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Berchgard ade, Scheiden tut weh...

Verfasst: Samstag 28. November 2009, 10:53
von Mio Llastobhar
Sie stand am Heck des Schiffes und konnte nicht umhin sich rasch zwei, drei Tränchen von der Wange zu wischen, als sie die silberblau glänzenden Türme der Dornenfeste langsam im Morgennebel verschwinden sah. Wie hatte sie es zuerst hier gehasst, wie sehr war sie sich sicher, dass Shanna, Cathal.. ach eigentlich jeder ihrer Verwandten, von Nanna und Dari engagiert worden waren, um den Zwillingen das Leben schwer zu machen.

Wenig wusste das Mädchen auch heute noch von den Sorgen ihrer Mutter und ihres Vaters. Nie hatte sie die Gefahr verstanden und war sich sicher gewesen, dass ihr "Großonkel Kailen" doch gar kein so schlimmer Mann war, wie alle immer hinter vorgehaltener Hand - denn offen sprach nur ihre Mutter über ihn und dies stets mit einem Funken brennenden Zorns uns Hass in den nebelgrauen Augen, den sie sonst bei der sanften Frau nicht kannte - tuschelten. Er hatte ihr Dinge des Lieds in nur einer Nacht gezeigt, die sie nie bei ihrem Vater oder auch der Mutter gesehen hatte. Noch immer war sich das junge Fräulein sicher, dass Kailen damit mächtiger und vielleicht gar weiser als die geliebten Eltern war.

Aber selbst die Gedanken an jenen Großonkel waren verblasst in den letzten beiden Jahren, die sie in der Feste verbracht hatten. Nur zweimal im Jahr war man zurück auf die Insel des ew'gen Sommers gekehrt und hatte die eigene Familie besucht. Sicher war es schön gewesen sich über Eoineth erste Schritte und dessen Geplapper zu freuen, natürlich hatte sie, das Vaterkind, es genossen in die starken Arme ihres geliebten "Daris" Feoras zu tauchen und hatte frech darüber gewitzelt, dass sie ihre kindlich-kleine Mutter bald im Wachstum übertrumpft hatte und dann...

... dann hatte sie sich nach vier oder fünf Wochen in der Heimat doch wieder auf Gerimor gefreut, auf Berchgard und die wunderschöne Dornenfeste, auf Linnets Leckereien und ganz besonders auf Shanna, welche ihr wie eine große Schwester oder manchmal gar wie ein Mutterersatz geworden war. Sogar der zu Beginn als "grauenhaft" abgestempelte Schnee war nicht mehr ihr Feind, sondern eben ein kleines Wunder namens Winter, welches es in Tiaresh nicht gab. Das alles glitt nun mehr und mehr in diesen Nebel und entzog sich nicht nur ihrer Sicht, sondern auch ihr allgemein. Das Boot trug sie fort, vorerst zurück nach Tiaresh und dann irgendwann in die Königsstadt... man wollte ja nur das Beste für ihre Ausbildung.

Irgendwo hatte die Erwachende stets gedacht, dass sie unter Onkel Demoars Fittichen den Umgang mit dem Lied erlernen würde, doch dachten die Eltern anders. Wie sehr "anders" konnte das Mädchen ein weiteres Mal nicht erahnen. Sie wusste nicht, dass ihr Zwilling dem Ruf des Liedes auf andere Art und Weise folgen wollte und dass sie eine eigene Lehrerin außerhalb der Königsstadt bekommen würde, welche bei der Bevölkerung als seniles Kräuterweiblein in der Waldhütte galt und doch so viel mehr war. Weder Mio noch Lir sollten im Laufe ihrer Ausbildung zu Magiern heranreifen, sondern das Lied anders, impulsiver, lebendiger begreifen... auf zwei verschiedenen und doch nahen Wegen, die sie einmal wieder als wahre Gegenstücke definieren sollten.

Aber selbst diese Erkenntnis hätte dem Mädchen gerade in diesem Moment nichts gebracht, denn es nahm Abschied und wollte nicht nach vorne, sondern in Liebe und Andenken, leise zurück schauen.... und so stand sie am Heck, bemerkte wie auch die Küste im Nebel versank - und weinte.