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Eine Tat macht noch keinen Helden aus...

Verfasst: Freitag 20. November 2009, 23:04
von Leah Katuri
Milady kommt bald zurück...

Die Worte waren eine schlichte Formulierung. Eine Feststellung und Sachlage, die man in jeder Hinsicht als Fakt nehmen konnte. Was man mit dieser Aussage machte und wie sie aufnahm, lag je im Auge des Betrachters.
Natürlich hatte sie Hoheit und Milady vermisst. Es fehlte etwas, wenn es allzu ruhig im Haus war und das gewohnte Chaos nicht ausbrach, dass gern vorherrschte, wenn Luca wieder irgendetwas angestellt, Viola wieder in Bajard gewesen und sich mit Bier nur so abgefüllt und Cyrion währenddessen wieder einmal eine Glaubensdebatte in Frage stellte. Es war nicht so, dass das Haus einer vollkommenen Ruhe unterstellt worden war; natürlich gab es auch ohne die hohen Herrschaften mal einen Taubenschlag am Anwesen, doch sie waren seltener, geringer und von wesentlich ruhigerer Natur.
Und doch hatten die ständigen Ablenkungen die Zeit an ihr vorbeisausen lassen und sichtlich dafür gesorgt, gewisse Dinge....zu verdrängen.
Der Satz, die Gewissheit, dass Milady bald zurück wäre, war wie ein Schlag, der sie durchfuhr. Sie wusste, würde sie nicht vor der Ankunft Miladys die Aufgabe beenden, die ihr während der Abreise zugeordnet war, so würde sich ihre Mentorin sichtlich fragen, womit sie die Zeit verbracht hatte. Oder vielmehr, was wichtiger sei als die Tatsache, sich mit den gestellten Aufgaben zu beschäftigen. Nun, man konnte nicht ganz behaupten, dass sie die Aufgabe nicht hatte ganz vergessen: Sie hatte sich sichtlich und redlich um die Beseitigung des Schreins der Brudermörder bemüht und der Orden strebte nun eine Zerstörung dessen an. Nur hatte das dafür gesorgt, dass man ihren Namen nun besser kannte und sie mit bestimmten Dingen in und um Adoran verband? Sie wusste es nicht... Doch die schlimmste Aufgabe stand ihr noch bevor: Vergangene Situationen reflektieren und auf das Papier bringen.

Sie hatte sich früh aus dem Bett geschält, nachdem sie am Abend zuvor bereits alte Briefe rausgesucht und in die Bibliothek gebracht hatte. Direkt nach der Morgenmesse führte der Weg sie an den alten Sekretär, die Finger suchten Papier und Federkiel, um im nächsten Zuge die Briefe aus einer weiteren Schublade herauszuholen. Es war an der Zeit, in die Vergangenheit zu sehen und aufzuschreiben, welche Situationen sie bereits erlebt hatte:

Das Jahr 250:

Erreichen des Landes Gerimor durch eine mehrtägige Schifffahrt vom Festland aus.
Durch das Kennenlernen Sir Ian Vondrans eine rasche Annäherung an den Orden der Temora und dessen Grundlehren der heiligen Lichtbringerin. Bereits im Schwalbenkunft wurde eine Stube im Orden bezogen, nachdem kurzzeitig Unterschlupf gefunden worden war bei einer alten Bekannten vom Festland aus.

Im Cirmiasum ereignete es sich, dass bei einem gemeinsamen Gang in das Hügelgrab mit den Ordensbrüdern und dem Paladin Lefar, ein Dämon die Gruppe aufhielt und den Kampf suchte. Im Zuge dessen wurde der damalige Ordensbruder Sandroval schwer verletzt, einige andere waren ebenso in die Fänge des Dämons geraten. Als auch für den Paladin die Gefahr vorherrschend war, wurde der Dämon letztlich durch die eigene Klinge niedergestreckt.
Im weiteren Verlauf musste ein Artefakt besorgt werden, um den Ordensbruder retten zu können, welches vor allem durch den Paladius erreicht werden konnte.

Wenige Tage später im gleichen Monatsverlauf wurde das Kloster durch Anhänger des Brudermörders angegriffen. Ausführung des Wachpostens die Nacht hindurch und im Zuge dessen die weitere Bewachung des Klosterfeuers und der Mauern. Kurze Zeit darauf nahm der Orden meine Person als Schild des Ordens auf.

