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18. Alatner 252

Verfasst: Freitag 18. Dezember 2009, 12:27
von Marcus Connor
Heute schreiben wir den 18. Alatner im Jahre 252 der Zeitrechnung dieses Landes. Mein Name ist Andoran Celduin, geborener Bremtan auch wenn diese Namen fern klingen, wie die schwammige Erinnerung an die durchzechte Nacht, nachdem man am nächsten Morgen orientierungslos an einem unbekannten Ort aufwacht und sich fragt wie man überhaupt hier hin gelangt ist. Ich wünschte ich könnte auf diese Art einfach vergessen, doch manche Dinge währen ewig, zumindest im Herzen von uns Menschen.
Der Grund, weshalb ich diese jene Aufzeichnungen beginne ist mir selbst noch nicht sonderlich bewusst. Vielleicht weil ich Angst habe mich selbst zu verlieren, in dem Trugspiel einer Identität die für mich selbst keinerlei Bedeutung hat. Vielleicht, weil ich hoffe, dass Schicksal oder ein verlauster Gott in einem schwachen Moment diese Aufzeichnungen zu jemanden tragen wird, der an einem ähnlichen Scheideweg steht, wie ich es einst stand und dem diese Aufzeichnung Warnung und Mahnung sein sollen. Vielleicht auch einfach um der Welt irgendeine Art von Vermächtnis zu hinterlassen, nachdem fast mein ganzes Leben von Zerstörung gezeichnet war. Eine irgendwie ironische Wendung, wenn man bedenkt wie alles angefangen hatte, denn ich wurde in eine friedliche Welt geboren. In einem Land, das ferner von diesem hier nicht sein könnte, einer unbedeutenden kleinen Stadt, deren Namen ich bereits vergessen habe, von Eltern die sich von ihrem Kind nichts weiter erhofften, als dass es die Geschäfte, die sich meine Familie in Generationen aufgebaut hatte, weiterführen würde.
Es war kein schlechtes Geschäft. Meine Eltern führten einen Handelskontor der sich Importgeschäften von fremdländischen Spezialitäten verschrieben hatte. Luxusgüter die im dortigen Adel reissenden Absatz fanden und für die mehr als nur 1 Goldkrone gezahlt wurden. Am begehrtesten waren jene Waren, die von Übersee hereingeschifft wurden, aus Ländern von denen ich bestenfalls mal gehört hatte. Doch trotz der übertriebenen Hafenzölle, welche meinen Vater in regelmässigen Abständen, die Blutadern aus seinem Gesicht hervortraten lassen, während er sich lauthals darüber echauffierte, dass der örtliche Baron ihn mit vollster Absicht "melke wie eine Goldkuh", verdienten wir mehr als genug, damit es für ein angenehmes Leben reichte. Ich aß Speisen, deren Namen ich nichteinmal aussprechen konnte, noch von dem Land aus dem sie stammten, sah erstaunliche Kunstschätze fremdartiger Kulturen und traf so manchen ausländischen Gelehrten, welcher auf einem unserer Schiffe in unser Land reiste. Ich wurde in guter alter Kaufmannstradition im Lesen, Schreiben und Rechnen unterrichtet und meine Eltern taten wirklich alles erdenklich mögliche um mich auf das Leben als Handelskaufmann vorzubereiten...
Meine Zukunft war mir zu Füßen gelegt, der Weg bereitet, doch wie wenig Ahnung hatten meine guten Eltern davon, dass in meinen Adern nicht der Frieden und der Ehrgeiz eines Kaufmannes floss, sondern von einem unstillbaren Verlangen nach Herausforderung, nach Kampf, Abenteuer und Krieg geprägt war? Vermutlich ist ihnen das bis zuletzt nicht bewusst gewesen.
Ich erinnere mich noch gut an die erste Begegnung mit diesem Verlangen, dass meine heile Welt letztendlich zerstören sollte. Ich war 8 oder 9 Jahre glaube ich. Der Privatlehrer den meine Eltern bezahlten, damit er mit besagte Kaufmannsfähigkeiten beibrachte, hatte mich ausnahmsweise früher gehen lassen, sodass ich Zeit hatte mich an meinem Lieblingsort zu flüchten um der schnöden langweiligen Welt der Erwachsenen zumindest für einen Moment zu entkommen. Über ein Geflecht von Leitern und halsbrecherischen Klettereinlagen gelangte ich auf das Dach eines Gebäudes, dass an den belebtesten Ort der ganzen Stadt grenzte, dem Marktplatz. Hier gab es jeden Tag irgendetwas zu sehen, von Schaustellern die teilweise akrobatische Kunststücke vollführten, über Zigeuner die spektakuläre Tänze aufführten bis hin zu Martkschreiern und einigen Verrückten, welche das Podium nutzten ihre wahnwitzigen Weltansichten oder auch nur simple Possenstücke in die Menge zu brüllen. Aber an diesem Tag hatte ich für all dies keinen Blick. Dieser, war auf eine teilweise vermummte Gestalt welche in abgerissenen und mit Flicken besetzten Leinen gehüllt war, gerichtet. Es dauerte auch nicht lange, bis einer der Händler lauthals "Dieb, Dieb!" brüllte und jene Gestalt die Beine in die Hand nahm um sich durch die Menschenmenge zu schlengeln, verfolgt von den Milizionären und Wachen des Barons.
Manchmal frage ich mich, ob alles anders gekommen währe, wenn jender Dieb sich nicht dazu entschlossen hätte, gerade in jener Gasse unterzutauchen, welche direkt an meinem "geheimen" Lieblingsort angrenzte. Vielleicht, währe das Feuer in meinem Herzen so niemals entflammt worden und ich währe doch Kaufmann geworden, vielleicht hätte es aber auch garnichts geändert und es währe eine andere Situation gewesen, wie ein Ballen Stroh der einfach nur auf ein vorbeifliegenden Funken wartete um sich zu entzünden.
Es ist auch nicht wichtig, denn an diesem Tag hatte der Dieb pech. Die Wachen wahren besonders aufmerksam und noch bevor er die Gasse verlassen konnte, hatten sie ihn bereits umzingelt und alle Ausgänge versperrt. Der Dieb sass in der Falle und bedrohlich langsam näherten sich die Wachen mit gezückten Schwertern und Speeren in ihren schimmernden Eisenpanzern und forderten ihn auf sich zu ergeben.
Ich denke es sind diese Momente, jene allen entscheidenden Momente wo man innerhalb weniger Augenblicke entscheiden muss, was man nun tun will, die das Leben von einem jeden selbst prägen. Jene Momente, welche einen wie eine Ewigkeit vorkommen, obwohl sie nur ein paar Lidschläge andauern. Jene Momente, in denen im Kopf die Möglichkeiten durchrasen und bewertet und wieder verworfen werden, bis man soweit aussortiert hat, dass nur noch 1 oder 2 Optionen bleiben. Sie sind es, die deinen Weg zeichnen oder ihn beenden.
Dort habe ich sie auch zum ersten mal gesehen, die furchtlosen Augen einer zu allem entschlossenen Seele. Augen die sich für eine der verbliebenen Optionen entschieden haben, Augen die diesen Weg gehen würden, egal welchen Ausgang das nimmt. Ich weiss nicht, was der Dieb in jenem verzweifelten Moment gedacht hatte, ob er nur den Kopf hob um stumm ein Gebet zu einem Gott zu richten, dem er huldigte oder ob er einem verstorbenen Freund nur sagen wollte, dass sie sich beide gleich wiedersehen würden. In jedemfalle sah er mich direkt an, mit diesem Blick der sich tief in meine Seele bohrte und den ich nie vergessen werde, auch wenn ich mich schon am nächsten Tag nichtmal mehr an die Konturen seines schmutzigen Gesichtes erinnern konnte.
Jeder wusste die Strafe auf Diebstahl. Die Gassen der etwas betuchteren Gegenden, waren gefüllt mit den gezeichneten, jenen Menschen denen eine oder sogar beide Hände aufgrund ihres Frevels abgeschlagen wurden. In einer florierenden Handelsstadt, war das Eigentum der Händler heilig und so fiehl die Strafe für jeden Diebstahl egal welcher Größe immer gleich aus. Und ebenso wie die Strafe war auch das Schicksal der Gezeichneten immer das gleiche. Niemand würde ihnen noch eine Chance geben, Arbeit oder Unterschlupf. Sie waren Verdammte, Ausgestoßene welche ihr Leben in der Gosse fristeten und Gnade und Mildtätigkeit der Bürger erbettelten, welche sie meistens nur mit Verachtung straften. Solange bis die mangelnde Ernährung, die Kälte, Krankheit oder die Laune eines Bürgers sie umbrachte.
Ich denke, dieser Dieb, dessen Namen ich nicht kannte und auch nie in Erfahrung bringen werde, wusste dies. Er kannte sein Schicksal und so entschied er sich alles was er noch hatte in die Waagschale des Lebens zu werfen. Alles zu riskieren und auf eine, egal wie verschwindend geringe Chance zu setzen. Er hatte keine Angst, er war bereit ...
