühen den Toten in geweihter Erde zu verbuddeln. Siran hatte mir diesen überaus klugen Rat gegeben, ich werde ihm dafür danken nachher.
Es waren nun doch schon seitdem wieder einige Tage ins Land gezogen, und ein Lächeln setzte sich auf meine Lippen, als ich an Lissy dachte. War es letzte Nacht dem übermäßigen Rum und Krautkonsum zu verdanken gewesen, dass ich mir plötzlich gewisser Gefühle bewußt wurde von denen ich glaubte solche auf ewig verbannt zu haben ? Ich sah ihn wieder neben mir auf den Fellen sitzen, sein mit Rum durchtränktes Hemd vor dem Kaminfeuer trocknend , braungebrannt und zäh. Ich schluckte und versuchte meine Gedanken auf etwas anderes als auf Lysander's drahtige Figur zu lenken. Es war mitten im Winter, meist stellten sich solch übertriebene Gefühlswallungen erst zu späterer Jahreszeit ein, murmelte ich vor mir hin und verfluchte den Tag an dem ich gelernt hatte Männern zu mißtrauen. Bei Lissy war es seltsamerweise anders. Blindlings öffnete ich mich diesem Menschen und ließ ihn tief in meine Seele blicken,jedoch stets darauf bedacht eine gewisse Portion Distanz durchblicken zu lassen. Warum zur Hölle tat ich das nur ? Ich linste aus dem Kutschenfenster und mußte zu meiner Erleichterung feststellen, dass wir Bajard in wenigen Augenblicken erreichen würden. Liebe , Familie und der Verlust der Freiheit lag dicht beieinander . Und wo zum Henker sollte ich ein Kind hintun ? In eines meiner Rumfässer womöglich ?
Ein solcher Gedanke trieb mir ein schäbiges Grinsen aufs Gesicht und ich entstieg der Kutsche leise gluchsend . Sicher liegt es mit an Siran's glückseeligem Lächeln wenn er von seiner Familie sprach ... entschuldigte ich meine wirren Gedanken. Sollten doch die anderen versauern am heimischen Herd, ich würde meine Freiheit nie hergeben !
Nicht ganz von meinen Gedanken überzeugt wanderte ich in Richtung der Herberge Bajards.
Verfasst: Montag 18. Januar 2010, 18:23
von Jane Jack
Der Winter hatte das Land weiterhin fest in seiner Hand . Schon morgens erwachte ich fröstelnd, noch im Halbschlaf wahrnehmend , dass Lysander das Lager verlassen hatte und mich im verlöschenden Kaminfeuer , unter den Fellen hatte schlafenlassen , um sich in aller Frühe wieder an Bord zu begeben. Es gehörte zu einer zwischen uns unausgesprochenen Vereinbarung, dass jeder kam und ging wie es ihm gefiel, es wurden keine Fragen gestellt und keine Bedingungen geknüpft. Was einzig und allein zählte, war die Gegenwart. Zukunft ? Was für eine Frage ! Schon im nächsten Augenblick unseres noch so jungen Lebens konnte es uns den Kopf kosten . Trotzdem genoß ich es , mir ihn vorzustellen , wie er an Bord des Schiffes , in der Takelage hängend , die Sonne auf sich prallen ließ. Dieser Gedanke wärmte mich, und so verbrachte ich meine Tage oftmals am Hafen angelnd, den Horizont im Auge und auch wenn ich es mir selten eingestehen wollte, hoffend, dass Lissy nicht vom Klabautermann verschlungen wurde, sondern im Stück wieder an Land gespien wird.
Doch es gab auch Augenblicke, an denen ich den Winter verfluchte. Nämlich wenn meine klammen Finger die Angelrute nicht mehr spürten und zu steif waren um die Schnur einzuholen. Oder aber wenn das Holz für unseren hungrig fressenden Kamin ausgegangen war, und im gesamten Hafenviertel keines mehr aufzutreiben war. Wenn ich gezwungen war, mich ins alte Lagerhaus zu schleichen, um dort alte Kisten zu zerhacken und mühsam ins Haus zu schleppen.
Dann zog es mich in die beheizten Tavernen außerhalb des Krähennestes, stets neidisch vor Augen, wie Lissy es sich gutgehen ließ, auf der heißen Insel fern im Süden. Und ein Funken von Sehnsucht duchzog meine Eingeweide .
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Doch scheiß der Hund drauf, nach dem 4ten Rum gefiel mir dies schneebedeckte Fleckchen auch ganz gut und stimmte gröhlend in eines der Tavernenlieder mit ein .
" Oh Brüder wir feiern bis zum Morgengrauen
Mit Wein und mit Bier, mit Met und mit Frauen
Heut' will ich vergessen des Lebens Leid
So lasset uns saufen, es ist an der Zeit "
Verfasst: Montag 18. Januar 2010, 19:36
von Jane Jack
Das lästige Jucken und Kratzen der Kopfhaut wurde immer unangenehmer, gar wunderlich bei den hiesigen Temperaturen, denn sonst hat mich das Flohgetier erst im späten Frühjahr gepackt . Es schien an Iriel's Bärenfell zu liegen, und auch nachdem Otter es auf Iras Geheiß fleißig gesäubert hatte, schienen die kleinen Mistviecher wacker ihre Eier gelegt zu haben , nur aus einem Grunde, um geradewegs in mein langes Haupthaar Einzug zu halten.