Das Jahr 251:

Im Wechselwind des Jahres wurden die diplomatischen Gebiete neu aufgeteilt, um Bruder Laskelin, Diplomaten des Ordens, zu entlasten. Hierbei wurden meinerseits die Grenzen zu Varuna zugeordnet...

Die Feder hielt inne, als sie die Zeilen verfasste. Ja, sie hatte damals eine Menge Glück gehabt, wenn man es so betrachtete. Sie hatte das erste halbe Jahr damit verbracht, die Buchstaben zunächst schreiben zu lernen und Bücher langsam beginnend lesen zu können. Sie hatte mit Feuereifer damals helfen wollen und hatte sich im Eigentlichen sogar überschätzt. Wer hätte schon ahnen können in diesem Leichtsinn, dass nicht nur guter Wille, sondern auch gute Worte für diplomatische Geschicke wichtig waren? Völlig überfordert hatte sie sich alte Schreiben angesehen, die in den Archiven des Ordens akribisch sortiert worden waren. Und letztlich...hatte sie sich jener Worte bedient und sie abgeschrieben, Formulierungen einfach übernommen und so die perfekte Illusion geschaffen für jeden Außenstehenden. Mit dem Lernen bei Milady fiel nur irgendwann die Schwäche im Lesen auf und...der Trick fiel durch ihr Geständnis auf. Es wunderte sie bis heute, dass Milady eher amüsiert darüber war als nachtragend. Doch auf die Liste musste es sicher nicht, sodass sie mit der nächsten Zeile fortfuhr:

Im Eluviar wurde die Tätigkeit als Hauswächterin im Haushalt Elbenau aufgenommen, zusammen mit dem Ordensbruder Tiberias Lefar, Sohn des Paladin Lefars. Im Zuge dessen erste und unangenehme Begegnungen mit dem Volk der Anguren, welche sich seit jenem Jahr im Krieg mit der Grafschaft Hohenfels befindet.

Im Monat des Schwalbenkunft wurde aufgrund unterschiedlicher Grundperspektiven und Grundansichten die Entscheidung gefällt, den Orden zu verlassen und einen eigenen Weg zu wählen.

Im Ashatar des Jahres wurde während einer „versteckten Ermittlung“ in Bajard eine Konfrontation mit Dienern des Brudermörders, sowie zwei Letharen und außenstehenden Rabendienern unvermeidbar. Es kam zur Auseinandersetzung, in der Fräulein Liralia schwer verletzt wurde und in letzter Sekunde von mir aus der Situation herausgeholt wurde.


Wieder hielt die Feder inne und sie atmete tief durch. Sie beide waren damals mehr als dumm und naiv gewesen. Zwei Mädchen, die von heute auf morgen der festen Überzeugung waren, dass sie Verbrecher fangen könnten, indem sie sich in einfachen Klamotten durch die Strassen Bajards bewegten und “unauffällig“ sich nach einem Grüni umhörten. Letztlich war es ihr Versteifen und das Durchströmen der eigenen Angst, dass die Gruppe vor Bajard sich auf sie beide gestürzt hatte wie hungrige Wölfe auf die Lämmer. Einige Worte wurden durchgestrichen, die Feder neu angesetzt:

und in letzter Sekunde von mir aus der Situation herausgeholt wurde...Durch einen Moment der Ablenkung konnte ich uns beide aus der Situation herausholen und am Anwesen vor Varuna Luca nach einem Heiler suchen lassen. Seine Hochgeboren von Dragenfurt hatte sich damals sowohl Fräulein Liralias, als auch meiner angenommen.

Im Goldblatt 251 wurde neben der Organisation und Bewirtung der Hochzeitsgesellschaft mit an dem Turnier teilgenommen, welches Lady Selissa von Appelthane organisiert hatte. Es gab keine nenneswerte Siegesplatzierung, dennoch kann behauptet werden, einen fast gleichberechtigten Kampf gegen seine Hoheit von Hohenfels durchgeführt zu haben. Im Zuge der Festlichkeiten traf meine Person auf einen Letharen und ließ mich auf eine Grundsatzdebatte über den Glauben und den Begriff „Wahrheit“ ein.