In meinen Gedanken sehe ich alles noch immer als würde die Zeit sich selbst dehnen und jeder Augenblick zu einem langen Moment werden. Wie jener Mann, sein Diebesgut fallen liess und unter dem Mantel 2 einfache Krummdolche hervorzog. Die Schreie der Gardisten, drangen selbst zu mir nur noch undeutlich hervor bevor sie mit Speer und Schwert auf ihn eindrangen. Der Kampf war kurz aber heftig. Jener Dieb, der nichts mehr zu verlieren hatte, kämpfte mit einer Entschlossenheit, die ich später oft bei Mannen sah, welche sich in den verzweifelsten Situationen gegen das Schicksal mit all ihrer Kraft aufbäumten. Der tödliche Tanz, den jener unbedeutende Dieb mit seinem Dolchen vollführte war Atemberaubend. Funken stoben auseinander wo Stahl auf Stahl prallte, Tritte zwangen einige Angreifer zurück oder zu Boden, Schreie drangen wie fernes donnergrollen an mein Ohr, während ich aus meinem sicheren Versteck heraus, den Überlebenskampf dieses Mannes beobachtete, welcher schlussendlich in den Speerspitzen der Gardisten sein Ende fand. 3 von den Wachen hatte er wohl schwer und leicht verwundet, bevor sie ihn mit den Speeren an die Hauswand jener Gasse nagelten, bis sämtliches Leben aus den gerissenen Wunden entwichen war und die Arme kraftlos herabsanken, die einfachen Dolche, auf welche jener Mann alles gesetzt hatte, einfach zu Boden fallen lassend.
Es war ein erschreckender und doch faszinierender Anblick.
Ich erinnere mich noch immer daran, wie mein Herz vor Aufregung in meiner Brust so schnell schlug wie nie zuvor. Schweiss ran mir mein Gesicht hinab, kalt wie der Regen im Herbst und obwohl ich Angst hatte, gingen mir die Bilder jenes Kampfes nicht mehr aus den Kopf. Zum ersten mal verspührte ich selbst den Wunsch, eine Waffe mein eigen nennen zu wollen, mich in den Waffengang zu üben und zu kämpfen, jede Herausforderung zu besiegen und mich mit dem Schicksal zu messen.
Natürlich waren meine Eltern alles andere als begeistert von der neuentdeckten Leidenschaft ihres Spross, aber vermutlich taten sie es als Jugendlaune ab. Von diesem Moment an, suchte ich dass, was mein Leben bestimmen sollte und wie alles dass einem schnelles Verderben bringen kann, fand ich es auch sehr schnell. Ich machte mir einige Freunde in der örtlichen Miliz und durfte sogar einige Übungen mitmachen. Dort war es, wo ich die Grundzüge des Schwertkampfes lernte, auch wenn meine damalige Fähigkeit bestenfalls noch als fahrlässig grob zu bezeichnen war. Doch die Übungen formten meinen Körper und vor allem meinen Geist.
Ich lernte Disziplin, Gehorsam und einen bis dato mir unbekannten Ehrgeiz besser zu werden. Besser im Umgang mit den Waffen, besser im kämpfen, besser im töten.
Ich hatte einen Weg eingeschlagen, von dem ich damals noch nicht wusste, dass es kein Entkommen geben würde, auch wenn die Sorge meiner Eltern anwuchs, als sie merkten, dass sich die Laune ihres Sohnes nicht legte, wie angenommen. Was in meinem Vater am Anfang noch Wohlwollen fand, schliesslich war es nicht schlecht, wenn man sich als Händler zumindest ein bisschen selbst verteidigen konnte, wurde immer häufiger Gegenstand zu handfestem Streit zwischen uns. Mit elterlicher Strenge mahnte man mich an meine Pflichten zu denken und den ganzen Unsinn vom Kriegerdasein zu vergessen. Doch dafür war es bereits zu spät, denn das Feuer in meinem Herzen, was anfangs nur glimmte, war bereits zu einer lodernden Flamme entfacht, die so hell brannte, dass ihr Licht alles andere überstrahlte.
Schlussendlich führte einer jener Streits zu meiner ersten jener Entscheidungen, welche mich den Weg gehen liessen, den ich bis hier und heute gegangen bin. Hätte ich gewusst, dass es ein Weg ist, bei dem ich nie wieder nach Zuhause zurückkehren würde und meine Eltern nie wieder sähe, hätte ich mir vermutlich die Zeit genommen mich ordentlich zu verabschieden und ihnen Lebewohl zu sagen und für alles zu danken, was sie bis dahin für mich getan haben. Aber mein Herz war voller wilder Ideen und Hoffnungen, mein Verstand geblendet von der Verlockung meinem inneren Drang freiheitlich nachgeben zu können und Abenteuer in der Fremden Welt dort draussen zu finden und schlussendlich ruhmreich nach Hause zurückzukehren, sodass meine Eltern ihren Fehler einsähen, sodass ich mich ohne Abschied eines Nachts einfach als blinder Passagier auf eines der Schiffe stahl, dass bei uns vor Anker lag.
Bevor man entdeckte, dass ich an Bord war, war der Kahn auch schon auf hoher See und ein Versprechen meinerseits, dass ich meinem Vater niemals erzählen würde, welches Schiff und welcher Kapitän mich ausser Landes gebracht habe, genügte demselbigen um mich nicht einfach über Bord zu schmeissen.
Die Überfahrt war angenehm, auch wenn ich mich an den leichten Arbeiten die auf dem Schiff anfiehlen zu beteiligen hatte, um diese Überfahrt auch zu verdienen, so genügte der Einfluss meines Vaters um mich auf dem Schiff vor allem groben zu schützen, bis ich meinen Fuss auf das erstbeste Stück Land setzte, dass die "Windreiter" ansteuerte.
Britain, so nannte sich die Stadt, welche das Herzstück des Herzogtums darstellte, dass zum Königreich Faerlan gehörte. Meine ersten Schritte in diese neue unbekannte Welt waren erfüllt von Hoffnungen und Träumen ... und einem Magenknurren, da ich der eintönigen Seemanskost überdrüssig geworden war. Ich wusste auch in diesen jungen Jahren, was ich wollte, nur wie ich es bekommen konnte wusste ich nicht. Meine spährlichen Besitztümer, welche auf der Schiffsreise alles andere als angewachsen waren, sollten zumindest noch für ein paar warme Mahlzeiten und ein billiges Zimmer für ein paar Tage reichen und so führte mich mein Weg direkt zur belebtesten Taverne der ganzen Stadt, welche mittem im Zentrum gelegen war. "Der lachende Tala" ein Ort seriöser Gastfreundschaft, warmer und kalter Getränke als auch vernünftiger Speisen, sollte einer jener Dreh und Angelpunkte in meinem Leben werden, an welchem das Schicksal selbst mich zu lenken schien. Das "Schicksal" dass mich dort heimsuchte, hiess Bolwen Govainne, Major der hiessigen Garde in Britain, welcher mit einigen Gardisten gerade den üblichen Rundgang vollführte um die Ordnung und Gesetzmässigkeit des örtlichen Lebens sicher zu stellen. Es war das erste Mal, dass ich so hochgerüstete Krieger sah. Gewiss, auch in meiner Stadt trugen die Wachen einen eisernen Harnisch, aber komplette Ganzkörperrüstungen, mit Schärpen und Umhängen, auf denen das Wappen des Herzogtums prangte, war ein neuer beeindruckender Anblick. So reich, war meine Heimat nun doch nicht, um ihre Miliz derartig ausrüsten zu können. Und irgendwie wurde mir dort, bei diesem Anblick jener Männer, zum ersten male bewusst, dass diese Welt die ich nun betreten hatte, so gänzlich anders und verschieden von jener war, die ich kannte ...

Verfasst: Freitag 18. Dezember 2009, 16:25
von Marcus Connor
... die strenge Disziplin, die Ordnung und Routine mit der sie die Wirtin nach den Geschehnissen des Tages befragten und mit der alle Personen im Schankraum kurz gemustert wurden, alles liess selbst dem unkundigen Beobachter klar werden, dass jene Männer alles andere als Anfänger waren. Die Kluft die zwischen der Miliz meiner Heimatstadt und der Garde des Herzogtumes bestand was Effizienz und Professionalität anbelangte würde ich in Ozeangrößen messen wollen.
In diesem kurzen Erlebnis, diesem Eindruck wusste ich wohin mich mein Weg führen sollte. Es war einfach mein jugendliches Herz mit dem Anblick jener Mannen zu entzücken, welche für mich zu diesem Zeitpunkt die wahrgewordene Verkörperung des Kriegers darstellten, der ich einmal sein wollte. Ich nutzt die Gelegenheit, diesen Schicksalshaften Moment um mich gleich zu erkundigen, wann die Musterung stattfinden würde und schon am Sonnentage darauf, durfte ich mich Rekrut der herzoglichen Garde nennen.
Es war ein erhebender Moment, ein Moment indem ich glaubte all meine Hoffnungen würden sich erfüllen. Ich war auf dem Weg ein Soldat zu werden. Von jenen Männern, welche stahlharte Disziplin als auch Kampfgeschick verkörperten würde ich lernen und zu dem reifen, was für mich damals den perfekten Krieger ausmachte. Schon in kürztester Zeit lernte ich die 4 Männer kennen, welche mich nach meiner geliebten Frau am meisten prägen sollten.
