Der Panther
Verfasst: Dienstag 27. Oktober 2009, 21:53
Alle Augen ruhen auf Ihr, hingen an Ihren Lippen und nahmen die Anweisungen der folgenden Tage auf: „Landsknecht. Kümmert Euch um die Rattenplage.“, wies sie Jonath harsch an, ehe die ungewöhnlich hellen Augen des Hauptmannes sich weiter in Richtung der jungen Kriegerin Valmon bewegten: „Ihr schließt Euch Ihm an. Er wird Euch in allen Einzelheiten unterweisen.“. Die dunkle Stimme hallte an den steinernen Wänden des Versammlungsraumes wider und unterstrichen Ihre Autorität nur noch umso mehr. Ja, seit dem Tod des Hauptmannes de Foquet, war es Ihre Aufgabe sich um die Soldaten zu kümmern, Ihre Ausbildung zu betreiben und sich um alle möglichen Anliegen zu kümmern. Auf Ihrer Stirn zeichnete sich einige dünne Falten der Nachdenklichkeit ab, als Ihre Gedanken für einen kurzen Moment in die Vergangenheit drifteten: Wie hart hatte sie für diese Ehre gearbeitet? Sie übte stundenlang mit verschiedenen Mitgliedern der Garde den Schwung des Schwertes und den Halt des Schildes, studierte die unterschiedlichsten Techniken des Angriffes und Kreaturen des alatarischen Reiches – ja, sie strebe die Perfektion unter den Augen des Herrn an. Ihr Blick pendelt zu Jonath hinüber und erneut machten die Gedanken einen Sprung in die nahe Vergangenheit: Sie stritt nun schon längere Zeit an seiner Seite und war ein jedes Mal wieder froh, um seine Klinge neben der eigenen. Noch vor Monden, stand sie mit Ihm vor den Augen des Schwarzen Marschalls und der Bevölkerung, um Ihm seine gerechte Strafe zuzufügen, doch nun – nun saß er hier an Ihrer Seite und hatte sich dem Dienst der Garde verschrieben, um weiterhin den rechten Pfad zu beschreiten. Weder seine spitze Zunge, noch seine raue Art und Weise Ihr gegenüber konnten verbergen, dass er sich Mühe gab und mit aller Hingabe der Schwarzen Armee diente, um sie vor Häschern, die Stadt vor weiteren Gräueltaten zu bewahren.
Nur sehr langsam löste sich der Nebel Ihrer Gedanken und erneut spürte sie die abwartenden Blicke der anwesenden Soldaten auf Ihrer Person: Vanessa Valmon. Jonath Grauwind und Lieon. Sie alle dienten der Stadt, der Schwarzen Armee, Ihr und dem All-Einen mit einer derartigen Hingabe, dass sich Ihre Lippen beinahe zu einem dezenten Lächeln verzogen hatten. Der Herr konnte stolz auf derlei Anhänger sein. Mit einigen letzten Worten, Aufgaben und Befehlen entließ sie die Streiter schließlich in den Abend, während sie selber unter einem metallenen Klicken die Scharniere Ihrer Rüsthandschuhe schloss. Ja, Ihre Rüstung war inzwischen zu einer zweiten Haut für sie geworden. Kaum mehr spürte sie das kühle, kantige Metall auf Ihrer Haut, so dass die Bewegungen fließend waren und den Anschein erweckten als würde sie bereits seit Kindesbeinen an in derartigem Rüstzeug stecken. Nein, vollkommen abwegiger war dieser Gedankengang auch tatsächlich nicht. Ein weiteres Mal kroch der unbarmherzige Nebel in Ihren Geist und schloss Ihren Blick vor dem Hier und Jetzt: „Anastasia! Streng' Dich gefälligst an. Du schwingst Dein Schwert als wärst Du gerade erst aus den Kinderschuhen gestiegen, bei Alatar!“, die harte Stimme schallte über den Übungsplatz und schlug unbarmherzig auf das kleine Mädchen ein. Dieses Mädchen, kaum mehr als neun Jahre, stand mit zitternden Beinen auf dem sandigen Platz und versuchte neben dem Gewicht der kleinen Plattenrüstung auch noch das Gewicht des Schwertes und Schildes zu stemmen. „Aber Vater, ich bin doch auch erst...“, wollte sie entgegnen, als ein Hieb der großen Pranke sie bereits in den Sand drückte. „Wie war das? Der Herr hört alles, Kind. Meinst Du, er wäre erfreut zu hören, dass Du zu schwach bist in seinem Namen zu streben?“, breitbeinig stand Ihr Vater, Hauptmann der hiesigen Garde, vor Ihr und blickte mit unbarmherzigen Augen zu Ihr herab. So jung sie auch war, sie hatte gelernt, dass jeglicher Diskussionsversuch mit Ihrem Vater aussichtslos war und so beließ sie es bei einem leichten Schütteln des Hauptes, nur um Momente später wieder unter dem Gewicht zu leiden und die verbalen, wie auch physischen Schläge einzustecken und wortlos hinzunehmen. Ja, so abwegig war der Gedanke gar nicht...