Raunend entließ sie die Luft und bewegte die Schultern leicht. Sie hatte damals die Möglichkeit gehabt, diese gespaltene Zunge zu töten; die Klinge lag bereits an der von ihm präsentierten Kehle...und doch war es in jenem Moment richtig, sich nicht auf jenes einzulassen. Der Hass hätte sie getrieben und der Zorn. Es wäre der erste Schritt in die falsche Richtung gewesen. Es war richtig, auch wenn es noch so verworren im ersten Augenblick sich anhören mochte.

Im Rabenmond des gleichen Jahres Entführung von José, Piratin. Auch hier wurden Grundsatzdebatten über den Glauben geführt und versucht, José in ihren Gedanken zu berichtigen, den rechten Weg zu erklären und deutlicher zu machen. Ob ein Funke davon in ihr geblieben ist, bleibt fraglich, allein die Tatsache, meine Person am Leben gelassen zu haben, zeugt davon, dass selbst im schlechtesten Menschen ein Licht aufglimmt.

Schwer fielen ihr die Zeilen und ebenso schwer, sie ohne Verurteilung zu schreiben. Die Tage auf der ihr unbekannten Insel während der Phase der Dunkelheit waren schwer und voller Schmerzen gewesen. Nicht nur die Verletzungen und das Fieber hatten ihr zugesetzt, sondern auch der Verstand wurde immer wieder auf den Prüfstand gesetzt seitens ihrer „Wächterin“ dort. Ständige Spielereien über Kopf oder Zahl, Lügengeflechte und ewig währende Diskussionen reihten sich zu wenigen Momenten der Ruhe ein. Doch die härteste Zeit war das Leben danach...das Vergeben der eigenen Schuld und der Schuld, die sich Milady gab.

Einige Briefe wurden durchgelesen, Kopien oder Originale, die sie noch hatte, während die Tinte auf dem Pergament trocknete. Der Blick huschte über die Zeilen, blieb bei einem Brief dann hängen. Ein Schreiben Malachais. Hörbar atmete sie ein, behielt die Luft Momente in der Lunge und entließ sie erst nach einem Moment. Sie hatte im Alatner eine Art...Fehde mit ihm begonnen gehabt. Es war die Zeit gewesen, in der er ihr endlich erzählt hatte, wer er wirklich war und was seine Aufgabe zu sein schien. Viel hatte sie versucht in der Zeit über die Schatten herauszufinden und ob man ihnen trauen konnte. Es war wohl eines der wenigen Sachen, die kein Mitglied im Anwesen wusste, gar aus ihr herausbekommen hatte. Einzig Cyrion war vertraut mit diesem Thema; als Bruder Malachais nur allzu verständlich. Nachdenklich glitt der Blick zu dem Pergament und zurück zum Schreiben. Nein, jenes würde seinen Weg nicht auf die Liste finden, auch wenn sie in der Zeit einiges gelernt hatte. Gelernt, dass Respekt nicht auf der Basis des Mögens liegen musste und man einander trotzdem sehen konnte...ohne sich an die Gurgel zu gehen in der nächsten Sekunde. Sie war auch bedächtiger gewesen, damals...im Umgang mit Malachai. Hatte versucht, beide Welten Cyrions zu akzeptieren und nebeneinander laufen zu lassen und indirekt gar miteinander zu verknüpfen. Doch jenes war eine persönliche Erfahrung, keine Tat, die Milady interessieren würde oder gar wissen sollte. Sie schwieg, wie man es gefordert hatte...und respektierte so den Bruder ihres ehemaligen Geliebtens.

Das Jahr 252:

Im Eisbruch kam es nach der Entführung des Oberst Kabo zu einer umfangreichen Suchaktion im Reich. Im Zuge dieser Überprüfung des Reichsgebietes und falscher...Vorstellungen wurde man nach einer hinfälligen Tarnaktion in Rahal mitsamt Cyrion Sha’Ars gefangen genommen. Es wurden keinerlei Informationen über das Reich oder den Haushalt weitergegeben.