Oberst Bol Sogath, leitender Offizier der Garde des Herzogtums und späterer Vogt von Britain. Nie habe ich einen Mann getroffen, welcher über mehr stahlharte Selbstdisziplin verfügte, welche er von jedem seiner Gardisten abverlangte. Jede seiner Bewegungen strahlte die ruhige befehlsgewohnte Gelassenheit aus, welche ein Mann erst nach unzähligen entbehrungsreichen und schmerzhaften Kämpfen gewann. Es war dennoch beeindruckend wie ruhig und kühl er selbst in brenzligsten Situationen bleiben konnte und mit welch messerscharfen Verstand er seine Gardisten für jeden EInsatz optimal insturierte.
Mit ihm auf gleicher Höhe stand Bolwen Gowaine, Major vom Range her und das eigentliche Bindeglied der Offiziersränge mit dem einfachen Soldaten. Er stand Bol Sogath in nichts nach, verfügte jedoch noch über das nötige Charisma und Feingefühl um das Vertrauen der Mannen zu gewinnen. Wenn es bei Bol Sogath die strenge Authorität war, denen die Soldaten folgten, so war es bei Bolwen mehr der persönliche Respekt vor diesem Mann selbst.
Hauptmann Jarod Celduin... es fällt mir nicht leicht, den Namen auch nur auszuschreiben. Jarod war ein offener und ehrlicher Mann, der seinen Dienst gewissentlich erfüllte. Es fiehl mir leicht Sympathie für ihn zu entwickeln, auch wenn ich in meinem Dienst in der Garde mit ihm weniger zu tun hatte. Dennoch war er der Bruder, des wichtigsten Menschen in meinem Leben und ein guter Freund.
Und zu guter letzt, Albertus ... mein treuer Freund und Weggefährte. Ich lernte Albertus am Tag der Musterung vor dem Kastell kennen. So wie ich schrieb auch er sich für den Dienst ein und bestand die Musterung gemeinsam mit mir. Die Fremde zu den anderen Soldaten als auch der große Berg der Ausbildung die auf uns zukam, verband uns und machte uns untereinander schneller zu Brüdern im Geiste, als wir es für möglich hielten. Kameradschaft, etwas das ich so in der Form nur während meiner Zeit als Gardist in diesem Herzogtum erlebte. Wir waren wahrlich mehr als Freunde, wir waren Brüder die miteinander gegen jede Widrigkeit stand hielten, die auf uns, auf das Herzogtum oder die einfachen Bürger zukam. Und Widrigkeiten gab es gerade am Anfang genug, besonders wenn der Oberst persönlich sich einmal mehr um die Ausbildung seiner Soldaten kümmerte.
Ich erinnere mich an einen kühlen Herbsttag, welcher wie die Tage zuvor jedoch erstaunlich trocken geblieben war. Bol hatte allen Gardisten exerzierübungen und Körperertüchtigung aufgedrückt, welche darin bestand mit Rucksäcken in denen unserer Rüstzeug verstaut war um den Übungsplatz zu laufen. Aber Sogath war jemand, der es verstand immernoch eins oben drauf zu setzen. Als ob die 60 oder 80 Steine Gepäck auf den Rücken nicht schon anstrengend genug gewesen währen, fiehl es ihm ein, dass der Boden viel zu trocken war. Also ging er mit einem Eimer bewaffnet zum Brunnen, schöpfte Wasser und goss es solange über den torfigen Boden unseres Übungsplatzes, bis dieser sich in eine Schlammwüste verwandelt hatte. Wenn ich mich anstrenge, kann ich noch heute die schleimige Kälte fühlen, welche durch jede Ritze des Schuhwerks drang. Jeder Schritt wurde zur quälenden Tortur und einem gewaltigen Balanceakt. Jeder von uns rutschte mehrmalig aus um sich der länge lang hinzupacken, bevor die streng gebrüllte Ermahnung des Oberst einen wieder auf die Beine hohlte.
Doch waren es Tage wie dieser, die aus uns jungen Spunden langsam Männer werden liess. Idealistische Träumerein machten für den Ernst des Lebens platz, dem wir tagtäglich in unseren Patrouillien durch Britain vor Augen geführt bekamen. Sie, die Offiziere, wussten besser als jeder einzelne von uns, wie schnell das Leben für ''König und Vaterland'' verwirkt sein konnte und nicht umsonst war die Liste mit allen im Dienst gefallenen gut einsehbar im Kastell ausgehangen.
Es war eine gute Zeit, die beste die ich in meinem Leben hatte. Wir erfüllten unseren Dienst und wurden Tag für Tag, schneller, kräftiger, härter, letzteres vor allem im Geiste. Wir waren wie ein Uhrwerk indem Zahnrädchen mit Zahnrädchen ineinander griff um diese am laufen zu halten. Und beinah täglich spürte ich wie sich meine Schwerttechnik verfeinerte, die Waffe zu einer Verlängerung meines Armes wurde. Ich lernte mit der Angst und Verzweiflung umzugehen, welche einen im Angesicht übermächtig scheinender Gegner, oder grässlichen Monstern befiehl und wie man sich ihrer erwehrte. Ich lernte einzuschätzen, wann es Sinn hatte einen Kampf zu führen und wann man sich besser zurück zog. Ich habe alles nur erdenklich notwendige gelernt um ein hervorragender Soldat zu werden, während das Feuer in meinem Herzen unverhohlen heiss brannte.
Ich erinnere mich immernoch an meinen ersten Sieg über eine gewaltige Bestie, welche gemeinhin als Oger bekannt ist. 2 Manneslängen hoch und gewiss so breit wie 4 gestandene Männer. Ein Fleischberg, bewaffnet mit einer Keule, deren Ausmaß mich eher an einen kleinen Baum erinnerte.
Es war ein harter Kampf gewesen, in dem ich mich nicht auf mein Schild verlassen konnte, sondern alleinig auf meine Behändigkeit, welche meinem allzugroß geratenen fleischigen Freund zu fehlen schien. Ich unterlief die Verteidigung meines Feindes und setzte einige schwere Hiebe an den kritischen Stellen seiner Kniesehnen. Seiner Beweglichkeit vollends beraubt, war es ein leichtes ihm mit meinem Schwert wieder und wieder Wunden zu schlagen, aus denen das zähflüssige und dicke rote Blut jener Kreatur sickerte. Solange bis er so geschwächt war, dass ich ihm den Todesstoß, direkt in den Nacken setzte.
Es war ein anstrengender Kampf gewesen, aber wie nie zuvor in meinem Leben fühlte ich mich lebendig. All die Angst und der Schmerz in den beanspruchten Gliedern liessen schlagartig nach und machten Platz für ein Gefühl des Glücks, der Überlegenheit ... und der Macht. Es war ein berauschendes Gefühl, eines das einem nach mehr verlangen liess, bis es vom Verstand in seine Schranken gewiesen wurde. Nur zu leicht kann man den Fehler begehen, sich in diesem Blutrausch zu verlieren und leichtsinnig einem Wahn gleich ohne gebotene Vorsicht zu kämpfen. Ein dummer Fehler, für den man meist nicht mehr die Gelegenheit erhält ihn zu bereuen. Dennoch, waren es jene kurzen Momente die ich mir gestattete, welche mich oft die Gefahren und Kämpfe mit den Bestien des Umlandes suchen liessen. Und jeder gewonnene Kampf, jeder getötete Feind und jede Auseinandersetzung, ob siegreich oder nicht, machte mich stärker. Jeder Tag in der Garde schärfte meine Sinne, liess mich Selbstdisziplin und Pflichterfüllung lernen. Ich diente der Garde und diesem Herzogtum sogut ich es vermochte, etwas dass auch meinen Vorgesetzten nicht verborgen blieb weshalb ich alsbald zum Unteroffiziersrang Korporal erhoben wurde.
Als Soldat seine Pflicht in gehorsam und treue zu erfüllen war eine Sache, als Unteroffizier eben jene Männer zu führen und zu lenken eine ganz andere. Und genau dies sollte nun zu meiner Aufgabe werden. Zum ersten mal in meinem Leben wurde ich mit Verantwortung betraut, keiner geringeren als das Leben jener wenigen Soldaten, welche unter meinem Kommando tagtäglich mit mir zu den Patrouillien ausrückten, wenn sich kein höherer Offizier dieser Aufgabe annahm. Befehle gewissenhaft auszuführen hatte ich gelernt, Befehle gewissenhaft zu geben sollte ich lernen. Niemand dem nicht jene Verantwortung für das Leben fremder Menschen einmal in die Hände gelegt wurde, wird die Sorgen und Gewissenskonflikte verstehen, die eine solche Tätigkeit mit sich bringt. Die Entscheidungen, welche binnen kürzester Augenblicke getroffen werden mussten und deren Tragweite im extremsten Falle mit dem Leben eines jener anvertrauten zu buche schlug, war selbst für mein mittlerweile selbstbewusstes Ich nicht leicht zu ertragen. Und Britain war alles andere als ein ruhiges Pflaster. Auseinandersetzungen welche nicht selten in kurzen Scharmützeln endeten, waren nicht gerade eine Seltenheit.