Mechanisch hatten Ihre Schritte sie bereits in den Empfangsraum der Kommandantur geführt. Er war nur mehr dezent beleuchtet, weswegen sich nun verschiedene Schatten an den hohen Wänden tummelten und Ihr tückisches Spiel trieben. Mit jedem Lechzen der Flammen, schlugen die Schatten aus und trieben sich gegenseitig an den Wänden entlang, so dass die Aufmerksamkeit der Streiterin tatsächlich einen Moment von dieser Erscheinung gefesselt war. „Alarm!“, ein Schrei riss sie aus Ihrer Träumerei und weckte die Lebensgeister. Nicht nur verschwand der Neben ein für allemal aus Ihrem Geist, auch die Muskeln spannten sich aufmerksam in Ihrem Körper an. Routiniert schloss sich Ihre Rechte um den Griff des Schwertes an Ihrer Seite, als die Augen auch schon ungeachtet der tanzenden Schatten durch den Raum huschten und sich letztendlich auf den Stiegen festsetzten. Jonath. Es war seine Stimme, die Alarm geschlagen hatte. Konzentriert verengten sich Ihre hellen Augen nun, so dass sie kurzzeitig den Eindruck eines lauernden Raubtieres machte. Und genau dieses Raubtier hechtete nun mit grazilen Sprüngen die Treppen herab, um in Ihre Richtung zu schleichen. Raubtier? Ruckartig wich sie einen Schritt zurück und fixierte den matt schimmernden Panther vor sich. Ein Fauchen, welches durch Mark und Bein ging, ließ sie schaudern, ehe verschiedene Emotionen gleichzeitig Ihren Leib durchfluteten. Respekt, Misstrauen und Konzentration kämpften in Ihrem Inneren um die Vorherrschaft, während Ihr Äußeres vollkommen ruhig war. Das Schwert harrte zum Zug bereit in der Schwertscheide, als sich Ihr Blick mit den Bewegungen der Raubkatze bewegte. Sie schlich in Ihre Richtung, fixierte sie mit Ihren so surreal erscheinenden schimmernden Augen, bevor ein weiterer Sprung das Tier durch die schwere Metalltüre führte. Ungeachtet der Tatsache, dass dieses Etwas gerade ungeachtet durch Metall sprang, marschierte Anastasia hinterher. Ihre Schritte wirken mechanisch, gerade so als hätte der Panther nun die Fänden in der Hand und würde sie mit sich locken. Weder nahm sie die potentielle Gefahr wahr, noch bemerkte sie die um sich sammelnden Gardisten. Es war, als würde sie ein stummes Zwiegespräch mit der Raubkatze halten, welche sie Stück um Stück von der Gruppe entfernte. Ihr Leib war so leicht, all' das Gewicht fiel von Ihr ab und für den Moment waren selbst Ihre Gedanken fern von Informationen, Akten und Problemen, als dann sich die Schritte weiter und weiter gen des Ausganges der Stadt bewegten. Den Befehl, den sie mit matter Stimme den folgenden Soldaten gab, nahm sie nicht einmal mehr wahr als der stechende Schmerz sich in Ihrem Körper ausbreitete und sich mit jedem einzelnen Herzschlag weiter durch die Adern und Venen ausbreitete. Zischelnd entließ sie die Luft, als der Schmerz Ihr Herz erreichte und es mit einer festen Faust umschloss. In diesem Moment trieben sie alle angestauten Emotionen an: Hass und Zorn vereinten sich und bildeten ein enormes Bollwerk gegen den grauenvollen Schmerz in Ihrer Brust. Schritt um Schritt beschleunigte sie Ihre Verfolgung des Panthers, als er urplötzlich vor einem schmalen Bachlauf zum Stillstand kam. Ein Stocken und schon durchwatete er das kühle Nass, als wäre es gar nicht vorhanden. Seine glitzernden Augen ruhten eindringlich auf Ihr, ließen sie keinen Augenblick aus, während sein langer Schwanz grazil in der Luft peitschte.