Die Striemen auf den Rücken...sie waren jenes Andenken, welches sie stets beibehalten würde an jenem Aufenthalt in der Stadt, die sie eigentlich nie wieder sehen hatte wollen. Und doch war sie bei dem Gefecht gegen Rahal dabei gewesen, hatte die Truppen begleitet und die eigene Angst überwunden. Sie hatte sich wirklich entwickelt, ob sie es sich eingestehen wollte oder nicht...

Im gleichen Monat kam es zu einem Kirchengericht, in dem der damalige Hochgeboren von Avaryn angeklagt worden war und es um die Frage der Götter und dessen Betrachtweise ging. Eigene Überlegungen wurden nach Anordnung dazu ausgeführt und ausgeschrieben.

Im Lenzing des Jahres wurden mehrere Aufgaben aufgrund der aufkommenden und vor allem sich immer mehr anspannenden Kriegssituation übernommen. Durch die Landerschliessung im Osten wurde der geplante Palisadenbau in Adoran überprüft und begleitet.
Die Angriffe des Drachen Kryndlagors auf Varuna riefen Evakuierungsmaßnahmen auf den Plan und man wies an, zusammen mit einem Rekruten ein Lazarett aufzubauen. Letztlich nahm sich dessen jedoch die Allianz an, sodass man zumindest die Güterversorgung aus dem Kloster zu organisieren suchte.
Weiterhin wurde man auf Vaughain aufmerksam, der sich in jener Zeit aufs Reichsgrund herumtrieb und eine Konfrontation vor dem Kloster suchte. Er wurde in jener Nacht im Kloster unter Arrest gestellt, jedoch durch Paladina von Hohenfels in der darauffolgenden Zeit auf eigene Verantwortung wieder auf freien Fuß gesetzt.

Im Wechselwind war Vaughain wieder Gast des Klosters, diesmal als Verletzter. Angeblich wurde er von dem alatarischen Reich verbannt und geächtet und hinfortgetrieben worden. In einem Gespräch mit meiner Person gab er die Mitschuld an dem Brand auf das Anwesen zu. Die Nachricht wurde an das Regiment weitergeleitet, jedoch wurde kurze Zeit darauf der Anhänger des Brudermörders von Hochwürden Travier aus den Hallen des Klosters entlassen. Danach verliert sich die Spur des Mannes.
Im gleichen Monat wurde der Platz, an dem einst Temora Alatar besiegte, höchstwahrscheinlich von Brudermördern geschändet. Ich versuchte, eine rasche Erklärung für das Ganze zu finden und begleitete Hochwürden Travier zu einer Begutachtung des Platzes. Durch eine stattgefundene Messe zu Ehren der Herrin konnte der Platz letztendlich wieder in seinen ursprünglichen Zustand versetzt werden.


Die Feder wurde in das Tintenfass eingelassen, den Blick nachdenklich auf die Worte richtend. Stellen simmerten hell auf, reflektierten das Kerzenlicht, während nach und nach das blaue Nass auf dem Pergament zum Trocknen kam. Sie hatte es ausgelassen, dass sie einem Letharen begegnet war, nahe der Katakomben. Drohungen und Warnungen waren gegen Varuna ausgesprochen worden. Andeutungen, dass es mehr als einen Drachen geben würde, der die Stadt komplett zerstören würde...Bis heute war wohl nicht geklärt, ob der Drache Nachwuchs zur Welt gebracht hatte und jene Generation irgendwann wohl wieder auftauchen würde. Es blieb zu warten und zu beobachten.

Im Eluviar wurden die Neutralitätsvermittlungen seitens des Gebietes Bajards eher durch Zufall vernommen und angehört, ehe man dies an die Vogtin Varunas und Adorans weiterleitete. In diesem Zuge entschied man sich auch, bei der damaligen Hochgeboren von Dragenfurt ein Gesuch nach Unterricht im Benehmen zu stellen.

Im Ashatar übernahm man das Trauergeleit als Totenwache eines Mädchens namens Alea. Hierbei wurde vor allem auch auf den Schutz seiner Eminenz Hemmel geachtet...


