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Die Sorge um einen Knappen
Verfasst: Dienstag 22. Dezember 2009, 02:21
von Rafael von Arganta
Rafael sah seinem Knappen nach und die Sorge um ihn ließ ihn nicht los.
Rabendiener ...
Immer und immer wieder Rabendiener.
Dabei gab es von ihnen doch nicht so viele, und doch beschäftigten sie ihn schlimmer als manch Rahaler Gezücht.
Zu oft war er selber mit ihnen aneinander geraten, und Andreas ... er wollte den jungen Mann vor Schaden bewahren.
Davor bewahren so zu hassen wie Rafael es tat.
Er wusste das er damit Alatar näher war als Temora, dennoch vermochte er jenen Zorn in sich nicht zu unterdrücken der jedes mal in ihm aufwallte wenn es um jene Kultisten ging.
Vor drei Tagen war Andreas jenen begegnet.
Vier an der Zahl.
Ja, das er sie ihn nicht verschleppten, töteten, sondern ihn sich mit Gold freikaufen ließen, hätte ihn stutzig machen sollen,
Was interessierte Rabendiener schon Gold.
Niedergeschlagen hatten sie ihn dann dennoch und seither hatte er diese Kopfschmerzen.
Der Kronritter verfluchte sich ob seiner eigenen Gedankenlosigkeit.
Wie konnte er nur so dumm gewesen sein darüber keinen weiteren Gedanken zu verschwenden. Er kannte doch die Hinterlist jener Grau Berobten und mit Andreas hätten sie wen in der Hand der wirklich nicht nur an Informationen kam, sondern auch mit Hohen Adeligen in Kontakt trat.
Auf das Gespräch mit Andreas hin, bei dem jener ihm von Leahs Befürchtung, Verdacht berichtete, hatte Rafael das einzigst in seinen Augen möglichste Getan.
Andreas gepackt, und mit ihm gen Kloster geritten.
Cassius ließ sie zwar kurz ein, doch ihre Eminenzen, noch ein anderer Priester war gerade anwesend.
Zudem bemerkte Rafael das Andreas Kopfschmerzen hier in der nähe des Heiligen Baumes, des Klosters an sich, noch zunahmen.
Temora wie blind musste er gewesen sein, doch der junge Knappe hatte bislang keine anderen Auffälligkeiten, oder Veränderungen gezeigt.
Da das Kloster in diesem Moment ohne die Eminenzen kein Ort für Andreas war, schickte Rafael ihn zurück, befahl ihm aber sich von Hoheit oder Lady Darna fern zu halten.
Er selber wollte die Eminenzen kontaktieren, und Andras sollte sich verfügbar halten.
Rafael hoffte das Sanyarin und Sandroval bald die Zeit finden würden und die Dringlichkeit seines Schreibens erfassen würden.
Auch Cassian wurde aufgeklärt einen Gruß Rafaels zu übersenden, mit der Bitte um Eile.
Dann erst verabschiedete er sich von Andreas, den er nun äußerst ungern alleine ließ.
Aber er wusste, wenn, so würde nur die Kirche Helfen können.
Eluives und Temoras Gnade, über die Willkür und die Leitung durch Krat’hor.
Verfasst: Mittwoch 23. Dezember 2009, 00:28
von Andreas Myrtol
Für ihn stand schon alles über den Kopf,
denn wonach er eigentlich verlangte war nur Ruhe. Es blieb ihm anscheinend vergönnt ein Genuss wie die Ruhe zu erhalten. Stattdessen war der Tod bei ihm so allgegenwärtig geworden, dass es sein Gemüt, vor allem unbemerkt, Stück für Stück langsam zerrüttete. Lieon, der Rabendiener und seine Tochter, die 4 Rabendiener.
Er musste sich ablenken, aber wie nur? Wenn selbst die grauenhaftesten Gedanken bei jeden Schritt, neben den leichten Kopfschmerzen, stetig anstieg- pochend. Er konnte nicht mehr vor Sorge und Befürchtung und das Turnier nebenbei- er konnte sich darauf nicht mehr besinnen. Kein Wunder nach diesen üblen Worten der edlen Knappin. Nein, er glaubte nicht daran, er hatte Zweifel und wiederholte! Es wären Mutmaßungen! Es müsse nicht Wahrheit werden! Aber sie forderte es von ihm auf. Andreas schwieg für einen Moment, und ließ sich umstimmen. Was wäre wenn doch?
Er erzählte den Kronritter am Nächsten Tag über die 4 Rabendiener, flach und eigentlich nicht nennenswert darüber. Dennoch bestand sein Mentor darauf, dass Andreas ihn folgte und er tat es. Und als er die Schritte tiefer ins Kloster tätigte, stiegen die Kopfschmerzen beinahe so qualvoll, dass er am liebsten flüchten wollte. Eluive sei dank forderte Cassian sie auf das Kloster sicherheitshalber zu verlassen und sie taten es. Dieses Zeichen, es machte ihn Angst. Er verspürte Todesangst, um sich und die die er mochte und liebte. Er hinterließ seine Frau einen Zettel am Hause- denn seid 2 Tagen war er nicht mehr Daheim- sie würde sich sicherlich sorgen, genauso wie es sein Vater tat. Und Vivien würde sich wundern.
Wo dürft' er noch ungestört bleiben? Wann dürft' er endlich seine Rüstwehr in diesem Krieg ablegen, ungezwungen und freien Willens.
Verfasst: Freitag 25. Dezember 2009, 01:36
von Myra Myrtol
Die Sorge um den Ehemann.
Seufzend sank sie in der Decke eingemurmelt vor den Kamin und lehnte die Schläfe an die Holzlehne des Sessels. Sie vermisste ihn, wie selbstverständlich war dieses Gefühl, welches so sehr schmerzte wenn sie längere Zeit ohne diesen Mann war, der ohne Vorwarnung einfach ihr Herz schnappte und sie glücklich machte.
Ein Mann, das Geschenk ihrer Liebe in Form eines Kindes und ebenso einen Stiefvater, der eher wie ein eigener Vater wirkte, den sie nie hatte.
Aber da war nicht nur dieses Vermissen, sondern auch auch Sorge, denn was er ihr schrieb war nicht etwa das er ein paar Tage mal irgendwo in fernen Landen verweilte und lernte, sondern es ging um sein Leben.
Wie konnte sie ihm mitteilen das er ihr nicht weh tuen würde, kein Fluch würde stark genug sein um ihr weh zu tuen. Dies sich einzureden bedurfte nicht viel, Myra war schon seit jeher ein naives Mädchen, nun Frau gewesen.
Man konnte die Menschen nicht verurteilen, denn in jedem war doch ein warmer, leuchtender Kern, der Menschlichkeit.
Sie hob die Hände zu einem Gebet und flüsterte in die aneinandergelegten Hände die Bittgebete an Eluive. Sie möge ihren Mann schützen, sie möge ihm helfen und sie möge ihn auf den schnellsten Weg zurück zu ihr führen.