Zu jeder Zeit, die Entscheidungen zu treffen, die man für die Beste in der jeweiligen Situation hielt und diese auch hinterher nach allen erfolgten Konsequenzen jener, vor seinem eigenen Gewissen zu rechtfertigen, war eine wirklich harte Prüfung. Eine schwere obendrein, welche aber nicht unwesentlich dazu beitrug mich selbst zu finden und meinen Charakter zu festigen. Ich habe in meiner Zeit als Gardist wirklich viel erlebt, viel gesehen dessen Aufzählung wohl schon alleinig reichen würde, um so manchen gutmütig einfachen Geiste, ein Schauer über den Rücken zu jagen, aber all dies war ertragbar. Es formte einen auf die ein oder andere Art und hielt das Feuer in meinem Herzen am brennen, den Eifer mit dem ich immer besser zu werden versuchte.
Vermutlich hätte mich dieser Eifer irgendwann vernichtet, indem er mich dazu getrieben hätte irgendetwas dummes zu tun, wenn ich nicht zu jener Zeit jene Person kennengelernt hätte, welche mehr Einfluss auf mein Leben genommen hat als all die Ausbildung, die Entbehrung all die Erlebnisse mit Freund und Feind in der Garde zusammen. Carya Celduin, Schwester meines mir vorstehenden Hauptmannes und gute Freundin des Oberst Bol Sogath.
Ich erinnere mich als währe es gestern gewesen, das jene Frau zu uns ins Kastell kam und wünschte den Oberst zu sprechen. Sie war von athletischen Wuchs, mit langem weizenblondem Haar, das nur von einer schwarzen Strähne unterbrochen wurde. Das sie den Degen an ihrer Seite zu mehr als nur zur Zierde und Abschreckung trug, sollte ich in wenigen Stunden darauf erfahren, denn nachdem man sie zum Oberst geleitet hatte, bekam ich kurz darauf den Entsatzbefehl sowohl den Oberst als auch die Dame Celduin zu einer ... vereinfacht ausgedrückt .. Jagd zu begleiten. Es war einer jener wenigen seltenen Augenblicke in denen ich leibhaftig dem Kampfgeschick unseres Oberst angesichtig wurde und wo sich mir bestätigte, dass in den selbstdisziplinierten Zügen jenes Mannes ein beachtliches Kampfgeschick verbarg. Doch zu meinem großen überraschen war der Oberst nicht allein der in der Kampfeskunst brillierte. Jene Dame vermochte mit erstaunlicher Behändigkeit und tödlichen Eleganz den kunstvoll gefertigten Degen als tödliches Instrument zu gebrauchen. Ich sah die beiden mit erschreckender Leichtigkeit Wesen töten, welche einen ganzen Trupp Gardisten zu beschäftigen wussten. Nie in meinem Leben kam ich mir neben diesen beiden mit meinen Fähigkeiten derart unzulänglich und unnütz vor. Das ich in einigen Unachtsamen Momenten, üble Hiebe einsteckte, welche zu meinem großen Glück von dem ausgezeichneten Rüstwerk abgefangen wurde, machte es nich gerade besser. Ich, der ich mich für einen passablen Krieger hielt, wurde mit einem donnernden Schlag auf den Boden der Tatsachen zurückgehohlt. Selten hatte ich mich so geschämt wie am Ende dieser ''Jagd''. Die tröstenden Worte, jener schönen Frau mit den grünen Augen, dass er sich ''ganz gut geschlagen habe'' klangen in meinen Ohren eher wie Hohn. Ich schwor mir meine Bemühungen zu verdoppeln, wenn nicht gar zu verdreifachen um die Kampffertigkeit dieser beiden zu erreichen. Vermutlich hätte jene Frau mich bereits am nächsten Tag wieder vergessen gehabt, wenn sich Bol nicht dazu entschlossen hätte, das Wiedersehen noch mit einem üppigen Mahl im "lachenden Tala" zu feiern, zu dem schliesslich auch noch Jarod und Bolwen stiessen. Das Essen war ausgezeichnet, die Stimmung gut als zu aller Glück auch noch ein fahrender Spielmann die Taverne betrat und in kunstvoller Fertigkeit seine Musik- und Gesangeskunst zum besten gab.
Von heute auf diesen Tag geblickt, der so unendlich weit in meiner Vergangenheit zurückzuliegen scheint, komme ich nicht umhin mich erneut zu fragen, wieviel Schicksal oder wieviel perverse göttliche Fügung uns Menschen zu teil werden kann. Ich frage mich, wieviel Freude .. aber auch wieviel Leid uns allen erspart geblieben währe, wenn wir nicht uns in dieser Taverne zu genau jenem Zeitpunkt eingefunden hätten oder wenn nicht just zu diesem Zeitpunkt ein so begnadeter Spielmann seinen Weg dort hinein gefunden hätte. Ich hätte es nie vermocht Caryas Interesse zu wecken und unsere Schicksalshafte Verbindung währe vermutlich nie zustande gekommen.
Doch es war nunmal wie es war und der Spielmann hob unsere Stimmung weiter. So sehr, dass jenes hübsche Fräulein zu tanzen gedachte und reih um die Männer mit ihren Blicken aufforderte. Erst Bol, dann Jarod, doch keiner von ihnen wollte sich jenem fröhlichen Zeitvertreib hingeben und als sie sich schon wieder enttäuscht setzen wollte, bat ich mich als Tanzpartner an. Ihr Blick verriet, dass sie sich nicht gerade viel von mir erhoffte, was dies anbelangte, doch schien die Aussicht auf ein zumindest kleines Tanzvergnügen besser als darauf komplett zu verzichten.
Der Spielmann sang eine neue Waise, mit viel Rhythmus im Notenklang, ein Lied dass mich ein wenig an die Volkstänze meiner Heimat erinnerte. Es fiehl mir leicht, mich an jene unbeschwerte Zeit zurückzuerinnern, ebenso wie an die Tanzschritte und zur Überraschung jener Dame, vermochte der junge Korporal welcher zwar nicht im Schwertkampf brillierte, zumindest jedoch im Tanzen zu überzeugen.
Den Blick in ihre intensivgrünen Augen, das überraschte Erkennen und das leicht verzückte Lächeln, dass sie gut erzogen wie sie wahr, nur sehr verhalten zur Schau stellte, ist ein Bild dass sich so tief in mein Herz geprägt hat, dass ich es mir selbst jetzt noch jederzeit ins Gedächtnis rufen kann. Es war jener magische Moment, an dem zwei Seelen erkannten, dass sie irgendetwas verband, dass niemand von ihnen in Worte fassen konnte. Wie als würde man in einem Fremdscheinenden Menschen einen alten Bekannten wiedererkennen.
Ohne es mir eingestehen zu wollen, hatte ich mich Hals über Kopf in die Schwester des Hauptmannes verliebt. Eine Liebe wie ich sie zu keinem Menschen in meinem ganzen Leben mehr empfinden sollte.
Die darauffolgenden Tage vergingen wie im Fluge. Wie besessen stürzte ich mich in meine Waffenübungen, nur unterbrochen von meinem täglichen Dienst und den Gelegenheiten Zeit mit jener wundervollen Frau zu vollbringen, welche nicht nur sehr hübsch, sondern auch geistreich, schlagfertig in jeder erdenklichen Hinsicht, bis hin zu frech und vorlaut war. Und mit jedem jener Augenblicke, wuchs eine Leidenschaft die es in kurzer Zeit schaffte, ebenso heiss und stark zu brennen, wie die mir schon so bekannte und vertraute Form. Ich weiss nicht genau was es war, vielleicht meine Beharrlichkeit mit der ich sie näher kennenzulernen versuchte auch wenn sie mir immer wieder die kühle Schulter zeigte. Vielleicht war es auch einfach der Umstand, dass sich ein Mann ernsthaft für sie interessierte und sich um sie bemühte. Ich weiss es nicht, aber mit der Zeit entflammte auch in ihr, erst Vertrauen, dann Zuneigung und schliesslich Liebe.
Ich habe einmal gelesen wie ein bedeutender Gelehrter Schrieb "Liebe und Hass liegen nah beieinander" etwas dessen tiefliegende Wahrheit ich erst jetzt verstehe. So gewaltig meine Liebe für diese Frau war und in dem letzten Teil meines noch empfindungsfähigen Herzens auch noch immer ist, so groß und abgrundtief war mein späterer Hass auf die ganze Welt. Doch noch nicht zu jenem Zeitpunkt, der zu den glücklichsten meines Lebens zählte.
Je mehr Zeit ich mir ihr verbrachte, desto mehr fühlte ich mich zu ihr hingezogen, desto mehr fühlte ich, wie jene Frau mein Leben komplementierte, es auf eine unbeschreibliche Weise vervollkommnete. Vermutlich ist auch dies schwer nachzuempfinden, wenn man sich selbst einem anderen Menschen noch nie so nah gefühlt hatte.
Carya ... meine Carya ... war alles für mich. Als meine Kampffertigkeit endlich soweit war, dass sie zumindest mit der ihren Schritthalten konnte, war ich es fortan, mit dem sie diese mir seltsam anmutenden ''Jagden'' unternahm. Wir töteten zahlreiche Ungetümer in diesem Land und nicht selten fanden wir sogar einige wertvolle Kleinode. Carya liebte Edelsteine, soviel wusste ich und so versuchte ich ihr auch mit jenen ab und an eine kleine Freude zu bereiten. Doch auch jene Zeit war nicht frei von Sorgen. So erfuhr ich erst sehr spät von Caryas dunklem Geheimnis, einmal einer finsteren Macht, einer bösartigen Wesenheit welche dort als Gottheit verehrt wurde, gedient zu haben. Das Brandmal jener Schande prangte immernoch gut verborgen auf ihrer Schulter, ein Mal, dass sie hätte auf den Scheiterhaufen bringen können, wenn die Inquisition des Ortes von jenem erfahren hätte. Mir war es schlichtweg egal. Ich war nie ein sonderlich religiöser Mensch gewesen. Mein Vater vertrat schon immer die Ansicht, dass Menschen durch eigenen Fleiss und harter Arbeit mehr erreichen konnten, als durch göttliches zutun und so war meine theologische Wertbildung, doch eher begrenzt.