Wieder wurde die Luft tief eingezogen, als die Worte auf das Papier gebannt waren. Was hatte es gebracht, an jenem Abend ihn zu schützen? Hätte sie nicht eher da sein sollen, als er es nötig gehabt hatte? An jenem Abend, als man ihn umbrachte und die Kirche Horteras verbrannte? Nicht immer konnte jemand verstehen, warum etwas so geschah und nicht immer wollte es in das rechte Bild passen. Es waren immer jene mit dem guten Herzen, die viel zu früh gingen und viel zu früh von der Erde wichen. Und doch musste man den Göttern vertrauen, darauf bauen, dass es den Seelen nun gut ging und sie ein Teil des Liedes waren, wie seit je her.

Im Goldblatt diesen Jahres wurde zu einer Großoffensive gegen das alatarische Reich aufgerufen. Um den Haushalt zu vertreten und für die Herrin zu streiten schloss ich mich jener Offensive an und folgte dem Befehl seiner Erlaucht von Arganta und Oberstleutnant von Goldenfall. In diesem Zuge gegen die Stadt Rahal wurde ein Großteil der Stadt niedergebrannt, darunter auch die Tempelanlage und die Hafenstadt, ebenso wurden mehrere Anhänger des Brudermörders niedergestreckt.
Ebenso bemühte sich meine Person um die weitergehende Entfernung des Schreines im Osten des Landes in der Schlucht. Zusammen mit Hochwürden Travier näherten wir uns dem Ort. Während der Zeremonie Hochwürdens erschien eine Ahad und versuchte das Ritual zu stören. In diesem Zuge diente man als Schild Hochwürdens und verteidigte das Leben in bestem Ermessen und mit den vorhandenen Fähigkeiten. Der Schrein konnte letztlich nicht entfernt werden; zu groß scheinen die Mächte selbst für einen einzigen Vertreter der Herrin Temoras...


Die Federspitze führte mit einem leisen Knickgeräusch den letzten Punkt aus, wurde langsam in die Halterung gestellt und dort zunächst belassen. Vorsichtig nahm sie das zuletzt beschriftete Pergament, pustete sachte über die Worte und prüfte sie ein weiteres Mal mit dem Blick. Die Gedanken flogen, überlegten...sie hatte mit Liralia einmal beim Schrein des Mitgefühls eine Schändung gefunden, jenen gesäubert und dann Milad informiert. Doch sollte sie jenes auch vermerken auf der Liste? War jenes nicht eher eine Selbstverständlichkeit für jemanden, der die Tugenden vertrat, der Herrin folgte und stets für das Richtige einstehen wollte? Selbst wenn sie es aufschreiben wollte...sie wusste nicht mehr, wann jenes geschehen war. Es musste kurz nach dem Übergriff in Bajard gewesen sein, als sie beide von den Letharen und dem Priester des Brudermörders überrascht worden waren. Im Searum 251? War es wirklich so nahe der Hochzeitsvorbereitungen gewesen? Die Stirn furchte sich und einzelne Strähnen fielen in die Stirn, als sie den Kopf schrägte. Sie war nicht sicher, sodass das Pergament nun umgedreht wurde und ein Vermerk gemacht wurde:

Ungefähr Searum 251, eventuell sogar Ashatar:
Bei einem Besuch der Schreine der Ehre und des Mitgefühls wird zusammen mit Fräulein Liralia Naudron eine Schändung des Schreines der Ehre entdeckt. Erste Maßnahmen und eine Grundreinigung werden sofort an der Stelle vorgenommen, ehe die Paladina informiert wird und überprüft werden kann, ob weitere Kräfte an diesem Ort gewirkt haben als der äußeren Verschmutzung.


Auch hier wurde vorsichtig über die Tinte gepustet, gewartet, bis die Buchstaben nicht mehr feucht glänzten und letztendlich nicht verschmieren würden. Sie konnte zufrieden sein...die Liste war vollendet, ehe Milady zurückgekehrt war. Vorsichtig schob sie die Blätter zusammen, schloss das Tintenfass und legte die eigenen Briefe unter die Auflistung. Sie würde die Liste erst überreichen, sobald Ruhe eingekehrt und die hohen Herrschaften auch richtig angekommen waren, die Briefe gesichtet und die letzten Ereignisse aufgeholt hatten vom Wissen her.

Geduld war schließlich eine Tugend...und eine Tat machte noch lange keinen Helden aus.