Für sie konnte die Liebe alles heilen..auch den schlimmsten Fluch.
Verfasst: Freitag 25. Dezember 2009, 19:25
von Leah Katuri
„Du warst bewusstlos und hast somit einen Zeitraum, an den du dich nicht erinnern kannst. Du kannst die Zeit nicht bemessen. Sie haben dich zumindest da gelassen, aber sie könnten dir entweder etwas entwendet haben...und sei es nur ein Stofffetzen oder dergleichen.“
Sie hatte Angst. Angst darum, dass sie viel zu schwarz sah. Angst, dass die Vermutungen doch richtig sein könnten...und Angst darum, dass jedes Handeln bereits zu spät sein könnte.
Diener Kra’thors....Seelenfänger.
„Sag mir was ich tun soll Leah.“ Die Worte waren noch immer präsent, paarten sich zu der Sorge, die sie seitdem trieb. Sie fühlte sich verantwortlich. Verantwortlich für die Äußerungen, die Angst, die sie in ihrem Freund geschürt hatte. Nur zu deutlich hatte es der Blick Andreas verraten, wie er haderte, fürchtete und schließlich vor Ratlosigkeit nicht weiter wusste.
Der ritterliche Mensch nimmt auch schreckliches Schicksal an und verzagt nicht im Angesicht der Not. An ihm wollen sich die wirklich Schwachen anlehnen, er soll sie im Namen der Göttin aufrichten, nicht einer der ihren werden. War sie bereit dafür? Wollte sie schon die Verantwortung der Anderen übernehmen und als Stütze, Pfeiler dienen? Als diejenige, die Mut machte, versuchte, zu helfen, ohne Lügenbilder aufzubauen? Sie hatte es unbewusst an dem Abend gemacht. Sie antwortete wahrheitsgemäß und dennoch in einem Ausmaß, das weiterhin Hoffnung zuließ. Bekanntlich war es die stete Hoffnung, die Einen nicht aufgeben ließ. Sie wollte nicht, dass ihr Freund aufgab; er sollte kämpfen...und weiter an sich glauben.
Und doch kannte sie keine Antwort auf seine Frage. Sie konnte ihm nicht versprechen, dass es mit dem tiefen Glauben bereits getan wäre, und auch ein Hadern nichts erbringen könnte. Man musste handeln, musste verschärft Suchen und herausfinden, was mit dem jungen Knappen nun geschehen könnte.
Es war das Warten, das ungeduldig werden ließ. Mühlen der Diplomatie waren hier und dort langsamer, als man dachte. Sie hatte nichts weiter gehört von dem Knappen, nach dieser Nacht. Sie wusste nicht, was Erlaucht von Arganta empfohlen oder angeordnet hatte. Sie hoffte, dass er die Patrouillen als gute Idee empfand und sie bald Nachricht haben würde, dass sie mitreiten dürfe. Und auch auf eine Antwort des Hochgeboren hoffte sie, sowie sie auch wusste, dass Geduld hier eine große Rolle spielte und kein Drängeln mit hineinpasste. Sie würde wohl eine Weile warten...bis sie das Konzil aufsuchen und dort fragen würde. Es gab immerhin Wege...Wege, Lösungen zu finden.
Das einzige, was zu vermeiden galt, war zu sehr mit dem Herzen an die Sache zu gehen.
„Wenn sie mich nun so in den Freitod werfen wollen, hätten sie es schon getan und nicht gewartet oder gleich an Ort und Stelle getötet.“
„Keiner weiß, was diese Irren vorhaben. Wenn ich in die Zukunft sehen könnte, würde ich es dir sagen, aber das ist mir nicht möglich. Wenn du das Allianzsiegel getragen hattest, so haben sie sicher Hintergedanken. Die Seele eines Grafen und seiner Truppe sind sicher intressanter als die eines einzelnen Knappens.“
„Sie wussten wie ich heiße....“
Die Zeit rannte...rannte stetig zu ihrem Nachteil und das einzige, was man tun konnte, war warten. Warten darauf, dass man Antworten bekam von Menschen, die besseres Wissen hatten als einer selbst. Wissen, dass vielleicht ein Menschenleben retten konnte. Sie wollte nicht an das schlimmste Ausmaß denken und verdrängte es. Die Hoffnung starb zuletzt...auch bei ihr.
Verfasst: Montag 28. Dezember 2009, 14:28
von Andreas Myrtol
Meist seiner Zeit verbrachte Andreas damit, in der Feste der Allianz zu verbringen. Er saß für gewöhnlich alleine am Kaminfeuer, denn wenn auch es ihm zugleich quälte, der Gedanke ohne sie betrübte ihn. Das Kinn sank zur Brust hinab, die blauen Augen fixierten nicht mehr die lodernden Flammen des Kamins, sondern musterten seine Hände, die gerade auf die Knie oblagen. Sehnlichst’ verspürte er den Drang einfach Heim zu reiten, oder sie bei sich zu haben. Und dann wieder mit dem Gedanken zu spielen, der ihn diese egoistische Art verbietet. Nein! Die Knappin könnte recht haben, und jeder Umgang mit ihm wäre immerhin; oder könnte immerhin gefährlich sein. Die gerade werklosen Werkzeuge, die wie sonst auf seine Knie ruhten als er sitzt, nutzte er doch dazu seine Waffen zu ölen. Und war dies um es geschehen, stemmte er sich von seinem Platz ächzend hoch, stellte sein Waffenbündel am Stuhl ab, und kleidete sich mit Umhang und Handschuhe. Der Weg hinaus zum Balkon war sein Ziel, von dort er einen Blick wagen konnte über die herrliche Schneelandschaft und zum Verdrießen, Varuna in Augenschein nehmen konnte. Der Wind peitschte ihm durchs Gesicht, während er an den Geländer des Balkons stand; den Umhang enger um sein Leib geschnürt. Die blonden Haare tanzten schleierhaft vor seinen fein vernarbten Gesichtszügen und hellklaren blauen Augen. Geduldig betrachtete er nun das Untergehen der Sonne, denn eine Wissensnot plagte ihn immerhin nicht; dass wenn er zur späten Stunden los reitet, die Straßen Adorans und Berchgards befreit waren von regen Tätigkeiten.