So sehr ich heiße Seifenbäder auch verabscheute , womöglich noch in Gesellschaft anderer lüsterner Großväter, gab es kein Zurück mehr.
Ich hatte mich auf die Suche nach einem Badehaus zu begeben, und zwar wenn möglich, noch in dem kommenden Mondlauf ...
Es gruselte und grauste mich, ließ ich doch sonst nichts anderes an meine Haut als ein zartsalziges Meerbad, und das auch nur im Sommer .
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Verfasst: Dienstag 19. Januar 2010, 17:35
von Jane Jack
Lissy war wieder im Lande, doch überschattete meine glorreiche Idee das Lockvögelchen zu heilen, indem es auf Lys mit dessen eigener Pistole feuern durfte, die ausgelassene Freude des ersten Beisammenseins. In meinem Innern marterten mich Gedanken, indem ich mir einen durchlöcherten Lysander vorstellte, dessen Leichnam, ich zu allem Unglück nicht im Garten verbuddeln konnte, sondern irgendwo im Süden.. dort... wo die Gewässer von Alumenas auf jene Menek'Urs treffen . Ich entschied eindeutig , dass ich nicht zurechnungsfähig sei und das Lysander unmöglich aufgrund meiner irren Einfälle in den Tod gehen durfte. Wer würde meinen Rücken wärmen und mir des Nachts zuhören wenn nicht er ? Lockvögelchen wird auf mich schießen müssen . Zumindest müßte ich dann keine Gewissensbisse haben und falls ich mit dem Leben davon kommen sollte, würde man mir sicherlich tröstende Flaschen Rums zukommen lassen. Der Gedanke gefiel mir ausgesprochen gut und mein Blick fiel auf unseren hochprozentigen Geisterrum . Vielleicht könnte ich sogar diesen hier köpfen ....
Vielleicht sogar, wenn es des Schicksals Fügung war, konnte ich sogar auf diesem Wege dem ungeliebten Seifenbad entgehen.
Ich triumphierte über meinen Einfallsreichtum , die blaue Flasche nicht aus den Augen lassend und auf die Ankunft meiner Freunde wartend.
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Verfasst: Samstag 23. Januar 2010, 13:28
von Jane Jack
Der Winter nagte weiterhin mit eisiger Klaue , und wie es schien, hatte er trotz stetigem Genuß von heißem Grog , doch ein Türchen in unsere Körper gefunden. Schon bei Elfriede, in gemütlich warmer Runde sitzend, fühlte ich einen unwohlen Schmerz in der Halsgegend und ein trockener Husten machte sich breit. Kaum ein Satz ließ sich ohne dieses quälende Bellen beenden . Trotz der angenehmen Gesellschaft von Elfi und Ira vermochte ich nicht mehr durchzuhalten, ich spürte meine Kräfte schwinden und eine Eiseskälte in mir hochsteigen.
Lissy und ich entschlossen uns zum Krähennest aufzubrechen. Jeder Schritt wurde zur Tortur, sämtliche Glieder schmerzten , und als wir dann endlich das Hafenviertel ereichten, schleuderte ich die Stiefel , Tunika und Handschuhe in die Ecke, die Gedanken nur auf eines richtend - der Schlafstätte aus Fellen, Decken und Kissen.
Sogleich war ich auch darin verschwunden, eingewickelt in Felle , Kissen im Rücken . Ich beobachtete Lissy, wie er mit dem eisernen Kessel nach draußen verschwand um dann kurz darauf mit demselbigen schneegefüllt wieder herein kam, diesen über das frischangefeuerte Kaminfeuer hängte und mir bald schon einen heißen Becher mit Grog in die Hände drückte.
Er entledigte sich seiner Stiefel und Jacke und schlüpfte zu mir unter die Felle . Ich fröstelte und zitterte trotz der Wärme des Lagers und dunkle Flecken tanzten vor meinen Augen während Lissy seinen Arm um mich legte. Er deckte mich zu und ich war schon bereit in meine Fieberträume zu sinken als ich ein weiteres Husten vernahm. Nicht mein trockenes Gebelle, nein ein dunkles , tiefes Husten- es war Lissy . Auch ihn hatte es erwischt.
Würden wir nun beide , in Felle gewickelt verrecken ? Würde man uns erst im Frühjahr finden ? Nein, Ira hatte versprochen in den nächsten Tagen vorbeizuschauen, ach das arme Kindchen, ihr sowas anzutun, zwei gefrorene Leichen , naja, sicher noch besser als zwei stinkende.....
Mit diesem Schreckgespinnst im Gemüt fiel ich in einen unruhigen Schlaf, zitternd und schwitzend zugleich, von Alpträumen geplagt stets die Hand des anderen suchend , so als würde die Nähe lebensrettend sein und mir aus den Schluchten meiner Alpträume helfen.
*hust, hust*
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Verfasst: Sonntag 24. Januar 2010, 14:44
von Jane Jack
Krankheiten kommen und Krankheiten gehen, so zumindest kam es mir vor, denn die meinige schien sich nach einer durchschwitzten Nacht voller Alpträume aus dem Staub gemacht zu haben.
