Jugendjahre
Verfasst: Donnerstag 26. November 2009, 17:59
Kindheitstage...
Die Sonnenstrahlen stachen in die Menschenmasse. Staub hing in der Luft und legte sich wie ein dichter Schleier über die zahlreich erschienen Menschen. Alle hatten sie sich vor der gigantischen Kirche versammelt, die hier wie ein mächtiger Fels aus dem Meer von Häusern ragte. Ein einschlägiges Mahnmal und ein stummer Zeuge der Macht der Glaubensgemeinschaft Temoras.
An diesem Tag jedoch, anders als sonst, waren die Pforten der Kirche mit zwei massiven Holztoren versiegelt. Dafür hatte man direkt vor den Stufen zur Kirche ein beeindruckendes Podest aufgebaut. Eine unbestimmte Zahl von Männern in goldenem Rüstzeug machten sich zwei Galgen zu schaffen. Eine einzelne Gestalt in einer fliesenden Gewandung von einem hellen Blau verlas eine Predigt und sparte dabei nicht an mahnenden und anklagenden Worten. Ihre Worte waren ein offener Aufruf gegen die Anhänger des sogenannten Brudermörders. Sie, so sagte er, galt es wie eine ungewünschte Zecke aus dem sonst so reinen Fell der prächtigen Stadt Hagadun zu brennen.
Die Sonne hatte bereits den höchsten Punkt erreicht als die Predigt endlich ein Ende fand und man zur Verkündung eines gefällten Urteils überging. Es fiel der Name Rognar und die Menge schimpfte und wütete. Man kannte die Familie kaum und sie füllten eine unbedeutende Lücke in der Stadt. Als zweites fiel der Name Drugar. Das Schimpfen lies nach und die Menge verfiel in ein überraschtes Schweigen. Die Familie Drugar diente seit jeher den Truppen der Stadt und füllte einige Offiziersränge dieser. Nie war das Mitglied einer so bekannten Familie angeklagt und zum Tode wegen Ketzerei verurteilt worden.
Reglos wie zwei Statuen standen das kleine Mädchen und der etwas größere Knabe am Rand des Platzes. Ihre Gestalten lagen halb im Schatten verborgen, niemand nahm von ihnen Notiz. Der Knabe hatte die Augen geschlossen, dunkle Ringe lagen unter ihnen, die eine Hand war zur Faust geballt und bebte, während die zweite Hand die Hand des Mädchens fest umschlossen hatte. Sein Gesicht war angespannt, als würde er einen Kampf in seinem Inneren ausfechten. Die Lippen waren zu einem dünnen Strich zusammengepresst. Seine Brust war zu großen Teilen von einem weißen Leinenhemd bedeckt. Die Ärmel waren hochgekrempelt und man konnte eine für sein Alter überdurchschnittlich ausgeprägte Muskulatur erkennen. Das Mädchen an seiner Seite weinte leise.
Der Knabe war Eloriahus Drugar, man war soeben im Begriff dazu seinen Onkel zu hängen. An seiner Seite befand sich die junge Tochter der Familie Del’Mur, Aylia. Es war der Tag als Eloriahus schließlich sein Schicksal anerkannte und verstand warum er sein Leben lang kämpfen müsste. Die Jünger Alatars waren dazu gezwungen ihren Glauben in der Öffentlichkeit zu verbergen und sich im Untergrund zu organisieren. Sie hatten aufbegehrt, stärker als jemals zuvor und nun erst hatte der Krieg wirklich begonnen. Die Würfel waren gefallen. Heute würden sein Onkel und ein weiteres Mitglied der Untergrundbewegung ihr Leben für Alatar lassen. Doch ihr Leben würde nicht vergebens genommen worden sein und es würde um ein vielfaches gerächt werden. Wir sind Diener Alatars… und für ihn wollen wir unser Leben mit Wohlgefallen geben…
Jahre später...