Kurz bevor die Sonne ihr gleißendes Licht verlor, umwandelnd in einem blutorangenen Schein, die Ruinen Varunas mit einem letzten Blick vertröstete, ehe die Nacht sich über ganz Gerimor zog. Es wurde Zeit, und in der Not konnte er sich diesmal nicht an seine Familie wenden. Bitter wirkten die Züge des Knappens, der nun schwere Schritte führte außerhalb den Mauern der Allianz, der sein mittlerweile kampfgeübtes Ross Ragos an den Zügeln nahm, in den Steigbügel stieg und sich gleich auf den Sattel hievte. Er preschte los, sein Tier schnaubte, dann ertönte ein Wiehern, und im Galopp ritten sie los. Der Atem der beiden, von Andreas und Ragos, waren schnell- der warme Atem der aus ihnen strömte zog sich in der Kälte zu feinen Rauchfasern zusammen und verzogen sich binnen kürzester Zeit auseinander und verschwanden. Als sie die Drachenbrücke erreichten, die Wolfsbrücke überquerten, dann im Adelsviertel angelangten, hielten sie vor den Mauern der Kirche an. Er schwang sich von seinem Sattel und klopfte sein Tier behutsam am Hals, worauf Ragos immer bei dieser Geste stets ruhig verblieb. Und in der Kirche angelangt, stiegen die leichten beinahe unmerklichen Kopfschmerzen wieder an, jedoch nicht so grauenvoll wie es im Kloster geschah. Der Knappe senkte sein Haupt demütig und lief den weißen Weg bis zum Ende entlang, als dann er seinen Umhang nach hinten ausschlug, auf sein rechtes Knie stürzt, wie immer zu Anfang gelobt für Temora, das Reich und seiner Liebe zu streiten. Und im vollzogenen Akt seiner Demut und Ehrfürchtigkeit, war nun auch sein linkes Knie auf den Boden befindlich. Die Hände waren zusammengefaltet, die Finger überkreuzt und er sprach seine Bittgebete.
Es fiel ihm nicht schwer Worte zu wählen; denn er flehte Temora und Eluive an um Kraft, Weisheit, Mut und Stärke- die 7 Tugenden im Maße auszuführen und zum Schutz des Lebens einzusetzen. Weder verblendet noch in starker Pein, denn er will rechtgeleitet werden. Für das Reich zu streiten, für die Wehrlosen sich einzusetzen, und besonders vor allem, seine liebenden zu beschützen. Die Stimme erstarb sodann, als der Gedanke an Myra sich weckte. Er vermisste sie in der Zeit; und Vivien? Die Augenlider gingen zu. Viviens lebensfrohes Quieken misste er ebenso schrecklich, wie die unabsichtlichen Andeutungen seines Vaters, wie er liebe hätte die Bücher studieren sollen als Ritter zu werden, es wäre aber in Ordnung wenn er einer werden würde; sein Vater war immerhin auf ihn stolz, was aus ihm geworden war. Mit diesen Gedanken, der Glaube an Temora und Eluive, sie würden ihn Kraft schenken, ging er zurück in tiefster Nacht zur Feste der Allianz und verbrachte selten seinen Schlaf.
Es verging kein Tag an dem er zur späten Stund in die Kirche ging und betete; dieselben Bedeutungen, andere Worte. Und es war auch nicht verwunderlich als er Leah traf, eines Nachts in der Kirche. Sie versuchte ihm zu helfen, welches er nicht abstreiten konnte, die Frage aber die er sich stelle, war das wie? Sie appellierte an ihn Dinge, die er ohnehin verinnerlichte. Immerhin befand er sich in einer außergewöhnlichen Situation, an dem alles noch schwebend war, aber zugleich auch bestätigte. Die Kopfschmerzen stiegen von Besuch zu Besuch der Kirche an, dass sogar eines Abends seine Schritte aus der Kirche hinaus flüchtend wirkten. Und als er sie verließ, vergingen die Schmerzen, als zwang ihm dieses Gefühl hinaus, mit der Belohnung von Ruhe, bei nicht mehr in diesem Hause zu verweilen. Stetig, Tag ein Tag aus, die Pein erduldend. Doch eines Nachts, so war es ihm, als er seinen Namen im Adelsviertel laut vernahm, schrak er auf. Wer würde sonst um diese Uhrzeit laut rufen, wenn etwas nicht Wichtiges geschehen war? Er richtete sich hoch, eilte aus der Kirche und zu seinem Ross, als seine blauen Augen das fixierten, wonach allen Dursts in ihm verlangte. Wortlos betrachtete er seine Gemahlin & den ankommenden Siran. Scheinbar haben Siran, Myra und Bravan nach ihm gesucht. Ihm war ein Lächeln zumute, aber dann wieder Nachdenklichkeit, wie hatte er sich nun zu verhalten? Als Siran fort ging, machte er das, wonach es ihm war und führte seine Arme um den Leib seiner Gemahlin zärtlich umarmend. Ihre Wange schmiegte sich eng an ihn, sein gezeichneter Blick schien sich in jenen Moment, im hellen Mondlicht bei ihr, um ein Dutzendfaches zu entspannen. Ihre Blicke kreuzten sich, und wie er ihre Worte auffasste, in größter Bemühung ihm zu helfen? Diesmal war die Frage nicht wie? Sondern die Antwort die er seine Geliebten gab, war dass es ihm stärke, wenn er um sie wüsste. Allein das Wissen an sie zu haben, als Frau, und gar Seelenverwandte, erhellte sein qualvolles Lächeln ein Stück mehr, während die Fingerrücken ihrer Wange herab strichen. Er versprach ihr sein Heil, seine Wiederkehr, doch nun müsse sie nach Hause. Und das Haus erreichend, hieß es für erst Abschied nehmen. In einer letzten Umarmung, ein Kuss auf ihre Stirn, war nach kurzen Inne halten eine schnelle Wende eher doch angebracht, als weiter zu verharren. Umso mehr er ihr Antlitz verinnerlichte, umso schwerer wurde es. Aufrecht saß Andreas auf Ragos, beinahe ritterlich saß auf den Sattel auf. Schenkte ihr einen intensiven Blick, bis er widerwillig sein Tier zum schnellen Trab anfeuerte. Der Tag verstrich erneut.
Am nächsten Morgen, ja wie immer stand er am Balkon und betrachtete die Sonne, wie sie unterging. Und wenn sie das tat, eilte er los- und der Ort war immerhin der gleiche: die Kirche Adorans. Die Schritte ertönten hallend in der Kirche. Die Handschuhe wurden im Waffengurt eingeklemmt, und wie er das Ende des weißen Weges erreichte, senkte er sein Haupt und ging betend, nach seiner gewohnten Einleitung, auf beide Knie. Fast ein Wochenlauf verging im Gebet in der Kirche, als dann etwas Wunderliches geschah. Die Augenlider des Knappen, die gerade geschlossen waren, wurden durch ein helles Licht geweckt, welches vom großen Glasmosaik ausging. Seine betenden Worte stockten, und er schaut erwartungsvoll auf. Gleißen war das Licht, er musste sein Blick abwenden, ehe es nach einer Weile verblasste und nur noch bemerkte, wie die Schwertscheide an ihm ebenso zu strahlen begann. Zaghaft umgriffen die Finger den Schwertgriff und zogen im leisen Schaben des Metalls das diamantene Langschwert hinaus. Und wie als entwickelte sie nun ihren eigenen Klang, ein sonderliches Surren und ungewöhnlich leicht wirkte die Waffe nun. Die hellblauen Augen wirkten noch heller noch erstärkter. Die Kopferschmerzen vergaß er nun zwischendrin, denn das Schauspiel faszinierte ihn dich sehr. Mit dem festen Glauben daran, dass Temora ihn erhörte, führte er seine andere Hand zur Klinge und zog seine Waffe vor sich zur Brust und stützte an die Parrierstange des zweischneidigen Schwertes, seine Stirn.