Erhebend war es immer wieder das neue Pulsieren des Lebens zu verspüren, es zog mich nahezu aus den Fellen . Ich nahm mir vor, Lili die Heilerin aufzusuchen um ein Fläschchen Erkältungssaft für den immer noch im Schlaf hustenden Lys zu besorgen. Ich legte noch einige Holzscheite auf das kleine Kaminfeuer , zog die Decken und Felle über den Schlafenden und schlich mich durch die Hintertüre aus dem Haus.
Wenig später saß ich auch schon in der Kutsche nach Adoran, als ich nach geraumer Fahrt durch ein plötzliches Schaukeln und Rumpeln aus meiner Tagträumerei gerissen wurde. Die Pferde waren vom Weg abgekommen und die Kutsche auf Eis und Schnee in den Graben gerutscht und ein Wagenrad verloren. Der Kutscher empfahl uns Reisenden das unweit gelegene Bajard aufzusuchen um von der dortigen Kutschstation weiterzugelangen.
[img]http://i187.photobucket.com/albums/x177/GaidaO/kutsche.gif[/img]
Bajard .... dies würde ich nutzen um rasch einen Blick in die Freie Herberge zu werfen, zu neugierig war ich auf das Neugeborene der beiden Herbergsleute.
Doch wie ich eintrat , mußte ich feststellen, dass das Kind noch im Bauch seiner Mutter verweilte, wenn auch schon Gestalten machte, sich bald der Welt zu zeigen. In Abständen versuchte Verdania den Schmerz der sich auf ihrem hübschen Gesicht spiegelte zu verschleiern , indem sie mir wie schon so oft, selbstlos Speis und Trank anbot. Langer Rede kurzer Sinn, bald schon entschieden wir,dass ich Liliana aus Adoran eine Nachricht zukommen lassen würde, die Geburt würde nicht mehr lange auf sich warten lassen. Während Verdania im Raum nebenan die Mitteilung schrieb nutzte ich die Stunde und zog Siran näher an mich heran um ihn in die nötigsten Geburtsinstruktionen einzuweihen. Schließlich hatte ich in der Alten Welt schon bei so mancher Geburt zugeschaut .Ich konnte sehen, wie sein vor Aufregung leicht gerötetes Gesicht blass wurde. Die Nabelschnur müsse er durchschneiden , und nein, es würde seiner Frau nicht wehtun.
Er solle schon mal heißes Wasser kochen und Segeltuch unter die Laken legen, es gäbe ne mords Sauerei. Auch dies trug nicht dazu bei Siran's Gesichtsfarbe aufzufrischen, sodaß ich ihn dann seiner Frau überließ und mit der Botschaft ohne weitere Vorfälle nach Adoran eilte.
Bald schon war Liliana gefunden, die Nachricht übermittelt und ein Erkältungstrunk für Lissy erstanden , jedoch mit der ausdrücklichen Bitte, dass sich dieser unverzüglich zur Nachuntersuchung vorzustellen habe. Die Tinkturen würden alle recht unterschiedlich wirken und keinen Arztbesuch ersetzen. Man müsse sicher gehen, es könnte sonst zur Epidemie ausarten.
Kurze Zeit später waren wir alle auch schon wieder auf den Beinen, jeder seinem Ziele zustreben, Lili mitsamt ihrer Assistentin der Herberge zufliegend, ich dann wenig später auch Richtung Krähennest um Lissy den sicherlich abscheulichen Sud zu verabreichen. ich schaffte gerade noch eben heißes Wasser, Lilianas Trunk, etwas Rotwein ,einen Schuß Rum, zwei Zitronen und etwas Honig in den gußeisernen Topf über das Kaminfeuer zu hängen, als sich Lissy auch schon unter den Fellen räckelte und leicht verqollen unter diesen hervorlugte. Es ginge ihm schon bedeutend besser . Trotzallem bekam er meinen Wundertrunk zu probieren, und war es nun aufgrund seiner unschlagbaren Gesundheit , Liliana's Erkältungstrunk oder meiner wenigen Zutaten, er schien genesen und putzmunter.
Schon bald waren wir unterwegs nach Bajard, das Kind war geboren, ein Junge wars, ein Geschenk überbracht und einem Abend mit Freunden in der benachbarten Taverne nichts im Wege.
Lissy schien heute ausgesprochen nähebedürftig zu sein, und nahm mich ständig in den Arm . Hoffentlich hatte Lili ihren Trank nicht mit einem aphrodisierenden verwechselt . Ich beäugte ihn neugierig, konnte jedoch nichts weiter feststellen und ließ es , ich mußte es mir eingestehen, mit Freuden geschehen.