Die prunkvollen Gebäude des Händlerbezirkes warfen weite Schatten. Man war in der Nacht kaum dazu in der Lage die eigene Hand vor den Augen zu erkennen und nur die wenigsten Straßen waren dieser Tage beleuchtet. Entsprechend war man daran gewöhnt mit Einbruch der Nacht die Türen gut zu verriegeln und die Fensterläden zu verschließen. Es waren Tage in der mehr Gesindel auf den Straßen brütete als sogenanntes ehrbares Volk. Der goldene Adler der Gläubigen Temoras prangte auf der Turmspitze des höchsten Baus der Stadt, eine mächtige Kathedrale. Ein fadenscheiniges Symbol alter Stärke. Nie in der Geschichte Hagadungs hatten die Glaubensdiener Alatars mehr aufbegehrt. Seit Ewigkeiten in den Untergrund zurückgeschlagen und aus der Erinnerung der Meisten verbannt, war die Glaubensgemeinschaft wider auferstanden. Krieg herrschte in den Gassen und mit jedem Tag geriet die Stadtwache mehr in Bedrängnis. Zu Beginn waren es nur wenige, vereinzelte Morde gewesen, doch was dann noch kommen sollte würde die gesamte Stadt erschüttern. Ein Schrei hallte in den Gassen des Händlerbezirks wider. Es dauerte einen Moment ehe einige Rufe folgten. Menschen strömten in die dunklen Gassen und entzündeten Fackeln. Wut, aber auch Angst war in ihren Gesichtern zu lesen. In der Ferne schlugen feine Eisenbeschläge von einem Paar Sandalen auf dem Kopfsteinpflaster ein. Klack, Klack, Klack… ein ausdauerndes und gleichmäßiges Rennen. Die tobende Menge folgte und verteilte sich in den zahllosen Gassen.
Die geordnete Ruhe des Tempels war wie eine kühle Brise. In den frühen Geburtstagen der Stadt Hagadun angelegt schlang er sich durch ihr Erdreich. Ein pikantes Geheimnis, gehütet und bewahrt seit vielen Generationen. Eloriahus blieb in einem der weitläufigen Gänge stehen. Sein jugendlicher Körper war von feinen Schweißperlen bedeckt und schien geradezu zu fiebern. Ein dünnes ledernes Wams bedeckte den wohl ausgeformten Brustkorb, ein Kurzschwert hing lose an seiner Seite herab und Blut tropfte von der Schwertspitze herab auf den blanken Stein. Eloriahus schloss die Augen und legte den Kopf zurück in den Nacken. Langsam nur begannen sich seine Muskeln zu entspannen und sein Atem abzuflachen. Die vorherrschende Ordnung lies ihn allmählich wieder klare Gedanken fassen und die so tiefsitzende Vertrautheit der Anlage spendete ihm nicht nur Trost, sie bestätigte ihm sogar in seinem Handeln.
Nichts hatte sich hier verändert. Eloriahus hatte den ersten Menschen in seinem jungen Leben getötet und es war so viel einfacher gewesen als erwartet. Die Furcht davor, dass sein Handeln die Glaubensgemeinschaft ins Verderben gestürzt und sie verraten hätte klang ab. Warum hätte das auch passieren sollen… der Tod war allgegenwärtig in diesen Tagen. Ein dümmlicher und kindlicher Gedanke. Er hatte den Ketzer getötet. Wie hatte er es auch wagen können den Namen des Einen zu missbrauchen und zu besudeln? Wie hatte er es wagen können vor zwei Tagen seinen jüngeren Bruder Ulrik zu malträtieren und zu verhauen? Doch irgendwo in seinem Inneren verspürte er auch eine Art von Dank für die schneidenden Worte und die brutale Tat. Waren es schließlich die letztendlichen Auslöser für sein Tun. Nun wo er erstmal Einen von ihnen getötete hatte… was würde es da schon noch ausmachen einen Zweiten, einen Dritten einen Vierten… zu töten. Er stand all den Anderen die bereit waren für ihren Glauben, für den All-Einen zu töten nun in nichts mehr nach. Sein Durst war geweckt. Eloriahus wollte Rache üben für all das was seine Familie, seine Glaubensbrüder und natürlich auch er selbst ertragen mussten. Und dafür wollte er nicht nur einfach streben und arbeiten, sondern auch töten! Mit blutiger Klinge wollte er den Willen des All-Einen verbreiten… er hatte die letzte natürliche Blockade abgebaut. Er wollte ein Werkzeug des Herrn sein und sich so fügen wie er ihm am besten dienen würde.