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Aus dem Schwert hinaus schoß ein Strahl des Lichtes gen Decke der Kirche empor, und ballte sich fokusierend. Eine gleißend Helle Leuchtkugel schwebte hinab vor dem Knappen und blieb vor ihm stehen. Mit den Worten, dass Eluives und Temoras Wille geschehe, zog sich das Licht zusammen zu einem einzelnen Funken und verschwand. Andreas war verwundert und schaute sich um, hatte er nun geträumt?
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Als dann der Boden vor ihm erneut strahelnd Leuchte, ein Lichtschein von unten herab zu ihn hinauf warf, blickte er herab.
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Das Strahlen kristalliesierte sich, zog sich mehr zu einem kleinen Kreis zusammen um dann letztendlich etwas zu materialisieren. Eine Kette kam nach dem Verleuchten zu Vorschein, welche er sich an sich nahm. Ehrfürchtig legte er sein Schwert beiseite und hob sie auf. Und als er diese Kette auflas durchdrang ihm ein Wissen, ebenso eine innerliche Kraft die den Knappen stärkte, dass jene Kette des Symbols des Schutzes war. Der Knappe würde kein Tag mehr daran zweifeln; denn im Glaube an Temora und seinen liebsten, die Schöpfermutter und den Wohlen Zielen, gelobte er am selben Tag, zum Wohle des Reiches, seiner Gemahlin, Tochter, Vater, Wehrlosen und Bedürftigen- sein Schwert werde niemals fehlgeleitet werden und er würde sie beschützen, soweit er nur kann.
Als er dann zur Feste schritt, und sich im Bett niederlegte, wohlen Gefühls- waren seine Gedanken zu Hause.
"Ich liebe euch."
Verfasst: Dienstag 29. Dezember 2009, 17:48
von Bertram Myrtol
Da saß er, sonst freien Geistes, doch stimmte ihn die Abwesenheit seines Sohnes missmutig. Bereits seit Tagen hatte er nichts mehr von ihm vernommen und, so geduldig er auch bisher war, konnte er ad Factum keinen Funken Geduld wahren, denn seine Sorge wog mehr auf der Waage seines Geistes...
Väterliche Gefühle, lange schon hatte er diese nicht mehr empfunden, umso
intensiver waren diese, als er sich erneut bei seinem eigen Fleisch und Blut befand und ihn, nun erwachsener und reifer, bei seinen Fortschritten beobachtete.
Es war albern, zumal Andreas nun ein Mann und kein kleiner Junge mehr war, ihn zu bevätern, doch in Bertrams Augen blieb er die ganze Zeit sein Sohn, für den er stets das Beste wollte, ob Andreas wollte oder nicht.
Doch ihm blieb in diesem Fall keine andere Wahl als zu warten, so bohrend diese Tatsache auch war.
Er lies den Kopf auf die Lehne des Stuhles sinken, sodass sein Blick starr auf die Decke gerichtet war. Er konnte nicht mehr warten, beziehungsweise tatenlos zwischen vier Wänden verharren.
So erhob er sich und griff sich eines der Pergamente, welche er auf der Ablage neben seinem Bett gebettet hatte, nahm Feder und Kiel und verfasste einige Zeilen, welche, unter Glück, seinen Sohn erreichen würden und er hoffte, dass diese auch beantwortet werden konnten.
Er konnte keine Worte finden, welche das Gefühlschaos in seinem Inneren beschreiben konnten, ging es ihm lediglich darum ein Lebenszeichen zu erhalten. Das Gewissen, dass es seinem Sohn gut geht.
Ein Bote war schnell gefunden, welcher sich, für ein kleines Entgeld, auf die Suche begeben würde und dieser machte sich sogleich auf den Weg.
([url]http://www.alathair.de/forum/viewtopic.php?p=341453#341453[/url])
Verfasst: Samstag 2. Januar 2010, 18:10
von Andreas Myrtol
Es war von Erfolg gekrönt, das Kloster zu besuchen als seine Eminenz anwesend war. Der Geist war fort, und es erleichterte unseren Tor doch um ein erhebliches Maß. Doch die danach gefühlte Schwäche, er nahm sie so hin, als wäre es nach so einem Exorzismus normal, machte ihn Sorgen. Sein Anblick war grauenvoll, denn nur schwer gewann er seine gewohnte Färbung wieder zurück. Bemühte man sich zusätzlich die Augen des Knappen genauer zu betrachten, verloren sie fast ihren Glanz. Er konnte so seiner Familie nicht gegenüber treten, immerhin musste er für die Familie da sein, und nicht umgekehrt. Ja warum nicht umgekehrt?
Unser lieber Tor machte sich diesbezüglich schwere Gedanken, als er in der Festung ausruhte, 2 Tage lang. Und 2 Tage lang stellte er sich dieselbe Frage, und fand keine antwort darauf. Immerhin gäbe es nun auch wichtigere Sachen jetzt, wie das Turnier zum Beispiel.
Und nach dieser kurzen Wartezeit, hielt er es doch für angemessen, seinen Liebsten wieder vor die Augen zu treten. Das Erscheinungsbild des Knappen war zwar weiterhin gezeichnet, aber wenigstens halb so schlimm wie zu Beginn der ganzen Misere mit dem üblen Geist. Alles in einem hatte er doch nur viele gute Erlebnisse gehabt, wie dass er einen „Deserteur“ schaffte einzusperren, deshalb befördert wurde und letztendlich wieder nach Hause durfte.
Auf sein mächtigen Ross reitend, mit einer erwartungsvollen Miene, der Blick strahlte doch Freude aus, obwohl die Augen bislang weiterhin matt wirkten, konnte er es kaum noch erwarten zuhause anzugelangen. Im sachten Ritt, durch das weiße Feld, taxierte sein Blick schon von der Ferne sein Haus. Wie sehr er sich nun schätzte sie alle wieder zu sehen. Er hielt an, führte die Zügel seines Tieres durch die Ringe des Anbindepfostens und machte sich ins Haus. Leere. Seine Rufe blieben ungehört. Er war skeptisch, sie wären wohl weg und kämen später wohl wieder? O der arme Tor. Hätte jemand nur geahnt. Er machte sich wieder auf dem Weg, zu einem späteren Zeitpunkt wären sie gewiss wieder anzutreffen. Stunden verstrichen, und als er wieder das Haus betrat, begegnete er seinem Engel. Im Laufe ihrer stürmischen Begegnung fiel ihm vor allem eines auf,
während ihm weiterhin die Müdigkeit plagte: irgendwie kam ihm ihr Verhalten gespielt vor. Ihre Freude war so immens, noch immenser, als er von der längeren Reise zurückkehrte. Er machte sich aber erstmal keine weiteren Gedanken darüber, beließ es mit schlaf, um sich endlich von dieser Müdigkeit loszusagen. Selbst ich muss Tränen vergießen für sein Unwissen- mein armer Tor. Als er am nächsten Morgen aufwachte, fand er nichts vor. Ein leerer Platz und er alleine zuhause. Auch ihr braunes Tier war fort, nachdenklich schaute er sich um. Vivien kam gerade heraus, die er versorgte mir Frühstück. Er versprach ihr wieder zu kehren, erstmal habe er den Dienst im Regiment zu vollziehen.