Verfasst: Dienstag 2. Februar 2010, 17:23
von Jane Jack
Jacky stand mal wieder auf einem der vielen liebgewonnenen Bootsstege und fischte, als eine einsam dahin treibende Flasche ihre Aufmerksamkeit erregte. Die Flasche war verschlossen und durch das hellgrünliche Glas schimmerte ein Pergament . Jack legte ihre Angel beiseite und legte sich bäuchlings auf den Steg und streckte ihre Hand danach aus. Doch vergebens, die Flasche schwappte mit jeder der kleinen Wellen ein Stückchen weiter fort. Sie nahm ihre Angel zur Hilfe um die Flasche zu erreichen, doch ließ sich das Mistding nicht an Land bringen. Kurzerhand entwendete sie dem schimpfenden Fischverkäufer eines seiner Fischnetze und im Nu lag die kalte Flasche in ihrer Hand.
Nicht lange zaudernd wurde diese zerschlagen und das klamme Stück Pergament entrollt.
Jacky traute ihren Augen nicht als sie begriff, dass sie eine Nachricht von Elfriede in der Hand hielt .. sie versuchte es zu entziffern, doch es hagelte nur so an Schreibfehlern, Elfi hatte schließlich nie richtig schreiben gelernt .... sie würde zum Hof laufen , vielleicht konnten die anderen verstehen was hier stand , und warum zum Kuckuck steckte Elfriede Briefe in Flaschen ?
Jack steckte den Brief in die Innentasche ihrer Jacke, gab dem zeternden Fischhändler das Netz zurück und eilte zum Wegekreuz .
[img]http://i187.photobucket.com/albums/x177/GaidaO/Flaschenpost.jpg[/img]
Verfasst: Dienstag 2. Februar 2010, 19:24
von Jane Jack
Völlig außer Atem und keuchend stürmte Jacky in die Wohnküche des Bauernhauses am Wegekreuz . Der Sperling saß am Tisch,den Kopf tief in beide Hände vergraben. Jack zog sogleich noch das mittlerweile verknitterte Pergament aus ihrer Innentasche und reichte es Sperling " Du wirst nicht glauben was ich gefunden habe , eine Nachricht von der Elfe ! In ner Flasche , hab die geangelt und das Papier rausgezogen, kanns nicht lesen, so kritzelig hat die geschrieben. Kannst du es entziffern ? "
Der Sperling nahm augenzwinkernd und stirnrunzelnd das Stück Papier entgegen, strich einige feine helle festhängende Sandkörner hinfort und betrachtete es zuerst von allen Seiten bevor sie Anstalten zum Lesen machte .
" Hmm, mmm, hää ? Tochtaaaaaa, Intzel , Schiffbrugk ? Was soll das ? Warum nur hab ich ihr kein Schreiben beigebracht ?" stotterte Sperling die Stirn weiterhin in Falten.
Es dauerte ein ganzes Weilchen bis wir annähernd eine Antwort auf all das rätselhafte Gekritzel bekamen. Schließlich fiel der Groschen, denn Elfi hatte einst von ihrer kleinen Tochter erzählt, die plötzlich vermißt wurde, weggelaufen war und Elfi sich nie davon erholt hatte. Allem Anschein nach schien sie plötzlich einer Spur zu dieser Tochter gefolgt zu sein, Schiffbruch erlitten zu haben und nun auf einer Insel festzusitzen.
Der Sperling war den Tränen nahe . " Und wer versorgt nun den Hof mit mir ? "
Elfriede war nach Sperlings Aussage seit einige Tagen nicht mehr zuhause gewesen. Nie hatte sie ihre Hühner unversorgt gelassen. Der Sperling nickte knapp starrte etwas entsetzt auf den Küchentisch.
" Wir werden Lissy fragen, der kennt sich mit allem was mit Wasser zu tun hat aus ", fiel es uns ein und der feine Sand der noch am groben Papier haftete sprach eindeutig für den feinen Sand der warmen Gefilde.
" Menek'ur ? ", entsprang es Sperlings Mund ... " Laß uns den Rat einberufen, wir werden einen Schiffsreise machen müssen ! " Sperlings Augen schauten etwas zuversichtlicher .
Schiffsreise ? Mir drehte sich der Magen um.
[img]http://i187.photobucket.com/albums/x177/GaidaO/Flaschenpost1.jpg[/img]
Verfasst: Dienstag 2. Februar 2010, 21:31
von Jane Jack
Vorgeschichte
Elfie hat eine Nachricht ergattert wo ihre verschwundene Tochter sein könnte. Sie machte sich nach der gefangennahme von Kimroth am nächsten morgen direkt auf den Weg um sie zu suchen, zuvor packte sie einige Sachen ein die sie auf der Reise gebrauchen konnte. Sie nahm dann das nächste Schiff, aber der Kapitän hatte sie schon vorgewarnt, dass es keine angenehme fahrt werden würde, da bereits ein großes Gewitter auf sie zustoßen würde, also nahm sie ihren Mut zusammen und stieg auf das Schiff. Sie hatte ihre Tasche dabei worin sich neue Klamotten, etwas zu Essen, Tränke und einige andere Dinge sich darin befanden.
Sie befand sich nun alleine auf dem Schiff. Sie kannte niemanden darauf, aber sie ging dann direkt in ihre Kabine und packte einige Sachen aus, da sie gerne gekocht hatte, wollte sie für den Kapitän und seine Matrosen etwas an Speis anrichten, als danke schön, dass er sie so mitgenommen hatte. Es gab genug Nahrung und viel Rum auf dem Schiff, also waren alle sehr gut versorgt.