„Was willst Du? Was willst Du mir zeigen?“, stieß sie nun leise, keuchend vor Anstrengung aus. Der Kampf gegen den Schmerz, wie auch der rasche Schritt in der Rüstung zollten nun doch Ihren Tribut und ließen den kühlen Schweiß in Ihrem Rücken herab rinnen. Konzentriert huschten Ihre Augen über das Wasser, das Ufer und schließlich wieder in Richtung der Raubkatze. Doch sie war verschwunden, ohne ein Zeichen Ihrer vorherigen Anwesenheit. Kein Grashalm hatte sich unter dem Gewicht der schweren Tatze gebogen, kein Vogel stieg kreischend in die Luft beim Anblick der Katze. Nein, es war, als wäre der Panther nie hier gewesen. Ein leises Plätschern erregte nun Ihre Aufmerksamkeit und ließ den Blick ein weiteres Mal entlang des Ufers wandern. Schilf, Grashalme, aufgewühltes Erdreich … und eine alte, unauffällige Kiste. Unscheinbar, war sie doch etwa bis zur Hälfte von Schlick und Wasser bedeckt. Lediglich das Geräusch, welches sie mit jeder Welle verursachte, war Zeuge Ihrer tatsächlichen Existenz. Anastasia ging langsam in die Hocke und strich bedächtig mit den Fingerkuppen über das morsche Holz. Dreck, keinerlei Schriftzeichen oder Hinweise auf die Herkunft dieser Kiste und doch – das Gefühl war überwältigend. Es war, so seltsam es sich in Ihrem eigenen Kopf anhörte, als würde die Kiste hier auf sie gewartet haben. Nur auf sie. Als wäre der Inhalt lediglich für sie bestimmt. Und so bewegten sich die Finger gen des alten Schlosses, um es ohne Kraft und große Bemühungen klickend zu öffnen. „Bei Alatar.“, keuchte sie, als sie den Schein der matt schimmernden Runen wahrnahm. Die Kiste war voll mit verschiedenen Rüstteilen, einem filigranen Schwert und wohl geformten Schild. Respektvoll und mit einem gewissen Grad an Vorsichtig bewegten sich hier nun die Finger über den Schild hinweg, fuhren die Linien nach welche die Runen des Herrn bildeten und legten sich schließlich entschlossen um die Halterung, um es in die Höhe zu stemmen. Der Gottkönig war es, er führte sie hierher. Hierher zu Ihrer, von Ihm ausgewählten Rüstung. Überwältigt und für den Moment kraftlos sackte sie in sich zusammen, um die Augen zu schließen und die Lippen stumm zu bewegen. Sie betete, betete inständig zu Ihrem Gott, der Ihre Arbeit und Ihr Streben auf seine Art und Weise belohnt hatte. Erst als die letzte Silbe Ihren Lippen verlassen hatte und die krallende Faust des Schmerzes Ihre Brust entließ, hoben sich Ihre Augenlider langsam in die Höhe, um auch den restlichen Inhalt der hölzernen Kiste zu begutachten. Stück um Stück nahm sie die gesegnete Teile hervor, um sie behutsam in Ihren Armen zu betten. Mit einem letzten Blick gen Himmel murmelte sie: „Heil Alatar.“, während die Kiste sich mit dem nächsten Wellengang langsam weiter den Fluss herab bewegte und bald von der Dunkelheit der Nacht verschluckt wurde.
Hier war sie also. Ritterin des Herrn, geboren um zu kämpfen, erzogen um zu streben. Sie würde Ihn, Ihren Herrn, nicht enttäuschen.