Ich liebte diese Frau so sehr wie man einen anderen Menschen nur lieben konnte, und kein dunkles Mal der Welt hätte daran etwas ändern können. Vermutlich hätte ich sie immernoch genauso geliebt, selbst wenn sie die Tochter eines Höllenfürsten selbst gewesen währe. Jene unabdingbare Empfindung ihr gegenüber, war das reinste und strahlendste Gute zu dem mein Herz je fähig war zu empfinden. Die Welt um mich herum hätte in Schatten versinken können, solange sie mein Licht war, konnte mich nichts erschrecken.
Ein Glück das seinen Höhepunkt in unserer Hochzeit und der Geburt des zweiten Menschen fand, der unser Leben eine neue Wendung und einen neuen Sinn gab. Angelique Celduin unsere Tochter. In dieser Zeit hätte mein Leben nicht erfüllter sein können. Ich hatte alles was ich zum glücklich sein brauchte und dass ich schlussendlich auch noch in den Offiziersrang des Leutnant in der Garde erhoben wurde, machte dies alles perfekt. So verbrachten wir 5 glückliche Jahre in der unsere Tochter zu einem aufgeweckten kleinen Wirbelwind heranwuchs, welcher großes Interesse vor allem für Tiere hegte. Selbst als der gefährliche Dämon der sich selbst nur ''Schatten'' nannte, Britain und das Herzogtum verheerte und ich bei einem Kampf gegen diese Bestie mein linkes Auge verlor, dass er mir mit seinem flammenden Schwerte ausbrannte, trübte unser Glück nur kurzzeitig. Die Wunde die ich davontrug erschrack meine geliebte Frau zutiefst und gewiss gab es sehr viel angenehmere Anblicke, als die leere Kluft in der vorher mein linkes Auge zu finden war, noch dazu mit der langen schwarzen Narbe die sich über meine linke Gesichtshälfte zog, aber als ein findiger Künstler sein Weg nach Britain fand, welcher sich auf Körperbemalung spezialisiert hatte, wurde auch für dieses Problem eine adequate Lösung gefunden. Wobei Körperbemalung vielleicht nicht das richtige Wort dafür ist, denn er 'malte' seine Motive nicht, sondern stach sie mit seltsamen Nadeln, tief in die Haut.
Ich bat ihn, meine schwarze Narbe mit einem passenden Motiv zu verdecken, damit weder Frau noch Kind bei meinem Anblick erschrecken müssten und so fiehl die Wahl unseres Motives auf einen schwarzen Drachen, den er mir mit sehr viel Mühe in meine linke Gesichtshälfte stach. Die leere Kluft meiner Augenhöhle verdeckte ich mit einer eigens von ihm angefertigten Augenklappe, welche kunstvoll den Körper des schwarzen Drachen weiter zeichnete und sich so in das Gesamtbild einfügte. Erneut könnte ich Lachen und Weinen gleichzeitig, wenn ich daran denke, wieviel Bedeutung eine solch triviale Entscheidung wie die Auswahl eines Motives auf einen haben kann. Hätte ich auch nur ein Funken geahnt von dem was geschehen würde, ich hätte mich nicht für den schwarzen Drachen entschieden. Nichts desto trotz war es wohl jener Anlass, der uns einmal mehr vor Augen führte, wie gefährlich das Leben der Gardisten in Britain war. Wo ich vorher bereitwillig mein Leben riskierte, da ich nur dieses zu verlieren hatte, hatte ich nun eine kleine Familie welche ich über alles liebte und über deren Wohl zu wachen, meine naturgegebene Aufgabe als Mann und Vater war. Schweren Herzens fasste ich schliesslich den Entschluss meinen Dienst in der Garde zu beenden und mich vollends dem beschützen meiner Familie zu widmen ... eine Pflicht in der ein Mensch niemals mehr versagt hat als ich ...

Verfasst: Freitag 18. Dezember 2009, 18:54
von Marcus Connor
Die Vergangenheit ... irgendwann hohlt sie einen immer wieder ein und ich weiss, dass es auch bei mir nur eine Frage der Zeit ist, bis mich die Schatten und Dämonen meiner Vergangenheit ausfindig machen. Aber ich fürchte dieses Schicksal nicht, wer weiss vielleicht wünsche ich es mir sogar ... das was uns damals heimsuchte hatte ich mir jedoch gewiss nicht gewünscht. Der Orden, der geheime Bund dem Carya einst diente bevor sie ihm entfloh und dessen schändliches Brandmal sie auf der Schulter trug, hatte sie ausfindig gemacht. Nachdem Carya und ich einen Überfall auf unser gemeinsames Haus mit Müh und Not abgewehrt hatten, wussten wir dass es vorbei mit unserem friedlichen Leben war. Niemand kannte die Möglichkeiten und die Taktiken jenes Ordens besser als Carya selbst, nichts nichteinmal die Garde würde uns beschützen können und vor allem nicht unser Kind, dass das erste Angriffsziel sein würde. Sie waren gekommen um Carya für ihren "Verrat" an dem Orden zu strafen und sie würden nicht eher ruhen, bis sie an ihr ein Exempel statuiert hätten. Es blieb einem nicht viel übrig, wenn sie einen ersteinmal gefunden hatten. Der sicherste Schutz war an ein Ort zu gelangen, wo sie einen nicht vermuteten, wo sie nicht in Erfahrung bringen konnten wo man lebte. kurzentschlossen, packten wir das nötigste zusammen und flüchteten auf ein Schiff, entschlossen dieses Land, dass uns jahrelang Heimat gewesen war zu verlassen. Auch wenn es ein trauriger Moment war, indem die Sorge um die weitere Zukunft wie ein drohendes Unheil in der Luft lag, so waren wir doch froh zumindest uns noch zu haben und fanden Trost in der Hoffnung zusammen jede Prüfung bestehen zu können.
Doch Hoffnung allein nährte nicht die hungrigen Bäuche meiner Familie. Die wenigen Habseeligkeiten, welche wir auf unserer übereilten Flucht mitgenommen hatten, waren alsbald erschöpft. Es reichte gerade so für eine kleine Hütte nahe des Waldrandes in der Grafschaft Falkenstein, in der wir uns fortan versteckt hielten. Wir wollten kein Risiko eingehen und mieden die örtliche Bevölkerung der nahen Dörfer, vermutlich ein Umstand der half misstrauen uns gegenüber zu schüren. Als sich unsere letzten Ersparnisse dem Ende neigten, überlegten wir gemeinsam, was wir tun könnten doch alle Optionen schienen uns zu gefährlich. Wir wussten, jener Orden würde seine Suche noch nicht eingestellt haben, vielleicht waren sie uns auch bis hier her gefolgt. Sie würden die Suche nach Carya nicht aufgeben, zu schwer wog ihr Verrat an den ihren. Und so blieb uns nur eine Option. Ich selbst reiste nocheinmal zurück nach Britain um all unser Hab und Gut zu verkaufen und dann mit dem Erlös zu meiner Familie zurückzukehren. Es währe sicher genug gewesen, um uns über Jahre ein gutes Auskommen zu sichern. Obwohl ich eine seltsame Beklemmung in meiner Brust spürte, als ich die liebsten Menschen verliess die ich hatte, hätte ich mir niemals träumen lassen ind welch kurzer Zeit sich mein Leben so radikal verändern konnte.
Die Reise nach Britain und zurück dauerte keine zwei Monde. Ich hatte vieles unter seinem Wert verkauft, aber ich konnte in meiner Eile nicht darauf hoffen, einen guten Preis zu erzielen. Es war dennoch genug um meine Familie über einen langen Zeitraum zu ernähren und so kehrte ich recht zufrieden und voller Vorfreude an dem Ort zurück wo ich Carya und Angelique vermutete.
An unserer Hütte angekommen traf mich eine bitte Erkenntnis mitten ins Gesicht. Die Tür jener baufälligen Hütte war weit offen und hing halb aus den Angeln. Das spärliche Möbeliar war wild durcheinander geworfen, zeuge eines erbitterten Kampfes, doch von meiner Frau und meinem Kind fehlte jede Spur. Zu meinem erleichtern jedoch, fand sich auch keine ihrer Leichen. Ich suchte die Umgebung ab, doch fand ich nicht die kleinste Spur. Erst als ich einen der Dorfbewohner mit etwas Gold bestach, erzählte man mir, dass Männer der Inquisition gekommen waren, um das "Hexenweib und ihr Balg" zu verhaften. Jener Dorfbewohner hatte wahrhaftig glück, dass mich der Gefühlstaumel in meiner Brust lähmte, sodass ich ihn für seine Worte nicht zur Rechenschaft zog. Durch weitere Nachforschungen erfuhr ich, dass man die beiden wohl in die nächst größere Stadt gebracht hatte, woraufhin ich mich sofort auf den Weg machte, die Verfolgung aufzunehmen. Doch es hatte keinen Sinn, die Zeit war schon unlängst abgelaufen, in der ich noch etwas an dem vermeintlichen Schicksal meiner Familie hätte ändern können. In jenem Ort selbst erfuhr ich nur, dass man wohl vor kurzen eine 'Hexe mit grünen Augen und blonden Haaren als auch ihr Teufelskind' verbrannt hatte. Ich war zu spät....