Das Gewitter
Sie waren nun einige Tage unterwegs es waren schon zwei oder vielleicht drei Tage. Elfie hat schon nicht mehr die Zeit im Kopf. Das Schiff fuhr weiterhin. Alles war friedlich und sie hatte den Kapitän und die Matrosen als Freunde gewonnen für ihre herrvoragende Leistung an Kochmöglichkeiten die sie angeboten hatte. Die Nacht brach an und wie der Kapitän es beführchtet hatte kam das angekündige Gewitter an. Es donnerte laut und der Regen brach an. Es schüttete, als würde man auf der Toilette sitzen und sein Geschäft erledigen. Ja tatsächlich war es so.
Elfie rannte rasch zu dem Kapitän und rief ihn entgegen.: "Kaluras! It dat dat wett'r wovon tu mick jewarnt häst! und er erwiederte.: Aye! Dat is dat Wetter! Wir fahren diese Strecke seid Jahren und nu ist es wieder Zeit dieser Katarophe zu entkommen! Geh runter Friedel. Geh sonst geschieht dir noch wat! Elfie nickte nur noch hastig und rannte rasch hinunter in ihre Kabine. Sie hörte den Kapitän nur noch zu seinen Männern rufend mit folgenden Worten.: SETZ DIE SEGELN. ES IST WIEDER ZEIT! BRINT DIE FRAUEN UND KI....NDER i... Sich.... un... Hörte sie nur noch in Wortfetzen umso mehr sie sich entfernte. Sie war dann endlich in ihrer Kabine angelant. Das Schiff wackelte und das Wasser polterte nur noch am Schiff. Es wackelte noch mehr. Dann nach ein paar Minuten hörte sie ein gewaltiges Donnern, woraufhin sie wieder zusammen gezuckt ist und sie sich rasch unter ihrer Decke verkroch.
Eine halbe Stunde war nun um. Ein gewaltiges knarcken hörte man, als sei irgendwas zusammengebrochen. Elfie schreckte auf und blickte nur panisch umher. Sie konnte nicht herumsitzen und garnichts tun, also rannte sie wieder hinauf. Auf den Weg nach oben, knallte sie von einer Tür zu anderen und war dann oben angelangt. Sie blickte umher und versuchte den Kapitän auswendig zu machen, aber es war niemand mehr an Deck. Sie schreckte erneut auf und wurde immer panischer. Der Mast brach dann zusammen und Elfie bekamt etwas ab und wurde dann Bewusstlos und lag nur noch am Boden.
Der Morgen danach.:
Elfie schwimmte mit einem Fass durch das Meer und bliebt weiterhin bewusstlos. Schwebend war das Fass vom vermutlich versunkenen Schiff umhergeschwommen. Irgendwann wachte sie auf und spuckte Wasser aus dem Mund. Sie dachte sie sei Tot. Das Wasser war eisigkalt und irgendwann trieb sie das Fass auf die kleine Insel. Das Wetter war wieder etwas schöner. Die Sonne schien und Elfie zog ihre nassen und kalten Klamotten aus und hingt sie aus, als sie ein Seil am Strand entdeckt hatte. Sie entfachte ein Lagerfeuer und versuchte irgendwo Nahrung zu finden, aber letztendlich entdeckte sie die Angel und begann einige Fische zu fangen um sie dann danach zu verspeisen.
Sie war erstmal versorgt. So gut wie alles trieb auf die kleine Insel und Elfie hatte doch Glück eine Schatuelle entdeckt zu haben worin sich Schreibzeug befang. Sie trocknete die Blätter und versuchte einige Dinge auf diesen zu schreiben, da sie nicht des schreiben mächtig war, konnte sie nur einzelne Worte schreiben, da sie ihrem treuen Boten meistens zugeguckt hatte, als er für sie die Pergamente angefertigt hatte.
Lib El...tr
Icsh be...uf... n In..el gesranet, as Icsh uf de Suhe nck meiner Tocer wuk. Dat Siff it uf de fat zusan jerocn un be hia allee. Mi jehttttttett et toweet jutltlt Man ließt hier einige Wortfetzen. Vieles komisch geschrieben wie ein zweijähriges Kind. Icsh hock ia mack euc nuat altuvie Sorg um mic. Icsh weet mik etma hi turcktet fin müs'n. Wock hia tunau ben it frglöich. E is gegoch en recktete klllen Indelsel.
Euck Elfie Ihren Namen konnte sie noch richtig schreiben, aber alles andere ist ziemlich schwer zu entschlüsseln.
Sie packte das Schriftstück in eine Flasche und hatte es dann mit einem Korken verschlossen und warf es ins offene Meer in der Hoffnung, dass sie jemand auf Gerimor finden würde.
Copyright Elfriede Schweissgut
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Verfasst: Samstag 6. Februar 2010, 17:06
von Jane Jack
Ich hatte mich leise vom Lager erhoben und die wärmenden Decken und die Zweisamkeit gegen die frische Winterluft oben auf dem Dache des Krähennestes eingetauscht .
