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Der Tod lauert überall...

Verfasst: Freitag 11. Dezember 2009, 19:52
von Keriot
...auch du könntest morgen tot aufwachen. Einfach so!


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Die Szenerie: Ein kühler Morgen im Spätherbst. Im Wald, als die Sonne gerade aufging lag ein Mann angelehnt an eine mächtige Eiche. Das Lagerfeuer hatte er soeben wieder entzündet und steckte sich nun eine Pfeife an. Seine Kleidung war alt und abgetragen, seine Siebensachen trug er in einem unansehnlichen Sack mit sich herum. Niemand hätte ihm ansehen können, wovon er eigentlich geflohen war. Diese Albträume, pflegte er im Halbschlaf zu klagen, aber nie war jemand da, um ihn zu hören.
Die Pfeife dampfte nun vor sich hin. In der Kälte des noch jungen Tages tat es gut den warmen Pfeifenrauch einzuatmen. Auch den immer wieder an ihm nagenden Hunger konnte der Tabak vergessen machen. Viel hatte der Reisende zurückgelassen. Gelegentlich, so dachte er nun wieder, hat er an reich gedeckten Tischen gesessen. Vielleicht sogar mit Generälen, das hatte er wiederum vergessen. Er gähnte lange und tief.

Beim Aufstehen knabberte er noch an einem Apfel und warf ihn dann weg. Der Wasserschlauch war wieder leer, er musste eine Quelle suchen. Wie war denn dies mit alten Liedern? - Durfte er überhaupt, da er nun geflohen war? Aber wenn es doch klappte - und das tat es.
Er hebte langsam ab vom Boden, fasste den Wasserschlauch in seine langen Krallen und flatterte auf einen fetten Ast, dann höher und höher und endlich sah er die Baumkronen. Hier draußen war der erste Schnee schon gefallen und man sah nicht einmal mehr die Wanderwege, die hoffentlich weit, weit weg waren von seinem Lagerplatz. Ein Bach, der noch nicht vereist war, plätscherte nur einen Steinwurf weiter vor sich hin.
Auf der Lichtung am Bach sackte der Wanderer in die Knie. Man musste sich immer etwas anstrengen, wenn man gerade geflogen war, die Schwerkraft ist plötzlich so anders. Er sah sich um. Weit und breit Stille, ein Hase hüpfte von der weißen Flur ins Dickicht. Vielleicht würde er heute Abend ja einen Hasen fangen. Vielleicht.

Der Wasserschlauch lag gleich neben ihm. Er nahm ihn auf und ging zum Bach. Die Steine waren mit dünnem Frost bedeckt und sehr glitschig. Sei's drum, dann musste er halt vorsichtig sein. Der Schlauch füllte sich sehr schnell, wenn man ihn gegen die Strömung hielt und dann - einmal den Fuß unsicher gesetzt und es war zu Ende. Das ganze Bein rutschte aus, das Knie knallte gegen den Stein, der Oberkörper schwankte und fiel bald selbst ins kühle Nass, den Kopf voran und gegen die scharfe Kante des Felsens. So schnell war es vorbei. Und wenn ihr euch jetzt nach der Moral fragt, was euch die Geschichte sagt, dann liest gut hin oder hört gut zu, denn die Moral von der Geschicht': stell dich auf glitsch'ge Steine nicht!