Niemand ... wirklich niemand kann sich den Schmerz vorstellen, welcher mich von einem Augenblick zum anderen erfasste, mir die Luft zum atmen nahm und drohte mein Herz in Stücke zu reissen. Carya und Angelique, waren alles was ich hatte, sie waren das wichtigste was ich hatte, wichtiger als mein eigenes Leben und ich hatte sie verloren. Im Stich gelassen in dem Moment wo sie meine Hilfe am nötigsten gehabt hätten. Die Erkenntnis meiner eigenen Unzulänglichkeit, riss mir den Boden unter den Füßen weg. Ich fühlte mich, als würde ich in eine endlose Leere stürzen, jedem Lebensfunkens beraubt. Meine Familie, als Hexen auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Gewiss, die Zeiten waren schwierig in dem Land indem einige große Umwälzungen von statten gingen aber Nichts rechtfertigte auch nur in geringsten Teilen den Mord an allem was ich liebte.
Eine schlimmere Strafe hätte das Leben für mich nicht bereithalten können und mehr als nur einmal wünschte ich mir wenigstens mit ihnen zusammen gestorben zu sein. Unfähig mit diesem, meinem Schicksal umzugehen versuchte ich mich selbst im Alkohol zu vergiften. Auch wenn es nie ganz reichte mich endgültigt auf die andere Seite zu bringen, so vernebelte mir der Vollrausch doch genug die Sinne um an nichts mehr denken zu müssen. Ich denke es war diese jene Zeit, in der meine Liebe für meine Familie langsam in blanken Hass auf die ganze Welt umschlug, welche mir auf so grausame Weise meine Familie genommen hatte. Aber ich war unfähig etwas zu tun, unfähig da ich von Rausch zu Rausch wanderte, von durch Alkohol gelöster Zunge stammender Hetztirade, zu Hetztirade gegen Land, Reich und Leute. Die Abgründe in meinem Herzen waren tiefer, als je ein Mensch oder Gott hätte blicken können.
Vermutlich währe ich elendig in diesem Glauben in einer Gosse oder dem nächst besten Kerker verreckt, wenn nicht zu jener Zeit eine Frau auf mich aufmerksam geworden währe, die es verstand meinen unendlichen Hass auf reale Ziele zu lenken. Lucretia Pan Draga, eine Frau die ich bald Meisterin nennen sollte.
Es waren Zeiten des Umschwungs, Zeiten in denen eine kleine verschworene Gemeinschaft von Rebellen gegen die Herrschaft des Adels und Königshauses und man munkelte gegen die Gottgewollte Ordnung selbst rebellierte. Allen voran wurde in finstersten Ecken immer nur von einem mysteriösen 'Schwarzen Prinzen' gemunkelt, welcher die Rebellion wider der Ordnung anführen sollte.
Ordnung, Adel .. Königshaus. Was war das für eine Ordnung in der unschuldige Familien durch etwas wie die Inquisition auf dem Scheiterhaufen getrennt wurden? Unter der harten und strengen Lehre der Lady Pan Draga entwöhnte ich mich von dem Gift, dass aus dem stolzen Manne einen erbärmlichen Wicht hatte werden lassen. Getrieben von so unendlich heissbrennendem Hass und dem Verlangen nach eiskalter Rache, griff ich erneut zum Schwert, stählte erneut meinen Körper für die bevorstehende Zeit der Abrechnung. Kein geringeres Ziel hatte ich, als sie alle und wenn nötig die ganze Welt in ihrem Blut zu ersäufen für den Frevel den man an mir und den meinen begangen hatte. Jedes Mittel war mir dafür recht, weltlich, magisch oder auch göttlich. Ich hätte meine Seele mit Freuden dem erst besten Dämon verschrieben, der mir half meine Rache zu bekommen. Ich wollte sie alle töten, alle die nur entfernt damit etwas zu tun hatten, alle die nur entfernt es hätten verhindern können und es nicht getan haben, alle die nur zuliessen, dass soetwas in ihrem Land geschah. Es brauchte viele, lange Monate bis ich nur annähernd wieder auf dem Stand meines Geschickes war, dass ich als Gardist im Herzogtum mir anerlernt hatte. Das fehlende Auge machte es nicht gerade leichter, meine alte Form wieder zu finden doch unterstützte mich die Lady Pan Draga in jeder nur erdenklicher Hinsicht. Selbst als sie den mächtigen Priester einer dunklen Gottheit rief und ihm Unsummen dafür bezahlte in einem grausamen Ritual mein Auge zu ''heilen'', zögerte sie nicht eine Sekunde. Ich vergolt es ihr in unabdingbarem gehorsam. Ich tötete ihre Feinde woimmer sich welche ihr in den Weg stellten, keinen Unterschied zwischen Geschlecht, Alter oder Wehrhaftigkeit machend. Ich war ein nützliches und gefährliches Werkzeug dem sie sich nur zu gern auf ihrer Suche nach diesem mysterösen schwarzen Prinzen, bediente, denn seine Rebellion wollte sie unterstützen. Ihre Motive für diese Rebellion habe ich nie vollends erfahren und verstanden, aber das musste ich auch nicht. Sie gab mir ein Ziel für meinen unendlichen Hass den ich in meinem Herzen trug, gab mir eine Möglichkeit mich an der Welt zu rächen, was brauchte es mehr?
Wir zogen von Dorf zu Dorf, von Stadt zu Stadt, verbreiteten Wort über die Rebellion des schwarzen Prinzen und suchten selbst nach Spuren seiner Existenz und schlussendlich, eines Tages sollten wir fündig werden.
Eine Gestalt in pechschwarzer Rüstung hielt auf uns zu in seinen Bewegungen die unvergleichliche selbstbewusste Art eines geübten Kämpfers darlegend. Doch war da noch mehr, etwas ... nicht greifbares ... wie ein weit entferntes Flüstern im Wind, dass man nur unterschwellig wahr nahm. Eine stille dunkle Aura von Macht umgab ihn, Macht und tödlicher Gefahr, die einem selbst die Nackenhaare bei dem Anblick sich aufrichten liessen. Er war ... eine merkwürdige, dunkle Erscheinung aber für mein Hasserfülltes Herz, wie ein Leuchtfeuer in einer dunklen Nacht. Ich hatte zum ersten mal das Gefühl, an seiner Seite vielleicht wirklich etwas bewirken zu können, vielleicht wirklich mich an den Mächtigen dieses Reiches rächen zu können, welche für mich alle Schuld an dem Tod meiner Familie hatten.
Bereitwillig schworen wir ihm die Treue, meine Lady und ich, welche ihr Ziel nach langer Suche erreicht hatten. In den kommenden Wochen und Monaten waren wir sehr beschäftigt. Nichts geringeres als die Gründung eines eigenständigen Reiches und die Unterwerfung oder Auslöschung der verhassten Grafschaft Falkenstein war des Prinzen Ziel. Mir kam es nur gelegen, gab es doch reichlich Gelegenheit mich an der Welt zu rächen, indem ich gnadenlos gegen alles kämpfte, was sich dem Ziel meines neuen Herren in den Weg stellte. Ich verlor keine Gedanken daran, wieviele Familien ich mit meinem Tun auseinander riss. Wieviele Väter, Mütter, Brüder, Schwestern und Kinder von Eltern ich tötete. Ich hatte bereits alles verloren, warum sollte es diesen Menschen, die solche Frevel in ihrem Land duldeten es besser haben. Verdienten sie, die nichts gegen solch Gräuel taten nicht selbiges Schicksal? War es nicht nur gerecht, dass sie ebenso leideten und gleiches Leid erfuhren? Für mich schon ... und so versündigte ich mich weiter in ungezählter Zahl am Leben selbst.
Gedankt wurde es mir, durch die Erhebung in den Stand der persönlichen Leibwache des Prinzen. Aber all dies bedeutete mir Nichts. Alles was ich wollte war Rache, nur jene bedeutete mir noch etwas ... Rache mit dem Verlangen nach meiner eigenen selbstherrlichen Gerechtigkeit.
Aber ich war ein Narr, denn all das Kämpfen, brandschatzen und töten brachte mir nicht das wieder was ich verloren hatte. All zu schnell war der kurze Moment grimmiger Befriedigung verschwunden, den ich empfand wann immer ich jemanden niederstreckte, der sich in meinen Augen dem Mord an meiner Familie schuldig gemacht hatte. Ich Schritt den Weg totaler Zerstörung auf der Suche nach meinem inneren Frieden den ich niemals finden sollte.