Die Sonnenstrahlen stachen in die Menschenmasse. Staub hing in der Luft und legte sich wie ein dichter Schleier über die zahlreich erschienen Menschen. Alle hatten sie sich vor der gigantischen Kirche versammelt, die hier wie ein mächtiger Fels aus dem Meer von Häusern ragte. Ein einschlägiges Mahnmal und ein stummer Zeuge der Macht der Glaubensgemeinschaft Temoras.
An diesem Tag jedoch, anders als sonst, waren die Pforten der Kirche mit zwei massiven Holztoren versiegelt. Dafür hatte man direkt vor den Stufen zur Kirche ein beeindruckendes Podest aufgebaut. Eine unbestimmte Zahl von Männern in goldenem Rüstzeug machten sich zwei Galgen zu schaffen. Eine einzelne Gestalt in einer fliesenden Gewandung von einem hellen Blau verlas eine Predigt und sparte dabei nicht an mahnenden und anklagenden Worten. Ihre Worte waren ein offener Aufruf gegen die Anhänger des sogenannten Brudermörders. Sie, so sagte er, galt es wie eine ungewünschte Zecke aus dem sonst so reinen Fell der prächtigen Stadt Hagadun zu brennen.
Die Sonne hatte bereits den höchsten Punkt erreicht als die Predigt endlich ein Ende fand und man zur Verkündung eines gefällten Urteils überging. Es fiel der Name Rognar und die Menge schimpfte und wütete. Man kannte die Familie kaum und sie füllten eine unbedeutende Lücke in der Stadt. Als zweites fiel der Name Drugar. Das Schimpfen lies nach und die Menge verfiel in ein überraschtes Schweigen. Die Familie Drugar diente seit jeher den Truppen der Stadt und füllte einige Offiziersränge dieser. Nie war das Mitglied einer so bekannten Familie angeklagt und zum Tode wegen Ketzerei verurteilt worden.
Reglos wie zwei Statuen standen das kleine Mädchen und der etwas größere Knabe am Rand des Platzes. Ihre Gestalten lagen halb im Schatten verborgen, niemand nahm von ihnen Notiz. Der Knabe hatte die Augen geschlossen, dunkle Ringe lagen unter ihnen, die eine Hand war zur Faust geballt und bebte, während die zweite Hand die Hand des Mädchens fest umschlossen hatte. Sein Gesicht war angespannt, als würde er einen Kampf in seinem Inneren ausfechten. Die Lippen waren zu einem dünnen Strich zusammengepresst. Seine Brust war zu großen Teilen von einem weißen Leinenhemd bedeckt. Die Ärmel waren hochgekrempelt und man konnte eine für sein Alter überdurchschnittlich ausgeprägte Muskulatur erkennen. Das Mädchen an seiner Seite weinte leise.
Der Knabe war Eloriahus Drugar, man war soeben im Begriff dazu seinen Onkel zu hängen. An seiner Seite befand sich die junge Tochter der Familie Del’Mur, Aylia. Es war der Tag als Eloriahus schließlich sein Schicksal anerkannte und verstand warum er sein Leben lang kämpfen müsste. Die Jünger Alatars waren dazu gezwungen ihren Glauben in der Öffentlichkeit zu verbergen und sich im Untergrund zu organisieren. Sie hatten aufbegehrt, stärker als jemals zuvor und nun erst hatte der Krieg wirklich begonnen. Die Würfel waren gefallen. Heute würden sein Onkel und ein weiteres Mitglied der Untergrundbewegung ihr Leben für Alatar lassen. Doch ihr Leben würde nicht vergebens genommen worden sein und es würde um ein vielfaches gerächt werden. Wir sind Diener Alatars… und für ihn wollen wir unser Leben mit Wohlgefallen geben…
Jahre später...