Im Regimentgebäude angekommen, in seiner schweren Montur, begegnete er die Knappin erneut. Sie erzählte ihm von ihren Erlebnisse vom gestrigen Tag, und Andreas beließ es dabei ihr ein Ohr zu leihen und zu versichern, dass alles wieder in Ordnung käme. Mein Herz schlägt blutend bei seinen Worten- mein armer Tor. Er schenkte ihr ein tröstliches Lächeln und machte sich mit Ragos auf dem Weg heim. Wieder nur Leere. Mit einem nun deutlichen Schnaufen, nicht weil er verzagte, sondern weil die Müdigkeit nun deutlich stärker wurde, stemmte er sich am Stuhl ab. Er schüttelte sein Haupt, blinzelte und atmete tief durch- es wäre alles nur bloße Vorstellung. Nur Vivien war nach wie vor, vor Ort- und er nahm sich die Zeit die vergangen Tage mit Spaß und Spiel nachzuholen. Ihr lebensfrohes Quieken erhellte zwar sein lächeln, aber gewann bis noch kein Glanz in den Augen- und die Blässe in seinem Gesicht kehrte wieder. Mit Worten, das Vater nun fort müsse, er habe nun Vorbereitungen zu treffen, ging er fort. So stieg er auf den Sattel seines Tieres und machte sich auf zum Turnier- doch mit einem Zwischenstopp. Im sachten Ritt, mitten in der weißen Landschaft- war es nur eine Frage der Zeit. Eine Frage der Zeit. Die Müdigkeit entpuppte sich binnen kurzer Zeit zu einem grauenvollen Schmerz, die der Knappe kaum noch erdulden konnte. Mit einem Keuchen und zwang er sich noch an dem Sattelknauf festzuhalten, während er Ragos zum Galopp bewog. Der Schmerz verzerrte nicht nur seine Konzentration sondern nahm ich jegliche Muskelkraft, dass es ihm vom Sattel fegte. Krachend stürzte unser armer Tor in den Schnee, rangend nach Luft und matten Augen. Ragos war weg, weiter, und weiter, bis er in der Ferne zu einem einzelnen Punkt wurde, und dann verschwand. Ein Zittern durchfuhr sein Leib, die Arm griff in den lockeren Schnee und fand keinen Halt, um sich wenigstens ein Teil des Schmerzes im Griff zu verlieren. Er bäumte sich ein letztes Mal hoch, versuchte den Atem zu erzwingen- und hinaus gestoßen kam eine kleine von der Kälte feiner Rauchschwade heraus, der in der Luft sogleich sich verzog. Der Knappe stürzte in den Schnee, dabei war er nicht mehr fern vor Berchgard, nur liegend an dem einst stehenden Anwesen der Reensdorfer. Mit einem letzten ermüdeten Keucher, befreite sich der Körper von der Kraft, der Körper sank herab und es entwich ihm ein leiser Atemstoß. Die blauen Augen, die vorher so glanzlos wirkten, entschieden sich von der Lebensfrohe Gnade Eluives abschied zu nehmen und ergrauten langsam. Das blonde Haar lag wie feine Seide über die vernarbten Gesichtszüge des Knappen, unseren armen Tors. Und ehe er seinen letzten Atemzug tätigte, verfasste er einen inneren Brief:
Wir schreiben den 02. Hartung 253,
10 Tage vor unseren Geburtstag. Wenn ich auch auf dem Weg war ihr ein Geschenk zu machen, war mir das Denken erspart, es könnte so enden. Diese Schmerzen sie ertönen laut und verzieh jede Lebenskraft in mir, zu einer grauen tristen Asche.
Die ich nun sein werde. Was wäre wenn ich,..
Lieber wärs mir ich dürfte noch länger, länger bestimmt sein, meiner Vivien zu zusehen, wie sie erwachsen wird. Und im letzten Anflug meiner gefühlten Liebe, mir die Hände ferne werden als je zuvor in meinem ganzen Leben, und es tut so weh, dass kein weltlicher Schmerz vermag an dieses Gefühl heran zu tasten. Es verklingt mein letzter Atemzug, den ich stets verwendete, um meinen Engel das zu sagen, wie sehr ich sie liebte.
Wieso jetzt? Und weshalb? Alle Erfolge, sie sind dahin, und ich mit ihnen!
Und ich verliere das Bild, ein Bild von dem ich behaupten kann, ich tat es aus Selbstverständlichkeit- ihre Hand zu halten, sie zu küssen und zu umarmen.
Ich bereite mich untröstlich darauf vor, meiner Schwester wieder zu begegnen.
Vater vergib mir, denn ich bin Schuld an ihren Tod, und dass ist wohl die Strafe die mich erst jetzt erreichte. Im hohen Klang meines Lebens nun darauf zu berufen, wie sehr die Sanktion mein Leben zerstört.
Meine letzte Träne, sie vergieß ich für euch.
Ich habe euch immer geliebt.
Euer Andreas
Verfasst: Samstag 2. Januar 2010, 19:46
von Alexander van Bernau
Seine Erlaucht war doch sehr verwundert, dass der sonst so zuverlässige Knappe nicht aufgetaucht war. Da Alexander heute eh nicht antreten musste, war er es, der ausgesandt wurde, den Verschollenen zu suchen.
Eigentlich dachte Alexander sich nichts schlimmes dabei, doch begleite ihn auch der Gedanke, dass Andreas in letzter Zeit das Talent hatte, jegliches Unheil auf sich zu ziehen.
"Dich kann man auch nicht alleine lassen!", waren wohl die Worte, die Andreas von Alexander binnen dieser Zeit am meisten zu hören bekam.
Nach einem kurzen Ritt nach Berchgard und einem kurzen Blicken und Fragen im Lamm beschloß Alexander einfach mal Andreas Haus aufzusuchen. Andreas war erschöpft, vielleicht hatte er einfach nur verschlafen!
Auf dem Weg dorthin, dem kaum erkennbaren Pfad folgend, nahm er die verschneite Gestalt, die Abseits des Weges lag, wohl garnicht wahr. Zu dicht war das Schneegestöber, zu bedeckt von Schnee der niederliegende Knappe.
Alexander setzte seinen Weg Richtung Adoran unbeirrt fort, nicht ahnend, dass er seinem Freund wohl so nah war.
Kurz darauf traf er ihre Hochgeboren von Hohenfels und Cyrion, auch sie hatten Andreas nicht gesehen, versprachen aber die Augen offen zu halten und ein eventuelles auffinden des Knappen zu melden.