Nur sehr langsam löste sich der Nebel Ihrer Gedanken und erneut spürte sie die abwartenden Blicke der anwesenden Soldaten auf Ihrer Person: Vanessa Valmon. Jonath Grauwind und Lieon. Sie alle dienten der Stadt, der Schwarzen Armee, Ihr und dem All-Einen mit einer derartigen Hingabe, dass sich Ihre Lippen beinahe zu einem dezenten Lächeln verzogen hatten. Der Herr konnte stolz auf derlei Anhänger sein. Mit einigen letzten Worten, Aufgaben und Befehlen entließ sie die Streiter schließlich in den Abend, während sie selber unter einem metallenen Klicken die Scharniere Ihrer Rüsthandschuhe schloss. Ja, Ihre Rüstung war inzwischen zu einer zweiten Haut für sie geworden. Kaum mehr spürte sie das kühle, kantige Metall auf Ihrer Haut, so dass die Bewegungen fließend waren und den Anschein erweckten als würde sie bereits seit Kindesbeinen an in derartigem Rüstzeug stecken. Nein, vollkommen abwegiger war dieser Gedankengang auch tatsächlich nicht. Ein weiteres Mal kroch der unbarmherzige Nebel in Ihren Geist und schloss Ihren Blick vor dem Hier und Jetzt: „Anastasia! Streng' Dich gefälligst an. Du schwingst Dein Schwert als wärst Du gerade erst aus den Kinderschuhen gestiegen, bei Alatar!“, die harte Stimme schallte über den Übungsplatz und schlug unbarmherzig auf das kleine Mädchen ein. Dieses Mädchen, kaum mehr als neun Jahre, stand mit zitternden Beinen auf dem sandigen Platz und versuchte neben dem Gewicht der kleinen Plattenrüstung auch noch das Gewicht des Schwertes und Schildes zu stemmen. „Aber Vater, ich bin doch auch erst...“, wollte sie entgegnen, als ein Hieb der großen Pranke sie bereits in den Sand drückte. „Wie war das? Der Herr hört alles, Kind. Meinst Du, er wäre erfreut zu hören, dass Du zu schwach bist in seinem Namen zu streben?“, breitbeinig stand Ihr Vater, Hauptmann der hiesigen Garde, vor Ihr und blickte mit unbarmherzigen Augen zu Ihr herab. So jung sie auch war, sie hatte gelernt, dass jeglicher Diskussionsversuch mit Ihrem Vater aussichtslos war und so beließ sie es bei einem leichten Schütteln des Hauptes, nur um Momente später wieder unter dem Gewicht zu leiden und die verbalen, wie auch physischen Schläge einzustecken und wortlos hinzunehmen. Ja, so abwegig war der Gedanke gar nicht...
Mechanisch hatten Ihre Schritte sie bereits in den Empfangsraum der Kommandantur geführt. Er war nur mehr dezent beleuchtet, weswegen sich nun verschiedene Schatten an den hohen Wänden tummelten und Ihr tückisches Spiel trieben. Mit jedem Lechzen der Flammen, schlugen die Schatten aus und trieben sich gegenseitig an den Wänden entlang, so dass die Aufmerksamkeit der Streiterin tatsächlich einen Moment von dieser Erscheinung gefesselt war. „Alarm!“, ein Schrei riss sie aus Ihrer Träumerei und weckte die Lebensgeister. Nicht nur verschwand der Neben ein für allemal aus Ihrem Geist, auch die Muskeln spannten sich aufmerksam in Ihrem Körper an. Routiniert schloss sich Ihre Rechte um den Griff des Schwertes an Ihrer Seite, als die Augen auch schon ungeachtet der tanzenden Schatten durch den Raum huschten und sich letztendlich auf den Stiegen festsetzten. Jonath. Es war seine Stimme, die Alarm geschlagen hatte. Konzentriert verengten sich Ihre hellen Augen nun, so dass sie kurzzeitig den Eindruck eines lauernden Raubtieres machte. Und genau dieses Raubtier hechtete nun mit grazilen Sprüngen die Treppen herab, um in Ihre Richtung zu schleichen. Raubtier? Ruckartig wich sie einen Schritt zurück und fixierte den matt schimmernden Panther vor sich. Ein Fauchen, welches durch Mark und Bein ging, ließ sie schaudern, ehe verschiedene Emotionen gleichzeitig Ihren Leib durchfluteten. Respekt, Misstrauen und Konzentration kämpften in Ihrem Inneren um die Vorherrschaft, während Ihr Äußeres vollkommen ruhig war. Das Schwert harrte zum Zug bereit in der Schwertscheide, als sich Ihr Blick mit den Bewegungen der Raubkatze bewegte. Sie schlich in Ihre Richtung, fixierte sie mit Ihren so surreal erscheinenden schimmernden Augen, bevor ein weiterer Sprung das Tier durch die schwere Metalltüre führte. Ungeachtet der Tatsache, dass dieses Etwas gerade ungeachtet durch Metall sprang, marschierte Anastasia hinterher. Ihre Schritte wirken mechanisch, gerade so als hätte der Panther nun die Fänden in der Hand und würde sie mit sich locken. Weder nahm sie die potentielle Gefahr wahr, noch bemerkte sie die um sich sammelnden Gardisten. Es war, als würde sie ein stummes Zwiegespräch mit der Raubkatze halten, welche sie Stück um Stück von der Gruppe entfernte. Ihr Leib war so leicht, all' das Gewicht fiel von Ihr ab und für den Moment waren selbst Ihre Gedanken fern von Informationen, Akten und Problemen, als dann sich die Schritte weiter und weiter gen des Ausganges der Stadt bewegten. Den Befehl, den sie mit matter Stimme den folgenden Soldaten gab, nahm sie nicht einmal mehr wahr als der stechende Schmerz sich in Ihrem Körper ausbreitete und sich mit jedem einzelnen Herzschlag weiter durch die Adern und Venen ausbreitete. Zischelnd entließ sie die Luft, als der Schmerz Ihr Herz erreichte und es mit einer festen Faust umschloss. In diesem Moment trieben sie alle angestauten Emotionen an: Hass und Zorn vereinten sich und bildeten ein enormes Bollwerk gegen den grauenvollen Schmerz in Ihrer Brust. Schritt um Schritt beschleunigte sie Ihre Verfolgung des Panthers, als er urplötzlich vor einem schmalen Bachlauf zum Stillstand kam. Ein Stocken und schon durchwatete er das kühle Nass, als wäre es gar nicht vorhanden. Seine glitzernden Augen ruhten eindringlich auf Ihr, ließen sie keinen Augenblick aus, während sein langer Schwanz grazil in der Luft peitschte.