Denn anstatt Frieden zu finden, zog mich der Strudel der Gewalt nur noch tiefer in seinem Bann. Ich liess mich mit finsteren Mächten ein, schlug mich mit ihnen im Bunde und verdammte damit auf ewiglich meine Seele. Sesthobar ... ein dunkler Bund von Kriegern, welche von schwarzen Drachen auserwählt wurden, um ihnen als Gehilfen in der Welt der sterblichen zu dienen und von diesen die dafür benötigte Macht erhielten, habe ich wieder ins Leben gerufen, nachdem dieser in dem vergangenen großen Krieg vernichtet wurde. Ich habe mich selbst jener dunklen Macht geopfert und bin dem Pakt mit einem jener dunklen Drachen eingegangen, alles nur um die benötigte Stärke zu erhalten meine Feinde zu vernichten.
Doch egal was ich auch tat, mein Streben war fruchtlos. Egal wieviel Siege ich errang, der Feind wurde nicht Schwächer im Gegenteil. Nach unzähligen Kämpfen, verschwand der schwarze Prinz und die Rebellion drohte zu scheitern. Ich kenne die Motive für dieses Verschwinden nicht, aber ich erkannte in jenem Moment meine Machtlosigkeit, die ich trotz aller Macht die ich einstmals besessen habe, nicht leugnen konnte. Es war eine ernüchternde Erkenntnis, eine Erkenntnis, die das Feuer der Rache in meinem Herzen löschte und mit dem verglimmen des letzten Funkens mich zurückliess, wie ich heute bin ... leer und ausgebrannt. Ich habe nichts mehr. Keine Familie, kein Glaube, kein Wunsch nach Rache, keine Hoffnung mehr, da ich weiss was mich nach meinem Tod erwartet. Doch ich fürchte mich auch nicht davor, nein ... ich denke ich würde es sogar begrüßen wenn irgendjemand fähig genug ist, mir mein Leben mit einem letzten großen Kampf zu nehmen, etwas dass ich aus welchen Gründen auch immer nicht selbst fertig bringe.
Ich kehrte alledem den Rücken, verriet mit meinem Verschwinden erneut die, denen ich treue gelobte, wobei ich mir nicht sicher bin ob man es Verrat nennen konnte. Schliesslich war der schwarze Prinz es, der uns zuerst verliess. Erneut fand ich mich auf einem Schiff wieder, dass hinaus in eine mir unbekannte Welt segelte, in meinem Herzen die Ungewissheit darüber, ob ich je ein Fuss an Land setzen würde, denn ich spürte, dass der Pakt mit dem schwarzen Drachen niemals erlosch. Mittlerweile zweifle ich auch daran, dass er es jemals wird. Ich ... befürchtete und hoffte zugleich ihn eines Tages als schwarzen Schatten am Himmel zu sehen mich und das Schiff mit einem einzigen brennend heissem Odem zu vernichten und mein Dasein ein Ende zu bereiten, doch nichts dergleichen geschah. Nur Nachts wenn ich schlafe, träume ich auch heute noch von dem unbeschreiblichen Blick jener Kreatur, welche mich aus einer unbeschreiblichen Finsternis heraus beobachtete. Dann spühre ich den heissen geiferndem Atem in meinem Nacken und die altbekannte Furcht, welche einem das Herz umklammert, wann immer man einem solch majestätisch aber auch tödlichem Wesen gegenüber steht. Ich weiss nicht, warum er mich noch gewähren lässt, vermutlich spürt er dass der Tod keine Strafe für mich ist und erfreut sich lieber an der Freudlosigkeit meines Daseins. Oder aber empfindet es einfach nicht als wichtig genug, sich die Mühe für mich zu machen, wo das Leben eines Menschen im Denken der Drachen gerademal den Bruchteil eines Augenblickes einnimmt. Vermutlich werde ich nie erfahren was es ist und sollte wohl froh sein über jeden Augenblick indem es anhält.
Ich tat meinen Schritt an Land, dieses Land ... Gerimor. Mittellos, desillusioniert und des Lebens und des Tötens müde. Alles was ich konnte, alles was ich je konnte, war zu kämpfen und zu töten. Aber in Ländern wie diesem, gibt es immer Verwendung für jemanden wie mich. Auch wenn ich langsam merke, wie das Alter mich einhohlt und die Knochen mürbe werden. Meine Schwertarm will nicht mehr so wie früher und so verlasse ich mich weitaus häufiger auf Bogen und Amrbrust, denn auf blanker Klinge. Ich fühle wie das letzte Kapitel meines Lebens anbricht. Ein Kapitel indem ich mich entschlossen habe, mein sinnloses Leben zu geben um ein anderes zu bewahren. Ich weiss, dass selbst hundert Leben die ich geben könnte um andere zu beschützen nicht ausreichen um für die Sünden die ich begangen habe, einzustehen doch das ist auch nicht wonach ich trachte.
Reue und Vergebung bedeuten mir nichts, genauso wenig wie mein fremder Name hier, den ich trage um es meinen alten Feinden nicht all zu leicht zu machen mich zu finden. Denn ich habe kein Interesse mein Leben am Galgen oder in einer feuchten Kerkerzelle auszuhauchen. Das einzige was mir heute noch bleibt, ist die vermeintliche Wahl meines Endes. Und wenn wenigstens eine Person, die für dich ich mein Leben in einem letzten Kampf zu geben gedenke, retten kann und welche sich dann dieser Tat erinnern wird und seien es nur für wenige Monde lang, so soll es mir für die ewige mich erwartende Verdamnis genug sein.
Rilas Avaryn hat mich zu seinem Beschützer berufen, als Schwertgeselle seines Hauses, dem Hause Isadril diene ich nun, als solcher soll ich mein Ende für ihn und dieses Haus finden, wenn die Zeit dafür gekommen ist ...

20. Alatner 252

Verfasst: Sonntag 20. Dezember 2009, 21:59
von Marcus Connor
Die Tage vergehen ohne nennenswerte Vorkommnisse. Ich habe mich erneut auf die Jagd nach einigen Bestien begeben, die gerade im Winter wo das Futter knapp und die Möglichkeiten an selbiges zu gelangen von den eisigen Temperaturen begrenzt werden, die örtlichen Länderein heimsuchen. Pfeil und Bogen leisten mir immernoch bessere Dienste als meine Klinge und für die gepanzerten unter ihnen, habe ich meine Armbrust. Diese Eigenart von solchen Unwesen heimgesucht zu werden, scheinen viele Länder zu teilen. Ebenso wie denUmstand, dass die wagemutigen unter uns Menschen ein Vermögen damit machen können, sie zur Strecke zu bringen, die geraubten Kleinode an uns zu nehmen und alles verwertbare zu verkaufen. Gerimor scheint da keine Ausnahme. Aber wenn ich mich in die Höhlen und Grüfte wage um mit meinen Waffen das Leben dieser Unwesen zu fordern, wird mir immer wieder aufs schmerzlichste bewusst, wieviel sich verändert hat. Ich denke dann an die gemeinsamen Jagden mit meiner Frau und wie aufregend dies alles gewesen ist. An das Gefühl der Macht und Erhabenheit dass ich verspürte wann immer ich einen von ihnen tötete, all das is verschwunden. Mit kalten Augen, bar jeden Gefühls verfolge ich, wie sich die Bestien im letzten Todeskampf winden, bevor das letzte bisschen Leben aus ihren grässlichen Leibern gewichen ist. Keine grimmige Befriedigung, kein wildes Herzrasen und erst recht kein Mitleid. Ihr Leben so bedeutungslos wie ihr Tod. Und in dieser Bedeutungslosigkeit stellt sich mir immer wieder Frage nach der Definition, nach dem was es bedeutet am Leben zu sein. Heisst es zu atmen, essen und trinken, seine Notdurft verrichten zu müssen und diese Hülle aus Knochen, Fleisch und Blut durch die Welt zu tragen, am Leben zu sein? Wenn ja, vernichtet man mit dieser Hülle das komplette Leben dieser Person? Wenn dem so währe, würde all der Glauben, all das Ringen um das was all die Geweihten der Götter, die ich in meinem bisherigen Leben schon getroffen habe, Seele nennen, nicht bedeutungslos? Warum sonst sollten die Götter diesen Erwählten die Macht verleihen. die jene mit jedem "Wunder" unter Beweis stellen? Doch wenn es diese Seele gibt, ein übergeordnetes Ich welches unsere Empfindungen steuert und dies vielleicht eher der Beweis unseres Lebens ist, frage ich mich ob diese Seele, dieses Ich auch sterben kann? Wenn ja, was passiert mit dem Körper wenn die Seele stirbt? Wird aus diesem dann einer jener ruhelosen Untoten derer ich unzählige Male in den Grüften angesichtig wurde? Ich frage mich, an welchem Punkt ich selbst angekommen bin. Irgendwie lebe ich noch auch wenn ich die einzige Bestätigung dafür in physischem Schmerz erhalte, wenn ich durch eine Unachtsamkeit einen Treffer meines Gegners einstecken musste. Oft jedoch habe ich das Gefühl, dass alle weiteren Empfindungen mit meiner Familie zusammen gestorben sind. So treibe ich ohne Ziel und ohne Antrieb auf der Welle des mich umgebenden Lebens wie ein Stück Treibholz auf den großen weiten Meer und warte darauf, dass diese Reise ihr Ende findet oder ich einen neuen eigenen Kurs finde, welcher so unmöglich scheint, wie die Tatsache das aus einem Stück Treibholz ein Segelschiff wird...