So setzte Alexander seinen Weg fort, in der Hoffnung, Andreas an seinem Haus aufzufinden.
Verfasst: Samstag 2. Januar 2010, 22:03
von Kanubio Bunjam
Schon vor Tagen hatte Kanubio dem Andreas zugesagt, dass er sich mit ihm treffen würde, doch an dem einen Tag wartete der junge Krieger mit den dichten Fellen um die Schultern vergeblich am Tor der Allianz. Dann kam immer was dazwischen, doch heute würde er ihn aufsuchen. Die Zusage nicht einzuhalten, machte ihm bereits ein schlechtes Gewissen.
Also zog er durch die Lande, immer nach Andreas Ausschau haltend.
Verfasst: Sonntag 3. Januar 2010, 00:59
von Myra Myrtol
"Ragos", rief sie erstaunt aus als sie das Pferd herantraben sah als sie kurz vor dem Hineingehen war in ihr gemeinsames "Schloss", wie sie es beide insgeheim nannten. Sie lief auf das Schlachtross zu und streichelte sein Hals sachte und verzog das Gesicht sorgenvoll als sie seinen leeren Sattel sah.
herrje..Andreas..
Sie band rasch Ragos an und lief dann los um in der weiten weißen Landschaft nach ihrem Mann zu suchen.
Verfasst: Sonntag 3. Januar 2010, 01:15
von Darna von Hohenfels
Wenn sie schon an den Kämpfen heute nicht teilnehmen können sollte, wollte sie wenigstens zusehen. Auch wenn sie es hasste, den Damensattel benutzen zu müssen. Cyrion ließ sich nicht ausreden, sie zu begleiten, und es war mit Sicherheit auch besser so, sollte doch irgendwas Unvorhergesehenes passieren. Der Weg zwischen Adoran und Berchgard war in den letzten Wochen manches Mal nicht sicher gewesen. In gemächlichem Schritttempo verließen sie zu Pferde die Stadt und machten sich auf den Weg nach Berchgard.
Beiläufig erfuhr sie während des Rittes von einem neuen Streit zwischen Leah und Cyrion und seufzte. Als gab es nicht genug zu tun... sie sah nach links über die Wiese in Richtung von Rafaels Haus, als sie den Kopf wendete. Hatte sie da was gehört? Klang wie ein Hilferuf, sehr leise. Sie zügelte das Pferd.
"Milady, ist etwas?", fragte Cyrion und drehte sich nach ihr um. "Habt Ihr das auch gehört?", meinte sie unsicher und sah über den Platz, wo einst das große Anwesen Sir Thelors stand. "Nein, was denn?" "Ich bin mir nicht sicher..."
Ein des Weges kommender Reiter lenkte sie ab. Alexander Bernau. Jener Streiter, den sie noch schlecht einzuschätzen vermochte - vor allem, was ihn und Leah anging. Sie krauste die Stirn, als sie von Alexander hörte, daß Andreas vermisst werde. "Man kann ihn auch nicht allein lassen in letzter Zeit", gab der Knappe von sich, und ein unwohles Gefühl in ihrer Magengrube verstärkte sich. "Ich hörte, er hatte Probleme mit Rabendienern...?"
"Ja, mehrmals in letzter Zeit."
Mehrmals. Erst damals dieser Dämon, und nun sowas. Darna dachte an die Begegnung mit dem besiegten Rabendiener in Bajard vor wenigen Tagen zurück. "Wir stärken ihn... wir opfern ihm..." Die Nackenhärchen sträubten sich ihr. Alexander brach auf, zu Andreas' Haus zu reiten, um dort nachzusehen. "Gebt gut auf Euch acht." Cyrion gewann mehr und mehr den Eindruck, daß sie nicht ganz bei der Sache war.
Es schien zumindest am ehesten Sinn zu machen, trotzdem weiter zum Turnier zu reiten, womöglich war Andreas auf dem Weg nur aufgehalten worden. Wenige Schritte später wendete Darna ihr Pferd aber schon wieder zu der Wiese, hinter der nach einigen kahl gewordenen Bäumen der Sumpf wartete. "Irgendwer ruft doch von dort." Sie krauste die Stirn. Cyrion schien noch immer nichts gehört zu haben, fragte ob es eine Männer- oder eine Frauenstimme gewesen war. Sie wusste es nicht, dafür war der Eindruck zu schwach gewesen.
Sie versuchte, der Richtung zu folgen und brachte ihr Pferd auf die größeren Flächen unberührten Schnees, unter denen wohl noch die Fundamente des Anwesens lagen. War hier irgendwas Ungewöhnliches? "Ist hier jemand?", rief sie suchend. Letztens war Herr Merigo in den Wäldern verunglückt, nicht daß hier nun jemand in Not geraten war. Ihre Rechte umschloß sichernd den Griff ihres Schwertes.
Im Schnee ein Stückchen weiter entfernt war eine Furche im Schnee, teils wieder zugeweht, auf die sie zuhielt, bis sie ein Geräusch vom Himmel ablenkte: ein Adler. Enge Kreise zog er hoch über ihnen und stieß helle Rufe aus.
Cyrion sah verwirrt nach oben, während Darna den Blick fest auf das Tier gerichtet sich mühte, seinem Flug zu folgen. "Der... Milady... Adler sind im Winter in diesen Landen nicht zu finden... jedenfalls keine wilden..."
"Der ist nicht wild." Stumm pflügte sich ihr Pferd durch den Schnee zwischen die kahlen Bäume hinter der Wiese, hinterließ eine frischere Spur als jene, die sie eben gefunden hatten.
Dort in einer kleinen Senke fanden sie im Schnee eine Kuhle, und in dieser Kuhle eine reglose Gestalt, von einem Allianz-blauen Umhang bedeckt. Die Rabendiener hatten Andreas erwischt! - dies war die einzige eigentümliche Gewissheit, die sie zur Eile trieb, aus dem Sattel brachte und hin zu der Stelle seines Sturzes. Der Adler kreiste noch einmal, ein weiterer schriller wie empörter Schrei durchschnitt die klare Winterluft, dann drehte er ab. "Lass mich nicht allein Herrin, ich fürchte, er braucht dich..." Sie hatte ihn finden sollen, wie sie Nevyn damals am Schrein der Ehre unter Sarels Klinge gefunden hatte, so viel hielt sie für sicher. Doch als sie Andreas' Gesicht sah, legte sich ein kalter Griff um ihr Herz: sein Gesicht war fahl, regelrecht grau.
"Mutter hilf", stieß Cyrion erschrocken aus und kam auf seiner anderen Seite auf die Knie. "Ja, deren Hilfe braucht es nun wohl auch. Er ist nicht tot, er hat nicht tot zu sein. Du hast mich nicht einen Toten finden lassen! Er hat doch eben noch gerufen!" Sie riß sich mit den Zähnen den rechten Handschuh ab und legte ihm die Hand aufs Gesicht. Es fühlte sich irgendwie hölzern an.