Wie angenehm mir auch die letzte Nacht vorgekommen war, umso besorgter schaute ich in die Zukunft. Sollte tatsächlich das eingetreten sein, welches ich schon damals aus meinem Dasein verbannt hatte ? Still und heimlich trat es in unsere Leben, erst sachte und unscheinbar, dann immer unentbehrlicher bis man es zuletzt schmerzlich vermißte, wenn es einmal nicht da sein sollte.
Ich biß mir auf die Unterlippe, mo cride, aye, so nannte er mich und die Bedeutung, welche ich zwar geahnt doch scheinbar unbewußt zu verdrängen geschafft hatte, machte mir nun Angst und Freude zugleich.
Ich ließ meinen Blick über die Dächer des kalten Hafenviertels schweifen.
Mit dem Frühling würde hier auch wieder der Gestank einziehen. Und Jaron würde gerufen werden . Ich schüttelte den Gedanken von Verlust und Sehnsucht fort .
Noch war Winter und er gehörte zu mir.
Was im Frühjahr war, lag noch vor uns .
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Verfasst: Mittwoch 17. Februar 2010, 18:05
von Jane Jack
Wie ich mal wieder am Pier des Hafenviertels meine Angel einholte gesellte sich Lissy zu mir, mich von hinten umarmend und zur Eile antreibend, es würde heute Nacht zu einer Hochzeit gehen. Ich sah schon wie sich unsere Hauskasse füllen würde, bei all den Gepuderten feinen Herrschaften würde es sich gewiß lohnen . Doch derweil ich schon daher plapperte und an verschiedene Vorgehensweisen dachte, nahm mir Lissy den Wind aus den Segeln indem er schlicht und einfach erwähnte dass es seine Kameraden seien die sich trauen würden, und er dürfe mich mitnehmen. Mir schien man sicherlich meine Überraschung anzusehen, ich konnte gerade soeben meine untere Kinnlade dazu bewegen sich in ihre normale Position zu bebegeben . Lys dagegen grinste nur sein feines Grinsen und buchsierte mich in Richtung Krähennest wo ich auch schon in den vielen Fässer verschwand um etwas geeignetes für diese Feierlichkeit herauszusuchen. " Du brauchst dich nicht sonderlich hermachen, es ist heiß dort, vielleicht das rote dünne ?" erklang es von außen . Ein Schmunzeln setzte sich auf mein Gesicht, aye, dieser Fummel hatte es ihm angetan und langer Worter kurzer Sinn war es auch schon gefunden und angezogen , allerdings noch verborgen unter dicker Lederhose und warmer Tunika . Der Winter wollte und wollte nicht weichen. Noch während wir das Krähennest verließen ließ ich ne Flasche Rum in meine Jackentasche wandern, keine Seele würde mich nüchtern auf ein Schiff kriegen , und folgte Lissy auf das Schiff welches uns auf die Insel der Bruderschaft bringen sollte. Anfänglich noch leicht vor Furcht zitternd , gewann ich an Mut, sei es dem Rum oder auch der freundlichen Zuwendung meines Gefährten zu verdanken. Bald schon wurde es warm und wärmer unter Deck und wir begaben uns nach oben.. kaum hatten wir einige schwerstnavigierbare Riffe durchquert, der Kapitän dieses Schiffes mußte ein wahrer Könner sein, tauchte das Eiland auch schon auf . Ich fächerte mir Luft zu und entledigte mich der überschüssigen Kleidung und spürte einen Blick von Seiten Lysanders auf mir ruhend . Er war nervös, so kannte ich meinen Lissy nicht. Wo sonst immer ein entspanntes, über den Dingen stehendes, kaum wahrnehmbares Lächeln zu sehen war, bemerkte ich eine feine Linie zwischen seinen Augenbrauen. Hier war er Jaron, der Pirat, nicht der Krautbaron aus dem Hafenviertel. Hier galten andere Regeln und ich spürte Lissy's Sorge dass etwas daneben gehen könnte und versuchte mich nicht allzu daneben zu benehmen.
Perera persönlich hielt die Traungszeremonie ab und die Braut war wunderschön. Das Fest danach war rauschend und ging bis in die späte Nacht, nur mein Gefährte schien sich nicht so recht volllaufen zu wollen, immer ein seitliches Auge auf mich gerichtet . " Sauf nicht soviel", raunte er mir zu " hier kann alles passieren !" Da riß mir nahezu die Hutschnur und mein Trotzkopf gab sich nun erst recht die Kante. Zumal dieser Rum von La Cabeza nicht mit dem Fusel des Festlandes verglichen werden durfte. Eine Offenbarung , welches sich allerdings auch auf meine Fähigkeit geradeaus zu laufen auswirkte. Beim Verlassen des Schiffes wäre ich beinahe in eine Ladeluke gestürzt, begleitet von dem Kommentar einer der Brüder " Paß auf Mädel, nicht dass du uns das Schiff leck schlägst ! " Reizende Früchtchen, die Kameraden meines Lissy , allerdings ein Augenschmauss ohne gleichen,wettergegerbt, braungebrannt, voller Klunker , so als würden sie ihren gesamten Reichtum am Körper tragen und bis an die Zähnen bewaffnet . Ich fühlte mich in meine Kindertage zurück versetzt wo ich durch die engen Seitengäßchen unseres Schmugglerinselchens vor Gestalten wie diesen Verstecken lernte . Nun soff ich mit ihnen und würde es jederzeit mit jedem von Ihnen aufnehmen , zumindest gaukelte mir dies mein Rumumnebelter Verstand vor.