Die prunkvollen Gebäude des Händlerbezirkes warfen weite Schatten. Man war in der Nacht kaum dazu in der Lage die eigene Hand vor den Augen zu erkennen und nur die wenigsten Straßen waren dieser Tage beleuchtet. Entsprechend war man daran gewöhnt mit Einbruch der Nacht die Türen gut zu verriegeln und die Fensterläden zu verschließen. Es waren Tage in der mehr Gesindel auf den Straßen brütete als sogenanntes ehrbares Volk. Der goldene Adler der Gläubigen Temoras prangte auf der Turmspitze des höchsten Baus der Stadt, eine mächtige Kathedrale. Ein fadenscheiniges Symbol alter Stärke. Nie in der Geschichte Hagadungs hatten die Glaubensdiener Alatars mehr aufbegehrt. Seit Ewigkeiten in den Untergrund zurückgeschlagen und aus der Erinnerung der Meisten verbannt, war die Glaubensgemeinschaft wider auferstanden. Krieg herrschte in den Gassen und mit jedem Tag geriet die Stadtwache mehr in Bedrängnis. Zu Beginn waren es nur wenige, vereinzelte Morde gewesen, doch was dann noch kommen sollte würde die gesamte Stadt erschüttern. Ein Schrei hallte in den Gassen des Händlerbezirks wider. Es dauerte einen Moment ehe einige Rufe folgten. Menschen strömten in die dunklen Gassen und entzündeten Fackeln. Wut, aber auch Angst war in ihren Gesichtern zu lesen. In der Ferne schlugen feine Eisenbeschläge von einem Paar Sandalen auf dem Kopfsteinpflaster ein. Klack, Klack, Klack… ein ausdauerndes und gleichmäßiges Rennen. Die tobende Menge folgte und verteilte sich in den zahllosen Gassen.
Die geordnete Ruhe des Tempels war wie eine kühle Brise. In den frühen Geburtstagen der Stadt Hagadun angelegt schlang er sich durch ihr Erdreich. Ein pikantes Geheimnis, gehütet und bewahrt seit vielen Generationen. Eloriahus blieb in einem der weitläufigen Gänge stehen. Sein jugendlicher Körper war von feinen Schweißperlen bedeckt und schien geradezu zu fiebern. Ein dünnes ledernes Wams bedeckte den wohl ausgeformten Brustkorb, ein Kurzschwert hing lose an seiner Seite herab und Blut tropfte von der Schwertspitze herab auf den blanken Stein. Eloriahus schloss die Augen und legte den Kopf zurück in den Nacken. Langsam nur begannen sich seine Muskeln zu entspannen und sein Atem abzuflachen. Die vorherrschende Ordnung lies ihn allmählich wieder klare Gedanken fassen und die so tiefsitzende Vertrautheit der Anlage spendete ihm nicht nur Trost, sie bestätigte ihm sogar in seinem Handeln.
Nichts hatte sich hier verändert. Eloriahus hatte den ersten Menschen in seinem jungen Leben getötet und es war so viel einfacher gewesen als erwartet. Die Furcht davor, dass sein Handeln die Glaubensgemeinschaft ins Verderben gestürzt und sie verraten hätte klang ab. Warum hätte das auch passieren sollen… der Tod war allgegenwärtig in diesen Tagen. Ein dümmlicher und kindlicher Gedanke. Er hatte den Ketzer getötet. Wie hatte er es auch wagen können den Namen des Einen zu missbrauchen und zu besudeln? Wie hatte er es wagen können vor zwei Tagen seinen jüngeren Bruder Ulrik zu malträtieren und zu verhauen? Doch irgendwo in seinem Inneren verspürte er auch eine Art von Dank für die schneidenden Worte und die brutale Tat. Waren es schließlich die letztendlichen Auslöser für sein Tun. Nun wo er erstmal Einen von ihnen getötete hatte… was würde es da schon noch ausmachen einen Zweiten, einen Dritten einen Vierten… zu töten. Er stand all den Anderen die bereit waren für ihren Glauben, für den All-Einen zu töten nun in nichts mehr nach. Sein Durst war geweckt. Eloriahus wollte Rache üben für all das was seine Familie, seine Glaubensbrüder und natürlich auch er selbst ertragen mussten. Und dafür wollte er nicht nur einfach streben und arbeiten, sondern auch töten! Mit blutiger Klinge wollte er den Willen des All-Einen verbreiten… er hatte die letzte natürliche Blockade abgebaut. Er wollte ein Werkzeug des Herrn sein und sich so fügen wie er ihm am besten dienen würde.