"Götter, er ist doch nicht...", hörte sie neben sich halblaut.
"Nein, ist er nicht!", dachte sie störrisch. "Was ist los mit dir, verflixt?", sagte sie zu dem leblos scheinenden Knappen und beugte sich tiefer. Irgend etwas stimmte hier doch nicht. Ablehnung gegen die Umtriebe des Totendämons wallten in ihr auf. "Der baut doch nur Müll, statt zu tun, was er soll! Der hat Andreas nicht vor seiner Zeit zu holen, er ist nicht tot!" Bläuliches Licht schimmerte unter ihrer Handfläche und zog sich wie knisternd über die dünne graue Patina, die dem Knappen einen Anschein von Leichenstarre gab. Cyrion blickte zu ihr hoch, die Augen weit vor Schreck, und musste mit ansehen, wie sie Andreas an den Schultern packte und recht leidenschaftlich schüttelte:
"Komm schon, was haben sie mit dir gemacht? Du bist nicht tot!"
"Los doch, kämpfe!"
Ein leises Röcheln wurde hörbar.
"Na immerhin ein Anfang. Wenn du röcheln kannst, bist du nicht tot."
"Götter... Darna, wir müssen ihn ins Warme bringen! Er erfriert!"
"Der erfriert nicht, der erstickt uns hier gleich!", erwiderte sie aufgebracht. Womit auch immer sie es hier zu tun hatte, es musste irgendwie... diese graue Schicht, die Teil seiner äußeren Haut zu sein schien, durchbrochen werden. Nur wie? "Ich kann versuchen, ihm Kraft zu geben. Vielleicht kann er selber dagegen rebellieren, kann es von innen bekämpfen. Es muß doch Hoffnung geben."
"Ersticken...", ratlos kramte Cyrion in seiner Tranktasche, "Ich hab nur Heiltränke..."
"Du gibst nicht auf, hörst du! Du weißt, daß sie dir helfen kann! Herrin..." Sie legte beide Hände flach an seinen Körper, eine strich über die Wange hinauf bis zu seiner Stirn, die andere legte sie auf seine Brust. Jetzt bloß die Ruhe bewahren. Eines konnte sie sich nicht leisten, und das war kopflose Panik, die alles Bemühen wirkungslos verpuffen lassen würde.
"Gütige, ich weiß nicht, was hier los ist, aber nimm meine Kraft, wo er keine hat, hilf ihm..." Das war gefährlich, wie ihr in einem Winkel ihrer Gedanken schnell klar wurde. Sie wollte hier einem helfen, der auf der Schwelle zum Tod stand und war selber nicht hundertprozentig auf der Höhe. "Bitte...", wurde sie leiser, "Du hast mich hergeführt, es muß Sinn haben..." - würde sie ihr eigenes Leben für ihn geben, wenn es so schlecht stand? Warum nicht? Er war von Dämonen verfolgt worden, von Rabendienern gequält, wo war sie gewesen, als er Hilfe gebraucht hätte? Jetzt war sie hier, als es fast zu spät schien.
"Temora, ich gelobe, wenn du ihn das überleben lässt, will ich für sieben mal sieben Tage nicht von seiner Seite weichen. Und dann sollen mir diese drecksverflixten Diener eines mordenden Dämons mal in die Quere kommen..."
Sie atmete durch. "Beruhig dich. Er braucht Wärme. Kraft. Jetzt und hier." Sie nutzte das herzwärmendste Gebet, das sie kannte. Neujahr - es passte gut.
Ihr Atem wurde immer ruhiger, immer langsamer, daß man fast schon fürchten mochte, sie wolle direkt Andreas' Rolle übernehmen, doch endlich erklangen bedächtige Worte:
"Von guten Mächten treu und still umgeben...
behütet und getröstet wunderbar...
so will ich dieser Tage - mit - dir - leben -
und mit dir gehen in dies neue Jahr."
Leben... sie hätte einen Eluivepriester hier gebraucht. Doch es war keiner da, sie wollte die Hoffnung nicht verlieren... da klangen andere Worte an ihr Ohr. Cyrion. Und er betete zu Eluive. "Er ist genauso wie ich hier, weil das Schicksal es so wollte." Vielleicht reichte es. Aufgeben würde sie jedenfalls nicht.
"Noch will das Alte unsre Herzen quälen...
noch drückt dich böser Tage schwere Last.
Temora, schenk der aufgescheuchten Seele
das Heil, das du für ihn bereitet hast."
Tröstlich strich ihre Hand von Andreas' Stirn über seine Wange und hinterließ ein bläuliches Schimmern, das an dem Grau hängen blieb, sich zunehmend mit ihrer beider Worte verstärkte und den Schnee glitzern ließ, des Knappen Körper zu umhüllen suchte.
"Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittren
des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
aus deiner guten und geliebten Hand."
"Wirst du akzeptieren, wenn er stirbt? Was bleibt mir anderes übrig. Es liegt in deiner Hand, Herrin, doch dein Weg führte uns her. Ich hoffe und vertraue und alles andere liege bei dir. Doch es geht hier um sein Leben, um das Leben eines guten Menschen. Der Dämon hat ihn nicht verdient."
Sie zog Andreas' Körper dichter, nahm ihn in eine Umarmung, wollte ihm auch körperliche Nähe geben. "Euer Herz wirkte stets verschlossen auf mich", erinnerte sie sich an Arenvirs geschriebene Worte, an die Eindrücke, die viele manches mal wohl von ihr hatten. "Nein. Es soll so nicht sein."
"Doch willst du uns noch einmal Freude schenken
an dieser Welt und Eluives Sonne Glanz,
dann wolln wir des Vergangenen gedenken,
und dann gehört dir unser Leben ganz."
"Mein Leben hast du schon. Das von Andreas kann ich dir nicht anbieten. Doch er soll wissen, was ihn rettete. Du hast ihn beschützt, so oft sicher schon, ich bin sicher, er dankt es dir. Und was ich gelobte, will ich halten, egal was geschieht."
Sie registrierte, wie Cyrion den Freund ebenso berühren wollte, doch sich aus irgend einem Grund nicht traute. "Wir schaffen es nur zusammen."
"Lass warm und still die Kerzen heute flammen,
die du in unsre Dunkelheit gebracht.
Führ, wenn es sein kann wieder uns zusammen."
Behutsam griff sie nach Cyrions Hand und legte sie mit an Andreas' Rücken und die Scheu war überwunden - beide rangen sie darum, zu durchbrechen was immer Andreas plagte.
"Wir wissen es:"
Ihre bislang leise Stimme gewann plötzlich etwas Bestimmendes, fast trotziges, entschlossenes: "Dein Licht scheint in der Nacht!"
