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Ein geheimes Meisterstück

Verfasst: Samstag 19. Dezember 2009, 19:02
von Amu Kanok
Das Handelshaus war wie schon lange nicht mehr voll, wie an dem Abend. Sie wirbelten zu dritt durch die Gänge um neue Muster oder Waren heranzuholen, die Besucher zu beraten, neue Waren heran zu holen oder Lieferverträge abzuschließen.
Wann immer dann noch eine größere Abordnung der Inselbewohner erscheint, ist die Anspannung aller Beteiligten hoch.

Kemal nahm Amu zur Seite als dieser Raniya Sahar Bashir mit einem Redeschwall über die Erlebnisse am Abend der Hochzeit von der Chefin versuchte einzudecken. Warum musste Sie auch so ein blödes Interesse daran zeigen!

So tuschelten Kemal und Amu über etwas was dem Menekaner sehr am Herzen lag. Verdammt knifflige Aufgabe, doch dann willigte Amu ein. Er würde einige Tage brauchen um dies zu erledigen.

So saß er die letzten Tage lange im Handelshaus und fertigte aus einem Diamantrohstoff eine edle Messerklinge. ,Er jetzt schon mehrfach versucht daraus eine Damastklinge zu fertigen. Doch waren die Kristallstrukturen des Diamant einfach zu hart, als dass sich zwei leicht unterschiedliche Diamantstäbe zu einem Gefüge verbinden lassen würden, spätestens beim vierten Falzversuch zersprang die Mischung und genervt war sie Amu in die Schrotttonne.
Seit seinem Unfall im Lamm war aus dem Urgemüt oft ein Nervenbündel geworden, manchmal wusste er nicht warum, oder wollte es einfach nicht wissen oder darüber nachdenken.

So entschloss er sich eine monolithische Kristallklinge herzustellen, die in einem mehrfachen Glühvorgang vorsichtig in die Form geschlagen wurde und in Öl immer wieder langsam abgekühlt wurde. Langsam nahm die Klinge des Phantomdolches seine Form an. Er trieb sie breiter und etwas länger als die eines normalen Dolches aus. Eine tiefe breite Blutrille durchstößt den Dolch vom oberen Drittel bis zum Schafft hin und erweckt den Anschein, als wenn er aus 2 langen Klingen, die oben verbunden sind, bestehen würde. Die beiden Schneiden links und rechts laufen symmetrisch zur Blutrille leicht zackig geschwungen zu und wurden, in Nächte verzehrender Arbeit, konkave ausgeschliffen. Amu hatte oft in der letzten Zeit nette und überaus geduldige Gesellschaft an diesen Abenden. So verging die monotone Arbeit doch schneller als gehofft. In den frühen Morgenstunden endlich war sie fertig.

Sinnierend schaute er im fahlen Licht einer Kohlenschale auf die Kristallklinge und fuhr mit der Fingerkuppe der Form sachte nach. Er fand sie ähnlich glänzend der Haut auf dem Po einer Frau im Mondeslicht. Doch so ohne Verzierung fand er die Klinge fad, fast so, als wenn man die Haut nicht mit seinen Fingerkuppen überstreichen könnte und dieses angenehme Frösteln nicht dabei hinterlassen können würde. Einfach zu schade. Seufzend, über seine abwandernden Gedanken, machte er sich auf, Linien auf ein Papier zu malen. Dabei erinnerte er sich an die letzten Stunden mit der Oberlehrerin, wie sie versuchte ihm das Schreiben beizubringen. Er versuchte aus einer Kombination von den Linien des A, M und U, die sich um- und verschlingen ein Ornament zu entwerfen. Ein Entwurf nach dem anderem wurde verworfen, bis er übermüdet sogar über den Entwürfen einschlief. Am Morgen erwachte er mit vom Kohlestift schwarzem Gesicht, da sein Gesicht Ruhe auf den Entwürfen fand.

Murrend, sich zu Geduld und Ruhe ermahnend, machte er sich an weitere Entwürfe, bis er etwas fand, was ihn überzeugte. Über die Klinge gebeugt saß er an der Werkbank. Die Klinge lag auf dicken Leder auf. Er übernahm das Ornament aus verschlungen Linien der Buchstaben A, M und U Stück für Stück auf das Kristall. Über viele Stunden ritzte er mit einer kristallenen Nadel immer und Immer wieder die Linien nach, bis sie tief genug in der Klinge zu sehen waren. Mit feuchter Asche polierte er die Klinge auf und glättete die Kanten des Ornaments. Danach wurde sie in feines weiches Leder gewickelt und in einer goldverzierten Kiste verstaut.

Er zog Goldbarren aus der Vorratskiste und schob sie auf der Werkbank etwas hin und her. Eine weitere Herausforderung war nun zu bewältigen. Ein goldener Griff, welches mit Rubinen bestückt werden sollte.

"Verdammt!“ brummte er vor sich her "Das wird ein hartes Stück Arbeit, dafür wird der Auftraggeber mächtig bluten, ja das wird er." Mit einem bestätigenden Nicken machte er sich auf zum Tisch, wo noch Reste der Speisen vom Abend standen. Er griff zu, schmunzelte dabei leicht den Erinnerungen nachhängend und sein Blick wurde vom Brotlaib auf dem Tisch eingefangen. Fast instinktiv griff er danach, riss etwas davon heraus, tunkte es nur kurz ins Wasser, begann es zu kneten und formen. Ein fremder Beobachter würde denken, das Amu nun vollends verrückt geworden ist.
Unbeirrt formte er ein Griffstück mit Parrierhacken aufwärts gerichtet auf dem Weg zurück zu seiner Werkbank. Dort angekommen nahm er verschieden große Rubine und drücke sie in den Teig.
Dabei formte er den Griff, in dem er ihn etwas verdrillt und kleine Erhöhungen und Vertiefungen einbrachte. Das untere Ende führte er etwas dicker wie mit einer kleinen Kugel aus.

Grübelnd drehte er den Brotteig hin und her. Er probierte dann mehrere Anordnungen der Rubine aus. Am Ende entschied er sich für 3 größere Rubine, die jeweils wie ein Auge mittig auf jeder Seite der Parrierhacken und am unteren dicken Ende der Kugel angebracht sind. Kleinere Rubine laufen dann auf der Parrierhacken nach oben zu aus, sowie umkreisen den unteren Rubin. Er dreht sein Musterstück hin und her, prüft die Längen und malt sich dann das Ergebnis in sein Auftragsbuch. Zufrieden mit seinem Werk puhlt er die Rubine heraus und verspeist genüsslich sein Meisterwerk.

Für heute war das genug an Arbeit und am nächsten Tag würde er sich daran machen, das Griffstück aus Gold nach der Vorlage zu fertigen. Danach werden die Rubine eingefasst das Griffstück mit filigranen Verzierungen versehen, die Klinge mit dem Griffstück verbunden und alles nochmal aufpolieren und verpacken.

So würde er ab morgen auf die Abholung des Auftraggeber gut vorbereitet sein.