Wieder im Krähennest machte ich es Lysander nicht leicht, so ein Schuft, mich zurechtzuweisen , war unsere Freiheit des offenen Miteinanders nur aufs Krähennest beschränkt ? Nichts um alles in der Welt würde mich beaufsichtigen können, auch nicht ein hübscher Pirat mit brauen Augen und zärtlichen Händen.
Wie sich Lissy schon gewohnheitsmäig in unsere Decken und Felle haute , war mir noch lange nicht nach Vergebung und Zweisamkeit und anstelle ihm mein Messer in die Rippen zu jagen, zog ich es vor mich an Kiebitz 's Alchemieversuchen zu betören und schlich mich erst kurz vor der Dämmerung zurück ins Krähennest, ziemlich berauscht und immer noch wütend, jedoch nicht mehr in der Lage einen Mord zu begehen.
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Verfasst: Mittwoch 17. Februar 2010, 19:44
von Jane Jack
Ich erwachte schweißgebadet, die Bilder aus meinem Traum waren so wahr, so realistisch dass es mich schüttelte. Eine Stadt verborgen hinter Bäumen, der Zugang der menschlichen Rasse verwehrt. Der Wind schien zu flüstern und dessen Worte drangen direkt in mein Ohr, erst leise und kaum wahrnehmbar, dann laut und lauter sodass ich schließlich erwachte , die Hände auf meine Ohren haltend. " Ered Luin, Ered Luiiiiiin .... finde Dhran, findeee sie !!! "
Im Krähennest herrschte Stille, kaum unterbrochen von Lissy's leisem regelmäßigen Atem. Ich setzte mich auf, schob das Fell beiseite und rüttelte Lissy wach . " Lissy, zum Henker, sag mir was ist Ered Luin ! " Er blinzelte schlaftrunken mit den Augen , nicht sicher ob er selbst noch träumte . Erst nachdem ich ihn abermals gerüttelt und ihm die beiden seltsamen Worte wiederholt hatte rollte er sich auf die Seite und lächelte mich an um mich in die Arme zu schließen. Diesem Lächeln dem ich mein Herz geschenkt hatte, würde ich es nach gestern Nacht nicht so leicht machen sein cride in die Arme zu schließen .
Ich wickelte mich aus den Decken , hielt ihn auf Abstand und wartete auf eine Antwort.
" Ered Luin ?, Hm... ick jloub, dat s'e Elfenstadt s'n joutet Quentchen wech voun heer. Wat'n mit'em?"
" Gut, mein Lissylein, schäl dich aus dem Fell und laß uns los, wir müssen Dhran finden. "
Man kann sich vorstellen wie Lys geguckt hat, ich mußte mir wahrlich ein Schmunzeln verkneifen, das obwohl die Umstaände alles andere als entspannt waren. Dhran schickte gerne Träume dieser Art. Sie hatte schon in der Alten Welt gefuchtelt und Dinge getan, an die nie ein einfacher Sterblicher gedacht hätte. Ich war mir nun sicher, erst das Gemälde und nun dieser Traum, sie war nicht abgesoffen sondern ebenfalls am Leben. Ich war es ihr und mir schuldig zumindest dieser Botschaft nachzugehen, auch wenn mir davor grauste wieder in familiäre Hände zu gelangen. Ihr Bild stieg vor mir auf, die edle Dhran, rothaarig und unberechenbar.
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Verfasst: Freitag 26. Februar 2010, 19:40
von Jane Jack
Schon bald auch bot sich die Gelegenheit der Erforschung des Schicksals meiner alten Bekannten nachzugehen. Einige Tage waren seit meinem Traum bereits ins land gezogen, doch mein Krautbaron hatte die Hände voll zu tun .Dann jedoch führte mir das Schicksal , oder wie man es auch nennen mag, Lissy direkt vor die Nase. Am Hafen von Menek'ur traf ich auf ihn, leise lächelnd, meine frisch erworbene luftige Kleidung bewundernd .Er leistete keinen Wiederstand und begleitete mich ohne zu Zaudern oder Murren nach Norden, weit hinein in das legendenumwobene Elfenreich , den Nebelwald. Ob er sich wahrlich schuldig fühlte ob des unpassenden Spruchs den er auf der Hochzeit hat fallen gelassen, oder ob es einfach sein Beschützerinstinkt war der ihn mitgehen ließ konnte ich nicht ausmachen. Doch als wir am Rande des wilden Waldes angekommen waren, mein Herz bereits tief in die Hosen gerutscht war , war ich ausgesprochen froh ihn an meiner Seite zu wissen . Meinen Groll vergessend schmiegte ich mich in Lissy's Arme , dankbar und dann mutiger Seite an Seite den tiefen geheimnisvollen Wald zu betreten.