Die graue Färbung von Andreas' Haut schien plötzlich Risse zu bekommen wie ein trockener Boden, und ebenso wie tränkendes Wasser rann das bläuliche Leuchten in diese und sickerte endlich in den Körper des Knappen. Ein heiseres Jappsen nach Luft gab neue Hoffnung und kündete von Leben. "Mutter aller...", flüsterte Cyrion, und neben der Sorge zeigte sich Ehrfurcht auf seinen Zügen. Darna durchflutete Freude - sie konnten es schaffen! Es ging! Dankbar schloß sie die Augen.
"Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
so lass uns hören jenen vollen Klang
der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet:
all deiner Kinder hohen Lobgesang."
Ein weiterer Schrei eines Adlers am Himmel. Musik in ihren Ohren. Langgezogen, erhaben, triumphierend. Sie war bei ihnen. Sie war mit ihnen. Behutsam endete sie leise die Verse dicht an Andreas' Ohr:
"Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag...
Temora ist mit uns am Abend und am Morgen -
und ganz gewiß an jedem neuen Tag."
Was hatte Andreas nur geplagt? Das Grau seiner Haut wich zusehends und er hustete, nachdem er mehrfach Luft geholt hatte, so tief und erbärmlich, daß sie dachte, er würde Blut spucken, als er etwas aus seinem Leib herauswürgte.
Doch es war kein Blut. Eine widerliche graue Masse, zäh wie weicher Lehm und so kalt, daß der berührte Schnee ganz zu Eis kristallisierte, landete neben ihnen. Angewidert sah sie das Zeug an, dann zornig. "Seine Diener mühen sich, dem Dämon mehr zu bringen, als ihm zusteht." Sie zog ihr Schwert. "Rabenmacht, die du bist, kümmerlicher Rest eines hinterhältigen Plans...", verkündete sie scharfen tadelnden Tonfalls gegenüber diesem seltsamen Ding, "Die Göttin sprach: ''Nimm die, die du hast, und keine Seele mehr! Seelenhüter seist du fortan nun und holen sollst du einzig jene, deren Stunde gekommen. Verweiger dies und ich werde dich ins Erdenfeuer stoßen, auf daß du vergehst!' - Und hier seist du gescheitert, ruchloser Dämon, vergeh!"
Leidenschaftlich schlug sie ihre Klinge in den Klumpen und sah mit stiller Genugtuung zu, wie er rauchend und stinkend zu Nichts zerfiel.
Cyrion hievte mit Mühen Andreas auf sein Pferd und wickelte ihn in des Knappen und seinen eigenen Umhang. "Wir bringen dich in Sicherheit." Darna fühlte sich reichlich ausgelaugt und schien im Sattel schon fast wegzudämmern. Trotzdem kannte sie nur ein Ziel, und das war das Kloster. Andreas musste zum Baum, nur dort wähnte sie ihn für diese Momente sicher, bis er wirklich zu Kräften kam. Doch er war dem Rabendämon von den Schwingen fortgerissen.
Cyrion wurde losgeschickt, die Allianzfeste aufzusuchen, dort bescheid zu geben und nach Möglichkeit einen Heiler aufzutreiben, während Andreas vor dem Baum des Lichtes gebettet lag und Darna neben ihm auf ihr Schwert gestützt wachte.
Und ein weiteres Mal sollten Andreas die lichten Götter gewogen sein, daß Cyrion kurz vor der Festung des Knappen bessere Hälfte Myra entgegen kam. So erfuhr sie als erste vom Fund.
Verfasst: Sonntag 3. Januar 2010, 03:24
von Kanubio Bunjam
Erfolglos war seine Suche an jenem Abend ... vor der Allianz, wo sie nichts besseres zu tun hatten, als einen Raben zu jagen ... vor Andreas Haus, das so leer schien, wie ein Metkrug nach einem durchzechten Abend ... ja nicht mal in Bajard hatte man ihn gesehen. So begleitete er die kleine Naischa heim, um sich erschöpft niederzulassen in einem ... ja, in einem Bett! ... um gestärkt für den nächsten Tag die Suche wieder aufzunehmen.
Verfasst: Sonntag 3. Januar 2010, 10:02
von Liliana van Drachenfels
Mag es ein glücklicher Zufall gewesen sein oder Bestimmung?
Jedenfalls kam Lili gerade zu der Zeit, als Cyrion die Adlerfestung erreichte, ebenfalls dort an. Cyrion erklärte ihr rasch daß man Andreas zum Kloster gebracht hätte und er Hilfe braucht und schon machte man sich auf den Weg zum Kloster. Dort angekommen stellte sie fest, daß Myra schon da war und überließ ihren Gatten ihren Kundigen Händen.
Verfasst: Sonntag 3. Januar 2010, 20:50
von Myra Myrtol
Wer wenn nicht Myra wusste was dem Gatten, dem Freund und Seelenverwandten helfen würde. Was er brauchte und wollte.
Als sie Cyrion vor der Festung sah und seinen Gesichtsausdruck wusste sie das auch er Bescheid wusste, was er allerdings mehr wusste erschreckte sie und gemeinsam begaben sie sich auf den Weg zum Kloster.
Sie sah nichts, sie hörte nichts, nur er war existent in diesem Moment und sie fiel auf die Knie und hörte auf das schwache Schlagen seines Herzens. Sie legte ihm warme Umschläge um und flößte ihm einen Trank ein, der seinen Kreislauf wieder stabilisieren sollte.
Dann wechselte sie stündlich die Wickel und flößte ihm Tee ein, damit der Kreislauf weiter in Schwung blieb.
Sie wachte an seinem Lager, wachte bis der bewusstlose Mann, der einzige der ihrem Leben Sinn gab als alles dunkel und leer war, erwachte, bis er seine wundervollen blauen Augen wieder auf ihr Gesicht warf und seine Lippen zu dem über alles geliebten Lächeln verzog.
Er war nun mal mehr für sie. Was wäre schon wenn das eigene Leben am seidenen Faden hing.
Verfasst: Montag 4. Januar 2010, 15:00
von Rafael von Arganta
Fast mochte er für einen Moment starr wirken als er von Andreas hörte.
"Im Kloster..." hämmerte es in seinem Kopf, und weiter hörte er schon nicht zu. "Ich bin dort, wenn was ist .. aber nur dringendes."
Damit stürmte er mit langen Schritten hinaus, stieg auf sein Pferd und galoppierte gen Kloster.
Der Stallbursche nahm die Zügel seines Pferdes sofort entgegen, und schon betrat er die heiligen Hallen.
Myra grüsste er freundlich, sah ihre Besorgnis und ging weiter gen seines Knappen und längst Freundes Andreas.
Blass lag er da, wie tod wirkend.
Er brauchte jetzt Ruhe, viel Ruhe.
"Lasst mich wissen wenn sich sein Zustand verändert." bat er Myra, dann trat er wieder hinaus um in die Kirche zu gehen.
Noch immer fühlte er sich Temoa nahe, wie damals als er noch Paladin war.
Langsam sank er vor dem Altar auf die Knie, senkte den Kopf und begann ein Gebet für seinen Knappen zu sprechen.