„Was willst Du? Was willst Du mir zeigen?“, stieß sie nun leise, keuchend vor Anstrengung aus. Der Kampf gegen den Schmerz, wie auch der rasche Schritt in der Rüstung zollten nun doch Ihren Tribut und ließen den kühlen Schweiß in Ihrem Rücken herab rinnen. Konzentriert huschten Ihre Augen über das Wasser, das Ufer und schließlich wieder in Richtung der Raubkatze. Doch sie war verschwunden, ohne ein Zeichen Ihrer vorherigen Anwesenheit. Kein Grashalm hatte sich unter dem Gewicht der schweren Tatze gebogen, kein Vogel stieg kreischend in die Luft beim Anblick der Katze. Nein, es war, als wäre der Panther nie hier gewesen. Ein leises Plätschern erregte nun Ihre Aufmerksamkeit und ließ den Blick ein weiteres Mal entlang des Ufers wandern. Schilf, Grashalme, aufgewühltes Erdreich … und eine alte, unauffällige Kiste. Unscheinbar, war sie doch etwa bis zur Hälfte von Schlick und Wasser bedeckt. Lediglich das Geräusch, welches sie mit jeder Welle verursachte, war Zeuge Ihrer tatsächlichen Existenz. Anastasia ging langsam in die Hocke und strich bedächtig mit den Fingerkuppen über das morsche Holz. Dreck, keinerlei Schriftzeichen oder Hinweise auf die Herkunft dieser Kiste und doch – das Gefühl war überwältigend. Es war, so seltsam es sich in Ihrem eigenen Kopf anhörte, als würde die Kiste hier auf sie gewartet haben. Nur auf sie. Als wäre der Inhalt lediglich für sie bestimmt. Und so bewegten sich die Finger gen des alten Schlosses, um es ohne Kraft und große Bemühungen klickend zu öffnen. „Bei Alatar.“, keuchte sie, als sie den Schein der matt schimmernden Runen wahrnahm. Die Kiste war voll mit verschiedenen Rüstteilen, einem filigranen Schwert und wohl geformten Schild. Respektvoll und mit einem gewissen Grad an Vorsichtig bewegten sich hier nun die Finger über den Schild hinweg, fuhren die Linien nach welche die Runen des Herrn bildeten und legten sich schließlich entschlossen um die Halterung, um es in die Höhe zu stemmen. Der Gottkönig war es, er führte sie hierher. Hierher zu Ihrer, von Ihm ausgewählten Rüstung. Überwältigt und für den Moment kraftlos sackte sie in sich zusammen, um die Augen zu schließen und die Lippen stumm zu bewegen. Sie betete, betete inständig zu Ihrem Gott, der Ihre Arbeit und Ihr Streben auf seine Art und Weise belohnt hatte. Erst als die letzte Silbe Ihren Lippen verlassen hatte und die krallende Faust des Schmerzes Ihre Brust entließ, hoben sich Ihre Augenlider langsam in die Höhe, um auch den restlichen Inhalt der hölzernen Kiste zu begutachten. Stück um Stück nahm sie die gesegnete Teile hervor, um sie behutsam in Ihren Armen zu betten. Mit einem letzten Blick gen Himmel murmelte sie: „Heil Alatar.“, während die Kiste sich mit dem nächsten Wellengang langsam weiter den Fluss herab bewegte und bald von der Dunkelheit der Nacht verschluckt wurde.
Hier war sie also. Ritterin des Herrn, geboren um zu kämpfen, erzogen um zu streben. Sie würde Ihn, Ihren Herrn, nicht enttäuschen.