Kaum hatten wir die ersten Schritte in diesen gesetzt, schien es als schlossen sich die Tore des Waldes und eine neuartige Welt schien uns anzusehen. Ein undurchdringliches Grün von Blättern , Büschen und Ranken gab mir das Gefühl als ob Blicke auf mir ruhen würden, obwohl beim Umdrehen nichts dergleichen zu sehen war. Auch Lys schien es nicht anders zu gehen während unsere Schritte, die wir langsam voreinander setzten, uns tiefer und tiefer hinein führten. Ein grünes , dichtes Blätterdach ließ den Blick zum blauen Himmel seit Langem nicht mehr zu , alles war in ein schimmerndes zunehmendes Grün getaucht, durchsetzt von kleinen helleren Partikelchen die schimmernd und glimmernd durch das Astwerk schwebten.Ich vermochte nicht zu sagen wie lange wir bereits gewandert waren als plötzlich, wie aus dem Nichts der Elf mit Namen Sha´layel, welcher mich bereits in Menek'ur verachtend ignorierte, vor uns stand. Ich linste über Lysanders Schulter, der instinktiv das Wort wergriffen hatte, und höflichst, alle Benimmregeln einhaltend unser Begehren vorbrachte. Er schien Erfolg zu haben , denn wir wurden durch den Wald zu einem Gebäude aus reinstem Marmor geführt, magisch war kein Ausdruck, nein, der Begriff heilig schien hier zuhause zu sein und durchflutete diesen Ort bis ins kleinste Eck.
Während Lissy immer desinteressierter in die Gegend schaute rang ich mich schließlich durch die nötigen Fragen zu stellen, und siehe da, der zuerst recht hochnäsig wirkende Elf entpuppte sich trotz seiner hochgestochenen Redensweise als guter Informant. Die von uns beschriebene Person sei tatsächlich hier gewesen, gesund gepflegt worden und dann wiederrum ihrer Wege gezogen. Ihre Eigenschaften, welche sich ja glücklicherweise so sehr von den meinen unterschieden, wurden noch ausdrücklich gepriesen , wohl nochmalig mein schändlichen Benehmens auf Menek'ur rügend. Ich fragte nach dem Verbleib der Dame und mit Hilfe einer Wesenheit welche der Elf herbeicelebrierte empfingen wir die Worte * WULFGARD*
Schon bald löste sich die famose Elfengestalt in Luft auf , übrig blieb ein gewisses Schimmern und abermals das Gefühl als würde man uns beobachten.
Uns hielt nichts länger hier und wir eilten zum Waldesrand .
Wuldgard, was war das, war es eine Person, ein Ort, ein Land ?
Lissy trottelte in dem ihm so übligen Seemannsgang voraus, froh der Dichte des Waldes entkommen zu sein, ich für meinen Teil langsamer, sehr nachdenklich hinterher. Ich brauchte Zeit zum Nachdenken und ließ meinen Gefährten schon voraus gehen, ich würde dann später folgen.
Mir war seltsam zumute, spielte Dhran doch wieder eines ihrer so eigenen Spielchen mit mir. Sie konnte nicht anders und hatte die Hände nicht von der Fuchtelei lassen können. Man sah doch wohin dies führte. Lissy hatte ganz Recht, nur Tod und Unglück würde es einem bescheren.
So sinnierend hatte ich mich auf dem nächstbesten Baumstamm niedergelassen. Meinen Umhang um mich geschlungen versuchte ich die Gedanken zu ordnen. Somit war es nun sicher, Dhran war nicht ersoffen , sie war hier an Land geschwemmt und von den Elfen gesundgepflegt worden. Ich konnte es drehen und wenden wie ich es wollte. Sie lebte, hier in diesem Land. Nun lag es an mir . Würde ich sie suchen und finden wollen ? Würde ich sie in unser Leben lassen wollen ? Alles in mir schrie NEIN ! Und doch begehrte ein kleiner Teil auf und weinte, sicher würde ich sie suchen, ich würde ihr sogar mein Fell zum Schlafen überlassen. Immer ! Ich mußte mit Lissy sprechen und herausfinden was das Wort Wulfgard bedeutete.
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Verfasst: Sonntag 28. Februar 2010, 20:15
von Jane Jack
Bevor ich meinen Weg zum Krähennest lenkte, traf ich Anstalten Liliana, die Heilerin, aufzusuchen.
Sie war weitgereist und welterfahren, zudem hatte sie mein Vertrauen wenn es um Rat in schwierigen Dingen ging, sie fungierte äußerst hilfreich als Ratgeber in nahezu jeglicher Situation.
Zu meiner etwas heiklen Familienangelegenheit riet sie mir mich durchzusetzen, der Lady einfach zu zeigen, dass Jacky nun kein Kind mehr sei welches erzogen werden müsse. Leider kannte Lili meine Dhran nicht .
Als ich das Wort ! Wulfgard " verlauten ließ antwortete Lili geradeheraus:" Das ist die Festung vom Clan Bunjam ! Thyren oder auch Tiefländer genannt, fern auf der Insel Lameriast . "
Bald schon verließ ich das Heilerhaus, es ging dort recht unruhig daher, ständig gingen Leute ein und aus und ich sehnte mich nach meinem Krähennest und dem Grog den mir Lys versprochen hatte.
Lameriast, wo zum Henker war dass denn nur ..und was waren Tiefländer ? Ich würde Lissy fragen, sicher kannte er sich aus.