Ich diene dem Herrn Avaryn nun schon seit einigen Monden als bezahlter Soldknecht und auch wenn wir einige kleinere Scharmützel zu bestreiten hatten, lief es Alles in Allem sehr ruhig ab. Ein Umstand der sich ändern könnte, von dem ich vielleicht sogar hoffe, dass er sich ändert. Wie ich hörte schreitet der Bau seiner eigenen Wehranlage gut voran und die Thesen die Avaryn überall in der Grafschaft Hohenfels anbringen liess, enthalten genug theologischen Zündstoff um ihm und seinem Gefolge handfeste Probleme mit dem Klerus einzuhandeln. Wie ich vernahm erfolgte auch binnen kürzester Zeit eine Gegendarstellung, was ein weiteren Beweis für die Brisanz jener Thesen darstellt. Ich habe schon Menschen für weitaus geringeres bestraft werden sehen und so würde es mich nicht wundern, wenn der Disput bald nicht mehr mit Wort sondern mit der Waffe geführt werden wird. Priester töten ... wiedermal.
Ich hätte nicht geglaubt, dass mein Leben nocheinmal solch eine Wendung nehmen könnte. Früher hätte ich vermutlich frohlockt, ob der Möglichkeit mich an den Vertretern derjenigen zu Rächen, welche in meinen Augen mit die Größte Schuld am Schicksal meiner Familie tragen, da sie es am ehesten hätten verhindern können, doch mittlerweile sind mir ihre Leben nicht mehr oder weniger Wert als die eines Ogers oder Orken. Wenn Avaryn befiehlt gegen die Priester zu kämpfen, dann werde ich es tun. Es würde vermutlich sogar interessant werden, verfügen jene doch über sehr gefährliche Kräfte zumal eine gewaltsame Auseinandersetzung mit dem Klerus außerdem meist eine direkte Einladung in den fauligsten und verschimmelsten Kerker der Stadt beinhaltet ... oder direkt ein Treffen mit dem Henker. Ein Umstand der zu den wenigen gehört, welche mir nicht egal sind, auch wenn ich mir selbst nicht erklären kann warum. Vielleicht weil ich mir dann vollends eingestehen müsste, entgültig verloren und nichts bewirkt zu haben, in all den Kämpfen die ich bis hier hin bestanden habe. Ich selbst, rede mir ein dem Tod so empfangen zu wollen wie ich in all der Zeit gelebt und exestiert habe, kämpfend mit einem Gegner um unsere Leben ringend. Vielleicht ist dies, das letzte bisschen Stolz, dass mir geblieben ist und der letzte Wille, dass letzte Ziel einer sterbenden Seele.

23. Alatner 252

Verfasst: Mittwoch 23. Dezember 2009, 18:53
von Marcus Connor
Ich habe mich gestern nach Bajard begeben. Jenem kleinen Dorf am Rande Gerimors, dass mein Dienstherr eine kurze Zeit lang engagiert gegen die Übergriffe Rahals, gegen den Zugriff der Totenpriester und gegen die Willkür von Räuberbanden zu verteidigen gesucht hatte. Auf sein geheiss hin, sind wir in die Wehr eingetreten als er zum Hauptmann jener spärlich ausgerüsteten Miliz erhoben wurde und hatten einige knappe Monde lang nach bestem Wissen unseren Dienst für das Dorf abgeleistet.
Natürlich war es nichtmal im Ansatz mit meinem Dienst für das Herzogtum damals in Faerlan vergleichbar, dennoch hatte ich kaum Schwierigkeiten mich in jene Rolle einzufinden und diese Aufgabe gewissenhaft zu erfüllen auch wenn es nicht von Dauer war.
Ich weiss garnicht weshalb mich meine Füße dort nocheinmal hingetragen haben, aber dies ist auch nicht entscheidend. Entscheidend ist, dass mich das kurze Gespräch das ich mit einer gewissen Lady de Vyr führte, zum nachdenken brachte. Oder sagen wir besser mich über eine Frage nachdenken liess, die ich mir selbst bisher nicht stellte.
In diesem Gespräch fragte sie mich, warum ich die Gesellschaft von Damen so vehement ablehnen würde, woraufhin ich sie korrigierte indem ich ihr offenbarte dass es sich nicht allein auf die Gesellschaft von Damen beschränken würde.
In der Tat liegt mir nichts an meinen Mitmenschen, weder im guten noch im schlechten. Mir liegt nichts an ihren Schicksalen, an ihren Wünschen, Träumen oder Ängsten, sie sind mir alle schlichtweg egal. Selbst mein Söldnerdasein und mein Bestreben mit dem Rest meines Lebens, noch ein anderes zu retten, bevor ich mich dem Abgrund stelle der sich Tod nennt und den ich mir in meinem Leben selbst gegraben habe, tue ich nur für mich selbst. Mir ist egal, wen ich rette, ob einen Gauner, Schurken, Helden oder König, ob Mann, Frau, Kind oder Greis. So wie es mir damals egal war, wen oder was ich tötete, ist mir es nun egal für wen ich mein Leben gebe.
Und eben diese Lethargie ist es wohl die mich weder zu einer besonders angenehmen Gesellschaft für mein Umfeld macht, noch mich irgendwelches Interesse an all den Dingen haben lässt, nach welche soviele Menschen in ihrem Leben streben. Macht, Reichtum, Familie, Frieden, Krieg, Lust, Liebe, Glaube, Freundschaft, Aufregung und Abenteuer ... Dinge die mir selbst einmal wichtig wahren, doch jetzt für mich nicht mehr Wert haben als das Produkt menschlicher Notdurft.
Die Frage nach dem Warum jedoch hatte ich mir noch nicht gestellt. Selbst jetzt wo ich genug Zeit hatte darüber nachzudenken, fallen mir nur ungenügende Erklärungen ein.
Ich habe versucht zu ergründen was anders war, früher meine ich. Albertus und ich haben nach unserer Schicht oft im Tala gesessen und den Tag mit einem warmen Bier ausklingen lassen. Wir haben vielen Röcken hinterher geschaut, welche diese lebhafte Taverne betraten oder verliessen und die Behaglichkeit genossen und egal was man uns Angeboten hätte, wir währen in diesen Momenten an keinem Ort lieber gewesen als genau dort, in dieser Taverne, zu Zweit bei einem guten Bier uns das Maul über alles zerreissend, was uns in den Sinn kam.
Wenn ich nun eine Taverne betrete, mir was zu essen und zu trinken bestelle dann ist es allenfalls die physische Wärme des gut geheizten Raumes und der steile Gegensatz zu den eisigen Temperaturen dort draussen, was mich in dieser Taverne hält.
Das Gefühl, die Empfindung des Wohlfühlens und der Behaglichkeit ist verschwunden und nicht das beste Bier und das beste Essen als auch die angenehmste Gesellschaft schaffen es, dieses Gefühl in mir hervorzurufen, ganz so als sei es einfach nicht mehr vorhanden, als hätte man es aus meinem Herzen gerissen und in der nächsten Gosse geworfen.
Ohne dies, fällt es mir schwer die Gesellschaft anderer in ihrem Bestreben nach einem der genannten Dinge, nicht als Störung zu empfinden. All ihr Streben, ihre Worte welche von gefühlten als auch gespielten Emotionen triefen und ihre Versuche andere Menschen kennen zu lernen, sie mehr oder minder für die eigenen Ziele zu benutzen indem man sie zu manipulieren sucht oder Hilfe gibt und Hilfe annimmt, all das dieses Spiel das viele leichtfertig Leben oder menschliches Streben nennen, ist in meinen Augen bloße Zeitverschwendung.
Manchmal versuche ich mir vorzustellen, wieviel mehr wirklich passieren könnte, wenn die Menschen mehr handeln würden, als alles in diesem Geflecht aus Bindungen, sowohl positiver als auch negativer Art, erst durchsieben zu lassen. Für und Wider immer wieder aufs neue abzuwägen und dann noch die Meinung eines weiteren Querdenkers hinzuzuhohlen der das eigentliche Problem nicht löst, sondern nur noch komplizierter macht.
Soetwas gibt es bei mir nicht. Ich stelle mich als Söldner zur Verfügung und fürs Söldnertum werde ich bezahlt, also arbeite ich als eben dieser, nicht mehr und nicht weniger. Ich werde nicht dafür entlohnt, eine gute Gesellschaft zu sein, noch dafür mich mit anderen Menschen gut oder schlecht zu verstehen, ich werde dafür belohnt, meinen Dienstherren zu beschützen und eventuell seine Feinde zu bekämpfen. Das ist der ganze Sinn meines daseins, braucht es noch mehr?
Man mag vielleicht argumentieren, dass andere Menschen helfen können die einem gestellte Aufgabe besser zu erledigen aber dem kann ich auch entgegen setzen, dass jene andere Menschen auch dafür verantwortlich sein können, dass die Arbeit schlechter erledigt wird.
Besser, schlechter .. noch zwei Dinge die für mich nur wenig Bedeutung haben. Ich habe nicht mehr den Anspruch an mich selbst, der Beste zu sein. Ich bin einer von vielen und das genügt mir, ob es meinen Dienstherren immer genügt müssen sie selbst entscheiden. Ich erfülle meinen Dienst gewissenhaft und loyal, nach meinen besten Kräften und das muss reichen.
Für mich und das letzte was mir noch wichtig ist, reicht es allemal ...